Buchrezensionen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Final Cut von Veit Etzold




      Du hast 438 Freunde auf Facebook.
      [i]
      Die Freunde sind virtuell,
      der Feind ist real.

      Er wird Dich suchen.
      Er wird Dich finden.
      Er wird Dich töten.

      Du hast 438 Freunde auf Facebook.
      Und keiner wird etwas merken.


      [/i]Ein sehr guter Thriller der garantiert nichts für schwache Nerven ist. Es geht um einen Killer der wie ein Computervirus agiert, seine Opfer per Facebook und Co. aussucht und auf grausame Weise umbringt. Es regt zum Nachdenken an über sein eigenes Verhalten im Internet, sei es ob man sich auf fremde Leute einlässt oder etwas banales wie den eigenen Urlaub postet.
      Auch wird das Thema "Castingshow" aufgegriffen, geldgeile Produzenten und menschenverachtender Umgang mit den Teilnehmer aber auch den Zuschauern.

      Eines meiner Lieblingsbücher, aber wirklich nichts für zartbeseitete es wird alles sehr detailliert beschrieben ;)
    • Der Seelenbrecher - Sebastian Fitzek




      Kurze Handlung:

      Den Rahmen der Handlung bildet ein Experiment, welches ein Universitäts-Professor mit einigen Probanden am 23. Dezember durchführen möchte. Und wie es im Leben nun einmal so ist, Studenten haben wenig Geld und so finden sich an diesem ungewöhnlichen Tag mehrere dieser in einer früheren Klinik ein, um in Begleitung des Professors eine Patienten-Akte zu lesen. Eine Akte, die sich wie ein Thriller liest:Casper hat nach einem Unfall sein Gedächtnis verloren und wird in derTeufelsklinik, einer der führenden Luxuskliniken für psychosomatische Störungen, behandelt. Als kurz vor Weihnachten ein neuer Patient eingeliefert wird, ahnt niemand, dass er der Seelenbrecher ist. Ein Irrer, der drei Frauen entführt und nach nur wenigen Tagen, psychisch vollkommen zerstört, wieder ins Leben entlassen hat. Gerade als Personalund Mitpatienten entdeckt haben, wer in ihrer Mitte weilt, schneidet ein heftiger Schneesturm die Klinik von der Außenwelt ab. Eine Nacht des Grauens beginnt, in der Casper alles versucht, um das nächste Opfer vor dem Seelenbrecher zu retten.
      Ich will da jetzt noch nicht zuviel erzählen, nicht dass da am Ende wer die Lust verliert das Buch zu lesen...



      Meine Meinung zum Buch:

      Definitiv eines meiner Liebsten Psychothriller, da der Schriftsteller sehr gut Recherchiert hatte, und man daher ein sehr autenthisches Bild bekommt, von dem was möglch sein kann.
      Sebastian Fitzek schafft es den Leser immer wieder durch unvorhergesehene Wendungen den Leser zu überraschen, und das Buch ist so fesselnd und Spannend, dass ich es selber mindestens 3-4 mal gelesen habe. Selbst nachdem ich das Buch sooft gelesen habe, fallen mir immer wieder neue Details auf, die zum tieferen Verständnis beitragen. Desweitern schafft es Fitzek dem Leser die Möglichkeit zu geben selber noch weiter diese Geschichte zu spinnen, indem er uns ein überraschendes Ende gibt. Desweitern gibt es viele weitere Möglichkeiten zur Interpretation. Vorallem im Bezug auf eine Sache, die mir nach einigen Jahren immer noch im Geist schwirrt.
      Spoiler anzeigen
      Es gibt Anspielungen auf Fitzeks erstes Buch, Die Therapie, in Form von Viktor Larenz und Anna Spiegel, die dort wichtige Rollen einnehmen, und man die Beutung des eben genannten Buches, das ebenfalls sehr lesenswert ist, in einem völlig neuen Licht sieht.

      Das Buch ist definitiv nicht für Zartbeseitete gemacht, zumal es ins Genre der Psychothriller fällt, meiner Meinung nach die besten, wenn auch gruseligste Form der Thriller, weil sie die Abgründe des menschlichen Geistes erforschen, und auch einiges an Gewalt aufzuweisen hat, wem das aber nichts ausmacht, sollte definitiv dieses Buch lesen, da es eines der besten Bücher deutscher Thrillerschriftsteller ist.


      PS: Hier noch ein netter kleiner Clip zum Buch:

    • Die Anstalt - John Katzenbach



      Gerne würde ich noch ein Buch vorstellen, dass in jede Psychothrillersammlung gehört.

      Der Klapptext:
      Das Böse. Das Grauen. Die Klinik.

      Vor zwanzig Jahren, als junger Mann, ist Francis Petrel gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Mehrere Jahre hat er dort zugebracht – bis die Anstalt nach einer Mordserie geschlossen wurde. Noch immer hört Francis Stimmen, nimmt Medikamente. Die Erinnerung an die traumatischen Geschehnisse von damals ängstigt ihn, und er beginnt aufzuschreiben, was er erlebt hat – mit Bleistift, auf den Wänden seiner Wohnung. Wer war der mysteriöse »Engel des Todes«, der damals sein Unwesen trieb? Gibt es ihn überhaupt? Oder existiert er nur in Francis’ Schreckensphantasien?



      Meine Meinung zum Buch:
      Das Buch ist, vor allem am Anfang etwas langatmig, doch wenn man ersteinmal darüber hinweg ist, kann man obgleich seiner 752 Seiten nicht mehr aufhören zu lesen. Das Buch, das anders als der Seelenbrecher weniger Wert auf die menschliche Psyche setzt, sondern mehr auf das Aufklären des Mordes, ist zugleich eine Kritik Katzenbachs an der heutigen Gesellschaft und ihres Umgangs mit Menschen mit Geistesstörungen.
      Obwohl es zum Genre der Psychothriller zählt, ist es meiner Meinung nach grenzwertig. Da es auch sehr viel um den Kriminalfall geht. Nur die Rahmenbedingungen sind die in einer psychiatrischen Klinik, was die Aufklärung merklich erschwert, und die Handlungen einzelner Menschen unlogisch erscheinen lässt.
      Es ist Meiner Meinung nach ein gutes Buch zum Einstieg in die Welt der Psychothriller, auch wenn ich sicher bin, dass viele eine andere Meinung vertreten werden.


    • Uthred Saga - Bernhard Cornwell

      Mir ist etwas langweilig, und da ich gerade nichts besseres zu tun habe, lege ich euch ein weitere Buch zu Herzen...



      Hierbei handelt es sich jedoch nicht um ein einzelnes Buch, sondern um eine Bücherreihe.

      Handlung:


      1. Buch
      Das letzte Königreich


      Im Jahr 866, als er 10 Jahre alt ist, wird sein älterer Bruder, der die
      Herrschaft als Aldermann über Bebbanburg (Bamburgh Castle) von seinem
      Vater übernehmen sollte, von Dänen hingerichtet. Nun ist er als der
      nächst Ältere der Nachfolger und erhält den Namen seines Bruders,
      Uthred, wie auch alle seine Vorväter geheißen haben. Die Dänen sind
      dabei, nach und nach England zu erobern, arbeiten sich von Königreich zu
      Königreich vor, von Norden nach Süden, ohne Rücksicht auf Verluste.
      Dörfer werden niedergebrannt, Kirchen und Klöster gebrandschatzt,
      Menschen getötet, egal ob Mann, Frau, Kind, Geistlicher oder Arbeiter.
      Auf dem Rachefeldzug für seinen Bruder, auf den Uthred eigentlich gar
      nicht mitkommen soll, greift er Heerführer der Dänen an, der ihn zwar
      mit einem Schwerthieb entwaffnet, von seinem Mut aber so beeindruckt
      ist, dass er ihn mitnimmt und künftig in seinem Clan als Dänen
      großzieht.



      2. Buch
      Der weiße Reiter


      Uhtred, inzwischen 20 Jahre alt und kampferfahren, kehrt zu seinem
      König Alfred zurück und muss erfahren, dass sich jemand anders seinen
      grandiosen Sieg an die Brust geheftet hat. Odda der Jüngere wird
      daraufhin zum neuen Feind Uhtreds in den eigenen Reihen. Doch ein
      weiteres Problem ist, dass immer mehr Dänen mit ihren Schiffen nach
      England kommen und versuchen werden, das letzte Königreich zu erobern,
      das noch nicht von ihnen unterjocht wurde. Unter ihnen sind Guthrum und
      Svein.



      Guthrum, dem Uhtred bereits in der letzten Schlacht begegnet ist,
      fällt über König Alfreds Sitz her. Dieser konnte allerdings vorher
      fliehen und verkriecht sich in einem kleinen Sumpfgebiet. Uhtred indes
      ist mit seinem Freund Leofric unterwegs, um seine Langeweile zu
      vertreiben. Und das macht man in diesen Zeiten zunächst mit kleineren
      Raubzügen und Überfällen, denn Silber kann man in Kriegszeiten immer
      gebrauchen. Auf dieser Fahrt lernt der den starken und berüchtigten
      dänischen Hünen Svein kennen, der stets ein weißes Pferd reitet, das er
      auch auf seiner Fahne trägt. Die beiden bestreiten einen kleinen Raubzug
      zusammen, ehe sich die Wege wieder trennen und Uhtred auch in den
      Sümpfen bei König Alfred landet. Die letzte Bastion in den Sümpfen
      rüstet zum Kampf gegen die Dänen. In großer Unterzahl und mit wenig
      Hoffnung soll Wessex zurückerobert werden. Doch braucht es dazu beherzte
      Kämpfer – Alfred jedoch ist ein gottesfürchtiger König, der seine
      Pflichten und Kämpfe lieber durch Gebete als durch das Schwert
      verrichten würde …


      3. Buch
      Die Herren des Nordens


      Kaum hat Uhtred sicherheitshalber den Schatz vergraben, den er von
      König Alfred bekommen hat, befreit er den Priester Guthred aus der
      Gefangenschaft. Guthred erklärt sich zum König von Northumbrien und
      Uhtred schwört ihm seine Gefolgschaft. Schnell stellt man fest, dass man
      gemeinsame Feinde hat und Uhtreds Kampfwissen ist für Guthred und seine
      Gefolgsleute von enormer Wichtigkeit und sehr wertvoll. Guthred will
      zwar König Alfred nacheifern, den Uhtred immer noch für einen schwachen
      König hält, aber er lernt schnell dazu.



      Mit Guthred und seinem zweifelhaften Gefolge, allen voran der
      griesgrämige Priester Hrothweard, den Uthred schnell als Gegner sieht,
      ziehen sie an den Hadrianswall, um neue Taktiken zu überlegen. Dabei
      haben sie im Schlepptau immer die Gebeine des heiligen Cuthbert, den sie
      vor Übergriffen und Schändungen schützen wollen und noch zahlreiche
      weitere Reliquien. Während sich Uhtred darauf vorbereitet, wieder nach
      Bebbanburg zu gehen, um dort seinen Onkel zu töten und seinen Platz
      einzunehmen, haben sich andere Könige mit großen Streitmächten in
      uneinnehmbaren Festungen eingenistet. Unter ihnen sind Kjartan, Ivarr
      und einige andere.



      Gerade als Uhtred sich zu sicher fühlt, wird er von Guthred verraten
      und an einen Sklavenhändler verkauft. Uhtred erkennt, seine Position
      falsch eingeschätzt zu haben und verbringt so die nächste Zeit damit,
      unter dem Kapitän Sverri und seinen schlechten Launen und seinen
      grimmigen Leuten durch die Meere zu rudern. Hier sitzt er nun, schmiedet
      Fluchtpläne und lernt neue und alte Feinde und Freunde kennen. Sollte
      er je wieder von dem Schiff entkommen können, wäre viel Blut zu
      vergießen …


      4. Buch
      Schwertgesang


      Im Jahr 855 ist das bekannte England der Zeit fast komplett unter
      dänischer Herrschaft. Uhtred von Bebbanburg, immer noch durch einen
      Schwur an Alfred gebunden, kämpft mit seinen Männern in Wessex gegen die
      Dänen, als er an Alfreds Hof beordert wird. Neue dänische Feinde sind
      auf der Insel gelandet und so erhält Uhtred von Alfred die Aufgabe,
      Lundene, das heutige London, zurückzuerobern.



      Leider soll Uhtred die Stadt nicht für sich erobern, sondern für
      seinen Vetter Æthelred, einen unfähigen und sturen Mann, der zudem mit
      einer von Uthreds ältesten und besten Freundinnen verheiratet ist. Diese
      Æthelflaed ist schwanger und hat auch einen recht eigenen und
      eigensinnigen Kopf, da sie sich nicht dafür geschaffen sieht, am
      heimischen Herd zu versauern. Sie nimmt Uhtred einen neuen Eid ab, für
      sie zu kämpfen und er begibt er sich mit alten und neuen Weggefährten
      die Temes (Themse) hinunter.



      Während sich Sigefrid und Erik Thurgilson, das dänische Brüderpaar,
      in Lundene breit machen, spioniert Uhtred nicht nur die
      Verteidigungsstellungen des Feindes aus. Neben Lundene gibt es noch
      andere Kampfschauplätze und an einem dieser Schauplätze wird die
      schwangere Æthelflaed von den Nordmännern entführt. So wartet auf Uhtred
      eine Menge Arbeit und sein Schwert wird viel zu singen haben.


      5. Buch
      Das bennende Land


      Man schreibt das Jahr des Herrn 892. Wessex wird bedroht, und zwar
      direkt von zwei Seiten. Der eine ist Harald Bluthaar, ein gefürchteter
      Krieger, der mit seinem Heer das Land plündert. Der andere ist der Jarl
      Haesten, der vom Kontinent kommt und versucht, König Alfreds Land zu
      erobern. König Alfred selbst kränkelt und schwächelt vor sich hin und
      man wartet schon auf seinen Tod, daher schickt er mit Uhtred von
      Bebbanburg seinen getreuesten Krieger ins Feld.



      Uhtred erkennt in Harald Bluthaars Hure Skade, der Hexe, auch dessen
      Schwachpunkt, und so besiegt er Harald und bringt sie in seine Gewalt.
      Skade sprichit einen Fluch über Uthred aus, und tatsächlich stirbt
      Uhtreds Frau kurz darauf im Kindbett. Während Alfreds Zukunft unklar
      ist, zieht Uhtred Richtung Bebbanburg, um nach Jahren endlich wieder
      seine Heimat zu sehen. Währenddessen brennt der Jarl Haesten ein Dorf
      nach dem anderen nieder und rückt immer näher, ohne aufgehalten werden
      zu können. Daher liegt es an Uhtred, seinen Eid zu halten und für Alfred
      zu kämpfen.



      Neben Alfred hat Uhtred auch dessen Tochter Æthelflæd den Treueeid
      geleistet. Diese, verheiratet mit dem Schwächling Æthelred, zeigt mehr
      Rückgrat als ihr Gatte. Während sie sich zum Kampf rüsten, schickt
      Alfred auch seinen potenziellen Nachfolger zu Uhtred, um mit ihm zu
      kämpfen. Doch Edward hat keinerlei Erfahrung und ist eigentlich zu jung
      und zu grün, und somit hat Uhtred ein weiteres Problem an seiner Seite.
      Und so rüsten die Heere zum Kampf.


      6. Buch
      Der sterbende König


      Wessex im Winter 898. König Alfred ist schwer krank und wird nicht
      mehr lange leben. Alle anderen englischen Könige warten auf seinen Tod,
      um anschließend in Krieg über die Königreiche auszubrechen. Alfreds
      treuester, wenn auch nicht überzeugtester Kämpfer ist immer noch Uhtred
      von Bebbanburg, der sich im Land viele Feinde und viel Respekt
      verschaffen hat. Von Alfreds Sohn und Nachfolger Edward bekommt er den
      Auftrag, zu König Eohric zu gehen, um einen Friedenvertrag auszuhandeln.



      Immer wieder kreuzt Sigurd seinen Weg, den er ein einer vorherigen
      Schlacht am Leben gelassen hat, was er seitdem bereut. Wegen des
      Friedensangebots wittert er eine Falle, und tatsächlich wollen Sigurds
      Truppen ihn überfallen. Sigurd hatte von der Zauberin Ælfadell gesagt
      bekommen, Uhtred würde sterben, und so sucht er die Zauberin selber auf,
      bekommt aber etwas ganz anderes gesagt.



      Uhtred deckt ein Komplott auf und geht sicherheitshalber an den Hof
      des sterbenden Königs Alfred. Dieser ringt ihm das Versprechen ab,
      seinem Sohn und Nachfolger Edward den Treueeid zu schwören, und da dies
      sein letzter Wille ist, schwört Uhtred Edward den Eid. Doch damit
      beginnen die Probleme erst, denn nach Alfreds Tod bringen sich viele
      Feind in Position, um die Machtverhältnisse zu verschieben. Und darunter
      befinden sich auch Blutsverwandte wie Edwards Cousin Æthelwold …




      Meine Meinung zum Buch:

      Ich sags offen, das Buch ist ein historischer Roman, daher ist es nicht besonders spannend was die Rahmenbedingungen angeht, wir wissen alle wie die Geschichte des Kampfes Sachsen gegen Dänen ausging, die Sachsen gewinnen. Nur um dann im Jahr 1066 von den Normannen unter Wilhelm des Eroberers erobert zu werden. Also sind Spoiler wohl eher unangebracht.
      Die Klasse, die jedoch diese Bücherreihe ausmacht ist daher weniger die Spannung, sondern mehr der Werdegang unseres Protsagonisten Uthreds vom Aldermann über den Sklavenjungen zum gefürchtetsten Kämpfer der britischen Inseln, natürlich ist er rein fiktiv, doch die Mischung machts, die uns dieses Gefühl der Autentizität verleiht. Erfundene und Reale Charaktere vermischen sich so gut, dass man den Eindruck bekommt, es sei wirklich so geschehen.

      Desweiteren bekommt man dieses Gefühl der oben beschriebenen Authentizität auch von der erbarmungslosen Schreibweise, die Bernhard Cornwell hier praktiziert. Ein Freund von mir beschrieb die Reihe mal kurz als erbarmungslose Ansammlung von brutalität, Sex und Vulgärsprache. Damit hatte er nicht ganz unrecht, diese Sachen sind überdurchschnittlich stark in der Reihe vertreten, doch sie spiegelt eben auch wieder, wie es damals im ungehobelten Britischen Frühmittelalter zuging.
      Dieses Buch kann ich eigentlich jedem Empfehlen, der sich generell für Geschichte interessiert, vor allem wenns um Wikinger, oder ums Mittelalter geht. Man lernt auch viel zur Geschichte England kennen, und man kann sich super hineinversetzen.


      PS: Im Juni kommt der 7. Teil raus, da freue ich mich schon extrem^^



    • Auf Anraten, vieler bekannter, habe ich mir Quiet Leadership besorgt. Muss an erster Stelle erstmal zugeben, dass ich 20 Euronen, für ein gut 300 Seitiges Buch, schon eine Stolze Nummer nenne. Da mir aber Ebooks nicht ins Haus kommen, musste ich zumindest in diesen Apfel beissen und hab mir das ganze also bei Ebay besorgt.

      Story

      Ja worum geht es in dem Buch. Ancelotti erzählt sein Leben. Hauptsächlich erwähnt er hierbei natürlich seine prägensten Ereignisse. Vom Anfang als Spieler, bis hin zu dem Aufstieg eines der Populärsten Trainer der Welt, welcher trotzdem immernoch am liebsten mit einem Gläschen Wein zurückgezogene nette Unterhaltungen führt. Gepaart wird das ganze dann, mit mehreren Eindrücken, von Spielern oder Mitarbeitern (Beckham, Ibra, Maldini, C.Ronaldo...)


      Quiet Leadership

      Heißt eigentlich nur soviel, wie dass man eben Ruhig bleibt egal in welcher Situation. 0:2 zur Halbzeit, die Richtigen Worte finden und nicht wie ein Kolleriker auf die Jungs einbrüllen. Den Spielern nicht "Vorschreiben" sondern Hilfeleistung geben, in dem was sie tun. Auf Personen eingehen, was auch im Arbeitsleben ein sehr großes und Schwieriges Thema darstellt, finde ich zumindest.

      Ich denke das Buch hat so einen großen Hype gekommen, weil man es wohl so sehen könnte, dass Ancelotti fast soetwas wie das Pendant zu Guardiola ist. Guardiola ist fast ein Hysteriker an der Seitenlinie, fast schon ein Schachspieler. Ancelotti hingegen, versucht seine Spieler mit "Stellschrauben" auf dem richtigen Weg auf dem sie sich befinden, weiterzubringen. Was einem selber besser gefällt ist jedem die seine Sache. Wenn man z.b. Ribery hört...

      Ja warum wollte ich das Buch unbedingt haben, ich persönlich bin absoluter Fan dieser Führungsform. Und wenn man in Gewissen Trainertätigkeiten steckt, ist das teilweise durchaus hilfreich, denn oft genug bin ich bei dem Buch aufgewacht und habe mir gedacht, "Oh backe, warum biste da nicht selber draufgekommen..." Ich muss aber auch sagen, jemand der nicht in dem Trainer-Metier unterwegs ist, nicht weiß wie es ist vor dem Rauswurf zu stehen, nicht weiß wie es ist mit Älteren Erfahreneren zusammen zu Arbeiten, denke ich mal wird das Buch relativ Emotionslos runterlesen. Es sind gute Kontraste, wie es vor 20 Jahren war, wie es heute ist. Dieses Buch ist von einem Fußball Coach für Fußballer. Einer anderen Gruppierung würde ich dieses Buch fast nicht empfehlen. Trotz allem, ein wirklich toll geschriebenes Buch und die Schreiberlinge haben es wirklich gut hinbekommen, Ancelottis Art in dem Buch auch wirklich so rüberzubringen.
      Wer also Fußball Interessiert ist und zumindest einen kleinen Teil Insidewissen erfahren möchte, den wird dieses Buch wirklich Interessieren.

      Habe natürlich auch noch ein Lieblingszitat aus dem Buch für euch:
      Viele Leute haben den Willen zu Siegen, aber nur die wenigsten haben den Willen, den Sieg vorzubereiten (Klasse Zitat, von einem Trainer von Ancelotti anno 80er Jahre)
    • The Devil All The Time - Donald Ray Pollock





      In letzter Zeit lese ich in viele verschiedene Genres rein und nachdem ich schon seit längerem auf der Suche nach etwas ähnlichen wie True Detective in Buchformat war, habe ich mal ernsthaft nach Empfehlungen dafür gesucht. Letztlich hat das hier vorgestellte Buch wenig damit gemeinsam, wurde aber in dem Zusammenhang genannt und als ein Kumpel von mir ebenfalls offenbarte dieses Buch schon länger lesen zu wollen haben wir es spontan zeitlgeich bestellt.

      Ich habe es innerhalb von 24 Stunden durchgelesen.

      Vorab: Dieses Buch beinhaltet keinen einzigen fröhlichen, entspannten Moment. Man wird nicht ein einziges mal Freude empfinden während man es liest. Es ist eine einzige Spirale in den Abgrund. Es startet schlimm und wird nur noch schlimmer. Menschen die bereits in schlechter Stimmung sind oder gar Depressionen haben sollten es vielleicht nicht lesen, hier werden echt düstere Gedanken geweckt.
      Richtig einzuordnen weiß ich es, aufgrund meiner Unerfahrenheit im Genre, auch nicht richtig. Es ist definitiv ein Drama, aber ob es nun so wirklich ein Thriller ist keine Ahnung.
      Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Die Hauptpersonen dabei sind ein Waisenjunge, ein Sheriff, ein Predigerduo und ein Serienkiller-Ehepaar.
      Das ganze spielt grob im Staat Ohio in den USA in den 60ern, behandelt aber auch Dinge ab den 40ern. Die Handlungsstränge sind alle miteinander verwoben und kommen wie so oft bei solchen Büchern erst im Laufe konkret miteinander in Berührung.

      Der Schreibstil ist mMn fantastisch gewesen. Ein richtig schnelles Leseerlebnis über knapp 260 Seiten. Jeder mit moderaten Englischkenntnissen wird es lesen und verstehen können. Abgesehen von ein wenig Midwest/Südstaaten Akzent ist hier nichts kompliziertes, was unter anderem auch an dem Wortschatz der Personen selbst liegt. Die Protagonisten sind alle keine Helden. Aufgewachsen in den heruntergekommensten Ecken der USA. Hier gibt es keinen Glanz, keine Glorie. Auf keiner einzigen Seite passiert etwas angenehmes. Nichts strahlt Hoffnung aus. Es ist aber ein absolut packender Blick in diese Ecken der USA zu der Zeit. Der religiöse Fanatismus, Alkoholismus, das Aufwachsen in Armut und Missbrauch verschiedenster Art.
      Der Autor verarbeitet hier seine eigene Kindheit mit und arbeitet Orte ein in denen er aufgewachsen ist, beschreibt was er gesehen hat. Deshalb wirkt das Buch absolut authentisch.

      Ich konnte es kaum niederlegen seit ich es angefangen habe. Man wollte unbedingt wissen wie weit es noch in den Abgrund geht, wie schlimm sich das Schicksal noch wenden kann. Man hat von Anfang an irgendwie das Gefühl hier erwartet einen nichts gutes. Deshalb entfaltet das Buch irgendwie eine eigene Dynamik. Dadurch das aber alles so düster ist und keiner der Charaktere irgendwie eine schöne Kindheit oder generell Vergangenheit hatte, so kann man in allem was passiert immer eine Kausalkette sehen. Jeder der Charaktere hat Beweggründe, was dazu führt das man sie versteht, wenn auch man fast nichts davon gutheißen kann.

      Ich fand das Buch extrem gelungen und würde es jedem empfehlen der mal etwas kompromissloses lesen will. Es ist wie gesagt schnell gelesen und schickt einen 50 Jahre zurück nach Amerika in eine Ecke die man so vielleicht noch nicht oft gesehen hat. Es ist hart und direkt, aber gerade das macht einen gewissen Reiz aus.

      Zu deutsch heißt es: "Das Handwerk des Teufels". Wenn auch ich noch mal darauf hinweisen kann dass das Buch wirklich leicht verständlich ist im original. Ich habe die Übersetzung nicht gelesen, kann mir aber schon vorstellen dass es die Atmosphäre vielleicht nicht ganz so gut rüberbringt wie das Original.
      Jedenfalls mein Empfehlung für alle die genug von Helden haben.
      'To protect the Sheep you gotta catch the wolf, and it takes a wolf to catch a wolf.'

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zeonom () aus folgendem Grund: RSF + Details

    • Harry Potter und das verwunsche Kind

      Frisch durchgelesen und ich kann leider nicht ganz so rosigeWorte dafür finden. Voller Freude hielt ich das neue Buch in Händen ohne vorhergespoilt zu werden. Das die Geschichte vom Theaterstück niedergeschrieben wurdewar eine nette Idee, aber der Plot krankt schon an der Wurzel.



      Die Story: Grob kann man sagen, dass der Sohn versucht die Sündender Vergangenheit ungeschehen zu machen. Die Charaktere sind meiner Meinungnach Grauenhaft geschrieben bzw. ihre Empfindungen.
      Harrys jüngster Sohn Albus Severus versucht mit seinem Kumpel dessen Name mir spontan gar nicht mehr einfallen will. Jedenfalls mit dem Sohn von Draco Malfoy. Die beiden lernen sich wie Harry und Ron im Zug zu ihrem ersten Schuljahr kennen und Freunden sich promt an. Die zwei Außenseiter nehmen sich einer Mission an und verfolgen diese mit eisernen Willen. Was gut gemeint ist ist dabei nicht gut unbedingt gemacht. Der Fokus ist zum Großteil auf die beiden Partners in Crime Albus-Severus und Ron Weasly again in young Malfoy gerichtet. Abschweifungen zu Harry, Hermine und andere gibt es auch. Die restlichen Kinder meiner Jugendhelden bleiben dabei vortrefflich blass und tauchen so selten auf wie die Deutsche Bahn püntklich ist. Viele Zeitsprünge inklusive. (Gut das liegt halt daran, dass es ein Theaterstück ist und kein vollwertiges Buch)

      Wahrscheinlich lag es aber auch daran, dass ich zu alt für die Geschichte des heranwachsenden Schulanfängers bin. Als kleiner Bub bin ich mit den wie Millionen andere Fans mit Harry groß geworden. Viel habe ich nicht von derGeschichte gespürt. Hätte wohl alsrichtiges Buch nochmal ausgeschmückt werden sollen. Stattdessen hat man diesehalbgare unbefriedigende Portion von dem Universum, dass sich selbst nichtrichtig zu gut leiden kann. Wie Rowling sowas absegnen konnte ist mir Schleierhaft,aber selbst das letzte Buch die Heiligtümer des Todes konnte mich nicht vollendsüberzeugen. Da habe mich zu recht gefreut, als mein Onkel mir eine Fan-Fictionfür einen alternativen 7. Band präsentierte.

      Naja hoffentlich kommt nicht nochmal sowas. Mehr will ichdazu nicht sagen.


      Gruß,
      ATTi
    • Harry Potter and the cursed child

      Interessant wie unterschiedlich ein Buch kritisiert werden kann :)

      Ich habe ich ziemlich gefreut, als ich das Buch in den Händen gehalten habe und es mir auch gleich in Originalsprache besorgt. Als absoluter HP Fan habe ich allerdings nicht zu viel erwartet, da es einfach schwierig ist an die Ursprungsgeschichte anzuknüpfen und das selbe Feeling auszulösen. Dazu muss man bedenken, dass „The cursed child“ (ich finde den deutschen Tite leinfach nur furchtbar...) als Theaterstück geschrieben wurde.
      Vorteil dabei war natürlich, dass der Leser die Umgebung und Hogwarts und auch einige Geschehnisse um die Geschichte selber schon kennt.

      Zur Story selbst bleibt nicht viel zu sagen. Es geht darum, dass Albus und Scorpius sich anfreunden, Probleme mit den Vätern haben und die Fehler der Vergangenheit ausmerzen wollen – und sei es für Albus nur um seinen Vater als fehlerhaft darzustellen. Dabei hilft natürlich ein spezieller Zeitumkehrer der weit in die Vergangenheit gehen kann und da geht so einiges schief.

      Bevor ich das Buch in der Hand hielt wusste auch ich nicht wirklich um was es gehen wird, einfach weil ich mich nicht Spoilern lassen wollte. Entsprechend... kritisch habe ich die Geschehnisse um den Zeitumkehrer auch betrachtet. Persönlich hätte ich mir einfach weniger Fanservice gewünscht und mehr Ausblick auf die Gegenwart/Zukunft. Durch den Zeitumkehrer hatte zumindest ich das Gefühl, dass Harrys Vergangenheit, die ja in den Vorgängern schon behandelt wurde, zu sehr in den Vordergrund tritt. Da hätte ich mir weniger gewünscht.
      Mehr von Albus und Scorpius, mehr von anderen neuen Leuten und gerne auch alten Bekannten, wie Beispielsweise Neville, Luna, Peeves, Kreacher... andere Kleinigkeiten die kleine Erinnerungen wecken, sie aber nicht in den Vordergrund stellen etc. (Umbridge kann weg xD) Und damit meine ich, dass es nicht unbedingt Hary ist der diesen begegnet, sondern andere Figuren. Der Fokus lag mir zu sehr auf dem Trio Ron, Hermine und Harry. Insbesondere die Liebe zwischen Ron und Hermine. In fast allen Zeitsprüngen wurden die Beiden in Ihrer Beziehung, wie auch immer in der Gegenwartsform vorhanden, behandelt. Persönlich ist es mir recht schleierhaft, warum J.K. Rowling diese Sache so stark ausgebaut hat.

      Gut gefallen haben mir hier Scorpius und Draco. Malfoys „Besserung“ (ich weiß gerade nicht recht wie ich es ausdrücken soll ^^) war auch irgendwo wieder Fanservice, aber der war für mich noch im Rahmen. Ich fand es schön zu sehen, wie er sich, wenn auch etwas widerwillig, dem vorher so verhassten Trio anschließt und sie gemeinsam nach Ihren Kindern suchen. Draco machte hier eine erstaunlich gute Vaterfigur wie ich finde. Generell interessierte mich mehr die Geschichte um Scorpius, plus Familie, wie die von Albus und Harry. Albus schien doch recht egozentrisch in vielen Punkten, hat aus der Geschichte aber auch gelernt. Beide Hauptpersonen sind an der Geschichte gewachsen und haben eigene Fehler eingesehen, ebenso wie die Eltern.
      Probleme mit den Eltern kennen wohl die Meisten, daher können die Meisten mit dieser Thematik auch etwas anfangen.
      Delphi erging es da ja ähnlich, da sie sich nach Ihrem Vater sehnte. Als Person selbst hat sie mich allerdings nicht ganz überzeugt. Generell hat die Vaterfigur einen recht hohen Stellenwert in diesem Buch eingenommen. Kann man mögen, muss man aber nicht. Ich fand's gut.

      Gefreut habe ich mich auch über die Auftritte von Professor McGonnagal, die aber auch eine meiner Lieblingscharaktere war und ist.

      Gestört hat mich, dass wieder um Voldemord als Person ging. Mir ist natürlich bewusst, dass man auf die Schnelle keinen neuen Widersacher vorstellen und ihm eine Seele einhauchen kann, aber dieses Wiederkäuen, auch in Bezug wieder auf Vergangenheit Harrys, hat mich nicht überzeugt. Eine Story, losgelöst von dem Original, hätte mir mehr zu gesagt, denke ich.
      Kritisch betrachte ich auch den Umgang mit Cedric. Für mich war die ganze Sache irgendwie gegessen und in dem Buch geht es dann darum ihn zu retten. War für mich Anfangs etwas befremdlich. Auch hier spielte die Vaterfigur Amos eine Rolle, der sich nach seinem Kind sehnt. Cedrics Tod spielte natürlich eine signifikante Rolle bei der Auferstehung Voldemords.

      Über das Buch könnte ich wohl noch einiges mehr schreiben, aber ich denke, der Text ist schon lang genug. ;)

      Fazit:
      Trotz der doch recht hohen Kritik meinerseits hat mir das Buch gut gefallen. An die Schreibweise muss man sich erst gewöhnen und wenn man den Punkt überschreitet macht das Lesen viel Spaß und kann einen mitnehmen. Sofern man sich nicht zu sehr auf die kritischen Aspekte konzentriert. Die Geschichte an sich kann viel Freude bereiten und einen in die magische Welt eintauchen lassen. Generell sollte man nicht mit zu hohen Erwartungen an das Buch heran gehen und es als kleinen Zusatz betrachten. Ich besitze auch die „Hogwarts Library“ (Beedle der Barde Quiddich, Magische Tierwesen) Bücher. Insofern ist es für mich als Potterhead, wie man es so schön bezeichnet, eine tolle Ergänzung und ich würde mir auch weitere Bücher kaufen.
    • Nachdem ich dank den kürzlichen Posts herausgefunden habe, dass wir auf dem Board einen Buchrezensions-thread haben, will ich hier gleich die Rezension eines ‚Buches‘ hinterlassen. Dabei handelt es sich nicht um ein im herkömmlichen Sinne publiziertes Buch, sondern um eine Fanfiction, die aufgrund ihrer Qualität (und ihrem Umfang) einer Rezension würdig ist.


      Harry Potter and the Methods of Rationality

      Ja, es handelt sich um eine Harry Potter Fanfiction. Geschrieben wurde sie von Eliezer Yudkowsky, einem Entscheidungstheoretiker, der im Bereich künstlicher Intelligenz tätig ist. Entscheidungstheorie untersucht, wie und weshalb Menschen Entscheidungen treffen. Die Fanfiction steht ganz im Zeichen dieser Fragen und die Geschichte verbringt dementsprechend sehr viel Zeit in den Köpfen verschiedener Charaktere - ganz besonders Harrys - und beleuchtet ihre Gedanken. Dabei werden viele bekannte Phänomene aus der Psychologie anschaulich erläutert und demonstriert.


      Die Geschichte

      Die Geschichte beginnt wie die Harry Potter-Romane: Harry lebt im Haus seiner Zieheltern, da seine Eltern gestorben sind. Allerdings gibt es zwei essentielle Twists. Als erstes wird Harry von seinen Zieheltern geliebt und sein Ziehvater ist ein höchst gebildeter Mann, der Harry Zugang zu jeglicher Form von Bildung gewährleistet hat. Der zweite Twist liegt in Harrys Charakter. Harry ist wesentlich rationaler als der durchschnittliche Mensch und dank seiner Erziehung versteht er bereits im Alter von elf Jahren komplexe wissenschaftliche Themen (wie zum Beispiel Quantenphysik) besser als die meisten Menschen es in ihrem Leben jemals tun. Auch emotional hat Harry etwas andere Neigungen als in den Romanen, allerdings will ich diese hier nicht spoilern.


      Was ist anders?

      Während die Geschichte voranschreitet, trifft man auf viele Charaktere, Kreaturen und Motive aus den Romanen, meist mit unerwarteten Folgen, da Harry in seiner wissenschaftliche Methodologie gegen alle Regeln des Fantasy-Genres verstösst. Als jemand, der die ersten fünf Harry Potter-Bücher gelesen und den Rest der Geschichte in zusammengefasster Form erfahren hat, war es extrem spannend zu erleben, wie die Geschichte über dieselben Ereignisse, Charaktere und Motive verfügt, aber dennoch immer weiter von der bekannten Geschichte abweicht.
      Auch die Beleuchtung der Charaktere muss man als ganz grosse Stärke der Fanfiction hervorheben. Sowohl Harry Potter, als auch diverse andere Charaktere - zu erwähnen sind insbesondere Draco Malfoy und Hermine Granger - werden in ihrer Motivation und Persönlichkeit derart gut beschrieben, dass sie zu den wohl realsten Charakteren gehören, die ich in Unterhaltungsmedien erlebt habe. Wie man zu Beginn meiner Rezension vermutlich schon erahnen konnte, ist die psychologische Beleuchtung der Charaktere die grösste Stärke der Fanfiction, jedoch nicht die einzige. Der Text ist gut geschrieben, spannend und verfügt über einen wunderbaren - wenn auch manchmal etwas düsteren - Humor.


      Kritikpunkte

      Einige kleine Kritikpunkte muss ich allerdings noch ansprechen. Während viele psychologische Experimente und Phänomene gut beschrieben und erklärt werden, wird das ‚wissenschaftliche Gebrabbel‘ von Harry oft nicht so erklärt, dass ein unkenntlicher Leser dieses verstehen könnte. Wer also nicht weiss, was Hamiltonsche Mechanik ist, sollte sich darüber beim Lesen nicht zu viele Gedanken machen. Ähnliches gilt für Popkultur-Referenzen, ganz besonders bezüglich Star Wars und Herr der Ringe (ja, Harry kennt Mainstream-Medien in dieser Version der Geschichte). Sie verleihen der Geschichte ordentlich Charme, sind aber nicht für jedermann zugänglich.
      Ein weiterer Kritikpunkt ist der Charakter von Hermine. Ich kann diesen Punkt nicht präzise in Worte fassen, aber etwas an ihrem Charakter in der Fanfiction erscheint mir unecht, trotz meiner obigen Bemerkung über die Realitätsnähe der Charaktere. Sie ist ihrem Original aus den Romanen sehr ähnlich, doch in dieser Version sticht sie damit sehr aus den anderen Mädchen hervor, die allesamt sehr Klischeehaft daherkommen. Man würde daher erwarten, dass sie ordentlich aufräumt mit den Frauenklischees - insbesondere da aus ihrer B.Elfe.R Bewegung aus den Büchern eine feministisch angehauchte Bewegung wird - das tut sie allerdings nicht so wirklich. Ob ich hier zu viel hineininterpretiere, was ihr Charakter meiner Erwartung nach sein soll, oder ob ihre Charakterisierung nicht ganz gelungen ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
      Zuletzt muss ich auch noch das Ende ansprechen, welches einerseits wohl etwas kontrovers ist - was ich nicht zwingend als schlecht bezeichnen würde - andererseits aber auch etwas unvollständig herüberkommt. Es gibt mehrere Punkte, die am Ende einfach fallen gelassen werden, deren Ausgang für einen Abschluss der Geschichte aber angesprochen werden sollte.

      Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um eine herausragend gut geschriebene Fanfiction, die sich intensiv mit der Psychologie ihrer Charaktere befasst und die insbesondere einen Einblick in die Denkweise von brillianten, intelligenten, aber in mancher Hinsicht auch leicht verrückten Menschen liefert. Alleine für diesen Einblick halte ich die Fanfiction für lesenswert.

      Hello, I'm Mathemagica, the man who will become pirate king.
    • Harry Potter - Der siebte Horkrux

      Wenn wir schon dabei sind Fanfiction zu rezensieren möchte ich auch eine hier veröffentlichen. Ich hatte es ja schon in meiner letzten Rezension zum verschwunschenen Kind erwähnt, dass es einen alternativen 7. Band für das Harry Potter Franchise gibt. Auch ich kann mit diesem alternativen Band mehr anfangen als mit dem Orginal. Die Geschichte ist wesentlich spannender und hat mehr dramaturgische höhepunkte. Sowie ist der Fokus deutlicher auf die heranwachsenden Thematik und Entwicklung gelegt ohne dabei nervig zu werden. Mehr brauche ich nicht schreiben, da es einen guten Einleitungstext am anfang des Buches gibt den ich euch mal einfüge und als mein erweitertes Feedback gilt.

      Archive.org schrieb:

      Harry Potter - Der siebte Horkrux
      Alternativer siebenter Band der Harry-Potter-Reihe (Fan Fiction)

      Originaltitel: The seventh Horcrux
      Aus dem Englischen von luckyserpent
      Im Mai 2011 (hoffentlich) gündlich laienlektoriert von Redactio

      Außergewöhnlich gute Fan Fiction um Harry Potter im siebenten Schuljahr.
      Autorin: melindaleo
      Übersetzerin: luckyserpent
      Krorrekturgelesen im Mai 2011 von Redactio

      Es gibt viel gute und weniger gute Fan Fiction um Harry Potter. Dieser Band ist definitiv sehr gute Fan Fiction, und zwar so gute, daß ich diesen „alternativen siebenten Band“ besser als das Original finde und es der Mühe wert fand, die vielen in der deutschen Übersetzung von luckyserpent noch vorhandenen Fehlerchen zu korrigieren und den potentiellen Lesern das Ergebnis als ordentliches eBook zu übergeben.
      Der Band „Der siebte Horkrux“ ist außerordentlich ereignisreich und hat trotz nicht nachlassender Spannung und gruseliger Szenen eine helle Grundstimmung. Ich will nicht zu viel verraten, aber soviel sei doch schon gesagt: Ginny kriegt Harry endlich und das Dreiergespann von Ron, Hermine und Harry erweitert sich zu einem Doppelpaar. Ganz überraschend entwickeln sich jeder auf seine Weise Draco Malfoy und Severus Snape. – Und zwar so, daß die Personen endlich in sich schlüssig werden. Das ist überhaupt eine der grossen Leistungen der Autorin: Die Personen sind durchweg in sich stimmig (oder werden es endlich) und die Handlungen trotz vieler Überraschungen folgerichtig. Wo der „echte“ siebente Band unbefriedigend blieb, glänzt „Der siebte Horkrux“.
      Mein Prädikat: Sehr sehr lesenswert und ganz sicher auch als simpler A4-Ausdruck mit Ringbindung eine gute Geschenkidee!

      Rechtliches: Auf den Harry-Potter-Geschichten liegen Urheber- und Markenrechte. Da die Autorin der Original-Harry-Potter-Bände J.K. Rowling der Fan-Literatur aber aufgeschlossen gegenübersteht, gilt nach entsprechenden Aussagen von ihr, dass dieser Band weiterverbreitet werden darf, wenn dies erstens nichtkommerziell geschieht und zweitens nicht im Rahmen des traditionellen Buchdrucks.

      Homepage der Autorin: melindaleo.com
      Homepage der Übersetzerin: fanfiction.net/u/1522724/luckyserpent
      Nun will ich euch nicht weiter von der Fanfiction fern halten. auf der unten stehenden Seite könnt ihr sie online lesen oder downloaden beispielsweise für den Rechner, Tablet oder Handy als PDF/EPUB: Harry Potter - Der siebte Horkrux

      Viel Spaß beim lesen.


      Gruß, ATTi
    • Dune / Der Wüstenplanet

      1965 von Frank Herbert veröffentlicht bildet der umfangreiche vielfach ausgezeichnete Roman den Auftakt zur Dune Saga, wobei er aber auch als eigenständiger in sich abgeschlossener Roman gelesen werden kann.
      Es ist wohl einer der bedeutendsten Science Fiction Romane, dessen Einfluss auf das Genre sich ein wenig mit Tolkiens auf das Fantasy Genre vergleichen ließe.
      Der Roman ist meiner Meinung nach seiner Zeit weit voraus gewesen und beim lesen erkennt man immer wieder, wieviele Filme/Bücher/Serien ihre Inspiration aus dem Werk gezogen haben.

      Die Geschichte spielt weit in der Zukunft. Man wird völlig unvorbereitet in die Welt geworfen und mit vielerlei Begriffen und Vorgängen konfrontiert, auf die man sich zunächst schwer einen Reim machen kann. Ich für meinen Teil liebe soetwas, denn es macht sofort den Eindruck einer detailliert ausgearbeiteten Welt, wo sich Erklärungen nicht aufdrängen sondern nach und nach beschrieben werden. Es befindet sich aber direkt im Buch ein umfassender Anhang mit Kurzbeschreibungen zu den meisten unbekannten Begriffen.
      Generell kann ich nur die neue deutsche Übersetzung empfehlen die in einer schön illustrierten Taschenbuchfassung erschienen ist, mit vielen eindrucksvollen Zeichnungen.
      In den Anhängen findet sich auch eine Karte und weitere Erläuterungen zur Welt von Dune, welche ich aber erst nach Ende des Romans lesen würde um sich nicht selbst vorher zu spoilern, da auf viele Dinge im Buch eingegangen wird.

      Zwar wird man zunächst ins kalte Wasser geworfen und mit Informationen überhäuft, nach und nach bekommt man aber ein gutes Bild über die in der Zukunft herrschenden Verhältnisse. Es scheint mal vor langer Zeit einen großen Krieg (Dschihad) gegen zu weit fortgeschrittene Technologien (Roboter/Computer usw) gegeben zu haben, weshalb sich das Universum in einer Art Zwischenform aus Fantasy und Science Fiction befindet. Es gibt zwar allerlei hochtechnologisierte Waffen und Raumschiffe, dennoch aber ziemlich rückschrittige Traditionen mit denen nicht gebrochen wird.
      Eine sehr interessante Institution bilden dabei die sog. Bene Gesserit. Ein Orden von ich sage mal übersinnlich begabten Frauen die einen etliche Generationen umfassenden Zuchtplan verfolgen der im Grunde nur auf ein Endergebnis hingerichtet ist. Dabei führen sie gezielt bestimmte Familien zusammen bzw. lassen bestimmte Menschen miteinander Kinder zeugen um die optimalen Gene zu paaren um den sog. Kwisatz Haderach hervorzubringen eine mythische Schlüsselfigur.
      Was genau damit erreicht werden soll bleibt im Dunkeln, generell werden die genauen Beweggründe des Ordens in diesem Buch nur angedeutet, es wird aber klar das sie zu den ganz großen Spielern im Universum gehören, da sie überall ihre Finger im Spiel haben.

      Ein damit verbundenes weiteres ganz großes Element des Romans ist Religion. Selten habe ich Religion so gut in eine fiktionale Geschichte eingebunden gesehen. Es wird deutlich gezeigt wie unfassbar mächtig das Konzept von Religion ist und was für eine Kontrolle es auf Menschen ausüben kann. U.a machen sich dieses Wissen auch die Bene Gesserit zunutze in dem sie mit ihrer sog. Missionaria Protectiva bereits vor etlichen Jahrhunderten überall im Universum Legenden und Prophezeiungen bei den Völkern eingepflanzt haben die sich eventuell mal in ferner Zukunft nützlich erweisen könnten.
      Zeuge einer solchen Prophezeiung die sich dann quasi selbst erfüllt wird man durch Paul Atreides den Hauptcharakter im Buch der sich als Kwisatz Haderach andeutet.
      Auf dem Wüstenplanet selbst wird auch Wasser beinahe wie eine Gottheit angebetet. Als wichtigste und äußerst seltene Ressource ist sie der Antrieb von allen Einheimischen, abseits der Besatzer.

      Die eigentlich erzählte Geschichte im Roman, abseits vom Großen Ganzen welches hier nur angedeutet wird, lässt sich auf eine einfache Adelsgeschichte runterbrechen. Große Adelsfamilien spielen sich gegeneinander aus, verraten sich und gieren nach Macht. Verrat und Rebellionen bestimmen die Geschichte, quasi ein Game of Thrones in der fernen Zukunft.
      Dabei gefiel mir vor allem, dass nahezu jeder Spieler über einen Grundsatz an List und Taktik verfügt. Fast Niemand in dem Buch handelt komplett plump und unnachvollziehbar. Die Gegenspieler, die Harkonnen, wenden viele Finten und Listen an um zu ihrem Ziel zu kommen, während die Protagonisten viele, jedoch nicht alle davon durchblicken. Selbst später noch als einige Charaktere übermächtige Fähigkeiten erlangen bleibt es spannend.
      Die Fähigkeit bspw. in die Zukunft blicken zu können, entpuppt sich als komplexer und gefährlicher als zunächst vermutet. Die Zukunft befindet sich ständig im Wandel durch das Jetzt und kann auf viele Pfade abgeleitet werden, oftmals bleibt einem nichts anderes übrig als sie auszublenden und doch blind für sie die Gegenwart zu betrachten.

      Der Roman führt einen Wunderbar in die Welt ein und lässt viele Fragen offen, sodass man unbedingt wissen will wie es weiter geht. Es lassen sich aber auch schon genügend interessante Lehren aus diesem Buch selbst ziehen, womit man es auch super alleinstehend lesen kann und daraus schon viel mitnimmt. Es ist ein umfangreicher Opus, der Vorreiter für etliche aktuelle Werke war.
      Jeder mit einem Interesse für Science Fiction und Fantasy sollte den Roman mal gelesen haben, ich denke man geht nicht zu weit wenn man seine Bedeutung mit dem Herrn der Ringe vergleicht.
      Außerdem sind viele Themen die im Buch behandelt werden brandaktuell. Allein für die Behandlung des Themas Religion lohnt es sich den Roman zu lesen meiner Meinung nach. Über die Qualität der Folgeromane (insgesamt mit Dune sind es 6) wird sich wohl gestritten, wobei sie im Durchschnitt wohl doch noch sehr gut sein sollen, nur von den Romanen die nicht mehr von Frank Herbert selbst, sondern von seinem Sohn geschrieben wurden soll man tunlichst die Finger lassen, die seien nämlich Schund.

      Ich kann wie gesagt die neue illustrierte deutsche Ausgabe empfehlen wenn man eine Übersetzung lesen möchte, ansonsten natürlich das englische Original.
      'To protect the Sheep you gotta catch the wolf, and it takes a wolf to catch a wolf.'

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Zeonom ()

    • „To the future of Europe and the European project upon which so much depends, in the hope that this book may contribute to policies ensuring its prosperity and promoting its solidarity“ - Joseph Stiglitz, Widmung in seinem Buch ‚the Euro‘


      The Euro - How a common currency threatens the future of Europe

      oder

      Europa spart sich kaputt



      Damit nehme ich mir endlich die Zeit, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Ich werde hier über die Englische Version schreiben, allerdings wurde dieses Buch ins Deutsche und vermutlich auch diverse andere europäische Sprachen übersetzt.

      Wie der Titel bereits suggeriert, geht es in diesem Buch um den Euro und um die Effekte die dieser und die für den Euro eingerichteten Institutionen nicht nur auf die Eurozone, sondern auf ganz Europa haben. Daran erkennt man bereits einen wichtigen Punkt über dieses Buch: Das Thema ist kompliziert. Doch während man definitiv aufpassen muss, während man dieses Buch liest, so gelingt es Stiglitz, die ökonomischen Zusammenhänge weitgehend klar aufzuzeigen. Das Buch ist gut organisiert und die verschiedene Aspekte der Krise des letzten Jahrzehntes (der letzten 25 Jahre, wenn man grosszügig ist) werden sorgfältig analysiert und beschrieben.
      Man muss erwähnen, dass Joseph Stiglitz ein Kritiker der „neoliberalen Ideologie“ ist. Während seine Analysen sachlich und präzise sind, kann man dennoch an manchen Stellen seine persönliche Ideologie durchschimmern sehen. Ob man damit leben kann, wenn man ein Buch liest, muss jeder für sich selbst herausfinden. Wie ich unten erläutere, zeigt er jedoch mehrere Alternativen für die Zukunft auf, nicht nur seinen persönlichen Favorit.

      Das Buch ist in vier Teile aufgeteilt, die ich hier kurz ausführe:

      Teil I: Europa in der Krise
      Im ersten Teil analysiert Stiglitz den Zustand Europas in den Jahren seit 2008 und konstatiert, dass Europa in der Krise ist. Darüber hinaus führt er uns zum Euro als dem zentralen Problem, welches Europa auseinander zu reissen drohe.

      Teil II: Fehlerhaft von Anfang an
      Im zweiten Teil befasst er sich mit der Frage, unter welchen Bedingungen eine gemeinsame Währung Erfolg haben kann. Mit diesen Erkenntnissen blickt er auf die Ursprünge des Euros und zeigt auf, dass die heutigen Schwierigkeiten auf grundlegende Mängel in den unterliegenden Strukturen des Euros zurückzuführen sind.

      Teil III: Fehlgeleitete Strategien
      Während er sich im Teil II damit befasst hat, welche unterliegenden Strukturen die Eurozone auseinandertreiben, wendet Stiglitz sich in diesem Teil den Reaktionen der Eurozone, insbesondere der Troika zu. Er erläutert, wie die beschlossenen Massnahmen die Probleme - ganz besonders in den Krisenländern - um ein Vielfaches verschlimmert haben.

      Teil IV: Ein Weg nach vorne?
      Dieser Teil ist für den durchschnittlichen Europäer wohl am interessantesten. Hier verwendet Stiglitz vier Kapitel, um drei Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Europa seine wirtschaftlichen Probleme und den Euro an deren Kern lösen könnte.
      In Kapitel 9 beschreibt er, wie zusätzliche Institutionen und ein überarbeitetes Mandat der European Central Bank (ECB) eine Eurozone erschaffen könnte, die nicht nur der Eurozone, sondern ganz Europa zu Wohlstand verhelfen könnten. Er stellt dabei auch fest, dass die Schwierigkeiten in einem solchen Programm nicht ökonomischer, sondern politischer Natur sind, insofern der politische Wille für eine derart starke Integration zur Zeit nicht vorhanden zu sein scheint.
      In Kapitel 10 wendet Stiglitz sich der Alternative zu, die wohl bei den meisten Europäern irgendwo im Hinterkopf umherspuckt: Können die Euro-Staaten sich auf freundschaftliche Weise aus ihrer gemeinsamen Währung trennen? Persönlich fand ich dieses Kapitel besonders spannend, nicht wegen dem eigentlichen Thema, sondern weil Stiglitz hier beschreibt, wie eine rein elektronische Währung ohne Bargeld funktionieren könnte. Interessanterweise war fast genau das der Plan X der Syriza-Regierung in Griechenland, der als Antwort dienen sollte, falls die Eurogruppe ihren Plan Z, Griechenland aus dem Euro zu drängen, umsetzen würde. Dieser Abschnitt ist ganz besonders interessant, da es immer wahrscheinlicher wird, dass manche Länder eine rein elektronische Währung austesten werden.
      Kapitel 11 ist der Tatsache gewidmet, dass zur Zeit der politische Wille für mehr politische Integration fehlt, während ein Auseinanderfallen des Euros gravierende Konsequenzen für weitaus mehr als nur Europa haben würde. Stiglitz beschreibt hier Möglichkeiten für einen ‚flexiblen Euro‘, welche im Gegensatz zum Gewurstel der letzten Jahre Chancen auf Erfolg hat.
      Kapitel 12 befasst sich mit der Frage, weshalb der Euro, ja weshalb Europa derart wichtig ist. Hier verweist Stiglitz auf die Vorreiterrolle, die Europa in Sachen Menschenrechte, Frieden, Gleichheit, Wissenschaft und Wohlstand oftmals innehatte und auf die Werte, die tief in verschiedenen europäischen Gesellschaft verankert sind und auch heute noch dringend benötigt werden.

      Da wir uns hier in einem deutschsprachigen Forum befinden, möchte ich darauf hinweisen, dass Stiglitz mit der deutschen Regierung und den in deutschen Kreisen vorherrschenden Ideologien - gerade unter Intellektuellen - hart ins Gericht geht. Die meisten Leser und Leserinnen werden in diesem Buch vermutlich irgendwo ihre persönlichen Ideologien hinterfragt finden. Wer bereit ist, sich gelegentlich solchen Fragen zu stellen, wird in diesem Buch sicher gute Gedankenanstösse finden, egal zu welchem Schluss man am Ende des Hinterfragens kommt.

      Abschliessend bleibt nur zu sagen, dass es sich hier um ein sachliches, präzises und gut geschriebenes Buch handelt, das sich mit einem Thema befasst, welches jeden Europäer sehr direkt und persönlich betrifft. Aus diesem Grund empfehle ich jedem, der über dieses schwierige Thema einmal verständlich, aber detailliert lesen möchte, sich diese Buch zu Gemüte zu führen.
      Hello, I'm Mathemagica, the man who will become pirate king.
    • "The Invention of Nature is my quest to rediscover Humboldt, and to restore him to his rightful place in the pantheon of nature and science. It's also a quest to understand why we think as we do today about the natural world."

      The Invention of Nature
      The Adventures of Alexander von Humboldt
      The Lost Hero of Science

      Andrea Wulf


      'The Invention of Nature' gehört zu einer der wohl am langweiligsten anmutenden Gattung von Büchern. Es ist eine Biographie. Doch dank ihrer bildlichen Schreibweise und Wortgewalt, gelingt es der Autorin, aus dieser Biographie eine Geschichte zu machen. Ein Abenteuer durch die Regenwälder Südamerikas, auf die Spitze der höchsten Berge der Anden, in das junge Nordamerika, durch die politischen Unruhen Europas und nach Russland. Sie erweckt die Reisen von Alexander von Humboldt zum Leben und beschreibt, wie diese Reisen und Humboldts Erkenntnisse daraus unser Denken bis heute beeinflussen.

      Das Buch beginnt mit Humboldts Kindheit, seinem Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Mutter und seiner unbändigen Reiselust, welche ihn schliesslich dazu verleitete, auf Reisen zu gehen. In diesen Reisen liegt die grösste Stärke des Buches. Sie sind lebhaft und mit schillernden Farben beschrieben, mit unzähligen kleinen Episoden über Zitteraale, Unfälle mit dem Gift der Einheimischen und tierische Überraschungsangriffe in der Nacht. Dabei schildert die Autorin mit vielen Zitaten und Beschreibungen den Gedankenprozess Humboldts, was sie schliesslich zum Höhepunkt seiner Südamerikareise führt, dem Naturgemälde.
      Doch es sind nicht nur die Reisen, die dieses Buch so grossartig machen. Andrea Wulf beschreibt auch, wie Humboldt mit seinem emotionalen und poetischen Schreibstil nicht nur andere Forscher - wie Charles Darwin - inspirierte, sondern auch der Öffentlichkeit die Wunder der neuen Welt näherbrachte. Sie zeigt auch, wie Humboldts gesamtheitliche Herangehensweise an seine Beobachtungen ihn dazu führte, sich nicht nur zu entdeckten Pflanzen und dem von ihm entdeckten Konzept der Klimazonen zu äussern. Er kritisierte in denselben Büchern die Sklaverei und den unbedachten Umgang mit der Natur durch die Menschen. Damit wurde er zum ersten Menschen, der öffentlich vor unumkehrbaren Mensch-gemachten klimatischen Veränderungen warnte, wobei er insbesondere Waldabholzung, Bodenbewässerung und die hohe Produktion von Dampf und Gas in den Industriezentren kritisierte. Mit seinen Schriften wurde Humboldt zum Urvater der Umweltschutzbewegung und der erste Bote der Schäden durch Menschen-gemachten Klimawandel.

      Humboldt hatte die Eigenschaft, Menschen zu inspirieren. Er inspirierte Wissenschaftler, Künstler und viele mehr. In diesem Buch widmet Andrea Wulf einigen dieser Menschen jeweils ein Kapitel. Darunter befinden sich Charles Darwin, die Revolutionäre Simón Bolívar und Thomas Jefferson, die Künstler Henry David Thoreau, Goerge Perkins Marsh und Ernst Haeckel und der Begründer der Nordamerikanischen Umweltschutzbewegung, John Muir.

      Humboldt beeinflusste nicht nur grosse Denker. Sein Werk beeinflusst bis heute, wie die Natur an der Schule gelehrt wird, wie die Natur in Sachbüchern für Kinder beschrieben wird und Zeitschriften wie Geo folgen Humboldts Ideal eines vernetzten Kosmos, in dem jedes Thema von Relevanz ist. Seine Einflüsse sind derart selbstverständlich in unserem Denken, dass sich nur die wenigsten noch an ihn erinnern. Aufgrund der Aktualität vieler seiner Themen, wie Klimawandel und Metadisziplinarität, und seiner inspirierenden Art zu schreiben, ist dies ein grosser Verlust. 'The Invention of Nature', oder auf Deutsch 'Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur', legt Humboldts Leben und seine Einflüsse auf inspirierende Art und Weise dar und zeigt, weshalb er bis heute von grosser Relevanz ist. Dank dem faszinierenden Thema und der wundervollen Schreibweise hat diese Buch es sofort zu meinen Lieblingsbüchern geschafft. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen. Ohne Vorbehalte.
      Hello, I'm Mathemagica, the man who will become pirate king.