Horizon (Vexor) [pausiert]

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    • So, da ich morgen meine letzte Prüfung für dieses Semester absolviere und dementsprechend nichts besseres zu tun habe (tötet mich bitte), kommentiere ich mal endlich dein neuestes Kapitel. Habe ich nun wirklich lange genug vor mir hergeschoben.

      Beginnen wir gleich mit Rexroth. Über dessen Aufritt in deiner FF hatten wir ja vor gefühlten Ewigkeiten schon gesprochen, allerdings hatte ich ihn niemals in diesem Zusammenhang erwartet. Beinahe schade, dass ich ausgerechnet dieses Kapitel krankheitsbedingt nicht beta-gelesen habe. xD
      Aber du hast den Charakter auch ohne meine Hilfe würdig dargestellt, also ist das kein Problem. Immer wieder schön, den alten Wolf zu erleben, wo ich in meiner FF gerade keine Zeit für ihn finde. Zum Glück ändert sich das bald. Aber ich schweife ab. Die gesamte Szene war für mich konsequenter Weise interessant zu verfolgen, nahm jedoch erst an Fahrt auf, als der Harlekin auftrat. Diese Figur hat gewiss ihren Reiz, wobei ich nicht umhin komme zu bemerken, dass du deine Figuren mit Vorliebe zu erniedrigen scheinst. So wie der Harlekin an Kols Geschlechtsteilen herumfuhrwerkt. Da soll noch einer sagen, ich gehe mit meinen Figuren schlecht um.^^
      Jedenfalls ist das Aufeinandertreffen der beiden sehr spannend zu verfolgen, der letzte Teil machte mich aber besonders hellhörig. Brianna und Kol sollen Geschwister sein? Ich bin jetzt nicht gerade der Hellste, wenn es um Zeitrechnung usw. geht, also überlasse ich die Mathematik - genau wie der Harlekin - lieber Kol, aber...was würde das bedeuten? Dass Briannas Eltern in ihrem Schiff davon gesegelt und gestorben sind, erschien schon immer etwas kurios bzw. simpel für deine Verhältnisse. Die Frage ist nun also, wie ihre Geschichte weitergeht. Allerdings bin ich auch davon ausgegangen, dass Kol älter ist als Brianna. Brianna ist 26, oder? Ich hätte Kol bisher Anfang 30 eingeordnet, allein schon aufgrund seines Postens als Kurator und all den Orten, die er schon bereist hat. Käme mir jetzt definitiv komisch vor, wenn Kol wesentlich jünger als die Rothaarige wäre. Zumal jene den Abschied ihrer Eltern doch bereits bewusst miterlebt hat, oder?

      Wie auch immer. Wenn die Geschichte ihrer Eltern weitergeht, würde ich die Prophezeiung und eventuell auch die Triade dahinter vermuten. Es ist doch sehr auffällig, dass der große gemeinsame Nenner zwischen Brianna, ihren Eltern und der Prophezeiung respektive der Triade Dädalus ist. Passt auf, am Ende sind Briannas Eltern Mitglieder der Triade gewesen und haben ihre Tochter bei Dädalus, der eine Art Großmeister war, in die "Lehre" gegeben, damit er sie in ihre Rolle als Auserwählte erzieht. Nur dieser hat dann aus noch unbekannten Gründen mit der Triade gebrochen und tut seither alles, um Brianna zu beschützen. Wäre jedenfalls ein interessanter Twist und würde Briannas Eltern, aber auch ihre Kindheit und nicht zuletzt die Beziehung zu Dädalus in ein neues Licht rücken.

      Apropos neues Licht. Wie geil ist denn bitte Kyu? Ich nehme jetzt mal an, dass er irgendwie die Kontrolle über sich bzw. seine Teufelskräfte verloren und seine Familie umgebracht hat? Vielleicht das Elternhaus niedergebrannt und sich dann auf seine kleine Schwester gestürzt hat? Wäre eine extreme, sehr drastische Vergangenheit, die du dem Fuchsjungen da aufbürdest und träfe damit genau meinen Geschmack. Kyu schien von seinen Brüdern, die wohl eine Art Redneck-Variante der Vinsmokes darstellen, misshandelt worden zu sein. Ist es da verwunderlich, dass er sie getötet bzw. nicht gerettet hat? Lediglich seiner Schwester scheint er nachzutrauern, während Mutter und Vater in Kyu mehr Zorn und Schuld auslösen. Der Auftritt der kleinen Marie "Prinzessin Lillybitch" Deveraux war dann nur noch die Krische auf der Sahne auf der Torte. Kyu ist schon eine arme Sau, aber längst nicht so unschuldig, wie er sich gerne gibt. Gefällt mir.
      Hingegen wirkt Aloe beinahe generisch, wie sie durch ihre alte Heimat fliegt und sich den Schreckgestalten der Vergangenheit stellt. Dafür ergreift sie jedoch - Respekt - schneller als alle anderen die Initiative und erkennt ihre Situation als Traum, an den sie trotz aller Wehmut keinen emotionalen Gedanken verschwenden darf. Ein hartgesottenes Mädchen mittlerweile. Durchbricht sie allen Ernstes die Traumgrenzen und landet bei Kaisa? Ähnliches geschah bei Kol schließlich auch. Hätte ich der Kleinen nicht zugetraut. Dadurch würde sie bei mir auch einige Sympathiepunkte gewinnen, wo ich dem Charakter bisher bekanntlich nicht allzu viel abgewinnen konnte. Bleibt nur die Frage, wo Kyu landet - allerdings fehlt unser guter Salvador noch. Würde sich doch anbieten, die beiden zusammen zu führen. Immerhin haben bei in ihrer Vergangenheit mit Momenten entrückter Grausamkeit zu kämpfen. Eine weitere Parallele, die du da ziehst. Da fällt mir ein, wann haben wir eigentlich zuletzt von Salvador gehört? Ist er überhaupt ein Gefangener Luzifers? Und wenn ja, liegen seine und Kyus Traumwelt nahe beieinander? Wir werden es wohl früher oder später erfahren.

      Wirklich viel mehr gibt es von meiner Seite nun auch gar nicht mehr zu sagen. Kapitel wie dieses strotzen zwar immer vor versteckten, mal großen und mal kleinen Hinweisen und metaphorischen Wahrheiten, allerdings würde eine solche Analyse meinen heutigen Rahmen sprengen. Vielleicht beim nächsten Mal, wenn ich mich entspannt in den Semesterferien räkle. Bis dahin. :)


    • Ausreden sind etwas für Anfänger und höfliche Personen...

      Dein neusten Kapitel hat mich sehr gefreut, da wir wieder etwas von Aloe, Kyu und Kol erfahren. Ich hab die Drei vermisst und freue mich auch auf das auftreten der Anderen. Fühlt sich wie eine Ewigkeit an. ^^

      Aloe weiß, dass sie in einer Traumwelt gefangen ist und wird von Oz und Malefiz verfolgt. Interessant auch für mich, dass sie anscheinend recht schnell heraus gefunden hat, dass sie sich in einer Traumwelt befindet. Dabei hat ihr eine Stimme geholfen. Ja es könnte Dedale sein. Schließlich kennt er Luzifers Kräfte und damit vielleicht auch einen Ausweg aus seiner Welt. Im Gegensatz zu den Anderen verfällt sie, bisher als Einzige, nicht in eine psychische Traumfolter.

      Bei Kyu geht es weiter wo es beim letzten Mal aufgehört hat. Er wurde von seiner Mutter beschuldigt für Gretchens Tod verantwortlich zu sein und er gibt ihr die Schuld. Die Halbschwester gibt mir etwas Rätsel auf. Hat er sich nun dabei betrachtet wie er sie (und ggf die Mutter) tötet, oder sprang er in seiner Erinnerung zu seiner richtigen Schwester? Zumindest scheint er eine von beiden aktiv getötet zu haben. Eventuell die ganze Familie. Während des Tötens verwandelt sich Gretchen in Marie, an deren Tod er immer noch zu knabbern hat. Fragt sich, inwieweit die vorigen Szenen und das Betrachten von außen der Realität entsprechen. Zumindest fühlt er die Schuld. Vorstellbar wäre es, dass er seine Familie in Rage umgebracht hat. Ein in die Ecke gedrängtes Tier reagiert wie es reagiert und irgendwann schlägt der ganze Hass und das Leid eben zurück. Marie spricht die Ängste an die er tief vergraben hat, dass er auch Brianna irgendwann angreifen könnte.

      Kol und Aloe werden durch eine Art Stimme „geweckt“. Aloe realisiert, dass sie in einer Traumwelt ist, während Kol nach dem ersten hören des Flüsterns scheinbar aus der vorigen realen Erinnerung gezogen wird und dem Harlekin begegnet. Übrigens schön auch hier wieder die Libelle ^^ Seine Begegnung mit dem Harlekin und dessen Worte treffen ihn. Ein richtiges Psychospielchen. Ähnlich wie bei Kyu. In Ihrer zerstörerischen Art ähneln sie sich doch sehr. Spannend finde ich auch, dass bei Beiden gegen Schluss Brianna eine große Rolle spielt. Kyu, der Angst hat sie zu verletzten und Kol, bei dem der Harlekin von Verwandtschaft und Inzest spricht die Kol die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Mich verwirrt allerdings auch die Sache mit dem Alter.
      Irgendwie klingelt es bei mir irgendwo, dass Abby nicht sein leiblicher Vater war, aber ich bin nicht sicher. Hinzu kommt die Aussage des Harlekins, dass Briannas Eltern eben nicht gestorben sind, als sie 4 Jahre alt war. Bo's Idee bzgl der Triade gefällt mir hier außerordentlich gut. Trotzdem, derzeit kann ich mir Kol als Bruder Briannas nicht wirklich vorstellen.
      Bevor Kol den Spiegel zerstört, hört er erneut eine Stimme die eine Innere Leere in ihm auslöst und fernsteuert. Ob Dädalus so viel Macht in Luzifers Welt haben kann...? hm...

      Die Idee mit dem Spiegel finde ich super. Aloe tritt in den Traum Kaisas ein wie es scheint und Kol in den Marcs. Bzw bin ich mir da gar nicht so sicher. Er kommt in ein Schlafzimmer mit zwei umschlungenen Personen. Ich denke da zuerst an Briannas erstem Sextraum mit Marc. Aus diesem ist sie jedoch schon ausgetreten und Kol hätte da ja auch Brianna erkannt. Wäre ziemlich krank, würde er, nachdem der Harlekin über Inzest mit Brianna gesprochen hat in ihren Sextraum eintreten, aber man weiß ja nie xD Marc könnte sich natürlich auch als Sexspielzeug in Mary Joa aufhalten...

      Sehr schönes Kapitel. Ich freue mich auf mehr. ^^
    • Antwort auf Fanpost & 155.Kapitel erschienen

      Ja...es war schon wieder einen Monat. Ja es tut mir Leid.

      Aber ich hab eine gute Erklärung...als mehrere...einerseits war ich eine Woche krank, andererseits hab ich Horizon:Zero Dawn durchgespielt und andererseits habe ich ein paar Kapitel - teilweise ganz, teilweise fragmentarisch - vorgeschrieben, sodass ich einen ein- bis zweiwöchigen Rhythmus ab jetzt garantieren kann. Veröffentlichungstag sollte der Montag sein (für die Statistiken, qoii ;))

      Ansonsten hoffe ich, dass ihr mir das Auf und Ab in dem Arc verzeiht. Ich gelobe Besserung. Außerdem ist das heutige Kapitel dafür auch ein wenig länger...so als kleine Entschädigung :)

      Kapitel ist noch nicht da und erscheint voraussichtlich morgen und wird dann als neuer Beitrag erscheinen. Ihr bekommt es also definitiv mit.
      Ich weiß nur nicht, wie ich morgen Zeit für die Antworten habe, weswegen ihr die heute als kleinen Vorgeschmack schon einmal bekommt.


      @qoii


      qoii schrieb:

      Jedenfalls stellt sich mir nach diesem Kapitel eine weitere Frage. In wieweit entsprechen die Traumwelten der Wirklichkeit/Wahrheit bzw. wie sehr bedienen sie sich dieser. In wieweit werden die Gefühle und Erinnerungen in dieser Welt manipuliert. Aleo fliegt beispielsweise durch ihre Heimat und wird von zwei alten Feinden gejagt. Sie scheint sich sehr bewusst zu sein, dass dies nur eine Traumwelt ist und weiß aus irgendwelchen Gründen sogar, wie sie dieser entkommen muss. Bei ihr wirkt alles wie ein Fangenspiel, bei dem der zu Fangende ein bestimmtes Ziel erreichen muss. Zwar ist es Anstrengen und wie wird auch verletzt, aber alles im allen eher etwas unspektakulär, im Gegensatz zu Kyu und in der zweiten Hälfte auch bei Kol, wo es eher ein Psycho-Krieg ähnelt.
      Einerseits liegt es natürlich daran, dass ich euch einfach unterschiedliche Varianten der Traumgeschichten liefern wollte.
      Fakt ist aber, dass alle - bis auf Ausnahme von Brianna (das hat aber andere Gründe ;)) - auf realen Erlebnissen fußen. Es sind sozusagen Erinnerungen, die im Traum verarbeitet werden und derer sich Luzifer nun bedient.
      Bei Aloë ist der Sonderfall, dass ich euch da auch das Ende ihrer Traumvision gezeigt habe. Es wird durchaus eine Erklärung geben, warum sie realisiert hat, dass alles nur ein Traum war.
      Ein weiterer, narrativer Grund dafür ist zudem, dass ich die Traumwelten nutzen möchte, um ein bisschen mehr Informationen über die Charaktere einzustreuen. Geade Kaisa, Drake und eben auch Kyu hatten eine Vergangenheit, die noch nahezu unbeleuchtet ist, während wir von Aloë wirklich alles wichtige und prägende bereits in ihrem Arc erfahren haben.

      Verständlich soweit? :)

      qoii schrieb:

      Aber der Reihe bzw den Einzelnen nach. Aleo ist wie gesagt in ihrer alten Heimat gelandeten, wo sie derzeit von den beiden Handlanger Genevieves gejagt wird, von den ganzen anderen feindlichen Fraktionen die wir auf dem AA kennengelernt haben ist nichts zu sehen. Anscheinend weiß sie von irgendwem, dass sie A in einer Traumwelt ist und B einen Spiegel zerbrechen muss, um aus dieser herauszukommen. Da sie von nervig spricht, kommt mir als erstes Dädalus in den Sinn, aber wie hat er Kontakt zu ihr aufgenommen. Jedenfalls findet sie den Spielgel, übrigen ein Verweis auf die Fortsetzung von Alice im Wunderland, wie auch der Kapitelname und kann ihn wie aufgefordert zerbrechen. Daraufhin landet sie im Schnee, womit sie bei Kaiser oder der Walküre gelandet sein dürfte. Sie hat also ihre eigene Traumwelt zerbrochen und wenn ich mich recht entsinne, gab es auch viele Scherben, als Brianna ihren Ausbruch bei Raphaela hatte, womit sich meine Vermutung vom vorletzten mal bestätigen dürfte.
      Richtig...die Scherben bei Brianna und Raphaela hatten den gleichen Effekt wie bei Aloë und Kol.
      Ansonsten hat du alles richtig subsumiert und ich glaube spätestens nach dem heutigen Kapitel ist klar, wer für den Kontakt mit den anderen sorgt ;)

      qoii schrieb:

      Der erste Teil von Kol Traumwelt dürfte so ziemlich seiner wirklichen Vergangenheit entsprechen, ähnlich wie die wenigen Augenblicke die wir schon bei Marc sehen durften. Dabei nutzt du wieder die Gelegenheit Verbindungen zwischen deinem und Bos FF zu ziehen, indem wir bei Rexroth im Godspeed-Apartments 666 vorbeischauen. Zeitlich dürfte es um die Ereignisse mit Flint spielen, da Kol das Gemälde »Roten Tod« in Augenschein nehmen soll, welches Rexroth bei auch Lorelei zeigt, also sie ihn besuchen kommt. Allerdings bleibt es für Kol nicht bei dieser doch recht angenehmen Situation, denn der Harlekin taucht auf. Er behauptet zwar, dass er das ist, was zurückgeblieben ist, als der Harlekin Kol verlassen hat, aber ich denke eher, dass dies zur Traumweltfolter gehört.
      Das fettmarkierte ist etwas, worauf ich dir keine Antwort geben kann, da Kol sie (so schnell) auch nicht erhalten wird. Da ich den Arc generell ja straffer erzählen möchte, bleibt an dieser Front vielleicht etwas liegen, weswegen ich es hier schon einmal andeute: Kol hat wahnsinnig damit zu kämpfen, dass der Harlekin in seinem Körper war und ihn als Marionette benutzt hat. Und genau dieser Zweifel wird durch die Traumsequenz weiter geschürt. Ob es jetzt tatsächlich nur Luzifer ist, der Kols Ängste hier zum Leben erweckt oder aber wirklich eine Art Überbleibsel des Harlekins? Wer weiß..Lyca schrieb:

      qoii schrieb:

      Womit ich zu meiner größten Frage komme. In wieweit entspricht was dort geschieht bzw. gesagt wird der Wahrheit, sowohl im Bezug auf Kol, als auch später auf Kyu. Denn der Harlekin behauptet, dass Kol Briannas kleiner Bruder ist. Allerdings meine ich mich zu erinnern, dass Kol älter als Brianna ist bzw ziemlich gleich alt oder verwechsle ich da was. Wobei ich immer den Verdacht hatte, das Kol Abberline und Shallow Sohn ist, dies aber nie offiziell bekanntgegeben werden durfte. Aber egal jedenfalls haben wir jetzt eine sehr interessante Behauptung im Raum stehen.
      Also erst einmal soviel, weil ich gerade nicht mehr weiß, wie genau bzw. wie deutlich ich das im letzten Arc gemacht habe: Kol ist defintiv nicht der Sohn von Abberline. Jener hat ihn laut eigener Aussage als Findelkind vor der Kirche gefunden, in der sein Vater Pastor war.

      Was den Wahrheitsgehalt angeht, unterscheidet sich diese Welt nicht von der realen Welt. Woher weiß man im echten Leben, ob jemand die Wahrheit sagt, oder nicht? Genau das wird die große Frage sein.

      qoii schrieb:

      Damit kommen wir zu Kyu und wahrscheinlich dem schwierigsten/ heftigsten, was wir ins diesem Kapitel vorgesetzt bekommen. Denn denn es wird angedeutet, dass eher bzw. seine Verwandlung für den Tod seiner Schwester verantwortlich ist. Anfangs wurde es so ausgedrückt, als ob sie gegangen ist und ich habe, glaube ich zumindest, schon damals den Verdacht geäussert, dass sie gegangen wurde. Aber hier wird behauptet, dass Kyu bzw. seine Tierform sie gefressen hat. Damit würde aber alles, an was ich mich aus seinem Traum-FB erinnere, nicht mehr wirklich zusammenpassen. Soweit ich mich erinnere wurde er immer von seinem Vater und den Brüdern gequält, bis er irgendwann abgehauen ist, weil sie ihm das Fell abziehen wollten und seine Schwester ist irgendwann in dieser Zeit verschwunden bzw. nach ihrem Verschwinden lebte er noch eine Zeit bei der Familie, bis es zu heftig wurde. Allerdings könnte es auch sein, dass er durch die Quälereien seiner Brüder/Vater irgendwann die Kontrolle über seine TK verloren hat, seine Schwester Tötete und dann direkt abgehauen ist bzw. vertrieben wurde. Aber zwischendurch klingt es bei Kyu wieder so, als wäre die Mutter am Tod der Schwester Schuld...
      Irgendwie bekomme ich das nicht wirklich richtig zusammen, deswegen mache ich Schluss und schau mal was die anderen noch schreiben oder ob etwas zeitlicher Abstand die Sache etwas klarer macht.
      Kyus "Flashback" ist an dieser Stelle auch verzwickter, denn die Variante (Vater/Brüder quälen ihn + Mutter ist Schuld am Tod der Schwester) ist die Variante, die sich Kyu in seinem Kopf zurechtgelegt hat. Viele Menschen spalten besonders traumatisierende Ereignisse ab, schaffen sich da eine eigene Realität, die für sie zukünfitg wahr ist. Dafür muss man nicht einmal "psychisch krank" sein, das passiert jeder von uns schon bei kleineren Dingen. Es ist ein Schutzmechanismus des Hirns.
      Und genau diesen Schleier hat Luzifer jetzt gelüftet und Kyu gezeigt, dass er am Tod seiner Schwester (und seiner Familie?) Schuld ist. Etwas, was er von sich geschoben hat. Deswegen auch ein Grund, warum er mit Brianna nie über seine Vergangenheit reden wollte, weil er es eben nicht konnte.


      qoii schrieb:

      Wieder ein sehr interessantes Kapitel, indem wir auch mal wieder bei unseren ganzen anderen Lieblingen vorbeischaut habe. Ich weiß wirklich nicht, ob ich mir wünschen soll, dass wir jetzt auch noch die anderen Abhandeln oder ob es besser bei Brianna, Luzifer und der Herzkönigin weitergehen soll. Bevor ich es vergesse, bei Kol ist auch eine Libelle aufgetaucht, diese scheinen doch mehr mit der Traumwelt zu tun zu haben bzw eine Bedeutung zu haben als ich anfangs dachte.
      Du bekommst in einem längeren Kapitel einfach alles :D

      @Bo


      -Bo- schrieb:

      Beginnen wir gleich mit Rexroth. Über dessen Aufritt in deiner FF hatten wir ja vor gefühlten Ewigkeiten schon gesprochen, allerdings hatte ich ihn niemals in diesem Zusammenhang erwartet. Beinahe schade, dass ich ausgerechnet dieses Kapitel krankheitsbedingt nicht beta-gelesen habe. xD
      Aber du hast den Charakter auch ohne meine Hilfe würdig dargestellt, also ist das kein Problem. Immer wieder schön, den alten Wolf zu erleben, wo ich in meiner FF gerade keine Zeit für ihn finde
      Ich bin froh, dass die Darstellung so gepasst hat. Da du das Kapitel ja nicht gegenlesen konntest, war ich insofern froh, dass es eine Traumsequenz war und ich jede unpassende Charakterisierung einfach mit der Karte "Traum-Rexroth" abstempeln hätte können :P
      Umso besser, dass das gar nicht nötig war.

      -Bo- schrieb:

      Die gesamte Szene war für mich konsequenter Weise interessant zu verfolgen, nahm jedoch erst an Fahrt auf, als der Harlekin auftrat. Diese Figur hat gewiss ihren Reiz, wobei ich nicht umhin komme zu bemerken, dass du deine Figuren mit Vorliebe zu erniedrigen scheinst. So wie der Harlekin an Kols Geschlechtsteilen herumfuhrwerkt. Da soll noch einer sagen, ich gehe mit meinen Figuren schlecht um.^^
      Macht das nicht den tragischen Helden aus? Falls es dich tröstet, es kommt noch schlimmer für alle Beteiligten :D

      -Bo- schrieb:

      Jedenfalls ist das Aufeinandertreffen der beiden sehr spannend zu verfolgen, der letzte Teil machte mich aber besonders hellhörig. Brianna und Kol sollen Geschwister sein? Ich bin jetzt nicht gerade der Hellste, wenn es um Zeitrechnung usw. geht, also überlasse ich die Mathematik - genau wie der Harlekin - lieber Kol, aber...was würde das bedeuten? Dass Briannas Eltern in ihrem Schiff davon gesegelt und gestorben sind, erschien schon immer etwas kurios bzw. simpel für deine Verhältnisse. Die Frage ist nun also, wie ihre Geschichte weitergeht. Allerdings bin ich auch davon ausgegangen, dass Kol älter ist als Brianna. Brianna ist 26, oder? Ich hätte Kol bisher Anfang 30 eingeordnet, allein schon aufgrund seines Postens als Kurator und all den Orten, die er schon bereist hat. Käme mir jetzt definitiv komisch vor, wenn Kol wesentlich jünger als die Rothaarige wäre. Zumal jene den Abschied ihrer Eltern doch bereits bewusst miterlebt hat, oder?
      Das genaue Alter von Kol kann ich natürlich nicht bekanntgeben, aber es wird aufgeklärt werden. Ebenso wie die "einfache" Lösung mit den Eltern noch weiter fortgeführt wird.

      -Bo- schrieb:

      Wie auch immer. Wenn die Geschichte ihrer Eltern weitergeht, würde ich die Prophezeiung und eventuell auch die Triade dahinter vermuten. Es ist doch sehr auffällig, dass der große gemeinsame Nenner zwischen Brianna, ihren Eltern und der Prophezeiung respektive der Triade Dädalus ist. Passt auf, am Ende sind Briannas Eltern Mitglieder der Triade gewesen und haben ihre Tochter bei Dädalus, der eine Art Großmeister war, in die "Lehre" gegeben, damit er sie in ihre Rolle als Auserwählte erzieht. Nur dieser hat dann aus noch unbekannten Gründen mit der Triade gebrochen und tut seither alles, um Brianna zu beschützen. Wäre jedenfalls ein interessanter Twist und würde Briannas Eltern, aber auch ihre Kindheit und nicht zuletzt die Beziehung zu Dädalus in ein neues Licht rücken.
      Neues Futter hierfür gibt es wohl im aktuellen Kapitel.

      -Bo- schrieb:

      Apropos neues Licht. Wie geil ist denn bitte Kyu? Ich nehme jetzt mal an, dass er irgendwie die Kontrolle über sich bzw. seine Teufelskräfte verloren und seine Familie umgebracht hat? Vielleicht das Elternhaus niedergebrannt und sich dann auf seine kleine Schwester gestürzt hat? Wäre eine extreme, sehr drastische Vergangenheit, die du dem Fuchsjungen da aufbürdest und träfe damit genau meinen Geschmack. Kyu schien von seinen Brüdern, die wohl eine Art Redneck-Variante der Vinsmokes darstellen, misshandelt worden zu sein. Ist es da verwunderlich, dass er sie getötet bzw. nicht gerettet hat? Lediglich seiner Schwester scheint er nachzutrauern, während Mutter und Vater in Kyu mehr Zorn und Schuld auslösen. Der Auftritt der kleinen Marie "Prinzessin Lillybitch" Deveraux war dann nur noch die Krische auf der Sahne auf der Torte. Kyu ist schon eine arme Sau, aber längst nicht so unschuldig, wie er sich gerne gibt. Gefällt mir.
      Fasst es eigentlich sehr gut zusammen. Der Rest der Geschichte bzw. die genauen Umstände, werden in einem übernächsten Kapitel weiter erörtert, welches den tollen Titel "Wer hat Angst vorm bösen Fuchs?" tragen wird.


      -Bo- schrieb:

      Hingegen wirkt Aloe beinahe generisch, wie sie durch ihre alte Heimat fliegt und sich den Schreckgestalten der Vergangenheit stellt. Dafür ergreift sie jedoch - Respekt - schneller als alle anderen die Initiative und erkennt ihre Situation als Traum, an den sie trotz aller Wehmut keinen emotionalen Gedanken verschwenden darf. Ein hartgesottenes Mädchen mittlerweile. Durchbricht sie allen Ernstes die Traumgrenzen und landet bei Kaisa? Ähnliches geschah bei Kol schließlich auch. Hätte ich der Kleinen nicht zugetraut. Dadurch würde sie bei mir auch einige Sympathiepunkte gewinnen, wo ich dem Charakter bisher bekanntlich nicht allzu viel abgewinnen konnte. Bleibt nur die Frage, wo Kyu landet - allerdings fehlt unser guter Salvador noch. Würde sich doch anbieten, die beiden zusammen zu führen. Immerhin haben bei in ihrer Vergangenheit mit Momenten entrückter Grausamkeit zu kämpfen. Eine weitere Parallele, die du da ziehst. Da fällt mir ein, wann haben wir eigentlich zuletzt von Salvador gehört? Ist er überhaupt ein Gefangener Luzifers? Und wenn ja, liegen seine und Kyus Traumwelt nahe beieinander? Wir werden es wohl früher oder später erfahren.
      Zu Aloe zitiere ich mich selbst von qoiis Antwort:
      »Einerseits liegt es natürlich daran, dass ich euch einfach unterschiedliche Varianten der Traumgeschichten liefern wollte.
      Fakt ist aber, dass alle - bis auf Ausnahme von Brianna (das hat aber andere Gründe ;)) - auf realen Erlebnissen fußen. Es sind sozusagen Erinnerungen, die im Traum verarbeitet werden und derer sich Luzifer nun bedient.
      Bei Aloë ist der Sonderfall, dass ich euch da auch das Ende ihrer Traumvision gezeigt habe. Es wird durchaus eine Erklärung geben, warum sie realisiert hat, dass alles nur ein Traum war.
      Ein weiterer, narrativer Grund dafür ist zudem, dass ich die Traumwelten nutzen möchte, um ein bisschen mehr Informationen über die Charaktere einzustreuen. Geade Kaisa, Drake und eben auch Kyu hatten eine Vergangenheit, die noch nahezu unbeleuchtet ist, während wir von Aloë wirklich alles wichtige und prägende bereits in ihrem Arc erfahren haben.«

      Darüber hinaus hast du aber Recht, dass Aloë relativ unbeeindruckt auf dies alles reagiert. Auch ein Charakterzug, den ich bei ihr weiter ausbauen wollte.

      -Bo- schrieb:

      Wirklich viel mehr gibt es von meiner Seite nun auch gar nicht mehr zu sagen. Kapitel wie dieses strotzen zwar immer vor versteckten, mal großen und mal kleinen Hinweisen und metaphorischen Wahrheiten, allerdings würde eine solche Analyse meinen heutigen Rahmen sprengen. Vielleicht beim nächsten Mal, wenn ich mich entspannt in den Semesterferien räkle. Bis dahin.
      Ist mit dem bisher unregelmäßigen Veröffentlichungsrhythmus auch schwer, da noch den Überblick zu behalten. Aber das Wesentliche wurde erkannt, keine Sorge. Vielen Dank überhaupt für deinen Kommentar :)

      @Lyca

      Lyca schrieb:

      Dein neusten Kapitel hat mich sehr gefreut, da wir wieder etwas von Aloe, Kyu und Kol erfahren. Ich hab die Drei vermisst und freue mich auch auf das auftreten der Anderen. Fühlt sich wie eine Ewigkeit an. ^^
      Es ist auch eine tatsächliche Ewigkeit. Ich hab mich auch gefreut und lange wird es nicht mehr dauern, bis alle Charaktere zumindest im gleichen Kapitel auftauchen werden! :)

      Lyca schrieb:

      Aloe weiß, dass sie in einer Traumwelt gefangen ist und wird von Oz und Malefiz verfolgt. Interessant auch für mich, dass sie anscheinend recht schnell heraus gefunden hat, dass sie sich in einer Traumwelt befindet. Dabei hat ihr eine Stimme geholfen. Ja es könnte Dedale sein. Schließlich kennt er Luzifers Kräfte und damit vielleicht auch einen Ausweg aus seiner Welt. Im Gegensatz zu den Anderen verfällt sie, bisher als Einzige, nicht in eine psychische Traumfolter.
      Ganz so, kann man das nicht sehen. Wie ich bei Bo und qoii schon gesagt habe, bin ich bei ihrer Traumsequenz aus narrativen Gründen bereits zum Ende gesprungen, aber an sich hast du recht. Bei Aloë war das alles anders, was vielleicht mir ihrem Charakter zu tun haben könnte.


      Lyca schrieb:

      Bei Kyu geht es weiter wo es beim letzten Mal aufgehört hat. Er wurde von seiner Mutter beschuldigt für Gretchens Tod verantwortlich zu sein und er gibt ihr die Schuld. Die Halbschwester gibt mir etwas Rätsel auf. Hat er sich nun dabei betrachtet wie er sie (und ggf die Mutter) tötet, oder sprang er in seiner Erinnerung zu seiner richtigen Schwester? Zumindest scheint er eine von beiden aktiv getötet zu haben. Eventuell die ganze Familie. Während des Tötens verwandelt sich Gretchen in Marie, an deren Tod er immer noch zu knabbern hat. Fragt sich, inwieweit die vorigen Szenen und das Betrachten von außen der Realität entsprechen. Zumindest fühlt er die Schuld. Vorstellbar wäre es, dass er seine Familie in Rage umgebracht hat. Ein in die Ecke gedrängtes Tier reagiert wie es reagiert und irgendwann schlägt der ganze Hass und das Leid eben zurück. Marie spricht die Ängste an die er tief vergraben hat, dass er auch Brianna irgendwann angreifen könnte.
      Ich verweise hier sowohl an meine Antworten zu qoii und Bo bezüglicher dieser Thematik. Dann sollte sich die Szene noch deutlicher für dich aufklären.
      Besonders schön finde ich aber, dass du auf das in die Ecke gerängte Tier zu sprechen kommst! Denn genau das, war der Auslöser bei Kyu. Das wird aber im übernächsten Kapitel genauer aufgegriffen werden.

      Lyca schrieb:

      Kol und Aloe werden durch eine Art Stimme „geweckt“. Aloe realisiert, dass sie in einer Traumwelt ist, während Kol nach dem ersten hören des Flüsterns scheinbar aus der vorigen realen Erinnerung gezogen wird und dem Harlekin begegnet. Übrigens schön auch hier wieder die Libelle ^^ Seine Begegnung mit dem Harlekin und dessen Worte treffen ihn. Ein richtiges Psychospielchen. Ähnlich wie bei Kyu. In Ihrer zerstörerischen Art ähneln sie sich doch sehr. Spannend finde ich auch, dass bei Beiden gegen Schluss Brianna eine große Rolle spielt. Kyu, der Angst hat sie zu verletzten und Kol, bei dem der Harlekin von Verwandtschaft und Inzest spricht die Kol die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Mich verwirrt allerdings auch die Sache mit dem Alter.
      Tja die Libelle ist der rote Faden :P

      Mit dem Alter: Wir wissen nicht wie Alt Kol wirklich ist. Das hab ich ganz bewusst, nie erwähnt. Nur, dass er in seinen Zwanzigern ist.

      Lyca schrieb:

      Irgendwie klingelt es bei mir irgendwo, dass Abby nicht sein leiblicher Vater war, aber ich bin nicht sicher. Hinzu kommt die Aussage des Harlekins, dass Briannas Eltern eben nicht gestorben sind, als sie 4 Jahre alt war. Bo's Idee bzgl der Triade gefällt mir hier außerordentlich gut. Trotzdem, derzeit kann ich mir Kol als Bruder Briannas nicht wirklich vorstellen.
      Bevor Kol den Spiegel zerstört, hört er erneut eine Stimme die eine Innere Leere in ihm auslöst und fernsteuert. Ob Dädalus so viel Macht in Luzifers Welt haben kann...? hm...
      Richtig, Abberline hat Kol, laut eigener Aussage, als Findelkind bei sich aufgenommen.
      Tja im heutigen Kapitel gibt es eine Antwort darauf, wer die geheimnisvolle Stimme ist.

      Lyca schrieb:

      Die Idee mit dem Spiegel finde ich super. Aloe tritt in den Traum Kaisas ein wie es scheint und Kol in den Marcs. Bzw bin ich mir da gar nicht so sicher. Er kommt in ein Schlafzimmer mit zwei umschlungenen Personen. Ich denke da zuerst an Briannas erstem Sextraum mit Marc. Aus diesem ist sie jedoch schon ausgetreten und Kol hätte da ja auch Brianna erkannt. Wäre ziemlich krank, würde er, nachdem der Harlekin über Inzest mit Brianna gesprochen hat in ihren Sextraum eintreten, aber man weiß ja nie xD Marc könnte sich natürlich auch als Sexspielzeug in Mary Joa aufhalten...
      Tja eine deiner Ideen ist definitiv die Richtige! :P



      Ich danke euch vielmals für die Kommentare und die Geduld! Bis nächsten Montag!
    • Kapitel 155-160

      155.Kapitel: Kirche und Staat


      Als Drake die Tür zum Schlafzimmer seiner Eltern aufstieß und seine himmelblauen Augen durch die schlummernde Dunkelheit wandern ließ, welche sich in der Dösigkeit des Schlafzimmers breitgemacht hatte, ahnte er nicht, dass er dies zum letzten Mal tun würde. Nie wieder würde er sich, mit einer Stofflibelle bewaffnet, nachts um halb eins an seine Mutter kuscheln, vorsichtig bemüht, Papa beim ins-Bett-Krabbeln nicht aufzuwecken, der im Traum immer wild mit den Füßen strampelte, zusammenhanglose Worte murmelte oder mit den Zähnen knirschte, als würde er gewaltige Steinblöcke zwischen ihnen zermalmen wollen.
      Heute strampelte, murmelte oder knirschte er nicht. Heute wimmerte er nur.
      „Papa?“
      Seine Mama war niemals böse, wenn er sie weckte und das, obwohl sie als Krankenschwester arbeitete und oftmals Nachts erst sehr spät nach Hause kam.
      Drake tapste etwas ungeschickt von der Dunkelheit des Flurs ins Schlafzimmer, wie ein Seiltänzer bemüht, keinerlei Laut zu machen. Das Licht des Vollmonds, der über der Fischmenscheninsel in diesen Frühlingsnächten wie eine Mitternachtssonne thronte, fiel mit einem quecksilbrigen Schimmer durch die zugezogenen Gardinen, und enthüllte erbarmungslos die kaum vorhandene Eleganz eines Seiltänzers.
      Mit zusammengekniffenen Augen, über denen die zotteligen Haare des Meermannes wie ein weizengoldener Vorhang hingen, konnte er die Umgebung erahnen, wie den Schrank mit den Schiebetüren, in dem er sich früher manchmal versteckt hatte. Bis Mathilde in sein Leben getreten war und ihm das Versteckspielen verleidet hatte.
      „Papa?“, flüsterte Salvador erneut und tastete nach dem nackten Fuß seines Vaters, der unter der Bettdecke hervorstach. Seine türkisfarbenen Schuppen glänzten wie das majestätische Kleid eines Seekönigs in den Weiten des Ozeans, deren Herz die Fischmenscheninsel bildete.
      Er selbst trug nur eine einzelne Socke, und auch die hing ihm kaum noch an den winzigen Ausläufern seiner karmesinroten Tentakel. Die anderen hatte er im Schlaf verloren, irgendwo auf den verschlungenen Pfaden, welche der Sandmann ihm als Traumpflaster unter die Füße gelegt hatte. Oder war dies Mathilde gewesen? Allerdings hatte der Meermenschenjunge viel zu viel Angst vor ihr, als dass er akzeptieren könnte, dass sie jede Nacht aufs Neue seine Traumwelten erschuf. Obwohl diese ihm immer wieder versicherte, sie wäre nicht böse. Aber konnte er ihr vertrauen?
      Drake presste sich die alberne Libelle stärker an die Brust. Seine Zunge fühlte sich an wie ein trockener Kaugummi, der am Gaumen klebte. Er hatte seine dünne Stimme selbst kaum gehört, also versuchte er es noch einmal:
      „Papa, wach auf!“, zischte Drake und zupfte ihn nun vehementer am Zeh.
      Während sein Vater den Fuß zurückzog, drehte er sich wimmernd zur Seite. Das Meermannkind überlegte kurz, ob er es besser bei seiner Mutter versuchen sollte. Die war immer für ihn da. Sein Vater schimpfte so oft. Meistens wusste Salvador gar nicht, was er angestellt hatte, wenn mal wieder die Türen flogen, so laut, dass das ganze Haus erzitterte. Mama sagte dann später, sein Vater wüsste es selbst nicht so genau und es täte ihm hinterher leid. Und manchmal, ganz selten, sagte er ihm das dann sogar selbst. Kam zu ihm ins Zimmer, berührte seine tränennasse Wange, strich ihm übers Haar und erklärte ihm, dass es nicht so einfach sei, erwachsen zu sein. Für Salvador waren diese handverlesenen Momente die glücklichsten auf Erden, und nach genauso einem Moment sehnte er sich jetzt.
      Gerade heute würde es ihm so viel bedeuten. Gerade heute, wo Mathilde wieder da war.
      Ein letztes Mal wollte er versuchen, seinen Vater auf liebevolle Art und Weise zu wecken. Aber da zuckte der Fuß des Rochenfischmenschen im unruhigen Schlaf und kickte den Jungen unwirsch zu Boden, der vor Schreck einen spitzen Schrei hervorstieß und plötzlich im Hellen stand.
      „Spätzchen?“, hörte er seine Mutter verschlafen, halb gähnend fragen, die im Kegel ihrer Leselampe dennoch wie eine Heilige aussah. Aufgeschreckt, riss nun auch sein Vater die glutroten Augen auf. „Was, verdammt, was ...?“
      „Mein Schr-a-nk...Mathilde“, begann Salvador verzweifelt zu stottern, und seine himmelblauen Augen füllten sich mit Tränen, die in großen Murmeln über seine Lider auf seine Wangen tropften. Doch sein Vater zeigte sich unbeeindruckt und atmete schwer, der Blick verdunkelte sich, seine Lippen zitterten, und für einen kurzen Moment sah er noch viel bedrohlicher aus als Mathilde. Ein kleiner, schwitzender Teufel, mit bebenden Nüstern und irrem Blick.
      „Einen Dreck müssen wir. Salvador, hau sofort ab, oder ich tu dir weh. Nicht vielleicht, sondern garantiert!
      Während seine Mutter noch beschwichtigend zischte und mit den Fingern durch das schwarze Haar des Rochen strich, hatte Drake seine Libelle fallengelassen. Wie von einer unsichtbaren Schnur aus dem Zimmer gezogen, verließ er den Raum, versuchte, die wilden, zankenden Stimmen auszuschließen. Dies gelang ihm auch zunächst, als er leise und behutsam die Tür zu seinem Kinderzimmer schloss. Das Holz verschluckte die Streitereien seiner Eltern, aber nicht die keifenden Worte seines Vaters, die durch seinen Kopf hallten.
      Er wischte sich die Tränen aus den Augen und wartete darauf, dass das Rauschen in den Ohren verschwinden würde, aber das tat es nicht. Ebenso wenig, wie sich das Mondlicht aus seinem Zimmer zurückzog, das hier heller als bei seinen Eltern schien. Seine Augen suchten sein weiches Bett, dessen Gestell Korallen zierten. Salvador wollte sich dort verkriechen und unter der Decke weinen, aber das konnte er erst, wenn er sich sicher war, dass der Geist nicht mehr in seinem Versteck hockte. Dass Mathilde ihn nicht während des Schlafs ansprang, sondern wieder verschwunden war, so wie jedes Mal, wenn Mama mit ihm nachschauen ging. Und so traf er eine Entscheidung. Eine Entscheidung, selbst nachzusehen, aber da geschah etwas, was bisher noch nie geschehen war. Die Schranktüren öffneten sich von selbst und eine Frauengestalt trat aus dem Dickicht alter Winterkleider heraus, die seine Mutter dort neben seinen Kindersachen verstaut hatte.
      „Wieso weinst du?“, fragt sie unvermittelt, als wäre es nichts Besonderes, dass sie sich zum ersten Mal im fahlen Mondlicht zeigte.
      „M-ein Papa“, erwiderte der Junge stotternd und wünschte sich, er hätte seine Libelle nicht verloren. Irgendwie hatte sie ihm Kraft geschenkt. Kraft, die er jetzt dringend benötigte, als er seinem wahrgewordenen Albtraum gegenüberstand.
      „Was hat er denn dieses Mal getan?“, seufzte Mathilde, als hätte sie bereits erwartet, ihn so vorzufinden; als hätte sie nicht zum ersten Mal etwas von Papas Wutausbrüchen mitbekommen. Aber vielleicht hatte sie das auch nicht?
      „Wer, glaubst du, hört dir zu, wenn du dich in den Schlaf weinst, mein Lieber? Wer, glaubst du, beschützt dich?“, ergriff sie das Wort, als könnte sie seine Gedanken lesen.
      „Meine Mama und mein Papa..“, entgegnete Salvador zögerlich und er wusste selbst nicht genau, ob es nicht eine Frage gewesen war, die nun wie ein Schimpfwort im Raum waberte, welches er am liebsten zurückgenommen hätte. Doch Mathilde war nicht erzürnt, sie lächelte und nickte, so als würde sie verstehen. Als würde sie wissen, was in ihm vorging. Sie kam auf ihn zu, tätschelte ihm liebevoll durchs blonde zerzauste Haar.
      „Versteck dich im Schrank. Ich bin bald zurück!“, flüsterte sie liebevoll und vertraut. Etwas an ihrem Gang kam ihm bekannt vor, doch Salvador war viel zu sehr von dem spitzen Gegenstand in Mathildes rechter Hand abgelenkt. Es handelte sich dabei um eine Spritze. Mit einer langen Nadel, die im Mondlicht silbern funkelte. Ihm stockte der Atem und Bilder von medizinischen Geräten, Skalpellen und Nadeln jagten ihn wie ein Dämon. Ein Chor seiner eigenen Schreie begleitete ihn und vor blanker Panik wich er zurück, spürte wie muffiger Pelz seine Wangen streifte, aber mit jedem weiteren Schritt, den er sich nach hinten tastete, um im Meer aus alten Kleidungsstücken und Mottenkugeln zu versinken, wurde seine Angst größer. Darüber hinaus hatte er das Gefühl, dass der Schrank sich immer weiter ausdehnen würde, denn die Sicherheit von hartem Holz, der den Rücken des Schranks markierte, wollte sich nicht einstellen. Stattdessen hatte er plötzlich das Gefühl, dass jemand den Schrank umgeschmissen hätte, denn er wurde von seinen Tentakeln gerissen und fiel. Fiel durch weichen Pelz und durch die aufschwingenden Schranktüren, hinab in die Tiefe einer unbekannten Welt, bis er plötzlich durch hartes Holz raste und unter einem Haufen Brettern begraben wurde.


      ~ Die Kathedrale: Dädalus ~

      „Jahrelang habe ich dich wie einen Bruder geliebt, Dédale! Du gabst mir Hoffnung und Halt an einem Ort, der nicht viel mehr als meine Verachtung verdient hat“, fuhr der Mann weiter fort, während seine Finger ab und an durch das leuchtende Taufbecken glitten. Die blinden Augen folgten dabei wehmütig den aufgescheuchten Schiffchen der Emotionen, die sich daraufhin in Bewegung gesetzt hatten.
      „Und genau dasselbe habe ich für dich empfunden, Luzifer!“, erwiderte Dädalus, dem buchstäblich noch immer die Hände gebunden waren, und welcher nur unfreiwilliger Passagier auf der Kreuzfahrt durch die gemeinsame Vergangenheit der beiden Kindheitsfreunde bleiben konnte. „Kannst du das...genau dieses Gefühl nicht auch spüren, oder bist du mittlerweile so verbittert und verblendet, dass du deine Gabe nur noch dazu nützen kannst, Finsternis zu sehen, wo auch Licht vorhanden ist? Bist du wirklich so darauf aus, mich für etwas zu bestrafen, dessen Schuld du selber trägst?“
      Luzifer hob den Kopf und einen Moment erkannte der Wissenschaftler den flüchtigen Schleier von Erkenntnis, von Schuld und Sühne, die sich durch poröses Gestein menschlicher Haut fraß und endlich den Blick auf den verunsicherten Jungen freilegte, den Dädalus damals in den Katakomben der Stadt der Erleuchteten gesehen hatte. Doch dann schoben sich Wolken der Verdrängung über die erhellenden Sonnenstrahlen und Gift und Galle füllten die klaffenden Narben, welche Dädalus’ Worte soeben aufgerissen hatten.
      „So siehst du das also, mein alter Freund? Ich trage die Schuld an dem Verrat, welchen Michel und du an mir begangen habt? Ich stellte mich also gegen die einzige Person, die mir etwas bedeutet hat und verkaufte sie an die Weltregierung?“, flüsterte Luzifer mit belegter Stimme, auf einem dünnen Seil zwischen Verzweiflung und furchteinflößender Bedrohung balancierend. „Versuch gar nicht erst, mich mit deinen Worten einzuwickeln, wie du es bei allen anderen tust...wie du es bei Michel getan hast, bei ihr, bei Kuleha...bei Brianna!“, kostete der geistliche Würdenträger nun jedes einzelne Wort wie bittersüßen Honig aus. Schon längst hatte er das Seil verlassen, stand nun mit festen Beinen wieder auf dem Terrain, welches ihm am besten vertraut war. Sog jede einzelne Sekunde der Überlegenheit aus, während er seine eigenen Wörter wie feine Pralinen auf der Zunge zergehen ließ. „Oder hast du dem Mädchen erzählt, was du getan hast? Dass du ihre Tochter an die Triade verkauft hast? Für was? Um deine eigene Schuld abzuzahlen! Nein! Belogen hast du sie! Begleitest sie auf einer sinnfreien Befreiungsaktion und der vergeblichen Suche nach etwas, wovon du sicher weißt, wo es sich befindet! Du weißt ganz genau, dass die Fünf Weisen Briannas Tochter nicht haben. Du weißt, wer sie hat und warum! Sag mir, alter Freund, was glaubst du, wie wird unsere rothaarige Schönheit darauf reagieren, wenn sie erfährt, dass du sie belogen hast, seit ihre verdorbenen Eltern Fuß auf Chasetown gesetzt haben, um sie in deine Obhut zu geben?!“
      Blut rauschte in einem betäubenden Strudel durch Dädalus Ohren, aber er wusste, was Luzifer vorhatte. Er wollte ihn ablenken, ihn schwächen, aber der Wissenschaftler biss die Zähne zusammen. Er konnte es sich nicht leisten, die Verbindung zu ihnen abreißen zu lassen. Also setzte er auf die einzige Gabe, die ihm Gott, oder wie auch immer die höhere Macht auch heißen mochte, in seine Wiege hoch über den Wolken gelegt hatte. Die Fähigkeit, jede einzelne Person in seiner Gegenwart zur absoluten Weißglut zu treiben.
      „Wir wissen, um wen beziehungsweise was es hier in Wirklichkeit geht, Luzifer! Also versuch nicht davon abzulenken, wenn wir endlich im ehrlichen Fahrwasser angekommen sind, alter Freund! Du weißt nicht, was es bedeutet, von jemanden geliebt zu werden. Eure Eltern haben euch in der Gosse dieser erbärmlichen Stadt zurückgelassen, deine Schwester hat sich einer verblendeten Sekte angeschlossen und einem ‚Gott’ verschrieben, denn auch sie war nicht in der Lage, jemanden wie dich zu lieben...Michel und sie konnten dir auch nicht das geben, was du von Klein auf vergeblich verlangst ...und ich…tja, ich...habe es so lange versucht, Luzifer! Wirklich! Aber auch ich musste eines Tages eingestehen, dass du es nicht wert bist, geliebt zu werden. Du bist erbärmlich...ein Gift, für alles in deiner Umgebung. Du beißt die Hand, welche dir aufhelfen will und deswegen bist du auch allein! Bist allein in dieser Welt, flüchtest dich in fremde Träume, ernährst dich von den Gefühlen anderer, oder warum sonst solltest du Brianna so begehren? Schon damals auf San Fardo habe ich es in deinen Augen gesehen! Und jetzt komm mir nicht mit dieser erbärmlichen Prophezeiung...du begehrst sie, weil sie in der Lage ist, ‚Liebe’ zu empfinden. Jemandem bedingungslos und aufrichtig zu vertrauen! Sie alle! Oder warum sollten ihr so viele auf ihrer…warte, wie sagtest du...sinnfreien Suche folgen? Sie gibt den Leuten etwas, wonach du dich gesehnt hast, seit du ein kleiner Junge warst. Tief in deinem Inneren hat du eine schwarze unendliche Leere und diese Einsamkeit und das Bedürfnis nach Liebe treibt dich an, ohne dabei zu begreifen, dass Liebe zu den Dingen zählt, die man sich verdienen muss!“, ließ der Greis die Worte wie schneidende Peitschenhiebe auf die verkrüppelte Seele des Kardinals schlagen, sich dabei vor seiner eigenen Grausamkeit und Brutalität ekelnd, aber es gab keine andere Möglichkeit. Er war der einzige Anker, den die anderen hatten, um den Albtraumkäfigen zu entkommen, in die Luzifer sie aus perfider Freude gesteckt hatte.


      ~ Das Hospiz der Barmherzigen Juanita: Brianna ~


      Das Hospiz, welches selbst schon einige Jahrzehnte auf den ziegelgemauerten Rücken trug, hustete Brianna zerbröckelnde Steinmauern wie den eitrigen Auswurf seiner Insassen auf ihr cremeweißes Sommerkleid, welches ihr mit Blut und Schweiß an die Haut geklebt schien. Ächzend und stöhnend zog sie sich selbst aus Schutt und Asche, schüttelte die Trümmer ab, ehe das röchelnde Pfeifen ihrer Widersacherin wie die Wächter der Unterwelt durch die Flure hallte. Keuchend legte die Rothaarige den Kopf in den Nacken, ignorierte den Nebel aus giftigem Asbest, der auf sie herab rieselte und sich wie todbringender Blütenstaub auf ihr flammenrotes Haupt legte. Ihre Ohren hörten das aufgescheuchte Schnäbelklackern des Ordensgewandes noch bevor ihre meergrauen Augen den pechschwarzen Stoff erblickten, der sich über die zerklüfteten Deckenstreben legte, durch welche Brianna soeben nach unten gestürzt war.
      „Hab ich dich!“, zischte Theresa zufrieden, kniff die dunklen Augen zusammen, um den strahlend weißen Engel im diffusen Licht der trostlosen Finsternis zu erkennen. Sofort krochen die glitschen Wurzeln unter dem flatternden Saum ihrer Ordenstracht hervor, schlängelten sich um die zerborstenen Schrägen, vereinten sich im unorthodoxen Liebesspiel, um ihrer Königin eine Treppe zu errichten, auf der die Dämonin zur Erde hinabsteigen könnte, zu richten die Lebenden und die Toten. Doch die Rothaarige sollte ihren Abstieg und ihre Ankunft nicht erleben, denn sie hatte bereits die Beine in die Hand genommen, versuchte, einen Ausweg aus dem Labyrinth der alten Gemäuer zu finden, in denen der Geruch nach faulendem Kot und sterilen Desinfektionsmitteln in einem widerlichen Gemisch die Gänge bevölkerte. Ab und an hörte sie das Gewimmer der Insassen, aufgeschreckt von ihrem pochenden Herzen, gestört im Vergessen ihrer eigenen Existenz. Doch die Rothaarige spürte den Atem der Medusa, gehüllt in Finsternis, in ihrem Nacken. Mit jedem weiteren Schritt, der Staub und Ratten gleichermaßen aufscheuchte, spürte sie die kalten Schlingen sich um ihre zierlichen Knöchel winden, sie zu Fall zu bringen, sodass das weiße Kleid, getränkt vom Blut ihrer aufgeschürften Knie, zu ihrem roten Totenkleid werden wollte. Doch kein Grab aus erstickendem Grün, keine Trauergäste mit eingefallenen Gesichtern und wimmerndem Klagegesang wurden zur Wirklichkeit ihrer blühenden Phantasie, denn stattdessen zerriss ein ohrenbetäubender Knall die Wand zu ihrer Rechten; ließ modriges Holz, brüchiges Glas und Schutt in einem Artilleriefeuer auf sie niederprasseln, ihre Haut zerfetzen und sie von den Füßen reißen, ehe Theresa - die Haare der wilden Medusa gleich im Wind peitschend, getragen von baumstammdicken Wurzeln - wie ein Racheengel inmitten der Explosion auf sie zugeflogen kam. Theresas Hände legten sich um ihren Hals, während sie gemeinsam durch die offenen Türen, verkeilt im Todeskampf zweier Hyänen, in das nächstbeste Krankenzimmer rollten.
      Noch in der Rolle nutzte Brianna ihre bessere Ausgangslage, rammte der Schwester ihre Beine in die Magengegend, um sie so auszuhebeln und durch die Luft zu schleudern. Mit einem Kreischen krachte sie gegen das eiserne Gestell eines leerstehenden Bettes, während die Rothaarige sich vor Schmerzen prustend an die Würgemale an ihrem Hals fasste. Sie brauchte eine Waffe, ansonsten würde sie an diesem trostlosen Ort sterben. Sonst würde die Teufelskraftnutzerin ihr Leben beenden oder, was ihr noch viel schlimmer erschien, sie zu einer der Vergessenen im Hospiz der Barmherzigen Juanita werden lassen, gefesselt an eines dieser Betten, sediert mit Morphium im ewigen Fiebertraum.
      „Ich...“, setzte Theresa ebenfalls keuchend an, während die Schatzjägern jede einzelne Sekunde nutze, um den Raum nach etwas abzusuchen, was sie als Waffe gegen die verbissene Ordensschwester einsetzen könnte. „...werde nicht zulassen, dass du die Hochzeitsvorbereitungen störst, du erbärmliche kleine Hure!“
      Die Worte rissen die verletzte Schatzjägerin aus ihren gedanklichen Vorbereitungen, gerade in dem Moment, als ihre Augen etwas erspäht hatten, was ihr nützlich sein könnte. Doch sorgten die unerwarteten Worte Theresas - die sich beim Aufprall die Hüfte verletzt haben musste, denn zumindest presste sie die freie Hand mit knirschenden Zähnen dagegen - dafür, dass ihre meergrauen Augen die Informationen nicht an ihr Gehirn weiterleiten konnten, um einen handfesten Plan zu schmieden.
      „Welche verdammte Hochzeit?! Wovon redest du da bitte?“
      „Pfff...hast du die letzten Jahre hinter dem Mond gelebt? Zar Nikolai ‚Bärenfell’ heiratet die Tochter der Königin von Duchess Court Cha-“, setzte Theresa schnaubend an, doch vor Briannas Augen blitzte eine Schlagzeile der Zeitung auf, dessen Worte sie wie in Trance vor sich her murmelte: »Es könnte eines der politisch wichtigsten Bündnisse der letzten Jahrzehnte werden, sobald Charlotte Stuart, einzige Erbin der Königin von Duchess Court, Zar Nikolai von Novgorod das Ja-Wort gibt. Besonders die Unabhängigkeit der Kronkolonie New Duchess Court, mittlerweile bekannt unter dem Namen Liberty Bourbon, hatte der sogenannten ‚Herzkönigin’ einiges an Einfluss und Macht gekostet. Aber wird diese Ehe dies ändern? Und wie wird die Weltregierung darauf regieren, dass nun ein weiteres Mitglied der unheilvollen Charlotte-Familie in die weltpolitischen Geschehnisse Einfluss nehmen kann. Besonders im Hinblick auf die Weltkonferenz der Könige in vier Jahren...«.
      „....Die Hochzeit ist doch schon zwei Jahre her....wie ist das möglich?“
      „Red’ keinen Unsinn, du dummes Mädchen!“, fauchte Theresa wütend, auch wenn die Irritation wie eine leichte Dissonanz in ihrer Stimme mitschwang. Sie schnippte mit den Fingern und auf Befehl bäumten sich die Wurzeln, welche wie arglistige Schlangen auf der Lauer gelegen hatten, auf, regten die Köpfe, bleckten die blätterbesetzten Zähne, bereit, zuzuschlagen und die Rothaarige zu zerreißen. Doch dieses Mal waren es die Worte der Rothaarigen, welche die Ordensschwester nun mit entsetzten und weit aufgerissenen Augen anstarrte, die sie innehalten ließen.
      „Und....du...du bist tot! In den Flammen der brennenden Kathedrale auf San Fardo...Kyu...er...du...aaargh!“, kreischte Brianna und fasste sich an die Schläfen. Ein elektrisierender Schmerz jagte wie eine Horde aufgescheuchter Gazellen durch ihren Schädel, Verwüstung und eine pochende Migräne zurücklassend. Die Ordensschwester schüttelte nun irritiert den Kopf, den Zusammenbruch der Rothaarigen als letztes Indiz deutend, dass ihre Kontrahentin nicht nur eliminiert werden müsse, da sie eine Gefahr darstelle, sondern zusätzlich auch noch geisteskrank sei und von daher eh kein Anrecht auf Leben hätte. Mit einem leisen Seufzen formten ihre Finger die Geste des Henkers und die Wurzeln schossen auf ihr Ziel danieder. Jedoch schien der Schmerz Briannas benebelnden Geist wachzurütteln und endlich kamen die Bilder zurück, welche Sekunden zuvor ihre Rettung hätten gewesen sein sollen. Mit einer flinken Drehung zur Seite ergriff sie den Infusionsständer, welcher weiterhin die vertrockneten Venen eines Toten versorgten, und wehrte damit die ersten Schlangen ab, ehe sie ungeahnte Kräfte entwickelte, die rostige Stange entzweibrach und mit einem Satz auf die verblüffte Ordensschwester zusprang. Die scharfen Kanten des umfunktionierten Speers glitten wie ein Buttermesser in den Kehlkopf Theresas. Zertrennten auf ihrem Weg Stimmbänder, Sehnen, Knorpel und Fleisch, ehe sie auf den robusten Widerstand der Halswirbel trafen. Mit einem widerlichen Geräusch klappte der Schädel der Geistlichen nach hinten, wodurch die Einstichwunde an ihrem Hals nun wie ein Spielautomat Briannas Hauptgewinn in Form von schwallenden Blutfontänen auszahlte. Sich im triefenden Stoff oder einer der Wurzeln verhakend, stolperte die Rothaarige nach hinten und riss die Ordensschwester mit sich, wodurch sie wie zwei unglücklich Verliebte erneut ineinander verkeilt auf die kalten Fließen klatschten. Warmes Blut schwappte über Briannas ehemals weißes Spitzenkleid und obwohl sie wusste, dass sie nicht tot war, dass sie, ganz im Gegenteil, das erste Mal das Gefühl hatte, aus einem schweren Fiebertraum zu erwachen, wurde sie das Gefühl nicht los, dass die verwesenden Insassen dennoch zu einem Klagelied angestimmt hatten. Vielleicht für die gefallene Schwester, aber die Rothaarige ahnte eher, dass der Gesang ihr galt, denn zwischen wimmerndem Schluchzen, ekstatischem Rasseln kollabierter Lungen und dem euphorischen Ariengesang vertrockneter Stimmbänder hörte sie ihren Namen. Ein Echo in der Stille. Ein Wegweiser, der sie wie eine Spur aus Brotkrumen von diesem Ort fortzulocken suchte.


      ~ Der Empfangssaal ~

      Der silberne Löffel glitt in die aufgescheuchten Fluten bernsteinfarbener See, wirbelte die Korallen aus kristallinem Zucker auf, ehe er mit einer zarten Bewegung wieder herausgezogen wurde, streng darauf bedacht, keinen einzigen Tropfen der kostbaren Flüssigkeit auf die weiße Seidentischdecke zu träufeln, ehe er seinen Platz auf dem Porzellanuntersetzer mit goldenen Rändern einnahm. Die dünnen, von feinen Adern überzogenen Finger legten sich über die angenehm warme Tasse, wobei der schwere Silberring einen zarten Missklang ertönen ließ, als er gegen das edle Handwerk schlug.
      „Ceylon aus der Kronkolonie Kalkutta, vier Stück Zucker, gewonnen von den Zuckerrohrplantagen der Kronlande, so wie du es begehrst, Mamá“, ertönte der bestimmte Bass Humpty Dumptys, dessen wässrige, schlammfarbene Augen jede einzelne Bewegung der Herzkönigin verfolgten. Von niemand anderem ließ sie sich Tee einschenken, niemand anderem würde sie ihr eigenes Leben so sehr anvertraue wie ihrem ältesten Untergebenen und Freund. Ein seltenes, aber aufrichtiges Lächeln umhuschte ihre Mundwinkel, als sie die Tasse an die rosenroten Lippen setzte und die süßliche Flüssigkeit in ihren Gaumen strömte. Sie schloss die Augen, versuchte, den Moment zu genießen, wie immer, wenn sie Tee trank. Es waren die wenigen Minuten am Tag, in denen sie Angst, Verzweiflung, Wut und Paranoia vor die Türe, in den strömenden Regen schicken konnte, um allein mit sich selbst und einfach zufrieden zu sein. Das Korsett, welchem sie ihre Schönheit zu verdanken hatte, spannte so sehr, dass sie das Gefühl hatte, keinerlei Luft zu bekommen. Doch wie hatte ihre Mutter schon immer zu sagen gepflegt? Schönheit hat ihren Preis. Eine bittere und vor beißendem Sarkasmus triefende Aussage, wenn man bedachte, dass sowohl sie als auch ihre Schwester mit keinerlei Schönheit gesegnet worden waren. Hatte Linlin im Gegensatz zu ihr traurigerweise noch das bessere Los gezogen, so war alles, was Viktoria vom Leben erhalten hatte, zweiter Klasse gewesen. Sie war die Zweitgeborene, die hässlichere, die schwächere, die kränkliche Tochter gewesen. Dem krummen Rücken und den schiefen Beinen zum Dank an den Rollstuhl gefesselt und in die riesige Bibliothek ihrer Eltern verbannt, während Linlin alles hatte, was sie sich selbst immer gewünscht hatte.
      „Ich denke es reicht jetzt, Theophilus!“, herrschte Humpty Dumpty den Mann an, der zu ihrer rechten Saß und sich nicht einmal die Mühe machte, den silbernen Flachmann zu verstecken, dessen kristallklaren Inhalt er sich gerade in den Tee geschüttet hatte. Seine Augen waren blutunterlaufen, der farbenfrohe Zylinder saß ihm mehr schlecht als recht auf dem Kopf, während er mit der freien Hand in Richtung des kugelförmigen, halslosen Körpers Humpty Dumptys fuchtelte, der seine langen, unnatürlich dünnen Beine übereinander geschlagen und sich mit der Serviette soeben den pechschwarzen, aufgezwirbelten Schnauzer gesäubert hatte. Zumindest versuchte der Hutmacher es, als er mit lallendem Tonfall auf den freien Platz neben dem Eiermann deutete und dabei sein Ziel deutlich verfehlte.
      „Du~u hascht mir nüscht zu befäääählen!“, hickste er, während er seine alkoholisierten Worte an das bezaubernde Blumengesteck richtete. Humpty Dumptys Gesicht verzog sich zu einer versteinerten missbilligenden Version seiner Selbst, ehe die Herzkönigin liebevoll die Hand auf die seine legte und die Tasse wieder mit ihrem Untersetzer vereinte.
      „Ich entschuldige den Zustand meines Untergebenen. Wir haben erst kürzlich zwei Kinder verloren. Zuckersüße Engel im Dienste meines wackeren Knechts. Er hat den Verlust noch immer nicht verwunden“, wandte sich die rothaarige Königin mit der leichenblassen Haut nun an die Frau, die ihr gegenübersaß. Sie vermochte die Heuchelei und die Falschheit in ihrer Stimme nicht zu erkennen. Die falsche Freundlichkeit, die sie Theophilus wie einen vergifteten Kuchen vor die Nase gehalten hatte, während sie ihn vor Wochen halb zu Tode geprügelt hatte, als er ohne die Prophezeiung und ohne die Zwillinge nach Duchess Court zurückgekehrt war.
      „Es ist nicht an mir, über diejenigen zu richten, deren Seelen mit dem Teufel schäkern“, erwiderte Raphaela und verzog keinerlei Miene, auch wenn die Herzkönigin spüren konnte, wie die Vikarin der Stadt jeden einzelnen Moment der Überlegenheit auskostete. Die vollen Lippen zu einem kühlen Lächeln geschürzt, der keusche Wimpernaufschlag wie einen Bogen mit tödlichen Pfeilen bestückt, ja sogar das verdammte engelsweiße Haar fiel in Locken der Reinheit von ihrem Haupt. Doch die Herzkönigin wusste es besser, denn all die Jahre hinter den Büchern, auf der Suche nach einem Sinn in ihren trostlosen Leben, hatten sie etwas gelehrt; hatten ihr beigebracht in den Menschen zu lesen wie in einem der vielen Bücher, welche die einzigen Wegbegleiter in ihrer Kindheit gewesen waren. Besonders in ihren Augen. Und diese violetten Augen sprachen kein Wort von Reinheit und Unschuld. Diese Augen offenbarten eine unnachgiebige Bestie, wie Viktoria sie bisher nur in ihrem eigenen Spiegelbild gesehen hatte. So saßen sich die beiden Frauen, zwei perfekte und bildschöne Mannequins, lächelnd gegenüber, blanke Abneigung zweier unterschiedlicher Welten zwischen ihren Blicken austauschend, als jemand den Raum betrat, dessen Blick leer war und dennoch eine Kälte ausstrahlte, die beide Frauen augenblicklich schaudern ließ.
      „Viktoria, Ihre Durchlaucht, es ist mir eine Ehre, Euch hier Willkommen zu heißen“, kam der alte Mann auf die Herzkönigin zugeschritten, ergriff ihre Hand und küsste mit seinen faltigen Lippen ihren Siegelring, der sie als Königin von Duchess Court auswies.
      „Die Ehre ist ganz meinerseits, Eure Geistlichkeit“, stimmte die Rothaarige in die Förmlichkeit ihres Gegenübers ein. Sie beide wussten, dass sie sich nicht ausstehen konnten, aber erneut war es ihre verstorbene Mutter, welche die Situation mit einer ihrer Weisheiten umschreiben konnte, die ein schweres Leben und Bauernschläue ihr mit auf den Weg gegeben hatten.
      Der Feind meines Feindes ist mein Freund.


      ~ Die große Kathedrale: Dädalus ~

      „Und da dachte ich, dass wir uns nie wiedersehen würden, Dédale“, tänzelte eine Stimme durch den Raum und einen Moment, in dem der Wissenschaftler noch konzentriert versucht hatte, die Veränderungen im Taufbecken der Emotionen sowie das einsetzende Donnergrollen zu erklären, hatte er geglaubt, Uriel wäre zurückgekommen. Doch die hohe, ja beinahe laszive Stimme sollte so gar nicht zu der hünenhaften, wortkargen Gestalt passen, die vor wenigen Minuten zusammen mit Luzifer die Kathedrale verlassen hatte. „Ein wenig alt geworden, aber ich habe dir ja schon damals gesagt, dass du eine alte Seele besitzt, mein Lieber.“
      Dädalus kniff die Augen zusammen, verwandelte sein Gesicht dadurch in ein reines Faltenmeer, um der Quelle der kichernden Frauenstimme auf den Grund zu gehen. Sie klang hohl und blechern, als würde sie aus einem alten Grammophon kommen, um sich über ihn lustig zu machen.
      „Ein ganz schönes Schlamassel, in welches du dich geritten hast. Nicht, dass das nicht deine Spezialität gewesen wäre, du alter Unruhestifter. Wie lange ist es jetzt her, dass wir uns zuletzt gesehen haben? Verzeih, aber die Erinnerungen sind ein wenig verschwommen, obwohl ich den lieben langen Tag nichts anderes tue, als darüber nachzudenken“, säuselte sie nun deutlich hörbar zu seiner Rechten, weswegen Dädalus schon längst die Theorie verworfen hatte, dass die Person über ein Hilfsmittel mit ihm sprach. Die Frau schien durch den Raum zu schlendern, wobei die Akustik der Kathedrale ihr übriges tat, denn mal war ihre Stimme klar, jugendlich und nah, während sie im anderen Moment gebrochen und dem altersschwachen Schall einer sterbenden Frau glich. „Versteh mich nicht falsch...ich denke nicht an dich, zumindest nicht vordergründig...also auf eine erotische Weise. Du weißt, dass mein Herz einem anderen gehört hat“, fuhr sie kichernd fort und sofort übermannte den Wissenschaftler das Gefühl, mit einem Mädchen zu sprechen, so eben errötet auf Grund des lächerlichen Gedankens, dass sie Gefühle für ihn haben könnte. Doch dann malte er sich vor seinem geistigen Auge aus, wie sie auf ihn zu schlenderte, alternd, dabei reifend und sich die vollen Lippen einer erwachsenen Frau an seine Ohrmuscheln schmiegten. Ihr süßliches Parfum benebelte seine Sinne, als sie die vollen Lippen schürzte: „Obwohl man nicht leugnen kann, dass wir unsere Momente hatten!“
      Die unsichtbare Frau lehnte sich zurück und da erkannte Dädalus es. Und der Groschen, der nun fiel, hätte ihm am liebsten die Hand vor die Stirn schlagen lassen, wenn diese nicht an dieses garstige Kreuz gebunden wären. Natürlich hatte Luzifer sie in seinem Wahn bei sich gehalten. Er hatte ihn nicht haben können. Er hatte Michel nicht haben können, aber sie war verwundbar gewesen. Sie war einsam gewesen, nachdem Michel gestorben war. Sie war der Nagel zum Sarg ihrer Freundschaft gewesen und jetzt funkelten sie drei leuchtende, flimmernde Augen ohne zugehörigen Kopf an.
      Sybill…“.
      156. Kapitel: Sybill



      ~ Corto Maltese: Judasring ~

      „Oh, oh, oh...da glaubt wohl jemand nicht daran, dass Mädchen wahre Bestien sein können, habe ich recht?“, unterfütterte das Gelächter sich selbst nun mit süßlicher Ironie in der Stimme. Ungläubig flog Sahars Kopf zu dem Bretterhaufen, der die Ursache des ganzen Tumults war und der auch die Person unter sich begraben zu haben schien, die sich jetzt gähnend aus ihrem Holzgrab schälte. „Bei allen guten Geistern...noch nie hab ich den wirbellosen Teil meines Körpers so sehr zu schätzen gewusst wie an diesem heutigen Tag“, brummte der muskulöse Meermann, der die zersplitterten Holzplanken, welche die Welt der unbefleckten Geistlichkeit Corto Malteses wie ein überdimensioniertes Pflaster vor dem faulenden Sekret der beinahe vergessenen Welt des Judasring geschützt hatten, in unbekümmerter Leichtigkeit zur Seite schob und sich aus dem Meer aus spitzem Holz zog. Alle Anwesenden blickten ihn mit der Ungläubigkeit der frommsten Lämmer an, die gerade den lang ersehnten Heiland vom Himmel stürzen oder die Brut des Teufels aus der Pforte der Unterwelt steigen sahen, während der blonde Meermann sich unbeeindruckt den Staub von der teerschwarzen Lederjacke klopfte, ehe er sich mit lässigem und beiläufigem Tonfall an das verdutzte Mädchen in ihrem glänzenden Kaftan wandte.
      „Meine Liebe, könntest Du mir vielleicht sagen, wo genau ich mich befinde? Ich hab…nun ja...sagen wir mal, ein wenig die Orientierung verloren“, zwinkerte er ihr verschmitzt zu, doch jene konnte dem Meermann nichts als blankes Entsetzen entgegenwerfen. Etwas verstimmt verzog Salvador die Mundwinkel, als hätte man ihn gerade zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt.
      „Liegt es daran, dass ich ein Meermann bin? Hat mich der alte Knacker jetzt tatsächlich in ein rassistisches Traumidyll verfrachtet? Ich könnte kotzen“, lamentierte Drake genervt, während er sich kleine Holzsplitter aus den Dreadlocks zog und Sahar enttäuschte Blicke zuwerfen wollte. Doch ein gewaltiges Donnergrollen ließ Staub von der Decke regnen und machte die Säuberungsaktion des blonden Kopfgeldjägers jäh zunichte.
      „Euer Ernst jetzt?“, fluchte er mit der Zunge schnalzend, als sein Gemecker abrupt in einem fassungslosen Schlucken verstummte. Hatte er gerade noch in die haselnussbraunen Augen des südländischen Mädchens geblickt und die unzähligen Blicke einer versammelten Bürgerschaft elitärer Sektenanhänger im Nacken gespürt, die einen fischhäutigen Dämon am liebsten auf einem Spieß durch die Straßen getragen hätten, dabei Gott und alle Erzengel preisend, war er plötzlich allein. Niemand hatte mehr die Hand vor den Mund geschlagen oder eine Waffe in die verpestete Unterwelt gerichtet.
      Salvador hatte sich schneller als gedacht an die plötzliche Einsamkeit gewöhnt, als er plötzlich den wärmenden Atem einer Person seinen Nacken umspielen fühlte, während ihm das süßliche Parfum aus Sandelholz zurück an Orte holte, die er vergessen glaubte.
      „Du musst jemanden kennenlernen, Drake! Folge mir!“, flüsterte die Frau und zog den Meermann tiefer in den stinkenden Abszess des Judasrings.
      „Aber Mathilde...ich muss doch meine Freunde finden....!“.
      „Die findest du bei ihr!“

      ~ Die Traumwelt: Eiswüste ~

      Sie fiel. Fiel hinab in eine Welt, die ein mürrischer Architekt aus glitzerndem Schnee, trostloser, sternenleerer Nacht und beißenden Winden mitten in eine waldlose Taiga gezimmert hatte. Der weiche Schnee, der wie staubtrockener Sand an ihrer nackten Haut rieb, fing sie sanft auf, die raue Zunge des Steppenwindes jedoch peitschte sie auf, während er ihr gleichzeitig die Tränen in die Augen trieb. Keuchend blickte sie sich um. Links, rechts, oben und nach unten. Doch um sie herum gähnte die Finsternis, funkelte sie bedrohlich an, während der Wind – eigentlich ihr Freund und Begleiter – hier nur höhnische Worte in einer abgehackten, rauen, fremden Sprache in ihr Ohr flüsterte.
      Wo bin ich hier nur gelandet?, blitzte die Frage im Kopf des blauhaarigen Engels auf. Ein aufkeimender Zweifel und eine nagende Angst im Kielwasser der Erkenntnis hinter sich herziehend. Nicht das Wie stand im Mittelpunkt ihres Denkens, sondern nur das Wo hatte nun einen angestammten Platz im Gedankenkarussell der Einsamkeit, welche ihr wahre Kälte in die Glieder trieb.
      „Hallo?“
      Ein zartes Frösteln in der verschlingenden Dunkelheit folgte ihren Worten, als sie unbewusst einen Schritt vor den anderen setzte. Das Knirschen frisch gefallenen Schnees war die einzige gewisperte Resonanz auf ihr sinnloses Flüstern.
      „Hallo? Ist hier jemand?“, wiederholte Aloë ihr Rufen, mittlerweile in einen Stechschritt verfallend, der sie weiter durch die Eiswüste der menschenleeren Taiga trieb. Die knöchelhohen Stiefelletten in den gefrorenen Tränen Väterchen Frosts versinkend, die Arme ihrer Wildlederjacke fest um die schmalen Hüften geschlungen, während ihre nackten Beine blutrot gegen die gefräßigen Zähne des Windes pulsierten.
      „Dädalus?!“
      Wo ist er? Wo war der Mann, dessen Stimme sie aus ihrem Alptraum gerettet hatte, nur um sie in einen neuen, viel schlimmeren zu führen?

      „Du musst den Spiegel finden, Aloë!“, zischte die mechanische Libelle mit eifrig-metallenem Surren ihrer feinen Zahnräder und funkelnden Metallplättchen, welche den Engel aus einem gemütlichen Schläfchen auf einer Wolkeninsel gerissen hatte.
      „Was für einen verfluchten Spiegel? Wer bist du überhaupt?“, motzte die Blauhaarige, nur widerwillig ein Gähnen unterdrückend. Am liebsten hätte sie das seltsame lästige Insekt verscheucht. Immerhin müsste Zoë jeden Moment auftauchen und sie wusste, wie sensibel ihre Schwester war, und wie verrückt es ihr vorkommen müsste, wenn sie sie mit einer mechanischen Libelle reden sah.
      „Das ist alles nicht real! Das ist alles nur Traum...und zwar kein guter!“
      „Ein Traum?“, runzelte der Engel die Stirn und der schläfrige Schleier, der sie benommen machte, wich allmählich ungläubiger Irritation. „Erzählt mir eine sprechende Libelle?!“
      „Ich habe nicht viel mehr Zeit, du störrisches Mädchen! Finde den verdammten Spiegel!“

      Was würde sie nun jetzt dafür tun, das nervige Zirpen der Libelle in ihren Ohren zu vernehmen. Dädalus’ Stimme zu hören, die ihr irgendwelche nebulösen Anweisungen gab, anstatt sie hier in der klirrenden Kälte und Finsternis allein zu lassen. Etwas Bizarres und seltsam Vertrautes webte sich in den Vorhang aus Eiskristallen und Schneeflocken vor ihren bernsteinfarbenen Augen. Kalkgraue Vögel mischten sich in das perfekte Weiß, legten ihre aschgrauen Federn auf ihre Haut, ihre Haare und ihre Kleidung, ehe der Wind ihr den Geruch verbrannten Holzes und Fleisches in die Nase trieb, den Engel dabei lachend verhöhnend.
      „Clockwork Orange?“, flüsterte sie den ersten Gedanken, der wie eine Blume in einer unwirtlichen Landschaft erblühte, um ihre Einsamkeit zu verscheuchen, welche sich wie ein Nachtgespenst an ihren Körper gepresst hatte. Doch um sie herum war unberührte Natur, gebettet in ihr klirrendes Gewand aus Eis und Schnee. Kein Metall, das seinen starken Kiefer in Gestein schlug, keine elektrisch flackernden Lichter, kein Rattern und Hupen der mechanischen Züge, die Funken und Rauch versprühten. Keines dieser unnatürlichen Wunder, welches die Hölle unter der Erde ihr gezeigt hatte, war hier zu finden. Unberührte Natur strafte sie Lügen. Und dennoch brannte es. Vielleicht meilenweit entfernt und die Windgeister der Taiga hatten es zu ihrer Aufgabe gemacht, die Ausläufer dieser Gräueltaten zu ihr zu tragen. Und plötzlich musste sie schluchzen. Der Anfall kam plötzlich und ohne Ankündigung. Sie wusste nicht einmal mehr, ob sie jemals wieder geweint hatte, seit das Archipel zurück in die Tiefen des Ozeans gefallen war und damit alles ausgelöscht hatte, was ihr jemals etwas bedeutet hatte. Buchstäblich ihr gesamtes Leben unter den Fluten des Meeres begraben hatte.
      Jedoch war sie seit diesem Tage niemals allein gewesen und erst die Einsamkeit brachte die Trauer zurück wie eine unliebsame Verwandte, deren Gesellschaft nur außergewöhnliche Umstände zu Tage förderte.
      „Hast du dich verlaufen, Kindchen?“, krächzte eine Stimme, jedoch vertrieb sie die Einsamkeit nicht. Jede Silbe schien die Einsamkeit zu nähren, wie Dunkelheit beim letzten, flackernden Aufbäumen einer abgebrannten Kerze, ehe ihr Docht den rauchigen Odem des Lebens in eine verschlingende Dunkelheit blies.

      ~ Die große Kathedrale ~

      Der Name schallte wie das buchstäbliche Echo der Vergangenheit durch die leeren Sitzreihen der Kathedrale, deren dunkles Mahagoniholz sonst die gläubigsten und pietätlosesten Bürger Corto Malteses für die heuchlerischen Messen der machthabenden Geistlichkeit anzog wie Scheiße Fliegenschwärme, und riss Dämme des verdrängenden Vergessen ein, wodurch nun Fluten der Erinnerung in Dädalus’ Geist strömten.
      „Wie kann das sein? Du warst tot?!“
      „Und doch...bin ich hier, nicht wahr?“, säuselte Sybills Stimme, nun wieder im krächzenden Zustand der gebrechlichen Frau angekommen, die zeitgleich im Kellermorast dieser Insel am verrotten war. Noch immer ein Geist ohne Hülle, der nur mit Hilfe seiner Stimme gekommen war, um die Lebenden zu jagen.
      Kraha~lele....du solltest dein Gesicht sehen!“, gackerte Sybill, deren Stimmenecho wie eine lästige Fliege im Altarbereich der Kathedrale hin und her flirrte. „Was ist aus dem Jungen geworden, der voller Begeisterung den Märchen und Wundererzählungen der Erleuchteten gefolgt ist? Der einem armen Waisenmädchen, als es gerade nichts mehr auf der Welt hatte, freudig die Hand gereicht hat, um es auf Siena degli Illuminati Willkommen zu heißen? Wo ist dieser Junge hin, Dédale?“
      „Dem haben Zeit und Alter die Märchen mit einem verrosteten Schürhaken aus der Seele gerissen“, erwiderte der Wissenschaftler mit gebrochener Stimme, aber keineswegs charakteristischem Zynismus. Er hatte aufgehört, Sybill im Raum zu suchen und akzeptiert, dass sie mit Hilfe irgendeiner Art telepathischer Verbindung mit ihm zu kommunizieren schien.
      „Sei nicht traurig. Den wahren Blick auf die Welt kann man wiedererlangen. Es braucht nur ein wenig Vertrauen. Vertrauen in die Ursprünge dieser Erde. Aber was hast du stattdessen getan? Deine Augen analysieren die Welt, versuchen sie in Zahlen und Buchstaben; in Koordinaten und Algorithmen zu pressen und was erkennst du und deinesgleichen damit? Rein gar nichts! Denk nur daran, was deine ewige Suche, die Natur zu verstehen und zu bändigen, dir schließlich gebracht hat. Dir und deinem Sohn, Ikarus?!“
      Die Worte schnitten Dädalus wie eine frisch geschliffene Klinge in die Seele und Tränen der Wut und der Scham stiegen ihm in die faltigen Augenwinkel. Auch wenn er sie nicht sah, spürte er wie Sybills drei Augen auf ihm ruhten. Ohne zu werten, ohne zu richten, aber durchdringender als jeder Strafrichter in Enies Lobby es bei ihm je getan hatte.
      „Du weißt gar nichts...“, zischte er, kraftlos wie ein geschlagener Hund, der sich endlich im Todeskampf gegen sein Herrchen auflehnte. „Du verstehst das nicht...“.
      „Oh...ich verstehe... Kraha~lele..., mein alter Freund“, flüsterte Sybill nun so liebevoll, als hätte sie sich entschieden, die aufgerissenen Wunden ihres Freundes zu verbinden. „Aus diesem Grund bin ich hier. Oder glaubst du, es ist Zufall, dass Luzifer euch alle in sein dunkelstes Unterbewusstsein gelassen hat? An den Ort, wo er mich vor all diesen Jahren eingesperrt hat? Ich habe ihn dazu ermutigt, dies zu tun. Den Bluteid mit den anderen Wahnsinnigen der Triade zu schwören. Ich niste in seinen Gedanken wie die bösartige Spinne, träufle ihm die perfiden Sätze in sein Ohr, die er sein eigen nennt und der närrische Trottel merkt es nicht einmal! Er war schon immer so leicht zu manipulieren... Kraha~lele!“, flüsterte Sybill weiter mit der Gelassenheit einer Dame, die ihm gerade in alltäglicher Manier von den letzten sonnigen Tagen der Insel erzählte, obwohl ihr Inhalt um einiges perfider war. „Doch dieses Mal gibt es einen Unterschied. Dieses Mal sind nicht du und Michel da, um mir in die Quere zu kommen.“
      „Aber wieso bist du dann hinter uns allen her, wenn deine Rache Luzifer und mir gilt? Wieso Brianna?“, keuchte der Wissenschaftler entsetzt, aber Sybills Worte hatten ihn in einen Kokon der paralysierenden Faszination gewoben.
      Kraha~lele...verstehst du es denn immer noch nicht?! Brianna ist der tragische Hauptcharakter in diesem perfiden, missgestalteten Theaterstück! Sie ist die Auserwählte, geboren aus Schatten und Flamme, und ich werde die Zerstörungskraft nutzen, die ihr vorhergesagt wurde, um all meine Feinde zu zerschmettern...dich, Luzifer, die Triade, die Weltregierung!“, fuhr sie fort, bereit, den Schorf der verheilenden Wunden mit toxischen Worten auf bestialische Weise wegzuätzen. „Zum Glück sind sie und ihre Freunde schon auf direktem Weg zu mir...oder glaubst du wirklich, dass deine albernen Libellen irgendwen erreicht hätten, wenn ich sie nicht geleitet und es zugelassen hätte?“.
      „A-aber...du bist tot...woher weißt du von der Prophezeiung...das ist unmöglich...wir haben es nie geschafft, sie zu entschlüsseln, während wir sie gemeinsam studiert haben...Michel ist dafür gestorben, damit niemand die Wahrheit erfährt. Du bist gestorben...wie?“
      „Ach, Dummerchen“, kicherte Sybill, nun mit der Stimme eines Kindes sprechend. Demselben Kind, welches Dädalus in einer stürmischen Nacht zum ersten Mal erblickt hatte. „Wer glaubst du denn, hat die Prophezeiungen dieser Welt überhaupt erst in die Welt gebracht?“
      Und im gleichen Moment, in dem Sybill ihre rhetorische Frage zischend beantwortete, flüsterte Dädalus die Antwort in eine elektrisierte Stille hinein. Keine Antwort seiner totgeglaubten Freundin folgte seinen Worten.
      Hexen...“.
      Und nun war er wieder allein. Allein mit der Gewissheit, dass jede Schuld, die er sich heute schon eingestanden, und jedes Schicksal, zu dem er seine Freunde bereits verdammt hatte, als er Luzifer noch für den Marionettenspieler dieser albtraumhaften Vorführung hielt, nichtig geworden war. Sybill war das leibhaftige Kind des Teufels und er hatte sie alle in ihre Arme getrieben.

      ~ Der Empfangssaal: Die Teeparty ~

      „Schau her, Vicky! Schau einmal! Die Teetassen singen und tanzen! Ist das nicht wunderbar?“, klatschte das Mädchen mit den rosa Zöpfen begeistert in die Hände und zupfte Viktoria am Saum ihres mausgrauen spitzenbesetzten Rocks, wodurch sie ihren klapprigen Rollstuhl näher an die bizarre Teeparty zog, dessen Gäste dem mürrischen Mädchen eifrig zuwinkten.
      „Toll, Linny“, erwiderte die Rothaarige abweisend, doch ihre korpulente jüngere Schwester hatte bereits jegliches Interesse an ihr verloren, als ein Kerzenständer und ein Wandschrank, den sie mittels ihrer Teufelsfrucht zum Leben erweckt hatte, in lautstarkes Gezanke verfielen.
      „Wie schön, dass deine Kräfte nicht Zerstörung und Ekel hervorrufen...“, flüsterte sie resigniert, umklammerte mit den zittrigen Fingern die Reifen ihres Rollstuhls und bewegte sich leise quietschend mit eiernden Rädern aus dem Zimmer, übertönt von ihrer lautstarken Schwester, die verzückt dem Teeservice die Eroberung eines entsetzten Toilettentisches befohlen hatte.

      „Und ihr seid sicher, dass mein treuer Diener unsere Geschäfte auf dieser Insel nicht mit seinen Spielkarten unterstützen soll?“, schürzte die Herzkönigin amüsiert die Lippen, nachdem sie die Tasse aus perlweißem Porzellan wieder abgesetzt hatte. Sie liebte das Analysieren ihrer Gegenüber, das Hinabtauchen in die schroffe Welt der Psyche, welche so viele mit einem Hauch von Arroganz und Unnahbarkeit zu kaschieren suchten. Niemand hatte sie jemals mit diesen Augen der Neugier angesehen. Das hässliche, entstellte Mädchen in ihrem Rollstuhl oder gefangen in dem Fischgrätenkorsett aus Draht und Seil, welches ihr zumindest ermöglicht hatte, aufrecht zu stehen. Niemand hatte sich für diese Frau interessiert und so hatte sie sich im Schatten der Aufmerksamkeit zu der Position hochgearbeitet, die sie heute bekleidete. Königin von Duchess Court, Kaiserin von Kalkutta und eine der drei Säulen der altehrwürdigen Triade. Doch jetzt, fest eingeschnürt im alabastadurchtränkten Korsett ihrer persönlichen Erlösung, waren alle Augen auf sie gerichtet. Die makellose Schönheit mit der zart blassen Haut, den hohen Wangenknochen, moosgrünen Augen entzückender Begierde, keuschen Lippen und flammenroten Haaren. Mit krankhafter Genugtuung absorbierte sie den Neid, wie die Rosen ihres ausufernden Gartens das Sonnenlicht absorbierten, labte sich an den unverhohlenen Blicken, die jedermann ihr zuwarf, und dennoch hatte sie dabei nichts von ihrem messerscharfen Verstand verloren. Nichts von den Charakterzügen, die das grausame Schicksal ihr mit Meißel, Nadel und Hammer in die Seele graviert hatte. Das machte sie unberechenbar, aber auch gefährlich; denn sie wusste, wie es war, nicht beachtet zu werden. Im Nachtschatten anderer kaiserlicher Blumen zu gedeihen. Etwas, was ihre wunderschöne Tochter niemals gelernt hatte und ihr Enkelkind hoffentlich niemals lernen musste.
      Doch die Person, die ihr heute gegenübersaß, war niemand, den man leicht durchschaute. Niemand, der sich von ihrer Schönheit oder ihrem Verstand beeindrucken lassen würde. Der ‚Gefallene Kardinal’ betrachtete sie mit der Gewitztheit eines lüsternen Raubvogels, jeden Moment bereit, den kleinsten Anflug von Schwäche zu nutzen, die Klauen in ihre schneeweiße Haut zu schlagen und alles in Blut zu tränken, was ihr lieb und teuer war.
      „Meine treuen Untergebenen haben alles unter Kontrolle“, erwiderte Luzifer mit scharfer Stimme, die er in sein falsches, Freundschaft und Freundlichkeit verheißendes Lächeln gehüllt hatte. Doch die Herzkönigin fraß den Köder nicht, sondern ließ ihren Blick über die beiden Diener des Kardinals schweifen, die sich der Runde angeschlossen hatten.
      „Ahja...eure drei heiligen Erzengel“, säuselte die Herzkönigin mit reservierter Tonlage, während ihre spitze Gabel eine Bohne erdolchte. „Wo befindet sich denn Gabriel? Seine Anwesenheit wusste ich schon immer zu schätzen. Der ‚Hexenhammer’, der so viele dieser ruchlosen Hexenweiber und anderen ungläubigen Bastarden den Scheitel glatt gezogen hat. Ich bin ein wahrer Bewunderer seiner Arbeit“, fuhr sie mit einem spitzbübischen Lächeln in Richtung Raphaela fort, deren stoische Fassade wie poröses Gestein während eines Orkans zu bröckeln begann.
      „Er verhört gerade eine der Schatzjäger“, entgegnete Luzifer nun deutlich unterkühlter. Selbst das flüchtige Zucken des Mundwinkels des Blinden, als Raphaelas Fingerknöchel der geballten Faust weiß hervortraten, entging der Herzkönigin nicht. Doch jene hatte ihre Spitzen bereits erfolgreich ausgeteilt und wandte sich nun wieder mit gekünsteltem Interesse dem Kardinal zu.
      „Die Walküre? Habt ihr schon in Erfahrung gebracht, warum sie uns Tor und Türen geöffnet hat, oder müssen wir es einfach als glückliche Wendung betrachten, dass sie uns Brianna und ihre tollkühnen Begleiter auf dem Silbertablett serviert hat?“
      „Bisher ist sie recht schweigsam, aber du kennst ja die Zähigkeit der Walküren. Das Riesenblut in ihren Adern macht nicht nur ihre Haut so dick wie die eines Elefanten und Muskeln so stark wie die eines Gorillas, sondern auch ihren Kopf so stur wie den eines tollwütigen Ebers“, brummte Luzifer, dem es nicht gefiel, wie es sich die Rothaarige gerade in seinem Meisterwerk breit machte. Eine dicke Bienenkönigin, die es sich wie die Made im Speck in einem fremden Stock gemütlich zu machen schien. Doch er war geduldig. Ließ sie seinen Wein und seinen Nektar schlürfen. Ließ sie sich an der trügerischen Gewissheit laben, dass sie all die Fäden in der Hand hätte, während ihr Schicksal bereits mit Blut besiegelt worden war.
      Lasst uns an der Kommunion teilnehmen und am alten Blut weiden.
      Unser Durst nach Blut ernährt uns, lindert unsere Angst!
      Sucht das alte Blut!
      „Und deine Suche, Luzifer? Ich bin lediglich daran interessiert, dass die vollständige Prophezeiung endgültig ans Tageslicht gerät! Verschwende deine Energie nicht unnötig dafür, den anderen Schatzjägern auf den Zahn zu fühlen...Brianna sollte dein einziges Interesse sein“, flötete die Herzkönigin und offenbarte dabei die erbarmungslosen Reißzähne Viktoria Stuarts, gehüllt in die Seidenschleifen der Rhetorik.
      „Waren es nicht deine Leute, die Medeas Jungen beinahe mit der Prophezeiung und der Grimmerbin davonkommen haben lassen? Von der Intervention des Lords und seiner vier Reiter ganz zu schweigen“, parierte der Kardinal, dessen Gesicht nun nicht einmal mehr den Schein von Freundlichkeit auf den Wangenknochen trugen, sondern sich beide nun mit unverhohlener Abneigung musterten. Die Herzkönigin ignorierte das betrunkene Hicksen Theophilus’, faltete die langgliedrigen Finger und richtete sich auf, beide Ellbogen auf dem weißen Seidenstoff der Tischdecke abgestützt.
      „Und war es nicht der weißhaarige Bastard hier, der uns den gesamten Schlamassel überhaupt erst eingebrockt hat? Der dazu geführt hat, dass Brianna nun wie Sand durch die Schichten dieser Traumwelt rinnt?“
      Die Worte schlugen wie ein explodierender Feuerwerkskörper ein. Raphaela war aufgesprungen, über den halben Tisch gehechtet, dabei wie eine Naturgewalt alles hinabstoßend, was ihr in die Quere kam, bis sie mit der Schnelligkeit eines Gepards das Buttermesser ergriff, welches Marzipan am Goldrand ihres Porzellantellers abgelegt hatte, und es der Herzkönigin mit bebenden Nüstern an die Halsschlagader hielt. Die Panik einer aufgescheuchten Gazellenherde riss die ganze Teeparty auseinander. Während Humpty Dumpty bereits aufgestanden war, um Raphaela den Gar auszumachen, hatte Uriel in seiner stoischen Ruhe seine muskelbepackten Arme um den schlanken Kopf des Hutmachers gelegt, dessen Gesicht nun den gleichen Farbton wie seine schnapsrote Nase annahm. Alice, von dem Aufruhr wie ein flattriges Huhn aufgescheucht, hatte sich mit einem raschen Satz auf die erhöhte Position des nun wild schaukelnden Kristallkronleuchters verzogen, während Marzipan vor Schreck ihr Marmeladenbrot hatte fallen lassen und nun in einer paradoxen Zerreißprobe gefangen war, ob sie dem allgemeinen erstarrten Schrecken beiwohnen oder dem vergeudeten Brot nachtrauern sollte. Raphaela beugte sich derweil nah zu Viktoria herab, sodass ihre Nasenspitzen sich beinahe berührten, aber keine menschliche Wärme breitete sich zwischen den beiden Frauenkörpern aus, deren Busen sich im unterschiedlichen Takt ihrer Herzschläge aneinander schmiegten, sondern reiner, markgefrierender Hass.
      „Soll der Bastard Eurer Hoheit vielleicht einmal zeigen, wozu er sonst noch so fähig ist?“, zischte die Weißhaarige in unkontrollierbarer Wut, doch die Herzkönigin zeigte sich unbeeindruckt, strich ihr die wallende Mähne aus der Stirn und betrachtete fasziniert die verkrustete Narbe mitten auf ihrer Stirn.Die rohe Gewalt eines Verzweifelten hatte tief in die Stirn der Weißhaarigen geschnitten und Dinge herausgeschnitten, die der geweihten Klinge wie Auswüchse eines teuflischen Geschwürs erschienen.
      „So viel Schönheit und dann doch ein so großer Makel, meine Teure. Glaub mir, ich weiß, welches Kreuz du zu tragen hast!“
      „Sie wissen gar nichts!“, fauchte Raphaela, schüttelte sich wieder die Haare vor die Stirn und hob das Messer, doch der schneidende Orkan, manifestiert durch die herrische Stimme Luzifers, ließ sie innehalten.
      „DAS REICHT! Was seid ihr alle nicht für kleingeistige Barbaren“, züngelte er gereizt, ehe er sich wieder in seinen Stuhl sinken ließ. Sein milchig-leerer Blick war jedoch zu den Fenstern geschweift, wo er das ferne Donnergrollen bereits vernahm, bevor die Blitze ihr pulsierendes Narbengeflecht auf die schwarze Wolkenlandschaft zeichneten. Er hörte die Türen auffliegen und Gabriel in seiner glänzenden Rüstung hineinstolpern, noch bevor seine gepanzerte Hand seine Schulter im besorgten Griff berührte; und er kannte die niederschmetternden Neuigkeiten, noch bevor das verheißungsvolle Omen die Lippen des Erzengels überschritten hatte. Mit einer raschen Handbewegung schnitt er ihm noch das Wort ab, bevor er es in seinen Gehirnwindungen zurechtgelegt hatte.
      „Viktoria! Ich würde Ihr Angebot nun doch liebend gerne annehmen. Bemannen Sie den Oberen Kathedralenbezirk und den Zugang aus den unteren Ringen. Sollte es doch jemand wagen, einen Fuß in diese Heilige Stätte zu setzen, lasst ihr Blut in den Straßen fließen!“, befahl er zähneknirschend.
      Ein wenig Speck für meine kleine Made und jetzt lass deine Diener die Drecksarbeit für mich machen, Viktoria!

      ~ Corto Maltese: Der Judasring ~

      Der Gestank fraß sich sogar durch den Stofffetzen, den sie einem der verlorenen Seelen des Hospizes entrissen hatte, und verbrannte ihre Nasehöhlen und trieb ihr die Tränen in die Augen. Die seltsamen Stimmen hatten sich durch das verschnörkelte Labyrinth bis hin zu diesem schauderhaften Ort geführt. Hin zu diesem Ort, der nur von Exkrementen, Ratten und den Überresten der Verdammten bevölkert zu sein schien. Mittlerweile hatten sich ihre meergrauen Augen immerhin an die verzehrende Dunkelheit gewöhnt, die im unterirdischen Geflecht der Stadt das Tageslicht wie ein dunkler Zwilling ersetzte. Brianna machte einen Schritt vorwärts und trat dabei auf etwas Hartes, was knirschend unter ihren Sandalen zerbröselte und ihr undefinierbare Splitter zwischen die Zehen trieb.
      „Keine Sorge, meine Teure. Ungewissheit kann manchmal ein Segen sein“, schallte plötzlich eine Stimme durch den wabernden Dunst der ranzigen Dunkelheit, welche die Rothaarige an Ort und Stelle verwurzelte.
      „Wer...ist da?“, hauchte sie zurück. Eine zarte Blume, die sich der fauligen Natur widersetzen wollte, um im Morast der Leere zu erblühen. Doch die Stimme schwieg, auch wenn sich die Schatzjägerin fast sicher war, dass sie ihren rasselnden Atem hören konnte, der nur wenige Meter entfernt von ihr die vor sich hinsiechende Existenz eines Lebewesens erahnen ließ.
      „Haben Sie mich hierhergeführt? Wo sind meine Freunde?“
      Das krakeelende Kichern zerriss die rasselnde Stille und ließ Brianna instinktiv ein paar Schritte zurückweichen.
      „Du stellst die richtigen Fragen, jedoch zur falschen Zeit, Mädchen“, unterbrach sich die Frau nun selbst in ihrem hustenden Lachanfall und plötzlich erfüllte eine ungeahnte Kraft das röchelnde Etwas. „Du solltest dich lieber fragen, warum du hier bist, und wie ich dir behilflich sein kann, euch alle vor eurem unausweichlichen Tod zu bewahren!“
      Das kurze Aufflackern drei leuchtender Gemmen in der Dunkelheit ermöglichte es Brianna, dass sie ausmachen konnte, wo sich ihre Gesprächspartnerin am Boden zusammengekauert hatte. Drei durchdringende Augen in der Finsternis schienen ihr direkt in die verwirrte und zerklüftete Seele zu blicken, als sie weitersprach.
      „Komm her, mein Kind. Setz dich zu mir und lass mir dir eine Geschichte erzählen und dir erklären, wie du zum Spielball der Triade wurdest, Brianna Emily Grimm!“
      157.Kapitel: Die Triade



      ~ Einige Tage zuvor: Clockwork Orange ~

      Sie hatten die Möbel allesamt so umgestellt, dass die versammelte Truppe, die sich Brianna über die letzten Monate hinweg angeschlossen hatten, gemütlich in Kols großen Appartement Platz nehmen konnten, und nun mit gebannten Augen auf den greisen Wissenschaftler blickten, der mit großen Getöse einen gewaltigen Stapel Aktenordner auf den Glastisch knallen ließ. Aloë, die ihren Kopf dösend auf Briannas Schulter gelegt hatte, fuhr erschrocken in die Höhe.
      „Das sind alles Akten über die Triade?“, runzelte Marc erstaunt die Stirn, dessen Bein noch immer in dicke Bandagen gehüllt war, und welches man auf einem Stapel bunter Kissen hochgelegt hatte.
      „Das ist alles, was ich den letzten Jahrzehnten über diese Organisation zusammentragen konnte“, bestätigte Dädalus seine Frage mit Stolz in der Stimme, der jedoch je verflog, als keiner der Anwesenden die Stapel von Papier angemessen zu würdigen wies. Stattdessen lenkte der Meermann jegliche Aufmerksamkeit auf sich, als er mit lauten Pfeifen die Tür aus massiven Ebenholz öffnete, die in Kols Schlafzimmer führte.
      „Beeindruckend...ist das dein Gemächt, welches da in lasziven Ölfarben auf die Leinwand gezaubert wurde?“, gluckste er zwinkernd und streckte seinen Kopf zurück ins Wohnzimmer, wo Kol bereits mit puterroten Kopf von der pechschwarzen Ledercouch aufgesprungen war, sich das lockige Haar aus dunkelblonden Karamell aus dem Gesicht strich, und zur Tür hechtete.
      „Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen schon!“, konstatierte die grünhaarige Frau, welche ihr Haar zu einem hohen, lockeren Dutt zusammengeknotet hatte, unbekümmert, zog aber erstaunt die Augenbrauen nach oben, als sie einen Blick über die breiten Schultern des Meermannes hinein in das Schlafzimmer und auf das Gemälde des nackten Männerunterkörpers warf. „Da entgeht den Damen der Schöpfung wirklich etwas“, fügte sie mit entzückten Grinsen hinzu, ehe sie die Glastüren des Appartements zur Seite schob, um auf den Balkon in die milde Nachtluft der unterirdischen Stadt zu treten.
      „Lass mich mal sehen!“, kicherte Brianna amüsiert, was ein genervtes Augenrollen Marcs nach sich zog, welches die Rothaarige jedoch gar nicht registrierte. Sie hoffte lediglich nicht, Kyu damit aufzuwecken, der schon vor einer halben Stunde zusammengerollt, den Kopf auf ihren Schoß ruhend, eingeschlafen war. Und so abrupt der kurze Moment der Freude gekommen war, so schnell zog er sich auch wieder in die Schatten der Besorgnis zurück. Als Kaisa auf dem Balkon ihre Zigarette anzündete und mit einem kurzen Funken entflammen ließ, kehrte auch das bläuliche Feuer zurück. Noch immer flackerte es vor ihrem geistigen Auge, wie es Kyu das Gold von der Haut und aus dem Herzen gebrannt hatte. Noch immer schmeckte sie die salzigen Tränen, die sie an seinem Bett vergossen hatte, bis er gestern zum ersten Mal die Augen geöffnet hatte. Die Ereignisse in Clockwork Orange hatten sie alle mit glühenden Stichen einer brennenden Nadel zusammengenäht. Ein Flickenteppich unterschiedlicher Personen, die ein Muster ergaben, welches nicht zusammenpassen wollte und dennoch so strapazierfähig war, als hätte man es aus einem Stück Garn gesponnen.
      „Haben wir uns jetzt alle beruhigt und können uns auf das wirklich Wichtige konzentrieren?“, schnalzte Dädalus mit genervten Tonfall und den Armen zum Oberlehrer verschränkt in Richtung Kol und Drake, die gerade in einer Rangelei über die Schlafzimmertür des Kurators verfangen waren.
      „Sollten wir nicht ohnehin auf Herleif warten?“, warf Brianna fragend ein, während sie mit ansahen, wie Aloë die beiden Raufbolde mit Hilfe ihrer Pflanzen auseinanderzerrte, nicht ohne dabei mit einem flüchtigen Blick in das Schlafzimmer zu linsen und scharlachrot anzulaufen.
      „Die Walküre kümmert sich derweil noch um Micalyçk. Sophie hat ihr eine Formel gegeben, wie sie den flüssigen Seestein mit einem regelmäßigen Aderlass sukzessive aus dem Blut filtern kann. Wir werden sie aufklären, sobald wir morgen in See stechen“, erwiderte der Wissenschaftler, der zufrieden registrierte, dass alle bis auf Kaisa ihm endlich volle Aufmerksamkeit schenkten. Die grünhaarige Agentin hingegen lehnte noch immer über den verschlungenen Eisenstreben des Balkons und blies ihren bläulichen Rauch in eine von blinkenden Lichtern erfüllte Nachtluft Clockwork Oranges. Also hätte sie seinen bohrenden Blick im Rücken gespürt, lies sie ihre Zigarette in die endlosen Tiefen der Stadt fallen, schlüpfte wieder in die Wohnung, nicht ohne dabei den kalten Rauch ins Zimmer zu lassen, zog sich die Lederjacke enger um die weiblichen Kurven und setzte sich auf die Armlehne von Marcs Sessel, dem sie flink das Bier aus der Hand nahm und sich einen kräftigen Schluck gönnte.
      „Wir kennen genau drei führende Mitglieder dieser Organisation“, räusperte sich Dädalus, nun da er die gesamte Aufmerksamkeit der versammelten Mannschaft hatte, kramte in seinen Akten und hielt ein erstes Bild hoch, welches einen Mann mittleren Alters zeigte. Seine Gesichtszüge waren hager, schroffes Gestein zu einem länglichen Felsen gemeißelt, zwei dunkle Onyxe, wo die Augen sein mussten. Den schwarzen Bart zivilisiert und frisiert. „Nikolai, das sogenannte ‚Bärenfell’, Zar von Novogorod. Eine der mächtigsten Monarchien der Neuen Welt, mit einer Garde voller Monster.“
      „Der Bestienchor, nicht wahr?“, warf Kol interessiert ein, der es sich auf einem der Sitzkissen gemütlich gemacht hatte, nachdem er sich mit Brianna beinahe darüber gestritten hatte, dass es ihm als Gastgeber nichts ausmache, auf dem Boden zu sitzen. „Ich habe einmal beruflich in Moskva zu tun gehabt. Faszinierende Stadt, mit einer alten Geschichte, aber raue Sitten. Der Zar ist nicht für seine Zimperlichkeit bekannt.“
      „Ich brauche was stärkeres als das hier“, unterbrach ihn Kaisa abrupt, schwang sich elegant von dem Sessel und schlenderte zur Hausbar, wo sie sich interessiert den Etiketten der verschiedenen Schnapsflaschen widmete, denen sie bereits jetzt mehr Aufmerksamkeit schenkte, als es Kol jemals getan hatte, seit sie in seinen Besitz waren. Dädalus hatte derweil ein neues Foto aus seinem Ordner gekramt und zeigte nun eine Frau, deren Gesicht eingefallen, ihre moosgrünen Augen leer und voller Abscheu waren.
      „Das hier ist Viktoria Stuart, geborene Charlotte, in der Triade auch als ‚Herzkönigin’ bekannt.“
      „Charlotte? So wie die Charlottes? Big Mom-Charlotte?“, keuchte Brianna entsetzt und ihre meergrauen Augen verweilten einen Moment länger auf dem vergilbten Foto der entstellten Frau als ihr angenehm war.
      „Richtig. Allerdings scheinen Linlin und sie keinen Kontakt mehr zu pflegen. Es geht sogar das Gerücht um, dass sie eines ihrer eigenen Kinder darum gebeten hat, ihr die Erinnerung an ihre Schwester zu nehmen, nachdem zwei Untergebene der beiden Schwestern geheiratet haben. Sie ist die Königin von Duchess Court, Kaiserin von Kalkutta und Schutzherrin mehrerer kleinerer und größerer Staaten. Den Großteil ihrer Untergebenen haben wir ja bereits kenngenelernt“, führte Dädalus trocken aus und pinnte das Portrait der Herzkönigin neben die staatliche Fotografie des Zaren. „Damit bleibt uns lediglich eine weitere Person, über die aber kaum etwas bekannt ist:-“.
      „Der Lord“, führte die Rothaarige den Satz für ihren alten Mentor zu Ende und während sie gesprochen hatte, schien ihr ganzer Körper sich zu verkrampfen. Eine nervöse Anspannung durchzog ihren Körper vom Haaransatz bis in die Fußspitzen und sie war sich sicher, dass es nur ein wenig mehr Druck zwischen ihren Handflächen benötigen würde, um die Porzellantasse zu zersplittern, um die sich ihre Fingerspitzen nun klammerten, als wäre es der rettende Anker, der sie im Sturm der letzten Erkenntnisse nicht hinfort reißen ließ.
      „Richtig der Lord“, nickte Dädalus, den sorgenvollen Blick auf Brianna geheftet, die sich von ihm so viel erhoffte, obwohl er ihr in diesem Moment so wenig geben konnte. „Ich weiß einzig und allein, dass er seine Geschäfte stets über seine rechte Hand abwickeln lässt, Katerina Petrova, und dass ihm ein paar der furchteinflößendsten Monster unterstehen, die man kennt.“
      ‚Beelzebub’ Brás...Kopfgeld von 666.000.000 Berry, ‚Wandelnde Seuche’ Leonardo...250.000.000 Berry...“, studierte Salvador mit einem anerkennenden Pfeifen die Liste, welche Dädalus unter das leere Bild des Lords geheftet hatte. „Da hast du dir ja ordentlich Feinde gemacht, Brianna. Hinter ein paar dieser Leute war ich auch vor meiner unfreiwilligen Auszeit bei Doktor Grusel auch schon her, aber gerade diese vier sogenannten Reiter...das sind wirklich Kaliber, die eines Yonkos würdig sind.“
      „Vielleicht solltest du lieber das Kopfgeld für uns drei einstreichen und deiner Wege gehen“, prostete ihm Kaisa mit einem Kristallglas voll schwappender bernsteinfarbener Flüssigkeit zu, wobei sich alle sicher waren, dass dies nicht der erste Drink war, dem sich die Grünhaarige an diesem Abend gegönnt hatte. Ein betretendes Schweigen breitete sich aus, als hätte jemand auf einer Trauerfeier einen schmutzigen Witz erzählt, um die Stimmung zu lockern. Nur Dädalus dunkle Augen ruhten wie ein endlos trauriges Meer auf den kühlen Gesichtszügen der Agentin. Er hatte es vermieden, sie anzusehen, seit dem Vorfall der Frühstücksfeier der Sinclairs. Seit er sie entblößt gesehen hatte, physisch wie psychisch. Denn ihm war bewusst, dass er sie niemals mehr so ansehen konnte wie früher. Doch in diesem Moment trafen sich die Blicke der beiden und die unausgesprochenen Erkenntnisse, dass es zwischen den beiden Streithähnen niemals mehr wie früher sein konnte, trieb ihm die Tränen in die Augen. Er und Kaisa hatten die Erlebnisse unter der Erde zusammengeschweißt, auf eine Art und Weise, die nur der Hammer des Schicksals zu leisten vermochte.
      „Kaisa, wollen wir eine Runde spazieren?“, zerbrach die Stimme der Unschuld den Raum. Kyu war aufgestanden und hatte seine Hand auf die Schulter der Grünhaarigen gelegt, die zusammenzuckte als hätte man ihr ein glühendes Eisen auf die nackte Haut gehalten. Brianna war sich nicht sicher, wann Kyu aufgewacht war, ob vielleicht ihre persönliche Anspannung ihn aus seinem erholsamen Schlaf gerissen hatten. Doch jetzt, wo er so neben Kaisa stand, fiel ihr zum ersten Mal auf, wie erwachsen der Fuchs geworden war. Und zu ihrer großen Überraschung, ließ Kaisa das Glas sinken, nickte stumm und verließ zusammen mit Kyu das Appartement. Der blonde Junge warf der Schatzjägerin einen letzten schwer zu deutenden Blick zu. War es eine Art Versicherung, dass er auf Kaisa aufpassen würde? War es ein Vorwurf, dass sie das Leben aller in diesem Raum in eine Schleife der Zerstörung und des Verlusts getrieben hatte oder war es einfach nur der Blick ihres langjährigen Freundes, der nur getrübt war vom toxischen Gold Narcisse’, welches noch immer durch seine Adern zu pulsieren schien.
      Nachdem sich die Haustür geschlossen hatte, schien sich keine Stille einstellen zu wollen, als Marc und Aloë gleichzeitig das Wort ergriffen.
      „Was ist mit Genevieve? Wie passt sie in das Gefüge?“
      „Was ist mit diesem Kardinalheini aus der Karnevalstadt?“, folgte Marcs tiefe Stimme dem nervösen Flüstern des Engels. Mit einem zufriedenen Lächeln kratzte sich Dädalus an den Schläfen und seufzte.
      „Genevieve...", wandte er sich dem blauhaarigen Engel zu, „ ist eine Untergebene des Lords! Und was Luzifer angeht...wo soll ich da anfangen?", stöhnte Dädalus und begann zu erzählen. Von dem Tag, an der den Jungen in der Stadt der Erleuchteten kennengelernt hatte.

      ~ Traumwelt: Kol und Marc ~

      Der süßliche Geruch nach heißen Schweiß, geschwängert von sexueller Lust schlug ihm in die Nase, als der hochgewachsene Kurator einen Schritt in das pompöse Schlafzimmer tat. Gold, Diamanten und Spiegel verschwammen hier zu einem Kaleidoskop an Reichtum, alles darauf ausgerichtet, um den Besitzer des Raumes in seiner eigenen selbstverliebten Herrlichkeit zu feiern. Der große Spiegel über dem Bett, in dem sich der grauhaarige Mann spätmittleren Alters in seiner nackten Pracht begutachtete, war der buchstäblich krönende Abschluss der Egomanie, welche Kol sogar die Schamesröte des unfreiwilligen Voyeurs auf die hohen Wangenknochen getrieben hätte, wenn der Mann im Eifer der sexuellen Lust seinen wesentlich jüngeren Sexualpartners nicht hart am Haarschopf fasste und aus dem Bereich seines Schambeins zu sich hinauf gezogen hätte, die manikürten Fingernägel dabei Schraubstockartig im Gesäß des Braunhaarigen bohrend, sodass Blut in kleinen Strömen auf die durchgeschwitzten weißen Laken tropfte. Das verkrustete Mahnmal der Sklaven, welches Symbol der Unterdrückung der niedrigen Menschheit als Leibeigene der selbsternannten Götter dieser Welt war, prangte noch in frisch verheilter leuchtender Röte auf seinen Rücken. Doch es waren die tränenerfüllten meergrauen Augen im Unschuld und Qual enthüllendem Spiegelbild, welche Kol zu der markerschütternden Erkenntnis führten.
      „Marc?“, durchbrach die ungläubige Stimme des Voyeurs die intime Stille des entrückenden Stöhnens und in blanker Fassungslosigkeit fuhr der Silberfuchs in die Höhe. Eine armselige Gestalt in einer klapprigen Hülle mit aschfahler Haut, baute er sich auf, Gift und Galle mit Blicken und Worten verteilend wie eine in die Ecke getriebene Kobra.
      „Wer zur Hölle sind Sie? Wie können Sie es wagen in meine Gemächer einzudringen? Dafür werde ich Sie hängen lassen!!“, brüllte er, das Glied vor Lust noch immer pulsierend, und dabei die groteske Situation in das wahre Abziehbild eines Kabaretts verwandelnd.
      „Kol?“, hauchte der braunhaarigen Koch, mit der gleichen Schamesröte auf den Wangen, die auch den dunkelbonden Kurator wie der Morgentau auf den Wangen saß.
      „Stell nicht dumme Fragen! Ergreif ihn! Sklave!“, brüllte der Silberfuchs und trat Marc dabei skrupellos in die Nierengegend, ehe er ihm am schwarzen Explosionsreif um seinen Hals packte und aus dem Bett schleuderte. „SOFORT!“
      Doch in diesem Moment hatte Kol sich bereits wieder ins Gedächtnis gerufen, dass dies hier alles nicht real war. Marc konnte nicht der Sklave eines Himmelsdrachenmenschen sein. Sie waren vor wenigen Stunden noch gemeinsam in der Küche an Bord der Ikarus gesessen, hatten den Kräutertee Herleifs getrunken, den sie zubereitet hatte und über die weiteren Schritte gesprochen, welche sie auf der Suche nach Briannas Tochter unternehmen wollte. Sie konnten nicht in Mary Joa sein und ihm würde auch nichts zustoßen, wenn er das Leben dieses Abschaums beenden würde. Und dieser Erkenntnis folgte das selbstsichere Lächeln des Vigilanten aus Clockwork Orange, des nemëischen Löwens, der wieder in der Lage war, die Schwachen zu schützen und diejenigen zu richten, die Unrecht begangen hatten. Seine Lederhandschuhe schlossen sich um den goldenen Löwenkopf seines Rapiers, dessen glänzende Klinge er gen Silberfuchs richtete. Im Schein der flackernden Kerzen reflektierte die Waffe all den Reichtum, all die Schätze, welchen den Ort wie ein Mahnmal des Unrechts bevölkerten. Kaum mehr als wimmerndes Fragezeichen, was seine stummen Lippen formten, waren die letzten Worte des Himmelsdrachenmenschen, ehe die Klinge des Löwenrapiers ihm die Kehle aufschlitzte und er in die sanften Laken zurückfiel. Sein Blut mischte sich mit dem Blut Marcs, welches sicherlich nicht zum ersten Mal an diesem Abend vergossen wurde. Eingebettet in erkaltenden Schweiß, verklumpenden Bluts und abschwellender Lust entwich dem Himmelsdrachenmenschen jegliches Leben. Doch Kol war bereits in die Hocke gegangen, um den nackten Marc auf die Beine zu helfen.
      „Alles wird gut. Wir finden einen Ausweg“, wollte der Kurator mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen als Worte der Beruhigung seinem Kameraden zu sprechen, während er sich eine der leichten, karamellblonden Locken aus dem Gesicht streifte. Doch da preschte bereits der rechte Haken des mechanischen Arms auf sein Kinn zu. Die Wucht des Angriffs verpuffte zwar, als Kol sich reflexartig in die erhärtete Harzform seiner Logiafrucht verwandelte, jedoch blickte er fassungslos auf den Koch der Schatzjäger hinab.
      „Was zur Hölle?!“
      „Na?! Hat dir die Show gefallen? Hast du dich richtig schon dran aufgegeilt, du alte Schwuchtel?“, zischte Marc, der aufgesprungen war und mit hasserfüllten Blick Kol hinabblickte, dessen bernsteinfarbenes Harz allmählich wieder menschlichem Fleisch und Blut wich. Mitleid, Fassungslosigkeit, Zorn und ernsthafte Scham stiegen in einem schwindelerregenden Cocktail in ihm auf und er wusste nicht, wo er hinblicken sollte, um die angespannte Situation zu entschärfen.
      „I-ich...es tut mir Leid“, erwiderte er knapp, griff zu seinem Rapier und drehte Marc den Rücken zu. „Such dir deine Sachen und dann werde ich dir diesen lästigen Halsring abnehmen. Wir müssen hier verschwinden!“
      „Und wie sollen wir das anstellen? Wir sind hier mitten in Mary Joa!“, fauchte Marc im sarkastischen Tonfall. „ Du glaubst nicht wirklich, dass sie uns einfach so hierausspazieren lassen, nachdem du hinrissigerweise einen der ihren umgebracht hast!“
      Die lindgrünen Augen Kols musterten Marc nun voller Mitgefühl. Verschwunden war der aufbrausende Mann, ausgeblendet die Tatsache, dass er nackt vor ihm stand.
      „Du weißt es noch gar nicht? Marc nichts von dem allen hier ist real. Das ist alles nur ein Traum!“

      ~ Traumwelt: Eiswüste~

      Aloë streckte die Arme in die Luft und ihren Bewegungen folgten mehrere Ranken, die sich im tollen Liebesspiel umeinanderschlangen, ehe sich die Rinde wie ein Kokon der ewigen Zuneigung um sie bildete, breit die Liebenden auf ewig im schützenden Mantel aus faserigen Holz zu bewahren. Das Fingerschnippen des blauhaarigen Engels ließ just zwei Dutzend seidendünne Fäden nach unten wachsen, die sich fest im Boden verankerten, ehe ein Ast der leichten Handbewegung Aloës folgend die blättrigen Finger an die Saiten legten und das Harfenspiel des ungewöhnlichen Musikinstruments die Nachtluft zerriss.
      „Eine wahrlich begabte Teufelskraftnutzerin bist du, aber was soll dir der zarte Klang der Unschuld in Mitten der umschlingenden Nacht bringen, Kindchen?“, zeterte die Frau, welche sie einen Moment zuvor angefallen hatte, ohne dass Aloë einen blassen Schimmer hatte, wo sie sich versteckt hatte.
      „Verrät ein Kartenspieler beim ersten Zweifel seine Kartentricks?“, erwiderte Aloë kühn, die nicht nur nach der fremden Frau, sondern auch dem kleinen Mädchen Ausschau hielt, welches in ihren Armen gekauert war. Sie schwebte mittlerweile im Meer aus Finsternis, welches nur von lodernden Flammen in der Ferne – offensichtlich Ursache für Asche und dem Gestank verpesteter Luft – durchzogen wurde. Ein einsamer Fischschwarm auf der Suche nach Leben und Frieden umzingelte den Engel nun, tarnte die fremde Frau, die der Schlüssel zu ihrer Freundin zu sein schien.
      „Kaisa?!! Ich bins Aloë!“, versuchte sie erneut ihr Glück und nur das krähenhafte Lachen der Frau antwortete auf ihr Suchen, weiterhin getarnt im Federkleid der Finsternis.
      „Was willst du von dem Mädchen? Bist du eines dieser verkorksten revolutionären Bauernkinder oder gar von fürstlichen Geblüt? Oder noch schlimmer...bist du von der Weltregierung entstand worden, um eines der neunundvierzig Kinder an dich zu nehmen?“
      „Was zur Hölle?“, keuchte der Engel genervt, die keinen blassen Schimmer hatte, wovon die Frau sprach. „Ich bin Aloë Lebonair und ich will einfach nur meine Freundin zurück! Wir gehören nicht hier her!“, wollte sie gerade ausführen, aber da spielte die Harfe dunkle Töne an, und warnte sie vor einer Salve Dolche, die wie Pfeifle auf sie zugeflogen kamen. Mit einem akrobatischen Salto in der Luft, wich sie den Geschossen aus, und erhaschte endlich einen Blick auf die Frau in Schwarz. Auf den Kopf trug sie einen ausladenden Spitzhut, auf ihren Schultern ruhte tatsächlich ein rabenschwarzer Mantel aus hunderten einzelner Krähenfedern zu einem bizarren Kleidungsstück zusammengenäht, doch ihr Gesicht war ein einziger dunkler Schlund, kaschiert von einem finsteren Spitzenschleier.
      „Du solltest nicht so gesprächig sein!“, brummte eine tiefe Stimme in Aloës Ohren, die ohne Vorwarnung ihrer Harfe hinter ihr aufgetaucht war. Sie hatte plötzlich das Gefühl, als würde ein unsichtbarer Haken sie an ihrem Bauchnabel nach hinten ziehen und als sie gemerkt hatte, dass tatsächlich etwas oder jemand, die Luft wie ein Staubsauger anzog, war es schon zu spät. Die gebündelte Luftmasse traf sie mitten am Rückgrat und drückte sie mit der Gewalt eines Elefantenrüssels in den gefrorenen Taigaboden. Sie hörte das Splittern von Knochen, noch ehe sie es fühlte, während sie weiter in das Erdreich gepresst wurde. Die Druckwelle scheuchte den gefrorenen Schnee, der sich wie ein tatzenförmiger Wall um ihren zierlichen Körper auftürmte.
      „Ich hatte deine Hilfe gar nicht nötig“, rollte die Frau theatralisch mit den Augen und presste das schlafende grünhaarige Mädchen fester an sich.
      „Geht es ihr gut?“, brummte der Hüne monoton und strich sie braunen Lederhandschuhe wieder über die gewaltigen Pranken.
      „Dem Mädchen ist nichts passiert. Wir können froh sein, dass sie den Aufstand überhaupt überlebt hat. Das kann man von ihrer Familie nicht behaupten“, erwiderte die Frau mit besorgten Tonfall und strich der schlafenden Kaisa eine Strähne aus der Stirn, ehe sie auf den Schneewallstieg und Aloë betrachtete, die dort regungslos wie in einem provisorischen Grab verharrte. „Was machen wir mit ihr,Kuma?“
      „Ich werde sie fortschicken. Wir können dieser Tage niemanden vertrauen!“, konstatierte er, beugte den massigen Körper zu dem blauhaarigen Engel hinab, um sie auf eine weite Reise zu schicken, doch auf diesen Moment hatte Aloë gewartet und riss die bernsteinfarbenen Augen auf. Ein lauter Piff ihrer vollen Lippen, ließ die Pflanzenharfe zu einer gewaltigen Symphonie anschwellen, deren Komponistin sich wie eine Marionette aus ihrem Tatzengrab erhob. Sie riss die linke Hand in die Höhe und mit einem zufriedenen Lächeln bemerkte sie, wie sich die beiden Fremden ihr eigenes Grab geschaufelt hatten, als sich der Wall aus Schnee, den der Angriff des Hünen zuvor aufgeschüttet hatte, nun senkrecht in die Höhe schnellte. Der pulverisierte Schnee verfestigte sich noch in der Bewegung zu einer gewaltigen Hand, die nicht nur den Mann, sondern auch die Frau unvorbereitet traf und hinfort schleuderte. Mit der anderen freien Hand, an der das silberne Bettelarmband klimperte, formten die Samenkörner, die dort in den einzelnen Gliedern lagerten, eine Peitsche, die mit der Präzision eines Raubtiers auf die Frau zuflogen, sich um den winzigen Körper des schlafenden Mädchens fesselten und jene in Aloës Arme trugen.
      „Dann wollen wir mal schauen, wie wir aus diesem Albtraum entkommen können, meine Kleine!“

      ~ Einige Tage zuvor: Clockwork Orange ~

      Dädalus stand mit geschlossenen Augen auf dem Balkon und versuchte seine Gedanken zu sammeln, als die Glastür zum Balkon aufgeschoben wurde und eine Person zu ihm in die stickige Nachtluft der unterirdischen Stadt stieg.
      „Ich sehe, dass du noch am Leben bist“, flüsterte Kaisa, die sich neben ihn gestellt hatte und ihren bläulichen Zigarettendunst zwischen ihren Lippen entweichen ließ. „Das heißt, du hast Brianna nicht die ganze Wahrheit erzählt?“
      Auch wenn Dädalus wusste, dass dies eine rhetorische Frage war, schüttelte er den Kopf und Schlug die geröteten schwarzen Augen auf. Die kleinen verzweigten Äderchen umzingelten seine Iris wie ein Schwarm gefräßiger Haie.
      „Hältst du mich deswegen für einen schlechten Menschen? Bin ich wirklich so verachtenswert, wie ich mich gerade fühle, auch wenn ich weiß, dass die Wahrheit sie zerbrechen würde?“
      „Wer bin ich über Richtig und Falsch zu urteilen?“, seufzte die Grünhaarige und strich sich die limettengrünen Haare aus dem Gesicht. „Haben wir nicht alle Geheimnisse, die uns und diejenigen, die wir lieben, verzehren könnten?“
      „Wirst du es ihnen verraten?“, wandte sich der Wissenschaftler nun zum ersten Mal direkt an die Grünhaarige und blickte sie mit seinen verquollenen Augen direkt an. Die wenigen Sekunden, welche die Agentin benötigte, um deutlich mit dem Kopf zu schütteln, kamen Dädalus vor wie eine Ewigkeit, die von einer Lawine der Erleichterung abgelöst wurde; auch wenn er sich nicht wirklich besser fühlte.
      „Du hat ihnen auch nicht verraten, was du auf Clockwork Orange erfahren und gesehen hast“, flüsterte sie beinahe liebevoll und war wohl das ehrlichste von Kaisa, was Dädalus in all den Monaten gehört hatte, seit er sie kennengelernt hatte. „Doch eines solltest du wissen. Brianna ist stärker als du denkst, gerade weil sie bereits zerbrochen ist. Vergiss das niemals!“

      ~ Der Judasring ~

      Das gewaltige Donnern ließ erneut die Erde erbeben und ein Nieselregen aus Schutt, Asche und Rattenkot regnete auf die beiden Frauen danieder, die sich in der flackernden Finsternis gegenüberstanden. Brianna als rothaarige Schönheit, aus der Vorhölle in das Inferno der Finsternis hinabgestiegen, stand nun der kauernden Frau gegenüber, welche ihr soeben Antworten auf Fragen versprochen hatte, die sie schon seit Monaten und vielleicht sogar Jahren wachgehalten hatten. Doch konnte sie der Frau trauen? Konnte sie dem Geschöpf aus zersplitterten Knochen und faulendem Fleisch trauen, der in Ketten an die modrigen Wände in die Verließe unter Stadt gefesselt wurden? Ein Tier, gezähmt in Exkrementen der Menschheit. Wer tat einen Menschen so etwas an? Wer hatte solch ein Schicksal verdient? Das zahnlose Lächeln der Frau, die sich mittlerweile als Sybill vorgestellt hatte, weckte Mitleid und Abscheu zugleich, als sie die hübsche Rothaarige zu sich winkte.
      „Hab keine falsche Scheu, mein Kind. Ich weiß, dass diese Hülle nicht das ist, was du dir vorgestellt hast, aber ich bin nicht mehr als Geist. Geschlagen und körperlos. Gekettet an den abscheulichen Verstand eines Mannes, der meinen Tod möchte!“
      „Wie meinen Sie das? Sie sind nur ein Geist? Aber ich sehe doch..“
      „..Fleisch und Blut?“, krächzte Sybill ihr geschwürverzerrtes Lachen und hob die mit Eiter und Pest übersäten sowie verkrüppelten Hände und rasselte dabei wie ein Poltergeist mit den schweren Eisenfesseln. „Als das“, fuhr sie fort, breitete die Arme aus, fuhr mit den Fingern durch Kot und Abwasser, Ziegelstein, Schimmel und verfaulende Kadaver. „Ist nicht real. Das alles ist nur eine Illusion. Geschaffen aus den gesammelten Albträumen der Menschheit, geschmiedet mit dem Wahnsinn Luzifers!“
      „Luzifer?!“, formte sich die Frage in Briannas Kopf, doch während sie dem Namen aussprach, übermannte sie erneut die Flut an Bildern. Die brennende Kathedrale auf San Fardo, die geblendete Schlange und die zahlreichen Notizen Dädalus’. Neugierig wie ein Theaterstück folgte Sybill mit irrem, beinahe kleinkindlichen Lächeln dem Erkenntnisgewinn der Schätzjägerin, deren Verwirrung und Verständnis wie ein antikes Theaterstück von Sekunde zu Sekunde in ihr Gesicht gemeißelt wurde.
      „Das alles ist nur ein Traum? Aber es ist...“
      „...so real? Aber mein Kind, du hast doch gesehen, was die Emotionsfrucht für eine Macht hatte.“
      Ich bin Wut. Ich bin Hoffnung. Ich bin Trauer. Ich bin Angst. Ich bin Freude. Ich bin die Kraft, die dich zu Hochformen treibt oder dich in entsetzliche Verzweiflung treiben kann, die deine Seele noch nicht erkundet hat. Was willst du also gegen mich tun, Brianna Emily Grimm?“, flüsterte die Rothaarige die Worte vor sich her, die Luzifer ihr bei ihrer ersten Begegnung verraten hatte, wobei Sybill nur energisch nickte und den Drang unterdrücken musste, nicht vor lauter perfiden Wahnsinn zu applaudieren.
      „Luzifer ist der Architekt dieses Albtraums und wenn du mir nicht diese Ketten abnimmst, wirst du dem Wahnsinn niemals entkommen, mein Kind!“, zischte die Hexe nun mit beinahe bedrohlichen Tonfall und war soweit vorgerobbt, wie es ihre stählernen Ketten zuließen.
      „Wollten Sie mir nicht erst etwas über die Triade verraten?“, erwiderte Brianna zögerlich, die instinktiv ein paar Schritte zurückgewichen war, und am liebsten ganz umgedreht wurde, als sich Sybill stöhnend die wenigen silbernen Haare aus der schimmelüberwucherten Kopfhaut zog und sich wie bei einem Krampfanfall auf den Boden krümmte.
      „Du willst es nicht verstehen, oder?! Luzifer...diese Welt...sie sind alle der Schlüssel, um deine Tochter zu finden, du naives Kind!“, krächzte die Hexe Blut spuckend und während sie sich aufrichte, den zerfetzten Stofflumpen, den sie sich als Kleid um den Körper gewickelt hatte, mehr schlecht als recht über die verschrumpelten Nippel ziehend, blickte sie Brianna durchdringend an. Ihr Stimme wurde schlagartig ruhiger, weniger bedrohlich und sofort hatte die Rothaarige wieder das Gefühl, nicht nur mit einer geistig gesunden, sogar einer sehr weisen Person zu sprechen.
      „Wenn du mir nicht meinetwegen helfen möchtest, einverstanden! Aber ich bin die einzige Rettung, welche Dädalus, Kyu und die anderen noch haben, seit du den ersten Wirt des Albtaums getötet hast!“
      158.Kapitel: Der Wirt des Albtraums


      Rotes Wasser tropfte wie Wein in den rostigen Blecheimer zu ihren Füßen. Den abgeplatzten Mund gierig aufgerissen, verschlang er jeden einzelnen kostbaren Tropfen des dickflüssigen Lebenselixiers, welches der Hüne aus ihr herausgepresst hatte, als wäre sie eine überreife Zitrone, deren bittersüßer Nektar dem orthodoxen Gourmet des Herren als Ambrosia der Götter auf den Lippen zerging.
      »Entschuldige bitte, dass wir vorhin gestört wurden«, sprach die Unschuld eines Lammes, das die Wolfszähne so erfolgreich verstecken konnte wie ein Jugendlicher seine erste Erektion im Angesicht der ersten verführerischen, weiblichen Brustwarzen, die seine Augen zu Gesicht bekamen. Mit der Behutsamkeit eines Metzgers stellte der Mann die Fesseln der jungen Frau enger, die in der zusammengekauerten Pose eines verkümmerten Embryos an das goldene Kreuz gefesselt war. Kaltes Eisen schnitt ihr in die schneeweiße Haut zarten Alabasters und tränenzersetztes Leder zerfetzte ihr die Mundwinkel. Doch all dies waren keine Schmerzen im Vergleich zu den höhnisch geflüsterten Versprechen der Utensilien, welche die edle Holztäfelung des Geistlichen beherbergte, und über die er in väterlicher Liebkosung nun die rauen Fingerkuppen gleiten ließ.
      »Du hältst mehr aus, als ich für möglich gehalten hatte«, schnalzte der Hüne anerkennend und strich sich die weiße Lederschürze glatt, die er um seine breiten, muskulösen Hüften schlang. »Normalerweise zerbrecht ihr unsäglichen Weibsbilder bereits beim Anblick dieser Wand wie morsches Holz, zittert wie Espenlaub und verfallt in den blökenden Singsang der ketzerischen Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank, dabei giftige Versprechungen von Läuterung in mein Ohr flüsternd. Doch nicht du«, säuselte er und packte die Frau kräftig am Kiefer, sodass er sie zwingen konnte, ihm direkt in die rötlichen Augen zu blicken, welche über die Jahre und mit jedem vergossenen Tropfen Blut in den verwaisten Katakomben des Kathedralenbezirks dunkler geworden sein mussten. »Du trägst das Heidenblut der Walküren in dir, du dreckiges Weibsbild. Eure Haut mag durch den animalischen Verkehr mit den Riesen der eines Elefanten gleichen, doch in letzter Konsequenz seid ihr durch die paganen Bräuche, denen ihr in ekstatischer Beschwörung eurer Urmutter folgt, bis in den Kern verdorben. Euer Seelenheil direkt an den Teufel verschachert. Umso passender, dass ihr einer Frau frönt, dem wertlosen Geschöpf, geformt aus dem überlegenen Körper des Mannes. Wohin soll euch diese Verehrung nur bringen?«
      Herleif hatte schon lange aufgegeben, den schwafelnden Worten des Mannes zu folgen, der sich ihr in den ersten Minuten dieses Albtraums als der Oberste Inquisitor Corto Malteses vorgestellt hatte. Sie schloss die Augen, versuchte, sich in die Nadelwälder Walhallas zurückzuziehen. Versuchte, Frieden in der Heimat zu suchen, in der es noch nie Frieden gegeben hatte. Wenn sie etwas auf diesen Tag und die Schmerzen vorbereitet hätte, die sie heute erleben sollte, dann wohl ihre Kindheit in den Gestaden der rastlosen Nebelinsel. Er präsentierte ihr das metallene Blumenbouquet ausgeklügelter Folterkunst wie ein Präsent, welches er nach sorgfältiger Überlegung nur für sie ausgesucht hatte, vertrieb den Nebel damit und holte sie zurück in die staubigen Katakomben des lebendigen Albtraums. Die präsentierte Beinschraube bestand lediglich aus zwei Eisenplatten.
      »Ich werde dir diese nun um den Unterschenkel legen und dann mit Hilfe seitlich angebrachter Gewindestäbe zusammenpressen«, fing Gabriel in fachmännischer Art und Weise an zu erklären, während er die Apparatur, welche er selbst als Eisernen Stiefel des Prometheus bezeichnete, in allen Einzelheiten der zitternden Walküre präsentierte. »Die besondere potentielle Schmerzhaftigkeit beruht auf der anatomisch sehr oberflächennahen Lage des Schienbeins an der Unterschenkelvorderseite und des Wadenbeins«, setzte er seine Ausführungen fort und berührte sogar die Stellen an Herleifs weißen, entblößten Schenkeln, ehe er mit nachdenklicher Miene fortfuhr. »Die äußerst schmerzempfindliche Knochenhaut und die ausgeprägten Weichteilschichten zwischen der Haut und den knöchernen Strukturen werden durch den Eisernen Stiefel besonders in Mitleidenschaft gezogen!«
      Der kalte Schweiß, der Herleif die zusammengeflochtenen rosafarbenen Haare an die nackte Haut klebte, wich dem glühend heißen Ausdünstungen perfider Vorfreude, als sich Gabriel zu ihr hinabbeugte und ihr unsanft den Knebel aus dem Gesicht riss. Die modrige Luft des Kellergewölbes zog wie ein stechender Wespenschwarm in die aufgerissenen Wunden an den Mundwinkeln und der Mann mit den dichten braunen Haar und den blutroten Augen schmunzelte sie mit unverhohlener Genugtuung an.
      »Ich möchte dir ja nicht die Möglichkeit nehmen, mir die Antworten zu geben, die ich verlange!«, begründete der Inquisitor der südländischen Stadt, ohne ernsthaft zu erwarten, dass er die Walküre tatsächlich noch die erwünschten Antworten entlocken konnte. Bereits die letzten Sitzungen, seit sie sicher waren, dass man die Schatzjäger durch die Kräuter der Walküre in einen tiefen Schlummer versetzt hatte, konnten keine Ergebnisse zu Tage fördern. Luzifer musste wohl akzeptieren, dass die Motive der abartigen Heidin unter ihren Schreien begraben werden und durch ihr eigenes Blut fortgespült werden würden.
      »E-e-eine Sache...gäbe es da scho-on noch, die ich gerne sagen würde«, keuchte die Frau mit den durchbohrenden silbernen Augen und sah mit Genugtuung, dass sie Gabriel damit ein Stirnrunzeln auf die gebräunte Haut gezaubert hatte.
      »Nur zu. Ich bin kein Unmensch und werde Gnade vor Recht walten lassen, wie es mir mein Glaube gebietet!“
      „Den ganzen Stuss...und damit meine ich jetzt nicht dieses religiöse Palaver«, präzisierte Herleif mit trockenem Tonfall und bissigem Unterton, der jeden Schmerz hinter der kühlen Fassade des Nordwinds kaschierte, »Ich meine damit explizit diesen technischen und medizinischen Firlefanz. Wie lange hat dein Spatzenhirn gebraucht, um den Schwachsinn auswendig zu lernen?!«.
      Doch die letzten Worte gingen bereits in einem zermürbenden Aufschrei der Walküre unter, denn Gabriels Stirnrunzeln war dicken Adern pulsierender Wut gewichen, die sich durch seinen ganzen Körper schlichen, bis hin zu den kräftigen Fingern, die den Schreibstock immer enger drehten, um das Schienbein der Frau zu zertrümmern. Dabei flüsterte er immer wieder im manischen Zwang ein Gewirr aus sinnfreien Wörtern. Ein Strudel aus Schreien, Blut und Wörtern erfüllte die Katakomben.
      Michel...mein Vater....ich lasse nicht zu, dass dein Wissen und dein Vermächtnis in den Dreck gezogen werden.

      ~ Der Judasring ~

      Vor ihren Augen ruhte die wahre Königin der Dunkelheit. Ein Nachtschattengewächs, welches ihre Krone aus gefräßigen Schmeißfliegen trug wie die edelsten Diamanten, die Brianna jemals gesehen hatte. Ihre knochigen Schultern bedeckte der Nerzmantel aus Kot und Urin, während die fürstlichen Opfergaben sich hübsch verpackt in Rattenknochen und verfaulenden Muskelsträngen zu ihren Füßen ausbreiteten.
      »Den...Wirt...getötet? Wovon sprichst du da?«, sprach die verstörende Ungewissheit aus ihren vollen Lippen, während sich die schleichende Erkenntnis ihren zerstörerischen Weg bereits bahnte, um mit blutiger Überraschung durch die Oberfläche zu stoßen. Sybill hatte die Rothaarige derart irritiert, dass ihr nicht einmal aufgefallen war, dass sie die fremde Frau auf einmal duzte. Doch die Königin alles Verderbenden hob nur den Kopf, das Gesicht zu einer grotesken Silhouette verhärtet, die ein einzelnes, in der diffusen Dunkelheit schwach angedeutetes Lächeln präsentierte, welches für Brianna unmöglich zu deuten war. Spott, Hohn, Verzweiflung, Angst, Gewissheit, Mitleid oder gar Bewunderung? Sybill schien sich mit jedem schwachen Lichteinfall in der umfassenden Dunkelheit zu verändern, jede Bewegung verwandelte sie in einen anderen Menschen, ungreifbar wie Nebel, der zwischen den zierlichen Fingern der Schatzjägerin einfach nur zerfließen musste. Eine undefinierbare Masse aus Fleisch und Blut, geschlagen in eine Hülle aus siechendem Fleisch, gekettet an die Grundmauern einer Stadt, die Brianna unerklärlicherweise fremd und vertraut zugleich war.
      »Du....meinst...die Schwester....wie war ihr Name? Th-the-eresa?«, stammelte die Rothaarige, die Gewissheit in ihrem Schädel klatschte die verschmierten Hände euphorisch aneinander, während der rostige Geruch des mittlerweile erkalteten Bluts wieder in Briannas Nase stieg. Das weiße Spitzenkleid, welches sich mit dem dickflüssigen Lebenssaft ihrer Widersacherin vollgesogen hatte, wog auf einmal zentnerschwer und drohte sie tief in den bestialisch stinkenden Morast der Erde zu ziehen, um sie unter dem buchstäblichen Abfall der Welt zu begraben. »Doch wenn das nur ein Traum ist...wie kann ich sie dann getötet haben?«.
      Die Frage verwandelte das Wechselbalg der Emotionen in ein klares Lächeln der Anerkennung, offenbarte das zahnlose Lächeln Sybills, deren Stimme weiterhin den erhabenen Tonfall unendlicher Weisheit in sich trug.
      »Luzifer ist ein menschlicher Traumfänger, mein Kind!«
      »Aber hat er nicht von der Emotionsfrucht gegessen?«
      »Und was glaubst du denn, wo wir all unsere Erlebnisse, all unsere Höhen und Tiefen, die wir in unserer menschlichen Hülle täglich auf dem Flussbett der Emotionen passieren, letztendlich verarbeiten? Unsere Träume flicken die klaffenden Wunden, welche unsere Gefühle jeden einzelnen gottverdammten Tag auf dieser Erde in unsere Seele schlagen; und dieses Narbengewebe ist die Leibspeise des irren Blinden. Er nährt sich daran und konstruiert aus diesen Eindrücken ganze Welten....so wie diese hier«, seufzte Sybill und ging in die Hocke, um erneut eine der Ratten zu ergreifen, die sich in naiver Hoffnung am offenen Zehenfleisch der Greisin mit vergilbten Zähnen zu schaffen machten. »Was hier real ist und was nicht, kann wohl niemand sagen. Aber Fakt ist, dass Luzifer diese Traumwelt, sein Meisterwerk, aus den Köpfen dreier Wirte heraus konstruiert hat.«
      Fasziniert von der Schönheit offen gelebter Brutalität, sah Brianna mit an, wie sie dem Nager beinahe mühelos den Kopf vom Körper riss und dabei wie eine Lehrerin den Zeigefinger hob, um ihre Aufzählung zu beginnen. »Der erste Wirt ist natürlich er selbst, sonst könnte er sich hier nicht frei bewegen. Er selber ist in dieser Stadt groß geworden und so sind seine Erinnerungen, sein Narbengewebe das Reinste, welches er finden konnte. Nummer zwei..«, fuhr sie unbeeindruckt fort, als sie ihre verknorpelten Finger durch das Bauchfell des enthaupteten Tiers bohrte, um seinen zierlichen Körper zu zerteilen, sodass Blut und Gedärme wie eine grotsekte Dusche auf das lichte Haupt Sybills regneten, »....ist natürlich seine Schwester, Theresa, deren Leben du soeben erneut beendet hast! Und auch den dritten Wirt des Albtraums hast du bereits kennengelernt«, schmunzelte sie und hielt Brianna den dritten Teil der Ratte hin, wie ein Kind einem anderen Mädchen einen Strauß frisch gepflückter Maiblumen entgegenstreckt, um die Freundschaft zu besiegeln, die aus Unschuld und naivem Vertrauen geboren war. Doch die Rothaarige regte keinen Muskel. Schauer und Ekel verbanden sich mit purer Faszination für die Irre im Kellerverließ einer Stadt, in der einer ihrer Erzfeinde wie ein selbsternannter Gott in einem Palast aus vernarbten Emotionen hauste. Unbeeindruckt ließ die Grauhaarige den zerteilten Kadaver auf den Boden klatschen, strich sich die blutverschmierten Hände an dem Lumpen ab, der ihren Körper umhüllte, und fuhr mit ihren Ausführungen fort. »Es ist der kleine Junge, dem du in der grenzenlosen Naivität dein Leben anvertraut hast. Der Junge, dem du dich verschrieben hast, ohne sein dunkles und abartiges Geheimnis zu kennen, meine Treue! Der Junge, der der Schlüssel zu dem sein könnte, was dein Herz am meisten begehrt! Kraha~lele!«
      »Shmuel?«, echote der Name aus ihrem Mund und mit ihm Rissen Dämme der Erinnerung, die nur wenige Minuten zurücklagen und ihr dennoch vorkamen, als hätten sie sich in einem anderen Zeitalter ereignet. Sybills Mundwinkel verzogen sich zu einem grotesken Grinsen und ihr ganzer Körper zuckte voller Ekstase, bereit, ihren größten Trumpf auszuspielen.
      »Ich kenne ihn unter einem anderen Namen...er...ist...der Lord
      Als würde eine kleine Nadel ihr Herz punktieren, breitete sich ein Stechen in Briannas Brust aus, das ihr jegliche Luft zum Atmen stahl. So wie die Horde des Lords ihre Tochter an jenem verfluchten Mittsommertag gestohlen hatte. Als seine Schergen ihr das kostbarste raubten, was sie je in ihrem Leben besessen hatte, und sie damit zu einem Leben verdammt hatten, in der es ihre traurige Aufgabe war, anderen Menschen kostbare Dinge zu stehlen.
      »Wir sind Fleisch und Blut, Seele und Geist in dieser Welt....so flüchtig wie die Geister in der Natur, so echt wie die Gezeiten und so verwundbar wie morsches Gehölz. Die Nacht wurde erfunden, damit wir uns Stück für Stück an die Dunkelheit gewöhnen. Der Schlaf wurde erfunden, damit wir uns Nacht für Nacht an den Tod gewöhnen. Und nichts anderes tun wir gerade. Wir alle schlummern in einem Schlaf, aus dem es nur einen Erwachen gibt! Und zwar den TOD!«, brach die krächzende Stimme aus der Frau heraus und die steinerne Fassade der undeutbaren Sybill bröckelte, als sich das glimmernde dritte Auge auf ihrer Stirn öffnete und Brianna nun mit der Schärfe eines brutalen Raubvogels ins Visier nahm. Pulsierend glühendes Rot umgab ihre schwarze Pupille wie ein Lavastrom, in denen die zitternde Schatzjägerin die Absicht erkannte, die gesamte Stadt, wenn nicht sogar die ganze Welt brennen zu sehen. Sie wollte zurückweichen, doch sie konnte nicht. Der Blick Sybills impfte den lähmenden Horror direkt in ihre Seele, verwurzelte sie an Ort und Stelle, während ihre feuchte Zunge über ihre verkrusteten Lippen fuhr, ehe sie einen Schritt vor den anderen setzte, um sich Brianna zu nähern. Ihre Ketten schienen ins Unendliche zu wachsen, oder die Rothaarige hatte ihre Länge einfach unterschätzt, denn die fauligen Hände Sybills berührten nun ihre schneeweißen Wangenknochen und ihre drei Augen fixierten sie weiterhin wie eine Beute, deren Ende bereits besiegelt war. Unfähig zu sprechen, unfähig zu schreien, musste die Schatzjägerin mitansehen, wie sich das entstellte Gesicht der Hexe zu ihr herunterbeugte und ihre eiterbeulenübersäte Zunge ihren Hals entlang leckte bis es ihre Ohrmuschel erreichte. Doch keine pechschwarzen Zähne nagten am weichen Fleisch ihrer Ohren, sondern nur der giftige Atem einer Wahnsinnigen voll geflüsterten Irrsinns waberte in ihren Gehörgang.
      »Töte Luzifer für mich! Töte ihn und du wirst den Lord mit in den Schatten stürzen. Ich verspreche es dir, meine Teure! Widersetze dich mir und ich werde dich und deine Freunde niemals aus dieser Hölle entkommen lassen. Ihr werdet voller Verzweiflung und voller Pein dem Wahnsinn anheimfallen, denn glaube mir...Luzifer mag vielleicht der Architekt dieses Albtraums sein, aber ich bin seine Königin, und habe hier mehr Verbündete, als du vielleicht glauben magst. Die Wahl liegt bei dir...aber die Zeit rinnt wie Sand durch deine machtlosen Finger, seit du Theresa und damit unwissentlich die erste tragende Wand dieses Albtraums zerstört hast. Sieh das folgende als ein Zeichen meines guten Willens an. Doch sei dir bewusst, dass dies das letzte Geschenk war, das ich dir bereite, Brianna Emily Grimm...und nun wähle weise! Kraha~lele!«, zischte sie, steckte noch einmal im wahnsinnigen Lachen verfallen, die pulsierende Zunge tief in Ohr, ehe sie sich theatralisch zu Boden warf. Als sie ihr Haupt wieder hob, war das dritte Augen wieder nahtlos unter den Falten ihrer Stirn vergaben und die verrottete Zerstörung war der naiven Unschuld in ihren Augen gewichen. Ein Schachzug, den Brianna erst verstehen sollte, als eine pfeifende, unbekümmerte Gestalt um die Ecke bog und mit einen breiten Grinsen die beiden Frauen entdeckte.
      »Brianna? Scheiße bin ich froh, dass ich dich gefunden habe!«, strahlte der Meermann über beide Augen und seine fröhliche Erscheinung schien der Rothaarigen so surreal, als hätte sie gerade ihre verstorbenen Eltern wieder erblickt. Mit einem besorgten Stirnrunzeln wanderten seine himmelblauen Augen zu der kauernden Gestalt am Boden. »Wer ist das?«
      Die Rothaarige zwang sich zu einem aufrichtigen Lächeln, dessen geschauspielerte Falschheit Tageslicht wohl zu jedem Zeitpunkt entlarvt hätte, aber die verkrüppelten Knorpelfinger hatten sich wie eine Schlange unmerklich durch Scheiße, Urin und Blut gewühlt und umklammerten nun das Bein der Schatzjägerin.
      »Das ist Sybill! Sie ist eine...Freundin....und wird uns helfen, hier rauszukommen!«, log sie ihrem Gefährten eiskalt ins Gesicht und auch wenn sie das Gesicht der gestörten Hexe nicht sehen konnte, wusste sie, dass jene gerade tief in ihrer Seele lächelte, während sie sich selber am liebsten die Haut am Bein von den Knochen gerissen hätte. Jedoch fasste Brianna in diesem Moment einen Entschluss. Ja, sie würde Luzifer töten, um ihre Freunde zu retten und dem Lord ein Ende zu bereiten. Jedoch würde sie den faulenden Körper der Hexe mit ihm zusammen in die Hölle schicken.

      ~ Reale Welt: Auf hoher See ~

      Die Mondsichel warf ihren silbernen Glanz als entfernten Silberstreifen auf die ruhige See, auf deren lauen Wellen die zwei Schiffe ankerten. Die wabernden Extremitäten und funkelnden gelben Augen im schwarzen Nebel wandten sich wehmütig von der Unendlichkeit des Meeres ab und betrachteten das Mädchen mit den schulterlangen blonden Haaren und den Engelsflügeln, die aus ihrem Rücken wie zwei Rosenknospen entsprangen. Zu anfällig war er für die Schönheit des Moments, doch er wusste, warum er gekommen war, verbannte den quälenden Gedanken, die unschuldigen Rosen des Mädchens zu pflücken und seiner Sammlung hinzuzufügen, sodass er sich stattdessen räusperte.
      »Wie sieht es aus, Nephthys
      Der blonde Engel, der erst seit wenigen Wochen an ihrer Seite lebte, sich aber ungewöhnlich schnell und einfach unter ihr Banner gestellt und dort eingelebt hatte, erhob sich seufzend, wobei ihr Blick einen Moment länger als gewollt auf dem Mädchen mit dem rauchblauen Haaren ruhte, die innerhalb des Pentagramms lag, welches man mit Blut auf den Boden gemalt hatte.
      »Sie sind keineswegs tot! Sie leben, aber sie werden durch irgendein Band zusammengehalten, welches ich nicht lösen kann. Vielleicht hat Lachthopos mehr Glück. Es sieht mir aus wie eine Art von Blutmagie!«, erwiderte der Engel, deren Finger sich auf die Stirn der Rothaarigen gelegt hatten, die aber sofort von einem roten Schimmer umgeben wurde, sobald sie versucht hatten, sie aus dem Pentagramm zu bewegen.
      »Du lernst schnell. Da hat Genevieve eine gute Schülerin in ihrer Hexenkunst gefunden!«, erwiderte die Nebelgestalt, deren Körper in einem weißen Hemd mit khakifarbener Weste und dunkelblauer Anzughose steckte, nickte und ergriff die Teleschnecke, die er sich als modische Uhr um den immateriellen Arm geschnallt hatte.
      »Hey, Lachthopos, statte uns hier noch einen Besuch ab. Wir brauchen deine Fertigkeiten, um diese Schätzjäger zu befreien«, sprach der Nebelmensch in den Hörer, aber stattdessen hörte er nur ein ekstatisches Wimmern auf der anderen Seite der Leitung. »Alles in Ordnung mit dir?«, wollte er schon nachfragen, aber da platzte ein Jubelschrei aus den Lautsprechern der Teleschnecke hervor.
      »Er ist hier, NOUMU! Er ist tatsächlich hier! Auf Luzifers Schiff!!«
      Der gesamte Körper des pechschwarzen Nebels verfestigte sich einen kurzen Moment zu seiner menschlichen Gestalt und eine zarte Träne rollte über seine jugendlichen Gesichtszüge. »Ich rufe sofort Katerina an und gebe Genevieve Bescheid, dass der Zar sein Wort gehalten hat!«
      »Aber, Noumu«, unterbrach Lachthopos auf der anderen Seite der Leitung nun wieder mit wimmerndem Tonfall den kurzen Moment der Glückseligkeit. »Hier scheint das gleiche Problem vorzuliegen wie bei den Schätzjägerin. Sobald ich ihn bewegen will, hält mich dieser rote Schimmer zurück. Auch sein Lebensfaden ist in dickflüssiges Blut getaucht. Aber ich werde an einer Lösung arbeiten!«, beendete er mit wenig überzeugtem Tonfall das Gespräch und legte auf.
      »Gute Neuigkeiten?«, wandte sich der blonde Engel an den wabernden Schatten, dessen Färbung zwischen unendlichem Schwarz und glänzendem Violett nuancierte.
      »Die besten seit langem. Nach all den Jahren kehrt der Lord endlich zu uns zurück!«

      ~ Traumwelt: Die große Kathedrale ~

      Als die Kathedralentore weit aufgestoßen wurden, hatte Dädalus niemals damit gerechnet, dass er an diesem Tag noch mehr unerfreuliche Überraschungen erleben durfte. Mit dem unerwarteten Wiedersehen mit Luzifer und Sybill hatte ihn seine früheste Kindheit mit der Brutalität eines herannahenden Güterzugs eingeholt, doch die zierliche Gestalt der Frau, die sich jetzt im schlichten Büßergewand den Gang entlang näherte, und dabei die leeren, dunklen Kirchenbänke passierte, sollte diese Annahme mit Leichtigkeit unterbieten. Ihre schneeweißen Haare brachen wie reinstes Silber unter ihrer Kapuze hervor und ihre gefalteten Hände verschlossen ein goldenes Amulett, welches er bereits einmal zuvor gesehen hatte. Doch es waren diese Augen. Diese blutroten Augen, welche schon vor etlichen Jahren sein Herz zum ersten Mal in jugendlicher Naivität erobert hatten, und die er jedes Mal wiederkennen würde, selbst wenn es nur ein Sprössling der Frau war, deren ungreifbare Silhouette noch vor wenigen Stunden durch die pompöse Kathedrale stolziert war.
      »Ihr Name ist Jean-Baptiste Dédale Chevalier de Lamarck, habe ich recht?«, liebkoste die honigsüße, weiche Stimme der weißhaarigen, hübschen Frau die geschundenen Ohren des Wissenschaftlers, die von den wahnwitzigen Worten Luzifers und dem verbitterten Krächzen Sybills vollkommen geschunden waren. Dahingegen legte sich die Stimme der jungen Frau wie beruhigender Balsam über sein Trommelfell.
      »Ganz Recht. Doch nennt man mich in der Regel nur noch Dädalus. Und was ist Ihr Name, sofern mir die Frage gestattet ist, Fräulein?«, raspelte der Greis Süßholz und hätte wohl auch eine Verbeugung gemacht, wenn man seinen gebrechlichen Körper nicht an das monströse goldene Kreuz der Kathedrale gekettet hätte.
      »Mein Name ist Raphaela....aber sparen Sie sich ihren Charme für einfältigere Gemüter auf, Dädalus«, zischte sie. Jegliche Lieblichkeit war aus ihrer Stimme gewichen und plötzlich verrieten nicht nur ihre Augen, welches verdorbene Blut in ihren Adern pulsierte. »Ich bin gekommen, um dem Mann in die Augen zu sehen, der meine beiden Eltern kannte…ja, den Mann, den meine Eltern als ihren Freund betitelt haben, bis sein von Ehrgeiz zerfressenes Herz ihn zum Verräter machte, und damit das Schicksal der beiden besiegelte!«
      Auf Dädalus’ Lippen legte sich ein hoffnungsvolles Lächeln, welches sogar dem Hagelschlag der wüsten Vorwürfe standhielt, welche die erste Vikarin Corto Malteses auf ihn niederprasseln ließ.
      »Also ist es wahr...du hast tatsächlich überlebt? Die Tochter Sybills und Michels. Ich dachte, dass du mit ihr im Mutterleib gestorben wärst...mein Kind...ich bin so froh-«.
      »Nicht!«, schnitt Raphaela dem Greis unwirsch und mit gebrochener Stimme das Wort ab. Sie war instinktiv einen Schritt zurückgewichen, als hätte sie Angst, dass er sich aus seinen eisernen Ketten hätte befreien und ihr Gesicht berühren können. »Ich bin nur gekommen, um etwas über meine Eltern zu erfahren, die ich niemals habe kennenlernen dürfen. Und zwar von dem Mann, der ihr Todesurteil besiegelt hat.«
      »Das sind nur die Worte Luzifers, die er dir wie giftiges Unkraut in den Kopf gesetzt hat. Glaub mir, Raphaela. Ich habe deine Mutter geliebt und deinen Vater ebenso...ich....«
      »Luzifer war der Mann, der mich und meinen Bruder wie seine eigenen Kinder geliebt und aufgezogen hat!! Ohne ihn hätten Gabriel und ich niemals überlebt!«, erwidert Raphaela trotzig, strich sich die Kapuze vom Kopf, wobei ihr Scheitel dadurch ein wenig verrutschte und die vernarbte Stirn für einen halben Wimpernschlag offenbarte, die sonst so geschickt von ihrer Haarpracht kaschiert wurde. Doch Dädalus wagte es nicht, sie darauf anzusprechen, auch wenn die Erkenntnis und die Versuchung in ihm wucherten wie ein Geschwür. Lebensgeister krochen in seine ermüdeten Knochen zurück, denn der Schlüssel, um aus diesem Gefängnis auszubrechen, hatte soeben den Weg zu ihm gefunden, wie der berühmte Berg zum Propheten, weswegen er seine folgenden Worte nun mit Bedacht wählen musste.
      »Nun gut...du bist gekommen, um etwas über deine Eltern zu erfahren? Dann hör mir gut zu, Raphaela, denn ich werde dir die ganze Geschichte erzählen, wie dein Vater, Luzifer, Sybill und ich Freunde wurden und wie das Schicksal uns als Schachfiguren auf unterschiedlichen Seiten positioniert hat, gefangen in einer Abwärtsspirale des Betrugs und Verrats!«
      159. Kapitel: Erde zu Erde - I


      Sie trug das graue Büßergewand wie eine Königin, als sie sich in fließenden Bewegungen auf die uralten Kirchenbänke niederließ. Jene hatten schon so viele arme Seelen bevölkert, die dort Zuflucht suchten, dabei zu einem höheren Wesen betend oder dem toxischen Abbitten eines geblendeten Wahnsinnigen lauschend, der sie alle an ihre bemitleidenswerte Existenz einer infernalischen Vorhölle ermahnte und sich diesen niederschmetternden Gedanken auch noch in purem Gold entlohnen ließ. Doch Raphaelas schlichte Eleganz floss in einem Farbenstrom aus unschuldigem Grau, schneereinem Weiß und Farbtupfern rubinroten Blutes durch den Raum. Ein Ozean der Farben, an einem sonnigen Tag trügerische Ruhe ausstrahlend, während sich am Horizont bereits ein Orkan zusammenzog.
      »Mein Kind, möchtest du nicht meine Fesseln und damit meine Zunge ein wenig lockern?«, schenkte der Greis seiner unerwarteten Besucherin sein bezauberndstes Lächeln, »Mein Großvater pflegte schon immer zu sagen, dass ein Schwank aus der Vergangenheit am besten mit vollem Magen und bei einem köstlichen Tropfen teuren Weins erzählt werde.«
      Doch jegliches Süßholzraspeln des Mannes, der sich mindestens so oft aus dem Gefängnis herausgeschwatzt wie sein lockeres Mundwerk ihn schon in Ketten gelegt hatte, prallte am regungslosen Gesicht der jungen Frau ab. Der Rubin ihrer Augen schien nicht einmal das Sonnenlicht zu reflektieren, welches sich als Regenbogen samt all seiner Farben durch die hohen Buntglasfenster der Kathedrale ergoss. Raphaela hatte zwar mittlerweile die Kapuze abgestreift und damit das silberweiße Haar aus ihrer mausgrauen Behausung entlassen, aber die Hände waren nun um den hölzernen Rosenkranz gefesselt, während sie auf den unbequemen Kirchendielen kniete, bereit zur Predigt über die Vergangenheit oder Buße, darüber war sich Dädalus noch nicht im Klaren. Irritiert vom asketischen Gestus Raphaelas rang der Wissenschaftler nach Worten. Er wusste, was für ihn auf dem Spiel stand. So standhaft, so entschlossen diese junge Frau wirken mochte, so fragil war sie. Spitzte er seine Ohren, dann konnte er ihren Puls fühlen. Konnte er hören, wie ihr das Herz bis zum Hals schlug. Aber wieso? War es Schuld, Nervosität, oder Furcht?
      »Hätte ich schweigende Stille genießen wollen, wäre ich im Glockenturm geblieben, alter Mann«, durchfuhr der süßliche Klang ihrer Stimme den Raum und schnitt Dädalus den Gedanken ab, der in seinem Geist am Keimen war. Er hob seinen Kopf und lächelte. Dort war sie. Dort war die Arroganz, welche Michel inbrünstig wie eine Krone und Sybill verlegen wie einen Schal getragen hatte.
      »Und was für eine Verschwendung wäre das gewesen, nicht wahr?«, erwiderte er süßlich. Die Askese bröckelte wie altes Mauerwerk und Dädalus war sich sicher, dass er es lebend und als freier Mann aus dieser Kathedrale schaffen würde, wenn er es nur richtig anstellte. »Du musst verzeihen, dass ich ein wenig Probleme habe, meine Gedanken zu ordnen. Du erwartest immerhin, dass ich dir eine Geschichte erzähle, die mein gesamtes Leben und damit über hundertdreißig Jahre umfasst...eine Geschichte, deren letztes Kapitel noch immer nicht erzählt zu sein scheint, wenn ich mir so überlege, wo ich bin...und vor allem, wem ich diese Geschichte erzähle!“
      Die Perlen des Rosenkranzes rieselten als feiner Staub zwischen den länglichen Fingern Raphaelas zu Boden. Ihr Herzschlag glich nun dem Trommelwirbel einer Armeeparade und jeder Muskel in ihrem Körper schien zum Reißen gespannt. Die Rubine hingen an den faltigen Lippen Dädalus’.
      »Jedoch fing unsere Geschichte wohl wirklich an, als deine Mutter zu uns kam. Als Sybill Siena degli Illuminati zum ersten Mal betrat. Sie war das Bindemittel, welches deinen Vater, deinen Mentor und mich zu einer Schicksalsgemeinschaft schmieden sollte, auch wenn das mit Sicherheit nie so vorhergesehen war.«

      ~ 1397 Anno Maris (127 Jahre zuvor) – Siena degli Illuminati ~

      Das sachte Rascheln der alten Pergamentrollen jagte in seinen Ohren wie wildes Hufgetrappel durch die zahlreichen, von meterhohen Bücherwänden unterteilten Gänge der größten Bibliothek, welche sich innerhalb der ehrwürdigen Klostermauern der erleuchteten Stätte wie ein undurchdringliches Labyrinth erstreckte. Nervös hob der neunjährige Junge den Kopf, bereit eine Tracht Prügel der Mönche zu ernten, die sich zur Lehre uralter Schriften in den schützenden Busen Siena degli Illuminatis zurückgezogen hatten. Doch keiner der Mönche in ihren braunen Roben hatte Notiz von Dédale genommen, von den anderen Jungen und Mädchen, welche hier mit ihm lebten, ganz zu schweigen. Erleichternd seufzend ließ er sich wieder lässig auf den unbequemen Schemel sinken. Bereits vor Stunden aus den schwarzen Mokassins geschlüpft, begab er sich zurück in den Schneidersitz und versank hinter den dicken Wälzern aus Pergament, Leder und Papier, die er wie ein Bollwerk auf seinem Studiertisch ausgebreitet hatte, um sich selbst von der Außenwelt abzuschirmen. Um ihn herum türmten sich ganze Welten zu imposanten Gewitterwolken auf, die unter ihren zerbrechlichen Papierkörpern jedoch keine vernichtenden Stürme, Fluten und desaströsen Blitzgestöber über dem Haupt des Wissbegierigen niedergehen ließen, sondern deren Seiten Dédale in unbekannte Welten führten, die meist noch viel gefährlicher waren als die Gewitterstürme in den aufgeheizten Sommertagen Sienas. Voller Ehrfurcht glitten seine dunklen Finger über die abgeblätterten Lettern aus verblassendem Gold, welche Namen und Orte flüsterten, deren Bedeutung der Junge nicht kannte oder deren Sprache er nicht verstehen konnte. Seufzend legte er den Band über moderne Alchemie auf den höchsten der Stapel, die ihn wie eine Festung vor seinen gleichaltrigen Klassenkameraden schützte. Ein gewaltiges Bollwerk, ironischerweise geformt aus porösem Papier.
      »Signore Dédale«, brach einer der gefährlichsten Blitze über den Neunjährigen wie ein glimmender Dolch im Nacken ein, als die Stimme Schwester Caramels wie ein donnernder Hagelschauer über ihn herfiel. »Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass die Bibliothek nicht dein verdammtes Wohnzimmer ist?! Zieh dir gefälligst deine Schuhe wieder an, oder ich werde dich zur Strafe in den nächsten Wochen die Latrinen putzen lassen. Und bei allen guten Geistern, lass dir mal wieder die Haare schneiden, du siehst aus wie ein Barbar«, fügte die bildhübsche Frau in ihrer nachtblauen Robe zeternd hinzu, als sie ihre Hände durch das krause, zu einem überdimensionalen Afro wuchernden nachtschwarze Haar gleiten ließ. Die Verlegenheit legte sich lediglich wie ein sanfter Schleier auf die schokoladenbraune Haut des Jungen. Doch schlimmer als die Zurechtweisung der jüngsten und schönsten Schwester, welche auf Siena degli Illuminati lebte und so manche feuchte Phantasie in den Schlafgemächern der Jungen beflügelte, traf ihn das Gelächter seiner Klassenkameraden, welche die Scham zu einem verzehrenden Feuer in seinem Inneren entfachte. Zwei Reihen hinter ihm vernahm Dédale das höhnische Grinsen Michels, der seine Beine auf den Tisch abgelegt und die Arme hinter dem von wuscheligen blonden Haar gekrönten Kopf verschränkt hatte. Auch wenn er sein Gesicht nicht sehen konnte, so wusste er, wie ihn die makellosen weißen Zähne und die stechend blauen Augen wie Raubtiere musterten, seinen Rücken entlang glitten und nur darauf warteten, einen Vorteil aus der Zurechtweisung des Mönchs zu ziehen. Dédale hatte schnell gelernt, die unausgesprochene Feindschaft zwischen ihnen zu akzeptieren, die trotz seiner Bemühungen von einer oberflächlichen und einseitigen Feindseligkeit zu einem struppigen Geflecht toxischer Rivalität verwachsen war.

      Ein paar Stunden später, als sich die gähnende Dämmerung zwischen den Regalen breitmachte und nur wenige Öllampen die hohen Türme aus Leder und Pergament erhellte, war Dédale dabei, die Dutzenden Bücher akribisch an Ort und Stelle zu räumen, wobei ihm auch die ein oder andere Nachlässigkeit seiner Mitschüler und sogar der Mönche dazu veranlasste, falsch eingeordnete Bücher neu zu sortieren. Er war gerade dabei, das Buch über die Alchemie zurückzubringen, als etwas seine Neugier weckte. Zunächst war es sich nicht einmal sicher gewesen, ob er sich den vorbeihuschenden Schatten vor lauter Müdigkeit und brennenden Augen nicht nur eingebildet hatte, aber selbst als er blinzelte, sah er das junge Mädchen am Rande der Abteilung stehen, die mit einem verzierten Gitter abgeriegelt und deren Betreten den minderjährigen Schülern des Klosters strengstens untersagt war. Zumindest glaubte er, dass es sich bei ihrer Gestalt um ein Mädchen handeln musste. Etwas, was er allein auf ihre Größe und schmale Figur zurückführte. Sie trug das silberweiße Haar wie einen Schleier aus Mondlicht auf ihrem Haupt, der ihr bis zu den nackten Knöcheln reichte. Der mysteriöse Besucher streckte ihre zierlichen Hände aus und berührte die Stäbe, welche das gehortete Wissen zahlreicher Generationen bunkerte. Das Mädchen schien etwas zu murmeln, auch wenn es eine Sprache war, die der junge Dunkelhäutige nicht verstand. Sie klang rau, hart, als würde man zwei Steine aufeinanderschlagen und allein der Versuch Laute, Worte oder gar einen Sinn hinter den zischelnden Wortungeheuern zu erahnen, verknotete Dédales Hirnwindungen. Das Blut pumpte ihm mit der Geschwindigkeit der metallenen Kutschen, von denen er in einem der Bücher gelesen hatte, deren Zugpferde Herzen aus Zahnrädern hatten, anstatt saftiger Weidengräser pechschwarze Kohle in ihren feurigen Mäulern zerkauten und Rauch aus ihren blechernen Nüstern stoben, durch die Adern. Er wusste selbst nicht, wie ihm geschah und warum die Fremde eine solch magnetisierende Faszination auf ihn ausübte. Mädchen, auch wenn sie in der Unterzahl waren, stellten auf der Insel der Erleuchteten keine Seltenheit dar. Ebenso unternahm Dédale des Öfteren etwas mit Luzifers Schwester Theresa und auch ein paar der anderen, die nicht dem goldenen Lockenschopf Michels verfallen waren, löcherten ihn des Öfteren über die wundersame Welt der Himmelsinsel. Diese indes, welche vor ihm stand, und das reine Mondlicht auf ihren Schultern trug, war anders als alles, was der Junge in seinem Leben bisher gesehen hatte. Sie erhellte den dunkelsten Bereich der Bibliothek und gleichzeitig schien den flackernden Öllampen das Licht wie ein dämonisches Ungetüm zu stehlen und sich daran zu laben, untermalt vom wirren Zwiegesang krächzender Höllenhunde und preisender Engelsheerscharen. Als sich ihre zärtlichen Finger um die Gitterstäbe geschlossen hatten, trat sich etwas in Dédale seinen Weg an die Oberfläche. Es brach durch den magnetischen Bann, lockerte seine Glieder und seine Zunge, ehe sich seine Stimme in Mitten der Bücherwelten Gehör verschaffte.
      »Das darfst du nicht…« Es war nicht viel mehr als ein gebrochenes, heiseres Murmeln, aber der Junge hatte das Gefühl, dass er die Fremde gerade brutal am silbernen Haarschopf gepackt und förmlich angeschrien hatte. Das Mädchen zeigte sich unbeeindruckt, auch wenn sich ihre Finger von der Absperrung lösten. Einen Moment verharrte sie so, Dédale den Rücken zugewandt, ehe sie sich um die eigene Achse drehte. In diesem Moment war es um Dédale geschehen, als das bezauberndste Mädchen, welches der spätere Wissenschaftler jemals gesehen hatte, ihm ein atemraubendes Lächeln schenkte.

      ~ In der Gegenwart ~

      »Ein Lächeln, welches von zwei funkelnden Rubinen geschmückt wurde. Ich muss wohl nicht noch einmal erwähnen, dass deine Mutter und du dieselben Augen haben. Es ist beinahe so, als könnte ich mich noch einmal wie Neun fühlen«, sinnierte Dädalus mit verträumter Tonlage, auch wenn seinem scharfen Adlerblick keine einzige Regung seiner Zuhörerin unentdeckt blieb. Er analysierte jede ihrer Bewegung aufs schärfste. Versuchte, in ihrer Mimik und Gestik zu lesen, den schraubstockartigen Griff um den Rosenkranz zu deuten, oder das mal asketische, mal rasante Schlagen ihres Herzens zu verstehen. Schien die Information über die Ähnlichkeit mit ihrer Mutter sie zu überraschen, so zeigte sie es Dädalus auf keinerlei Art und Weise. Das viele Sprechen hatte seinen Mund in eine staubige Wüstenlandschaft verwandelt, woraufhin er sich mehrmals deutlich räusperte. Ohne die Bitte formulieren zu müssen oder ein Nachfragen Raphaelas, erhob sie sich aus ihrer betenden Position und schlenderte mit kurzen, angespannten Schritten zum Altar, der sich zu Dädalus Füßen ausbreitete und dessen goldener Trinkkrug ihm ein höhnisches, leeres Lächeln schenkte. Doch die Weißhaarige setzte den Kelch an die faltigen Lippen des Greises, und voller Erregung merkte Dädalus, wie eine Flüssigkeit seine trockene Haut benetzt. Im ersten Moment hielt er es für Wein, aber es war zu dickflüssig, um der kostbare Rebensaft zu sein, den sich der Wissenschaftler gerne abends genehmigte, um damit all die jammernden Schreie seiner Geheimnisse zu betäuben, die ihn in den Stunden der Nacht heimsuchten. Die Erkenntnis kam erst nach dem zweiten Schluck, als sich seine Geschmacksnerven nicht mehr von fahlen Erinnerungen an caligulanischen Wein nährten, sondern der rostige Geschmack in all seiner Widerwärtigkeit ihm den Gaumen entlang und die Speiseröhre hinab bis in den Magen schnitt. Eine Grimasse der geschmacklosen Perversion durchbrach für einen kurzen Moment die Steinfassade ihres Gesichts, ehe Raphaela zum blütenweißen Tuch griff und Dädalus die rötlich verfärbten Lippen abtupfte.
      »Lasst uns an der Kommunion teilnehmen und am alten Blut weiden. Unser Durst nach Blut ernährt uns, lindert unsere Angst! Sucht das alte Blut!«
      Der Sermon, der wie süßlicher Honig von ihren vollen Lippen tropfte, hörte sich an, als würde eine andere Person aus einer fremden Zeit sich ihres Körpers bedienen, um die verblendeten Worte des Fanatismus wie Gift auf die unschuldigen Lämmer zu speien. Raphaelas Gesicht war nun ganz nah, sodass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten, ihr Blick abwesend und gehetzt, und Dädalus wusste, dass seine Zeit gekommen war, ihr den ersten Spieler auf ihrem metaphorischen Schachbrett zu nehmen, während der rostige Geschmack von Blut ihm immer noch den Magen umzudrehen schien.
      »Deine Mutter war die erste Frau in meinem langen Leben, in die mich verliebt habe und zwar zum ersten Mal, als ich sie sah«, flüsterte er sanft und die schwarzen Abgründe im blutroten See ihrer Iriden wanderten nun zur warmen Dunkelheit in Dädalus’ Gesicht. Das eiserne Ausharren war einem kindlichen Flehen gewichen, während sich ihre knochigen Finger in den bunten Stoff seines gemusterten Ponchos gruben. »Vermutlich verblendete mich diese Liebe bereits an diesem Tag, oder es war dem schlechten Licht in der Bibliothek geschuldet, dass ich den einzigen vermeintlichen Makel an ihrem Gesicht ausblendete.«
      Raphaela hob ihren Kopf und Dädalus hätte sie nun sogar mit seinen angeketteten Armen greifen können, wenn er es gewollt hätte. »Hätte mich der Anblick deiner Mutter nicht wie einen Narren betört, wäre mir die kleine Falte auf ihrer Stirn aufgefallen, ehe sie wieder nahtlos mit ihrer winterrosigen Haut verschmolz. Der kleine Strich, verhüllt im Zwielicht unserer ersten Begegnung, der mir fürs Erste verbarg, was unter ihrer Stirn wieder in den Dämmerschlaf versunken war.«
      Ihre Finger fraßen sich vor lauter Anspannung nun durch das Gewebe seines Ponchos und seiner Haut, während sich ihre blutroten Seelenspiegel in seine Augen zu bohren versuchten. Jedes der folgenden Worte Dädalus’ wurde von einem Kanonenschuss ihres Herzens begleitet, welches der Dunkelhäutige nun nicht bloß wahrzunehmen vermochte, sondern die Vibration ihrer Brust sogar selbst erspüren konnte.
      »Es war der vermeintliche Makel, der Sybill zu dem brandmarkte, was sie war und ihr gleichzeitig eine Macht verlieh, die bis zum heutigen Tage vielleicht noch ihresgleichen sucht. Das dritte, teuflische Auge, welches Hexenblut durch ihre Adern pulsieren ließ«, fuhr er fort und strich der regungslosen Frau, die mit jedem weiteren Wort zu einem hilflosen Mädchen zerfließen zu schien, die weiße Haarsträhne aus dem Gesicht und legte das Narbengeflecht frei, welches sie so akribisch zu verstecken suchte. »Derselbe vermeintliche Makel, den auch du auf deiner Stirn getragen hast, mein liebes Kind. Habe ich Recht?«
      Ein tiefes Schluchzen, welches Dädalus in siegessicherer Manier die erste gedankliche Figur vom Spielfeld nehmen ließ, schlug jäh in ein ersticktes, manisches Lachen um, als Raphaela das Gesicht aus den Tiefen seiner Brust hob und ihm die nackte Verachtung buchstäblich ins Gesicht spuckte.
      »Vermeintlicher Makel?! Alles, was mir diese Dämonin hinterlassen hat, ist eine Schade, die sich mir wie ein toxischer Pilz bis ins Mark gefressen hat. Ich hätte meinem Vater ins Totenreich folgen sollen, anstatt aus dem madenzerfressenen Wanst dieser geschändeten Hure kriechen zu müssen, um jeden einzelnen Tag den Hohn dieser Welt zu ernten, der unerbittlich auf mich niederhagelt. Ich war eine Abscheulichkeit der Natur, eine Missgeburt, entsprungen aus dem verpesteten After eines verruchten Basilisken, gerettet, gereinigt und wiedergeborenen durch die Hand eines wahren Wohltäters!«, keifte die verzerrte Stimme der Weißhaarigen und irgendetwas störte Dädalus. Etwas, das ihn wie eine heiße Nadel hinter seinem Augapfel zu stechen schien, was jedoch von den entfesselten Emotionen Raphaelas vollkommen überschattet wurde. Das schallende Gelächter der Furie, deren gelüfteter Mondschleier, alle inneren Dämme gebrochen zu haben schien, erfüllte das gesamte Innere der Kathedrale mit volleren Tönen, als es je eine der Messen Luzifers und seines Chors der Verdammten geschafft hatte. Raphaela wirbelte in ihrem schlichten Büßergewand durch die Kirche, als würde sie auf einem der großen Opernbälle der Heiligen Stadt Mary Joa oder in den Zuckerschlössern der feinen Gesellschaft tanzen. Als läge nicht der graue Stoff der Selbstgeißelung auf ihren knochigen Schultern, sondern ein Kleid geschneidert aus Leid, Verzweiflung und verdrängter Wut. Und Dädalus war ihr stummer Tanzpartner, verwurzelt mit dem Heiligen Kreuz der Verdammnis, ehe er wehmütig den Kopf senkte.
      Was hast du getan, Luzifer? Welch’ Wahnsinn hast du in ihrem Inneren gesät, oder hast du tatsächlich versucht, sie zu reinigen? Hast erneut die Wolken der Finsternis gesehen, die sich wie ein Damoklesschwert über dem Stammt der Dreiäugigen zusammenzogen? Oder hast du es tatsächlich aus Liebe getan?


      ~ 1397 Anno Maris (127 Jahre zuvor) – Siena degli Illuminati ~

      Dédale kam sich vollkommen blöd vor und erneut schien sich das Blut in seinen Adern vor Scham in brodelndes Magma zu verwandeln. Voller Nervosität blickte er zu Boden, wobei ihm beinahe die restlichen Bücher aus den Armen gerutscht wären. Generell fühlten sich seine Arme an, als wären sämtliche Knochen daraus verschwunden. Ein nutzloses Paar an Gummiextremitäten, mit denen er sich vor dem bildschönen Mädchen vollkommen zum Trottel machte. Etwas ungeschickt und um irgendetwas sinnvolles zu tun, kratzte er sich am Hinterkopf, bereit, den Schwall spöttischen Gelächters in Empfang zu nehmen, aber die Fremde lächelte nur stumm, legte den Kopf dabei ein wenig schief, als würde sie etwas ernsthaft Amüsantes betrachten. Er fühlte sich wie ein ungeschickter Welpe, aber das unschuldige Lächeln des Mädchens und das Glücksgefühl, welches es dabei in dem eher introvertierten Jungen hervorrief, wog jeden Moment der peinlichen Scham wieder auf. Dédale wollte sie gerade nach ihrem Namen fragen, als sein eigener Name ihm zuvorkam. Einen furchtbar irritierten Moment lang dachte der Dunkelhäutige, dass das Mädchen seinen Namen einfach zuerst genannt hatte, und während er noch darüber grübelte, dass sie ihn unmöglich erraten haben könnte, wurde ihm zeitgleich klar, dass die Stimme viel zu tief und - noch viel entscheidender - viel zu vertraut für das Mädchen gewesen sein musste.
      »Was tust du da?«, herrschte ihn die Stimme an und Dédale hatte das ungute Gefühl, dass es in der Bibliothek sofort mehrere Grad kühler geworden sein musste, als er sich zu seinem einzigen Freund auf Siena degli Illuminati umdrehte.
      »Hey, Luzi, was machst du denn hier?«, stammelte der Junge ernsthaft überrascht und fuhr sich als Übersprunghandlung durch den wilden Afro. Er wusste selbst nicht, warum er sich gleichzeitig unangenehm ertappt und etwas enttäuscht fühlte, dass sein blinder Mitschüler hier aufgetaucht war. Normalerweise mied Luzifer die Bibliothek aus verständlichen Gründen. Er kam nur früh morgens ab und an mit Dédale hier her, um sich etwas vorlesen zu lassen, aber im Großen und Ganzen verabscheute Luzifer das geschriebene Wort und wurde auch nicht müde, seinen Freund mit langen Tiraden über das schlangenhafte Gift, welches die Druckerschwärze in seine Seele sickern ließ, zu ermüden.
      »Ich habe mir Sorgen gemacht, mein Freund«, beantwortete der Blinde mit dem kurzen schwarzen Haar seine Frage, wobei Dédale erst jetzt spürte, dass er seinen milchigen Blick nicht auf ihn, sondern auf das fremde Mädchen gerichtet hatte. Seine Stirn zog dabei krause Falten, welche der Dunkelhäutige nicht zu deuten vermochte. »Ich dachte vielleicht, dass Michel und seine Schimpansenfreunde dir aufgelauert wären, aber als ich sie in den Schlafzimmern grunzen hörte, hab ich mir ernsthaft Sorgen gemacht.«
      »Oh, das wäre gar nicht nötig gewesen…ähm das hier ist...ähmm«, stotterte Dédale perplex, der sich selbst in die unangenehme Lage manövriert hatte, die beiden einander vorzustellen, obwohl er selbst den Namen der Fremden nicht kannte. Unbeholfen gestikulierte er mit den Büchern in der Hand, um die relativ eindeutige Situation aufzulösen, als das zarte Räuspern der Weißhaarigen selbst die Initiative ergriff.
      »Mein Name ist Sybill. Freut mich, eure Bekanntschaft zu machen. Ich bin eine neue Schülerin hier. Ich bin eine Waise und hoffe, dass wir gute Freunde werden«, spulte das Mädchen ihren Text ab, als wäre er einstudiert worden, denn ihm fehlten jegliche Emotionen und das obwohl sie das strahlendste Lächeln wie eine perlenbesetzte Krone auf den kindlichen Lippen trug. Viel erstaunter war Dédale jedoch, dass das Mädchen nun in einer völlig verständlichen Sprache mit ihnen redete. Er war sich nicht einmal mehr sicher, ob er sich die fremden Laute, das Zischeln und Röcheln nicht bloß eingebildet hatte. Ein Hirngespinst, erwachsen aus der fortgeschrittenen Stunde, dem betörenden mondsilbernen Haar und den Büchermeeren, in deren tintenschwarzen Gewässern er den ganzen Tag über getaucht war. Luzifer musste sich und Dédale in der Zwischenzeit vorgestellt haben, denn Sybill vollführte einen leichten Knicks, und wiederholte noch einmal ihre Namen.
      »Das beantwortet aber nicht meine Frage«, hackte Luzifer nach dem kurzen Vorstellungsintermezzo nun auf Sybill herum, die er weiterhin misstrauisch mit seinem inneren Auge durchleuchtete. Der Dunkelhäutige wusste, dass er die Welt nun wieder durch sein spektakuläres Kaleidoskop an Farben betrachtete, und fühlte sich ein wenig Unwohl dabei, dass er die Neue nun damit regelrecht zu durchleuchten schien. »Was hast du hier in der ‚Verbotenen Abteilung’ zu suchen gehabt?«
      »Oh, ist sie verboten?«, säuselte Sybill, nun mit deutlich weniger Monotonie in der Stimme und legte den Kopf wieder schief. »Das habe ich gar nicht gewusst.«
      »Wozu wohl sonst die Gitterstäbe und die Schlösser?«, erwiderte Luzifer barsch, der die Feindseligkeit in seiner Stimme nun gar nicht mehr zu verbergen schien. Sybill ließ sich nicht anmerken, wenn sie sich dadurch angegriffen oder gar eingeschüchtert fühlte.
      »Da stehen ziemlich abgedrehte und gefährliche Bücher«, schaltete sich Dédale in das Gespräch ein, der versuchte, die angespannte Lage zwischen den beiden Parteien zu entschärfen, in deren Kalten Krieg er zwischen den Schützengräben hin und her pendeln musste. »Verbotene Texte aus Wa No Kuni, Schriften vergangener Zivilisationen, man munkelt sogar, dass die fanatischen Dämonenpsalmen des Apokryphen hier zu finden sein sollen«, fuhr der Dunkelhäutige fort und Sybill hing an jedem seiner Worte wie ein Welpe an den Handbewegungen seines Herrchens, wenn jener mit einem frischen Stück Fleisch vor seiner Nase wedelte.
      »Ammenmärchen und dummes Geschwätz...als würden die Mönche dieses Klosters etwas so Gefährliches in dieser Bibliothek verwahren. Wir sind nicht so einfältig wie die Irren aus Ohara, die ja sogar die Porneglpyhe untersuchen sollen«, schnaubte Luzifer und machte einen Schritt auf Dédale zu, ehe das Mädchen noch einmal das Wort ergriff.
      »Ich glaub nicht, dass dort etwas lauert, was vor uns verborgen werden soll, sondern dass dort etwas schlummert und diese Gitter uns davor schützen sollen«, säuselte sie und die Erregung in ihrer Stimme war greifbar, wurde jedoch von einem undefinierbaren Geräusch aus einem anderen Teil der Bibliothek unterbrochen, die alle drei nervös herumwirbeln ließ. »Wir sollten gehen. Keiner von uns sollte zu dieser Uhrzeit in der Nähe dieser Abteilung gesehen werden. Es wäre eine Genugtuung für Michel, wenn uns deine Vernarrtheit in Bücher auch noch Strafdienste einbringen würde!«
      Sybill beachtete er mit keinem weiteren Wort, aber dennoch ließ Luzifer sie keinen einzigen Schritt aus den Augen, versuchte durch den pechschwarzen Schleier zu dringen, den sie um ihre Emotionen gelegt hatte. Ein dickes Nebelfeld, welches seine Teufelskräfte nicht zu durchdringen vermochten. Noch nicht.

      Während die Drei die Welt der Bücher im laxen Schutz einer gähnenden Dunkelheit zurückließen, löste sich ein Schatten wie zähflüssiger Teer aus seiner Umgebung. Sie kam aus dem Nirgendwo und entstieg dem Schatten wie eine Nixe ihrem trüben Tümpel. Die Arme glitten durchs lockige braune Haar, zerstäubten die letzten Fetzen der Nacht zu onyxschwarzem Nebel, strichen sich den anthrazitgrauen Anzug glatt und ließen die Handschuhe über die perfekt manikürten Finger gleiten. Innerhalb weniger Sekunden hatte sich ein schwarzes Nichts zu einer eleganten Frau gewandelt und die Metamorphose eines undefinierbaren Grauens zum personifizierten Schrecken vollzogen, die nun mit zielstrebigen Schritten auf das Gitter zumarschierte, welches vor wenigen Minuten noch das pure Mondlicht bestäubt hatte. Nun atmete die Dunkelheit seinen toxischen Nebel um es herum aus, während die kakaobraunen Augen das Gitter mit dem nötigen Respekt begutachteten.
      »Seestein«, murmelte die Frau mit einem kühlen Unterton und schürzte die leuchtend roten Lippen zu einer diffusen Mimik, die zwischen Anerkennung, Missbilligung und gelangweilter Gleichgültigkeit changierte. Die behandschuhten Finger glitten mit solcher Vorsicht über die bläulich-poröse Oberfläche, als könnte sie mit einem Stock in einen Käfig voller hochgiftiger Klapperschlangen stochern. Es dauerte bloß einen kurzen Moment, bis ihr etwas auffiel und die vollen Lippen verzogen sich zu einem blutroten Grinsen, welches die scharfen Eckzähne wie gefährliche Waffen hervorblitzen ließ. Das, was sie im ersten Moment für poröse Stellen gehalten hatte, waren in der Tat Buchstaben. Buchstaben einer längst ausgestorbenen Sprache. Die Sprache eines Volkes, die einst von den Mündern einer vergessenen Zivilisation gesprochen wurden, deren Kiefer im besten Falle noch Maden und Ungeziefer beherbergten. Gleichgültig strich sie den sanften Saum ihres Anzugs den schlanken Oberarm hinab, entblößte das matt glänzende Metall ihrer Armbanduhr, auf der sich eine kleine Teleschnecke mit zähflüssigen Bewegungen erhob. Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, als eine piepsende Stimme die Dunkelheit in der Bibliothek aufscheuchte.
      »Die Fünf werden sehr mit Ihrer Arbeit zufrieden sein, Yamauba*«, hauchte die Braunhaarige die Worte in die Sprechmuschel der Teleschnecke, wobei ihre vollen Lippen jeden Buchstaben mit penibler Sorgfältigkeit formulierten. »In Ihrem Gemach habe ich zwei Dinge hinterlegen lassen. Einerseits die Bezahlung, um die Sie mich gebeten haben. Ein Bissen genügt«, ergänzte sie mit einem bedeutungsleeren Lächeln. »Und einen Logport«.
      Das aufgeregte Japsen ihrer Gesprächspartnerin wandelte sich zunächst in ein freudestrahlendes Lächeln, welches die Braunhaarige sogar durch die Teleschnecken hören konnte, ehe es in faltenschlagender Verwirrung erstickte.
      »Wozu einen Logport?«, keuchte das Mädchen am anderen Ende der Leitung, die kaum den unschuldigen Kokon der Pubertät entschlüpft war. Das nervöse Zittern in ihrer Stimme amüsierte die Braunhaarige, während diese bedeutungsschwanger eine zweite Teleschnecke aus ihrer Manteltasche zog. Ihre goldene Textur schien trotz der Dunkelheit zu strahlen, als würde die bitterböse Sonne seine Oberfläche mit ihren strahlenden Fingern polieren. Aber vielleicht strahlte es sogar viel mehr auf Grund der Dunkelheit, immerhin verhieß die Teleschnecke den unausweichlichen Tod für die gesamte Insel.
      »Der Logport wird Sie zu einer Insel führen, an der ein Schiff im Hafen ankert. Setzen Sie das Mädchen dort ab und verschwinden Sie. Damit ist unser Geschäft abgeschlossen und sie werden nie etwas vom Lord hören«.
      »Ich dachte, mein Auftrag wäre es gewesen, Sybill hierher zu bringen und Sie in die Bibliothek zu lassen«, entgegnete die Frau, die man in der Unterwelt schon in ihren jungen Jahren Yamauba, die grausame Berghexe, nannte, nun ein wenig trotzig und irgendetwas an ihrer naiven Art imponierte der Braunhaarigen. Das Raubtier in ihrem Inneren hatte sich gerührt und jede folgende Silbe sprach sie mit der Gewissheit eines Qualen verheißenden Todes.
      »Die Konditionen unseres Abkommens haben sich soeben verändert. Sie werden die heutige Nacht so oder so nicht überleben, wenn Sie sich nicht daran halten. Die Frage ist nur, auf welche Weise Sie viel zu früh von dieser Erde scheiden. Wird das trommelfellzerreißende Feuer der Kanonen ihren jugendlichen Körper zerfetzen, werden die Überlebenden Mönche, getrieben von Angst, Verzweiflung und der buchstäblichen Hölle auf Erde, all ihre Hemmungen fallen lassen, um ein letztes Mal auf Gottes guter Erde zu sündigen, in dem Sie sie mit Haut und Haaren verschlingen, oder werde ich es sein, die in den Genuss kommt, ihr frisches Herz und seine letzten Schläge in meinen Händen zu spüren? Tick, Tack.«
      Ohne die Frage zu beantworten, legte die Braunhaarige auf, betätigte den Knopf der Goldenen Teleschnecke und ließ sie vor dem Seesteingitter wie eine milde Opfergabe an den Herrscher der Hölle zurück, ehe sie erneut eins mit der Dunkelheit wurde und die Bibliothek in ihrem letzten Schlummer zurückließ.

      *jap. Berghexe.
      160.Kapitel: Erde zu Erde - II


      Das hektische Flattern ihrer weiten nachtblauen Roben jagte wie ein keuchendes Tier auf einer Hetzjagd gegen die Zeit durch die verschnörkelten Flure der alten Klosteranlagen. Schwester Caramel schleifte den geflickten Seesack hinter sich her, während Erschöpfung, Zorn und Angst sich mit jedem weiteren Schritt in ihr Gesicht meißelten. Tick, Tack. Die Worte der Frau, die in den letzten Monaten ihre Unterhändlerin in der Unterwelt gewesen war und auf den Decknamen Nyx hörte, materialisierten sich zu einer überdimensionalen Uhr, deren Zeiger durch Caramels Kopf, Herz und Mark schlugen. Sie konnte sich nicht ausmalen, welch endlose Nacht die diabolische Frau über die Insel bringen würde, sie wusste nur, dass sie selbst zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf der Insel der Erleuchteten sein würde. Wenn sie nur diese vermaledeiten Kinder finden würde. Sybill. Sie fürchtete dieses Mädchen beinahe so sehr wie Nyx, auch wenn ihr nicht klar war, woher diese beinahe instinktive Angst rührte. Vielleicht war es die Reife eines Erwachsenen, der mehrere Zeitalter auf dieser Erde verbracht hatte, welche Sybill wie einen selbstverständlichen Schleier um sich trug. Das Gesicht in eine Maske gegossen aus illusionistischen Nebel, ein Lächeln, in dem der Kiefer einer Bestie schlummern konnte, die Bewegung eines jungen Mädchens, vollführt von der greisen Marionettenspielerin. Nichts an dem Mädchen wirkte echt, ohne dabei künstlich zu sein und in dieser Ungewissheit bewegte sich Sybill wie eine Tänzerin durch das Theaterspiel des Lebens, in dem ihre Mitmenschen bloß austauschbare Statisten blieben. Und mit genau diesem Mädchen musste Caramel nun die Flucht antreten? Ihr wurde schlecht und der Geschmack süßlicher Galle machte es sich in ihrem Mund gemütlich, auch wenn sie nicht wusste, ob es immer noch der Nachgeschmack der teuflischen Frucht war, welche die Ordensschwester mit den Nachwehen einer durchzechten Nacht beglückte. Sie fluchte, wechselte die Schulter, über der sie den schweren Seesack voll notwendiger Habseligkeiten gelegt hatte, und spuckte einmal voller Frevel auf den geheiligten Boden des Klosters. Wo war die Göre? Oh, wie sie Kinder verabscheute. Jede Faser ihres Körpers sträubte sich gegen die Gesellschaft dieser törichten kleinen Wichte, deren Seelen so leicht zu täuschen, so leicht zu verführen und so leicht zu brechen waren. Selbst die Waisen dieser Insel, welche das gleiche Schicksal teilten wie sie selbst, waren ihr zuwider. Sie hatte damals die einzig logische Konsequenz aus dem Elend gezogen, welches sie und ihren jüngeren Bruder ereilt hatte. Tick, Tack. Die personifizierte Dunkelheit schien in diesen Stunden der erschöpften Verzweiflung nun all die alten Gedanken mit erbarmungsloser Ehrlichkeit aus den tiefen Schatten ihrer Seele zu ziehen, als die Bilder der gezuckerten Straßenlaternen aufleuchteten und die sechsjährige mit dem kleinen Bündel in ihren Armen durch die Straßen eilte. Die verschneiten, kunterbunten Fassaden verliehen der Straße nicht umsonst den klangvollen Namen Zuckerallee, die sich mitten im Herzen Moskvas erstreckte und eine der wichtigsten finanziellen Adern der Stadt darstellte. Eine pulsierende Meile, deren zuckersüßes Erscheinungsbild all die pechschwarzen Gräueltaten verschleierte, an deren Pforte Caramel nun klopfte und der in bunte Tücher gehüllten Frau mit dem leeren Wolfslächeln das schreiende Bündel in die Hand drückte. Noch heute spürte Caramel keine Reue, wenn sie daran dachte, wie sie ihren kleinen Bruder auf dem Kinderstrich verkauft hatte. Sie wollte überleben und hatte alles getan, um dieses Ziel zu erreichen, auch wenn dies vermutlich der schicksalhafte Tag gewesen war, der ihr restliches Leben auf die dunklen Pfade des Kinderhandels geführt hatte. Tick, Tack.
      Caramel spielte bereits mit dem verführerischen Gedanken, das angepriesene Rettungsboot allein zu besteigen. Siena degli Illuminati zu verlassen, ohne einen Gedanken an Sybill und Nyx zu verschwenden. Wie weit konnte der Arm des blutroten Schattens schon reichen? Vor allem jetzt, wo sie selbst mit dem Teufel im Bunde stand. Wie ein nervöses Kind beim verbotenen Griff in die Keksdose auf dem obersten Küchenregal, zog sich ihr Magen zusammen und das kühle Lächeln der Braunhaarigen, mit der sie bisher nur über Teleschnecken kommuniziert hatte, zeichnete sich im diffusen Kerzenschein jedes Schattens ab, den sie auf ihrem Weg durch die Klostermauern passierte. Vielleicht sah das Schicksal in seinem perversen Ränkespiel noch nicht den heutigen Tag als Endpunkt in Caramels Leben an oder es war purer Zufall, der die Schwester direkt in die Hände des blondgelockten Jungens trieb, der er einen unscheinbaren Schatten hinter sich her schleifte, welcher sich schockiert die Hände vor die verquollenen Augen geschlagen hatte und der Caramel erst später als Luzifers Schwester, Theresa, auffallen sollte.
      »Schwester Caramel! Schwester Caramel!«, keuchte Michel und die unterwürfige Süße in seiner Stimme loderte die schwelende Glut ihres Kinderhasses wieder auf. Sie wollte ihn schon genervt in seine Gemächer schicken. Immerhin hatte sie gerade wichtigeres zu erledigen, als den fingierten Sorgen des spitzbübischen Schönlings zu lauschen, als seine blassrosa Lippen ihre Aufmerksamkeit weckten.
      »Ich habe den Blinden, den Schwarzen und ein weißhaariges Mädchen in der Bibliothek herumlungern sehen! Ist es nicht verboten, so spät noch unterwegs zu sein? Ich selber bin nur hier, weil mich Luzifers Schwester über dessen Fehlverhalten informiert hat«, sprudelte es mit widerlicher Genugtuung aus ihm hervor.
      »Führ mich zu ihnen!«, herrschte Caramel den Blonden an, welcher mit der scharfen Reaktion der Schwester nicht gerechnet zu haben schien, ehe die Überraschung einem süffisanten Lächeln wich. Gemeinsam eilten sie durch die Gänge des Klosters, in dem die meisten Bewohner bereits friedlich schlummerten.

      ~ In der Gegenwart ~

      »Nur wir sechs – Caramel, Michel, Theresa, Luzifer, Sybill und ich – waren die einzigen Überlebenden jeder schicksalhaften Nacht. Während dein Vater alles darangesetzt hatte, um uns Ärger einzubrocken, war schließlich er es, der uns dadurch paradoxerweise das Leben gerettet hat. Denn während sich die Drei auf die Suche nach uns begaben, hatte die Marine ihre Kampfstellung um die Insel bereits begonnen und es waren nur noch wenige Minuten, bis der erste Schuss die Mönche aus ihren Betten reißen und den Astronomieturm in pulverisierten Sternenstaub verwandeln sollte«, schloss der Wissenschaftler mit erstickender Wehmut in der Stimme. Sein Mund fühlte sich trocknen an und der Geschmack des Blutes, welches er trinken hatte müssen, fraß sich weiterhin seinen ätzenden Weg die Speiseröhre hinab. Raphaelas zuvor gezügeltes weißes Haar hing ihr nun mehr strähnig ins Gesicht, auch wenn der Anfall, der sie in wilden Zuckungen durch das Innere der Kathedrale hatte wirbeln lassen, mittlerweile beendet war. Die in sich ruhende Zuhörerin war einer zügelloseren Version ihrer Selbst gewichen, wirkte reifer, leidenschaftlicher, aber weiterhin berechenbar. Bisher waren Dädalus’ Schachzüge aufgegangen. Die Erwähnung des Dritten Auges hatte seinen gewünschten Effekt gehabt, auch wenn der Greis sich wunderte, dass die Geschichten über ihre Mutter sie vergleichsweise kalt ließen, während bloß die Erwähnung von Michels Namen genügte, um die Wächterin des Glockenturms förmlich an seine Lippen zu schweißen. Jede Faser ihres Körpers schien sich daraufhin aufzubäumen und sich ihm zuzuwenden. Als würde seine Stimme einen magnetischen Einfluss auf die Weißhaarige ausüben. Melancholie sickerte wie verschmutztes Grundwasser in die Tiefen seiner Seele, als er Raphaela einen mitleidigen Blick zuwarf. In seinem tiefsten Inneren widerte es ihn an, dass er das Mädchen auf die dunklen Pfade seiner Vergangenheit führen musste. Viel lieber hätte er ihr Geschichten über ein liebendes Elternpaar voll Hoffnung und Glückseligkeit erzählt, aber ein weiteres Mal musste er einsehen, dass ihm diese Rolle nicht vergönnt sein sollte. Er hatte seinen eigenen Sohn nicht retten können und auch Brianna würde er nach diesem taggewordenen Albtraum nicht mehr vor der Wahrheit beschützen können. Welche naive Hoffnung brachte ihn nun dazu, für Raphaela etwas Anderes zu erwarten? Sie alle drei hatten die Sünden ihrer Eltern geerbt und wer war er zu glauben, dass auch nur einer von ihnen diesem Schicksal entrinnen könnte?
      Er seufzte und räusperte sich, während seine Kopf wieder versuchten, sich in dem Wirrwarr an Gedanken zurecht zu finden, um den verlorenen Faden wieder aufzugreifen, den er zuvor hatte fallen lassen. Es war an der Zeit, die Geschichte zu Ende zu bringen.
      »Wie ich schon sagte...Michel, der die naive Zuneigung von Luzifers Schwester ausgenutzt hatte, um über dessen nächtlichen Ausflug in die Bibliothek zu erfahren, lotste Caramel direkt zu uns, als der erste Kanonenschuss unser Trommelfell und die uralten Mauern der Kathedrale zerriss. Im Nachhinein passierte alles so schnell, dass wir keine Zeit hatten, Fragen zu stellen, oder Schwester Caramel ließ es nicht zu. Ebenso war es unser Glück, dass sie nicht lange fackelte und sich entschied, uns ebenfalls von der Insel zu schaffen. Nicht aus Gefälligkeit oder weil wir ihr so viel bedeuteten, wie wir alle im ersten Moment dachten, sondern weil ihr die Zeit wie eine gefräßige Spinne im Nacken saß und sie unsere Gesellschaft und den damit verbundenen Mehraufwand gegen eine alleinige Überfahrt mit Sybill abwog. Wer weiß, welche Schicksalsschwester ihre Spindel an diesem Tag mehr Garn zu unseren Lebensfäden zugeben ließ, aber Caramel karrte uns alle fünf auf das kleine Schiff, welches am versteckten Hafen im Süden der Insel ankerte. Uns erzählte sie, dass die anderen Kinder bereits mit den Mönchen evakuiert worden wären...nutzte unsere Schuldgefühle aus, weil wir zu solch später Stunde noch auf den Gängen herumgelungert hätten...tischte uns ein Märchen über vandalierende Piraten auf, ehe sie Segel setzte.«
      Dädalus setzte ab, schluckte schwer und blickte Raphaela nun direkt in die leeren, glasgleichen Augen. Tauchte hinab in das Meer aus blutrotem Edelstein, in dem die Flammen jener Nacht erneut zu Atem kamen und die Ruinen hinaufkletterten, in ihrer Gier alles verschlingend, was sich ihnen in den Weg stellte. Bücher, Schriften, Gemäuer und menschliches Fleisch. Er hörte das Trommelfeuer der gewaltigen Kriegsschiffe, deren Emblem nicht den schief grinsenden Totenkopf der Piraterie zierte, sondern das rechtschaffende Symbol der Weltregierung, unter dem die freiheitverheißenden Schwingen der Möwe im rauchroten Nebelgeschwader segelten. Er spürte den Hass ebenjener Nacht wieder in sich aufsteigen, als er und die anderen sich geschworen hatten, die Weltregierung zu vernichten. Es war ein wortloser Schwur, geschmiedet mit nackter Verzweiflung, dem Gestank verbrannter Haut und Papiers in der Nase und dem Verlust jeglicher kindlichen Unschuld, sofern einer von ihnen dies jemals besessen haben mochte.

      ~ 1397 Anno Maris (127 Jahre zuvor) – Eine unbekannte Insel ~

      Der Dunkelhäutige wusste selbst nicht, wann die Müdigkeit das Gefühlschaos in seinem Inneren letztendlich gezähmt hatte. Vielleicht waren es Luzifers stoische Ruhe, die katatonische Abwesenheit jeglicher Emotion in Sybills Gesicht oder die harsche Beharrlichkeit, mit der Caramel die flennende Theresa und den erstaunlich aufgelösten Michel zum Schweigen brachte. Irgendwann hatte das Bedürfnis nach Schlaf den Groll und die ausweglose Traurigkeit unter sich begraben und Dédale in einen unruhigen Schlaf geworfen, dem sich lediglich seine Glieder, jedoch nicht sein Geist anschloss, sodass er am nächsten Morgen völlig orientierungslos aufwachte. Die gleißende Sonne, die ihm wie Höllenfeuer auf die Stirn brannte, oder Michels verquollene Augen, deren himmelblauen Iriden in einem trüben, blutroten Meer schwammen, wirkten vollkommen surreal. Hatte er soeben nicht noch gemeinsam mit den Mönchen unzählige Wassereimer geschleppt, um die verzehrenden Flammen zu löschen? Sollte dies alles nur ein Traum gewesen sein?
      »Holt das Segel ein. Wir gehen an Land!«, riss ihn die vertraut fremde Stimme Caramels aus seinen Überlegungen. Sofort standen Luzifer und Theresa auf und taten wie geheißen, woraufhin sich Dédale vage erinnerte, dass sie damals allein von ihrer Heimatinsel, Corto Maltese, geflohen waren. Konnten sie deshalb mit dieser Situation besser umgehen? Doch was war dann mit Sybill? Wieso wirkte dieses Mädchen so gelassen, als würde es sich hierbei um einen alltäglichen Ausflug handeln, als wäre nicht ihre gesamte Existenz binnen einer Nacht von Feuer, Schutt und Asche verschlungen worden. Und auf einmal schwappte seine Enttäuschung und Ratlosigkeit in blanken Zorn über. Er wollte das weißhaarige Mädchen an den Schultern packen und sie schütteln. So lange und so heftig, bis aus ihrer Fassade irgendeine Form von Emotionen wie ein fruchtiger Apfel auf den Boden fiel. Doch da tippte ihm etwas auf die Schulter und riss ihn damit schon zum zweiten Mal binnen weniger Minuten aus seinem Gedankenkarussell.
      »Du und Michel müsst das Seil halten, während Theresa und ich das Segel einholen«, sprach Luzifer mit ruhiger und monotoner Stimme. Paradoxerweise störte ihn die Gelassenheit seines alten Freundes gar nicht. Vielleicht, weil er sie einschätzen konnte und wusste, dass der Blinde auf jegliche Situation auf diese Art und Weise reagierte. Analytische Gelassenheit hatte Dédale es einmal treffend bezeichnet; während bei ihm gerne mal die emotionalen Pferde durchgingen, konnte Luzifer stets zumindest die äußere Ruhe bewahren. Ein Charakterzug, um den der Dunkelhäutige ihn wahrlich beneidete.
      Gemeinsam navigierten sie das Schiff an eine kleine Bucht der unbewohnt wirkenden Insel. Dichte dunkle Nadelwälder ragten wie tannengrüne Eiszapfen aus dem schroffen Erdreich und ein Mantel der Kälte legte sich über die knochigen Schultern Dédales. Als seine pechschwarzen Augen zu seinen gleichaltrigen Begleitern wanderten, musste er feststellen, dass es beinahe allen ebenso ging. Selbst Sybills emotionsloses Gesicht zeigte so etwas wie Anspannung, oder war es sogar interessierte Erwartung?
      »Folgt mir und bleibt zusammen«, herrschte die Nonne die Kinder an, während sie den nachtblauen Stoff ihres Ordenskostüms raffte und die Küste entlang marschierte, an der sich die grauen Wellen brachen und ihre Gischt wie Drachen auf das unwirtliche Land spieen.
      »Was wollen wir hier?«, ergriff der blonde Lockenkopf das Wort, der allmählich wieder zu alter Arroganz und Stärke zurückzufinden schien. Paradox musste Dédale feststellen, dass er sogar froh war, dass Michel die Initiative ergriff und sich gegen ihre erwachsene Führerin aufzulehnen schien. »Was ist das für eine Insel? Wir sind hier kaum zufällig gelandet, nicht wahr? Ich habe den Logport in Ihrer Tasche entdeckt, als wir das Schiff beladen haben.«
      Caramels Miene versteinerte, ob aus Überraschung, dass man ihr kleines Geheimnis gelüftet hatte, oder aus Verärgerung konnte Dédale nicht beurteilen. Jedoch wirbelte sie mit einem hasserfüllten Funkeln herum, Abneigung und Ekel mit ihren vollen Lippen zischend. Das schöne Gesicht demaskiert und das wahre Hexengesicht entblößend.
      »Wie könnt ihr mistigen Drecksbälger es eigentlich wagen, hier irgendwelche Forderungen zu stellen? Ihr nutzlosen Kälber habt es überhaupt erst meiner Gnade zu verdanken, dass ihr noch am Leben seid und eure kindlichen Körper nicht zu unkenntlicher Asche verkohlt sind. Ihr-«.
      »Das reicht, Yamauba«, schnitt der Furie eine gelassene Stimme das Wort ab. Sie fühlte sich warm und zutraulich an, dennoch zeichnete sich das blanke Entsetzen auf Caramels Gesicht ab, als eine Hand sich auf ihre Schulter legte. Die fünf Kinder blickten entgeistert auf den drahtigen Körper des jungen Mannes, der wie aus dem nichts aufgetaucht war. Er war viel zu dünn für seine Größe, was noch dadurch unterstrichen wurde, dass er in eine ärmellose, lehmbraune Lederkluft gehüllt war, die sich so eng wie eine zweite Haut an den dürren Körper schmiegte. Eine frische Brise wehte aus den dunklen Wäldern der Insel auf und wirbelte den schwarzen Mantel des fremden Mannes auf, ehe er sich erneut an Caramel wandte und sie ein weiteres Mal mit dem seltsamen Namen ansprach.
      »Die Geschäfte, welche du mit Nyx geschlossen hast, enden an diesem Tag. Ich werde mich nun um die Kinder kommen. Du kannst gehen, Yamauba, bevor ich es mir anders überlege und dich doch nur für das zur Rechenschaft ziehe, was du gerade dem Jungen antun wolltest«.
      Der markante Adamsapfel des Fremden hüpfte auf und ab, als er Caramel die Worte in einem Plauderton offenbarte. Doch es bedurfte nicht einmal der kalkweißen Hautfarbe der Nonne, um die Bedrohlichkeit zu spüren, die sich mit jeder Silbe wie eine Python um ihren Schwanenhals gewickelt hatte. Jedes Wort, welches seine schmalen, blassen Lippen verließ, veranlasste die Schlange den Druck weiter zu erhöhen. Die ersehnte Erlösung erfolgte erst, als Caramel hastig den Kopf schüttelte und der Mann die knochigen Finger von ihrer Schulter nahm.
      »Ausgezeichnet«, klatschte der Mann lächelnd in die Hände, während Caramel atemlos japsend davon stolperte, ehe er sich vollends auf die fünf Kinder konzentrierte, die ihn musterten. Jedes auf eine andere Art und Weise. Michel fasziniert, Luzifer skeptisch, Theresa eingeschüchtert, Sybill desinteressiert und Dédale fassungslos.
      »Dann wollen wir euch einmal ins Warme bringen, oder? Ihr müsst eine schreckliche Nacht hinter euch haben. Das kann ich in euren Gesichtern sehen«.

      ~ In der Gegenwart: Der Judasring ~

      »Traumwas?«, echote die Stimme des Meermanns durch die unterirdischen Gänge der Stadt, wobei sie nicht einmal mehr Ratten, Ungeziefer und sonstige Reste einer lebenden Existenz aufzuscheuchen vermochte. Alles um sie herum schien in verwesender Stille zu verharren, als hätten die kranken Hände eines Irren in das Stundenglas der Zeit gegriffen, um mit seinen faulenden Fingern den Sand am Rieseln zu hindern. Das Leben schien im Strudel aus Fiebertraum und lähmender Wirklichkeit erstarrt zu sein, die Drei im Verließ der Vorhölle zur machtlosen Observation verdammt. Drake kniff die himmelblauen Augen zusammen, während er sich mit dem Zeigefinger grübelnd an die Stirn fasste.
      »Traumwelt oder viel mehr Dimension«, versuchte Brianna erneut dem Kopfgeldjäger ihre derzeitige Situation zu erläutern. Ein hoffnungsloses Unterfangen, nicht zuletzt, weil sie selbst nicht so wirklich verstand, worin sie der blinde Kardinal hier überhaupt verstrickt hatte.
      »Du meinst...alles, was wir hier sehen ist nicht real? Ich stehe also gar nicht saugnapftief in Exkrementen, sondern liege eigentlich auf der Ikarus gemütlich in meinen Bett und schnarche mit Marci friedlich um die Wette?«
      »Nun ja«, setzte die Rothaarige zögernd an, zupfte an den blutverkrusteten Trägern des ehemals weißen Spitzenkleides, welches ihr mittlerweile zentnerschwer auf den schmalen Schultern lastete. Ihr Kopf schwirrte noch immer und sie hatte das Gefühl, dass ihr Körper weiter in den Glückshormonen des Morgens gefangen war, der nur wenige Stunden zurücklag. Gehüllt in die verschwitzten Laken, die feurige Röte einer ekstatischen Nacht auf den Wangen und Marcs Herzschlag gegen den ihren trommeln spürend. Doch das Gesicht einer Tochter, die sie nie hatte kennenlernen dürfen, die weißhaarige Nonne aus zerfließendem Blut, die braunen Augen des Jungen und zuletzt die Königin des Verfalls griffen wie spitze Fingernägel in das wohltuende Gewebe des Morgens und zerfetzten es. Ein ganzes Jahr an Emotionen schien durch ihre Knochen gefahren zu sein, hatte nicht nur ihre Seele aufgewühlt und Brianna keinen klaren Gedanken fassen lassen. Doch Kyu, Dädalus und die anderen brauchten ihre Hilfe. Sie waren wegen ihr in dieser misslichen Lage. Wegen einer kruden Prophezeiung hatte sie den Fuchsjungen bereits in den scharfkantigen Schluchten Clockwork Oranges bereits beinahe an hochmutiges Gold verloren. Sie würde nicht zulassen, dass noch jemand Schaden erlitt, und wenn sie dafür mit dem Teufel das Bett teilen musste. Es war nicht das erste Mal und es würde mit Sicherheit nicht das letzte sein. Mit funkelnden Augen drehte sie sich zu der alten Frau um, die ihnen wie ein Schatten folgte. Ein Schatten ihrer selbst im Kielwasser der beiden Schatzjäger, durch menschlichen Abfall watend.
      »So ist es doch, nicht wahr?«, fauchte die Rothaarige das abscheuliche Nachtschattengewächs an, welche sich ihr als Sybill vorgestellt hatte. Jene hob den Kopf, legte ihn ein wenig schief und setzte eine Miene auf, die beinahe so wirkte, als hätte sie die Frage der Schatzjägerin nicht verstanden. Doch den Geduldsfaden Briannas hatte das gierige Feuer schweißtreibender Fieberträume bereits längst verschlungen, sodass sie an den Ketten zerrte, die Sybill um die knochigen, zerschundenen Handgelenke gelegt worden waren. Die gebrechliche Frau stolperte wie eine Sklavin ein paar Schritte nach vorne, während das rostige Metall ihr in die eiternden Wunden schnitt und Briannas Frage wie Hundegebell durch die Katakomben jagte. »Ich habe dir eine Frage gestellt!«
      Etwas in den eingefallenen Augenhöhlen Sybills funkelte. Eine gefährliche Mischung aus Hass, Zorn, Anerkennung und Demütigung schien sich wie ein Wirbelsturm im blutroten Morast ihrer Augen zu entfachen, doch kein Gewitter und keine Sintflut entstieg den Tiefen ihres zahnlosen Mundes, sondern nur eine stumme Geste. Das Augenrollen der Rothaarigen schalt sie wie ein kleines Kind.
      »Wir können dir die Fesseln nicht abnehmen. Sie sind aus Seestein gefertigt und weder ich noch Drake sind stark genug, um sie zu zerstören. Wir müssen wohl einen Schlüssel finden, aber erst einmal führst du uns zu unseren Freunden«, wiederholte die entnervte Schatzjägerin das, was sie Sybill bereits kurz nach ihrem Aufeinandertreffen erklärt hatte. Schmollend schob die Greisin die Unterlippe nach vorne und blickte mit falschem Dackelblick zu dem blonden Meermann, der eine undefinierbare Gestik – irgendetwas zwischen einem Nicken, Kopfschütteln und Schulterzucken – vollführte. Er schien sich in der Rolle des Schlichters zwischen den beiden Frauen deutlich unwohl zu fühlen, zumal er generell nicht wirklich verstand, welche Beziehung die beiden miteinander zu teilen schienen. Brianna hatte Sybill zwar als ‚Freundin’ bezeichnet, aber so wie sie mit ihr umsprang, bekam Salvador eher den Eindruck, dass sie das genaue Gegenteil dessen war.
      »Was passiert eigentlich, wenn wir uns hier verletzten? Sollte uns das etwas ausmachen? Immerhin ist es ja nicht real, oder?«, versuchte Drake zu schlichten und stellte die Frage, die ihm auf den Lippen brannte, seit er erfahren hatte, dass man sie in einer Traumwelt gefangen hielt. Seine Worte richteten sich direkt an die greise Dame, die wieder dazu übergangen war, auf den kotverschmierten einzelnen Haarsträhnen herum zu kauen, die noch aus ihrer vernarbten Kopfhaut sprossen. Als der Kopfgeldjäger sie direkt ansprach, um ihre volle Aufmerksamkeit zu erlangen, verzogen sich ihre Lippen zu einem vielsagenden süffisanten Grinsen. Der Wirbelsturm, der im blutigen Meer an Kraft gewonnen hatte, fand nun sein Ventil, indem er als schallendes Gelächter durch die Katakomben wirbelte.
      »Kraha~lele! Kraha~lele! Krahaaaa~lele! Was interessiert dich dein Körper, Sohn des Meeres? All diese Muskeln, all diese Kraft«, fuchtelte sie mit ihren nagellosen Fingern in seine Richtung, dabei Blut und Galle spuckend, »was nützt es dir, wenn dein Geist in Trümmern liegt? Wenn deine Psyche einstürzt wie ein billiges Kartenhaus und die erstickende Flut deinen Seelenpalast unter sich begräbt, sodass kein Tageslicht mehr dort scheinen kann? Sobald deine Gedanken matt und deine Augen leer werden, wird all diese Kraft bedeutungslos sein. Das Fleisch ist vergänglich, aber der Geist kann ewig leben. Doch sobald diese Flamme erlischt, wird auch dein Körper verwesen. Ein Schicksal weitaus schlimmer als der Tod deiner Physis!«
      Die Worte als Nachwehen des irren Wirbelsturms hatten einen Raureif über die Arme des Meermannes gelegt, sodass jener die Ärmel seines olivgrünen Jacketts nach unten krempelte und den meergrauen Blick Briannas suchte. Jene zeigte sich weit weniger beeindruckt von den Worten der greisen Demagogin, auch wenn er glaubte, einen flüchtigen Angstfrost am Rande ihrer Iris aufblitzen zu sehen. Ein mahnender Schimmer der Worte Sybills, welche das starke Feuer ihres Charakters nicht auszumerzen vermocht hatte. Die alte Frau hatte sich derweil wieder zu ihrer beachtlichen vollen Größe aufgerichtet und den Kopf in den Nacken gelegt, als würde sie in einer mondlosen Nacht das Sternenzelt in seiner vollen Blüte bewundern wollen. Doch das zufriedene Gackern ihrer Stimme sollte den Meermann ihre seltsame Anwandlung augenblicklich verständlich machen.
      »Ahhh...bis auf einen sind nun alle da, Fräulein Grimm. Ich würde mich jedoch beeilen. Die fragilen Mauern dieses Bauwerks werden mit jedem Millimeter, den die richtenden Zeiger dieser Traumuhr fortschreiten, dünner.«
      Als hätte das Armband, welches das Handgelenk des Meermanns zierte, nur auf die weisen Worte der Hexe gewartet, erfüllte das blecherne Klingeln der Teleschnecke die unterirdische Welt und verpasste Brianna und Drake beinahe einen Herzinfarkt. Mit zitternden Händen führte er das Geschenk Dädalus’, welches er in seiner Werkstatt für sie alle gebastelt hatte, zu seinen Lippen und flüsterte zögerlich ein »Hallo?«.
      »Drake? Bist du das?«, konterte eine Frauenstimme scharf und unwirsch, die dem Kopfgeldjäger keine Möglichkeit gab, die Frage zu bejahen. »Zum Glück erreiche ich jemanden. Ich weiß nicht, wo wir hier gelandet sind, aber du bist der erste, dessen Teleschneckensignal reagiert hat. Aloë und ich sind in irgendeiner südländischen Stadt gelandet...alles etwas verwirrend...aber das wichtigste ist, dass wir uns in einem der Häuser verschanzen musste. Hier wimmelt es von Soldaten, die durch die Stadt patrouillieren.«
      »Soldaten?«, nutzte Drake die Atempause der Frau, deren Stimme er sofort als Kaisas erkannt hatte.
      »Es sind Kartensoldaten! Drake, wir wurden von den Untergebenen der Herzkönigin umzingelt!«
      Mit diesen Worten brach die Verbindung ab. Während Drake und Brianna panische Blicke austauschten, hob Sybill den verwesenden Zeigefinger und ließ ihn wie ein Metronom hin und her pendeln, während ihre aufgeplatzten Lippen stumm Tick Tack flüsterten.


      Mit Kapitel 161 geht es hier weiter

    • So schnell kann es gehen, die ersten 10 Kapitel deines neuen Arcs sind bereits rum. Nun könntest du vielleicht argumentieren, dass dieser Arc ein anderer ist als der, den du ursprünglich im Sinn hattest, aber dennoch sind 10 Kapitel 10 Kapitel. Wo ist der Champagner?

      Wir erfahren etwas über Drakes Vergangenheit. Ich glaube, ich falle vom Glauben ab. xD
      Der Meermann schien eine vergleichsweise normale und ruhige Kindheit gehabt zu haben, mit strengem Vater, milderer Mutter und einem eigenen Bettchen. Wer hätte es gedacht, ich sicherlich nicht. Vielleicht bin ich aber auch nicht der beste Ansprechpartner. Dennoch liegt ein Schatten über dem trauten Familienidyll. Ein Schatten namens Mathilde. Hier überraschst du insofern, dass Mathilde keine echte Person zu sein scheint; zumindest nicht in dieser Traumsequenz. Als schaurige Mischung aus Poltergeist und Monster im Schrank sucht sie den armen Salvador heim. Die Frage ist nun, wie genau man den Rückblick nehmen darf. Salvadors Alptraum wirkt noch am ehesten wie ein Flashback, jedoch kannst du auch hier manipulierend einwirken. Ist Mathilde tatsächlich nur eine Halluzination Salvadors? Oder gar eine Art alter Ego, hinter dessen Maske der Junge seine Familie abschlachtet? War jedenfalls meine erste Assoziation, als Mathilde das Messer zückte und ins elterliche Schlafgemacht entschwebte. Wäre eine tragische Geschichte, wenn Salvador seine eigene Familie im Wahn tötete und sich somit selbst eines normalen Lebens beraubte. Gerade im Kontrast zu den anderen Schatzjägern, die eher Opfer der Umstände waren, wäre das eine interessante Entwicklung. Wir haben ohnehin schon gemutmaßt, was zuerst da war: Huhn oder Ei, der Wahnsinn oder die Experimente des Professor X. Nach dieser Rückblende scheint es, dass Salvador tatsächlich eine psychische Störung besitzt, wenngleich er dafür in der Gegenwart recht gut drauf ist. In der Regel werden solche Krankheiten ja nicht unbedingt besser, desto länger der Patient sie hat.^^

      »Psyche« ist auch das Stichwort, mit dem ich zu Dädalus und seinem Ex-BFF Luzifer überleite. Holy Shit, der Gefallene Kardinal badet regelrecht in Selbstgerechtigkeit und Rachsucht. Dädalus ist Schuld, Michel ist Schuld, er war doch nur der arme blinde Junge, der von seinen besten Freunden verraten wurde. Dolchstoßlegende mal anders. Ich bezweifle stark, dass Michel und Dädalus Luzifer ohne triftigen Grund ausgeliefert haben. Allein die Tatsache, dass Luzifer an die Weltregierung übergeben wurde, sagt alles. Die Frage ist nun, worin waren sie verstrickt und was hat Luzifer getan, um den Verrat anzuzetteln? Ebenso legitim ist die Frage, wie Sybill jetzt in die Kathedrale kommt. Ist es ein Traum? Zuletzt lag sie doch eingepfercht in ihrer eigenen Scheiße, oder? Vielleicht bringe ich hier auch wieder die Zeitebenen durcheinander. Deine Pause war diesbezüglich nicht gerade förderlich. xD
      Das Gespräch zwischen den »alten Freunden« hat mir sehr gut gefallen, insbesondere Dädalus toxischer Monolog dürfte nun sämtliche Dämme gebrochen, alle Reißleinen gekappt und das Unvermeidliche unvermeidlich gemacht haben. Mit Luzifer geht es zu Ende, und erneut wird Dädalus der letzte Nagel in seinem Sarg sein.

      Es wird dabei auch bestätigt, was wir längst wussten: Dädalus hat Briannas Tochter verkauft, um sich von einer Schuld freizukaufen. Welche Schuld? Die Schuld, Luzifer verraten zu haben? Hat Dädalus Luzifer an die Weltregierung verpfiffen, als sie einen Auftrag für die Triade ausführen sollten? Dahingehend ist es auch auffällig, wie genau Luzifer auf den Tag eingeht, an dem Brianna von ihren Eltern bei Dädalus abgesetzt wurde. Entweder entstammt Brianna tatsächlich aus einer Linie treuer Triade-Anhänger bzw. Anhänger der Prophezeiung und sollte von Dädalus in ihre Rolle als Auserwählte erzogen wurden; oder aber Briannas Eltern waren entschiedene Feinde der Triade/Prophezeiung und Dädalus - als Abtrünniger - sollte Brianna für den Kampf gegen ihre Bestimmung rüsten. So oder so scheint die Triade Dädalus letzten Endes an den Eiern gehabt zu haben. Wieso sonst hätte er Briannas Tochter opfern müssen? Fraglich ist bloß, ob er Luzifer Recht behält und Dädalus den eigenen Arsch retten wollte oder nicht doch Briannas. Würde er, um Brianna zu retten, deren Tochter opfern? Schwierige Frage, die ich (noch) nicht beantworten möchte.

      Indes ahnt Brianna von alledem nichts. Sie ist schließlich mit Theresa beschäftigt. Zum Glück erfahren wir nun, dass Brianna tatsächlich in einer Art Parallelwelt steckt, welche vier Jahre in der Vergangenheit spielt. Das erklärt die Hochzeit des Zaren, welcher in unserer Gegenwart bereits stolzer Ehemann ist. Mehr oder weniger.
      Briannas geistiger Käfig scheint aber zu rosten, immerhin hört sie mittlerweile (mal wieder) die Englein rufen. Wohin führt sie der Weg? Irgendwie müssen wir schließlich noch erfahren, was für ein Fehler Raphaela unterlaufen ist. Ich bleibe erstmal dabei, dass Brianna Raphaela unbewusst überwältigen und Aspekte aus deren Verstand (Erinnerungen, Eindrücke) übernehmen konnte. So landete Brianna in den Traumlanden. Nun muss nur noch geklärt werden, ob sich Brianna in der gleichen Traumwelt befindet wie die Herzkönigin und ihr Gefolge oder aber tatsächlich in einer anderen, um vier Jahre jüngeren Version.

      Womit ich zur Teeparty im Kleinen komme. Das Gefolge der lieben Viktoria ist komplett: Humpty Dumpty, Theophilus, Alice und Marzipan. Mit Theophilus, der den verrückten Hutmacher und den Märzhasen in einer Person vereint, sowie Alice ist die Originalbesetzung bereits komplett. Marzipan und Humpty Dumpty sind dabei nur noch Kür. Interessant aber, dass Humpty Dumpty als der älteste und gefährlichste Untergebene der Herzkönigin bezeichnet wird. Ist zwar einerseits verständlich, wenn er Herr und Meister der Spielkarten-Armee ist, dennoch überraschte es mich. Persönlich hätte ich eher Alice in der Rolle gesehen, einfach weil die Cheshire Cat als mächtigste Figur des Wunderlands gilt. Vielleicht wird Alice auch nur unterschätzt? Mir gefällt die Truppe der Herzkönigin jedenfalls ganz gut und ich nehme nickend zur Kenntnis, dass Theophilus ein echtes Wrack ist. Der Tod der Zwillinge bleibt ein Thema und verdeutlicht, dass innerhalb des Gefolges doch engere Bande bestehen. Es bleibt abzuwarten, ob der Lord seine kleine dysfunktionale Familie ähnlich im Griff hat oder sich hier alles zerläuft.

      Wieder ein längerer Kommentar meinerseits, der dem Kapitel aber trotzdem nicht gerecht wird. Obwohl du uns merklich Informationen lieferst, bleiben noch viele Fragen offen oder/und ich stehe einfach in vielerlei Hinsicht auf dem Schlauch. Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel. Kann es kaum abwarten, den Kampf der Helden gegen ihre eigenen Alpträume zu sehen. ;)


    • Kapitel 155: Kirche und Staat

      In deinem neuen Kapitel stellen sich die gleichen Fragen wie in den vorherigen. Wie viel der Traumwelt entspricht der Realität, bzw. auf viel Erlebtes wird hier zurückgegrifften.

      Das Drake als Kind zu seinen Eltern geschlichen ist dürfte stimmen, ob er dabei aber ein Stofftier in Libellenform dabei hatte oder ein Fisch nicht realistischer wäre, bleibt jedem selbst überlassen. Auffälliger ist dabei schon Mathilde auftreten. Das erste mal erfuhren wir von ihr, als Drake zusammen mit Kyu bei Dr. Grusel im Käfig steckte. Damals klang es so, als wäre sie, neben >Edwart mit den Scherenhänden<, ein weites Mitglied seiner Gruppierung gewesen und bei den Versuchen umgekommen. Beim Downfall des AA tauchte sie wieder auf und macht Drake damit auf irgendetwas aufmerksam. So wie in Erzählungen, in denen der Geist eines Verstorbenen und der Person wichtigen Teammitglieds auftaucht, um einen entscheidenden Hinweis zu geben. In dieser Traumfrequenz ist sie das böse Monster im Schrank, welches Drake Nachts nicht schlafen lässt. Dabei scheint sie auch einige Eigenschaften, besonders die Spritze, von Dr. Grusel übernommen zu haben. Haben wir also einen Drake, der mit mehr oder minder üblichen Kindheits- und Familienproblemen konfrontiert war und sein wirkliches Trauma erst bei Dr. Grusel erlebte oder steckt hinter Mathilde doch mehr bzw. dem was Mathilde jetzt anscheinend mit seinen Eltern machen wird. Es gibt die Möglichkeit, dass Mathilde schon immer eine Wahngestalt von ihm war, die ihn geängstigt, geholfen, begleitet und zu manchem verleitet hat. Also eine Halluzination einem unsichtbaren Freund ähnlich oder eine Psychose. Hat diese ihn dazu verleitet seine Eltern, im besonderes seinen Vater zu töten oder sind seine Eltern von jemand anderem ermordet worden und die Traumwelt verbindet dies nur mit seiner Angst vor dem Monster im Schrank. Gab es Mathilde wirklich, vielleicht auch nur in seiner Kindheit oder ist sie komplett eine Gestalt der Phantasie. Wie bei allen anderen auch gibt es viele Möglichkeiten, das Geschehene zu interpretieren und noch mehr Möglichkeiten, aus welchen Zeitebenen sich die Beteiligten Charakter und Ereignisse zusammensetzten.

      Bei Dädals bestätigt sich einiges, was wir bis jetzt nur mehr oder minder vermuten konnten. Er ist bzw. war Teil der Triade und ist ebenfalls dafür verantwortlich, dass Briannas Tochter entführt wurde. Warum er dies genau gemacht hat ist hingegen noch nicht klar, trotzdem dürfte es wahrscheinlich etwas mit der Prophezeiung zu tun haben. Weiterhin erfahren wir, dass es wirklich seine stimme ist, welche versucht Brianna und Co aus ihren Traumwelten herauszuführen.

      Zu der Konstellation Michael, Luzifer und Dädalus gibt es weitere Hinweise, aber noch keine klaren aussage. Im besonderen da noch nicht klar wird, wann bzw ob, der Ort, wo sie aufgewachsen sind, zur Triade bzw. dem Triadenteil der fünf Propheten gehört oder diese Kirche eine eigenständige Fraktion war. Sollte sie dazugehören, könnte es durchaus sein, dass Luzifers Taten mit dazu beigetragen haben, dass Dädalus die Triade verlassen wollte. Vielleicht hat Luzifer in Dädalus Augen zu radikal an den Zielen gearbeitet bzw. war bereit zu große Opfer in kauf zu nehmen. Allerdings scheint Luzifer eher zu der Triade-Fraktion zu gehören, welche die Prophezeiung verhindern will, denn so ganz ist immer noch nicht klar , was eigentlich das genaue Ziel der Triade ist bzw. ob die Prophezeiung überhaupt dazugehört. Bevor ich jetzt immer weiter ausschweife, die Frage ist eigentlich >Wann war, wer, wie und warum, von allen Beteiligten, Teil der Triade und wie lange.<
      Dazu zählt auch die Frage, ob Briannas Eltern ebenfalls dazugehörten haben und ab wann klar war, dass Brianna etwas mit der Prophezeiung zu tun hat. Denn wie Luzifer es ausdrückt, sind Briannas Eltern bei ihm nicht sehr gut angesehen, was daran liegen könnte, dass er in ihnen auch Verräter sieht wie Dädalus oder ...
      Ich warte mit dem weiteren Spekulieren in diesem Bereich lieber auf weitere Informationen, sonnst komme ich bei den ganzen Möglichkeiten und den daraus resultierenden möglichen Folgen und möglichen weiteren Folgen überhaupt nicht mehr zum Ende^^. @Bo hat sich dazu auch noch interessante Gedanken gemacht.

      Am Ende taucht Sybille bei Dädalus auf, was mich im Nachhinein weniger erstaunst als Gedacht. Wir wussten bis jetzt, dass sie in einem unterirdischen Kerker gefangengehalten wird, den ich bisher Shmuel CM Traumwelt zugeordnet habe. Allerdings meine ich mich an eine Äußerung von dir zu erinnern, in der du uns sagst, dass bis jetzt alles was wir gesehen haben, in verschieden Traumwelten stattfand. Abgesehen von der einen Szene auf dem Schiff von Brianna. Somit würde sich auch die Frage stellen, ob Shmuel neben Sybill und der Herzkönigin jeweils eine eigenen CM-Traumwelt haben oder ob alles in der selben stattfindet. Interessant ist noch die kleine Andeutung am Ende des Kapitels, könnte sie bedeuten, dass Sybill zum Dreiaugenstamm gehört, wie Pudding oder ist das mehr Symbolisch für ihre Stellung als Seherin gemeint.

      Währenddessen liefert sich Brianna mit Theresa einen sehr guten und interessant geschriebenen Kampf, der mir wirklich gut gefallen hat. Dabei erfährt Brianna, dass die Hochzeit stattfinden soll, kann sich aber daran erinnern, dass diese schon zwei Jahre zurückliegt. Ich weiß nicht mehr, ob und diese Zeitangabe schon bekannt war. Diese Unstimmigkeit hilft Brianna sich an weitere Dinge zu erinnern, was es ihr letztendlich ermöglicht Theresa zu besiegen. In diesem Zusammenhang fällt mir gerade ein, dass Theresa zu diesem Zeitpunkt in der realen Welt eigentlich schon auf SF im Waisenhaus gearbeitet haben müsste, weswegen die Traumwelt von Shmuel nicht ganz den damaligen Ereignissen vor Ort entsprechen dürfte. Immerhin scheint Theresa sich dort in CM dauerhaft aufzuhalten.

      Die Szene rund um die Herzkönigin hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, auch wenn meine Gedanken dazu gerade nicht sprudeln wollen. Deswegen lasse ich den Teil diesmal aus, da ich mehr oder minder nur die gegebenen Informationen wiederholen würde und auch noch einige andere FFs aufzuholen habe. Sollte mir noch ein Geistesblitz kommen werde ich ihn Editieren.

      Allgemein hat mir das Kapitel wieder sehr gut gefallen. Ich freue mich einfach riesig, dass du nun wieder regelmäßig neue Kapitel veröffentlichen kannst. :-D Mit der Zeit und den wiederkehrenden Erinnerungen werden meine Kommentare sicher wieder ihre erschreckend Längen erreichen. 8o
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Mit ein wenig Verspätung,

      die einem unerwarteten Trauerfall, sowie dem discord-Channel zu verdanken ist, gibt es dann doch Kapitel 156. Allerdings ist dieses etwas länger und ziemlich gehaltvoll, weswegen sich das Warten mit Sicherheit gelohnt hat.

      Bevor ich euch aber viel Spaß beim Lesen wünsche, gehe ich wie immer auf eure Kommentare ein! :)

      @Bo

      -Bo- schrieb:

      So schnell kann es gehen, die ersten 10 Kapitel deines neuen Arcs sind bereits rum. Nun könntest du vielleicht argumentieren, dass dieser Arc ein anderer ist als der, den du ursprünglich im Sinn hattest, aber dennoch sind 10 Kapitel 10 Kapitel. Wo ist der Champagner?
      Naja 10 Kapitel ist ja mittlerweile bei unseren Arclängen keine große Sache mehr, deswegen hab ich wohl vergessen, den Champagner kalt zu stellen. Nehmt ihr euch lauwarmes Bier? Das hab ich immer vorrätig^^

      -Bo- schrieb:

      Wir erfahren etwas über Drakes Vergangenheit. Ich glaube, ich falle vom Glauben ab. xD
      Der Meermann schien eine vergleichsweise normale und ruhige Kindheit gehabt zu haben, mit strengem Vater, milderer Mutter und einem eigenen Bettchen. Wer hätte es gedacht, ich sicherlich nicht. Vielleicht bin ich aber auch nicht der beste Ansprechpartner. Dennoch liegt ein Schatten über dem trauten Familienidyll. Ein Schatten namens Mathilde. Hier überraschst du insofern, dass Mathilde keine echte Person zu sein scheint; zumindest nicht in dieser Traumsequenz. Als schaurige Mischung aus Poltergeist und Monster im Schrank sucht sie den armen Salvador heim. Die Frage ist nun, wie genau man den Rückblick nehmen darf. Salvadors Alptraum wirkt noch am ehesten wie ein Flashback, jedoch kannst du auch hier manipulierend einwirken. Ist Mathilde tatsächlich nur eine Halluzination Salvadors? Oder gar eine Art alter Ego, hinter dessen Maske der Junge seine Familie abschlachtet? War jedenfalls meine erste Assoziation, als Mathilde das Messer zückte und ins elterliche Schlafgemacht entschwebte. Wäre eine tragische Geschichte, wenn Salvador seine eigene Familie im Wahn tötete und sich somit selbst eines normalen Lebens beraubte. Gerade im Kontrast zu den anderen Schatzjägern, die eher Opfer der Umstände waren, wäre das eine interessante Entwicklung. Wir haben ohnehin schon gemutmaßt, was zuerst da war: Huhn oder Ei, der Wahnsinn oder die Experimente des Professor X. Nach dieser Rückblende scheint es, dass Salvador tatsächlich eine psychische Störung besitzt, wenngleich er dafür in der Gegenwart recht gut drauf ist. In der Regel werden solche Krankheiten ja nicht unbedingt besser, desto länger der Patient sie hat.^^
      Drakes Traumsequenz ist auch das, was man am ehesten als Flashback bezeichnen kann und fällt daher in die unterschiedliche Kategorie an Traumsequenzen, die ich vorgehen hatte. So wie das im echten Leben ja auch ist. Manchmal träumt man total abstruses Zeug (Brianna), mal ist es ein Handlungsstrang, der plausibel ist, aber neu (Kyu) und manchmal ist es eben tatsächlich nur eins zu eins eine Erinnerung, die wir aufarbeiten (Drake).
      Was genau da mit seiner Familie vorgefallen ist, überlasse ich mal eurer Fantasie. Vermutlich weiß es Drake selbst nicht so genau, aber eines wird klar sein: Der Junge hat eine psychische Störung und das nicht erst, seitdem er bei Xanthos gelandet ist.

      -Bo- schrieb:

      »Psyche« ist auch das Stichwort, mit dem ich zu Dädalus und seinem Ex-BFF Luzifer überleite. Holy Shit, der Gefallene Kardinal badet regelrecht in Selbstgerechtigkeit und Rachsucht. Dädalus ist Schuld, Michel ist Schuld, er war doch nur der arme blinde Junge, der von seinen besten Freunden verraten wurde. Dolchstoßlegende mal anders. Ich bezweifle stark, dass Michel und Dädalus Luzifer ohne triftigen Grund ausgeliefert haben. Allein die Tatsache, dass Luzifer an die Weltregierung übergeben wurde, sagt alles. Die Frage ist nun, worin waren sie verstrickt und was hat Luzifer getan, um den Verrat anzuzetteln? Ebenso legitim ist die Frage, wie Sybill jetzt in die Kathedrale kommt. Ist es ein Traum? Zuletzt lag sie doch eingepfercht in ihrer eigenen Scheiße, oder? Vielleicht bringe ich hier auch wieder die Zeitebenen durcheinander. Deine Pause war diesbezüglich nicht gerade förderlich. xD
      Mit der Vergangenheitsbewältigung rund um Dädalus-Sybill-Luzifer-Michel habe ich momentan aus narrativer Sicht meine Probleme. Das böte wohl genug Stoff, um ne eigene FF draus zu machen und vielleicht werde ich es tatsächlich auch nur bei den relevanten Infos belassen und das als kleine Nebengeschichte ausgliedern, damit der Umfang nicht gesprengt wird. Es gibt dafür auch noch einen anderen Grund, aber den kann ich nicht verraten, da großer Spoiler.

      -Bo- schrieb:

      Das Gespräch zwischen den »alten Freunden« hat mir sehr gut gefallen, insbesondere Dädalus toxischer Monolog dürfte nun sämtliche Dämme gebrochen, alle Reißleinen gekappt und das Unvermeidliche unvermeidlich gemacht haben. Mit Luzifer geht es zu Ende, und erneut wird Dädalus der letzte Nagel in seinem Sarg sein.
      Schön augedrückt :)

      -Bo- schrieb:

      Es wird dabei auch bestätigt, was wir längst wussten: Dädalus hat Briannas Tochter verkauft, um sich von einer Schuld freizukaufen. Welche Schuld? Die Schuld, Luzifer verraten zu haben? Hat Dädalus Luzifer an die Weltregierung verpfiffen, als sie einen Auftrag für die Triade ausführen sollten? Dahingehend ist es auch auffällig, wie genau Luzifer auf den Tag eingeht, an dem Brianna von ihren Eltern bei Dädalus abgesetzt wurde. Entweder entstammt Brianna tatsächlich aus einer Linie treuer Triade-Anhänger bzw. Anhänger der Prophezeiung und sollte von Dädalus in ihre Rolle als Auserwählte erzogen wurden; oder aber Briannas Eltern waren entschiedene Feinde der Triade/Prophezeiung und Dädalus - als Abtrünniger - sollte Brianna für den Kampf gegen ihre Bestimmung rüsten. So oder so scheint die Triade Dädalus letzten Endes an den Eiern gehabt zu haben. Wieso sonst hätte er Briannas Tochter opfern müssen? Fraglich ist bloß, ob er Luzifer Recht behält und Dädalus den eigenen Arsch retten wollte oder nicht doch Briannas. Würde er, um Brianna zu retten, deren Tochter opfern? Schwierige Frage, die ich (noch) nicht beantworten möchte.
      Und die ich (noch) nicht beantworten kann. Die volle Wahrheit findet sich wohl in keiner deiner/eurer Versionen, aber es sind sehr gute Ansätze vorhanden. Und dieser Arc wird Antworten zu Tage fördern, ob diese wiederum keine neuen Fragen aufwerfen, kann ich leider nicht versprechen.

      -Bo- schrieb:

      Indes ahnt Brianna von alledem nichts. Sie ist schließlich mit Theresa beschäftigt. Zum Glück erfahren wir nun, dass Brianna tatsächlich in einer Art Parallelwelt steckt, welche vier Jahre in der Vergangenheit spielt. Das erklärt die Hochzeit des Zaren, welcher in unserer Gegenwart bereits stolzer Ehemann ist. Mehr oder weniger.
      Briannas geistiger Käfig scheint aber zu rosten, immerhin hört sie mittlerweile (mal wieder) die Englein rufen. Wohin führt sie der Weg? Irgendwie müssen wir schließlich noch erfahren, was für ein Fehler Raphaela unterlaufen ist. Ich bleibe erstmal dabei, dass Brianna Raphaela unbewusst überwältigen und Aspekte aus deren Verstand (Erinnerungen, Eindrücke) übernehmen konnte. So landete Brianna in den Traumlanden. Nun muss nur noch geklärt werden, ob sich Brianna in der gleichen Traumwelt befindet wie die Herzkönigin und ihr Gefolge oder aber tatsächlich in einer anderen, um vier Jahre jüngeren Version.
      Raphaelas Part hast du eigentlich schon gut erfasst. Ins Detail kann ich nicht gehen, da ich da noch ein paar interessante Wendungen mit verknüpft habe, aber es im Grunde so wie du es beschrieben hast. Raphaela wollte den Job schnell zu Ende bringen, warum kann ich noch nicht sagen, und hat sich gleich daran gemacht, Brianna das zu entlocken, weswegen sie da ist. Das hat aber nicht funktioniert und erst das ganze Chaos bei Brianna und den verschiedenen Traum-/Zeitebenen hervorgerufen.

      -Bo- schrieb:

      Womit ich zur Teeparty im Kleinen komme. Das Gefolge der lieben Viktoria ist komplett: Humpty Dumpty, Theophilus, Alice und Marzipan. Mit Theophilus, der den verrückten Hutmacher und den Märzhasen in einer Person vereint, sowie Alice ist die Originalbesetzung bereits komplett. Marzipan und Humpty Dumpty sind dabei nur noch Kür. Interessant aber, dass Humpty Dumpty als der älteste und gefährlichste Untergebene der Herzkönigin bezeichnet wird. Ist zwar einerseits verständlich, wenn er Herr und Meister der Spielkarten-Armee ist, dennoch überraschte es mich. Persönlich hätte ich eher Alice in der Rolle gesehen, einfach weil die Cheshire Cat als mächtigste Figur des Wunderlands gilt. Vielleicht wird Alice auch nur unterschätzt? Mir gefällt die Truppe der Herzkönigin jedenfalls ganz gut und ich nehme nickend zur Kenntnis, dass Theophilus ein echtes Wrack ist. Der Tod der Zwillinge bleibt ein Thema und verdeutlicht, dass innerhalb des Gefolges doch engere Bande bestehen. Es bleibt abzuwarten, ob der Lord seine kleine dysfunktionale Familie ähnlich im Griff hat oder sich hier alles zerläuft.
      Wie du schon sagtest: Alice ist sowohl Alice als auch die Grinsekatze. Ihre Geschichte im Kleinen wird noch kommen, galt mein Augenmerk in den letzten Kapiteln vor allem die Herzkönigin ein wenig mehr ins Licht zu rücken, nachdem Humpty Dumpty und Theophilus bereits eine deutlichere Charakterisierung erfahren haben.
      Ansonsten bin ich froh, dass es dir gefällt. Eigentlich war der Alice-im-Wunderland-Teil dieses Arcs deutlich stärker ausgeprägt, aber da ich kaum an Odas wunderbare Zeichnung momentan herankommen würde, habe ich mich zu einer gekürzten Variation entschieden.

      -Bo- schrieb:

      Wieder ein längerer Kommentar meinerseits, der dem Kapitel aber trotzdem nicht gerecht wird. Obwohl du uns merklich Informationen lieferst, bleiben noch viele Fragen offen oder/und ich stehe einfach in vielerlei Hinsicht auf dem Schlauch. Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel. Kann es kaum abwarten, den Kampf der Helden gegen ihre eigenen Alpträume zu sehen.
      Schön, dass es dir gefallen hat. Ich werde auf jeden Fall mein bestes geben.

      @qoii



      qoii schrieb:

      In deinem neuen Kapitel stellen sich die gleichen Fragen wie in den vorherigen. Wie viel der Traumwelt entspricht der Realität, bzw. auf viel Erlebtes wird hier zurückgegrifften.
      Eine Frage, die ich dir so nicht beantworten kann, ohne dem Arc sein Kernspannungselement zu nehmen. Da müsst ihr wohl auf die Aussagen der Protagonisten vertrauen und auch Hinweise in folgenden Arcs betrachten. Aber es geht euch hier wie den Schatzjägern selber, die es einfahc nicht wissen. Das war zumindest meine große Idee dahinter.


      qoii schrieb:

      Das Drake als Kind zu seinen Eltern geschlichen ist dürfte stimmen, ob er dabei aber ein Stofftier in Libellenform dabei hatte oder ein Fisch nicht realistischer wäre, bleibt jedem selbst überlassen. Auffälliger ist dabei schon Mathilde auftreten. Das erste mal erfuhren wir von ihr, als Drake zusammen mit Kyu bei Dr. Grusel im Käfig steckte. Damals klang es so, als wäre sie, neben >Edwart mit den Scherenhänden<, ein weites Mitglied seiner Gruppierung gewesen und bei den Versuchen umgekommen. Beim Downfall des AA tauchte sie wieder auf und macht Drake damit auf irgendetwas aufmerksam. So wie in Erzählungen, in denen der Geist eines Verstorbenen und der Person wichtigen Teammitglieds auftaucht, um einen entscheidenden Hinweis zu geben. In dieser Traumfrequenz ist sie das böse Monster im Schrank, welches Drake Nachts nicht schlafen lässt. Dabei scheint sie auch einige Eigenschaften, besonders die Spritze, von Dr. Grusel übernommen zu haben. Haben wir also einen Drake, der mit mehr oder minder üblichen Kindheits- und Familienproblemen konfrontiert war und sein wirkliches Trauma erst bei Dr. Grusel erlebte oder steckt hinter Mathilde doch mehr bzw. dem was Mathilde jetzt anscheinend mit seinen Eltern machen wird. Es gibt die Möglichkeit, dass Mathilde schon immer eine Wahngestalt von ihm war, die ihn geängstigt, geholfen, begleitet und zu manchem verleitet hat. Also eine Halluzination einem unsichtbaren Freund ähnlich oder eine Psychose. Hat diese ihn dazu verleitet seine Eltern, im besonderes seinen Vater zu töten oder sind seine Eltern von jemand anderem ermordet worden und die Traumwelt verbindet dies nur mit seiner Angst vor dem Monster im Schrank. Gab es Mathilde wirklich, vielleicht auch nur in seiner Kindheit oder ist sie komplett eine Gestalt der Phantasie. Wie bei allen anderen auch gibt es viele Möglichkeiten, das Geschehene zu interpretieren und noch mehr Möglichkeiten, aus welchen Zeitebenen sich die Beteiligten Charakter und Ereignisse zusammensetzten.
      Also das prinzipielle Setting war - wie bei Bo schon beschrieben - deutlich ein einem Flashback zuzuordnen. Wie du richtig erkannt hast, gab es Details, die nicht gepasst haben, wie das Libellenstofftier oder die Spritze.
      Mathilde ist aber auf jeden Fall keine reale Person.


      qoii schrieb:

      Bei Dädals bestätigt sich einiges, was wir bis jetzt nur mehr oder minder vermuten konnten. Er ist bzw. war Teil der Triade und ist ebenfalls dafür verantwortlich, dass Briannas Tochter entführt wurde. Warum er dies genau gemacht hat ist hingegen noch nicht klar, trotzdem dürfte es wahrscheinlich etwas mit der Prophezeiung zu tun haben. Weiterhin erfahren wir, dass es wirklich seine stimme ist, welche versucht Brianna und Co aus ihren Traumwelten herauszuführen.
      Korrekt.


      qoii schrieb:

      Zu der Konstellation Michael, Luzifer und Dädalus gibt es weitere Hinweise, aber noch keine klaren aussage. Im besonderen da noch nicht klar wird, wann bzw ob, der Ort, wo sie aufgewachsen sind, zur Triade bzw. dem Triadenteil der fünf Propheten gehört oder diese Kirche eine eigenständige Fraktion war. Sollte sie dazugehören, könnte es durchaus sein, dass Luzifers Taten mit dazu beigetragen haben, dass Dädalus die Triade verlassen wollte. Vielleicht hat Luzifer in Dädalus Augen zu radikal an den Zielen gearbeitet bzw. war bereit zu große Opfer in kauf zu nehmen. Allerdings scheint Luzifer eher zu der Triade-Fraktion zu gehören, welche die Prophezeiung verhindern will, denn so ganz ist immer noch nicht klar , was eigentlich das genaue Ziel der Triade ist bzw. ob die Prophezeiung überhaupt dazugehört. Bevor ich jetzt immer weiter ausschweife, die Frage ist eigentlich >Wann war, wer, wie und warum, von allen Beteiligten, Teil der Triade und wie lange.<
      Dazu zählt auch die Frage, ob Briannas Eltern ebenfalls dazugehörten haben und ab wann klar war, dass Brianna etwas mit der Prophezeiung zu tun hat. Denn wie Luzifer es ausdrückt, sind Briannas Eltern bei ihm nicht sehr gut angesehen, was daran liegen könnte, dass er in ihnen auch Verräter sieht wie Dädalus oder ...
      Ich warte mit dem weiteren Spekulieren in diesem Bereich lieber auf weitere Informationen, sonnst komme ich bei den ganzen Möglichkeiten und den daraus resultierenden möglichen Folgen und möglichen weiteren Folgen überhaupt nicht mehr zum Ende^^. @Bo hat sich dazu auch noch interessante Gedanken gemacht.
      Über die Triade gibt es in den kommenden Kapiteln auf jeden Fall mehr Informaitonen. Briannas Eltern muss ich dazu allerdings noch ein wenig raushalten, aber auch gibt es in absehbarer Zeit ein paar interessante Details.




      qoii schrieb:

      Am Ende taucht Sybille bei Dädalus auf, was mich im Nachhinein weniger erstaunst als Gedacht. Wir wussten bis jetzt, dass sie in einem unterirdischen Kerker gefangengehalten wird, den ich bisher Shmuel CM Traumwelt zugeordnet habe. Allerdings meine ich mich an eine Äußerung von dir zu erinnern, in der du uns sagst, dass bis jetzt alles was wir gesehen haben, in verschieden Traumwelten stattfand. Abgesehen von der einen Szene auf dem Schiff von Brianna. Somit würde sich auch die Frage stellen, ob Shmuel neben Sybill und der Herzkönigin jeweils eine eigenen CM-Traumwelt haben oder ob alles in der selben stattfindet. Interessant ist noch die kleine Andeutung am Ende des Kapitels, könnte sie bedeuten, dass Sybill zum Dreiaugenstamm gehört, wie Pudding oder ist das mehr Symbolisch für ihre Stellung als Seherin gemeint.
      Meine Äußerung hast du ein wenig falsch abgespeichert. Ich meinte damals nur, dass alles in einer Traumwelt stattfindet. Die Zeitebenen sind aber soweit klar:
      Es gibt die Corto Maltese-Zeitebene und die anderen Traumwelten der Schatzjäger. Aber auch hier muss ich auf das nächste Kapitel verweisen, da gibt es einige eindeutige Hinweise, wie das jetzt alles genau zusammenhängt.
      Sybill hat drei Augen und ist damit ja nicht die erste - Genevieve hatte das ja auch - mehr INfos gibt es im heutigen Kapitel zu ihr.


      qoii schrieb:

      Währenddessen liefert sich Brianna mit Theresa einen sehr guten und interessant geschriebenen Kampf, der mir wirklich gut gefallen hat. Dabei erfährt Brianna, dass die Hochzeit stattfinden soll, kann sich aber daran erinnern, dass diese schon zwei Jahre zurückliegt. Ich weiß nicht mehr, ob und diese Zeitangabe schon bekannt war. Diese Unstimmigkeit hilft Brianna sich an weitere Dinge zu erinnern, was es ihr letztendlich ermöglicht Theresa zu besiegen. In diesem Zusammenhang fällt mir gerade ein, dass Theresa zu diesem Zeitpunkt in der realen Welt eigentlich schon auf SF im Waisenhaus gearbeitet haben müsste, weswegen die Traumwelt von Shmuel nicht ganz den damaligen Ereignissen vor Ort entsprechen dürfte. Immerhin scheint Theresa sich dort in CM dauerhaft aufzuhalten.
      Erst einmal Danke, dass dir der Kampf gefallen hat. Ich dachte, der würde ein wenig Schwung in die INfo-Kapitel bringen und ist auch aus anderen gründen nützlich (vergleiche dazu das kommende Kapitel).
      Theresas Rolle ist schon richtig. Sie hat zwar zu dem Zeitpunkt das Waisenhaus in SF geleitet, war aber zur Hochzeit da und ist ihrem alten Job in der Zwischenzeit nachgegangen. Aber etwas anderes stimmt an dem Ganzen Szenario nicht. Dazu aber auch im kommenden Kapitel mehr.


      qoii schrieb:

      Die Szene rund um die Herzkönigin hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, auch wenn meine Gedanken dazu gerade nicht sprudeln wollen. Deswegen lasse ich den Teil diesmal aus, da ich mehr oder minder nur die gegebenen Informationen wiederholen würde und auch noch einige andere FFs aufzuholen habe. Sollte mir noch ein Geistesblitz kommen werde ich ihn
      Da gibt es im heutigen Kapitel auch sicherlich mehr dazu zu schreiben.


      qoii schrieb:

      Allgemein hat mir das Kapitel wieder sehr gut gefallen. Ich freue mich einfach riesig, dass du nun wieder regelmäßig neue Kapitel veröffentlichen kannst. Mit der Zeit und den wiederkehrenden Erinnerungen werden meine Kommentare sicher wieder ihre erschreckend Längen erreichen.
      Mit der Regelmäßigkeit hat es dann nicht ganz hingehaun, aber ich bin zuversichtlich, dass das nächste Kapitel früher kommt.



      Ansonsten viel Spaß beim Lesen!

      P.S.: Kapitel sind im Beitrag eine Seite zurück, ganz unten :)
    • Holy shit! Dachtest du, nachdem ich den Twist um Carla gebracht habe, musst du nachziehen? Oder wie darf ich das verstehen? Ich muss ehrlich, sagen: Ich weiß gar nicht recht, was ich zu diesem Kapitel schreiben soll. Sybill als Charakter war mir so egal, ich war ihr gegenüber so indifferent. Habe sie einfach in einen Topf mit den ganzen Namen geworfen, die Corto Maltese einfach mit Leben füllen sollen und bin absolut nicht darauf vorbereitet gewesen, dass sie eine derartige Rolle einnimmt. Herrje, was für eine Scheiße. Ich fühle mich von mir selbst betrogen. xD

      Jedenfalls bekommen wir jetzt die Bestätigung, dass Brianna aufgrund eines Fehlers von Raphaela durch die verschiedenen Zeitebenen bzw. Traumwelten wechselt und es zugleich irgendwie schafft, aktiv in diese einzugreifen. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass sie sich momentan in der gleichen Welt wie Salvador aufhält, immerhin trifft jener in diesem Kapitel auf Sahar, welche ihrerseits in einer Ebene mit Shmuel existiert. Die Frage ist nur, inwiefern Salvador denn durch die Decke gekracht sein kann, wenn er uns doch im letzten Kapitel noch als unseliger Träumer präsentiert wurde, der genau wie die anderen Schatzjäger in seiner eigenen Welt gefangen ist? Muss ich das verstehen? Immerhin wird der Handlungsstrang um Sahar wieder aufgegriffen, den du bereits vor einiger Zeit aufgemacht hast. Oder bringe ich wieder etwas durcheinander?

      Salvador befindet sich in einer Version von Corto Maltese, wie auch immer geartet, während die anderen Schätzjäger noch in einer anderen "Dimension" feststecken. Aloe ist etwa an einem Ort, den ich Kaisa zugeschrieben hätte. Jedoch könnte Kaisa momentan auch verhört werden, schließlich ist sie - soweit ich mich erinnere - auch ein Walküre. Zumindest hattest du das mehrmals angedeutet, oder? Diese wäre mir als Alternative auch viel lieber als Herleif, deren Verrat mir zu relativ wäre. Dementsprechend gehe ich nun davon aus bzw. hoffe, dass Aloe in der Gedankenwelt von Herleif gelandet ist. Eis und Schnee passen zu der Walküre immerhin ebenso gut wie zu Kaisa, was du natürlich recht geschickt gemacht hast. Lässt offen, wer die Kopfgeldjäger tatsächlich verraten hat. Du gemeiner Hund, du.^^
      Letztlich lotste eine Libelle von Dädalus Aloe ins Eis, was nur eins bedeuten kann: Dädalus befindet sich irgendwie an dem Knotenpunkt, an dem sämtliche Traumwelten zusammenlaufen. Oder wie sonst hätten seine Libellen in die verschiedenen Träume gelangen können? Das Motiv zieht sich schließlich durch sämtliche Parallelwelten, über die Zeichnung in Rexroth' Apartment bis hin zu Drakes Plüschtier. Dädalus muss es also irgendwie gelungen sein, in die verschiedenen Welten einzuwirken, die Raphaela und/oder Luzifer erschaffen haben.

      Dies scheint er auch allein geschafft zu haben, wenngleich Sybill im Geheimen nachgeholfen hat, um die Libellen vor Luzifer zu verstecken. Fragt sich nur, inwiefern Sybill aktiv in Luzifers Kräfte eingreifen kann. Ist sie in der Lage, die Welten zu manipulieren? Ist sie es, die Briannas Weg lenkt? Schon irgendwie unheimlich, dass Sybill scheinbar aus dem Totenreich kommuniziert. Wahrscheinlicher ist zwar, dass Luzifer sie in einer Traumwelt eingesperrt hat, aber dennoch. Sehr, sehr mysteriös und äußerst passend für das Hexenmotiv. Dädalus ist jedenfalls mächtig entsetzt, was für den Wissenschaftler doch recht ungewöhnlich ist. Sybill entpuppt sich scheinbar als großer Mastermind hinter den Taten Luzifers, ohne dass der gefallene Kardinal davon etwas ahnt. Aber was hat sie vor? Und wieso hockt sie unter diesen unwürdigen Bedingungen in einer verseuchten Zelle, wenn sie vermutlich eine Macht besitzt, die die von Luzifer übersteigt? Oder funktionieren ihre Kräfte anders als z.B. Genevieves? Beherrscht jede Hexe ein Grundarsenal an Kräften, oder is Genevieves Telepathie eine besondere Gabe, die nur manche Hexen erlernen? Wäre Sybills Kraft dann Telepathie? Oder eine gewisse Unsterblichkeit, indem sie sich als "Geist" oder geistiges Konstrukt in einem Menschen einnistet und diesen manipuliert? Puh, du machst hier wirklich ein Spektrum an Möglichkeiten auf.^^

      So oder so, es scheint nun unvermeidlich, dass Brianna die Wahrheit erfährt. Über Dädalus, die Triade, die Prophezeiung. Und ich hoffe, damit erfahren auch wir mehr über diese ganzen Punkte. Letztlich muss das große Geheimnis ja gelüftet werden, wenn wir uns auf die Spur von Horizon begeben wollen. Doch wie wird Brianna die ganze Geschichte aufnehmen? Eigentlich bleibt keine Zeit, um große emotionale Verstrickungen zu entwirren. Die Herzkönigin entsendet ihre Armada und die Luft wird dünner, während die meisten der Protagonisten noch immer mit den eigenen Dämonen ringen. Könnte dies der Arc sein, in dem die Beziehung zu Brianna und Dädalus zerbricht? Der "schwarze Moment" für Dädalus, an dem er alles verliert? Es wäre definitiv ein Meilenstein in deiner Geschichte, wenn Dädalus aus dem Arc als gebrochene, einsame Figur hervorgeht - zumindest kurzzeitig. Früher der später sollten er und Brianna sich zusammenraufen, da die Entdeckung von Horizon ohne das Wissen des Greises gewiss nicht machbar sein dürfte. Der Zweifel bleibt aber, ob die Beziehung auf Dauer gerettet werden kann.

      Nebenbei charakterisiert du auch die Herzkönigin und ihr Gefolge. Dieser Punkt lief bisher eher schleichend nebenher, da wir als Leser eher damit zu tun hatten, die verschiedenen Zeitebenen und Handlungsorte zu verstehen. Die Figuren waren zumindest für mich beinahe nebensächlich, das Drumherum schien der eigentliche Star des Arcs zu sein. Dementsprechend froh bin ich, dass du den Charakteren jetzt mehr Platz einräumst und uns näher bringst. Das Teekränzchen war in dieser Hinzieht recht hilfreich, insbesondere Victoria betreffend. Ein sehr tragisches und differenziertes Bild, welches auch den Weg der Charlotte Lin-Lin kontrastiert. Victoria hat sich ihre Stellung, genau wie alles andere, hart erarbeiten müssen und wurde auf diesem Wege zu der berechnenden, beobachtenden Monarchin, die wir kennengelernt haben. Gerade die Rückblende und der Gegensatz zwischen der quietschfidelen Big Mum und Victoria im Rollstuhl machen Eindruck. Die Herzkönigin gefällt mit als Widersacherin sehr gut, wobei ich mich frage, ob sie selbst eine Kämpferin sein wird? Eigentlich muss das nicht zwangsläufig sein, die Frage kam mir aber. Genügend Kämpfer gibt es, um die Helden zu beschäftigen und ein Kampf zwischen Brianna und Raphaela wäre mir persönlich eh lieber als alles andere. Daher stehe ich deiner Lösung neutral gegenüber. Mir würde eine reine Taktikerin mit mächtigem Gefolge jedenfalls ausreichen, gerade in Hinblick auf Victorias Werdegang und ihre Persönlichkeit.

      Zum Abschluss sei noch einmal erwähnt, wie unterhaltsam ich Luzifer als Antagonisten finde. Er stolziert durch seine Traumwelt, ärgert sich über die Herzkönig und glaubt sich gleichzeitig im Vorteil, sieht als als großen Strippenzieher, während in Wahrheit Sybill jeden seiner Schritte beobachtet und kontrolliert. Das schmälert Luzifers Wirkungsbereich erneut, nachdem er bereits durch den Lord und nun auch die Herzkönigin in seiner Macht beschnitten wurde. Fest steht für mich, dass seine Rolle mit diesem Arc endet und wir uns dann endlich den großen Figuren in diesem Spiel der Könige widmen können: Der Herzkönigin, dem Zaren und schlussendlich dem Lord. Wie Sybill in diese Gleichung passt, wage ich noch nicht zu mutmaßen, letztlich wird mit Luzifer aber auch ihre bisherige Puppe fallen. Es bleibt also abzuwarten, ob Sybill diesen Arc übersteht oder nur den Grundstein legt, um die Prophezeiung in Erfüllung gehen zu lassen. Je nachdem, wie lange deine FF noch geht, haben wir immerhin mit den drei Oberhäuptern der Triade noch genügend Stoff zu behandeln. Wenn wir davon ausgehen, dass die Herzkönigin nicht in diesem Arc fällt, sondern es zurück in ihr Hoheitsgebiet auf Duchess Court schafft, bleiben mindestens 3-4 Arcs. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Ich denke aber schon, dass der Lord seinen eigenen Arc kriegen wird, eventuell bis ins Finale hinein, während du die Walküren und Walhalla vielleicht mit Nikolai gemeinsam abhandelst. Immerhin herrscht ja Krieg, wenn ich mich recht entsinne. Wie auch immer. Luzifer sollte langsam gehen, um Platz für die wichtigeren Figuren zu machen. Nicht, dass ich deine Geschichte nicht noch lange, lange lesen möchte. Es geht mir nur darum, dass noch viel zu tun ist und Fortschritt auch nicht schlecht ist. Zumal du auch noch genügend Stoff für mindestens 150 Kapitel mehr haben dürftest, gemessen am bisherigen Verlauf und Pacing deiner FF.

      Für den Moment kann ich aber nur erneut betonen, wie mich dieses Kapitel überrumpelt hat. Mit Sybill habe ich in dieser Form definitiv nicht gerechnet und freue mich darüber, die Wechselbeziehungen und Verstrickungen in diesem Arc weiter zu verfolgen. Alles weitere überlasse ich qoii, der ohnehin eine bessere Interpretationsarbeit leistet als ich. Bis zum nächsten Mal. :)


    • Kapitel 156: Sybill

      Mhmm ich scheine mal wieder eine meiner eher fantasielosen Phasen zu haben, da ich mein schweigen hier mittlerweile nicht mehr nur auf Arbeit und Discord schieben kann. Also besser einfach mal anfangen und schauen wie "schlecht" es dann wirklich wird.^^

      Okay, wenn alle CM Erlebnisse in der selben Traumwelt spielen, macht es die ganze Sache schon etwas einfacher. Immerhin wissen wir so, dass sich langsam alle am gleichen Ort sammeln. Zumindest Drake ist mittlerweile auch dort aufgeschlagen und müsste damit den Spiegel in seiner Welt gefunden haben. Wobei es bei ihm auch so zu sein scheint, dass Mathilde eine wichtigere bzw. stärkere Rolle dabei einnimmt. Jedenfalls ist sie auch in CM aufgetaucht, wobei es noch auffälliger ist, dass mit ihrem erscheinen alle anderen Leute "verschwunden" sind. Mein erster Verdacht würde sich in diesem Zusammenhang auf Sybill richten, die einigen Einfluss in dieser Welt zu haben scheint. Sprich sie bedient sich Mathilde bzw. deren Gestalt, um Drake dort hinzubringen, wo sie ihn gebrauchen kann.

      Sofern Dädalus Erinnerungen aber Stimmen, ist Sybille bereits Tod, weswegen sie als selbstständig handelndes Wesen in dieser Welt nicht existieren dürfte. Allerdings gibt es da schon einige Lösungsmöglichkeiten. Zum einen Wissen wir noch nicht, wie diese Frucht bzw. die Traumwelten wirklich Funktionieren. Es könnte also durchaus sein, dass von Jeder, der einmal in einer dieser Welten gelandet ist, eine Art Abbild zurückbleibt, welches bei ausreichender geistiger Stärke durchaus im gewissen Rahmen selbstständig handeln kann, so ähnlich wie ein Backup. Weiterhin könnte es aber auch mit Sybilles Hexennatur zu tun haben oder einer TK die sie besaß. Eins von beidem könnte es ihr durchaus ermöglicht haben, einen solchen Abdruck in Luzifers Geist zu hinterlassen oder sich selbst dort hinein zu kopieren bzw flüchten, auch wenn sie von Gefangenschaft spricht. Ansonsten könnte Luzifer auch selbst noch schnell eine Kopie ihrer Geistes und Erinnerungen gezogen haben, bevor sie endgültig Tod war.

      Ihr direkter Einfluss auf diese Welt und auf Luzifer scheint zwar nicht schlecht zu sein, aber so mächtig wie dieser in Bos Kommentar durchklingt nehme ich ihn nicht wahr. Sie sagt zwar, dass sie Luzifer dazu gebracht hat so töricht zu handeln und alle sehr tief in seinen Geist zu lassen, aber diese Beeinflussung kann auch sehr lange und schleichend gewesen sein. Ähnliches gilt auch für die Libellen, welche sie versteckt hat. Ihre Macht ist zwar vorhanden, aber sie scheint mehr im Hintergrund zu wirken, ansonsten könnte sie Luzifer sicher viel einfacher übernehmen.

      Besonders interessant ist aber die Information über die Hexen, wobei ich vielleicht eher wahre Hexen sagen solle, denn wenn ich mich recht entsinne, hat Genevieve ihre Hexenkollegen bzw. das Hexenwesen auf dem Archipel als Theater bezeichnet. Gehen wir also davon aus, dass alle wahren Hexen bei dir zum Drei-Augen-Stamm gehören bzw. dieser Stamm die Hexen und Hexer sind. Jedenfalls behauptet Sybille dass die Prophezeiung ursprünglich von ihrem Volk stammt und sie deswegen auch weiß, worum es geht bzw. welche Dinge folgen werden, wenn die Auserwählten dieses oder jenes passiert. Weiterhin klingt es durch, dass sie und auch Michael gestorben sind, weil Dädalus und Michael verhindern wollten, dass Luzifer etwas über die Prophezeiung herausfindet bzw. erfährt. Sybill scheint damals mit dieser Prophezeiung und Luzifer einen Plan gehabt zu haben, mit dem Dädalus und Michael nicht einverstanden waren und sie deswegen Aufgehalten haben. Dafür möchte sich Sybill an ihm, aber auch an Luzifer rächen, indem sie Brianna die Wahrheit erzählt bzw. dass was sie darüber weiß. Mal schauen wie die gute darauf reagiert. Marc ist bei ihr bereits nicht so gut weggekommen und der hat "nur" nicht eingegriffen, als ihre Tochter entführt wurde, weil er auch seine Familie schützen wollte. Wie muss sie dann bei Dädalus reagieren, der letztendlich für all das verantwortlich ist.

      Zurück zu den Traumwelten, bzw zu Luzifer und Co mit der Herzkönigin und Co. Wie du bereits versprochen hast, erfahren wir auch hier einiges neues. Zunächst bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob wir wussten, dass die Herzkönigin an den Rollstuhl gefesselt war, da sie sich zumindest in der Traumwelt ohne bewegen zu bewegen scheint. Weiterhin dürfte auch ihre Suche nach Schönheit Erfolg gehabt zu haben, da ich mich zu erinnern meine, dass sie am Anfang nicht schön war. Aber da kann ich mich auch irren, ist irgendwie schön länger her.

      Interessant ist noch, dass sie glaubt, dass es ihrer Tochter gut geht bzw. dass sie wegen ihrer eigenen Schönheit keine Zurückweisung erfährt, wie die Herzkönigin selber als sie jünger war. Das ihr Kind aber selbst durch ihre eigenen Hölle zu geht, nachdem sie an die Zaren verheiratet wurde, scheint ihr nicht bewusst zu sein.

      Weiterhin ist die Herzkönigin auch ohne eine Frucht wie die von Luzifer sehr gut in der Lage ihren Gegenüber zu lesen und die „Wunden Punkte“ zu finden. Zumindest weiß sie genau wie sie Raphaela aus der Fassung bringen kann. Denn sie weiß aus irgendwelchen Gründen von dem missglückten Verhör und den Folgen. Interessant ist hierbei noch, dass sie zwar von Brianna Wanderung weiß, aber nicht die anderen Schatzjäger erwähnt, die mittlerweile genau so erfolgreich sind. Da stellt sich doch die Frage, ob dies auch Luzifer bis jetzt verborgen geblieben ist. Denn Gabriels entsetzt, kann sich auch darauf beziehen, dass Brinna Sibylle erreicht hat oder sich etwas anderes in der Traumstadt zusammenbraut.

      Gabriel trägt den Beinahmen, ‚Hexenhammer , genauso wie das Buch, welches am Anfang der Neuzeit zur großen Hexenverfolgung geführt hat, welche die meisten Menschen immer im Mittelalter verorten. Raphaelas Narbe auf der Stirn könnte zwar durchaus von einer ihrer Selbstkasteiung oder ihrer Begegnung mit Brianna stammen, aber derzeit würde ich eher davon ausgehen, dass sie schon viel älter ist und vielleicht sogar aus der Zeit des Aufstand des Kalifen stammt.


      Wieder mal besser geworden als befürchtet, auch wenn ich mal wieder das Gefühl habe, zu viel überstehen zu haben. Besonders im Part um Luzifer und die Herzkönigin.^^
      Erwähnenswert ist noch, dass nicht nur Drake plötzlich in Einsamkeit schwebt, wenn man von Mathilde absieht, sonder auch Aleo. Irgendwie glaube ich dass hiermit Sybill etwas zu tun haben könnte, auch wenn ich noch keine Idee habe, was sie damit erreichen möchte, wenn sie Briannas Freunde Quält. Immerhin ist ihr Hauptziele Luzifer und Dädalus, neben vielen anderen denen Brianna Probleme bereiten soll, wenn sie alles erfahren hat. :-D
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Über zwei Monate zu brauchen um mal wieder einen Kommentar abzugeben ist schon irgendwie traurig, aber ich durfte erleichtert feststellen, dass ich bei dir nur 2 Kapitel nachzuholen hatte. Bei Bo hab ich noch nicht nachgezählt... xD

      Als Entrance könnte ich Bo's „Holy Shit“ Absatz mit copy+paste einfügen. Sybill hätte ich auch absolut nicht als so wichtig erachtet... aber dazu später mehr, da ich mich erst den einzelnen Traumsequenzen widmen möchte.

      Drakes Reise in die Vergangenheit macht deutlich, wie psychisch krank er schon vorher war und hält generell einige interessante Infos bereit. Mathilde scheint eine Art Mischwesen aus „Dein schlimmster Alptraum“ und „unsichtbare Freundin“ für ihn zu sein. Die Familienverhältnisse sind nicht perfekt, aber im Gegensatz zu den anderen doch recht üblich. Allerdings frage ich mich, warum er in der Sequenz ausgerechnet seinen Vater wecken will, wenn er sonst immer seine Mutter um Hilfe bittet, da er um seine Wutausbrüche weiß. War mir hier nicht ganz klar. Schließlich hat die Mutter Mathilde bisher immer „verscheucht“. Süß fand ich hier übrigens das Libellenkuscheltier. Stell ich mir einfach witzig vor. ^^
      Mathilde scheint in seiner Vorstellung die Eltern töten zu wollen. Wir hatten bereits Situationen in denen Drake die Kontrolle über sich verlor und Kyu umbringen wollte. Vielleicht spiegelt sie ihm diese Persönlichkeitsstruktur wider. Zumal ja auch Mathilde zwei Gesichter zu haben scheint. Zumindest irgendwas in der Art könnte ich mir vorstellen. Der Gedankengang erscheint mir aber noch etwas wirr bzw. wage. Da kenne ich mich mit der Psyche dann doch zu wenig aus.
      Zum Schluss landet er in CM bei Sahar, auch wenn diese innerhalb von wenigen Augenblicken wieder verschwindet und Mathilde ihn mitnimmt um ihn zu seinen Freunden zu führen.

      Aloe landet in der Eiswelt, die entweder Kaisa oder Herlief gehört. Da im späteren Gespräch bei der Herzkönigin von einer Walküre gesprochen wird, die Brianna und Co verraten hat, denke ich auch, dass Aloe in Herliefs Traum gelandet sein wird. Kaisa begegnete ja in einem Kapitel nach CO auf dem Schiff jemanden, auch wenn nicht klar war um was genau es geht. Ich meine mich aber zu erinnern, dass der Verdacht des Verrats dort schon aufgekommen ist. Ich hab einfach das Gefühl, dass es Kaisa ist, auch wenn ich es nicht genau fest machen kann.

      Brianna indes erkennt auch, dass sie sich gerade nicht in der Realität, sondern in der Geschichte der Vergangenheit befindet, dank Theresas Äußerungen zur Hochzeit des Zaren. Nachdem sie diese (erneut) getötet hat wird Sybill aktiv. Ich bin wirklich neugierig, wie sie auf die Informationen reagieren wird. Da wird sich viel Hass, Wut, Enttäuschung und Verzweiflung entladen.

      Komme ich noch kurz zum Gespräch zwischen Luzifer und Dedale. Die Auseinandersetzung hat mir sehr gut gefallen und auch die kleinen Informationen, was wie geschehen ist. Auch wenn sie natürlich wenig Anhaltspunkte liefern, was die Anderen aber auch schon zusammengefasst haben. Dedale schafft es hier auch bewusst Luzifer etwas ins Wanken zu bringen, was die Traumsequenzen schwächer werden lässt.
      Nur so als Nebenfrage: Greift er aus einem bestimmten Grund als Libelle in die Träume ein oder tatsächlich „nur“ als Symbol aus der Traumdeutung?

      Nun zu Sybill selbst. Für mich ist eigentlich recht klar, dass ihre Manipulation über die Jahre ausgeweitet wurde. Sie hat sich Lücken gesucht, sich in Gedanken eingenistet und diese mehr werden lassen. Immer überall etwas eingestreut, sodass die Person selbst es überhaupt nicht mitbekommt, da der Prozess schleichend ist und man keine Ahnung hat, dass sich jemand an der Psyche zu schaffen macht. Inwieweit es ihr dadurch möglich ist, die Traumsequenzen zu beeinflussen bzw. Dedale sein Vorhaben zu erleichtern, lässt sich derzeit noch nicht feststellen.
      Bleibt die andere Frage. Wie genau sieht das mit ihren Kräften aus? Ist die Magie in ihr eine solche, die den Geist/die Psyche am Leben erhält, auch wenn sie schon körperlich tot ist? Kann sie nur in einen Geist eintreten der ihr vertraut ist? Die Thematik der Magie lässt sich ja meilenweit ausbreiten. Es gibt so viele Möglichkeiten.
      Hut ab auf jedenfall für diese Wendung. Plötzlich sieht vieles irgendwie anders aus und bekommt einen ziemlichen Twist. Hat mich sehr positiv überrascht!

      Zum Schluss widme ich mich noch der Herzkönigin, die mir aufgrund des Teegenusses kurzzeitig sympathischer wurde, auch wenn sie den armen Theophilus hat verprügeln lassen. Der Vergleich zwischen ihr und Linlin kam hier gut. So wie ich es verstanden habe, müsste Viktoria auch eine TF besitzen. Zumindest kam es mir durch ihre Gedankengänge so vor.
      Sie weiß Raphaela zu reizen, wobei dir Gute generell ein kleiner Wut-Problem hat.
      Zu dem Gespräch mit Luzifer fällt mir gerade nicht so viel ein. Auch ich fand es schön, dass sie etwas mehr beleuchtet wurden. Sowohl Luzifer, als auch Viktoria denken sie hätten alle Strippen in ihren Händen. Bald... Bald wird Sybill den Laden ganz schön aufmischen. Ich freu mich drauf.

      Zwei schöne Kapitel die mir wieder Spaß bereitet haben. Ich hoffe mein nächster Kommentar wird nicht wieder mal zwei Monate auf sich warten lassen. :x
    • Antwort auf Fanpost & 157.Kapitel erschienen

      Ohne lange Umschweife, neues Kapitel.
      Geplant ist das neue Kapitel für Sonntag oder Montag, falls ihr euch für einen Kommentar beeilen wollt. Aber ich verspreche lieber nichts mehr. Immer dann scheint es ja nicht zu funktionieren :/

      @Bo

      -Bo- schrieb:

      Holy shit! Dachtest du, nachdem ich den Twist um Carla gebracht habe, musst du nachziehen? Oder wie darf ich das verstehen? Ich muss ehrlich, sagen: Ich weiß gar nicht recht, was ich zu diesem Kapitel schreiben soll. Sybill als Charakter war mir so egal, ich war ihr gegenüber so indifferent. Habe sie einfach in einen Topf mit den ganzen Namen geworfen, die Corto Maltese einfach mit Leben füllen sollen und bin absolut nicht darauf vorbereitet gewesen, dass sie eine derartige Rolle einnimmt. Herrje, was für eine Scheiße. Ich fühle mich von mir selbst betrogen. xD
      Vielleicht hat es mich sogar tatsächlich beeinflusst, dass ich Sybills Charakter so früh offenbart habe. Aber da ich ja den ganzen Arc ein wenig gestrafft habe, passt das ganz gut.
      Aus dem Nichts kam Sybill natürlich nicht, es war vor allem im San Fardo öfters mal die Rolle von einer Sie und joa...das ist sie :D
      Aber ich seh es positiv. Meine Geschichte kann also doch ab und an noch überraschen.

      -Bo- schrieb:

      Jedenfalls bekommen wir jetzt die Bestätigung, dass Brianna aufgrund eines Fehlers von Raphaela durch die verschiedenen Zeitebenen bzw. Traumwelten wechselt und es zugleich irgendwie schafft, aktiv in diese einzugreifen. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass sie sich momentan in der gleichen Welt wie Salvador aufhält, immerhin trifft jener in diesem Kapitel auf Sahar, welche ihrerseits in einer Ebene mit Shmuel existiert. Die Frage ist nur, inwiefern Salvador denn durch die Decke gekracht sein kann, wenn er uns doch im letzten Kapitel noch als unseliger Träumer präsentiert wurde, der genau wie die anderen Schatzjäger in seiner eigenen Welt gefangen ist? Muss ich das verstehen? Immerhin wird der Handlungsstrang um Sahar wieder aufgegriffen, den du bereits vor einiger Zeit aufgemacht hast. Oder bringe ich wieder etwas durcheinander?
      Nein, nein. Du bist soweit noch völlig richtig auf der Spur.
      Dädalus ist in seiner eigenen Traumwelt durch den Schrank und seinen dortigen "Spiegel" gefallen, nachdem Dädalus bzw. Sybill bzw. Mathilde ihn ja dort hineingeschickt hat und ist dann durch den Kleiderschrank (#narniareferenz) in den "Haupttraum" gefallen, in dem sich momentan Brianna, Sybill, Dädalus, Luzifer und Co. befinden.
      Er ist halt dann durch den Schrank in die Luft Corto Malteses gefallen, hat dort seinen Flug fortgesetzt und ist durch die Decke des 1. Rings in den Judasring gefallen.
      Verständlicher dadurch? :)

      -Bo- schrieb:

      Salvador befindet sich in einer Version von Corto Maltese, wie auch immer geartet, während die anderen Schätzjäger noch in einer anderen "Dimension" feststecken. Aloe ist etwa an einem Ort, den ich Kaisa zugeschrieben hätte. Jedoch könnte Kaisa momentan auch verhört werden, schließlich ist sie - soweit ich mich erinnere - auch ein Walküre. Zumindest hattest du das mehrmals angedeutet, oder? Diese wäre mir als Alternative auch viel lieber als Herleif, deren Verrat mir zu relativ wäre. Dementsprechend gehe ich nun davon aus bzw. hoffe, dass Aloe in der Gedankenwelt von Herleif gelandet ist. Eis und Schnee passen zu der Walküre immerhin ebenso gut wie zu Kaisa, was du natürlich recht geschickt gemacht hast. Lässt offen, wer die Kopfgeldjäger tatsächlich verraten hat. Du gemeiner Hund, du.^^
      Sagen wir mal so. Nur weil Kaisa in einer Traumwelt steckt, heißt es ja nicht genau, dass sie die Schatzjäger nicht verraten haben kann. Wir wissen ja noch nicht genau, wie der Verrat aussah. Dazu wird es aber im kommenden Kapitel mehr geben.
      Wo Aloë genau gelandet ist, erfahrt ihr ja im aktuellen Kapitel.

      -Bo- schrieb:

      Dies scheint er auch allein geschafft zu haben, wenngleich Sybill im Geheimen nachgeholfen hat, um die Libellen vor Luzifer zu verstecken. Fragt sich nur, inwiefern Sybill aktiv in Luzifers Kräfte eingreifen kann. Ist sie in der Lage, die Welten zu manipulieren? Ist sie es, die Briannas Weg lenkt? Schon irgendwie unheimlich, dass Sybill scheinbar aus dem Totenreich kommuniziert. Wahrscheinlicher ist zwar, dass Luzifer sie in einer Traumwelt eingesperrt hat, aber dennoch. Sehr, sehr mysteriös und äußerst passend für das Hexenmotiv. Dädalus ist jedenfalls mächtig entsetzt, was für den Wissenschaftler doch recht ungewöhnlich ist. Sybill entpuppt sich scheinbar als großer Mastermind hinter den Taten Luzifers, ohne dass der gefallene Kardinal davon etwas ahnt. Aber was hat sie vor? Und wieso hockt sie unter diesen unwürdigen Bedingungen in einer verseuchten Zelle, wenn sie vermutlich eine Macht besitzt, die die von Luzifer übersteigt? Oder funktionieren ihre Kräfte anders als z.B. Genevieves? Beherrscht jede Hexe ein Grundarsenal an Kräften, oder is Genevieves Telepathie eine besondere Gabe, die nur manche Hexen erlernen? Wäre Sybills Kraft dann Telepathie? Oder eine gewisse Unsterblichkeit, indem sie sich als "Geist" oder geistiges Konstrukt in einem Menschen einnistet und diesen manipuliert? Puh, du machst hier wirklich ein Spektrum an Möglichkeiten auf.^^
      Also du versteht, dass ich hierzu nicht viel sagen kann. Die ganzen Geschichte um die Hexen wird aber relativ bald näher beleuchtet werden.
      Auf jeden Fall hat Sybill das ganze schon von langer Hand geplant, aber genaueres kann ich natürlich noch nicht sagen. Aber du hast schon ein paar gute Ideen. Die Hexen werden auf jeden Fall eine Art "übernatürliche" Komponente sein, wie sich das genau äußert, schauen wir mal. :D

      -Bo- schrieb:

      So oder so, es scheint nun unvermeidlich, dass Brianna die Wahrheit erfährt. Über Dädalus, die Triade, die Prophezeiung. Und ich hoffe, damit erfahren auch wir mehr über diese ganzen Punkte. Letztlich muss das große Geheimnis ja gelüftet werden, wenn wir uns auf die Spur von Horizon begeben wollen. Doch wie wird Brianna die ganze Geschichte aufnehmen? Eigentlich bleibt keine Zeit, um große emotionale Verstrickungen zu entwirren. Die Herzkönigin entsendet ihre Armada und die Luft wird dünner, während die meisten der Protagonisten noch immer mit den eigenen Dämonen ringen. Könnte dies der Arc sein, in dem die Beziehung zu Brianna und Dädalus zerbricht? Der "schwarze Moment" für Dädalus, an dem er alles verliert? Es wäre definitiv ein Meilenstein in deiner Geschichte, wenn Dädalus aus dem Arc als gebrochene, einsame Figur hervorgeht - zumindest kurzzeitig. Früher der später sollten er und Brianna sich zusammenraufen, da die Entdeckung von Horizon ohne das Wissen des Greises gewiss nicht machbar sein dürfte. Der Zweifel bleibt aber, ob die Beziehung auf Dauer gerettet werden kann.
      Das wird mit Sicherheit noch eine Rolle in dem Arc spielen. Die Fäden werden bald zusammenlaufen und dann gibt es auch noch einmal ein ordentliches Infokapitel zur Triade.

      -Bo- schrieb:

      Nebenbei charakterisiert du auch die Herzkönigin und ihr Gefolge. Dieser Punkt lief bisher eher schleichend nebenher, da wir als Leser eher damit zu tun hatten, die verschiedenen Zeitebenen und Handlungsorte zu verstehen. Die Figuren waren zumindest für mich beinahe nebensächlich, das Drumherum schien der eigentliche Star des Arcs zu sein. Dementsprechend froh bin ich, dass du den Charakteren jetzt mehr Platz einräumst und uns näher bringst. Das Teekränzchen war in dieser Hinzieht recht hilfreich, insbesondere Victoria betreffend. Ein sehr tragisches und differenziertes Bild, welches auch den Weg der Charlotte Lin-Lin kontrastiert. Victoria hat sich ihre Stellung, genau wie alles andere, hart erarbeiten müssen und wurde auf diesem Wege zu der berechnenden, beobachtenden Monarchin, die wir kennengelernt haben. Gerade die Rückblende und der Gegensatz zwischen der quietschfidelen Big Mum und Victoria im Rollstuhl machen Eindruck. Die Herzkönigin gefällt mit als Widersacherin sehr gut, wobei ich mich frage, ob sie selbst eine Kämpferin sein wird? Eigentlich muss das nicht zwangsläufig sein, die Frage kam mir aber. Genügend Kämpfer gibt es, um die Helden zu beschäftigen und ein Kampf zwischen Brianna und Raphaela wäre mir persönlich eh lieber als alles andere. Daher stehe ich deiner Lösung neutral gegenüber. Mir würde eine reine Taktikerin mit mächtigem Gefolge jedenfalls ausreichen, gerade in Hinblick auf Victorias Werdegang und ihre Persönlichkeit.
      Sie hat eine Teufelskraft ohne Frage. Aber ich bin froh, dass ich euch die Charaktere näher bringen kann. Das möchte ich mit den anderen auch noch über die nächsten Kapitel machen, bevor ich das alles wieder in die Kampfkapitel stecken werde. Da hatte ich zum Glück den Vorteil, dass ich Luzifer als einen großen Antaognisten des Arcs nicht mehr einführen musste. :)

      -Bo- schrieb:

      Zum Abschluss sei noch einmal erwähnt, wie unterhaltsam ich Luzifer als Antagonisten finde. Er stolziert durch seine Traumwelt, ärgert sich über die Herzkönig und glaubt sich gleichzeitig im Vorteil, sieht als als großen Strippenzieher, während in Wahrheit Sybill jeden seiner Schritte beobachtet und kontrolliert. Das schmälert Luzifers Wirkungsbereich erneut, nachdem er bereits durch den Lord und nun auch die Herzkönigin in seiner Macht beschnitten wurde. Fest steht für mich, dass seine Rolle mit diesem Arc endet und wir uns dann endlich den großen Figuren in diesem Spiel der Könige widmen können: Der Herzkönigin, dem Zaren und schlussendlich dem Lord. Wie Sybill in diese Gleichung passt, wage ich noch nicht zu mutmaßen, letztlich wird mit Luzifer aber auch ihre bisherige Puppe fallen. Es bleibt also abzuwarten, ob Sybill diesen Arc übersteht oder nur den Grundstein legt, um die Prophezeiung in Erfüllung gehen zu lassen. Je nachdem, wie lange deine FF noch geht, haben wir immerhin mit den drei Oberhäuptern der Triade noch genügend Stoff zu behandeln. Wenn wir davon ausgehen, dass die Herzkönigin nicht in diesem Arc fällt, sondern es zurück in ihr Hoheitsgebiet auf Duchess Court schafft, bleiben mindestens 3-4 Arcs. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Ich denke aber schon, dass der Lord seinen eigenen Arc kriegen wird, eventuell bis ins Finale hinein, während du die Walküren und Walhalla vielleicht mit Nikolai gemeinsam abhandelst. Immerhin herrscht ja Krieg, wenn ich mich recht entsinne. Wie auch immer. Luzifer sollte langsam gehen, um Platz für die wichtigeren Figuren zu machen. Nicht, dass ich deine Geschichte nicht noch lange, lange lesen möchte. Es geht mir nur darum, dass noch viel zu tun ist und Fortschritt auch nicht schlecht ist. Zumal du auch noch genügend Stoff für mindestens 150 Kapitel mehr haben dürftest, gemessen am bisherigen Verlauf und Pacing deiner FF.
      Der Arc wird defintiv eine alte Ära zu Ende gehen lassen und neue Wendungen meiner Geschichte zulassen. Es ist ein wenig zu vergleichen mit dem Fall Flamingos oder zumindest dem Punk Hazard-Arc, wenn wir die Auswirkungen für die Welt und/oder Protagonisten betrachten.

      -Bo- schrieb:

      Für den Moment kann ich aber nur erneut betonen, wie mich dieses Kapitel überrumpelt hat. Mit Sybill habe ich in dieser Form definitiv nicht gerechnet und freue mich darüber, die Wechselbeziehungen und Verstrickungen in diesem Arc weiter zu verfolgen. Alles weitere überlasse ich qoii, der ohnehin eine bessere Interpretationsarbeit leistet als ich. Bis zum nächsten Mal.
      Schön, dass der Arc nach meinen Umgestaltungen wieder mehr Freude bereitet, wenn jetzt noch ein stabiler Veröffentlichungsrhythmus folgt, kann man den Arc glaube ich sogar genießen xD

      @qoii


      qoii schrieb:

      Okay, wenn alle CM Erlebnisse in der selben Traumwelt spielen, macht es die ganze Sache schon etwas einfacher. Immerhin wissen wir so, dass sich langsam alle am gleichen Ort sammeln. Zumindest Drake ist mittlerweile auch dort aufgeschlagen und müsste damit den Spiegel in seiner Welt gefunden haben. Wobei es bei ihm auch so zu sein scheint, dass Mathilde eine wichtigere bzw. stärkere Rolle dabei einnimmt. Jedenfalls ist sie auch in CM aufgetaucht, wobei es noch auffälliger ist, dass mit ihrem erscheinen alle anderen Leute "verschwunden" sind. Mein erster Verdacht würde sich in diesem Zusammenhang auf Sybill richten, die einigen Einfluss in dieser Welt zu haben scheint. Sprich sie bedient sich Mathilde bzw. deren Gestalt, um Drake dort hinzubringen, wo sie ihn gebrauchen kann.
      Korrket soweit. Da gibt es defintiv einen Zusammenhang!

      qoii schrieb:

      Sofern Dädalus Erinnerungen aber Stimmen, ist Sybille bereits Tod, weswegen sie als selbstständig handelndes Wesen in dieser Welt nicht existieren dürfte. Allerdings gibt es da schon einige Lösungsmöglichkeiten. Zum einen Wissen wir noch nicht, wie diese Frucht bzw. die Traumwelten wirklich Funktionieren. Es könnte also durchaus sein, dass von Jeder, der einmal in einer dieser Welten gelandet ist, eine Art Abbild zurückbleibt, welches bei ausreichender geistiger Stärke durchaus im gewissen Rahmen selbstständig handeln kann, so ähnlich wie ein Backup. Weiterhin könnte es aber auch mit Sybilles Hexennatur zu tun haben oder einer TK die sie besaß. Eins von beidem könnte es ihr durchaus ermöglicht haben, einen solchen Abdruck in Luzifers Geist zu hinterlassen oder sich selbst dort hinein zu kopieren bzw flüchten, auch wenn sie von Gefangenschaft spricht. Ansonsten könnte Luzifer auch selbst noch schnell eine Kopie ihrer Geistes und Erinnerungen gezogen haben, bevor sie endgültig Tod war.
      Alles Gute Erklärungsmuster. Es wird wohl auf eine Mischung hinauslaufen. Die Aufklärung kommt früher als man vielleicht denken mag.

      qoii schrieb:

      Ihr direkter Einfluss auf diese Welt und auf Luzifer scheint zwar nicht schlecht zu sein, aber so mächtig wie dieser in Bos Kommentar durchklingt nehme ich ihn nicht wahr. Sie sagt zwar, dass sie Luzifer dazu gebracht hat so töricht zu handeln und alle sehr tief in seinen Geist zu lassen, aber diese Beeinflussung kann auch sehr lange und schleichend gewesen sein. Ähnliches gilt auch für die Libellen, welche sie versteckt hat. Ihre Macht ist zwar vorhanden, aber sie scheint mehr im Hintergrund zu wirken, ansonsten könnte sie Luzifer sicher viel einfacher übernehmen.
      Man kann es mit einer schleichenden Krankheit vergleichen. Man merkt lange nicht, dass man krank ist, und wenn es dann ausbricht, dann ist es manchmal schon zu spät, um es behandeln zu können. Genau diese Ausbruchsphase haben wir gerade. Luzifer merkt allmählich, dass etwas nicht stimmt, aber eigentlich ist es jetzt sogar schon zu spät.

      qoii schrieb:

      Besonders interessant ist aber die Information über die Hexen, wobei ich vielleicht eher wahre Hexen sagen solle, denn wenn ich mich recht entsinne, hat Genevieve ihre Hexenkollegen bzw. das Hexenwesen auf dem Archipel als Theater bezeichnet. Gehen wir also davon aus, dass alle wahren Hexen bei dir zum Drei-Augen-Stamm gehören bzw. dieser Stamm die Hexen und Hexer sind. Jedenfalls behauptet Sybille dass die Prophezeiung ursprünglich von ihrem Volk stammt und sie deswegen auch weiß, worum es geht bzw. welche Dinge folgen werden, wenn die Auserwählten dieses oder jenes passiert. Weiterhin klingt es durch, dass sie und auch Michael gestorben sind, weil Dädalus und Michael verhindern wollten, dass Luzifer etwas über die Prophezeiung herausfindet bzw. erfährt. Sybill scheint damals mit dieser Prophezeiung und Luzifer einen Plan gehabt zu haben, mit dem Dädalus und Michael nicht einverstanden waren und sie deswegen Aufgehalten haben. Dafür möchte sich Sybill an ihm, aber auch an Luzifer rächen, indem sie Brianna die Wahrheit erzählt bzw. dass was sie darüber weiß. Mal schauen wie die gute darauf reagiert. Marc ist bei ihr bereits nicht so gut weggekommen und der hat "nur" nicht eingegriffen, als ihre Tochter entführt wurde, weil er auch seine Familie schützen wollte. Wie muss sie dann bei Dädalus reagieren, der letztendlich für all das verantwortlich ist.
      Ich hülle mich in Schweigen :D

      qoii schrieb:

      Interessant ist noch, dass sie glaubt, dass es ihrer Tochter gut geht bzw. dass sie wegen ihrer eigenen Schönheit keine Zurückweisung erfährt, wie die Herzkönigin selber als sie jünger war. Das ihr Kind aber selbst durch ihre eigenen Hölle zu geht, nachdem sie an die Zaren verheiratet wurde, scheint ihr nicht bewusst zu sein.
      Für Viktoria geht es Charlotte gut, weil sie schön ist. So verdreht ist ihr Sicht auf die Welt.

      qoii schrieb:

      Gabriel trägt den Beinahmen, ‚Hexenhammer , genauso wie das Buch, welches am Anfang der Neuzeit zur großen Hexenverfolgung geführt hat, welche die meisten Menschen immer im Mittelalter verorten. Raphaelas Narbe auf der Stirn könnte zwar durchaus von einer ihrer Selbstkasteiung oder ihrer Begegnung mit Brianna stammen, aber derzeit würde ich eher davon ausgehen, dass sie schon viel älter ist und vielleicht sogar aus der Zeit des Aufstand des Kalifen stammt.
      Nein, aber die Narbe wird noch wichtig werden.

      qoii schrieb:

      Wieder mal besser geworden als befürchtet, auch wenn ich mal wieder das Gefühl habe, zu viel überstehen zu haben. Besonders im Part um Luzifer und die Herzkönigin.^^
      Erwähnenswert ist noch, dass nicht nur Drake plötzlich in Einsamkeit schwebt, wenn man von Mathilde absieht, sonder auch Aleo. Irgendwie glaube ich dass hiermit Sybill etwas zu tun haben könnte, auch wenn ich noch keine Idee habe, was sie damit erreichen möchte, wenn sie Briannas Freunde Quält. Immerhin ist ihr Hauptziele Luzifer und Dädalus, neben vielen anderen denen Brianna Probleme bereiten soll, wenn sie alles erfahren hat.
      Dazu gibt es auch demnächst eine Auflösung!

      @Lyca


      Lyca schrieb:

      Drakes Reise in die Vergangenheit macht deutlich, wie psychisch krank er schon vorher war und hält generell einige interessante Infos bereit. Mathilde scheint eine Art Mischwesen aus „Dein schlimmster Alptraum“ und „unsichtbare Freundin“ für ihn zu sein. Die Familienverhältnisse sind nicht perfekt, aber im Gegensatz zu den anderen doch recht üblich. Allerdings frage ich mich, warum er in der Sequenz ausgerechnet seinen Vater wecken will, wenn er sonst immer seine Mutter um Hilfe bittet, da er um seine Wutausbrüche weiß. War mir hier nicht ganz klar. Schließlich hat die Mutter Mathilde bisher immer „verscheucht“. Süß fand ich hier übrigens das Libellenkuscheltier. Stell ich mir einfach witzig vor. ^^
      Mathilde scheint in seiner Vorstellung die Eltern töten zu wollen. Wir hatten bereits Situationen in denen Drake die Kontrolle über sich verlor und Kyu umbringen wollte. Vielleicht spiegelt sie ihm diese Persönlichkeitsstruktur wider. Zumal ja auch Mathilde zwei Gesichter zu haben scheint. Zumindest irgendwas in der Art könnte ich mir vorstellen. Der Gedankengang erscheint mir aber noch etwas wirr bzw. wage. Da kenne ich mich mit der Psyche dann doch zu wenig aus.
      Zum Schluss landet er in CM bei Sahar, auch wenn diese innerhalb von wenigen Augenblicken wieder verschwindet und Mathilde ihn mitnimmt um ihn zu seinen Freunden zu führen.
      Die Beziehung Mathilde-Drake wird noch weiter beleuchtet wird. Wohl nicht in diesem Arc mehr, da gibt es nur ein paar neue Facetten.
      Waurm Drake seinen Vater fragt? Trotz der Wutausbrüche, denkt er aber dennoch, dass sein Vater besser mit dem bösen Geist umgehen kann, als seine Mutter. Oder vielleicht wollt er seinen Vater schon früher zu Mathilde führen? Wer weiß. Fragen über Fragen :D

      Lyca schrieb:

      Komme ich noch kurz zum Gespräch zwischen Luzifer und Dedale. Die Auseinandersetzung hat mir sehr gut gefallen und auch die kleinen Informationen, was wie geschehen ist. Auch wenn sie natürlich wenig Anhaltspunkte liefern, was die Anderen aber auch schon zusammengefasst haben. Dedale schafft es hier auch bewusst Luzifer etwas ins Wanken zu bringen, was die Traumsequenzen schwächer werden lässt.
      Nur so als Nebenfrage: Greift er aus einem bestimmten Grund als Libelle in die Träume ein oder tatsächlich „nur“ als Symbol aus der Traumdeutung?
      Du meinst ob die Libelle einen besonderen Wert für ihn hat? Nein. Eigentlich nicht. Ich kannte nur das Motiv und hab mir das gut vorgestellt. ist also rein auf meinem Mist gewachsen :D

      Lyca schrieb:

      Nun zu Sybill selbst. Für mich ist eigentlich recht klar, dass ihre Manipulation über die Jahre ausgeweitet wurde. Sie hat sich Lücken gesucht, sich in Gedanken eingenistet und diese mehr werden lassen. Immer überall etwas eingestreut, sodass die Person selbst es überhaupt nicht mitbekommt, da der Prozess schleichend ist und man keine Ahnung hat, dass sich jemand an der Psyche zu schaffen macht. Inwieweit es ihr dadurch möglich ist, die Traumsequenzen zu beeinflussen bzw. Dedale sein Vorhaben zu erleichtern, lässt sich derzeit noch nicht feststellen.
      Bleibt die andere Frage. Wie genau sieht das mit ihren Kräften aus? Ist die Magie in ihr eine solche, die den Geist/die Psyche am Leben erhält, auch wenn sie schon körperlich tot ist? Kann sie nur in einen Geist eintreten der ihr vertraut ist? Die Thematik der Magie lässt sich ja meilenweit ausbreiten. Es gibt so viele Möglichkeiten.
      Hut ab auf jedenfall für diese Wendung. Plötzlich sieht vieles irgendwie anders aus und bekommt einen ziemlichen Twist. Hat mich sehr positiv überrascht!
      Schön, freut mich, dass ich da überzeugen konnte.
      Das Thema der Magie werde ich demnächst mal etwas genauer beleuchten und zeigen, was Hexen eigentlich können und was nicht.
      Aber Danke, dass es dir gefallen hat.

      Lyca schrieb:

      Zwei schöne Kapitel die mir wieder Spaß bereitet haben. Ich hoffe mein nächster Kommentar wird nicht wieder mal zwei Monate auf sich warten lassen. :x
      Und ich hoffe, dass meine Kapitel nicht wieder einen Monat auf sich warten lassen! :)


      In diesem Sinne wünsche ich viel Vergnügen mit dem aktuellen Kapitel wir sehen uns hoffentlich sicher spätestens in einer Woche wieder!
    • 157.Kapitel: Die Triade

      So. Bevor ich herausfinde, ob mein Fieber tatsächlich dauerhaft gesunken ist oder mir mein Körper nur einen ganz bösen Streich spielt, kommentiere ich mal lieber dein neues Kapitel. Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten und ich bin der letzte, der einem neuen Horizon-Kapitel im Weg stehen will. :D

      Beim Titel des Kapitels und der Aussicht auf Informationen, die uns endlich mehr über die Triade und ihre Ziele bzw. Pläne verraten, war ich schon ganz aus dem Häuschen, nur um dann festzustellen, dass du dich noch immer mehr oder weniger geschickt um Informationen windest wie meine Dates vor dem Abschiedskuss. Du Schlingel, du.
      Wirklich viel neues kam aus dem ersten Abschnitt nun nicht unbedingt heraus. Wir erhalten die Bestätigung, dass die Triade aus drei Mächten besteht und so wohl ihren Titel erhalten hat: Der Herzkönigin Viktoria, welcher es meiner Theorie nach zuerst an den Kragen geht; dem Zaren "Bärenfell" Nikolai, der vermutlich in einem großen Arc im Krieg mit den Walküren bedeutsam wird; und dem mysteriösen Lord, welcher mich zunehmend an Ulysses aus meiner FF erinnert und diese typische Instanz im Dunkeln ist, welche sich allein aufgrund ihrer Vorsicht und Isolation von den anderen beiden Führern unterscheidet. Wie und wann er in Erscheinung treten wird, muss sich noch zeigen. Da die apokalyptischen Reiter und Genevieve jedoch ihm unterstehen, tendiere ich zu der These, dass er maßgeblich im großen Finale deiner Geschichte auftreten wird. Immerhin waren es seine Leute, die Briannas Tochter entführt haben und er scheint es zu sein, mit dem Dädalus zu tun hatte. Wäre Dädalus dann der Großvater in diesem kleinen dysfunktionalen Familiengefüge, welches der Lord erschaffen hat und welches nun - unbewusst - von Brianna gespiegelt wird?
      Wie auch immer. Wir erfahren ein klitzekleines Bisschen über die Reiter bzw. über zwei von ihnen. Leonardo, die "Wandelnde Seuche", dürfte die Pestilenz bedienen - was beim Motiv des Pestdoktors nur konsequent ist. Brás, der Ire deiner FF und damit schon jetzt mein Lieblingsreiter, entzieht sich aufgrund seines Beinamens schon eher einer Charakterisierung. Beelzebub. Hm. Das macht es nicht leichter, da Pearl und Michelangelo ebenso ambivalent auftreten. Michelangelo und seine dämonische Zombie-Pferdeform hätte ich am ehesten dem Tod zugeordnet - oder dem Äquivalent in deiner FF, da der Tod in der Bibel als solcher nicht direkt bestätigt wird - und Pearl ist schwer einzuschätzen. Hunger und Krieg könnten mit etwas Fantasie auf Brás und Pearl gleichermaßen angewendet werden, da wir bisher nur wenig über beide wissen. Gleichzeitig schaute Brás mit seiner Sichel auch sehr nach Sensenmann aus...ach, ich enthalte mich an dieser Stelle einfach mal. Mit dem Motiv der Reiter kann man im Grunde nichts verkehrt machen, da die ihre Epicness aus sich selbst ziehen, also lasse ich mich überraschen. xD

      In den Traumwelten geht es derweil einmal heiß und einmal frostig zu.
      Während Kol die Zügel rafft, müht sich Marc ab am Schaft. Oder so ähnlich. Ist schon eine harte Szene, die du Marc und uns Lesern da zumutest. Ich bin zwar der letzte, der sich bezüglich der Behandlung von Figuren ein Urteil erlauben kann, aber für einen kurzen Moment war ich obgleich der Härte, die du hier offenbarst, doch überrascht. Die Frage ist nun, ob Marc einfach nur einen Alptraum erlebt oder er tatsächlich zeitweise als Sexsklave gehalten worden ist. Immerhin hat fast jeder Traum bisher Aspekte der Erinnerung eines Charakters beinhaltet. Sonderlich viel wissen wir über Marcs Werdegang ohnehin noch nicht. Vielleicht könnte ein kleines Mann-zu-Mann-Gespräch zwischen Kol und Marc da Abhilfe schaffen?
      Die Szene war jedenfalls leicht unschön, wobei Marcs Reaktion mir durchaus ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Ob nun der blanke Hass, die Abscheu oder die Verzweiflung aus ihm gesprochen hat, Kol ausgerechnet als "Schwuchtel" zu bezeichnen wird sicherlich nicht folgenlos bleiben. Ich habe mich ehrlich gesagt schon gefragt, ob du Kols Homosexualität noch eine Bedeutung zukommen lässt und bin nun recht zufrieden, dass zumindest Marc nicht ganz gleichgültig gegenüber den Neigungen des Kurators zu sein scheint. Sicher, in dieser Situation sprachen vermutlich die abartigen Umstände aus ihm, aber gesagt ist gesagt - und Marc hätte sich sicherlich anders ausgedrückt, würde kein Konflikt in ihm schwelen. Ich fände diese Facette an Marc nicht einmal arg negativ. Es würde dem Charakter zusätzlich eine Kontur verleihen und ihn mir näher bringen, nachdem ich bisher bekanntlich nicht so~ viel mit ihm anzufangen wusste. Mal sehen, inwiefern diese Episode noch eine Rolle spielen und Kols Präferenz Thema sein wird.

      Überraschung, Kaisa hat eine Verbindung zu den Revolutionären. Überraschung Nummer 2, die Revolutionäre wissen über die 49 Kinder Bescheid. Ach, du bist ein Fuchs. Natürlich weiß eine der mysteriösesten Fraktionen von Odas Welt über eine der mysteriösesten Fraktionen deiner Welt Bescheid. Nur der Leser steht auf dem Schlauch.^^
      Die 49 Kinder werden von der Regierung gesucht, was erst einmal nicht viel aussagt. Immerhin suchen die Bluthunde der Regierung ziemlich viele Menschen aus ziemlich vielen Gründen. Die Frage ist nur, wer oder was die 49 Kinder sind. Du gehst in dem Kapitel nicht darauf ein, ob die junge Kaiser bereits die Tätowierungen auf dem Körper trägt. So oder so gehe ich aber davon aus, dass die 49 Kinder etwas oder jemanden überlebt haben. Vielleicht einen Buster Call, der ähnlich wie auf Ohara geheimes Wissen um die Verlorenen Jahre und die Porneglyphe auslöschen sollte? Wäre zumindest eine Theorie, wenngleich es den Ekel und den Abscheu nicht erklären würde, den die 49 Kinder in Narcisse ausgelöst haben. Fragen über Fragen. Ich bezweifle, dass wir darauf bald eine Antwort erhalten werden, bin aber froh, zumindest einen kleinen Anhaltspunkt bekommen zu haben. Außerdem war es schön, Kuma zu sehen. Freut mich immer, in einer FF einen aus OP bekannten Charakter zu finden. Vielleicht, weil unsere Geschichten ein solches Eigenleben entwickelt haben, dass die Verbindung zum Hauptwerk zuweilen abhandenkommt. Wer weiß.
      Wer nun die ominöse Frau ist, die Kaisa schützen will, mag ich nicht zu sagen. Erst dachte ich an Ivankov in Frauengestalt, aber dann hättest du sie bestimmt anders beschrieben. Vielleicht gehört sie einfach zu den Revolutionären und arbeitet mit dem exzentrischen Tanzmeister zusammen, den wir vor Ewigkeiten kennengelernt haben und der die kleine Kaisa trainiert hat? Wir werden es zu gegebener Zeit erfahren.

      Zu guter Letzt machen wir noch einen Schwenk zu Brianna und Sybill und lernen wieder nur, dass rätselhafte Figuren gerne in Rätseln sprechen. Meine Güte, Sybill. Drück dich klar aus oder geh sterben, du Hängetitte. xD
      Nee, aber der Charakter hat schon was. Wie du ihn so beschreibst, als sardonisch gackerndes Gerippe, welches in seinen eigenen Fäkalien vor sich hin siecht und nur noch von gammelnder Haut und eitrigen Geschwüren zusammengehalten wird. Doch, das ist nett. Einerseits will man mehr erfahren, andererseits möchte man mit Sybill nichts zu tun haben. Diesen inneren Kampf in Brianna konnte man nachfühlen, weil man ihn als Leser selber ausfechten muss. Einem so wichtigen Charakter eine so widerwärtige Erscheinung zu geben, erschafft eine schöne Ambivalenz und ermöglicht es dir, mit der Figur Sybill auf viele mögliche Arten zu verfahren. Sie kann das Böse sein oder nur das notwendige Übel, sie kann ein gefallener Engel sein oder der wahre Teufel, der sich aus der Hölle erhebt, die Luzifer unter seiner Kontrolle glaubt. Alle Türen stehen dir offen, sobald du Sybill entfesselst und ich bin gespannt, welche Auswirkungen ihre Befreiung auf Luzifer und seine Traumwelt haben wird. Noch bin ich mir nämlich nicht sicher, wie Luzifer fallen wird und schließe einen Rückkampf gegen Brianna eigentlich kategorisch aus. Dädalus, der Luzifer physisch zusetzt, während Sybill die Kräfte der Emotionsfrucht unterdrückt oder aushebeln kann - der Gedanke hat seinen Reiz. Luzifer zerstört den Kardinal von Außen, Sybill von Innen. Wäre eine mögliche Variante. Blieben noch die Herzkönigin und ihr Gefolge, welche ich aber noch immer im nächsten Arc sehe. Irgendwie finde ich, verdient die Herzkönigin ein Ende in ihrem persönlichen "Wunderland" und nicht in dieser grotesken Alptraumwelt, die Luzifer erschaffen hat. Aber das ist deine Entscheidung. Vielleicht geht es mir auch nur um Figuren wie Alice und Marzipan, welche in diesem Arc recht kurz kommen würden. Mal sehen, was du dir überlegt hast. Vorher bleibe ich dabei, dass du in diesem Arc nur Luzifer aus dem Spiel nimmst, um das Spiel der Könige endlich in all seiner Pracht beginnen zu lassen.


      Abschließend möchte ich noch auf die zwischenmenschliche Ebene eingehen, die du in diesem Kapitel wieder wunderbar inszeniert hast. Man merkt erst, was einem fehlt, wenn es nach langer Zeit mal wieder auftaucht - in diesem Fall: Die Charakterinteraktionen innerhalb der Protagonisten.
      Es war wirklich schön, die versammelte Mannschaft zu sehen und ihren kleinen und großen Querelen zu lauschen. Kol und sein Penis-Gemälde, Kaisa und der Alkohol, Brianna und Aloë in trauter Innigkeit, Kyu und seine langsame Mannwerdung. Die teils subtilen, teils überdeutlichen Spannungen zwischen den Charakteren fängst du immer hervorragend ein. Gleichzeitig merkt man an diesen Szenen aber auch, wie vollgepackt deine Riege der Helden mittlerweile ist. Mit Herleif und dem Golem hast du schon zwei Figuren außen vor gelassen und man hatte doch das Gefühl, dass Kols Wohnzimmer aus allen Nähten platzt. Zwar vertraue ich dir, dass du alle Figuren in deiner Geschichte gängeln wirst - erwähnen, dass ich mir diese Masse nicht zutrauen würde, möchte ich aber trotzdem.^^
      Jedenfalls haben wir wieder einige starke Momente. Das Gespräch zwischen Kaisa und Dädalus verdeutlicht erneut, dass beide Charaktere auf ihre verschrobene Art und Weise komplett gleich-unterschiedlich sind. Dädalus, der Kaisa nie vertraut hat und nie ein ehrliches Wort aus ihrem Mund gehört hat bzw. glaubt gehört zu haben, hat selbst ein schwerwiegendes Geheimnis und lügt Brianna seit Ewigkeiten an, während ausgerechnet die geheimnisumwitterte Kaisa sein Wissen teilt und ihn so nötigt, ihr zu vertrauen. Das ist eine reizvolle Entwicklung, die durch Kaisas möglichen Verrat im aktuellen Arc noch eine neue Dimension erhalten könnte. Dädalus' dunkelstes Geheimnis liegt in den Händen einer Frau, die sie vielleicht alle verraten hat. Ja, das weiß zu gefallen.

      Kyu indes entpuppt sich zunehmend als wertvolles Mitglied deiner kleinen seltsamen Problemfamilie und entschärft die Minen, welche eigentlich zwischen allen Anwesenden verstreut herumliegen. Ich hoffe, dass uns ein kurzer Rückblick zeigt, wie genau der Spaziergang mit Kaisa abgelaufen ist. Du führst so etwas gewiss nicht ohne Grund ein. Außerdem halten sich die Interaktionen zwischen der Grünhaarigen und dem Fuchs bisher ohnehin noch in Grenzen, sodass ein Einblick in ihre Beziehung nicht schaden könnte. Es ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, Kyu vom unschuldigen Fuchsjungen in die Rolle des geheimen Beschützers zu bringen, der - wenn er schon Brianna nicht vor den physischen Gefahren ihres Schicksals retten kann - doch versucht ist, möglichen psychischen und emotionalen Ballast von ihren Schultern zu nehmen. Kyu erkennt zunehmend, wie seine Ersatzmutter/Ersatzschwester unter dem Gewicht der Ereignisse zerbricht bzw. bricht und ich halte es für folgerichtig, wenn er dieser Entwicklung entgegensteuern wollte. In dieser Rolle gefällt er mir doch sehr gut, da Marc mir als Stütze nicht recht zusagen mag. Er erscheint mir noch immer zu egoistisch, zu selbstzentriert nach all der Zeit, die er für sich und niemanden sonst gelebt hat, als dass er Brianna mit ihren Leiden behüten könnte. Kyu, dessen Leben maßgeblich von Brianna bestimmt und ohne sie kaum vorzustellen ist, passt als heimlicher Beschützer wesentlich besser ins Schema. Nicht nur auf seine Teufelskraft bezogen, die eine weitere Ebene als animalischer "Schutzgeist" der fuchsrothaarigen Brianna Emily Grimm eröffnet.

      Insgesamt lieferst du wieder ein sehr schönes Kapitel ab, auch wenn der Titel beinahe mehr Hoffnungen weckt als erfüllt. Aber daran muss man sich bei dir wohl gewöhnen. Wäre ja auch zu einfach, wenn alles vor unserer Nase liegen würde. xD
      Ansonsten sollte die Länge meines Beitrags aber für sich sprechen. Tolles Kapitel und toll, dass es wieder weitergeht. Ich warte sehnsüchtig auf mehr. :)


    • 157 Kapitel: Die Triade

      So irgendwo muss ich mal mit dem Aufholen anfangen, also warum nicht bei dem FF, wo ich am längsten nichts mehr geschrieben habe. ;)

      Ach... man merkt richtig schon wie viel Spaß du daran hast, diese Familienszenen zu schreiben, du schaffst es immer wieder ein richtig schönes idyllisches Bild der gesamten Situation zu Zeichen. Besonders das Zusammenspiele zwischen Brianna, der mütterliche große Schwester und Kyu und/oder Aleo gefällt mir irgendwie immer besonders gut. Aber auch der von allen immer mal wieder ignorierte Großvater (Dädalus), mit seinen Geschichten (von früher), darf auf keinen Fall fehlen. Das Zusammenspiel zwischen all diesen sehr individuellen Individuen gelingt dir in solchen Situationen immer besonders gut, sie gehören jedenfalls immer zu meinen Lieblingsszenen. :thumbsup:
      In diesem Fall war auch der eingestreute Humor Rund um das Bild nicht zu verachten. :thumbup: Wer lässt auch so etwas im Schlafzimmer hängen, wenn er weiß, dass ziemlich viele Leute bei ihm aufkreuzen, die relativ neugierig sind, wie z.B. Aleo.^^ Wie bereist angedeutet, definitiv eines meiner Lieblingsszenen in diesem Arc. :love:

      Dädalus hat und Lesern jetzt im Bezug auf die Triade nicht gerade allzu viel neues erzählt, dafür aber eine Menge bestätigt, was bis jetzt nur in den Kommentaren bzw. antworten zur Sprache kam. Interessant fand ich aber, wie geschickt du das Problem erledigt hast, dass wir im Manga bis jetzt noch nichts von BM Schwester gehört haben, Pudding hat es sie auf ihren Befehl hin vergessen lassen. Einfach, logisch, stimmig, passt, mehr braucht es nicht. Nur nochmal zu allgemeinen Orientierung, im Manga müssten wir uns jetzt doch am Anfang des Zeitsprungs befinden oder steht das GE noch bevor? Ich meine mich zu Erinnern, das vor CO gerade die Vorbereitungen dazu liefen.

      Bestätigt wurde indirekt auch, dass Dädalus auch richtig schön tief mit drinsteckt, besonders in der Entführung von Briannas Tochter und das Kaiser dies aus irgendwelchen Gründen weiß. OK wir haben in ihrem Traum-FB die Information bekommen, dass sie nicht von einem angehörigen des Zaren gerettet wurde, sondern von Kuma und den Revos, aber dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass die Revos alles über die Triade wissen oder an Kaisa weitergeben. Aber zunächst zu ihrer Rettung, denn das erste mal, als wir etwas über ihre Vergangenheit bzw. ihre Erinnerung daran erfahren haben, klang es so, als wäre sie aus dem Eismeer gefischt worden, aber darin hätte sie auch eigentlich kaum überleben können. Nun erfahren wir, dass dieses Eismeer der Schnee war und der bärenartige Mann, welcher sie trainiert hat, war eben Bär/Kuma. Einfach und im Nachhinein irgendwie logisch^^, was man so alles Vermutet, wenn man davon ausgeht, dass du nicht noch eine bekannte Organisation aus dem Manga einbinden möchtest. Aber ich kann ja glücklicher weise auch nicht alles vorhersagen, sonst wäre es doch irgendwie langweile. Ich ärger auch ja schon genug mit meiner bisherigen Trefferquote. ^^ Bei der krähen artigen Frau, dürfte es sich um deine Interpretation der Person handeln, welche Sabo von DR abgeholt hat.

      Was die 49 Kinder genau sind wissen wir noch nicht, aber die WR scheint Interesse an ihnen zu haben, auch wenn sie die Kinder im Zweifelsfall sicher lieber Tod als in den "falschen" Händen sehen würde. Ob die WR auch für die Zerstörung von Kaisa Heimat und den Tod ihrer Familie verantwortlich ist, wird nicht ganz klar, da die krähenhafte Frau sowohl von revolutionären Bauernkindern, Adeligen und der WR spricht. Aus ihren Worten könnte man sogar herauslesen, dass sie und Kuma damals noch nicht zu den Revos gehört haben, da sie Revolution mit dem eher abwertend zu interpretierenden Begriff Bauerkindern verbindet. Jedenfalls dürften Kaisas Tattoos sehr wahrscheinlich etwas mit den 49 zu tun haben. Ob diese jetzt mit der Prophezeiung, dem Horizont, oder den Porneglyphen zu tun haben oder eine ganz eigene Geschichte sind bleibt abzuwarten.

      Das Mark in seinem Sklavenradsein, wegen seines Aussehens, auch zu körperlichen Freuden herangezogen worden ist, hatte ich schon erwartet, dabei aber eher auf den weiblichen Teil der HD getippt. Diese Entwicklung gibt seiner Beziehung zu Kol aber nochmal eine ganz andere würze. Denn bis jetzt konnte man sein verhalten als eine Art eifersucht interpretieren, weil sich Kol so gut mit Brianna verstanden hat, aber mit diesen negativen Erfahrungen sind sie nochmal ganz neu zu bewerten, aber dazu hat Bo ja schon einiges geschrieben.

      Herleifs Kräutertee könnte nach derzeitigen Informationen einige sehr sehr beruhigende Kräuter enthalten haben. ;)

      Aufgrund schwindender Konzentration, sind meine Ausführungen gegen Ende wohl mehr als knapp ausgefallen, aber das muss trotzdem reichen. Ich freue mich jedenfalls, dass es wieder ein neues Kapitel von dir gab, welches mit einigen überraschenden Informationen aufwarten konnte und mit wieder sehr gut gefallen hat. ^.^
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Antwort auf Fanpost & 158. Kapitel erschienen

      Fast eingehalten, aber ich denke in Anbetracht der letzten Male, kann man einen Tag verschmerzen, oder etwa nicht?

      @Bo

      -Bo- schrieb:

      Beim Titel des Kapitels und der Aussicht auf Informationen, die uns endlich mehr über die Triade und ihre Ziele bzw. Pläne verraten, war ich schon ganz aus dem Häuschen, nur um dann festzustellen, dass du dich noch immer mehr oder weniger geschickt um Informationen windest wie meine Dates vor dem Abschiedskuss. Du Schlingel, du.
      Wie schon in Discord erklärt, war das Kapitel eigentlich als Doublefeature geplant und da im aktuellen Kapitel zumindest ein wenig mehr Info zur Triade angeteasert wird, wäre das vielleich nicht so stark ins Gewicht gefallen, aber nun ja ich sehe ein, dass das vielleicht ein wenig gemein war. Aber mehr Informationen sind schon auf den Weg. Ich glaube mittlerweile sollte recht deutlich sein, dass der Arc einige Antworten bereithält.

      -Bo- schrieb:

      Wirklich viel neues kam aus dem ersten Abschnitt nun nicht unbedingt heraus. Wir erhalten die Bestätigung, dass die Triade aus drei Mächten besteht und so wohl ihren Titel erhalten hat: Der Herzkönigin Viktoria, welcher es meiner Theorie nach zuerst an den Kragen geht; dem Zaren "Bärenfell" Nikolai, der vermutlich in einem großen Arc im Krieg mit den Walküren bedeutsam wird; und dem mysteriösen Lord, welcher mich zunehmend an Ulysses aus meiner FF erinnert und diese typische Instanz im Dunkeln ist, welche sich allein aufgrund ihrer Vorsicht und Isolation von den anderen beiden Führern unterscheidet. Wie und wann er in Erscheinung treten wird, muss sich noch zeigen. Da die apokalyptischen Reiter und Genevieve jedoch ihm unterstehen, tendiere ich zu der These, dass er maßgeblich im großen Finale deiner Geschichte auftreten wird. Immerhin waren es seine Leute, die Briannas Tochter entführt haben und er scheint es zu sein, mit dem Dädalus zu tun hatte. Wäre Dädalus dann der Großvater in diesem kleinen dysfunktionalen Familiengefüge, welches der Lord erschaffen hat und welches nun - unbewusst - von Brianna gespiegelt wird?
      Ja die Spiegelung zwischen Lord und Briannas "Ersatzfamilien" wird noch weiter deutlich werden. Immerhin lernen wir zwei neue Familienmitglieder kennen.
      Und ja...der Lord und seine Organisation sind ein seeeehr wichtiger Baustein in meiner Geschichte. Ob mit Ulysses oder gar dem Grünen König vergleichbar? Wir werden sehen.

      -Bo- schrieb:

      Wie auch immer. Wir erfahren ein klitzekleines Bisschen über die Reiter bzw. über zwei von ihnen. Leonardo, die "Wandelnde Seuche", dürfte die Pestilenz bedienen - was beim Motiv des Pestdoktors nur konsequent ist. Brás, der Ire deiner FF und damit schon jetzt mein Lieblingsreiter, entzieht sich aufgrund seines Beinamens schon eher einer Charakterisierung. Beelzebub. Hm. Das macht es nicht leichter, da Pearl und Michelangelo ebenso ambivalent auftreten. Michelangelo und seine dämonische Zombie-Pferdeform hätte ich am ehesten dem Tod zugeordnet - oder dem Äquivalent in deiner FF, da der Tod in der Bibel als solcher nicht direkt bestätigt wird - und Pearl ist schwer einzuschätzen. Hunger und Krieg könnten mit etwas Fantasie auf Brás und Pearl gleichermaßen angewendet werden, da wir bisher nur wenig über beide wissen. Gleichzeitig schaute Brás mit seiner Sichel auch sehr nach Sensenmann aus...ach, ich enthalte mich an dieser Stelle einfach mal. Mit dem Motiv der Reiter kann man im Grunde nichts verkehrt machen, da die ihre Epicness aus sich selbst ziehen, also lasse ich mich überraschen. xD
      Ich könnte es auch auflösen, wenn du das möchtest, da ich im Kapitel, wo sie aufgetaucht sind, zumindest Pearl Wu mit einem Attribut ausgestattet habe, welches ihre Position verrät. Falls du suchen willst, würde ich mir mal die Beschreibung ihres Kimonos genauer anschauen ;)

      -Bo- schrieb:

      Während Kol die Zügel rafft, müht sich Marc ab am Schaft. Oder so ähnlich. Ist schon eine harte Szene, die du Marc und uns Lesern da zumutest. Ich bin zwar der letzte, der sich bezüglich der Behandlung von Figuren ein Urteil erlauben kann, aber für einen kurzen Moment war ich obgleich der Härte, die du hier offenbarst, doch überrascht. Die Frage ist nun, ob Marc einfach nur einen Alptraum erlebt oder er tatsächlich zeitweise als Sexsklave gehalten worden ist. Immerhin hat fast jeder Traum bisher Aspekte der Erinnerung eines Charakters beinhaltet. Sonderlich viel wissen wir über Marcs Werdegang ohnehin noch nicht. Vielleicht könnte ein kleines Mann-zu-Mann-Gespräch zwischen Kol und Marc da Abhilfe schaffen?
      Die Szene war jedenfalls leicht unschön, wobei Marcs Reaktion mir durchaus ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Ob nun der blanke Hass, die Abscheu oder die Verzweiflung aus ihm gesprochen hat, Kol ausgerechnet als "Schwuchtel" zu bezeichnen wird sicherlich nicht folgenlos bleiben. Ich habe mich ehrlich gesagt schon gefragt, ob du Kols Homosexualität noch eine Bedeutung zukommen lässt und bin nun recht zufrieden, dass zumindest Marc nicht ganz gleichgültig gegenüber den Neigungen des Kurators zu sein scheint. Sicher, in dieser Situation sprachen vermutlich die abartigen Umstände aus ihm, aber gesagt ist gesagt - und Marc hätte sich sicherlich anders ausgedrückt, würde kein Konflikt in ihm schwelen. Ich fände diese Facette an Marc nicht einmal arg negativ. Es würde dem Charakter zusätzlich eine Kontur verleihen und ihn mir näher bringen, nachdem ich bisher bekanntlich nicht so~ viel mit ihm anzufangen wusste. Mal sehen, inwiefern diese Episode noch eine Rolle spielen und Kols Präferenz Thema sein wird.
      Erste Aufklärung: Ja das war eine Erinnerung Marcs. Und ja: Es wird so ein Gespräch geben.
      Dabei möchte ich auch nicht auf ne klischeehafte Schiene abrutschen und wie qoii schon richtig angemerkt hat, hat Marc durchaus auch noch ein paar vernünftige Gründe auf Lager etwas gegen Schwule zu haben abseits einer vielleicht etwas männlichüberspitzten Stammtischhaltung gegenüber den warmen Brüdern.
      Ein Gespräch zwischen den beiden ist also schon längst überfällig.

      -Bo- schrieb:

      Überraschung, Kaisa hat eine Verbindung zu den Revolutionären. Überraschung Nummer 2, die Revolutionäre wissen über die 49 Kinder Bescheid. Ach, du bist ein Fuchs. Natürlich weiß eine der mysteriösesten Fraktionen von Odas Welt über eine der mysteriösesten Fraktionen deiner Welt Bescheid. Nur der Leser steht auf dem Schlauch.^^
      Tja...was soll ich sagen? Wäre wohl ein bisschen seltsam, wenn ich die Revolutionären nicht einbinden würde, bei der Tragweite, die meine Geschichte gerade am einnehmen ist.

      -Bo- schrieb:

      Die 49 Kinder werden von der Regierung gesucht, was erst einmal nicht viel aussagt. Immerhin suchen die Bluthunde der Regierung ziemlich viele Menschen aus ziemlich vielen Gründen. Die Frage ist nur, wer oder was die 49 Kinder sind. Du gehst in dem Kapitel nicht darauf ein, ob die junge Kaiser bereits die Tätowierungen auf dem Körper trägt. So oder so gehe ich aber davon aus, dass die 49 Kinder etwas oder jemanden überlebt haben. Vielleicht einen Buster Call, der ähnlich wie auf Ohara geheimes Wissen um die Verlorenen Jahre und die Porneglyphe auslöschen sollte? Wäre zumindest eine Theorie, wenngleich es den Ekel und den Abscheu nicht erklären würde, den die 49 Kinder in Narcisse ausgelöst haben. Fragen über Fragen. Ich bezweifle, dass wir darauf bald eine Antwort erhalten werden, bin aber froh, zumindest einen kleinen Anhaltspunkt bekommen zu haben. Außerdem war es schön, Kuma zu sehen. Freut mich immer, in einer FF einen aus OP bekannten Charakter zu finden. Vielleicht, weil unsere Geschichten ein solches Eigenleben entwickelt haben, dass die Verbindung zum Hauptwerk zuweilen abhandenkommt. Wer weiß.
      Der gesamte Handlungsstrang um die 49 Kinder wird eine wichtige und zentrale Rolle im kommenden Arc spielen.

      -Bo- schrieb:

      Wer nun die ominöse Frau ist, die Kaisa schützen will, mag ich nicht zu sagen. Erst dachte ich an Ivankov in Frauengestalt, aber dann hättest du sie bestimmt anders beschrieben. Vielleicht gehört sie einfach zu den Revolutionären und arbeitet mit dem exzentrischen Tanzmeister zusammen, den wir vor Ewigkeiten kennengelernt haben und der die kleine Kaisa trainiert hat? Wir werden es zu gegebener Zeit erfahren.
      Sie ist definitiv eine neue - von mir geschaffene - Figur und arbeitet für die Revolutionäre. Mehr kann ich momentan noch nicht sagen.

      -Bo- schrieb:

      Zu guter Letzt machen wir noch einen Schwenk zu Brianna und Sybill und lernen wieder nur, dass rätselhafte Figuren gerne in Rätseln sprechen. Meine Güte, Sybill. Drück dich klar aus oder geh sterben, du Hängetitte. xD
      Lass die arme Frau. Sehr viel Gesellschaft hat sie nicht, da muss und möchte sie wirkliche jede einzelne Sekunde auskosten.

      -Bo- schrieb:

      Nee, aber der Charakter hat schon was. Wie du ihn so beschreibst, als sardonisch gackerndes Gerippe, welches in seinen eigenen Fäkalien vor sich hin siecht und nur noch von gammelnder Haut und eitrigen Geschwüren zusammengehalten wird. Doch, das ist nett. Einerseits will man mehr erfahren, andererseits möchte man mit Sybill nichts zu tun haben. Diesen inneren Kampf in Brianna konnte man nachfühlen, weil man ihn als Leser selber ausfechten muss. Einem so wichtigen Charakter eine so widerwärtige Erscheinung zu geben, erschafft eine schöne Ambivalenz und ermöglicht es dir, mit der Figur Sybill auf viele mögliche Arten zu verfahren. Sie kann das Böse sein oder nur das notwendige Übel, sie kann ein gefallener Engel sein oder der wahre Teufel, der sich aus der Hölle erhebt, die Luzifer unter seiner Kontrolle glaubt. Alle Türen stehen dir offen, sobald du Sybill entfesselst und ich bin gespannt, welche Auswirkungen ihre Befreiung auf Luzifer und seine Traumwelt haben wird. Noch bin ich mir nämlich nicht sicher, wie Luzifer fallen wird und schließe einen Rückkampf gegen Brianna eigentlich kategorisch aus. Dädalus, der Luzifer physisch zusetzt, während Sybill die Kräfte der Emotionsfrucht unterdrückt oder aushebeln kann - der Gedanke hat seinen Reiz. Luzifer zerstört den Kardinal von Außen, Sybill von Innen. Wäre eine mögliche Variante. Blieben noch die Herzkönigin und ihr Gefolge, welche ich aber noch immer im nächsten Arc sehe. Irgendwie finde ich, verdient die Herzkönigin ein Ende in ihrem persönlichen "Wunderland" und nicht in dieser grotesken Alptraumwelt, die Luzifer erschaffen hat. Aber das ist deine Entscheidung. Vielleicht geht es mir auch nur um Figuren wie Alice und Marzipan, welche in diesem Arc recht kurz kommen würden. Mal sehen, was du dir überlegt hast. Vorher bleibe ich dabei, dass du in diesem Arc nur Luzifer aus dem Spiel nimmst, um das Spiel der Könige endlich in all seiner Pracht beginnen zu lassen.
      Ich hülle mich in Schweigen, auch wenn ich mit einem breiten Grinsen dasitze. Auf welchen Teil sich das bezieht, verrate ich dir aber nicht.

      -Bo- schrieb:

      Es war wirklich schön, die versammelte Mannschaft zu sehen und ihren kleinen und großen Querelen zu lauschen. Kol und sein Penis-Gemälde, Kaisa und der Alkohol, Brianna und Aloë in trauter Innigkeit, Kyu und seine langsame Mannwerdung. Die teils subtilen, teils überdeutlichen Spannungen zwischen den Charakteren fängst du immer hervorragend ein. Gleichzeitig merkt man an diesen Szenen aber auch, wie vollgepackt deine Riege der Helden mittlerweile ist. Mit Herleif und dem Golem hast du schon zwei Figuren außen vor gelassen und man hatte doch das Gefühl, dass Kols Wohnzimmer aus allen Nähten platzt. Zwar vertraue ich dir, dass du alle Figuren in deiner Geschichte gängeln wirst - erwähnen, dass ich mir diese Masse nicht zutrauen würde, möchte ich aber trotzdem.^^
      Keine Sorge. Meine Gruppe wird definitiv nicht größer, eher kleiner. So wird der Golem keine aktive Rolle mehr in diesen Arc einnehmen und Herleif auch nur als temporärer Gast eingeplant. Also keine Sorge. Die Größe der Gruppe ist mir auch bewusst, aber sie ist kalkuliert.

      -Bo- schrieb:

      Jedenfalls haben wir wieder einige starke Momente. Das Gespräch zwischen Kaisa und Dädalus verdeutlicht erneut, dass beide Charaktere auf ihre verschrobene Art und Weise komplett gleich-unterschiedlich sind. Dädalus, der Kaisa nie vertraut hat und nie ein ehrliches Wort aus ihrem Mund gehört hat bzw. glaubt gehört zu haben, hat selbst ein schwerwiegendes Geheimnis und lügt Brianna seit Ewigkeiten an, während ausgerechnet die geheimnisumwitterte Kaisa sein Wissen teilt und ihn so nötigt, ihr zu vertrauen. Das ist eine reizvolle Entwicklung, die durch Kaisas möglichen Verrat im aktuellen Arc noch eine neue Dimension erhalten könnte. Dädalus' dunkelstes Geheimnis liegt in den Händen einer Frau, die sie vielleicht alle verraten hat. Ja, das weiß zu gefallen.
      Ja. Schön, dass dir das gefallen hat. Ich mag diese Spannung gerade auch.

      -Bo- schrieb:

      Kyu indes entpuppt sich zunehmend als wertvolles Mitglied deiner kleinen seltsamen Problemfamilie und entschärft die Minen, welche eigentlich zwischen allen Anwesenden verstreut herumliegen. Ich hoffe, dass uns ein kurzer Rückblick zeigt, wie genau der Spaziergang mit Kaisa abgelaufen ist. Du führst so etwas gewiss nicht ohne Grund ein. Außerdem halten sich die Interaktionen zwischen der Grünhaarigen und dem Fuchs bisher ohnehin noch in Grenzen, sodass ein Einblick in ihre Beziehung nicht schaden könnte. Es ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, Kyu vom unschuldigen Fuchsjungen in die Rolle des geheimen Beschützers zu bringen, der - wenn er schon Brianna nicht vor den physischen Gefahren ihres Schicksals retten kann - doch versucht ist, möglichen psychischen und emotionalen Ballast von ihren Schultern zu nehmen. Kyu erkennt zunehmend, wie seine Ersatzmutter/Ersatzschwester unter dem Gewicht der Ereignisse zerbricht bzw. bricht und ich halte es für folgerichtig, wenn er dieser Entwicklung entgegensteuern wollte. In dieser Rolle gefällt er mir doch sehr gut, da Marc mir als Stütze nicht recht zusagen mag. Er erscheint mir noch immer zu egoistisch, zu selbstzentriert nach all der Zeit, die er für sich und niemanden sonst gelebt hat, als dass er Brianna mit ihren Leiden behüten könnte. Kyu, dessen Leben maßgeblich von Brianna bestimmt und ohne sie kaum vorzustellen ist, passt als heimlicher Beschützer wesentlich besser ins Schema. Nicht nur auf seine Teufelskraft bezogen, die eine weitere Ebene als animalischer "Schutzgeist" der fuchsrothaarigen Brianna Emily Grimm eröffnet.
      Mich freut es wirklich, dass diese geplante Charakterisierung und Entwicklung funktioniert. Jeder Arc stellte da mehr oder weniger einen Meilenstein für Kyu an. Auf San Fardo, sein Kampf gegen Theresa, auf dem Aurora Archipel sein "erster" Mord, um Aloë zu schützen, und auf Clockwork Orange die Auseinandersetzung mit Narcisse, die ihn fast getötet hat. Das emotionale Trauma aus dem Albtraum-Arc wird eine essentielle Rolle spielen und ich bin froh, dass das bisher gut ankommt.

      -Bo- schrieb:

      Insgesamt lieferst du wieder ein sehr schönes Kapitel ab, auch wenn der Titel beinahe mehr Hoffnungen weckt als erfüllt. Aber daran muss man sich bei dir wohl gewöhnen. Wäre ja auch zu einfach, wenn alles vor unserer Nase liegen würde. xD
      Ansonsten sollte die Länge meines Beitrags aber für sich sprechen. Tolles Kapitel und toll, dass es wieder weitergeht. Ich warte sehnsüchtig auf mehr.
      Freut mich wirklich, dass es dir gefallen hat und ich danke dir für diesen ausführlichen Kommentar, der mich wirklich motiviert hat. Ich bin auch zuversichtlich, dass es jetzt regelmäßiger weitergeht.

      @qoii

      qoii schrieb:

      Ach... man merkt richtig schon wie viel Spaß du daran hast, diese Familienszenen zu schreiben, du schaffst es immer wieder ein richtig schönes idyllisches Bild der gesamten Situation zu Zeichen. Besonders das Zusammenspiele zwischen Brianna, der mütterliche große Schwester und Kyu und/oder Aleo gefällt mir irgendwie immer besonders gut. Aber auch der von allen immer mal wieder ignorierte Großvater (Dädalus), mit seinen Geschichten (von früher), darf auf keinen Fall fehlen. Das Zusammenspiel zwischen all diesen sehr individuellen Individuen gelingt dir in solchen Situationen immer besonders gut, sie gehören jedenfalls immer zu meinen Lieblingsszenen.
      In diesem Fall war auch der eingestreute Humor Rund um das Bild nicht zu verachten. Wer lässt auch so etwas im Schlafzimmer hängen, wenn er weiß, dass ziemlich viele Leute bei ihm aufkreuzen, die relativ neugierig sind, wie z.B. Aleo.^^ Wie bereist angedeutet, definitiv eines meiner Lieblingsszenen in diesem Arc.
      Ja diese Szenen bereiten mir besonders viel Freude, weswegen ich sie auch passenderweise eingestreut habe. Umso schöner, dass sie Anklang gefunden hat.

      qoii schrieb:

      Dädalus hat und Lesern jetzt im Bezug auf die Triade nicht gerade allzu viel neues erzählt, dafür aber eine Menge bestätigt, was bis jetzt nur in den Kommentaren bzw. antworten zur Sprache kam. Interessant fand ich aber, wie geschickt du das Problem erledigt hast, dass wir im Manga bis jetzt noch nichts von BM Schwester gehört haben, Pudding hat es sie auf ihren Befehl hin vergessen lassen. Einfach, logisch, stimmig, passt, mehr braucht es nicht. Nur nochmal zu allgemeinen Orientierung, im Manga müssten wir uns jetzt doch am Anfang des Zeitsprungs befinden oder steht das GE noch bevor? Ich meine mich zu Erinnern, das vor CO gerade die Vorbereitungen dazu liefen.
      Da muss ich mich ausnahmsweise mal bei Oda bedanken. Die Idee Viktoria zu Big Moms Schwester zu machen, war eine Notwendigkeit, um die ein oder andere Parallele zwischen den Frauen, Crews und Märchenmottos zu erklären, und Pudding kam mir da - zumindest in einer Hinsicht - sehr gelegen.
      Der Krieg ist schon vorbei. Also wir befinden uns jetzt in der Zeit des Timeskips während Luffys Training.

      qoii schrieb:

      Bestätigt wurde indirekt auch, dass Dädalus auch richtig schön tief mit drinsteckt, besonders in der Entführung von Briannas Tochter und das Kaiser dies aus irgendwelchen Gründen weiß. OK wir haben in ihrem Traum-FB die Information bekommen, dass sie nicht von einem angehörigen des Zaren gerettet wurde, sondern von Kuma und den Revos, aber dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass die Revos alles über die Triade wissen oder an Kaisa weitergeben. Aber zunächst zu ihrer Rettung, denn das erste mal, als wir etwas über ihre Vergangenheit bzw. ihre Erinnerung daran erfahren haben, klang es so, als wäre sie aus dem Eismeer gefischt worden, aber darin hätte sie auch eigentlich kaum überleben können. Nun erfahren wir, dass dieses Eismeer der Schnee war und der bärenartige Mann, welcher sie trainiert hat, war eben Bär/Kuma. Einfach und im Nachhinein irgendwie logisch^^, was man so alles Vermutet, wenn man davon ausgeht, dass du nicht noch eine bekannte Organisation aus dem Manga einbinden möchtest. Aber ich kann ja glücklicher weise auch nicht alles vorhersagen, sonst wäre es doch irgendwie langweile. Ich ärger auch ja schon genug mit meiner bisherigen Trefferquote. ^^ Bei der krähen artigen Frau, dürfte es sich um deine Interpretation der Person handeln, welche Sabo von DR abgeholt hat.
      Die Krähen auf Dressrosa sind mir schon wieder vollkommen entfallen. Also meine Inspiration rührte nicht daher. Aber da wird es auch schon bald mehr Infos geben.
      Generell steht Kaisas direkte Vergangenheit im nächsten Arc im Mittelpunkt, womit ihr euch ja schon einmal ausmalen könnt, wohin es nun als nächstes gehen wird ;)

      qoii schrieb:

      Was die 49 Kinder genau sind wissen wir noch nicht, aber die WR scheint Interesse an ihnen zu haben, auch wenn sie die Kinder im Zweifelsfall sicher lieber Tod als in den "falschen" Händen sehen würde. Ob die WR auch für die Zerstörung von Kaisa Heimat und den Tod ihrer Familie verantwortlich ist, wird nicht ganz klar, da die krähenhafte Frau sowohl von revolutionären Bauernkindern, Adeligen und der WR spricht. Aus ihren Worten könnte man sogar herauslesen, dass sie und Kuma damals noch nicht zu den Revos gehört haben, da sie Revolution mit dem eher abwertend zu interpretierenden Begriff Bauerkindern verbindet. Jedenfalls dürften Kaisas Tattoos sehr wahrscheinlich etwas mit den 49 zu tun haben. Ob diese jetzt mit der Prophezeiung, dem Horizont, oder den Porneglyphen zu tun haben oder eine ganz eigene Geschichte sind bleibt abzuwarten.
      Dazu im nächsten Arc mehr ;)

      qoii schrieb:

      Das Mark in seinem Sklavenradsein, wegen seines Aussehens, auch zu körperlichen Freuden herangezogen worden ist, hatte ich schon erwartet, dabei aber eher auf den weiblichen Teil der HD getippt. Diese Entwicklung gibt seiner Beziehung zu Kol aber nochmal eine ganz andere würze. Denn bis jetzt konnte man sein verhalten als eine Art eifersucht interpretieren, weil sich Kol so gut mit Brianna verstanden hat, aber mit diesen negativen Erfahrungen sind sie nochmal ganz neu zu bewerten, aber dazu hat Bo ja schon einiges geschrieben.
      Ja sehr richtig und gut erkannt!

      qoii schrieb:

      Herleifs Kräutertee könnte nach derzeitigen Informationen einige sehr sehr beruhigende Kräuter enthalten haben.
      Ja vielleicht ;)

      qoii schrieb:

      Aufgrund schwindender Konzentration, sind meine Ausführungen gegen Ende wohl mehr als knapp ausgefallen, aber das muss trotzdem reichen. Ich freue mich jedenfalls, dass es wieder ein neues Kapitel von dir gab, welches mit einigen überraschenden Informationen aufwarten konnte und mit wieder sehr gut gefallen hat.
      Vielen dank auch an dich! Und das reicht doch vollkommen! :)


      So damit, wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!
    • 158.Kapitel: Der Wirt des Alptraums

      Ohne Einleitung, ohne doppelten Boden!

      Beginnen wir mit einem lauten "YEAH! BITCHES!!!" aus tiefster Seele, denn eine meiner zahlreichen Vermutungen für diesen Arc hat tatsächlich ins Schwarze getroffen und den Clown auf der Plattform versenkt - Shmuel ist der Lord. Damit haben wir nun immerhin einen Namen zum Beinamen, zumal meine Theorie um den gebrochenen Mann, der sich eine Familie aufzubauen versucht, Gestalt annimmt. Zwar wissen wir noch zu wenig über den Lord bzw. den alten Shmuel, um jetzt aus dieser Information größeren Profit zu schlagen, jedoch verdichtet sich die bisherige Handlung dadurch immerhin. Zumal Shmuel auch eine gewisse Bindung zu Luzifer haben muss, wenn jener den kleinen Lord als Wirt auserkoren hat. Die starken religiösen Anleihen, die du über deine ganze FF verteilt hast, entflechten sich mit den Juden (gnarg) nun noch einmal zusätzlich und lassen einigen Spielraum für eine mögliche Verbindung zwischen den archaischen Kräften der Hexen, den dunklen Riten der Prophezeiung und der Religion der Juden, die ich nicht als Judentum bezeichnen werde. Es erscheint mir logisch, dass Shmuel bei seinen Studien - vielleicht auf der Suche nach dem ewigen Leben oder der Wiedergeburt? - auf die Prophezeiung stieß. Spontan kommt mir da Sahar in den Sinn, oder auch das kleine Mädchen hinter der Wand, welche Shmuel wichtig zu sein scheinen. Wenn er beide oder eine von ihnen verloren hat, so wäre das seine Motivation, mit den Kräften des Lebens und des Todes zu fechten. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Weisen und deren Unsterblichkeit auf die eine oder andere Weise mit Horizon verknüpft sind, so ergäbe das eine Möglichkeit für Shmuel, durch Horizon selbst dem Tod ein Schnippchen zu schlagen; sei es für sich selbst oder den Menschen, die er liebt bzw. retten/zurückholen will. Noch habe ich zwar keine Ahnung, was Horizon sein könnte (wobei ich die Poseidon-Theorie rund um Brianna oder ihre Tochter nicht fallen lasse), aber ich bin zuversichtlich, dass uns die Geheimnisse des Lords und deren Offenlegung (mehr oder minder) rasanten Schrittes in die Richtung des sagenumwobenen Artefakts leiten werden.

      Die beiden anderen Wirte sind Theresa und Luzifer, so weit so berechenbar. Schön aber, dass Brianna die treibende Kraft hinter dem Anfang vom Ende der Traumwelt ist und nicht wie so oft bloßer Spielball der Ränke ist, die die Schurken schmieden - eine Unsitte, der ich auch in meiner FF oftmals erliege, weil es sich leichter schreiben und gestalten lässt. Chapeau an dieser Stelle.
      Ebenso beeindruckend waren die Umschreibungen, die du der unappetitlichen Sybill gewährst. Das Motiv der verrottenden Königin mit ihren Insignien des Verfalls hat mir verdammt gut gefallen und mich mit einem Staunen zurückgelassen. Ich mag die Figur, ich mag ihre Verschlagenheit und ihre Macht, inmitten von Seuche und Würdelosigkeit zu thronen wie die Göttin über der Welt. Umso schöner fand ich aber, dass sich Brianna auch hier nicht kampflos ihrem Schicksal ergibt. Unabhängig davon, ob ihr Plan nun von Erfolg gekrönt sein wird, gefällt mir der bloße Entschluss, Sybills Untergang zumindest herbeiführen zu wollen.
      Brianna zeigt endlich mal wieder Entscheidungsfreude, nachdem sie gegen Narcisse hauptsächlich die unverwüstliche Maus zwischen den Krallen der Katze spielte.
      Die Frage, wie Salvador nun zu Brianna gelangte...muss ich sie stellen? Also, steckt da mehr dahinter und uns erwartet ein Flashback oder hat Sybill den Meermann einfach als Unterstützung "herbeigezaubert"? Mir wäre beides recht, von daher darfst du mich gerne überraschen.^^

      Apropos Überraschung, für Herleif gibt es ein überraschend böses Erwachen. Zugegeben, ich bin etwas enttäuscht. Ich hätte gern Kaisa auf dem Stuhl gesehen, bin aber überzeugt, dass auch die Grünhaarige noch ihren Zug machen wird. Dass sie nicht offen agiert, wurde uns in der Vergangenheit nun bereits mehrfach angeteasert. Vielleicht kam Herleif mit ihrem Verrat der Ex-Agentin einfach zuvor? Ich erinnere mich vage an eine gewisse Frau, Baronin Irgendwas...? Sorry, deine Pausen tun mir diesbezüglich nicht wirklich gut.^^
      Das merkte ich auch bei Gabriel, der in meinem Kopf noch so gar kein Bild hatte. Mittlerweile geht es wieder, da ich ihn mir wie den typischen beinharten Foltermeister im Dienste des Glaubens vorstelle, ein stoischer Ritter und Soldat des Herren, dessen Bestimmung das Schwert und nicht die Feder ist. Betrachtet man dieses Kapitel als sein richtiges "Debüt", bleibt ein sehr positiver Eindruck zurück. Freilich, er ist ein sexistisches, rassistisches, fanatisches und selbstgerechtes Arschloch. Aber solche Figuren braucht es halt und seine Dia- bzw. Monologe waren erstklassig. Gern mehr von ihm, bevor sein Gebiss im Asphalt stecken bleibt. :D

      Zurück zum Lord oder eher dessen "Familie", in Ermangelung eines besseren Wortes. Die Herzkönigin hat immerhin ihren Hofstaat und Nikolai seinen Bestienchor. Noumu scheint von einer TF genascht zu haben, die ihn entweder in Nebel verwandelt oder in etwas, das mit Nebel zu tun hat. Seit Ëris traue ich keiner Teufelskraft mehr über den Weg, bis du sie genau bestimmt hast. Und selbst dann bleibe ich skeptisch, denn neuerdings kann man selbst Oda nicht mehr trauen. #NoLogia
      Habe ich das richtig verstanden, dass sich Aloe in der Gewalt von Nephthys und Friends befindet? Oder welches Mädel mit rauchblauen Haaren liegt da in der Teufelsfalle? Das dürfte interessant werden, sobald der Engel aufwacht. Immerhin ist Zoe nicht mehr Zoe und was auch immer sie jetzt ist, dürfte mit ihrer Schwester kaum mehr viel gemein haben. Schon interessant, wie schnell sich Zoe in ihre neue Rolle ergeben hat. Andererseits war Zoe auch nie ein sonderlich abgebrühtes Wesen und vermutlich dementsprechend leicht zu manipulieren, nach all der Hätschelei durch die Deveraux-Älteste.
      Zu Noumu - einem Namensvetter aus MHA, wie ich erfahren habe - und dem ominösen Lachthopos gibt es nicht viel zu sagen. Zwei Verbündete des Lords und damit potenzielle Endgegner für Briannas kleine Problemfamilie. Ich zähle für mich mal durch: Der Lord, Katerina, Genevieve, Fynn, die brutale Oma und Onkel Propeller, Noumu und Lachthopos sowie Zoe/Nephthys + natürlich die vier Reiter der Apokalypse. Sind bis dato mehr Widersacher als Protagonisten, wobei ich auch nicht davon ausgehe, dass es sämtliche böse Buben bis zum Ende schaffen. Spontan würde ich z.B. die Oma rausnehmen, da mir hier ein passender Kandidat auf Seiten der Schatzjäger fehlt. Aber das ist Zukunftsmusik, die sich noch nicht anklingen lassen möchte. Für den Moment nicke ich ab, dass du den Lord allmählich ins Licht zerrst und uns seine Gesellen vorstellst. Dies begann freilich schon im Verlauf der letzten Arcs, ganz ähnlich wie ich mit den Waffenschiebern um Ulysses verfahren bin, aber etwas mysteriös blieben sie allesamt dennoch. Daher freut es mich, dass du uns die wohlmöglichen Finalgegner endlich genauer vorstellst. Dennoch fällt auf, dass die Reiter nicht recht ins Bild der "Familie" passen wollen. Vielleicht waren sie seine ersten Verbündeten? Der Lord, Katerina und die Reiter, bevor Shmuel sein Home Sweet Home aufzubauen begann? Könnte hinkommen. Oder auch nicht.
      Die Frage, wo Shmuel alias der Lord nun all die Jahre war...ach, das ist zu müßig. Vielleicht war er auf einem Berg, um Steintafeln zu empfangen, vielleicht hat er sich in einem caligulanischen Freudenhaus einen hartnäckigen Tripper eingefangen, den es auszukurieren galt. Ich koche lieber erst, sobald die Platte heiß ist. xD

      Auch zur letzten Szene weiß ich wenig zu sagen. Raphaela ist die Tochter von Sybill und Michel, Dädalus glaubte sie tot und wird nun ihr und damit uns die ganze Geschichte erzählen. Wieso habe ich das Gefühl, hier einen monumentalen Flashback der Marke Ohara erwarten zu müssen?^^
      Aber das ist ein Thema für den nächsten Kommentar. Für dieses Mal bleibt nur zu sagen, dass du ein sehr fesselndes und ansprechendes Kapitel zu Papier gebracht hast, welches dank diverser neuer Informationen einen wohltuenden Duft des Fortschritts verströmt. Gute Arbeit. :)

      PS.: Ich habe mir übrigens Pearls Kimono erneut angesehen und bin jetzt zu dem Entschluss gekommen, dass es sich bei ihr um den Krieg handelt. Damit bleiben für Brás und Michelangelo Tod und Hunger bzw. umgekehrt. Ich hoffe, das passt. xD

      Hab mich verlesen. Peinlich, peinlich.


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    • 158.Kapitel: Der Wirt des Alptraums

      Mal wieder ein so tolles Kapitel, dass ich nicht weiß wo bzw. wie ich Anfangen soll, da Informationen, die am Ende stehen, ein ganz neues Licht auf Dinge werfen, die am Anfang geschehen sind und umgekehrt. Ein ziemlich verflochtenes Kapitel... ^.^

      Die Albtraumwelten sind also von Luzifer geschaffen worden, der sich dazu der Macht seiner Emotionsfrucht bedient und da schlechte Erinnerungen häufig viel stärkere Spuren hinterlassen, kann er mit ihnen viel einfacher Arbeiten. Weiterhin sind Gegner auch oft viel einfacher zu beherrschen und besiegen, wenn man sie mit schlechten bis traumatischen Erinnerungen traktiert. Für seine, nennen wir es mal Hauptwelt, hat er sich hauptsächlich der Erinnerungen von drei Leuten bedient, um diese zu konstruieren. Wobei wir uns sicher sein können, dass er dabei auch auf verschiedenen Zeitebenen von Erinnerungen zurückgegriffen hat, da der Lord eigentlich viel älter als Brianna sein dürfte, immerhin scheint Dädalus mit ihm schon Kontakt gehabt zu haben, bevor er auf Brianna getroffen ist. Denn halten wir fest, sofern ich mich recht entsinne, findet die Hochzeit vor drei bis fünf Jahren statt und Shumel wird sicher nicht in so kurzer Zeit zu einer der drei Säulen der Triade geworden sein, besonders, da das Mittsommernachtsfest auch grob in diesem Zeitraum gelegen haben müsste.

      Wir wissen nun also, dass der Lord höchstwahrscheinlich als Kind in dieser Stadt gelebt hat, genauso wie Theresa und Luzifer. Die beiden Letzten haben die Stadt nach dem aufstand des Kalifen verlassen, der in dieser Albtraum-Stadt ein paar Jahre zurückzuliegen scheint. Deswegen würde ich fast vermuten, dass auch der Lord in einem ähnlichen Alter wie Luzifer und Theresa ist, also dass alle drei als Kinder/Jugendliche dieses Aufstand/Krieg miterlebt haben, denn Shumels Erlebnisse sind eigentlich zu konkret um alleine Luzifers Werk zu sein, der in dieser Zeit überhaupt nicht in der Stadt war. Die Stadt nach dem Aufstand, ist also die eine (zeitliche) Grundlage, während es sich bei der zweiten Grundlage um die anstehende Hochzeit handeln dürfte, während der Luzifer uns seine Leute im realen CM schon an der Macht gewesen sein dürften. Vielleicht ist noch eine leichte dritte Ebene von aktuellen Gegebenheiten eingewoben, falls Raphaela und Gabriel damals noch keine so hohen Positionen hatten.

      Nochmal zu den Wirten dieser Albtraumwelt. Der erste ist natürlich Luzifer, denn in seiner eigenen Welt/Erinnerungen kann man sich sicher am besten zurechtfinden. Die zweite ist Theresa, welche nach unserem Wissen, in der Wirklichkeit bereits getötet wurde. Aber dass es für Luzifer kein Problem ist, tote Personen bei sich zu behalten, hat er schon bei Sybille gezeigt. Viel interessanter finde ich es da, dass man diese, nennen wir es mal Erinnerungen, endgültig töten kann. Theresa war ein Wirt dieser Welt und wurde von Brianna erledigt, deswegen wird diese Albtraumwelt zu einem instabil, zum anderen scheint es Luzifer aber auch nicht mehr möglich zu sein, Theresa und damit eine der drei Säulen wieder zum Leben zu erwecken.

      Damit komme ich zu dritten Wirt, zu Lord Shumel, wobei dieser auch gleich einen Sprung in die Wirklichkeit enthält. Wie ich bereits ausgeführt habe, scheint er ebenfalls aus dieser Stadt zu stammen, aber wir haben bereits mehrfach gesehen, dass er und Luzifer keine Freunde/Verbündetet sind, sogar eher Gegner, immerhin hat Katerina als Strafe für Luzifers Aktionen gegen Brianna Theresa getötet. Es geht sogar noch weiter und hier muss ich in die reale Welt springen. Das Schiff von Brianna und das von Luzifer liegen immer noch nebeneinander, aber es sind neue Gäste auf beiden aufgetaucht, was auf eine sehr schlechte Bewachung schließen lässt. Denn nun sind auch angehörige des Lords anwesend und dieser scheinen sich auf beiden Schiffen frei bewegen zu können. Bei Brianna sind NOUMU und Nephthys, welche sich bewusst an nichts mehr aus ihrem alten Leben zu erinnern scheint, aber ihr längerer Blick auf Aleo zeigt, dass da durchaus noch Reste vorhanden sein können. Währenddessen ist eine Person Namens Lachthopos auf Luzifers Schiff unterwegs und scheint vor freute den Tränen nahe zu sein, weil er >IHN< gefunden hat. Dabei scheint es sich um den Lord zu handeln und so wie es klingt, ist dieser ein Gefangener von Luizfer und dass schon seit längerer Zeit. Da fragt man sich doch, was in letzter Zeit wirklich von Lord veranlasst wurde und was nur in seinem Namen. Denn zumindest den Absturz des AA, würde ich ihm nach dem derzeitigen Stand nicht mehr zurechnen, immerhin scheint Nephthys, den Lord nicht mehr kennengelernt zu haben.

      Weiterhin scheint sich Luzifer nicht nur der Macht seiner TF zu bedienen, sondern auch einer Art "Magie", denn sowohl Brianna und Co. als auch der Lord können nicht von der Stelle bewegt werden. Entweder Luzifer hat, durch die Aufnahme von Sybilles Erinnerungen, die Fähigkeiten zu so etwas erlangt oder es war Raphaela, da sie sich als Sybilles Tochter herausstellt. Denn Nephthys erkennt, dass es Magie ist und wenn ich mich recht entsinne, ist sie nicht nur die Schülerin von Genevieve ,sondern auch irgendwie eine ihrer Nachfahrinnen, ich glaube Enkelin. Auch wenn Nephthys meint, dass vielleicht Lachthopos etwas dagegen unternehmen kann, scheint die Magie bei dir doch ein Gebiet der Hexen und Hexer bzw ihrer Nachfahren zu sein, was die anderen Lebewesen ausschließen würde. Vielleicht ist Lachthopos auch selbst ein Hexer.

      Anders ausgedrückt, wenn bei dir von Magie die Rede ist, steht sie im Zusammenhang mit den Hexen (und Hexern), welche bei dir bis jetzt alle zum Drei-Augen-Stamm zu gehört haben, zumindest die weiblichen. Bei Nephthys haben wir dies zwar noch nicht gesehen, aber Raphaela hat eine Narbe/Narben auf der Stirn. Diese könnte entweder ein nicht fertig Ausgebildetes drittes Auge sein oder der Ort, wo es gewesen ist, bevor sie es sich selbst oder ihr Bruder, der Hexenhammer, ausgestochen hat. Dieser Makel des Hexenblutes könnte auch dafür verantwortlich sein, dass Raphaela sich immer wieder selbst kasteit, da eine Seite von ihr schwach, böse, des Teufels ist oder wie auch immer diese religiöse Fanatikerin es definieren würde.

      Während sich Raphael dem selbstverletzenden Verhalten zugewendet hat, um das fehlen von Mutter und Vater zu kompensieren, hat ihr Zwillingsbruder Gabriel den entgegengesetzten Weg gewählt. Er versucht alles, was vom selben Blut wie seine Mutter ist auszulöschen, denn den Titel Hexenhammer wird er nicht umsonst bekommen haben. Siegmund Freud hätte dazu sicher viel zu sagen, besonders wenn er zusätzlich noch Herleifs "Befragung" mitbekommen hätte, aber dazu später mehr. Jedenfalls dürfte es für die Psyche der beiden nicht gut gewesen sein, dass Luzifer bzw, die Kirche die beiden Aufgezogen hat. Zum einen sind die für Luzifer die Kinder des Mannes, der ihn verraten hat (Michael), zum anderen sind die für die Kirche die Kinder einer Hexe und somit einer verdorbenen Existenz. Ihr Leben dürfte bestimmt nicht einfach gewesen sein, was sich auch ihn ihrem Verhalten und Reaktionen widerspiegelt. Auch wenn Raphaela behauptet, Luzifer hätte sie geliebt, gerettet und gut Aufgezogen. Abgesehen davon, dass dies auch oft Kinder mit Gewalterfahrung sagen, scheint Raphaela zumindest unterbewusst so misstrauisch zu sein, dass sie von jemand anderem, mehr über ihre Eltern erfahren möchte. Deswegen kann ich es mit durchaus vorstellen, dass sie letztendlich vielleicht sogar... nein nicht die Seiten wechselt, sondern eher Luzifer vernichten will. Immerhin scheint sie nicht zu wissen, dass ihre Mutter ebenfalls in dieser Welt ist und sie mit ihr sprechen könnte. Denn Raphaela hätte sie sonst sicher aufgesucht, denn ich glaube kaum, dass Raphaela sich bei Luzifer eine Besuchserlaubnis für Dädalus organisiert hat.

      Der nächste Punkt auf meiner Liste ist Herleif, welche gerade von Gabriel gefoltert wird, weil sie wissen möchten, warum diese Brianna und Co verraten hat. Gleichzeitig erfahren wir in der realen Welt, dass die Leute des Lords mit dem Zaren einen Deal hatten, welcher das auffinden des gefangen Lords zu beinhalten scheint. Allerdings sind die Walküren bis jetzt als Gegner des Zaren dargestellt worden, weswegen man einen Zusammenhang eigentlich ausschließen müsste. Aber es könnte natürlich auch sein, dass Herleif trotzdem für den Zaren arbeiten oder die Walküren wiederum einen Deal mit dem Zaren haben. Wie auch immer, ich denke, dass es kein Zufall ist, dass du beide Informationen in ein Kapitel gepackt hast. Vielleicht hat Herleif Brianna und Ca als Köder benutzt, um Luzifer, nebst Schiff und Lord, anzulocken, damit die Lord-Familie ihren Chef dort wiederfinden kann, womit der Deal zwischen Zar und Lord-Familie erfüllt wird und gleichzeitig auch wieder Brianna und Co gerettet werden. Denn zum einen sind Brianna (und Co.) für die Lordfraktion wichtig und anderseits stecken sie in der selben Situation wie der Lord, sprich wenn dieser Befreit wird, indem Luzifer vernichtet wird, kommen Brianna und Co auch frei.

      Bei dem ganzen inhaltlichen Ausführungen, ist es mit mal wieder fast untergegangen zu erwähnen, wie wunderbar du die jeweiligen Handlungsorte gestaltet und ausgeführt hast. Die Szenen um den irren Inquisitor Gabriel und einer hilflosen, aber geistig noch widerstand leistenden, Herleif. Der wahnsinnigen Königin dieser Traumwelt, welche nur Brianna ihr wahres ich zeigt und wieder unauffällig wird, sobald sie Salvador um die Ecke biegen lässt bzw erahnt dass er kommt oder die Situation auf den Schiffen oder in der Kathedrale, alle hatten ihren ganz eigenen Reiz und Aufbau, mit ihrer ganz eigenen Stimmung. Einfach wieder wunderbar umgesetzt. :thumbup:

      Damit werde ich meinen Kommentar beenden, da mein Kopf raucht und meine Konzentration aufgebraucht ist. Habe bestimmt wieder mal was vergessen, aber es gibt immer einen nächsten Kommentar. ;)
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Da bin ich mal wieder und dieses mal hat es fast 3 Monate gedauert. Zumindest freue ich mich, mal wieder etwas zu kommentieren. Die Notizen, die ich mir vor ein paar Wochen beim Lesen gemacht habe, sind im Nachhinein irgendwie sehr wirr und wenn ich mir das so durchlese treibt sich mir die Schamesröte ins Gesicht, bei so viel Verwirrtheit und halb aufgenommenen Infos . xD Gut, dass ich die Kapitel nochmal gelesen habe, alles andere wäre nur peinlich geworden.

      Nun denn, gleich zu Beginn möchte ich mal wieder die Zwischenmenschlichen Aspekte der Kapitel loben, die mir wie immer einfach nur sehr gut gefallen. Gerade bei solchen Absätzen liegt deine Stärke und diese wissen mich wie immer zu überzeugen.
      Besonders mochte in die Schwankungen zwischen Witz und Ernst, was die Sache am Anfang des ersten Kapitels irgendwie nochmal aufgelockert, ihren Ernst dadurch aber nie verloren hat. Die Blicke die sich Kaisa und Dedale zuwerfen, sowie deren späteres Gespräch. Kyu entschärft die Situation hier sanft und nimmt Kaisa raus. Ich bin gespannt, wie Kaisa sich noch in die Gruppe einfügen wird. Sie erinnert mich derzeit etwas an Robin, die anfangs auch eher zurück haltend in der Gruppe agierte und sich erst mit der Zeit in die Gruppe einfand. Generell besitzen Kaisa und Robin ein paar Parallelen. Beide sind es gewohnt alleine zu agieren, wurden von der WR gesucht und man ist sich nie sicher, auf welcher Seite sie nun eigentlich stehen. Trotzdem weisen beide noch genügend Unterschiede auf. Mal sehen was du aus ihrer Vergangenheit machst und wie sich das alles so entwickelt.

      Marc scheint langsam etwas Farbe zu bekommen, denn da muss ich Bo zustimmen, bisher wirkte er noch recht blass. Jeder Charakter kommt zu seiner Zeit. Bisher interessierte er mich allerdings auch nicht so. Die Möglichkeit, dass er als Sexsklave gehalten wurde hatte ich glaube schon mal in Erwägung gezogen, daher überraschte mich die Situation nicht so sehr. Für Marc, gerade in der Situation mit Kol, natürlich sehr schwierig und seine Reaktion kann ich auch nachvollziehen.

      Sybill formt sich in meinem Kopf zu einer absolut widerwärtigen und ekelerregenden Person.Wie sie mit den Fingern durch Schimmel und Kot fährt, dazu noch ihr beschriebenes Äußeres. Hmmmm~ Lecker. Regt meinen Appetit ungemein an. Von Ihrem ekelhaften Äußeren mal abgesehen, welches du gekonnt in Szene setzt, kann ich nur sagen, dass ihr generelles Auftreten zu gefallen weiß. Hätte Sybill an meinem Ohr geleckt, mich hätte dort nichts gehalten. Drittes Auge hin oder her...
      Mit Ihrer Psychonummer schafft sie es zwar Brianna zu überzeugen Luzifer zu töten, aber war leider nicht dazu in der Lage ihr klar zu machen, dass sie noch alle Tassen im Schrank hat und damit ein Leben verdient hat. Zu dumm, vielleicht etwas weniger rotes Auge und Finger-durch-den-Kot Getue und sie hätte bessere Karten gehabt und die Liste der Lebewesen zu fallen, die gerettet gehören. In welcher Form auch immer, immerhin ist sie ja schon Tot. Irgendwie.

      Immerhin lässt sie ein paar interessante Infos über die TF von Luzifer springen und verrät auch gleich, dass der kleine Shmuel zum späteren Lord wurde und dazu noch einer der drei Pfeiler der Traumwelt ist. Die Idee der Traumfänger Frucht find ich übrigens ziemlich gut und wenn diese aus drei Pfeilern/Menschen entstanden ist, erklärt das auch dieses durcheinander. Zu Shmuel fallen mir derzeit nur zu viele Fragen ein, die du mir eh nicht beantworten wirst. Zumindest scheinen Luzi und Lordi sich schon lange zu kennen. Wie die einzelnen Traumsequenzen zusammen passen könnten, ist mir derzeit irgendwie noch recht schwammig. Ich glaub am Ende des Arcs würde ich einige der Traumsequenzen nochmal nachlesen um in meinem Hirn mehr Ordnung zu schaffen. Die Pause hat mir in der Hinsicht auf jedenfall nichts Gutes getan. Ich habe das Gefühl, in meinem Kopf alles noch komplizierter zu machen, als es eigentlich ist xD

      Back to life... back to reality...
      Die Realität existiert noch! Und Überraschung: Auf Briannas Schiff befinden sich nun untergebene Des Lords. Darunter eine Art Nebelgestalt Namens Noumou und die gute Nephthys, die offensichtlich etwas Unterricht in der Hexerei hatte. Voll ausgebildet ist sie in der kurzen Zeit natürlich noch nicht und so benötigt sie Unterstützung und Hilfe von Lachthopos, die Truppe aus dem blutigen Pentagram zu holen. Die Bindung zu Aloe ist nicht gänzlich verschwunden. Das Band von Geschwistern kann man, schon aufgrund der Blutsverwandschaft, nicht gänzlich trennen. Wir haben ja bereits über die Bindung zu Geschwistern gesprochen und ich bin hier auch wirklich neugierig, wie die Sache sich weiter entwickeln wird.
      Der Lord ist auf dem Schiff und kehrt zu seinen Untergebenen zurück, nachdem er anscheinend länger beim Zar war.
      Sowohl der Lord, als auch Brianna und Co sind im Blutzauber gefangen.

      Zum Abschluss wird Dädalus nicht nur von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht, sondern auch noch von deren Tochter. Raphaela ist also die Tochter Sybills und Michels und damit Gabriels Schwester. Im Gegensatz zu ihrer Mutter scheint sie jedoch nicht so starke Hexenfähigkeiten zu besitzen, zumindest muss sie sich selbst geißeln. Mal sehen ob sie durch die Geschichte ,die ihr jetzt serviert wird, einen Wandel erfahren wird oder nicht.

      Mehr kann ich gerade nicht schreiben, es wäre ohnehin nur eine Wiederholung dessen, was die Anderen schon geschrieben haben und ich bin kein Fan von Textwänden ohne Sinn. ^^
      Man liest sich~
    • Ich bin wieder da

      Man hört ein leises Flüstern...manche glauben, dass er nur noch Mythos sei...ein Schatten, auf ewig verschwunden, aber da haben sie sich getäuscht, denn ich bin wieder da!

      Ohne lange Reden, gleich zur Tat, in dem ich auf eure viel weit zurückliegenden Kommentare antworte und euch das neueste Kapitel aus der kreativen Schreibwerkstatt Vexors mitbringe, welches hier zu finden ist.
      Des Weiteren möchte ich auf Bos Anfrage zum Q&A hinweisen. Genauere Informationen findet ihr an der verlinkten Stelle.

      Dann mal back to business:

      @Bo

      -Bo- schrieb:

      Beginnen wir mit einem lauten "YEAH! BITCHES!!!" aus tiefster Seele, denn eine meiner zahlreichen Vermutungen für diesen Arc hat tatsächlich ins Schwarze getroffen und den Clown auf der Plattform versenkt - Shmuel ist der Lord. Damit haben wir nun immerhin einen Namen zum Beinamen, zumal meine Theorie um den gebrochenen Mann, der sich eine Familie aufzubauen versucht, Gestalt annimmt. Zwar wissen wir noch zu wenig über den Lord bzw. den alten Shmuel, um jetzt aus dieser Information größeren Profit zu schlagen, jedoch verdichtet sich die bisherige Handlung dadurch immerhin. Zumal Shmuel auch eine gewisse Bindung zu Luzifer haben muss, wenn jener den kleinen Lord als Wirt auserkoren hat. Die starken religiösen Anleihen, die du über deine ganze FF verteilt hast, entflechten sich mit den Juden (gnarg) nun noch einmal zusätzlich und lassen einigen Spielraum für eine mögliche Verbindung zwischen den archaischen Kräften der Hexen, den dunklen Riten der Prophezeiung und der Religion der Juden, die ich nicht als Judentum bezeichnen werde. Es erscheint mir logisch, dass Shmuel bei seinen Studien - vielleicht auf der Suche nach dem ewigen Leben oder der Wiedergeburt? - auf die Prophezeiung stieß. Spontan kommt mir da Sahar in den Sinn, oder auch das kleine Mädchen hinter der Wand, welche Shmuel wichtig zu sein scheinen. Wenn er beide oder eine von ihnen verloren hat, so wäre das seine Motivation, mit den Kräften des Lebens und des Todes zu fechten. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Weisen und deren Unsterblichkeit auf die eine oder andere Weise mit Horizon verknüpft sind, so ergäbe das eine Möglichkeit für Shmuel, durch Horizon selbst dem Tod ein Schnippchen zu schlagen; sei es für sich selbst oder den Menschen, die er liebt bzw. retten/zurückholen will. Noch habe ich zwar keine Ahnung, was Horizon sein könnte (wobei ich die Poseidon-Theorie rund um Brianna oder ihre Tochter nicht fallen lasse), aber ich bin zuversichtlich, dass uns die Geheimnisse des Lords und deren Offenlegung (mehr oder minder) rasanten Schrittes in die Richtung des sagenumwobenen Artefakts leiten werden.
      Es ist immer eine Genugtuung, wenn eine Theorie mal ins Schwarze trifft, nicht wahr?

      Vieles ist auf jeden Fall absolut richtig erkannt. Der Lord verfolgt - wissentlich oder nicht - definitiv eine Art Familienersatz. Auf Grund der Umodellierung des Arcs ging zwar vieles von Shmules Flashback fürs erste verloren, aber ich werde defintiv noch einmal auf Personen wie Sahar oder seine Schwester zu sprechen kommen.

      -Bo- schrieb:

      Die beiden anderen Wirte sind Theresa und Luzifer, so weit so berechenbar. Schön aber, dass Brianna die treibende Kraft hinter dem Anfang vom Ende der Traumwelt ist und nicht wie so oft bloßer Spielball der Ränke ist, die die Schurken schmieden - eine Unsitte, der ich auch in meiner FF oftmals erliege, weil es sich leichter schreiben und gestalten lässt. Chapeau an dieser Stelle.
      Ebenso beeindruckend waren die Umschreibungen, die du der unappetitlichen Sybill gewährst. Das Motiv der verrottenden Königin mit ihren Insignien des Verfalls hat mir verdammt gut gefallen und mich mit einem Staunen zurückgelassen. Ich mag die Figur, ich mag ihre Verschlagenheit und ihre Macht, inmitten von Seuche und Würdelosigkeit zu thronen wie die Göttin über der Welt. Umso schöner fand ich aber, dass sich Brianna auch hier nicht kampflos ihrem Schicksal ergibt. Unabhängig davon, ob ihr Plan nun von Erfolg gekrönt sein wird, gefällt mir der bloße Entschluss, Sybills Untergang zumindest herbeiführen zu wollen.
      Brianna zeigt endlich mal wieder Entscheidungsfreude, nachdem sie gegen Narcisse hauptsächlich die unverwüstliche Maus zwischen den Krallen der Katze spielte.
      Ja es war mir ebenfalls wichtig, dass die Schatzjäger, obwohl sie in diese Welt durch Zufall geraten sind und eigentlich vollkommen ausgeliefert wären, sich nun Stück für Stück die Kontrolle zurückerlangen und die Vorteile der Traumwelt nun gegen Luzifer gewandt haben bzw. dies noch vorhaben.

      -Bo- schrieb:

      Die Frage, wie Salvador nun zu Brianna gelangte...muss ich sie stellen? Also, steckt da mehr dahinter und uns erwartet ein Flashback oder hat Sybill den Meermann einfach als Unterstützung "herbeigezaubert"? Mir wäre beides recht, von daher darfst du mich gerne überraschen.^^
      Zwischen den Zeilen gab es diesbezüglich sogar schon eine Antwort. Mathilde tauchte doch auf und nahm Drake an der Hand. Dies war sozusagen Sybill, die sich seine Traumvision zu Nutze machte, um den Meermann zu sich und Brianna zu locken. Es war ein Zeichen ihres guten Willens, dass sie Brianna mit einem ihrer Freunde wiedervereinte.

      -Bo- schrieb:

      Apropos Überraschung, für Herleif gibt es ein überraschend böses Erwachen. Zugegeben, ich bin etwas enttäuscht. Ich hätte gern Kaisa auf dem Stuhl gesehen, bin aber überzeugt, dass auch die Grünhaarige noch ihren Zug machen wird. Dass sie nicht offen agiert, wurde uns in der Vergangenheit nun bereits mehrfach angeteasert. Vielleicht kam Herleif mit ihrem Verrat der Ex-Agentin einfach zuvor? Ich erinnere mich vage an eine gewisse Frau, Baronin Irgendwas...? Sorry, deine Pausen tun mir diesbezüglich nicht wirklich gut.^^
      Das merkte ich auch bei Gabriel, der in meinem Kopf noch so gar kein Bild hatte. Mittlerweile geht es wieder, da ich ihn mir wie den typischen beinharten Foltermeister im Dienste des Glaubens vorstelle, ein stoischer Ritter und Soldat des Herren, dessen Bestimmung das Schwert und nicht die Feder ist. Betrachtet man dieses Kapitel als sein richtiges "Debüt", bleibt ein sehr positiver Eindruck zurück. Freilich, er ist ein sexistisches, rassistisches, fanatisches und selbstgerechtes Arschloch. Aber solche Figuren braucht es halt und seine Dia- bzw. Monologe waren erstklassig. Gern mehr von ihm, bevor sein Gebiss im Asphalt stecken bleibt. :D
      Zu Kaisa und Herleif wiederhole ich einfach mal, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen wurde.
      Zu Gabriel kann ich nur sagen, dass das Kapitel auch sein eigentliches Debüt war. Davor gab es tatsächlich nur Szenen, in denen er über Teleschnecke kommuniziert hat.

      -Bo- schrieb:

      Habe ich das richtig verstanden, dass sich Aloe in der Gewalt von Nephthys und Friends befindet? Oder welches Mädel mit rauchblauen Haaren liegt da in der Teufelsfalle? Das dürfte interessant werden, sobald der Engel aufwacht. Immerhin ist Zoe nicht mehr Zoe und was auch immer sie jetzt ist, dürfte mit ihrer Schwester kaum mehr viel gemein haben. Schon interessant, wie schnell sich Zoe in ihre neue Rolle ergeben hat. Andererseits war Zoe auch nie ein sonderlich abgebrühtes Wesen und vermutlich dementsprechend leicht zu manipulieren, nach all der Hätschelei durch die Deveraux-Älteste.
      Also Nephthys, Noumu und Co. sind ja in der realen Welt und sehen alle Schatzjäger, die in dieser Teufelsfalle liegen. Diese hängt ja irgendwie mit der Traumwelt zusammen.

      -Bo- schrieb:

      Die Frage, wo Shmuel alias der Lord nun all die Jahre war...ach, das ist zu müßig. Vielleicht war er auf einem Berg, um Steintafeln zu empfangen, vielleicht hat er sich in einem caligulanischen Freudenhaus einen hartnäckigen Tripper eingefangen, den es auszukurieren galt. Ich koche lieber erst, sobald die Platte heiß ist. xD
      Den Rest des Beitrags nicke ich mal so als Zusammenfassung ab. Mehr zum Lord wird es wohl schon im kommenden Kapitel geben, aber spätestens dann, wenn sein Arc bevorsteht. Überraschungen und Wendungen inklusive.



      @qoii

      qoii schrieb:

      Die Albtraumwelten sind also von Luzifer geschaffen worden, der sich dazu der Macht seiner Emotionsfrucht bedient und da schlechte Erinnerungen häufig viel stärkere Spuren hinterlassen, kann er mit ihnen viel einfacher Arbeiten. Weiterhin sind Gegner auch oft viel einfacher zu beherrschen und besiegen, wenn man sie mit schlechten bis traumatischen Erinnerungen traktiert. Für seine, nennen wir es mal Hauptwelt, hat er sich hauptsächlich der Erinnerungen von drei Leuten bedient, um diese zu konstruieren. Wobei wir uns sicher sein können, dass er dabei auch auf verschiedenen Zeitebenen von Erinnerungen zurückgegriffen hat, da der Lord eigentlich viel älter als Brianna sein dürfte, immerhin scheint Dädalus mit ihm schon Kontakt gehabt zu haben, bevor er auf Brianna getroffen ist. Denn halten wir fest, sofern ich mich recht entsinne, findet die Hochzeit vor drei bis fünf Jahren statt und Shumel wird sicher nicht in so kurzer Zeit zu einer der drei Säulen der Triade geworden sein, besonders, da das Mittsommernachtsfest auch grob in diesem Zeitraum gelegen haben müsste.
      Die zeitliche Komponente ist wohl immer noch zu komplex, um sie ohne Hintergrundwissen zu verstehen, weswegen ich das mal zu entschlacken versuchen. Wir haben drei Wirte des Albtraums: Luzifer selbst, Theresa und Shmuel.
      Wann Shmuels Erinnerungen spielen wissen wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht, aber das wird sich mit dem kommenden Kapitel ändern. Luzifer bedient sich Erinnerungen seiner frühsten Kindheit und Jugend, während Thresea maßgeblich für die Erinnerungen rund um die Hochzeit verantwortlich ist.

      Das alles wurde dann von Luzifer für Brianna als perfektes Gefängnis modelliert, aber durch Raphaelas Eindringen über den Haufen geworfen, sodass es zu solchen "Anomalien" kommt wie dem Auftreten Shmuels als Kind oder dem Auftauchen des Zaren, etc.


      qoii schrieb:

      Wir wissen nun also, dass der Lord höchstwahrscheinlich als Kind in dieser Stadt gelebt hat, genauso wie Theresa und Luzifer. Die beiden Letzten haben die Stadt nach dem aufstand des Kalifen verlassen, der in dieser Albtraum-Stadt ein paar Jahre zurückzuliegen scheint. Deswegen würde ich fast vermuten, dass auch der Lord in einem ähnlichen Alter wie Luzifer und Theresa ist, also dass alle drei als Kinder/Jugendliche dieses Aufstand/Krieg miterlebt haben, denn Shumels Erlebnisse sind eigentlich zu konkret um alleine Luzifers Werk zu sein, der in dieser Zeit überhaupt nicht in der Stadt war. Die Stadt nach dem Aufstand, ist also die eine (zeitliche) Grundlage, während es sich bei der zweiten Grundlage um die anstehende Hochzeit handeln dürfte, während der Luzifer uns seine Leute im realen CM schon an der Macht gewesen sein dürften. Vielleicht ist noch eine leichte dritte Ebene von aktuellen Gegebenheiten eingewoben, falls Raphaela und Gabriel damals noch keine so hohen Positionen hatten.
      So in etwa, wenn du es mit den vorherigen Informationen verknüpftst, aber was die Geschehenisse auf Corto Malteste betrifft, glaube ich, dass du im kommenden Kapitel dann erfreuter sein wirst.

      qoii schrieb:

      Damit komme ich zu dritten Wirt, zu Lord Shumel, wobei dieser auch gleich einen Sprung in die Wirklichkeit enthält. Wie ich bereits ausgeführt habe, scheint er ebenfalls aus dieser Stadt zu stammen, aber wir haben bereits mehrfach gesehen, dass er und Luzifer keine Freunde/Verbündetet sind, sogar eher Gegner, immerhin hat Katerina als Strafe für Luzifers Aktionen gegen Brianna Theresa getötet. Es geht sogar noch weiter und hier muss ich in die reale Welt springen. Das Schiff von Brianna und das von Luzifer liegen immer noch nebeneinander, aber es sind neue Gäste auf beiden aufgetaucht, was auf eine sehr schlechte Bewachung schließen lässt. Denn nun sind auch angehörige des Lords anwesend und dieser scheinen sich auf beiden Schiffen frei bewegen zu können. Bei Brianna sind NOUMU und Nephthys, welche sich bewusst an nichts mehr aus ihrem alten Leben zu erinnern scheint, aber ihr längerer Blick auf Aleo zeigt, dass da durchaus noch Reste vorhanden sein können. Währenddessen ist eine Person Namens Lachthopos auf Luzifers Schiff unterwegs und scheint vor freute den Tränen nahe zu sein, weil er >IHN< gefunden hat. Dabei scheint es sich um den Lord zu handeln und so wie es klingt, ist dieser ein Gefangener von Luizfer und dass schon seit längerer Zeit. Da fragt man sich doch, was in letzter Zeit wirklich von Lord veranlasst wurde und was nur in seinem Namen. Denn zumindest den Absturz des AA, würde ich ihm nach dem derzeitigen Stand nicht mehr zurechnen, immerhin scheint Nephthys, den Lord nicht mehr kennengelernt zu haben.
      Gerade der letzte Absatz ist eine hervorragende Frage, die wohl erst zum Ende des Arcs wirklich beantwortet werden kann.

      qoii schrieb:

      Anders ausgedrückt, wenn bei dir von Magie die Rede ist, steht sie im Zusammenhang mit den Hexen (und Hexern), welche bei dir bis jetzt alle zum Drei-Augen-Stamm zu gehört haben, zumindest die weiblichen. Bei Nephthys haben wir dies zwar noch nicht gesehen, aber Raphaela hat eine Narbe/Narben auf der Stirn. Diese könnte entweder ein nicht fertig Ausgebildetes drittes Auge sein oder der Ort, wo es gewesen ist, bevor sie es sich selbst oder ihr Bruder, der Hexenhammer, ausgestochen hat. Dieser Makel des Hexenblutes könnte auch dafür verantwortlich sein, dass Raphaela sich immer wieder selbst kasteit, da eine Seite von ihr schwach, böse, des Teufels ist oder wie auch immer diese religiöse Fanatikerin es definieren würde.
      Siehe herbei aktuelles Kapitel. Absolut richtig erkannt.


      qoii schrieb:

      Während sich Raphael dem selbstverletzenden Verhalten zugewendet hat, um das fehlen von Mutter und Vater zu kompensieren, hat ihr Zwillingsbruder Gabriel den entgegengesetzten Weg gewählt. Er versucht alles, was vom selben Blut wie seine Mutter ist auszulöschen, denn den Titel Hexenhammer wird er nicht umsonst bekommen haben. Siegmund Freud hätte dazu sicher viel zu sagen, besonders wenn er zusätzlich noch Herleifs "Befragung" mitbekommen hätte, aber dazu später mehr. Jedenfalls dürfte es für die Psyche der beiden nicht gut gewesen sein, dass Luzifer bzw, die Kirche die beiden Aufgezogen hat. Zum einen sind die für Luzifer die Kinder des Mannes, der ihn verraten hat (Michael), zum anderen sind die für die Kirche die Kinder einer Hexe und somit einer verdorbenen Existenz. Ihr Leben dürfte bestimmt nicht einfach gewesen sein, was sich auch ihn ihrem Verhalten und Reaktionen widerspiegelt. Auch wenn Raphaela behauptet, Luzifer hätte sie geliebt, gerettet und gut Aufgezogen. Abgesehen davon, dass dies auch oft Kinder mit Gewalterfahrung sagen, scheint Raphaela zumindest unterbewusst so misstrauisch zu sein, dass sie von jemand anderem, mehr über ihre Eltern erfahren möchte. Deswegen kann ich es mit durchaus vorstellen, dass sie letztendlich vielleicht sogar... nein nicht die Seiten wechselt, sondern eher Luzifer vernichten will. Immerhin scheint sie nicht zu wissen, dass ihre Mutter ebenfalls in dieser Welt ist und sie mit ihr sprechen könnte. Denn Raphaela hätte sie sonst sicher aufgesucht, denn ich glaube kaum, dass Raphaela sich bei Luzifer eine Besuchserlaubnis für Dädalus organisiert hat.
      :whistling:

      qoii schrieb:

      Der nächste Punkt auf meiner Liste ist Herleif, welche gerade von Gabriel gefoltert wird, weil sie wissen möchten, warum diese Brianna und Co verraten hat. Gleichzeitig erfahren wir in der realen Welt, dass die Leute des Lords mit dem Zaren einen Deal hatten, welcher das auffinden des gefangen Lords zu beinhalten scheint. Allerdings sind die Walküren bis jetzt als Gegner des Zaren dargestellt worden, weswegen man einen Zusammenhang eigentlich ausschließen müsste. Aber es könnte natürlich auch sein, dass Herleif trotzdem für den Zaren arbeiten oder die Walküren wiederum einen Deal mit dem Zaren haben. Wie auch immer, ich denke, dass es kein Zufall ist, dass du beide Informationen in ein Kapitel gepackt hast. Vielleicht hat Herleif Brianna und Ca als Köder benutzt, um Luzifer, nebst Schiff und Lord, anzulocken, damit die Lord-Familie ihren Chef dort wiederfinden kann, womit der Deal zwischen Zar und Lord-Familie erfüllt wird und gleichzeitig auch wieder Brianna und Co gerettet werden. Denn zum einen sind Brianna (und Co.) für die Lordfraktion wichtig und anderseits stecken sie in der selben Situation wie der Lord, sprich wenn dieser Befreit wird, indem Luzifer vernichtet wird, kommen Brianna und Co auch frei.
      Die Abmachung zwischen Lord und Zaren wird in einem zeitnahen Kapitel näher spezifiziert werden, Aber gute Ansätze sind auf jeden Fall vorhanden.

      qoii schrieb:

      Bei dem ganzen inhaltlichen Ausführungen, ist es mit mal wieder fast untergegangen zu erwähnen, wie wunderbar du die jeweiligen Handlungsorte gestaltet und ausgeführt hast. Die Szenen um den irren Inquisitor Gabriel und einer hilflosen, aber geistig noch widerstand leistenden, Herleif. Der wahnsinnigen Königin dieser Traumwelt, welche nur Brianna ihr wahres ich zeigt und wieder unauffällig wird, sobald sie Salvador um die Ecke biegen lässt bzw erahnt dass er kommt oder die Situation auf den Schiffen oder in der Kathedrale, alle hatten ihren ganz eigenen Reiz und Aufbau, mit ihrer ganz eigenen Stimmung. Einfach wieder wunderbar umgesetzt.
      Vielen Dank für das Lob. Ich hoffe doch, dass ich bald wieder an diese Maßstäbe anknüpfen kann.

      @Lyca

      Lyca schrieb:

      Da bin ich mal wieder und dieses mal hat es fast 3 Monate gedauert. Zumindest freue ich mich, mal wieder etwas zu kommentieren. Die Notizen, die ich mir vor ein paar Wochen beim Lesen gemacht habe, sind im Nachhinein irgendwie sehr wirr und wenn ich mir das so durchlese treibt sich mir die Schamesröte ins Gesicht, bei so viel Verwirrtheit und halb aufgenommenen Infos . xD Gut, dass ich die Kapitel nochmal gelesen habe, alles andere wäre nur peinlich geworden.
      Und ich über drei Monate, um ein neues Kapitel zu schreiben. So ist das mit uns beiden xD

      Lyca schrieb:

      Nun denn, gleich zu Beginn möchte ich mal wieder die Zwischenmenschlichen Aspekte der Kapitel loben, die mir wie immer einfach nur sehr gut gefallen. Gerade bei solchen Absätzen liegt deine Stärke und diese wissen mich wie immer zu überzeugen.
      Besonders mochte in die Schwankungen zwischen Witz und Ernst, was die Sache am Anfang des ersten Kapitels irgendwie nochmal aufgelockert, ihren Ernst dadurch aber nie verloren hat. Die Blicke die sich Kaisa und Dedale zuwerfen, sowie deren späteres Gespräch. Kyu entschärft die Situation hier sanft und nimmt Kaisa raus. Ich bin gespannt, wie Kaisa sich noch in die Gruppe einfügen wird. Sie erinnert mich derzeit etwas an Robin, die anfangs auch eher zurück haltend in der Gruppe agierte und sich erst mit der Zeit in die Gruppe einfand. Generell besitzen Kaisa und Robin ein paar Parallelen. Beide sind es gewohnt alleine zu agieren, wurden von der WR gesucht und man ist sich nie sicher, auf welcher Seite sie nun eigentlich stehen. Trotzdem weisen beide noch genügend Unterschiede auf. Mal sehen was du aus ihrer Vergangenheit machst und wie sich das alles so entwickelt.
      Ja mir war es einfach wichtig, dass diese Aspekte wieder eine Rolle spielen, da sie mir doch sehr wichtig erscheinen und meine Geschichte zu einem Großteil ja auch ausmachen. Schön, dass das gefruchtet hat.

      Lyca schrieb:

      Marc scheint langsam etwas Farbe zu bekommen, denn da muss ich Bo zustimmen, bisher wirkte er noch recht blass. Jeder Charakter kommt zu seiner Zeit. Bisher interessierte er mich allerdings auch nicht so. Die Möglichkeit, dass er als Sexsklave gehalten wurde hatte ich glaube schon mal in Erwägung gezogen, daher überraschte mich die Situation nicht so sehr. Für Marc, gerade in der Situation mit Kol, natürlich sehr schwierig und seine Reaktion kann ich auch nachvollziehen
      Marci-Marc ist auch ein Sorgenkind meinerseits, weswegen ich mal schauen muss, wie ich mit ihm in einem zukünftigen Arc verfahren werde.


      Lyca schrieb:

      Sybill formt sich in meinem Kopf zu einer absolut widerwärtigen und ekelerregenden Person.Wie sie mit den Fingern durch Schimmel und Kot fährt, dazu noch ihr beschriebenes Äußeres. Hmmmm~ Lecker. Regt meinen Appetit ungemein an. Von Ihrem ekelhaften Äußeren mal abgesehen, welches du gekonnt in Szene setzt, kann ich nur sagen, dass ihr generelles Auftreten zu gefallen weiß. Hätte Sybill an meinem Ohr geleckt, mich hätte dort nichts gehalten. Drittes Auge hin oder her...
      Mit Ihrer Psychonummer schafft sie es zwar Brianna zu überzeugen Luzifer zu töten, aber war leider nicht dazu in der Lage ihr klar zu machen, dass sie noch alle Tassen im Schrank hat und damit ein Leben verdient hat. Zu dumm, vielleicht etwas weniger rotes Auge und Finger-durch-den-Kot Getue und sie hätte bessere Karten gehabt und die Liste der Lebewesen zu fallen, die gerettet gehören. In welcher Form auch immer, immerhin ist sie ja schon Tot. Irgendwie.
      Und genau dieses Bild wollte ich auch hervorrufen. Ich bin froh, dass das funktioniert hat.

      Lyca schrieb:

      Immerhin lässt sie ein paar interessante Infos über die TF von Luzifer springen und verrät auch gleich, dass der kleine Shmuel zum späteren Lord wurde und dazu noch einer der drei Pfeiler der Traumwelt ist. Die Idee der Traumfänger Frucht find ich übrigens ziemlich gut und wenn diese aus drei Pfeilern/Menschen entstanden ist, erklärt das auch dieses durcheinander. Zu Shmuel fallen mir derzeit nur zu viele Fragen ein, die du mir eh nicht beantworten wirst. Zumindest scheinen Luzi und Lordi sich schon lange zu kennen. Wie die einzelnen Traumsequenzen zusammen passen könnten, ist mir derzeit irgendwie noch recht schwammig. Ich glaub am Ende des Arcs würde ich einige der Traumsequenzen nochmal nachlesen um in meinem Hirn mehr Ordnung zu schaffen. Die Pause hat mir in der Hinsicht auf jedenfall nichts Gutes getan. Ich habe das Gefühl, in meinem Kopf alles noch komplizierter zu machen, als es eigentlich ist xD
      Versuche es einfach zu akzeptieren. Der Zeitpunkt, um es zu verstehen, ist eigentlich auch schon abgelaufen bzw. spielen die einzelnen Traumwelten kaum noch eine Rolle. Einfach Lächeln und nicken :D

      Lyca schrieb:

      Die Realität existiert noch! Und Überraschung: Auf Briannas Schiff befinden sich nun untergebene Des Lords. Darunter eine Art Nebelgestalt Namens Noumou und die gute Nephthys, die offensichtlich etwas Unterricht in der Hexerei hatte. Voll ausgebildet ist sie in der kurzen Zeit natürlich noch nicht und so benötigt sie Unterstützung und Hilfe von Lachthopos, die Truppe aus dem blutigen Pentagram zu holen. Die Bindung zu Aloe ist nicht gänzlich verschwunden. Das Band von Geschwistern kann man, schon aufgrund der Blutsverwandschaft, nicht gänzlich trennen. Wir haben ja bereits über die Bindung zu Geschwistern gesprochen und ich bin hier auch wirklich neugierig, wie die Sache sich weiter entwickeln wird.
      Der Lord ist auf dem Schiff und kehrt zu seinen Untergebenen zurück, nachdem er anscheinend länger beim Zar war.
      Sowohl der Lord, als auch Brianna und Co sind im Blutzauber gefangen.
      Korrekt.

      Lyca schrieb:

      Mehr kann ich gerade nicht schreiben, es wäre ohnehin nur eine Wiederholung dessen, was die Anderen schon geschrieben haben und ich bin kein Fan von Textwänden ohne Sinn. ^^
      Man liest sich~
      Manchmal ist es auch gut, sich kurz zu fassen. Bis hoffentlich bald hier und danke! :)



      So ich wünsche wieder einmal viel Vergnügen beim Kapitel und ich versuche, dass es nicht wieder drei Monate werden.

      - V.

    • Lange ist es her, dass ich in diesen Thread schreiben und durfte und ja, vielleicht werde ich ein kleines großes bisschen feucht, während ich diese Zeilen tippe. Da ich weiß, welch gnadenloser und anstrengender Weg hinter dir liegt, möchte ich es nochmal in aller Förmlichkeit sagen, bevor ich frohen Mutes zur Tat schreite: WILLKOMMEN ZURÜCK!

      Und nun zur Tat, wenngleich mein letzter Kommentar in einiger Vergangenheit liegt und ich vielleicht etwas Staub angesetzt habe.
      Deine schwere und durch zahlreiche Gründe eingetretene Schreibblockade hat dich zweifellos an einer der wohl ungünstigsten Stellen deiner Geschichte ereilt, fällt aber dennoch weitaus weniger ins Gewicht, als ich befürchtet habe. Dein neues Kapitel bildet einen runden Wiedereinstieg in die FF und fügt sich harmonisch an das letzte Kapitel an. Hier war es die absolut richtige Entscheidung, direkt an den Cliffhanger von Kapitel 158 anzuknüpfen und keine deiner anderen Baustellen sofort wieder in Betrieb zu nehmen. Als Leser findet man vergleichsweise schnell wieder in die Handlung, die dank der geringen Figurenzahl in der Gegenwart und der erfrischend geradlinigen Erzählweise Dädalus' deinen Hang zur Schnörkelei zum Glück erst einmal außen vor lässt. Denn nach dieser Pause hättest du eigentlich keinen fataleren Fehler begehen können, als uns mit der Fülle dieses Arcs zu erschlagen. Daher: Gute Entscheidung, gute Umsetzung, gutes Kapitel.

      Dädalus, der in die Rolle des silberzüngigen Märchenonkels hineingeboren scheint, erweist sich als angenehmer, weil konsequenter Erzähler und verliert sich Gott sei Dank nicht so sehr wie sonst in seinen kleinen Gehässigkeiten. Vielleicht, weil er der Tochter seiner einstigen großen Liebe eine gewisse Zuneigung entgegenbringt; vielleicht aus Mitleid, weil Raphaela im Kern eine geschundene und gepeinigte Gestalt ist; oder er ist einfach zu müde und emotional abgekämpft, nachdem er bereits mit seinem alten Freund Luzifer die Zungen kreuzen musste...Das klingt falsch. xD
      Jedenfalls überrascht mich die Vergangenheit des Greises bisher nicht, was aber keinesfalls als Kritik zu verstehen ist. Der Alte in Jugendjahren erscheint ohnehin höchstens als Nebenfigur in dieser Erzählung, die sich einzig und allein um Sybill zu entspinnen scheint. Erneut setzt sich die verrottende Königin im Zentrum des Geschehens fest, ohne auch nur einen Finger dafür rühren zu müssen. Wie in der Gegenwart haftete ihr schon in jungen Jahren eine übermenschliche, nahezu diabolisch-göttliche Ausstrahlung an und vermochte es, die Menschen um sie herum in einen lähmenden Bann zu ziehen. Im Gegensatz zu meiner Ondine scheint sich Sybill ihrer Macht oder zumindest ihrer Selbst aber bewusster zu sein. Wusste sie schon damals um die Prophezeiung und die Rolle, die sie in dieser zu spielen hatte oder zumindest zu spielen glaubte? Ihre unheiligen Hexenworte scheinen darauf hinzudeuten, jedoch könnte sie diese auch auswendig gelernt haben. So oder so ist es ihr Glück, dass der kleine Dedale ihren Reizen verfällt, wie grünohrige Jungen es nun einmal tun. Dabei ist es eine durchaus unbehagliche Sache, die aussätzige Herrin der Parasiten, Fäkalien und toten Dinge nun als wunderschönes Mädchens erleben zu müssen, welches unschuldig lächelt und Dädalus um den Finger zu wickeln versteht. Gewiss, jeder hat eine Vergangenheit - aber selten scheint der Zahn der Zeit ärger und darbender genagt zu haben.^^

      Luzifer nimmt im Rückblick die Rolle des Skeptikers ein, was ich einerseits auf seine kältere und weniger leidenschaftliche Natur schiebe, anderseits auf seine Blindheit und damit sein Desinteresse an der natürlichen Anmut, die Sybill Dädalus wie ein Gift einzuimpfen vermochte. Der Konflikt, der sich um Sybill und die beiden Freunde anbahnt, schimmert in der kurzen Szene deutlich durch und dürfte umso konturenreicher werden, desto näher der arrogante Michel an das Geflecht der Drei heranrückt. Die Darstellung des engelslockigen Blonden, dem die Herzen zufliegen und der sich dessen wohlgewahr ist, verheißt eigentlich keine guten Aussichten für Dädalus und seine Ambitionen. Tatsächlich sicher, ob mir eine etwaige FSK18-Version der Drei Fragezeichen gefallen würde, bin ich mir zwar nicht...jedoch werde ich auch nicht glauben, dass die umwälzenden Begebenheiten der Zukunft allein durch ein hormongeschwängertes Gerangel dreier Knaben um ein schönes Mädel ausgelöst werden. Gerade Luzifer wirkt dafür noch viel zu gesetzt und argwöhnisch, vielleicht sogar stoisch und misstrauisch gegenüber der undurchschaubaren Sybill. Es ist ein interessantes Detail, dass seine Teufelskräfte das Mädchen nicht durchdringen können. Handelt es sich hierbei um die Kräfte der Hexen oder doch um eine individuellere Macht, die über das Erbe der Einäugigen hinausgeht? Immerhin scheint es jene Gabe zu sein, die Sybills jahrelanges parasitäres Wirken in Luzifers Traumreich überhaupt möglich macht.

      Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse gefühlt, was dem Auftritt einer gewissen Dame in den Schatten zu verdanken ist. Um hier niemandem die Überraschung zu verderben, hülle ich mich in Schweigen, gestehe jedoch meine Bewunderung für die Figur ein. Das vampirische Motiv, welches bislang nur vage durchschien, nimmt nun festere Formen an und sagt mir einfach nur unglaublich zu. Ein blutrünstiges Geschöpf der Nacht, das sich lauernd durch die Dunkelheit bewegt und mit Fleischfetzen zwischen den Zähnen böse lächelt. Ich liebe es. Der Charakter gefällt mit mit jedem erneuten Auftreten besser und besser, was nicht nur meiner Vorliebe für starke und gefährliche Frauenfiguren geschuldet ist. Ganz nebenbei verquickst du dabei zudem noch die Ereignisse deiner FF mit Odas Werk und führst führst damit die Naht weiter, welche bereits Viktoria und Lin-Lin zusammenhält. Deine anfänglichen Mühen und Verzweiflungen haben sich wahrhaft ausgezahlt, angesichts der hanebüchenen Striche, die Oda dir kreuz und quer durch deine Rechnungen gemacht hat. :D

      Nichtsdestotrotz fällt es mir nach dieser Pause äußerst schwer, etwaige Deutungen vorzunehmen oder gar Vermutungen für die kommenden Kapitel anzustellen. Vorerst werde ich noch genießen, was du uns vorsetzt und übe mich in Geduld, bis mir etwas Gescheites einzufallen vermag. Daher bleibt mir für den Moment nur zu sagen, dass dir ein hervorragendes Kapitel gelungen ist, dem man die lange Pause abseits weniger wackliger Passagen kaum anmerkt. Du hast dich richtig entschieden und den Plot konsequent vorangetrieben, hast einen runden narrativen Bogen konstruiert und den Leser bei der Hand genommen, wofür man dir nur dankbar sein kann. Das Ende wirkt zwar ein wenig wirr, jedoch im Horizon-typischen besten Sinne, und wartet mit einem Monolog auf, für den man deine FF einfach schätzen und lieben muss. Ich bin wahnsinnig gespannt auf die weitere Geschichte und wie du das Motiv der Unsterblichkeit aufgreifst, welches du nun von den Weisen auch auf den Lord und besagte Anhängerin zu überragen scheinst. Die kleinen und großen Verweise auf meine FF waren zudem ein netter Bonus, der mir den Lesespaß noch einmal versüßt hat. Ich freue mich auf das nächste Kapitel! :)


    • Kapitel 159: Erde zu Erde I

      Auch ich freue mich sehr darüber, dass du nach längerer Abwesenheit wieder die Muse und Zeit gefunden hast, an deinem FF weiterzuarbeiten. Wie immer nach eine längeren Pause, brauche auch ich als Leser wieder Zeit in eine Geschichte reinzufinden, mich zu erinnern, was bisher geschehen ist und den Inhalt mit den anderen FFs nicht durcheinander zu werfen. Mit dem FB einzusteigen, in dem eine überschaubare Anzahl von Personen vorkommen, ist deswegen eine sehr gute Idee und zusammen mit deinen Antworten auf unsere letzten Kommentare war ich viel besser Orientiert, als ich es anfangs befürchtet habe.

      Zunächst ist mir gefühlt erst jetzt wirklich klar geworden/aufgefallen, dass Michael der Vater von Gabriel und Raphaela ist, was im eigentlichen Sinne zwar nichts besonders ist, aber da es sich bei allen Namen um Erzengel handelt, doch auffällig. Deswegen frage ich mich auch, ob die beiden ihre Namen noch von ihrem Vater bekommen haben oder doch erst von Luzifer. Übrigens auch ein ehemaliger Engel, aber dass müsste ich schon mehrfach erwähnt haben. Jedenfalls stellt sich mir gerade noch die Frage, ob auch innerhalb deines FFs dies die Namen der/von Erzengel sind, denn darüber bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher.

      Weiterhin irritiere mich die Bezeichnung von Raphaela als junge Frau, wurde sie bisher auch so bezeichnet? Wobei dies auch mit Unklarheiten über den zeitlichen Ablauf innerhalb deines FFs zusammenhängen könnte. Meine geistige Zeitachse sieht derzeit ungefähr so aus:
      Luzifer, Michael und Gabriel treffen sich und machen sich irgendwann gemeinsam auf die Suche nach der Prophezeiung, dabei stoßen sie auf die Triade bzw erschaffen sie irgendwie mit.
      Im Laufe dessen kommt es irgendwann zum Bruch zwischen den Dreien und Michael und Sybille sterben.
      Danach trifft Dädalus auf Kuleha und nimmt sie mit in seine Heimat. Während dieser Zeit besteht über Genevieve weiterhin Kontakt zu der Triade bzw zum Lord, während Luzifer ebenfalls seine eigene Macht ausbaut.
      Irgendwann stirbt dann Dädalus Sohn und da dieser mit Briannas Großvater befreundet war, müssten sicher noch einige Jahre ins Land gehen, bis er schließlich auf Brianna trifft.
      Sprich wenn dies grob richtig ist, dürfte Raphaelas eigentlich keine junge Frau mehr sein. Denn um als junge Frau zu gelten, müsste Raphaela nur ein paar Jahre älter sein als Brianna und in diesem Fall müsste der Bruch der drei Freunde gar nicht so lange her sein. Im Prinzip relativ kurz bevor Luzifer seinen Auftrag in SF angenommen hat und lange nach dem Tod von Ikarus. Es sei denn auch bei Raphaela wurde in der Traumwelt am Alter rumgespielt.

      Anscheinend soll Siena degli Illuminatis durch einen BusterCall zerstört werden, zumindest würde ich so die goldene Teleschnecke deuten. Allerdings meine ich mich zu erinnern, dass diese Insel als Sitz der Fünf benannt wurde, sofern ich mich nicht vertue. Allerdings könnten sie sich auch einfach danach dort angesiedelt haben, denn anscheinend waren sie jetzt für die Zerstörung dieser Insel (Mit-)Verantwortlich.

      Weiterhin frage ich mich gerade, ob es sich dabei auch um eine der Element-Bibliotheken gehandelt hat. Allerdings waren es meiner Erinnerung nach nur vier, wobei eine Verschollen war oder war die fünfte verschollen ? Denn die eine wurde von Kyu auf SF, niedergebrannt, die andere ist auf dem Wolkengebiet des AA und die dritte lag auf Ohara, womit eigentlich nur noch die Verschollene übrigbleiben würde, sollten es nur vier sein. Allerdings ist dies eine Bibliothek der/von Mönchen bzw der Kirche, einer Fraktion welcher ich die bisherigen drei Element-Bibliotheken definitiv nicht zuordnen würde. Ähm ja, ist irgendwie blöd wenn einem gerade nur Bruchstücke und Informationsfetzen einfallen^^. Übrigens hat auch mir die Anspielung auf Bos FF aber auch auf Wa No Kuni sehr gefallen.

      Viel interessanter ist aber die Erwähnung des Lords durch die dunkle Frau. Denn wenn ich mit meiner gedachten Zeitachse richtig liege, dürfte er zu diesem Zeitpunkt nicht sehr viel älter sein, als Luzifer und Dädalus. Zwar widerspricht das nicht unbedingt einer Führungsposition innerhalb einer (kleinen) Gruppierung, sofern er vielleicht schon 15 ist. Aber anscheinend hat dieser Lord schon Kontakt zu den Fünf oder Arbeitet mit ihnen zusammen, weswegen es sich durchaus schon um die Triade handeln könnte. Dafür, dass er in einer schon länger existierenden Organisation schon einen solchen Rang erreicht hat. fände ich ihn dann doch etwas jung, sofern es im Laufe der Geschichte nicht mehrere Lords gegeben hat. Dies also ein Titel ist, der immer weitergereicht wird.

      Was die dunkel Frau angeht war ich mir zu Anfang überhaupt nicht sicher, aber nach den Erwähnungen bei Bo, dass sie schon einmal auftreten ist, würde ich derzeit Katerina für am wahrscheinlichsten halten. Wobei ich mich dann Frage, warum sie immer noch als Untergebene agiert und nicht schon selber die Leitung übernommen hat oder macht sie dies schon lange und der Lord ist nur ihr Strohmann. Immerhin wurde in seinem Namen in letzter Zeit einiges erledigt und wie wir erfahren haben, war er ganz wo anders.

      Ansonsten kann ich Bo weitgehend zustimmen, weswegen ich die von ihm bereits genannten Punkte auch nicht nochmal aufgegriffen habe und meinen gefühlt etwas wirren und löchrigen Kommentar einfach mal beende.
      Bis zum nächsten mal oder der Q&A-Runde, je nachdem was schneller ist.^^
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett