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Beiträge von OneBrunou im Thema „Das Narrativ von One Piece“


  • Das Narrativ von One Piece

    • PB|OneBrunou
    • 29. Juni 2025 um 18:40
    Zitat von Androssus

    Ist es vor dem Hintergrund dieser genannten Punkte wirklich so unwahrscheinlich, dass Oda seinen Erzählstrang schon seit Beginn des Mangas in Rohfassung im Kopf hatte und von diesem bis heute nicht abgewichen ist?

    Kommt drauf an, welcher Erzählstrang bzw. welches Element gemeint ist. Die metaphorische Bedeutung der Sonne? Nein, wenngleich ich’s nicht so überinterpretieren würde. Das plötzliche Umschreiben der Gum-Gum Frucht, gekoppelt mit dem stumpfsinnigsten Infodump, den es in One Piece je gab? Auf jeden Fall.

    Oda hat selber gesagt, dass die Hauptgegner des Mangas ursprünglich die Kaiser sein sollten. Von der Weltregierung, und damit auch den Himmelsdrachen, den Heiligen Rittern, den 5 Weisen und Imu, war da keine Rede. Er wollte ursprünglich einem 5-Jahresplan folgen, mit einem klaren Anfang, Mittelteil und Ende. Gewisse Schlüsselpunkte seiner Geschichte, inklusive dem letzten Kapitel, standen schon von Beginn an fest. Durch den Popularitätsanstieg musste Oda von seinem ursprünglichen Plan dann aber abweichen, die Geschichte expandieren lassen. Neue Figuren, Arcs und Plotpunkte mussten her. Und, und auch das ist ein offenes Geheimnis, Oda bleibt nicht immer bei seinem ursprünglichen Plan. Er weicht davon auch gerne mal ab, wenn die Entwicklung der Geschichte entsprechend Anlass dazu gibt. Ein gutes Beispiel ist da das Abarbeiten von DoFlamingo als Antagonist. Ursprünglich wollte Oda den nämlich auch auf Wano haben, hat dann aber erkannt, dass das der Figur nicht gerecht werden würde und hat ihm seinen „Abgang“ in seinem eigenen Arc gegeben. Auch gab er selbst zu, dass sich der Wano Arc ganz anders entwickelt hätte, als er es eigentlich geplant hatte.

    Die Wahrheit ist, dass Oda einerseits zwar vieles vorausplant, andererseits aber häufig auch Dinge einfach umändert, wenn er der Auffassung ist, dass dies notwendig ist. Er ist sozusagen eine Kombination aus beiden Typen.

    War die Sonne, als metaphorisches Element zur Befreiung der Welt, von Anfang an auch als solches konzipiert? Gut möglich. Es ist zumindest ein Element, und da stimme ich dir zu, das uns von Anbeginn an subtil begleitet hat. Aber war Nika, als personifizierter Krieger der Befreiung und Sonnengott, deswegen ebenfalls von Beginn an geplant? Definitiv nicht. Dann wäre seine Einführung nicht derartig plump, sowie das Umschreiben von Ruffys Teufelsfrucht nicht so dermaßen anorganisch gewesen.

    Gut möglich, dass Oda die Idee in seiner Pause zum Zeitsprung in groben Zügen bereits konzipiert hat, nachdem er damit begonnen hat die Auserwählten-Trope stärker zu betonen. Denn DoFlamingo war auf Dressrosa der Erste, der bei Gear 4 anmerkte, dass sich Gummi so eigentlich nicht verhalten würde. Das war imo das erste Anzeichen dafür, dass Oda da noch was in Petto hatte. Er hat nur versäumt, diesen Plottwist und den Infodump danach sauber vorzubereiten… Obwohl eigentlich genug Zeit dafür da war.

    Das Kernproblem ist nicht die symbolische Bedeutung der Sonne. Das Problem ist und bleibt die Einführung von Nika. Das Was und das Wie genossen so gut wie gar kein Build-Up, kamen komplett aus dem Nichts. Dadurch erhärtet sich eben der Eindruck, dass sich Oda da schnell was aus dem Hut ziehen musste. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass er in einem vorangegangenen Interview erklärte, dass er noch gar nicht wüsste, wie Ruffy gegen Kaido eigentlich gewinnen soll… Das kann alles natürlich einfach nur ein gewaltiger Troll-Move von ihm sein, weckt dennoch berechtigte Zweifel an der Planung.

    Aber, und das habe ich an anderer Stelle bereits betont, daran ist absolut nichts verwerflich. Es ist nichts dabei, wenn ein Autor sich mal in eine Ecke manövriert, aus der er sich nicht so einfach befreien kann und dann eben gezwungen ist, sich den Begebenheiten anzupassen. Ganz im Gegenteil, bei komplexen Langzeitgeschichten ist das was ganz normales. Man kann einfach nicht alles planen, langwierige Geschichten entwickeln irgendwann sowas wie ein Eigenleben. Entwicklungen schreiben sich, aufgrund der geschaffenen Rahmenbedingungen und Dynamiken zwischen den Figuren, wie von selbst. Ein guter Autor weiß sich diesen Umständen dann aber auch anzupassen und zu intervenieren, sodass seine Geschichte weiter in die gewünschte Richtung verlaufen kann. Manchmal sind dazu stumpfe Infodumps und Retcons notwendig, aber das ist allemal besser als die Alternative. Selbst Oda ist davor nicht gefeit. Der Mann ist auch nur ein Mensch.

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