Sterben, Tod, Trauer

    • x Nico Robin schrieb:

      Und wer hat bitte das Recht darüber zu urteilen, wer den Tod verdient hat und wer nicht?

      Jeder hat das Recht dazu, sogar das Recht es kund zu tun, nur das Recht das Leben zu beenden besitzt keine Einzelperson.

      Le Roux schrieb:

      Es ist also eine Sünde, sich das Leben selbst zu nehmen, aber keine, wenn man dem Tod entgegensehnt?

      Es ist ein großer Unterschied ob du jemandem den Tod wünscht oder jemanden tötest, ob dich oder eine andere Person ist dabei komplett irrelevant.

      Le Roux schrieb:

      Und wenn schon nicht für sich selbst, dann wenigstens für einen anderen.

      Für wen soll der von Natur aus egoistische Mensch denn bitte Leben wenn er für sich selbst schon keinen Sinn mehr sieht?


      x Nico Robin schrieb:

      Denn wenn man es schon nicht für sich tut, dann sollte man wenigstens für die kämpfen, die man liebt und schätzt.

      Siehe Zitat hierüber.
      Zusätzlich noch ein tolles Zitat "Bevor du jemand anderen liebst musst du erstmal dich selbst lieben." was sehr oft ja zutrifft, doch hier wieder: Für welche geliebten Menschen sollst du kämpfen wenn du dich selbst nicht liebst?


      @DOP
      /sign
      Wobei auch "Temporär" nicht heißt es ist innerhalb eines Jahre vorbei es kann auch 5, 10 oder 20 Jahre dauern und dann fände ich es wieder okay...


      Dunkler König Rayleigh schrieb:

      Dennoch gibt es für mich keinen Grund, weswegen man Selbstmord begehen sollte.

      Es gibt für dich keinen Grund weswegen du Selbstmord begehen solltest.


      Dunkler König Rayleigh schrieb:

      Was ich auch interessant finde, dass die Selbstmordrate in Europa wesentlich höher ist, als die in Afrika.

      Wohlstand bringt Verzweiflung über Erhaltung des Wohlstandes, Ansehen in der Gesellschaft etc pp. Ein Europäer/Amerikaner steht einfach unter einem viel größerem Druck als ein Afrikaner.
      Jetzt mal ein Beispiel was extrem klingt aber so ziemlich realistisch ist:
      In Europa verliert jemand sein Haus und sein Geld -> Verlust von Hunderten/Tausenden/Zehntausenden/... Euro.
      In Afrika verliert eine Familie ihre Hütte -> sie bauen innerhalb von Stunden/Tagen eine neue, eben weil sie nichts haben.

      Für wen entsteht also der größere Schaden ( Materiell als auch Emotional.) ?

      Um noch ein Zitat zu nennen aus Fight Club: "Wir haben keinen großen Krieg, Keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein Spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben."
      Possum, sed nolo.
    • @Grmblfx


      Gut erklärt. Das Verständnis ist auch die große Frage, das bringt nämlich in diese Gesellschaft kaum jemand. Sie halten dir dann Vorträge und erzählen dir, wie toll das Leben doch ist, wie du ja hier gut sehen kannst. Aber WARUM er darüber nachdenkt, das fragen sich nicht viele. Nicht richtig oder falsch, sondern warum, das ist meine Ansicht. Was ändert sich denn für mich, wenn ich mich davon überzeugen lasse?! NICHTS!

      @Le Roux

      Auf die Wortwahl achten. Das Einzige, was mich davon abhält nicht in einer Schule zu gehen und da Amok zu laufen ist das, was du als Märchenbuch bezeichnest.

      @X Nico Robin

      Schon mal daran gedacht, dass es auch Menschen gibt die keine Eltern und enge Freunde haben? Also Argument mit "wenigstens für andere Leben" schon mal weg.
    • Naja manchmal werde ich für meine Einstellung ausgelacht aber das ist mir egal weil ich einen Scheiss auf die Meinung anderer gebe^^

      Ich habe Grund daran zu glauben, dass das Leben, das wir auf Erden führen nichts weiter als eine von vielen Phasen der Existenz ist.
      Ich glaube dass eine 100% wissenschaftliche Erklärung für ein solch komplexes Thema niemals existieren wird. Wenn man es nach dem wissen der Menschen betrachtet, dann sind Menschen nur ein zufälliges mutationsprodukt aus Einzellern die vor millionen von Jahren existiert haben. Die Evolution und die Genetik sind das einzige was uns am leben hält. Gehen uns Im hohen Alter die Zellen aus, sterben wir bzw wenn ein lebenswichtiges Organ versagt. Religion und der glaube an eine dem Verstand ferne andere welt wurden nur von der regierung erfunden um die menschheit zu zwingen sich an ihre regeln zu halten.
      Aber ich glaube nicht an so ein eindimensionales und sinnlehres Leben.

      Ich glaube dass wissenschaft letztenendes nur eine begrentzte möglichkeit ist unsere Welt zu erforschen und zu verstehen. So unglaublich wichtig es auch sein mag das Universum und alles Unklare zu erforschen, darf die Menschheit nicht zu ignorant und dumm gegenüber dem unbekannten stehen. Wie gesagt Forschungsergebnisse sind voller Löcher und teilweise fehler. Noch nach jahrzehnten finden forscher heraus, dass dinge die sie einst als selbstverständlich angesehen haben letztenendes falsch waren. Was kann die menschheit in der kürze ihrer existenz denn auch schon groß herausgefunden haben ? Unser Planet existiert wahrscheinlich millionen jahre wenn nicht sogar milliarden. Die menschheit existiert gerademal lange genug um sich an sich selbst zu erinnern, an ihre vergangenheit und ihre fehler. Und genau darum glaube ich dass alles möglich ist.

      Forscher haben ja auch angeblich nachgewiesen, dass menschen eine seele haben. Ich erinnere mich an eine nachrichtensendung von vor ein paar jahren in der davon gesprochen wurde, dass selbst nach dem tod und sogar während der verwesung eines menschen noch eine unbekannte strahlung, die mann nur mit bestimmt eingestellten geräten messen kann, ausgeht. Wie erklärt mann sich sowas ? Das herz schlägt nicht und dennoch gibt es einen Prozess in dem Körper des menschen, der soetwas produziert ?

      Ich wurde zwar zum Christen erzogen. Aber ich glaube dass jede Religion gute Punkte und fragen aufweist. Es kann ja sein, dass irgendein Genie vor 2000 jahren eine Religion erfunden hat nur um sich selbst reich zu machen und um die menschheit allgemein zu kontrollieren. Aber das heist nicht dass die Idee eines Gottes allgemein falsch ist. Das sind alles dinge die wir nicht beantworten können.

      Wenn ich mir aussuchen könnte wie ich nach meinem tod weiterexistiere, dann würde ich bestimmt nicht im körper eines anderen wiedergeboren werden -.- Meine persöhnlichkeit soll schön da bleiben wo sie hingehört... Und als ein Tier will ich auch nicht wiedergeboren werden. Ich würde mir wahrscheinlich die vorstellung eines Himmels aussuchen, irgendeiner welt in der ich weiterexistieren kann als das was ich bin.
    • Für mich persönlich ist das Schreckliche am Tod nicht der Tod an sich. Das schreckliche ist, wenn geliebte Menschen sterben, dass sie damit eine Lücke hinterlassen, die niemals und von nichts wieder gefüllt werden kann.
      Obwohl ich nicht besonders gläubig bin, glaube ich aber fest daran, dass ich die Verstorbenen eines Tages wieder sehe (nicht so kitschig mit Himmel und Wölkchen, etc.. - aber auf jeden Fall, dass ich sie wieder sehe!). Ich kann darüber auch mit niemandem rational diskutieren, denn ich habe auch keine Argumente dafür. Es ist sehr gut möglich, dass ich mich irre - aber egal: Das zu glauben hilft mir jeden Morgen trotzdem weiterhin mit einem guten Gefühl aufzustehen und mich weiter auf das Leben zu freuen, auch wenn diese Personen kein Teil mehr davon sind.

      Zum Thema Suizid kann ich nur sagen: Ich denke niemand bringt sich leichtfertig um! Niemand kann beurteilen, was diese Menschen erlebt haben, oder was in ihnen vorgegangen ist. Jeder hat sein Leben selbst in der Hand und wenn jemand sich so entscheidet, billige ich ihm/ihr das zu und möchte nicht über diese Leute urteilen. Sie werden sicher ihre Gründe dafür gehabt haben. Natürlich könnte man sagen, sie hätten noch tausend andere Möglichkeiten gehabt - aber vielleicht hat ihnen dazu die Kraft und der Wille gefehlt, so dass sie sich für den letzten Ausweg entschieden haben.

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    • Nun hier geht es ja um ein recht sensibles und für Viele schweres Thema, daher versuche ich mal es so gut wie möglich übersichtlich und etwas „distanziert“ zu gestalten.
      Dabei soll es hier nicht um den Tod als solchen gehen, wie man ihn wahrnimmt, sondern eher die Themen drumherum. Einfach um auch vielleicht ein bisschen aufzuklären und Klarheiten zu verschaffen.


      Sterben – Umgang, Patientenverfügung

      Mir ist klar, dass es viele plötzliche Tode gibt, gerade bei Jungen Menschen, die dann doch viel schwieriger zu verarbeiten oder „unverständlich“ sind. In diesem Fall gehe ich aber mal vom langwierigen Sterben aus. Also auch der junge Mensch, der Aufgrund einer Krankheit/Unfall etc im Sterben liegt.

      Ich fange mit mal einem „härteren“ Punkt an. Ich werde ihn nur kurz ansprechen.

      → Warum haben so viele Angst mit einem Sterbenden zu kommunizieren?
      Die Angst vor Fragen die man nicht beantworten kann. Dem Betroffenen seine Angst nicht nehmen zu können usw.
      Man wird niemals dazu in der Lage sein der anderen Person Ihre Angst zu nehmen! Es reicht schon einfach da zu sein, zuzuhören und ggf. die Hand darzubieten. Wenn man sich dazu bereit fühlt.
      Man darf dem Sterbenden nicht aufzwingen wollen wie er sich zu verhalten hat. Wut und Zorn oder das Sterben nicht akzeptieren wollen sind oft Gefühle mit denen Verwandte nicht zurecht kommen. Der Mensch stirbt, es ist ihm erlaubt traurig zu sein oder wütend.

      Das kurz dazu, ich will es noch nicht allzu sehr vertiefen oder erklären da es doch erst mal den Rahmen sprengen würde.

      Patientenverfügung :
      Ein Thema das leider viel zu selten zur Sprache kommt. Dabei ist es so wichtig. Hier muss ich allerdings zugeben dass ich selbst keine Patientenverfügung habe, obwohl ich sie schon seit Jahren schreiben will. Dabei hab ich das nötige Wissen dazu und weiß auch was ich will. Von daher will ich keinem einen Vorwurf machen, wenn er keine hat. Ich halte es nur für sehr wichtig es anzusprechen.
      Ich stell einfach mal einen Link des BMJV hier rein, bevor ich mich hier in Erklärungen verzettel. BMJV
      Hier gibt es auch Textbausteine mit klaren Aussagen die nicht zweideutig ausgelegt werden können (i.d.R.). Meine ehemalige Lehrerin (Staatsanwältin) meinte, es wäre die Beste die sie je gefunden hätte.
      Patientenverfügungen sind rechtsverbindlich und müssen vor dem Gesetz durchgesetzt werden. Dabei ist nicht nur von schriftlich festgelegten Wille die Rede. Auch der (früher) mündliche ausgesprochene Wille ist rechtsgültig.
      Hier muss sich jeder natürlich selbst Gedanken darüber machen, was er mit sich selbst vereinbaren kann und was nicht.
      Wichtig ist, dass man jemanden, oder mehrere, festlegt, die in nicht eindeutigen Situationen für einen entscheiden oder auch meinen Willen vor dem Gesetz durchsetzen. Denn was bringt eine Verfügung wenn sie im Schreibtisch liegt und keiner davon weiß? Sinnvoll ist es auch eine Kopie beim Arzt zu hinterlegen.

      Wer die Verantwortung einer Patientenverfügung übernehmen soll, sollte sich dessen sicher sein. So habe ich z.B. meine Schwester gebeten, noch 2 weitere rechtlich festgelegte Personen zu nennen, die mit mir gemeinsam entscheiden sollen, wie in bestimmten Situationen vorgegangen werden soll.
      Dann liegt die Entscheidungsgewalt nicht nur auf den Schultern einer Person.

      Auf der Internetseite wird auch erklärt was die Begriffe Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung bedeuten und es gibt Vorlagen zum ausdrucken usw.
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      Was haltet Ihr von Patientenverfügungen? Ist es sinnvoll seinen Willen festzulegen? Man kann die Befürchtung haben dass man im Koma z.B. noch alles mitbekommt was um einen herum passiert. Was wenn ich in diesem Moment wünschen würde, dass die Geräte nicht ausgeschaltet werden sollen? Nun habe ich aber in meiner Verfügung stehen, dass in diesem Fall die Geräte abgeschaltet werden sollen. Jetzt muss ich zusehen wie die Ärzte diese abschalten, dabei will ich doch Leben!
      Andererseits, wenn ich meinen Willen nicht festgelegt habe, müssen andere für mich entscheiden. Kann ich das diesen Personen zumuten? Kann ich sicher sein, dass diese die richtige Entscheidung treffen? Will ich da nicht lieber selbst entscheiden?
      Oder auch: Wozu den Willen festlegen! Die Ärzte machen doch eh was sie wollen und finden genügend Schlupflöcher!
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      Palliativ
      Zum Schluss des Themas Sterben möchte ich noch kurz auf die Palliativpflege/medizin eingehen. Hier geht es nicht um die Heilung, sondern um die Linderung der Symptome eines Sterbenden. Solche mit chronisch fortgeschrittenen Krankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson, usw. Hauptsächlich allerdings Krebspatienten im Endstadium. Der baldige Tod (Todeszeitpunkt vorraussichtlich in den nächsten 6 Monaten) ist umungänglich. Dem Patienten wird so gut es geht der Schmerz genommen, Trauerarbeit spielt hier eine wichtige Rolle und die bestmögliche Behandlung. Personalschlüssel 1:2 (i.d.R.) ermöglicht viel Zeit für den Sterbenden usw.


      Tod
      Der Tod an sich wurde hier ja schon besprochen, daher überspringe ich dieses Thema mal ganz dreist. Ihr dürft natürlich eure Meinung dazu äußern. Wie steht ihr z.B. zum Thema Freitod?

      Trauer

      Das Thema Trauer wird von Vielen verdrängt oder nicht richtig verarbeitet. Meine ehemalige Lehrerin hat es ganz treffend formuliert:

      „Wenn man sich nicht mit Trauer auseinandersetzt wird man es nie verarbeiten, nie darüber sprechen können und es wird einen das ganze Leben verfolgen und belasten. Im schlimmsten Fall führt es zu chronischen Krankheiten, Depression und im Extremfall zu Selbstmord.“

      Damit will ich euch nicht auffordern hier eure Geschichten/Erlebnisse/Traumas etc zu veröffentlichen. Das Gespräch mit einem „realen“ Gegenüber ist immer fruchtbarer und sollte nicht unbedingt im Internet niedergeschrieben werden. Manchmal möchte man in Ruhe gelassen werden und die Trauer mit sich selbst ausmachen. Gespräche sind nichts desto trotz ein wichtiger Bestandteil der Trauerverarbeitung.
      Wichtig ist hier einfach, DASS man sich mit dem Thema auseinandersetzt, so schwer es auch fällt. Wie das Sterben lässt sich die Trauer in verschiedene Stadien einteilen. Es gibt viele Möglichkeiten Stadien zu bennen, daher nenne ich nur die Geläufigsten.
      „Nicht wahr haben wollen“ „Aufbrechende Emotionen“ (das realisieren mit ggf Wut, Weinen usw), „Suchen, Finden, Loslassen“ (Erinnerungen werden aufgesucht, Erinnerungsstücke betrachtet und getragen, auftreten von Aggression und Wut etc) und letzten Endes „Akzeptanz und Neuanfang“
      Natürlich kann man nicht alles in Stadien einteilen, jeder Mensch ist ein Individuum und die Phasen können in den verschiedensten Kombinationen auftreten, oder gar nicht erst vorkommen. Einige Phasen können auch schon vor dem Tod der Person eintreten.

      Zeichen der Trauer gibt es natürlich Unmengen auf die ich vorerst nicht eingehen werde.

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      So ich hoffe ich habe euch nicht verschreckt oder zu viel geredet. Ist doch mehr geworden als ich dachte dabei hab ich so viel nicht geschrieben was ich mir erst gedacht hatte.
      Ich möchte mich jedenfalls bei denen bedanken die bis hierher durchgehalten haben und schau einfach mal ob sich überhaupt jemand dafür interessiert.
      Bei Fragen steh ich natürlich zur Stelle. =)

      Lyca

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    • Hallo PB-ler,


      gerne wollte ich einmal meinem Geist und meinem Herzen etwas freien Lauf lassen und ebenso fragen, ob jemand anderes schon einmal ähnliches durchgemacht hat.

      Letzten Freitag ist meine Mutter mit gerade einmal 61 Jahren an den Folgen von Krebs gestorben. Die letzten Tage war es nur noch das Herz, welches Sie am Leben gehalten hatte und nicht aufgehört hatte zu schlagen. Nach 3 Tagen, an denen sich Ihr Körper schon blau färbte, ist hat dann schlussendlich, in meinen Armen und zu meinen Worten, Ihr Herz aufgehört zu schlagen, da es die Anstrengungen nicht mehr geschafft hat. Hier jedoch mehr zu der Geschichte:

      Meine Mutter wurde 1956 geboren, doch erlitt Sie im Laufe Ihres Lebens sehr viele Qualen. Im Kindesalter wurde Sie beispielsweise von Ihrem eigenen Vater misshandelt. Dies mehrfach. Sie wurde bereits mit 19 Jahren Mutter meiner ältesten Schwester (ich habe 2) und die ersten Jahre der Ehe zwischen meinem Vater und meiner Mutter waren nicht gerade die besten... Mein Vater war Profifußballer und die ersten Jahre... nennen wir es mal... ein ziemlicher Freigeist. Nachdem die mittlere Schwester, sowie ich auf der Welt waren, wollten sich unsere Eltern in den "Westen" aufmachen. Was für eine Familie, welche nicht dem damaligen Regime angehörte, eine ziemliche Herausforderung da stellte. Doch schafften Sie diesen schritt und fortan arbeitete meine Mutter selbst in einer sehr guten Firma und nebenbei noch in der Wirtschaft meines Vaters. Von körperlicher und seelischer Anstrengungen müssen wir hier gar nicht erst anfangen zu reden, doch habe ich meine Mutter in Ihrem Leben glaube kein einziges Mal krank erlebt.
      Nachdem wir dann 15 Jahre später nach Bayern gezogen sind kam dann kurze Zeit später der Paukenschlag, wo man bei meiner Mama Brustkrebs feststellte. JEDE der nun folgenden Operationen ging fürchterlich schief oder Sie musste die volle Bandbreite der "möglichen" Nebenwirkungen spüren. Nachdem man meiner Mama zuerst die eine Brust abnahm, stellte man nicht mal ein Jahr später fest, dass sich die Metastasen auch in der anderen Brust verstreut haben und diese dann auch abgenommen wurde. Weiter ging dies ein Jahr später über die Lymphknoten, welche befallen waren und man uns das erste Mal ausgerichtet hatte, dass meine Mama unter Umständen nur noch Monate zu leben habe. Die folgende Chemotherapie haben Sie über Ihren Arm gespritzt. Fataler Fehler, da die Infusion dickflüssiger war als dies die Venen Ihres Armes durchließen. Als Sie wiederholt sagte, dass Sie im Arm schmerzen habe, hat man dies zuerst nicht geglaubt und wo man dies dann doch tat war es zu spät... Die Chemo hat Ihren Arm komplett von innen heraus abgetötet, sodass dieser in den folgenden Jahren zwar vorhanden war, doch waren die Muskeln und der ganze Arm steinhart. Die Finger konnte Sie nur noch Millimeter bewegen. Folgend gab es eine 5 Jahre lange "Schlacht" mit dem Krankenhaus, welche in all der Zeit meine Mama als "Dumme" hingestellt haben, sodass diese zum Schluss schon selbst das zweifeln anfing. Letztendlich und obwohl ein Gutachter ohne den Arm überhaupt einmal anzusehen dem Krankenhaus Recht gab, konnte das Gerichtsverfahren gewonnen werden. Es gab hierdurch eine ominös hohes Schmerzensgeld von Sage und Schreibe 20.000 Euro. Dafür dass Sie ein Leben lang schmerzen haben wird (3x täglich 1.200ter!!! Ibus), körperlich eingeschränkt und durch die folgende Überbelastung des zweiten Armes, wurde dieser ebenso in Mitleidenschaft gezogen (d.h. es hat sich im nächsten Jahr Wasser in dem ganzen Arm eingelagert, sodass dieser wöchentlich behandelt wurde).
      Zum Gutachter möchte ich gerne nochmals etwas loswerden, was ich bis heute nicht vergessen kann... wie besprochen hat sich dieser den wirklichen Arm meiner Mama nicht 1x angeschaut und als man dann im Gerichtssaal war, hat er nicht 1x zu meiner Mama geblickt. Dies hat mich so zur Weißglut gebracht, dass ich aufgesprungen bin und Ihn anschnauzte meine Mama und Ihren Arm wenigstens 1x anzuschauen. Daraufhin wurde ich zwar des Gerichtssaals verwiesen, doch habe ich die Reaktion noch in meinen Augen.... er schaukelte ein wenig mit dem Stuhl, schaute das erste Mal meine Mama an und auch Ihren Arm..... daraufhin ist er um ein Haar mit dem Stuhl zusammen nach hinten umgefallen und dies hat ungefähr ein JEDER in dem Saal gesehen.... In diesem Sinne nochmals ein Danke an den werten Herrn...

      Naja, zurück zu der eigentlichen Krankheit, denn auch nachdem man von der Infusion auf einen Port gegangen ist, war es der Krebs der weitere 8 Jahre streute, meine Mama fortweg jede Woche in Behandlung war und Ihre eigenen Wünsche von Reisen und die Welt entdecken nicht mehr folgen konnte... Sie hatte den Wunsch zu kämpfen und zu leben. Sie hatte den Wunsch später noch mit den Kindern meiner Schwester oder zum Schluss noch meine eigenen möglichst viel Zeit verbringen zu können und jeden Tag zu genießen. Schmerzen ließ Sie nicht zu und sagt immer wenn es um Ihre Lage geht: "Ich mag noch nicht sterben und solange bleibe ich am Leben".
      Auf jeden Fall kam es nach den 8 Jahren dazu, dass die Ärzte feststellten, dass der Krebs auch im Kopf gestreut hat. Folgend musste meine Mutter im Kopf operiert werden, sodass Sie anschließend (damals mit 57 Jahren) das für uns normale gehen und Ihre rechte Körperhälfte neu zu steuern und gehen lernen musste. Nachdem dies nicht sonderlich gut funktionierte kam ein Jahr später der Knackpunkt... Ein weiterer Chefarzt stellte diese OP vor Ihren Augen in Frage, sodass meine Mama einfach einen großen Glauben verloren hatte und in den folgenden 4 Jahren immer mehr und mehr Kraft abbaute.
      Es folgte vor nunmehr 2 Jahren, dass auch die Lungen stark befallen waren (sowie auch der Rest des Körpers) und diese somit immer und immer wieder mit Wasser voll liefen, wodurch Sie nur eingeschränkt Luft bekam.

      Vor nun 1,5 Wochen waren nun auch die Leukozyten (Abwehrkräfte) auf 0,7 unten (unter 3 herrscht im KH normal Quarantäne) und genau in dieser Zeit hat Sie zu Ihrem Gesundheitszustand noch eine Lungenentzündung eingefangen, welche Sie zum Schluss Ihr leben kostete. Wie zu Beginn bereits geschrieben, war jedoch Ihr Wille bis zum letzten Herzschlag so immens groß, dass dieser Ihr Herz 2 weitere Tage am Leben gehalten hat und Ihr Herz immer zum stoßen und atmen anspornte. Eben bis zu dem Zeitpunkt als ich mich am letzten Freitag von meiner Mama bis zum Abend verabschieden wollte und Ihr nochmals einige Dinge sagte, worauf Sie mich nochmals ansah (davor waren Ihren Augen 2 Tage lang geschlossen) und Sie aufhörte zu atmen.... Ihr Herz versagte...


      Seit dem sind jetzt fast eine Woche vergangen und ich weiß einfach nicht mit der Situation umzugehen. Ich verstehe nicht, wie eine Frau die so viel Größe hatte und so viel Leid ertragen musste, dennoch von solch einem Schicksal eingeholt wurde und noch so viele Jahre weiter Leiden musste und Schmerzen täglich über sich ergehen lassen musste. Es ist für mich unbegreiflich, da es in Deutschland so viele Gammel, Harz4 und Assy-Familien gibt, welche sich weder Integrieren, noch dem allgemeinen Wohl beitragen.
      Ein passendes Beispiel hierzu von meiner Mama: Nach der Gerichtsverhandlung und der mickrigen Schmerzensgeld-Zahlung war meine Mama glücklich und zufrieden. Dies nicht weil Sie den Prozess gewonnen hat, sondern weil es aufgrund dieses Urteils eine Änderung im Gesetz gab. Vorher durften Ärzte Ihre Fehler aufgrund Ihrer Rechtsschutz nicht zugeben, doch hat sich dieser Paragraph aufgrund Ihres Prozesses geändert. Dies hat meine Mama glücklich gemacht, da Sie anderen damit helfen konnte nicht gleiches zu erleiden.

      Ebenso weiß ich nicht, wie ich mit allem umgehen soll. Ich fühle mich leer und unglaublich reizbar. Ich merke wie mir alles zu viel wird, doch fühle ich mich die meiste Zeit im Leben eigentlich unverändert. Ich fühle mich schuldig, weil ich meine, dass ich wesentlich mehr trauern und weinen sollte.... immerhin war es meiner Mama... und dann erwische ich mich, wo mir die Tränen laufen und ich lautstark weine. Doch war das letztere eigentlich nur nachdem meine Mama gestorben ist und ich mich fühle, als wäre ich dafür verantwortlich. Jeder sagt mir, wie groß doch die Bindung zwischen uns war, da ich Sie noch so erreichte und Ihr frieden brachte, doch fühlt sich dies für mich anders an. Ebenso fühle ich mich des öfteren einfach nur kalt und als wäre ich ein Monster was nicht in der Lage ist hier zu trauern oder Gefühle zu zeigen.

      Ich bin was die menschliche Psyche angeht eigentlich extrem gut, habe mehrere Vorlesungen gehalten, doch komme mich mit dieser Situation bisher nicht wirklich zurecht und wollte einmal ins Board fragen ob jemand etwas ähnliches durchgemacht hat?!


      Danke schon einmal und Greetz,
      D
    • Hallo D'Grafunder,

      zu allererst möchte ich dir mein aufrichtiges Beileid aussprechen!

      Ich habe vor ein paar Jahren etwas änhliches durchgemacht und würde dir gerne ein Allheimittel mit auf den Weg geben aber leider gibt es dieses nicht. Ich musste feststellen das es von Person zu Person unterschiedlich ist. Es gibt Dinge die manchen Personen helfen es zu verarbeiten, bei Anderen jedoch den Zustand eher verschlechtert. Das einzige was wirklich hilft ist Zeit. So doof wie es jetzt auch klingen mag...

      Ich kann dir nur raten mach Dinge die dir Spaß machen, gehe deinen Hobbys nach, treffe dich mit Freunden/Familie die dich aufheitern und mit denen du über alles sprechen kannst. Suche dir evtl. jemanden von der Seelsorge oder einen Psyschologen. Manchmal hilft es über so etwas mit Unbeteiligten zu sprechen (hat bei meinen beiden jüngeren Schwestern geholfen).

      Bleibe positiv und mach weiter! Suche dir neue, kleine Ziele die du angehen und erreichen willst! Mach weiter!
      Es gibt nichts schlimmeres als sich jetzt hängen zu lassen.

      Du kannst mich gerne per PN anschreiben falls du mal jemanden zum reden suchst!

      Ich wünsche dir vom Herzen alles Gute!
      Grüße Forseco
      memento mori - "bedenke, dass du sterben musst"
    • Hallo @Forseco

      Danke Dir für Deine Antwort. So schlimm, dass ich psychologische Betreuung brauche ist es nicht, zum Glück. Doch wollte ich einmal wissen, ob es hier andere gibt, die es ähnlich erging und wie Sie innerlich mit dem Thema umgegangen sind um für mich selbst daraus zu lernen oder vielleicht Parallelen zu finden. Ich bin seit gestern wieder in meiner Arbeit, wo ich eine gewisse Verantwortung habe, ich treibe weiterhin Leistungssport und treffe viel Familie und Freunde. Allein schon aus dem Grund, da mir meine Mama sonst eine geknallt hätte (übertrieben dargestellt^^).

      Dennoch danke für Deine Worte, die schon mal gut tun zu lesen, denn auch ich glaube, dass es hier kein Allheilmittel gibt.


      Greetz,
      D
    • D schrieb:

      So schlimm, dass ich psychologische Betreuung brauche ist es nicht, zum Glück.
      Ich kann hier jetzt nur für mich sprechen - mit Blick auf mein Umfeld - aber ich habe den Eindruck, dass die Suche nach psychologischer Hilfe oft sehr argwöhnisch betrachtet wird, mancher sich gar dafür schämt, wobei ich das nicht ganz nachvollziehen kann.
      Ich z.B. hab meinen Vater ebenfalls an Krebs verloren, da war ich allerdings auch erst fünf Jahre alt. Freunde und Verwandte legten meiner Mutter damals nahe, dass ich am besten mit zur Beerdigung gehen sollte, um das Ganze dadurch besser verarbeiten, mich verabschieden, zu können. Im Endeffekt war aber das genaue Gegenteil der Fall: Es hat meiner Psyche enorm geschadet dieses Maß an Trauer und Verzweiflung in meiner frühen Kindheit aufzunehmen. Das sind Bilder, die sich mir ins Gedächtnis eingebrannt haben und die ich nie wieder vergessen werde. Dadurch ergaben sich auch lange Zeit enorme Defizite bei mir, wenn es ums Zwischenmenschliche ging. So hatte ich bis ins frühere jugendliche Alter (13/14) eigentlich keinen richtigen Freundeskreis. Das kam erst, nachdem ich mir Hilfe von außerhalb gesucht hatte und mich plötzlich besser anderen Menschen öffnen konnte. Gekoppelt an einen Schulwechsel, um einen Cut zu setzen und quasi noch mal von vorne anzufangen. Es waren damals nur zwei oder drei Gespräche, doch es hat mir enorm gut getan und sehr geholfen.

      Die Probleme sind allerdings bestehen geblieben. Zwar kann ich mittlerweile sehr schnell Freundschaften knüpfen, doch was innige Beziehungen betrifft, so bin ich immer noch komplett unfähig dazu. Mit Ausnahme meiner Mutter gibt es auch weiterhin keinen einzigen Menschen, dem ich mich wirklich voll und ganz hingeben und öffnen kann. Weil in mir immer wieder der Gedanke aufkeimt, dass dieser jemand ohnehin nicht lange bleiben wird, was bedingt auf meine Erfahrungen bzgl. meines Vaters und dessen Beerdigung, zurückzuführen ist. Ich steh mir da immer selber im Weg, deswegen lass ich mich von vornherein gar nicht erst voll auf sie ein. Mit ein Grund, aus dem meine letzten Beziehungen alle nicht länger als einen Monat gehalten haben und weswegen ich momentan auch wieder ernsthaft mit dem Gedanken spiele, einen Therapeuten für ein paar Sitzungen aufzusuchen.

      Man braucht sich da echt nicht für zu schämen oder irgendwie Hemmungen zu haben. Besser zu einem Außenstehenden gehen, der Ahnung von der menschlichen Psyche hat, als immer alles in sich hineinzufressen. Das hab ich jahrelang gemacht, bin im Endeffekt davon aber nur krank geworden. Ich kann's echt nur empfehlen, vor allem dann, wenn die seelischen Verletzungen noch so dermaßen frisch sind.

      So war das von mir auch nicht gemeint. Ich wollte dir nichts Derartiges unterstellen, nur darauf hinweisen, dass - wenn man merkt, dass es im Alltag aufgrund eines Traumas zu Problemen kommt, die man so vorher nicht hatte - man nicht davor zurückschrecken sollte sich Hilfe zu suchen. Es gibt genug Leute, die ich auch kenne, die den Gang zum Therapeuten scheuen, weil sie sich dafür irgendwie schämen, wofür ich aber bei Gott keinen Anlass sehe. Es ist nur als gutgemeinter Ratschlag gemeint, dass, wenn du das Gefühl hast mit jemandem über manches sprechen zu müssen, es dir jedoch schwer fällt, nichts dabei ist, wenn man sich direkt professionelle Hilfe sucht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von OneBrunou ()

    • @OneBrunou

      Danke Dir für Deinen Kommentar und mein herzliches Beileid für das von Dir erlebte. Ich habe in einem ähnlichen Alter schon meinen Opa sterbend in meinen Händen gehalten und kann das ein oder andere von Dir nachempfinden. Jedoch möchte ich dazu sagen, dass ich keineswegs gegen Psychologische Betreuung bin und diese auch nicht argwöhnisch betrachte. Dazu kenne ich zu viele positive Beispiele (gerade wenn zwischen Patient und Therapeut Vertrauen herrscht). Ich wollte lediglich sagen, dass ich für mich stabil bin und auch gut mit Familie und Freunden zurecht komme. Klar kann ich mich aktuell nicht so öffnen, doch ist dies glaube ich auch nur zu verständlich.

      Danke Dir und ich wünsche Dir auf jeden Fall (und entschuldige diesen öden Kommentar, doch meine ich diesen ernst) alles erdenklich Gute und dass Du hier auch in Zukunft nicht nur die Richtige in Deinem Leben findest, sondern auch innerlich zur Ruhe kommst um Vertrauen aufzubauen und Nähe zuzulassen.


      Greetz,
      D
    • Mein Beileid D'
      Du hattest eine mächtig starke Frau als Mutter und bist offensichtlich auch zu Recht sehr stolz auf sie.
      Wie du das alles erläuterst, war es eine sehr lange Leidenszeit, was evtl. schonmal erklärt, warum deine tatsächliche Trauer deinem Empfinden nach vielleicht etwas zu gering ausfällt.
      Es ist dir vielleicht unterbewusst irgendwo wichtiger inzwischen, dass das Leid ein Ende hat und du einfach, vielleicht bald mit einem lachenden Auge voller Stolz an deine tolle Mama denken kannst.

      Alles Gute für Dich und deine Lieben.

      CT (Flo)
      Achtung! Ein einziger Buchstabendreher kann eine Signatur urinieren!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Chuck Taylor ()

    • Mein aufrichtiges Beileid zu deinem Verlust, ich kann dir sehr gut nachempfinden was du gerade durchmachst. Mein Vater ist auch nach langer Krankheit verstorben. Die Gefühle die du hast sind gewiss sehr schwer zu verstehen. Dein Trauerprozess hat aber schon begonnen und auch wenn es noch einige Zeit braucht bis du die Dinge verarbeitet hast, deine Gefühle helfen dir dabei diese Trauer zu bewältigen.
      Aber du kannst stolz auf deine Mutter sein und solltest dich nicht schuldig fühlen. Du warst bei ihr als sie ging und das hat deiner Mutter sehr viel bedeutet.
      A Laser beam of Epicness
    • Also zu allererst auch von mir herzliches Beileid, das sagt einem der Respekt, auch wenn man die Person nicht persönlich kannte.
      Was du zurzeit durchmachst, habe ich vor genau 10 Jahren erlebt, allerdings ging es da um meinen besten Kumpel, den ich von Kindergarten an kenne und heute noch Träume davon habe, dass er nicht gestorben, sondern eher untergetaucht ist und plötzlich wieder auftaucht - so etwas kann dich durchaus noch mehrere Jahre verfolgen und wird sehr deprimierend sein, aber wenn du geschlossen in der Familie und einen starken Freundeskreis hast, kannst du auch diese Trauerphase überstehen.
      Mein bester Freund hatte Leukämie und letztendlich starb er durch eine Sepsis, die durch eine Verschmutzte, wiederverwendete Kanüle verursacht wurde, also salopp gesagt die Faulheit des Personals, was ich dieser Person bis heute nicht verziehen habe und ich diese sogar persönlich kenne, was das ganze umso schlimmer macht.
      Ich habe ebenfalls eine lange Zeit unter Vorwürfen zu mir selbst gelebt, dass ich zu dem Moment das Zimmer verlassen habe und zur Toilette ging, bevor die Kanüle gewechselt wurde, aber es sind Dinge, die man selbst nicht beeinflussen kann.
      Wenn du aufgrund von Trauer nicht weinen kannst, dann ist es eben so, da jeder auf seine Art trauert.
      Da du deine Mutter in ihrem letzten Momenten beigestanden hast, ist auch Top, ich konnte mich zwar verabschieden, diese war aber so dermaßen schwammig, habe sogar noch einen Witz zum Abschied gemacht, in dem Moment war allerdings noch garnicht klar, dass er die schmutzige Kanüle schon eingesetzt bekam und dass er einen Tag später auf die Intensiv kam.
      Solche Vorwürfe belasten nur dich selbst, am Tod trägst du aber absolut keine Schuld, egal wie hart du es dir einzureden versuchst.
      Ich selbst habe Trauerphasen für mich und trage sie niemals nach außen, da es nicht in meiner Charakteristik verankert ist, ich bevorzuge stille Trauer und führe mir immer wieder die positiven Momente die wir hatten, vor Augen, mir hilft es ein wenig.
      Genau dasselbe wie vor 6 Jahren, als mein Hund verstarb, den ich selber großgezogen hab von Welpe an und der wie mein Kind war. Ich weine niemals vor anderen, allerdings heimlich und das des öfteren, dazu mache ich mir bewusst die Athmosphäre bedrückend und traurig, indem ich hauptsächlich traurige Soundtracks aus Animes anwerfe, bis die Dämme brechen, wie man so schön sagt.
      Wie gesagt, lass dir vor allem nicht einreden und rede dir vor allem selbst nicht ein, zu wenig zu trauern, denn diese Aussage ist völliger Bullshit, da es jeder auf seine Art und Weise tut.
      Ein Todesfall ist für jeden ein Schweres Ereignis, auch wenn es Leute gibt, die äußerlich gut damit umzugehen scheinen, denen man sogar Herzlosigkeit und Mangel an Empathie vorwirft, wie man es bei mir getan hat.
      Das wichtigste ist es, dass du dennoch dein Ding weitermachst und dich nicht von anderen bequatschen lässt, auch wenn bei jedem die Nerven blank liegen und Sachen gesagt werden, die hinterher vielleicht nicht so gemeint waren.
      Falls es überhaupt nicht geht, die Trauer ausreichend zu bewältigen, rate ich dir zu einem Besuch beim Psychologen, bei dem du dir alles von der Seele quatschen und auch Tränen fließen lassen kannst.
    • Hallo D'Grafunder,

      erstmal möchte ich dir auch mein herzliches Beileid aussprechen zu deinem schweren Verlust. So wie du deine Mama beschreibst, klingt sie nach einer wundervollen Person und die Welt ist definitiv um einen guten Menschen ärmer geworden. Mich persönlich macht es sehr glücklich, wie wahnsinnig positiv du über deine Mama sprichst... ich höre in letzter Zeit oft von Bekannten und Freunden, die ein schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern haben, was für furchtbare Dinge da teilweise vorgefallen sind und da ich selber eine der wundervollsten Mütter der Welt hatte, macht mich sowas oft ziemlich traurig.

      Meine Mutter ist vor vier Jahren mit 53 ebenfalls an Krebs verstorben und hatte auch einen qualvoll langen Leideweg hinter sich, unter anderem ähnlich wie bei deiner Mutter, weil Ärzte manche Sachen einfach verpfuscht haben. Daher kann ich zum Großteil nachempfinden, was du gerade durchmachst und finde mich auch in einigen deiner Aussagen wieder. Ich erwische mich auch heute oft noch, dass ich mich frage, warum ausgerechnet meine Mutter sterben musste; meine Mutter, die ein herzensguter Mensch war und viel zur Gemeinschaft beigetragen hat; zu der ich ein inniges Verhältnis hatte, während so viele andere Menschen überhaupt noch leben dürfen. Aber ich denke, dass sind völlig normale Gedanken die man einfach hat wenn man trauert und ich schäme mich auch nicht, so zu denken.

      Wie du mit der Situation umgehen sollst... Ich wünschte ich könnte dir einen Tipp geben. Mir wurde damals von einer Freundin, die ihre Mutter einige Jahre zuvor auch an Krebs verloren hatte, knallhart gesagt: "Ich kann dir keinen Tipp zur Trauerbewältigung geben, denn alles was ich dir sage, wird momentan an dir abprallen. Ich kann dir versprechen, dass es besser wird, aber das wirst du momentan einfach nicht glauben können." Damals fand ich, dass das ziemlich hart klang, aber ich muss tatsächlich im Nachhinein sagen, dass diese Freundin Recht hatte. Deine Mama ist vor nicht einmal einer Woche gestorben, momentan ist da einfach nichts anderes was du tun kannst, als versuchen damit umzugehen und dich daran zu gewöhnen, dass sie nicht mehr da ist. Auch ich kann dir mittlerweile sagen, dass es definitiv leichter wird mit der Zeit. Zu Anfang hatte ich wahnsinnig viele Gedanken über die Art und Weise wie sie gestorben ist, habe mir Vorwürfe gemacht und ein schlechtes Gewissen gehabt über viele Dinge die passiert sind; mittlerweile tue ich das nicht mehr und die schlimmen Erinnerungen sind etwas verblasst und ich denke öfter an die alten Zeiten, als sie noch gesund war oder generell an die schönen Momente. Deine Art, wie du über die ganze Situation denkst, wird sich mit der Zeit verändern; momentan musst du aber erstmal verarbeiten was da eigentlich passiert ist und damit meine ich nicht nur den Tod selbst, sondern vor allem der Weg dahin.

      Nimm dir jetzt die Zeit ordentlich zu trauern; egal wie sich das äußert. Ich habe alles durchgemacht von Abschotten, viel darüber reden, weinen, schreien und anderen Vorwürfe machen. Tu einfach das, wonach dir in dem Moment der Sinn steht und Gefühlsschwankungen sind definitv nicht unnormal. Du befindest dich geistig und körperlich in einer Ausnahmesituation und so musst du dich auch selbst behandeln, Verständnis für dich selber entwickeln. Wie gesagt, es WIRD besser mit der Zeit, wobei ich auch heute noch ab und zu plötzlich in Tränen ausbrechen kann, wenn ich ein Lied höre, was mich an meine Mutter erinnert oder irgendetwas rieche, was ich mit ihr in Verbindung bringe.

      Lange Rede, kurzer Sinn, wie bei so vielen Sachen. Ich wünschte ich könnte dir helfen, aber durch Trauer muss leider jeder alleine durch. Wenn du mit mir reden magst (und dich meine vielleicht stellenweise kühl wirkende Nachricht nicht abgeschreckt hat), kannst du mir gerne privat schreiben oder wir können anders in Verbindung treten. Gönne dir auf jeden Fall die nächsten Monate und Jahre viel zeit um alles zu reflektieren, damit du irgendwann damit umgehen kannst.

      Ich wünsche dir alles Liebe und viel Kraft für die kommende Zeit!