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Beiträge von Red Haired Beckmann im Thema „Das Narrativ von One Piece“


  • Das Narrativ von One Piece

    • Red Haired Beckmann
    • 9. Juli 2025 um 16:23
    Zitat von Androssus

    Daher möchte ich meinen Beitrag mit einer Frage beenden. Ist es vor dem Hintergrund dieser genannten Punkte wirklich so unwahrscheinlich, dass Oda seinen Erzählstrang schon seit Beginn des Mangas in Rohfassung im Kopf hatte und von diesem bis heute nicht abgewichen ist?

    Dann möchte ich mich doch auch nochmal aus dem Off melden, obwohl ich ja im "Was gefällt euch nicht..."- Thread geschrieben habe, dass ich das eigentlich nicht tun wollte xD. Aber deine Klarstellung rückt einige Dinge nochmal in ein anderes Licht. Also danke für deinen Beitrag. Diese Analyse liest sich jedoch ganz anders, als das, worüber u.a. wir vor ein paar Wochen diskutiert haben und warum ich mich dort zu Wort gemeldet habe.

    Dann versuche ich meinen Standpunkt auch noch einmal etwas klarer darzustellen und ggf. erreichen wir dadurch ja so etwas, wie einen Konsens.
    Zunächst möchte ich etwas ganz klar darstellen: Ich habe nie bestritten, dass die Auserwählten-Thematik grundsätzlich durchaus durch viele Referenzen im Manga gestützt wird. Das stell(t)e ich zu keinem Zeitpunkt in Frage. Das, was OB (ich nehme es mir mal heraus in deinem Namen zu sprechen ;)), einige andere und mich stört, ist speziell die Erzählung rund um das Gottesbild Nika, die damit verbundene Teufelskraft und ganz besonders die Art und Weise, wie Oda versuchte selbige in die One-Piece Lore einzuflechten.
    Ich versuche das im Folgenden mal ganz konkret zu machen...

    Warum ist ausgerechnet die Figur Nika ein derartiges Störgefühl?

    Ganz einfach: Es ist letztlich die bereits erwähnte Art, ihre Bedeutung und ganz besonders die damit verbundene Wichtigkeit für das gesamte Werk, die Oda dieser Figur mit der ganzen Gottes-Sage beimessen möchte. Ich halte es btw. in diesem Kontext ebenfalls nicht für unmöglich, dass Oda von Anfang an eine gewisse historische Anlehnung oder "Assoziation" mit der Sonne irgendwo in sein Werk hat einbauen wollen (Wo und wie auch immer). Ich streite aber nach wie vor ab, dass das Sonnen(gott)-Thema, sprich Nika, seit Beginn als zentrales Leitmotiv des Mangas und/oder des Protagonisten im Vorfeld geplant war. Die Ursache für mein Störgefühl liegt nicht nur in Odas Versuch, uns Nika via. Who is Who in läppischen 26 Kapiteln "Foreshadowing" Zeit zwischen seiner ersten Erwähnung und der anschließenden Auferstehung unterzujubeln. Es liegt auch nicht nur daran, dass aus meiner Perspektive wirklich keine Infodrops nach Skypia und den vermeintlichen Andeutungen eines Sonnengottes zu finden sind - obwohl Oda ~ 800 Kapitel Zeit dafür hatte, zumindest mal den Namen zu erwähnen statt hunderte Kapitel zu warten und darüber hinaus mit Skypia und der dort erwähnten Gottheit einen super Absprungpunkt gehabt hätte.
    Nein, mein Störgefühl ist darüber hinaus auch ganz eng mit Luffys Teufelskräften verbunden. Man kann aus meiner Sicht das Nika-Thema und die damit verbundene Gotteslore nicht betrachten, ohne diese Komponente mit zu berücksichtigen. Das mag zunächst etwas seltsam klingen, ist auf den zweiten Blick aber untrennbar mit der bereits geäußerten Kritik verbunden.

    Was meine ich damit?

    Luffy war Gummi! Simple as that! Luffy war aus Gummi, ist aus Gummi und bleibt für mich auch immer Gummi.
    Bis zum Ertönen der "Befreihungstrommeln" auf Wano, bestand sowohl für Leser, als auch für alle beteiligten Protagonisten kein Zweifel daran, dass es sich bei Luffys Teufelskraft um die Gumo-Gumo-No-Mi handelt. Dass Luffys Attacken, seine Physis und die damit verbundenen Schwachstellen zu 100% zu Gummi-Kräften pass(t)en. Angefangen mit seiner Schwäche gegenüber Schnitt- und Stichwaffen, über seine Immunität gegenüber Elektrizität, bis hin zu den genialen (!) Techniken der Gears 2-4 und der grundsätzlichen Anatomie seiner Attacken, handelt es sich bei Luffy und dessen erzählerischem Portrait um einen Menschen, dessen Körper aus Gummi besteht. Seine Teufelsfrucht hieß so, seine Attacken hießen so und jeder der ihn zum ersten Mal traf, bezeichnete ihn despektierlich als "Gummibirne". Konsistent und nachvollziehbar; Stück für Stück im Manga aufgebaut.
    Mit der Einführung Nikas vergeht sich Oda allerdings tiefgreifend und sehr bedeutsam an diesen Eigenschaften. Er macht das mit einem erzählerischen Trick, indem er sagt: Ja! Luffys körperliche Eigenschaften "erinnern" an die Eigenschaften von Gummi. Aber eigentlich ist das nur "eines" der Merkmale seiner eigentlichen Teufelsfrucht "Mensch-Mensch, Modell Nika". Er erklärt uns in Wano zum ersten Mal, dass es sich bei Lufys Teufelskräften um mystische Fähigkeiten der eigens erschaffenen Gottheit Nika handeln soll. Und weil er es erst dort zum ersten Mal erklärt, sage ich, dass hier rückwirkend eine Kontinuität in eine Figur gepresst werden soll, die über 1.044 Kapitel hinweg mit einer anderen Kern-DNA durch den Manga geschritten ist. Es ist nichts anderes, als ein Retcon. Ein Einfall, der wann auch immer entstand, aber erzählerisch nie vernünftig in den Verlauf der Geschichte eingebaut wurde. Nika spring wie das Kanninschen aus dem Zylinder und hat (wenn wir ehrlich sind) jeden Leser, von jung bis richtig eingefleischt, überrascht. Die Teufelsfrucht von Luffy wird binnen weniger Kapitel umgetauft und bekommt eine völlig neue; eine zentrale Wichtigkeit in Bezug auf Luffy, in Bezug auf die damit verbundenen Fähigkeiten und ganz besonders in Bezug auf den One-Piece internen historischen Kontext, der mit der Gottesfigur (die der Nika-Nika-No-Mi als Götze dient) und Teufelskraft verbunden ist.

    Denn das ist das eigentliche "Verbrechen" an Luffy und dem Retcon. Es ist dieser plumpe Infodump der Gorosei, die per Zuspieler im finalen Kampf zwischen Kaido und Luffy, via Fernschalte komplett ungefragt den Background zur Gummi, bzw. Nika-Frucht geben. Mich stört Odas dreister Versuch, mich mit diesem vollkommen durchschaubaren Täuschungsmanöver hinters Licht zu führen. Der Versuch mir nach mehr als 1.000 Kapiteln, quasi im Vorbeigehen zu erklären: Da hab ich es jetzt aber geschafft, dich fast 20 Jahre lang an der Nase herumzuführen, weil du und alle anderen geglaubt haben, dass Luffy Gummikräfte hätte. Aber ich hab alles ganz anders "von langer Hand" geplant.
    Es tut mir leid, aber nein! Nein! Da gehe ich nicht mit. Da sitze ich hier und denke mir im Gegenzug: Wen will der Mann hier eigentlich trollen? Wem will Oda eigentlich erzählen, dass er selbst Luffys Fähigkeiten von Anfang an als Gummifrucht bezeichnet und dann binnen weniger Panel seine gesamte Arbeit mit teils genialen Einfällen reorganisiert?
    Das ist für mich persönlich nicht stimmig und darüber hinaus mit unglaublich vielen, erzählerischen Hürden verbunden. Sei es die Untätigkeit der Weltregierung nebst Marine, die dabei zusahen, wie Luffy mit diesen Kräften zu einem der stärksten Kämpfer ihrer Welt aufsteigen konnte. Die dabei zusahen, wie Luffy in die Lage kam, eine Kräfte zu erwecken. Oder seien es die undefinierten Grenzen dieser Gottesfrucht, die mit dem Satz "es ist die freieste Teufelskraft der Welt" umschrieben wird und sich bisher keinen (OP-) logischen Gesetzen unterwirft.

    All das, gepaart mit der zentralen Rolle, die Nika als historische Gottheit und Leitfigur der Befreiung einnimmt, ist die Einführung, dessen Zeitpunkt und die erzählerische Sorgfalt für mich zu plump. Ich bin fast geneigt zu sagen "schlampig". Denn für mich fühlt es sich nach lazy-writing an, wenn ein Autor erst 20 Jahre darauf verwendet, die Fähigkeiten seines Protagonisten immer weiter zu entwickeln. Fähigkeiten, die nach der Norm keinerlei kämpferischen Wert besitzen dürften. Bei denen man sich im ersten Moment denkt was soll Gummi gegen Feuer, Blitze, Licht, Eis, Magma, Erdbeben, etc. blos ausrichten können? Nach 20 Jahren aber beschließt, diese Fähigkeiten mit einer Art Gott zu verknüpfen, der der Lesart nach schier unbegrenzte Fähigkeiten haben kann, ja dann spreche ich von Retcon, von Lazy Writing und von Plumpheit. Vielleicht ist ja jetzt ein bisschen klarer, worauf ich hinaus wollte.

    Ich wollte demnach nicht darauf hinaus dir den Punkt abzusprechen, dass Luffy bereits lange als der Heilsbringer, als der "Auserwählte" aufgebaut wurde. Aber es ist das "Wie", das mich hierbei stört. Und es ist mein Unwille zu glauben, dass speziell das Thema Nika von langer Hand geplant war.

    Greez

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