Die Stimmen, die ich aus dem Raum heraus wahrnahm, wurden immer lauter. Unruhig zitternd saß ich auf einem knarrenden Holzstuhl, den man mir vor das Büro stellte. Mein Körper fühlte sich schwach und ausgelaugt an, während das harte Mineral an meine Knöchel drückte. Die Gedanken schossen ungeordnet durch mein Unterbewusstsein.
Es passierte alles so schnell, wie damals. Ich riss erschrocken den Mund auf und schluckte, während mir die Misshandlungen in den Sinn kamen. Die, die ich schweigend erdulden musste. Ein Mucks und es wäre von vorne losgegangen – und das schlimmer.
„Boa Hancock. Eintreten!“, brüllte die raue Stimme, wonach der fürchterliche Mann in der Tür stand und auf mich herabschaute.
„Eintreten!“, flüsterte er mit kaltem Unterton und ich traute mich nicht ihm in die Augen zu sehen. Ich war stark, doch so fühlte ich mich nicht mehr, seitdem ER weg war. Seine Nähe gab mir das Gefühl von Sicherheit, etwas, was ich lange Zeit nicht genießen durfte. Als Sklavin gab es für mich kein Mitgefühl, kein Verzeihen – nichts Menschliches.
Ich trat ein und sah drei Gestalten vor mir sitzen.
„Wir haben Sie enttarnt!“, sagte die hohe Stimme des übergewichtigen Fettsacks. Ich wandte meinen Blick von seiner Frisur ab – sie war grauenhaft. Sentoumaru räusperte sich und deutete auf den Platz, der in der Mitte des Raums vorzufinden war.
Ich hätte reagiert, geschrien und mich aufgeplustert, doch das war in diesem Moment keine Maßnahme. Weder war ich gehalten mein Volk mit einem Schauspiel zu belügen, noch kochten die Glücksgefühle in mir über. In diesem Augenblick war ich in der bitteren Realität. Ein trauriger Zustand.
„Ich habe Sie aus Amazon Lily raus geholt, da Sie die Regierung hintergangen haben!“, presste Sakazuki tobend hervor und fiel dadurch sprichwörtlich mit der Tür ins Haus. Ich erstarrte, senkte meinen Blick zu Boden. Immer noch konnte ich diesem gefühlskalten Bastard nicht in die Augen sehen. Ohne Zögern hätte er mir fast das genommen, was mich am Leben hielt, mich lebendig fühlen ließ. Ich hasste ihn, doch mein Sklavendasein brannte zu tief in meinem Herzen. Ich schwieg, damit es nicht schlimmer werden konnte.
„Im Impel Down haben Sie sich verdächtig verhalten und endlich ergibt dies einen Sinn“, erklärte Momonga, der mir von den Dreien den gemäßigten, beinahe gelangweilten Eindruck vermittelte. Ich starrte auf seinen Irokesen-Haarschnitt, dachte kurz an Ruffy – wie er damit aussehen würde. Ehe sich so etwas wie ein Lächeln gebildet hätte, lag ich unlängst am Boden, spürte jetzt erst das schmerzhafte Würgen an meinem Hals.
Ich konnte nicht anders und schrie.
„Bleiben Sie ruhig“, warfen Sentoumaru und Momonga ein, wonach der Admiral innehielt.
„Der Plan, der Plan...“, grummelte dieser hasserfüllt und ließ von mir ab. Zum ersten Mal sah ich seine Augen, bekam riesige Angst. Als hätte ich mich damals zwischen ihn und meinen Geliebten geworfen, so sehr brannte es in mir. Doch das war vermutlich der Schock, etwas, was ich niemals vergessen würde.
„Boa Hancock“, versuchte es Sakazuki erneut und starrte meinen Körper ausdruckslos an.
„Ihr Verrat ist unverzeihlich und ob Sie im Impel Down bis zum Tod einsitzen oder ich es sofort beende...Es ist mir gleichgültig, doch ihr Leben hat noch einen
Nutzen!“, wobei er das letzte Wort mit einem seltsamen Lächeln betonte. Ich schaute ihn an, wusste nicht, ob er nicht lachen konnte – oder es nicht wollte. Es war lediglich eine Grimasse, die mich schweigen ließ.
„Dragons Sohn, Strohhut Ruffy, ist seit Wochen spurlos verschwunden...wissen Sie etwas über seinen Aufenthalt?“, fragte der Admiral. Ehe ich antworten konnte, schrie er mich an und ich spürte seine Spucke in meinem Gesicht.
„Wenn Sie nicht antworten, werde Ich Amazon Lily mit eigenen Händen zerstören. Haben Sie mich verstanden?!“
Der Fettsack mit der scheußlichen Frisur schaltete sich ein, wartete aber einige Sekunden, während er meine glasigen Augen beobachtete. Er sah, wie ich innerlich an die Wand gedrängt wurde. Es gab keine Ausflüchte. Ich wusste, wie sehr mein Ruffy diesen roten Hund hasste, wie oft er sich die Seele aus dem Leib schrie. Meine Liebe würde diesen Teufel eigenhändig ausschalten, dies war eines seiner vielen Ziele. Aber so sehr ich ihn auch liebte: Er würde diesen Kampf jetzt noch nicht überleben. Ich würde es nicht überleben und es würde kein „Wir“ geben. Meine Gefühle rasten. Was ich zuletzt hörte, war das Räuspern des Sumoringers – oder was er darstellen wollte.
„Ich habe ein Gespräch von Dr. Vegapunk mitgehört. PX-0 wird uns den Aufenthalt des Schiffes, der Thousand Sunny zeigen!“
„Deswegen bist du der Marine beigetreten...Da Du keine Verräter
beschützen willst?“, fragte Momonga gehässig und schien belustigt.
„RUHE!“
Aka Inu war aufgestanden und schritt zur Tür.
„Ich gebe Ihnen zwei Tage Bedenkzeit. Sie wissen ganz genau, dass ich keine, wie sagt man, Witze mache“, erklärte er und schien plötzlich ruhig geworden zu sein. Ich irrte gewaltig, als er mit einem schadenfrohen Grinsen den Türknauf bewegte und mir eine bekannte Person gegenüberstand.
„Endlich wächst meine Kapitänssammlung wieder“, gluckste der kleine Mann, der mir mit seinem Gehstock in die Brust stach.
„Ihre Überlegungen können Sie in Mary Joa weiterführen. Kommen wir zu keinem Ergebnis, bleiben Sie auch dort,
Sklavin Boa Hancock“, ergänzte der rote Hund und schloss hinter uns die Tür.
In Seesteinhandschellen wurde ich in meine schändliche Vergangenheit zurück geführt. An der Seite von Sankt Rosward spürte ich ein widerliches Zucken in meinem Herzen. Konnte ich meinen Ruffy wirklich der Marine ausliefern?