Chainbreaker (Eldrail)

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    • Chainbreaker (Eldrail)

      Lange hat es gedauert, seit ich angekündigt hatte, eine weitere, längere FF zu starten.
      Gerade der Anfang fiel mir schwer und so habe ich immer wieder umgeschrieben, mit den ersten Kapiteln gekämpft, ohne richtig zufrieden zu sein. Aber irgendwann ist es auch mal gut mit dem Strben nach Perfektion, die ich sowieso nie erreichen werde. Zudem ist gerade eine Pause in der Klausurenphase, was zu gesteigerter Motivation und Kreativität geführt hat.
      So ist jetzt nicht nur der Prolog fertig, nein, auch die ersten Kapitel sind bereits im fortgeschrittenen Stadium. Wenn nicht jetzt, wann dann?

      Kurze Beschreibung des Inhalts/Genres
      Diese Fanfiction spielt in der Welt von OP, tatsächlich in der gleichen, wie auch schon meine erste FF.
      Vom Genre her ist es dem von OP ähnlich, auch wenn es etwas tödlicher und blutiger zugehen wird (da kann man endlich mal seine Gewaltfantasien als Kunst verkleidet los werden^^). Es gibt Arc-weise Gegner, auch wenn es nicht immer linear ablaufen wird. Tatsächlich will ich aber auch den ein oder anderen Diskurs über (fast schon philosophische) Themen wie Gut und Böse unterbringen, bzw. im Allgemeinen Fragestellungen und Themen die mich interessieren/faszinieren. Gerade die schon von Oda recht negativ porträtierte Weltregierung bzw. Marine spielt hier eine Rolle. Zeitliche Überschneidungen mit dem Manga sind aber kaum zu befürchten, startet die Geschichte doch kurz nach Rogers Hinrichtung, einem Zeitraum, der der Fantasie freien Raum gewährt.
      Was den Inhalt angeht: verfolgt wird der Weg zweier Regierungsmitglieder, die auf völlig unterschiedliche Weisen zu ihr stehen. Der eine hilft ihr, da er sie als notwendige Instanz sieht, die andere bekommt Zweifel an der Richtigkeit ihres Tuns.



      Prolog


      Die einstmals friedliche Stadt hatte sich in ein flammendes Inferno verwandelt. Häuser brachen krachend zusammen und bildeten in Verbindung mit den Schreien zahlloser Menschen, die in dem wütenden Feuermeer gefangen waren, eine geräuschliche Kulisse der Apokalypse.
      Es handelte sich keineswegs um ein Unglück, nein, die Flammen waren das Werk einer Gruppe von Angreifern. Gnadenlos metzelten sie sich durch die flüchtenden, weinenden, schreienden Einwohner. Doch nicht allen Bewohnern war das Glück des schnellen Todes vergönnt und so zogen Angreifer Unglückliche hinter sich her dem Zentrum zu. Dort auf dem Marktplatz unter einem an eine Hauswand gemalten Symbol1) thronte eine Gestalt auf den Leichen derjenigen, die Widerstand geleistet hatten. Die Gier nach Blut wütete in ihm und umgeben in der Aura des absolut Bösen hielt das Monster seine fürchterliche Ernte.

      In einem etwas vom Zentrum abgelegenen Stadtteil herrschte inzwischen schon wieder Ruhe, abgesehen von den Geräuschen, die herüberhallten und dem Knacken und Prasseln einer untergehenden Stadt. Hier, inmitten des Schutts, den Leichen und den Flammen, kniete eine einsame Gestalt.
      In den Armen hielt der Mann eine blutüberströmte Masse, die einstmals ein Mensch und sein Freund gewesen war. Losgelöst von der Welt, taub gegenüber dem Untergang der Stadt wiegte er den Leichnam.
      Seine Trauer hatte ihm jegliches Zeitgefühl genommen, und so saß er bereits seit geraumer Zeit dort, reglos, mit starrem Gesicht.
      Keine Träne benetzte sein Gesicht. Dieser Weg den Schmerz in seinem Inneren nachzugeben vermochte er nicht zu beschreiten. Doch schließlich wurde der Schmerz unerträglich und ein wortloses Schreien entrang sich seiner Kehle. Dies schien die Ketten der Verzweiflung gesprengt zu haben, denn langsam drangen wieder die Reize seiner Umgebung auf ihn ein.
      Wo vorher noch alles unscharf und wie aus weiter Ferne war, stellte der Mann jetzt eine Schärfung seiner Sinne fest. Fast hypnotisch betrachtete er das Haus gegenüber. Die roten Flammen leckten über das bereits rußgeschwärzte Holz, welches die Steinfachungen zusammenhielt. Langsam überschritten die BalkenHolzH
      den Punkt an dem sie die Wohnstatt noch stützen konnten und vor dem stummen Beobachter brach die Wand in sich zusammen. Steine stürzten herab, begruben dabei Tote unter sich und rollten nahe an den Zeugen des Zerfalls heran. Als hätte diese Zurschaustellung des momentanen Zustandes der Stadt eine weckende Wirkung, stand der Mann auf.
      Er spürte einen aufkommenden Wind über seine Wangen streichen, während sich über ihm ein Gewitter zusammenbraute, gleich einem Spiegel der inneren Verfassung des Mannes. Ja, das aufkommende Ungewitter würde die Feuer löschen und anfangen, Tod und Blut abzuwaschen, dachte der Mann zufrieden.
      Langsam wandte er sich den Relikten einer von ihm bereits als vergangene Phase seines Lebens eingeschätzten Zeit zu.
      Er öffnete die längliche Kiste, in welcher sich eine perfekt ausbalancierte Waffe befand. Bedächtig holte er das Schwert aus seinem Behälter und strich die Klinge entlang. Nicht die geringste Rille oder Verunreinigung war zu spüren. Solch ein Perfektionismus für dieses brutale und rohe Vernichten von Leben!
      In seinem Inneren kehrte wieder Ruhe ein und sein Geist wurde scharf und klar, wie seine Waffe. Bitter wurde er sich bewusst, dass er wieder zu dem wurde, was er aufzugeben gedacht hatte. Nun würde er wieder kämpfen und töten, die Welt mit einem Strom aus Blut bedecken.
      Kurze Zeit später machte sich der Mann, jetzt gerüstet für den Kampf, auf den Weg in das Zentrum der Stadt, wo er eine Präsenz wahrnahm, deren Bösartigkeit selbst für ihn schwer zu ertragen war.
      Mit jedem zurückgelegten Meter, mit jeder Leiche, mit jedem Anzeichen der Vernichtung änderte sich der Antrieb des als Rächer losgezogenen. Jede noch verbliebende Emotion fiel von dem Mann ab, bis gefühl- und gedankenlose Kälte ihn ihm herrschte.
      Den Verursacher des Massakers würde er nicht jagen, weil seine Freunde, seine Stadt und sein aktuelles Leben ihm zum Opfer gefallen waren. Er würde tun was getan werden musste, weil er einem solchen Monster nicht die Welt überlassen konnte.
      Und so schritt der letzte Überlebende des Massakers seinem neuen und alten Leben entgegen.

      1) siehe im Anhang die Darstellung

      Kapitel 1 - Die neue Ära
      Auf dem Meer, Grandline, einige Zeit nach Gol D. Rogers Hinrichtung

      In das Lachen, welches sich unter die Geräusche von trinkenden und essenden Menschen mischte, ertönte ein Ruf aus dem Krähennest:
      „Ein Sturm zieht auf!“
      Der Ausruf der Wache unterbrach die Feier an Deck des Piratenschiffes.
      Der Kapitän des Schiffes fluchte. Gerade, als sie es geschafft hatten die Grandline zu erreichen, machte ihnen in der Mitte ihrer Party das Wetter einen Strich durch die Rechnung.
      Während sich der Himmel zuzog, rief er Befehle an seine Mannschaft. Allerdings machte er sich keine besonders großen Sorgen, denn ihr Schiff war gut gebaut und auch für die hohe See geeignet.
      Als es zu regnen begann, übergab der Kapitän die Leitung des Schiffes an seinen Vizekapitän und zog sich in seine Kajüte zurück, ein erfreuliches Privileg, das er als Anführer besaß.

      Wie immer, wenn er die Kajüte betrat, betrachtete er als erstes den Steckbrief, seinen Steckbrief, den er sich eingerahmt an die Wand gehängt hatte. Er, Hawk, war 46.000.000 Berry wert. Für jemanden, der aus dem Westblue kam und noch nicht mal die Grandline befahren hatte, ein sehr ordentlicher Betrag.
      Hawk erinnerte sich wieder daran, wie seine Karriere begonnen hatte. Vor ein paar Monaten hatten die berühmten letzten Worte des Piratenkönigs in Logue Town sein Leben verändert.
      Von einem einfachen und unbedeutenden Banditen ohne Zukunft war er zu einem Piraten geworden. Sein Ziel war klar. Er wollte das One Piece finden, ein Wunsch, den er sich mit den Myriaden von weiteren neuen Piraten teilte.
      Gedanken über einen Misserfolg machte er sich nicht, aber auch damit reihte er sich in die unzähligen verblendeten Freibeuter ein.
      Er ging um seinen edlen Tisch herum, den er mehr aus prahlerischem Stolz, denn zur Nutzung in der Kajüte stehen hatte. Hawk warf einen letzten Blick durch das Bullauge gegenüber der Tür. In der Ferne konnte er den Himmel sehen, der gerade eine Färbung annahm, als hätte jemand Tinte in ein Wasserglas gegossen. Dann tauschte er die Weite des Meeres gegen hölzerne Schiffswände, die noch bedauerlich kahl waren. Nun, besser eine schlagkräftige Mannschaft und ein gutes Schiff, als Einrichtung.
      Er ließ sich auf seinen gepolsterten Stuhl fallen und griff zur Zeitung. Auf dem Titelblatt prangten mehrere Steckbriefe maskierter Gestalten. Daneben wurde wieder die Bruderschaft erwähnt. An seiner Stirn begann eine Ader zu pulsieren. Warum wurden die Schlagzeilen nicht von Piraten dominiert? Aber jetzt, wo er auf der Grandline angekommen war, würde sich dies ändern.
      Hawk wurde in seinen Träumereien unterbrochen, als ein Mitglied seiner Mannschaft an der Tür klopfte.
      „Ja, was gibt es denn?“ rief Hawk ungeduldig.
      Herein kam sein Schiffsjunge:
      „Kapitän, wir haben nicht weit von uns entfernt ein kleines Boot entdeckt.“

      Als Hawk die Kajüte verließ, bemerkte er, dass das es trotz des anhaltenden Sturmes keinen Regen mehr gab. Erfreut machte er sich zur Reling auf, an der sich der Großteil seiner Crew befand.
      Dort angekommen, erblickte er in geringer Entfernung, inmitten der tobenden Wassermassen, ein Schiff im Miniaturformat. Obwohl es von der Größe her nur ein Boot sein konnte, besaß es zwei Masten mit mehreren Segeln. Was dem Boot jedoch fehlte, war eine Kajüte, es besaß ja nicht mal ein richtiges Deck.
      Während das Boot Kurs auf ihr Schiff nahm, suchte Hawk nach der Besatzung. Zu seiner Überraschung konnte er aber nur eine einzige Gestalt ausmachen, die sich am Ruder befand.
      Schon schlecht gelaunt, weil er hier draußen bereits von Gischt und Wellen durchnässt wurde, beschloss der Kapitän der Lieblingsbeschäftigung von Piraten nachzugehen.
      „Wir holen uns das Schiff“, befahl Hawk.
      Er fragte sich, was eine einzelne Person auf der Grandline machte, noch dazu in einem solchen Boot.
      Hätte er den Mann schon sehen können, so wäre ihm der in einer solchen Situation sehr merkwürdige Gesichtsausdruck ins Auge gefallen – der Mann lächelte und schien sich offensichtlich über den Kampf mit der Natur zu freuen.

      ~

      An einem geheimen Ort

      Das Schrillen einer Teleschnecke durchbrach die Stille, die in dem dunklen Raum vorherrschte. Der Gefangene, der an die Wand gekettet war, beobachtete mit Erleichterung, wie sich das Paar rot glühender Augen von ihm abwandte. Die Finsternis bereitete offenbar nur ihm Probleme, denn einen Moment später kam aus dem Hörer eine emotionslose Stimme, die ihm Angstschauder über den Rücken jagte:
      „Herr, er hat sich in Bewegung gesetzt. Sein voraussichtliches Ziel ist Iseti.“
      Dann kam respektvolles Schweigen. Diese Nachricht schien den Besitzer der roten Augen zu erfreuen, denn er brach in ein finsteres, unmenschliches Lachen aus. Doch der Ausbruch währte nur kurz und mit einer dunklen, grollenden, tödlich klingenden Stimme antwortete der Unbekannte:
      „Gut, unternimm nichts. Beobachte.“
      Dem Mann in der Dunkelheit brach der Angstschweiß aus, als er das Geräusch einer aufgelegten Teleschnecke vernahm. Ein Wimmern entrang sich seiner Kehle, als sich die Augen wieder ihm zuwandten.

      ~

      Ein Büro

      Mit einem leisen Klicken schloss sich die massive Tür aus edlem Holz hinter der Frau Mitte zwanzig. Ihre schwarzen Haare schwangen sich um ihre schmalen Schultern, als sie sich in Richtung des den kahlen Raum dominierenden Schreibtisches drehte. Für einen Moment hätte man von der Tür aus noch einen Blick auf ein blasses Gesicht erhaschen können, dann hatte die Frau ihr den Rücken zugedreht.
      Der Besitzer des Büros, verborgen hinter seiner Stuhllehne, konnte förmlich spüren, dass sich seine Untergebene unwohl fühlte. Dafür musste er sich noch nicht einmal mit dem Stuhl zur Tür drehen um sie anzusehen, was er natürlich niemals getan hätte.
      Wäre der Direktor der typische Machtgenießer gewesen, so hätte er den Moment ausgedehnt, doch so kam er gleich zum Punkt:
      „Es gibt einen Auftrag für sie, H. Der Treffpunkt ist in zwei Tagen in unserer Zentrale in Vila. Alles weitere wird ihnen dort K erläutern.“
      Die Frau in Blau verspannte sich bei der Erwähnung des Buchstabens, doch nur kurz. Mit vollständig beherrschter, kalter Stimme antwortete sie:
      „Verstanden, ich mache mich dann auf den Weg.“
      Gerade als sie wieder die Tür öffnete, erklang noch einmal die Stimme des Direktors:
      „Ich weiß, dass sie K nicht mögen, aber er ist ihr Vorgesetzter bei diesem Auftrag und sie werden diesmal keinen Ärger machen, denn ich dulde keine Auseinandersetzungen in meiner Truppe! Ich habe ihnen schon einmal aus der Patsche geholfen, aber das nächste Mal kann ich es nicht mehr tun.“

      Kapitel 2 - Geplatzte Illusionen

      Hawks Schiff

      Nach einiger Zeit des Heranmanövrierens, erschwert durch den hohen Wellengang, lagen die beiden Schiffe schließlich Seite an Seite. Von unten kam ein Haken angeflogen, ein Seil hinter sich herziehend. Als der Haken sich in der Reling festsetzte, kam das Miniaturboot schließlich zum Halten. Passend dazu zeigten sich erste vorsichtige Lichtstrahlen am Himmel und der Sturm fing an, sich zu einer frischen Brise zu mildern.
      Einer der Männer warf eine Strickleiter über die Reling und Hawk vernahm das leise Geräusch von Seil auf Holz. Seine Neugierde stieg an. Wer würde jetzt aufs Schiff klettern? Vielleicht würde er ihn ja sogar am Leben lassen, das aufklarende Wetter hatte ihn großzügig gestimmt.
      Einen langgezogenen Moment geschah gar nichts, dann endlich erschien eine Hand an der Reling. Ein kurzes Anspannen der Finger, dann flog eine Gestalt in hohem Bogen über die Reling an Deck und landete leichtfüßig.
      Der Mann sah aus, als wäre er Anfang dreißig. Er trug ein schwarzes Oberteil und eine schwarze Hose. Um seine Hüfte war ein rotes Tuch geschwungen und über seinem Rücken hing ein Schwert. Der Fremde richtete sich auf und strich sich mit geübtem Griff ein paar Strähnen seines ebenfalls schwarzen Haares aus dem Gesicht. Dabei rutschte ihm der Ärmel herunter und entblößte die Andeutung einer kunstvollen Tätowierung.
      „Wer tätowiert sich denn Ketten auf seinen Arm?“ dachte sich Hawk, als er diese bemerkte.
      Seine Augen wanderten den Körper entlang und erreichten das Gesicht. Neben der der eher schmalen Nase, die Anzeichen eines vergangenen Bruches aufwies, zeichneten sich die Wangenknochen sichtbar ab. Über diesen sahen ihn schimmernd violette Augen durchdringend an. Hawk rühmte sich eines einschüchternden Blickes – sein Name kam nicht von ungefähr – doch dieses Mal musste er fast sofort den Blick senken. Ihm schwante Unheil, doch bevor er reagieren konnte, nahmen seine Ohren ein leises Sirren wahr, gefolgt von Körpern, die auf das Deck prallten. Unfähig, sich zu bewegen, hob Hawk wieder den Blick. Wie das Kaninchen vor der Schlange sah er wie hypnotisiert in diese Augen, unfähig auch nur einen Gedanken zu fassen, bis ihn der Fremde packte und in sein Boot zog.

      ~

      Vila, ein Konferenzraum

      Das enervierende Geräusch eines Dolches, der geschärft wird, war das einzige, was die Stille im Raum unterbrach. H zwang sich, ruhig sitzen zu bleiben. Den Triumph die Nerven zu verlieren würde sie K nicht gönnen.
      Sie löste den Blick von den auf ihre Arme tätowierten Schuppen, die sich unter ihrem kurzen Shirt zeigten, und deren blaues Leuchten leicht hypnotisierend wirken konnte. Stattdessen betrachtete H den Agenten in seinem weißen Mantel, mehr von sich zu zeigen hatte sich dieser noch nicht bequemt. Wenigstens hatte er auf die Heuchelei verzichtet, „Gerechtigkeit“ auf den Mantel schreiben zu lassen.
      Beunruhigt verfolgte H ihre Gedanken. K war gut in ihrem Job, sehr gut sogar, und was sie taten, war für die Regierung, für den Frieden, aber sie konnte den Gedanken einfach nicht abschütteln, das Kill – da hatte sie seinen Namen ausgesprochen - einfach nur ein Mörder war. Zwar im Dienste der Regierung, aber nichtsdestotrotz nur jemand, der gerne tötete.
      Ihre Ausbildung, ihre innere Stimme warf „Konditionierung“ ein, war anscheinend nicht erfolgreich gewesen und begann Risse zu kriegen. Sie hatte diese kahlen Räume satt, das Leben hinter Masken und hinter Buchstaben. Aber sie war sich auch bewusst, dass sie nicht einfach aufhören konnte, dass sie vermutlich nicht in der Lage dazu wäre. Mit einem bitteren Lächeln erkannte sie die Ironie der Situation. Hier saß sie und zweifelte, während sie nur wenig später wieder Leben nehmen würde, als wäre nichts gewesen. Ein Auftrag würde jegliche Zweifel auslöschen, so wie es die Weltregierung wollte.
      Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als plötzliche Stille eintrat. K drehte sich um, präsentierte dabei die blutrote Maske hinter der er sein Gesicht verbarg. Unwillkürlich fragte sich H, wie er wohl dahinter aussah. Normal, harmlos oder würde man ihm sein Wesen ansehen? Es war ihr niemand bekannt, der wirklich wusste, wer hinter der Maske steckte.
      Sie atmete tief aus und versuchte sich zu beruhigen. Schon wieder fing sie an, alles zu hinterfragen. Sie konnte es dem Direktor nicht antun, schon wieder Probleme zu verursachen.
      K musterte sie einen Moment, schien aber nichts von ihrem inneren Aufruhr zu bemerken. Mit der gedämpften Stimme, die die Maske verursachte, sprach er ein Wort und H war nichts weiter als ein gedankenloses Werkzeug, bereit zu tun, was ihr befohlen wurde. Erst dann erläuterte er ihr den Auftrag.

      ~

      Auf dem Meer, auf dem Boot des Fremden

      Das Meer hatte sich wieder beruhigt und lag da, ein tiefblauer Spiegel, unwissend ob der Probleme der Menschen, die es befuhren.
      Wieder lösten sich Hawks Augen von den rissigen Planken, den Zeugen eines lange benutzten Bootes, die er bestimmt schon hundert Mal betrachtet hatte und so konnte Hawk nur die endlose Weite betrachten, vorausgesetzt, er wollte sich nicht den unheimlichen Augen seines Entführers aussetzen. Der hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, ihn zu fesseln und wie dem gescheiterten Kapitän klar war, hatte er dies auch nicht nötig.
      Monolithisch ragte der Fremde auf, den Eindruck hinterlassend, jemand hätte ihn aus Stein gemeißelt. Unbeweglich stand der Mann in Schwarz am Steuerruder, schweigsam und durch seine Regungslosigkeit Hawk den letzten Nerv raubend. Genau einmal hatte er bisher nur gesprochen und es schien ihm, als würde er niemals wieder den Mund öffnen.

      Etwa eine Stunde zuvor

      Schon seit einer Weile hatte Hawks Nervosität und Langeweile seine Angst vor dem Unbekannten besiegt, zumindest im Hinblick auf den Versuch, eine Kommunikation zu beginnen. Doch jegliche Fragen perlten an seinem Entführer ab. Weder offenbarte er seine Gründe, noch sein Ziel oder Herkunft. Schließlich rief Hawk entnervt in einem letzten Versuch:
      „Wer zur Hölle bist du eigentlich?“
      Zu seiner Überraschung drehte ihm der Fremde daraufhin den Kopf zu und antwortete:
      „Aktuell Dulug.“


      Zurück in der Gegenwart

      Diese unbefriedigende Antwort war das letzte gesprochene Wort gewesen. Seitdem befand sich Hawk in einem Zustand, der zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankte, je nachdem wie er sich die Zukunft ausmalte.
      Sein Brüten unterbrach er, als er in nicht allzu weiter Entfernung die Silhouette einer Insel, auf der sich ein Hügel erhob, erblickte. Dies musste Iseti sein, was auch sein Ziel gewesen war, als er noch Kapitän war.

      ~

      Am Hafen der Insel Iseti herrschte noch rege Betriebsamkeit, gleichsam einem Ameisenhaufen aus der Luft betrachtet. Arbeiter entluden Handelsschiffe, Matrosen begaben sich in Richtung Stadt auf der Suche nach Tavernen und Marinesoldaten patrouillierten durch die Menge. Menschen schrien durcheinander, versuchten sich zu übertönen und belebten so diesen einzigen Ort, der noch für frischen Wind auf der Insel sorgte.

      An einer Stelle des Hafens, wo weniger Trubel herrschte, legte ein kleines Boot an. Dulug und Hawk gingen an Land, Hawk inzwischen in Handschellen. Zielstrebig zwang Dulug seinen Gefangenen in Richtung Oberstadt, den Hügel hinauf.
      Obgleich einige der Bewohner das Paar etwas merkwürdig betrachteten, konnten die beiden ihren Weg ungehindert fortsetzen. Die Bewohner Isetis waren schon lange über den Punkt hinaus, wo sie sich in fremde Angelegenheiten einmischten. Zwar gab es in der Stadt eine Marinebasis, doch die zeigte nur am Hafen Präsenz und war insgesamt eher sporadisch vertreten. Zu hoffen, dass die Marine hier für Recht und Ordnung sorgen würde, war Selbstmord und so wollte lieber keiner seine Nase in anderleuts Angelegenheiten stecken.

      Tatsächlich war dies heruntergekommene Bild der Inselstadt aber nicht die ganze Wahrheit. Dulug wusste, dass der Ort einen doppelten Zweck erfüllte. Einerseits konnte man hier unliebsam unfähige Marinemitglieder hinschicken, anderseits verbarg die Unfähigkeit der Marine das Ziel, dem er entgegensteuerte.

      Je höher der Gefangene und sein Begleiter kamen, desto ehrbarer erschien die Stadt. Die Häuser wirkten weniger baufällig, die Geschäfte seriöser, die Leute weniger zwielichtig. Trotzdem wirkte nichts so, als ob die Einwohner glücklich wären. Über allem hing der Geruch von Armut und Schicksalsergebenheit.
      Hawk sah keinen Grund, warum er hier auf diese Insel gebracht wurde, aber gerade als er den Mut zusammengenommen hatte, eine entsprechende Frage zu formulieren, bog Dulug in einen Hof ein.

      Auf den ersten Blick wirkte dieser wie der Vorhof einer Manufaktur für Metallwaren, sah man doch Arbeiter Gebrauchsgegenstände aus Metall, wie Kochgeschirr oder Feldgeräte, auf Wagen laden und andere Rohmetall ins Innere der Manufaktur tragen. Doch der Mann, der sich aktuell als Dulug benannt hatte, sah auch die wachsamen Blicke der Arbeiter, sah ihre zufällig wirkende Verteilung um den Eingang zu bewachen, bemerkte die Pause, die zwei Träger neben der Tür machten und zeigte zum ersten Mal eine Gesichtsregung – ein Lächeln.
      Scheinbar ungezwungen näherten sich die beiden dem Eingang und als sich die vorgeblichen Arbeiter bedrohlich blickend um die ihnen Fremden versammelten, wurde auch Hawk klar, dass hier nichts so war, wie es schien.
      Ein Riese von Mann, einer derjenigen, der eine Pause eingelegt hatte, erhob sich, um Dulug den Weg zu versperren. Doch ehe er auch nur den Mund öffnen konnte, hielt er auf einmal Hawk in den Händen, während hinter ihm die Tür ins Schloss fiel.

      Vor Dulug lag eine Halle, in der ebenfalls gearbeitet wurde. Es gab Werkbänke, an denen poliert wurde, es gab Schmiedestätten, von denen die Feuer Hitze ausstrahlten und es gab, vor allem interessant, eine Tür am gegenüberliegenden Ende der Halle. Dort, so war sich Dulug sicher, würde die Maskerade ein Ende finden. Er war beeindruckt, wie gut sich die Weltregierung hier getarnt hatte.
      Den Raum wahrnehmen, die Tür entdecken und die Lage zu beurteilen hatte keine Sekunde gedauert. Bevor er noch entdeckt wurde hatte sich Dulug bereits in Sekundenbruchteilen zur Tür bewegt. Dort angekommen murmelte er testweise: „Soru“. Er schüttelte den Kopf. Nein, das war nichts für ihn.
      Mit einem Achselzucken öffnete er die Tür in den geheimen Regierungssitz.

      Hinter dem Eingang erstreckte sich ein langgezogener Flur, bedeckt mit einem etwas angestaubten roten Teppich, der in dem ansonsten kahlen Gang irgendwie unpassend wirkte. Auf beiden Seiten gingen Türen vom Flur ab. Doch Dulug würdigte diese keines weiteren Blickes, denn am Ende des Flurs gab es ein Portal. Dieses war im Vergleich zu dem sonst schlichten Baumaterial des Gebäudes aus edlem, tiefbraunem Holz und verriet einen Geschmack, den man an diesem Ort eigentlich nicht erwartet hätte.
      Dulug schritt die rote Straße entlang, sich innerlich auf die folgende Begegnung vorbereitend. Kurz verharrte er vor dem glänzenden Holz, sich bewusst werdend, dass er im Begriff war, eine der folgenschwersten Entscheidungen seines Lebens zu fällen. Doch ihm war längst klar, dass er eigentlich keine Wahl gehabt hatte. Er schloss die Augen und sah wieder die rauchige dämmrige Atmosphäre des Zeltes vor sich, hörte die Worte wieder, die ihm keine Wahl ließen. Als Dulug die Augen wieder öffnete, schien ihm von der Maserung ihr Gesicht anzusehen, dessen Ausdruck ihm zu sagen schien: ich habe es doch gesagt. Ja, sie hatte Recht gehabt, er hatte es bei Rogers Tod gespürt und jetzt stand er hier, bereit, erneut auf der großen Bühne der Welt teilzunehmen. Mit dem Gefühl, das Richtige zu tun, stieß er das vorletzte Hindernis beiseite und betrat den Raum.

      ~

      Vila, der (ehemals) geheime Unterschlupf der Rebellen

      Aus einem der weitläufigen, nur schlecht beleuchteten, Gänge des Höhlensystems, in dem sich die Rebellen aufhielten, stürzte keuchend ein Bote in den Kuppelsaal, wo soeben die Pläne für einen Angriff auf die Hauptstadt geschmiedet wurden..
      Die Männer und Frauen, die für die Rebellion verantwortlich waren, drehten sich genervt von dem Tisch weg, auf dem Karten und Zeichnungen verstreut lagen, und unterbrachen ihre angeregte Diskussion.
      Ihre Mienen wandelten sich angesichts der verzweifelt ausgestoßenen Botschaft aber sofort zu Masken des Entsetzens:
      „Wir wurden entdeckt und angegriffen. Die Weltregierung hat die CP-0 entsandt!“

      Kapitel 3 - Gerechtigkeit

      Im Inneren des getarnten Regierungssitzes

      Vor seinen Augen breitete sich der wohl unordentlichste Arbeitsplatz auf, den er je gesehen hatte. Wo die Wände nicht von Regalen und Schränken verdeckt wurden, befanden sich Zeichnungen, Notizen und Tafeln beschrieben mit einer Schrift, die zeigte, dass der Schreiber schneller dachte, als seine Hand nachkam. Dabei handelte es sich offensichtlich um psychologische Betrachtungen, auch wenn Dulug von dem Thema nichts verstand. Beziehungsgeflechte kamen vor, genauso Symptome, ebenfalls umkreist und verbunden. Es schien, als hätte der dafür Verantwortliche beschlossen, sämtliche Mitglieder der Regierung und Marine zu behandeln.
      Die Regale und Schränke quollen schier über vor Büchern, Akten und Papieren, die zudem noch wild durcheinander gemischt waren. Immerhin der Boden war unbedeckt und es gab einen Stuhl vor dem Arbeitstisch des Büroinhabers. Der Tisch selbst passte sich ins allgemeine Bild ein und war übersät mit Schriftstücken. In Blickrichtung des Besuchers stand ein kleines Schild mit der Aufschrift „Bora, Psychologe“.
      Hinter dem Tisch saß der Verursacher des Chaos, bis eben noch mit dem Stift zu Gange, den er jedoch mit dem Öffnen der Tür abgelegt hatte.
      Im Gegensatz zum Durcheinander im Raum war der Mann adrett gekleidet. Zu sehen war sein blütenweißes Hemd und über den Sessel drapiert war auch ein schwarzes Jackett zu erkennen. Im Gesicht Boras hatten sich bereits Furchen eingegraben, die ihn in Verbindung mit den Augenringen älter erschienen ließen, als er in Wirklichkeit war. Aber trotz der offensichtlichen Anzeichen von Überarbeitung und Schlafmangel ließen die blauen Augen des Psychologen keinen Eindruck von Müdigkeit erkennen.
      So gut Bora auch gekleidet sein mochte, die Haare hingen wirr auf seinem Kopf und vervollständigten so den Look des Workaholics.
      So wie Dulug den Raum und Bora gemustert hatte, machte sich der Psychologe ebenfalls ein Bild von dem unerwarteten Eindringling.
      Auch wenn die Kleidung des Mannes gut gearbeitet war, wirkten sie doch bereits leicht abgetragen und deuteten auf einen längeren Aufenthalt außerhalb der Zivilisation hin. Dies bestätigten die schulterlangen Haare, die einen ungepflegten Eindruck hinterließen. Auffällig ins Auge stach das Schwert auf dem Rücken des Kämpfers, dessen Griff über die linke Schulter hinausragte. Doch als geübter Beobachter bemerkte Bora auch die Ausbuchtungen im roten Tuch, das Dulug um die Hüfte geschlungen trug. Zwei Dolche vermutete Bora. Das Gesicht zeigte den Einfluss der Natur und war sonnengebräunt. Ein Blick in die Augen und Bora war sich im Klaren, dass er einen Killer vor sich hatte. Jemanden der ohne zu zögern töten konnte, aber niemanden der aus dem Affekt heraus handelte. Doch offensichtlich war er nicht gekommen, um ihn zu töten, hielt er doch die Arme vor sich ausgestreckt, Handflächen nach außen, um ihm seine guten Absichten zu verkünden.
      Bora war fasziniert von der Gestalt und sehr interessiert, was jemanden solcher Ausstrahlung zu ihm führte. Also deutete er auf den Stuhl und begrüßte den Fremden:
      „Nehmen sie doch Platz. Wie sie mit Sicherheit bereits wissen, ist mein Name Bora. Wie sie vermutlich ebenfalls wissen, ansonsten wären sie ja kaum hier, bin ich verantwortlich für die psychologische Untersuchung und Beurteilung von Regierungsangestellten. Also, was wollen sie von mir?“
      Mit einem Lächeln auf den Lippen senkte Dulug die Hände und nahm auf dem Stuhl Platz.
      „Mein Name ist Galayn. Ich will für die Weltregierung arbeiten.“
      Er zögerte kurz und setzte dann noch hinzu:
      „Ach, und bevor sie ihre Beurteilung beginnen, sollte ich sie noch darauf hinweisen, dass mein unbefugtes Eindringen einige ihrer Wachleute aufgeschreckt hat.“
      Der Moment, den Bora brauchte, um seine Gedanken zu sammeln und sich auf das Kommende vorzubereiten, war gerade abgeschlossen, da flog der Eingang ein zweites Mal auf und hereingestürmt kamen seine Bewacher.
      Sichtlich überrascht, den Eindringling friedlich sitzen zu sehen, standen sie da wie bestellt und nicht abgeholt.
      Bora nutze den Augenblick der Überraschung aus:
      „Geht wieder zurück an eure Arbeit. Wir zwei hier wollen ein Gespräch zu führen.“
      Nach einem kurzen Zögern fügte er noch an:
      „Und ich brauche euch auch nicht, um meine Sicherheit zu garantieren. Ganz abgesehen davon, dass ich überzeugt bin, ihr wäret dazu gar nicht in der Lage.“
      Einen Moment schienen sich die Wächter noch sträuben zu wollen, doch ein ungeduldiges Winken seitens Bora sorgte dafür, dass die beiden ihr unterbrochenes Gespräch wieder aufnehmen konnten.
      „Dieser Ort sollte eigentlich geheim bleiben.“
      Bora ärgerte sich selbst über diese unnötige Feststellung, aber dieser Galayn hatte es doch tatsächlich geschafft, ihn aus der Fassung zu bringen.
      „Ich weiß vieles, aber darum geht es doch gar nicht, nicht wahr?“ antwortete Galayn.
      „Ja, sie haben-“
      „Ich würde das „Du“ bevorzugen“, fiel ihm Galayn ins Wort.
      Erneut aus dem Konzept gebracht fühlte Bora, wie ihm zum ersten Mal in seinem Leben ein Gespräch entglitt. Diese Annäherung sollte eigentlich nicht stattfinden, doch Bora war nur zu klar, dass er hier kaum eine Wahl hatte. Es war noch mehr nur ein Gefühl, doch Bora war sich schon ziemlich sicher, dass dieser Mann wichtig war. Entweder er würde für sie sein oder aber er würde gegen sie sein und er wollte bestimmt nicht derjenige sein, der der Weltregierung einen solchen Gegner verschaffte.
      Trotzdem war Galayn zu ihm gekommen und wollte dieses Gespräch führen. Das Wissen, dass er wirklich seinen Job machen sollte, ermöglichte es ihm, die Fassung wieder zu gewinnen. Schwach lächelnd fuhr er fort:
      „Wenn s- du meinst, dass es dir hilft.“
      Bora drehte den Stift in seinen Fingern hin und her. Schließlich legte er ihn beiseite und fuhr fort:
      „Um für die Weltregierung zu arbeiten sind je nach Profession verschieden Hürden zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass du als ein Agent eingestellt werden willst. Also sind drei Punkte zu beachten. Erstens: Kampfkraft. Zweitens: die geeignete geistige Einstellung für eine solche Machtposition. Drittens: nach Untersuchung des Lebenslaufes und der Lebenssituation das grüne Licht des verantwortlichen Psychologen.“
      Kurz legte Bora eine Pause ein und seine Gedanken kreisten um die zunehmende Veränderung der Weltregierung. Einst war er wirklich wichtig gewesen, doch heutzutage war seine Position am Schwinden. Sah man sich nur an, was der Direktor der CP-0 veranstaltete, so drehte sich ihm bereits der Magen um. Er öffnete die zu Fäusten geballten Hände und sprach weiter:
      „Der erste Punkt sollte kein Problem darstellen. Und tatsächlich reichen meine Kontakte und Befugnisse weit genug, dass mein Wort ausreicht um den Job zu kriegen. Überzeugen sie mich, dann sind sie, entschuldige, dann bist du eingestellt.“
      Bora griff in das Meer aus Papier hinein und fischte ein noch unbeschriebenes Blatt heraus. Dabei sorgte er für einen Papierstrom, der sich zum Rande des Tisches ergoss. Vergeblich versuchte er der Flut Herr zu werden, dann zuckte Bora die Achseln und nutzte den neu entstandenen Platz, um das leere Blatt zu platzieren.
      Galayn wartete geduldig ab, bis sein Gegenüber den Stift wieder in der Hand hielt, bevor er anfing:
      „Ich will dir nichts vormachen. Meines Erachtens ist die Weltregierung korrupt und in vielerlei Hinsicht selbst kriminell. Aber sie ist auch die einzige Organisation, die Ordnung und Gesetzte repräsentiert. Mein Wunsch ist es, für Gerechtigkeit zu sorgen, denn ich habe in meinem Leben bereits für genügend Ungerechtigkeit gesorgt. Um ehrlich zu sein, kann ich genau zwei Dinge: kämpfen und schmieden. Letzteres habe ich aufgegeben, weil mich diese Welt schwer getroffen hat. Und glaube mir, ich würde gerne wieder anfangen.“
      Einen Moment hielt Galayn inne, folgte den flinken Wegen der Hand des Psychologen, vergangenen Schmerz wieder aufleben spürend.
      „Doch bis dahin muss ich meine Suche beenden. Auch hier will ich keine Illusionen aufkommen lassen. Ich bin hier nicht weil ich eine Berufung verspüre. Ich bin hier, weil ich nicht in Konflikt mit der Weltregierung geraten will. Ich bin hier, weil ich aus Gründen, die ich nicht darlegen werde, das Leben sehr schätze und Menschen nicht mag, die es anderen nehmen und unerträglich machen. Ich bin hier, weil ich auf meiner Suche etwas Gutes bewirken möchte und ich dies im Sinne des Vertrauens der Menschen in die Weltregierung als ein Mitglied der sogenannten Guten tun möchte.“
      Bora hatte sich Notizen gemacht und kringelte in der entstehenden Pause das Wort „Reue“ und zog eine Verbindung zum Punkt „kriminelle Vergangenheit“.
      „Weißt du, das klingt eigentlich nicht sehr überzeugend, aber es klang ehrlich und gefiel mir besser als all das auswendig gelernte Zeug, dass ich oft zu hören bekomme. Ich vermute mal, du wirst deine Vergangenheit nicht teilen wollen, oder?
      Galayn lachte kurz auf.
      „Richtig. Ich bin vielleicht arrogant, wenn ich das so sage, aber ich bin nicht irgendjemand. Hier bin ich zwar Bittsteller, aber es gibt Grenzen, die ich nicht überschreiten werde, denn ich kann ohne die Weltregierung klar kommen. Aber eine Frage kann ich sehr wohl noch beantworten. Meine Suche ist etwas, was immer Vorrang haben wird. Und ich will sogar noch mehr verraten.“
      Das von Bora beschriebene Papier lag gerade noch in der Reichweite Galayns. Dieser griff danach und malte ein Symbol in den freien Platz. Was anfangs noch wie ein von einem Kind gemalter Vogel aussah, bekam jetzt noch einen Bogen unter die Füße.
      „Dies ist das Symbol eines Kultes. Ich jage diesen Kult und im Besonderen ihren Anführer. Sie sind untergetaucht und ihre Existenz wird nicht anerkannt. Doch ich weiß, dass es ihn gibt, im Gegensatz zu Campbell. Deinen Augen sehe ich an, dass du den Artikel gelesen hast. Der Kult des Ulcoraug existiert wirklich!“

      ~

      Vila, Eingang zum Höhlensystem

      Der Eingang zur Höhle, einst von wucherndem Grün verborgen, war jetzt sichtbar, der natürliche Vorhang zerschnitten vor dem gähnenden Eingang liegend. An der Grenze, wo schwindendes Tageslicht überging in zuckenden Fackelschein, standen die beiden Agenten der CP-0. Der einstmals weiße Mantel von K hatte angefangen, die Farbe seiner Maske anzunehmen, durchtränkt vom Lebenssaft der unglücklichen Wächter, die unter seinen Dolchen das Leben ausgehaucht hatten. Inmitten dieser Leichen stand K vor dem einzigen noch lebenden Mitglied der Rebellen an diesem Eingang. Dieser sah immer wieder nervös zur rechten Hand des CP-0 Agenten, in der ein Dolch silberne Schlieren in der Luft bildete, während er in rasender Geschwindigkeit zwischen den Fingern hin und her wanderte.
      Der Rebell öffnete den Mund, doch noch bevor er einen Ton herausbrachte, schnellte der Dolch nach vorne und trennte den Kopf besser als jeder Henker vom Körper.
      „Verräter sind nicht gerade beliebt, dass hättest du doch besser wissen müssen“, belehrte K den Leichnam.
      Dann wischte er den Dolch am Mantel des Enthaupteten ab und machte sich auf den Weg, weitere Dolche aus den getöteten Wächtern zu ziehen.
      H sah ihm fasziniert zu, wie er jeden Dolch fein säuberlich abwischte und wieder an seinem Körper verbarg. Endlich war K fertig und erhob sich.
      „Du bleibst hier. Erinnere dich an den Auftrag.“
      „Als ob ich das nicht würde“, erwiderte H, doch ihre Antwort verlor sich im bereits leeren Gang.

      H wartete jetzt seit ein paar Minuten, doch obwohl aus der Entfernung leise Schreie zu hören sind, hatte es bislang niemand zu diesem Ausgang geschafft.
      Vermutlich waren die meisten zu anderen Ausgängen geflüchtet und sie konnte sich gut die verzweifelten Gesichter vorstellen, die feststellen mussten, dass der Verräter ganze Arbeit geleistet hat. Alle Ausgänge waren gleichzeitig blockiert worden und der einzig offene Weg nach draußen war jetzt auch nur eine weitere Todesfalle.
      Die Leichen sonderten ihren Gestank nach Tod ab und drangen mit dem Geruch von Blut und Exkrementen unter ihre noch weiße Maske. H merkte, wie sie langsam die Kontrolle verlor. Bald würde auch sie zu einem emotionslosen Monster werden, wie K es war. Sie begann vor ihrem inneren Auge den Vernichtungsfeldzug von Kill zu sehen.
      Unter seiner Maske wird mit Sicherheit ein Lächeln liegen, während er die Gänge durcheilt. Die Dolche werden ihre blutige Arbeit verrichten, sie werden geworfen, um Fliehende niederzustrecken, in silbrigen Schweifen durch die Luft gezogen werden, um Kämpfende und Bettelnde niederzumachen.
      H bemerkte, dass sie bereits keinerlei Mitleid mehr für die Rebellen übrig hat. Wer eine Waffe in die Hand nimmt, muss auch damit leben – unwillkürlich fing H an zu lachen – durch ein solche umzukommen.
      K ist zu schnell, zu gut, das weiß sie, niemand wird auch nur den Hauch einer Chance haben. Und so wird er im Zentrum ankommen und langsam, einen nach dem anderen, jeden Kopf der Rebellen einholen und töten.
      Doch die Höhle war groß und die Rebellen zahlreich genug, dass es inzwischen auch welche zu ihrem Ausgang geschafft hatten. H unterbrach ihren Gedankengang, um ihren wachsenden Blutdurst zu stillen.
      Eine größere Gruppe, mindestens zwanzig, war es, die den Ausgang erreichte. Doch dort wartete bereits der Tod, in der Gestalt einer schlanken, waffenlosen Frau. Einen Moment zögerten die Rebellen, dann stürmten sie los.
      Bevor sich die Rebellen ihr ganz näherten, verschwand H blitzartig, nur um genau vor den Rebellen aufzutauchen, das rechte Bein auf dem Boden, mit dem linken durch eine rasche Drehung eine blaue Schnittwelle erzeugend.
      Blutend brachen über ein halbes Dutzend Rebellen zusammen, mit ihrem Tod jeglichen Kampfgeist zerstörend. Der Rest gab panisch jeden Gedanken an einen Kampf auf und flüchtete schreiend zum Ausgang.
      Schon das Licht des Ausgangs vor Augen, fiel ein Schatten über ihre Köpfe und jegliche Hoffnung erstarb, als sich die Männer und Frauen umblickten.
      Hinter ihnen sahen sie H stehen, die ihren Mantel abgelegt hatte. Aus ihrem Körper waren tiefblaue, wie Eis schimmernde, Schlangenkörper hervorgebrochen und gaben ihr den Anschein, als besäße sie vier ins absurde verlängerte Arme. Noch während die Beine unter den vor Angst zitternden Rebellen zusammenknickten, teilten sich die geschuppten baumstammstarken Schlangen weiter auf und gebaren wie ein sich verzweigender Baum weitere Reptilleibe, die in schlängelnder Bewegung zu den warmen Körpern hinwuchsen. Aus dem kalten Fleisch entstanden albtraumartige Köpfe, weit aufgerissen und monströse Fangzähne präsentierend. Zischelnd erfüllte das Vorschnellen gespaltener Zungen den Raum mit einer Symphonie des Schreckens und als den mental schwächeren Rebellen die Blase versagte, richteten sich geschlitzte Augen auf die Beute der Hydra.
      Mit barmherziger Schnelligkeit erreichten die Köpfe der Schlangen ihre Opfer. Dann ein kurzes Zuschnappen, ersterbende Schreie und unter dem durch die Höhle spritzenden Blut ergoss sich die Flut fallender Körper.
      Doch ein Rebell hatte noch Leben in sich und mit den letzten Atemzügen gelang es ihm, eine Frage auszuhauchen:
      „Ist das Gerechtigkeit?“

      Kapitel 4 - Aufbrechen und Ankommen

      Vila, Zentrale der CP-0

      Die klinische Atmosphäre des weiß getünchten Raumes in dem sich Hydra aufhielt, bot wenig Ablenkung. So war sie ihren Gedanken überlassen, die gleich aufschäumenden Wellen gegen den Turm in ihrem Geist, errichtet durch ihre jahrelange Ausbildung, brandeten. Auch wenn Hydra von der zugrunde liegenden Konditionierung wenig verstand, wie sie so vieles nicht wusste, war ihr klar, dass etwas nicht in Ordnung war.
      Wieder kehrte sie in die Erinnerung zurück, in welcher der sterbende Rebell ihr die Frage gestellt hatte, welche sie nun in Aufruhr versetzte. Diese Erinnerung war klar, etwas was sie nicht von vielen Erlebnissen ihres Lebens behaupten konnte. Erneut vermeinte sie den Geruch von Tod, Blut und den feuchten Moder der Höhle zu riechen. Der graue, unebene Fels, der sie umgab, war gesprenkelt mit Blut gewesen, Blut, welches sie vergossen hatte. Warum hatte sie dies getan? Der Rebell hatte gemeint, es wäre Gerechtigkeit gewesen, für die sie getötet hatte. Aber konnte es Gerechtigkeit sein, wenn sie nicht einmal wusste, wen sie dort bekämpfte? Ihr wurde schmerzlich bewusst, dass sie weder den Grund für die Rebellion kannte, noch einen einzigen Gedanken daran verschwendet hatte.
      Wenn Hydra sich ehrlich die Wahrheit eingestand, so war sie nicht selbstständig. Keine Ahnung von der Welt draußen, die die Weltregierung vor ihr verborgen hielt, unwissend, was alle Belange des Lebens betraf, wenn man mal von ihrer Profession absah. Doch die Frage war der Glockenschlag, der eine neue Zeit einläutete. Eine Zeit in der sich Hydra anfangen würde zu erinnern. Eine Zeit, in der Hydra anfangen würde, für sich selbst zu denken.
      Doch noch stand der Turm, der ihren Geist gefangen hielt. In ihre Gedanken hinein ertönte das Klingeln der Teleschnecke, unangenehm schrill nach der wohltuenden Stille. Hydra straffte ihre Haltung und nahm ab:
      „H!“
      Die Stimme des Direktors klang freundlich:
      „Sehr gute Arbeit. K hat mir den Erfolg berichtet und sie lobend erwähnt. Sie wundern sich bestimmt, warum ich anrufe.“
      Das tat Hydra tatsächlich nicht, hatte sie doch ganz andere Probleme gehabt. Jetzt wieder zurück in die Realität geholt worden, zogen sich ihre Augen zusammen. Ja, es war ungewöhnlich. Also tat sie dem Direktor den Gefallen:
      „Ja, was verschafft mir die Ehre?“
      „Jeder Agent bekommt vier Jahre nach Beginn seiner Tätigkeit einen Urlaub.“
      Hydra klappte den Mund auf, dann schloss sie ihn wieder. Sie hätte vieles erwartet, aber bestimmt nicht das. Ihre Verwirrung war offensichtlich und so fuhr der Direktor fort:
      „Sie haben zwei Wochen Zeit. Nutzen sie sie, wie sie wollen.“
      Bevor Hydra auch nur eine Frage formulieren konnte, klickte es in der Leitung. Überwältigt ließ sie den Hörer zurück auf die sie schläfrig anstarrende Schnecke sinken. Jetzt musste sie wirklich Nachdenken. Immerhin war dies ihre erste freie Zeit, seit dem sie vom Programm „Gnati“ eingezogen worden war.
      Auf der anderen Seite lehnte sich der Direktor in seinem Sessel zurück. Jetzt würde sich zeigen, ob Hydra auch in Zukunft ein Mitglied der CP-0 sein würde. Sein Programm funktionierte noch nicht perfekt, fast jeder ausgebildete Agent bekam in den ersten vier Jahren Zweifel. Erst der Urlaub würde entblößen, ob ein Agent seine Konditionierung durchbrechen könnte. Nicht, dass es jemals passiert wäre, aber der Direktor ging immer auf Nummer sicher.

      ~

      Auf dem Meer, Galayns Boot

      Am Horizont hinter Galayn verschwamm Iseti, bis der Schemen des Hügels unter dem Wasser versunken war. Er war froh, den Ort hinter sich gelassen zu haben. Es gab wahrlich schönere Inseln, zum Beispiel die als Schlangen-Inseln bekannten Eilande des Archipielago de Serpiente, wohin er unterwegs war.
      Galayn schloss die Augen und lauschte dem Rauschen der Wellen, dem Knarren des Holzes und dem auffrischenden Rückenwind. Die Strahlen der Nachmittagssonne liebkosten sein Gesicht und für einen kurzen Moment war der einsame Krieger wirklich glücklich. Doch dann schob der stetig zunehmende Luftstrom eine Wolke vor den Freude spendenden Stern und das Licht, welches seine Gesichtszüge hatte scheinen lassen, wurde vertrieben und nahm die Fröhlichkeit mit sich.
      Wütend blickte Galayn gen Himmel und obwohl die wenigen weißen Wolken durch eine plötzliche Böe zerrissen wurden, vermochte es der widerkehrende Sonnenschein nicht, diese Glückseligkeit, die durch seinen Körper geflossen war und alle Zweifel und Gedanken fortspülte, vor dem endgültigen Verschwinden zu retten. Er löste den Druck der Hand auf das Ruder, begutachtet mit einem Kopfschütteln den Abdruck, den er in seiner Frustration in das Holz gepresst hatte. Dann überließ er das Steuer sich selbst und ging zum Bug. Dort ließ sich Galayn auf das alte, ausgesessene Holz des entgegen der Fahrtrichtung eingearbeiteten Sitzes sinken, und bette das Haupt auf die in die gekrümmte Bugspitze eingelassene Kopfstütze. Kurz klappte er die Augenlider herunter, doch fast sofort öffnete er sie wieder und griff stattdessen in sein Hüfttuch. Hervor beförderte er die Marke, die ihm Bora überlassen hatte. Vorsichtig strich er über das Wappen der Weltregierung und erinnerte sich an die letzten Worte des Psychologen.

      Früher am Tag

      Seine, zumindest sah er das so, wichtige Verkündung wurde von Bora ohne Gefühlsregung hingenommen. Tatsächlich war der Psychologe nicht einmal darauf eingegangen. Stattdessen hatte er aus seinem Hemd einen Schlüssel gezogen und eine Schublade geöffnet. Aus den verborgenen Tiefen des Möbelstücks tauchte seine Hand mit einem Briefumschlag wieder auf.
      „Du bist kein Mitglied der Cipher-Pol Einheiten und auch kein regulärer Angestellter oder ein Mitglied einer Spezial-Einheit. Folglich bist du der Regierung nicht direkt unterstellt. Ich bin dein Ansprechpartner!“
      Zum Abschied hatte Bora ihm nur den Umschlag in die Hand gedrückt. Galayn war froh, dass dieser Mann so wenig von einem Paragraphenreiter hatte. Dabei war sich der Eindringling nicht im Klaren, dass sein Vorgehen in keiner Weise einem normalen Gespräch ähnelte, noch dass Bora überhaupt eine Wahl treffen konnte. Respektvoll verabschiedete er sich mit der zur Faust geballten Hand, die seine Stirn berührte.
      „Gute Tage, angenehme Nächte!“
      Er hatte die Reaktion nicht abgewartet und bekam so auch nicht mehr mit, wie sich Boras Augen überrascht weiteten. Der Psychologe sah nach diesem wohl eher unbewusst geschehenen Gruß den ungewöhnlichen Eindringling in völlig neuem Licht. Ja, dies könnte sowohl sein Auftreten, als auch sein Wissen erklären.

      Zurück in der Gegenwart

      Den Briefumschlag hatte Galayn bereits auf Iseti geöffnet, doch das Lesen des darin enthaltenen Papiers auf die Reise verschoben, wo er alleine war und seine Ruhe hatte. Jetzt holte er den Umschlag und daraus den Inhalt hervor. Viel enthielt er nicht. Eine Nummer, die zu Bora gehörte auf einer Visitenkarte. Ein paar Informationen auf einer Art Merkblatt. Es war nichts dabei, was ihn wirklich interessierte. Er ließ den Umschlag wieder verschwinden, schloss die Augen und schlief ein.
      Der starke Wind trieb das Boot unaufhaltsam voran, dem untergehenden Himmelsgestirn entgegen. Die Stunden verstrichen, bis sich der ewige Kreislauf weitergedreht hatte und der rote Ball von neuem die Wanderung über das Firmament begann. Pünktlich mit dem ersten Sonnenstrahl erwachte Galayn, erholt und wieder frisch.
      Er legte seine Kleidung ab und begann mit einer Reihe körperlichen Übungen. Zuerst langsam, dann zunehmend schneller, bis seine Bewegung anfingen zu verschwimmen. So vergingen weitere Stunden, bis schließlich der weißglühende Stern am Höchsten stand. Galayn verlangsamte sich wieder, trank ein paar Schlucke erquickendes Wasser. Dann er holte aus einer Holzbox etwas nicht mehr ganz frisches Obst. Noch während ihm Fruchtsaft den Mund herunter lief, konnte er die ersten Inseln des Archipels entdecken.
      Er leckte sich die Lippen und griff mit der klebrig verschmierten Hand zum Ruder, um den Kurs zu korrigieren. Der Archipielago de Serpiente trug seinen Namen aus zwei Gründen. Der erste war jedem Neuankömmling schon aus der Ferne ersichtlich. Seine Inseln erstreckten sich nicht wahllos über das Meer, sondern formten eine kurvige Linie, gleich einer sich vorwärts windenden Schlange. Auch vom Wasser aus ließ sich dies erahnen, denn meist waren die Inseln nur Erhebungen aus dem Meer, kleine Felsen, Sandbänke oder unbewachsene Korallen. Nur selten wurde die Linie durchbrochen von größeren bewohnten Eilanden. Auf eine dieser Inseln steuerte Galayn nun zu. Gelegen war sie eher im Inneren der s-förmigen Schlange, weiter weg von den häufiger besuchten Rändern.
      Der abflauende Wind trug das Boot langsam zu dem kleinen Steg, der als Anlegeplatz für die Südseite von Ilha no Meio diente. Die Anlegestelle befand sich in einer Bucht, die an beiden Seiten von großen, steil abfallenden Klippen umschlossen war. Der graue Fels war teilweise bedeckt mit wild wucherndem Grün, dass bis ins blaue Wasser hinunter reichte. Das von der Sonne ausgebleichte Holz des Stegs ging über in einen Kieselstrand. Galayn befestigte sein Schiff neben ein paar kleinen buntbemalten Fischerbooten, in denen trockene und in Schuss gehaltene Netze lagen. Beschwingten Schrittes betrat er das Land und erklomm die Erhebung, hinter der sich eine Siedlung verbarg. Die Steinchen knirschten unter seinen Schuhen, dann verschwanden die ausgewaschenen Felsstücke und wurden ersetzt durch gelbe Savannenerde. Hier ließ sich auch das erste Mal ein Pfad entdecken, der in langen Jahren ausgetreten worden war und zwischen Büscheln niedrigen gelb-grünen Grases verlief.
      An der Spitze des Grates angelangt, legte Galayn eine Pause ein, um den Ausblick zu bewundern. Hier oben konnte er weit genug sehen, so dass er in der Ferne bereits das Meer an der Nordküste ausmachen konnte. In der Nähe sah er ein von Tälern und Hügeln durchzogenes Gebiet, meist nur wenig bewachsen, teilweise aber auch von grünen Oasen durchzogen. Keine halbe Wegstunde von ihm entfernt befand sich in einer Senke ein kleines Dorf.
      Niedrige Lehmhäuser scharten sich um einen Platz mit einem Brunnen. Grau und rot waren die dominierenden Farben der Gebäude, doch hier, wo Menschen lebten, wuchsen auch Palmen und Sträucher in Hülle und Fülle, um für farbliche Abwechslung zu sorgen.
      Als Galayn den Hügel hinabschritt, fielen ihm die stufenförmigen Felder an den Seiten der Senke auf. Er lächelte angesichts des Bildes einer ländlichen Idylle. Doch eine plötzliche Ahnung einer zubeißenden Schlange wischte ihm das Grinsen aus dem Gesicht. Zwar war sein Observationshaki gut, aber so abgelenkt sollte er in Zukunft lieber nicht sein, schwor er sich. Vorsichtig machte er einen Schritt zurück, um nicht in die Nähe der auf dem Boden zischenden sandfarbenen Natter zu kommen. Wenn es etwas gab, was die Inseln des Archipielago de Serpiente besaßen, so waren es die geschuppten Reptilien, in unzähligen Arten und Größen. Die namensgebenden Tiere zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich, und so richtete er den Blick auf den staubigen Boden vor sich.
      Ein paar Minuten später erschienen die ersten Behausungen in seinem Blickfeld und lockten mit ihrem Schatten, als Schutz vor der drückenden Hitze. Die schwüle Atmosphäre wurde kaum gemildert durch die leichte Brise und der schwarze Stoff verstärkte die Wirkung der Sonne nur noch. Also suchte Galayn eine Palme auf, zu deren Fuß eine Handvoll Kokosnüsse lagen. Eine erfrischende Böe wehte durch die Kleidungsschichten und die gefächerten Blätter der Kokosnusspalmen. Er betrachtete die einfachen Hütten, vor deren Wänden Feldgeräte standen oder Netze hingen. Ihm fiel auf, dass die Dächer nur aus vertrockneten, gelben Stauden bestanden.
      Es dauerte einen Moment, bis Galayn zuordnen konnte, was ihm merkwürdig erschien. In der Siedlung war es beunruhigend still und er hatte bislang auch keine Menschen zu Gesicht bekommen. Im Schatten der Palme lockerte er die Dolche in seinem Haramaki und trank ein paar Schlucke aus seinem Wasserbeutel. Er lockerte die Schultern und machte sich mit Staub aufwirbelnden Schritten auf den Weg, herauszufinden, was in diesem Ort nicht in Ordnung war.

      Kapitel 5 – Zufälle


      Ilha no Meio

      Seine bisherigen Beobachtungen auf der Insel ließen Galayn vermuten, dass es hier kein Gewaltverbrechen gegeben hatte. Trotzdem blieb er wachsam, allerdings hauptsächlich aus reiner Gewohnheit.
      Eigentlich wollte er hier ja nur aus spontanem Interesse vorbeischauen, war er doch schon lange nicht mehr hier gewesen. Es gab eine andere Veranlassung, die ihn zum Archipel gezogen hatte, einen logischen Grund. Aber es hatte auch ein nicht rationales Motiv gegeben, ausgerechnet diese Insel anzusteuern. Galayn hatte einem Gefühl nachgegeben. Allein schon dieses anscheinend verlassene Dorf schien ihm ausreichend, um sich über die Intuition zu freuen.
      Schicksal hätten manche dazu gesagt, Zufall andere. Es hatte eine Zeit gegeben, da Galayn das Schicksal leugnete. Doch es war ihm inzwischen klar geworden, dass es sehr wohl existierte. Nicht, dass alles vorherbestimmt war, aber es gab doch Fügungen, die sich nicht durch Zufall erklären ließen.
      Ehe er sich in solchen Gedankengängen verlor, richtete Galayn den Blick wieder in die Realität. Die erste Hütte hatte er bereits hinter sich gelassen. Vor ihm gähnte die Öffnung eines unverglasten Fensters. Er warf einen Blick hinein in die armselige Behausung. Viel gab es nicht zu sehen. Einen ungedeckten Tisch, eine aufgeräumte Kochstelle, keinerlei Anzeichen von einem plötzlichen und unerwarteten Aufbruch. Die Einrichtung war schlicht, aber gut gearbeitet. Was aber fehlte war jeglicher Zierrat, mehr als nur das Allernötigste war nicht zu sehen. Ein verbeulter Topf hing unbenutzt über der Feuerstelle, Teller oder Schalen hingegen konnte Galayn nicht entdecken. Sich über das Kinn streichend, setzte der einzige Mensch im Dorf seinen Weg fort. Vor den Häusern stand oder hing meistens das Werkzeug, mit dem sich die Bewohner ihren Lebensunterhalt verdienten. Ein Netz, ein Pflug, eine Axt. Nichts davon war neu, alle von häufigem Gebrauch abgenutzt. Manche Häuser hinterließen noch einen besseren Eindruck, üblicherweise Werkstätten für Tischler oder Schmiede. Das Dorf war nicht sehr groß und so erreichte Galayn bald den Brunnen. Ein Holzeimer stand neben der steinernen Umfassung, befestigt an einer Winde. Er ließ ihn hinunterfallen, lauschte dem Platschen und holte das noch in reicher Fülle vorhandene Wasser hinauf. Das erfrischende Nass spritzte sich Galayn ins Gesicht, schmeckte die nassen Perlen, die seine jetzt wieder gut befeuchteten Lippen hinunterliefen. Klar und gut war das Wasser, also füllte er sich den schon schlaffen Wasserbeutel nach. Solchermaßen erfrischt, strebte der Agent dem nördlichen Dorfende entgegen, in der Hoffnung dort vielleicht Antworten zu finden.
      Innerhalb des Ortes konnte er keinerlei Leben spüren, doch als er sich auf dem staubigen, sich um die Lehmhütten windenden Pfad in Richtung Norden bewegte, konnte er die Präsenz sich nähernder Menschen wahrnehmen. Bedächtigen Schrittes, schließlich wollte er den Bewohnern möglichst keine Angst einjagen, verließ er den Schatten der letzten Ausläufer des namenlosen Dorfes. Die Straße, falls man den ungepflasterten Weg so nennen konnte, führte über einen Hügel, an dessen Gipfel Galayn Halt machte, um die Ankömmlinge zu erwarten. Aus der zu einer Schlucht verengten Senke marschierten in losen Gruppen die Dorfbewohner. Vorneweg die kräftigsten Männer, fast alle mit zerfurchten Gesichtern, deren Herkunft angesichts ihres Alters wohl Sorgen sein mussten. Dahinter kamen Familien, die Männer mit Kindern an den Händen, die Frauen mit ihren Kleinen in den Armen. Am Schluss des Zuges, noch gerade dem Dunkel der Schlucht entronnen, bevor der Strom vor Galayn zum Erliegen kam, folgten die Alten. Gebeugte Gestalten, knotige Stöcke als Halt nutzend, die sich langsam den Pfad entlang schleppten.
      Jetzt aus der Nähe bemerkte Galayn die oft geflickte Kleidung, meist schon an der Grenze zu Lumpen, aus einfachem ungefärbtem und grobem Stoff. Die offenkundige Armut der Leute verhärtete seinen Gesichtsausdruck, doch als er die Furcht in den Augen der Vordersten erkannte, zwang er sich zu einem entspannteren Lächeln. Er wurde sich plötzlich bewusst, dass die Blicke zu dem Schwertgriff auf seinem Rücken wanderten. Also hob er in einer Geste des Friedens die Hände.
      „Was ist hier los?“
      Kaum war die Frage gestellt, wurde Galayn klar, dass es nicht gerade die beste Strategie gewesen war, direkt drauflos zu stürmen. Abwehrende Blicke aus stumpfen Augen erreichten ihn. Plötzliches Weinen durchbrach die peinliche Stille. Eine Mutter wiegte tröstend ihr Kind in den viel zu dünnen Armen, flüsterte leise und beruhigend auf das Kleine ein. Was sollte er nur tun? Er war wirklich zu lange der Zivilisation ferngeblieben. Seine Hilflosigkeit wurde nur noch gesteigert, als ein vorsichtiger Schritt dazu führte, dass sich die Reihe der Männer zusammenzog und sie sich schützend vor ihre Familien schoben.
      Also verließ er die schmale Straße, um sich auf einen der grauen verwitterten Steine niederzulassen. Sollten doch die verängstigten Familien passieren, vielleicht würde das ja die Bewohner beruhigen. Tatsächlich, kaum war der Weg frei, huschten die kleinen Gruppen vorbei, bedacht, nicht zu ihm hinzusehen. Übrig blieben eine Handvoll der mutigeren. Eine mittelalte Frau, das Kinn trotzig vorgestreckt, ein Alter, dessen weißer Bart ihm vor der gebeugten Brust hing und zwei Männer im besten Alter, die einfache, aber immerhin noch heile Kleidung trugen. Der Dorfälteste ergriff das Wort:
      „Mein Name ist Ricardo. Ich bitte euch, unser Verhalten zu entschuldigen. Auch wenn du anscheinend nichts Böses willst, haben wir im Moment Angst vor Fremden, besonders wenn sie mit Waffen kommen.“
      Die krächzende Stimme des Weißhaarigen konnte seine Erschöpfung und seinen Gram nicht mehr verbergen. Galayn fragte sich, was nötig war, um ein Dorf solchermaßen zuzurichten. Sich von seinem unbequemen Sitzplatz erhebend unternahm er einen neuen Anlauf in die Pause hinein, die Ricardo zum mühsamen Luftholen benötigte:
      „Entschuldigt mein Auftreten, Ricardo. Mir mangelt es seit geraumer Zeit an menschlichen Umgang. Werdet ihr mir jetzt meine Frage beantworten?“
      Ächzend ließ sich der auf seinen Stock gestützte Ricardo auf den jetzt freigewordenen Stein fallen. Erleichtert winkte er einem der Männer mit seinem Stab zu:
      „Übernimm du bitte, Everaldo.“
      Daraufhin löste sich einer der beiden schwarzhaarigen Bewohner aus der zusammengeschmolzenen Gruppe. Ein Dreitage-Bart umrahmte den ernsten Mund und erste Sorgenfalten hatten sich bereits in seinem Gesicht festgesetzt. Mit kräftiger Stimme wandte er sich an Galayn:
      „Bitte frage das nicht. Wir kommen schon klar, da müssen wir nicht auch noch einen Fremden mit hineinziehen.“
      Erstaunt hörte der Fremde zu. Sich in ihrem Zustand noch Sorgen zu machen. Er war bewegt und so langsam rührte sich in seinem Inneren der Zorn.
      „Leider können wir euch nicht bewirten, also zieht- “
      Hier fiel er Everaldo ins Wort:
      „Ich werde auf keinen Fall gehen. Und wenn ich hier bei euch bleibe, bis ich mir erzählt, was los ist. Ich will euch helfen.“
      Hilflos sah ihn Everaldo an. Offenkundig schwankte er, unfähig fortzufahren. Da kam ihm die Frau zu Hilfe:
      „Helfen! Wer hat uns denn jemals geholfen? Die Regierung hat sich hier noch nie blicken lassen. Aber ihre Steuern, die wollen sie haben!“
      Schwer atmend hob und senkte sich ihre Brust. Ihr Gesicht begann rote Flecken zu bekommen, als sie immer lauter werdend fortfuhr:
      „Und die Marine guckt auch nur aufs Meer. Piraten, Piraten, nichts als Piraten haben sie im Sinn!“
      „Fernanda-“, setzte Everaldo an, doch wurde er sofort abgewürgt:
      „Sei ruhig, Mann! Es muss mal gesagt werden, frisst es sich doch immer tiefer hinein. Dieser feine Marinekapitän ist doch nichts als ein elendiger Feigling. Einen Steckbrief ausstellen, ja das kann er. Aber herkommen und etwas tun, dafür ist er nicht Manns genug.“
      Galayn hatte mehrfach angesetzt, doch der Redeschwall der erbosten Fernanda ließ ihn nicht zu Wort kommen. Als er auch diesmal merkte, dass sie wieder anhub, griff er zur Hüfte, um die Marke hervor zu holen.
      „Ich sage, erzählen wir es ihm. Wir haben genug Sorgen, soll er doch selbst wissen, ob er sich umbringt. Vielleicht kann er uns ja wirklich helfen.“
      Nach diesem Ausbruch, der sich schon seit längerem angesammelt haben musste, herrschte einen Moment Stille. Die Frau funkelte ihrem Mann an, dann den Ältesten, bereit ihre Worte zu verteidigen. Forsch hielt Galayn seinen Ausweis in die Luft:
      „Ich bin Galayn, ein Agent der Regierung.“
      Alle Augenpaare wandten sich ihm plötzlich zu, darunter auch einige wagemutigere, die sich aus dem Dorfe näherten, wie magisch angezogen von dem Fremden. Oftmals ist Neugier eben doch noch stärker als Angst.
      Fernanda reckte das Kinn trotzig vor:
      „Was ich gesagt habe, kam von Herzen. Ich finde, die Regierung ist uns etwas schuldig und dabei bleibe ich, selbst wenn ich dafür ins Gefängnis komme!“
      Ein leises Lachen entfloh Galayns Lippen.
      „Keine Sorge. Du hast gut gesprochen. Wie ich gesagt habe, ich bin gekommen, um zu helfen.“
      Dass es nur zufällig dazu gekommen war, verschwieg er. Eigentlich hatte es die Weltregierung nicht verdient, aber wer sollte als Identifikationsfigur dienen, wenn nicht sie? Besser als Piraten und das restliche Gesindel war sie allemal, jedenfalls war das Galayns Sicht. Als er wieder die brüchige Stimme Ricardos vernahm, wandte er den Blick. In dem Gesicht des Alten spiegelten sich Hoffnung und Verzweiflung.
      „Einem Fremden wollten wir nichts erzählen, aber bei einem Mitglied der Weltregierung sieht es natürlich anders aus. Ira, du bist am besten geeignet. Aber bitte bleibe sachlich.“
      Der angesprochene, bisher im Hintergrund gebliebene Mann trat nach vorne. Sein Gesicht war vor Zorn zusammengezogen, bis sich die Brauen fast berührten. Aus seinen Augen blitzte blanker Hass. Aus seinem Hemd zog er eine zerknitterte Rolle hervor. Im Gegensatz zu der an der Oberfläche brodelnden Wut, entrollte er das Papier sehr vorsichtig. Zutage trat ein Steckbrief der Regierung. Unter dem Bild eines aristokratisch anmutenden Mannes im Anzug stand „Schwarzer Engel Domenico“.

      ~

      Vila, die Hauptstadt Albacete

      Noch war sich Hydra überhaupt nicht im Klaren, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollte. Noch nie in ihrem Leben hatte sie Urlaub gehabt. Doch einen Wunsch konnte sie sich so erfüllen. Sie hatte in einem Land für ein blutiges Ende einer Rebellion gesorgt. Jetzt wollte sie wissen, wie es wirklich in Vila aussah. Zum ersten Mal hatte sie die Möglichkeit, die Rechtmäßigkeit eines Auftrages mit eigenen Augen und Ohren zu überprüfen.
      Also hatte sie das Hauptquartier in der Nähe des Hafens im Osten verlassen und war aufgebrochen in die ihr völlig unbekannte Stadt.
      Anfangs war sie durch ein Viertel von Albacete gekommen, in dem die Häuser aus Stein und die Straßen gepflastert waren. Der völlige Mangel an Abfall und die Sauberkeit der Wege zeugte von dem Wohlstand der Bewohner. Intuitiv ahnte sie, dass hier ihre Antworten nicht zu finden waren. Deswegen war sie stumm durch die Häuserschluchten aus weiß verputzten Steinen gewandert, hatte sich von dem Strom aus bunt gekleideten Menschen treiben lassen. Die Sonne brannte unangenehm auf ihrem ungeschützten Kopf und sorgte dafür, dass ihr unter der Kleidung der Schweiß herunterlief, auch jetzt noch, nachdem sie bereits gedacht hätte, genug Wasser für eine ganze Woche verloren zu haben. Sie hatte ihren Schritt beschleunigt und stand jetzt im Schatten eines geöffneten Tores, das den Eingang durch eine weiße Mauer ermöglichte. Dahinter wurden die Häuser dunkler und erstreckten sich nicht mehr so weit in den Himmel. Die glatt gepflasterte Straße ging über in einen mit Löchern im Straßenbelag versehenen Weg.
      Als sie tiefer in diesen Stadtbezirk vordrang, bemerkte sie erste Anzeichen von Abfällen, schlechter gekleidete Bewohner und der Geräuschpegel nahm nach den vornehmen, leisen Gesprächen des gehobenen Viertels stetig zu. Zu ihrer linken Seite bemerkte sie auf einmal einen dunklen, engen Tunnel zwischen den Häusern, fast nur ein Spalt. Auf unerklärliche Weise wurde sie angezogen von diesem nicht gerade einladend wirkenden Einschnitt in den Häuserreihen. Sie änderte die Richtung und verschwand in die Tiefen des Gewirrs der zu den Slums führenden Gassen.
      Völlig versunken in ihrer Erkundung bemerkte sie nicht, wie ihr eine groß gewachsene Gestalt in einem braunen Mantel folgte. Die über den Kopf gezogene Kapuze verbarg das Gesicht im Schatten, sollte Hydra doch auf den Gedanken kommen, sich umzudrehen.
      Schließlich hatte Hydra das verschlungene Labyrinth der südlichen Slums erreicht. Innerhalb des Bereiches mit zerfallenden Holzhütten, den von Schrott, Exkrementen und sonstigen Abfällen übersäten Pfaden erinnerte sich die junge Frau auf einmal an ihre Kindheit. Von einem solchen Ort war sie damals vor etwa achtzehn Jahren geholt worden. Ihre Erinnerung waren ihr immer als verloren vorgekommen, doch dieser Ort hatte zumindest eine davon aus ihrer Verschüttung gerettet. Kein Wunder, dass sie sich angezogen gefühlt hatte von dem schäbigeren Teil der Stadt. Ein breites Lächeln erhellte ihr Gesicht. Wäre sie nicht so für einen Moment vor einer der Hütten verharrt, überwältigt von diesem Erinnerungsfetzen, so hätte sie das Gespräch dahinter mit Sicherheit überhört. Doch dieser eine Moment, Schicksal oder Zufall, formte die Zukunft neu. Eine hohe, vor Eifer schrille Mädchenstimme ertönte von der Rückseite dieser schicksalhaften Behausung. Im Lärm des Slums ging sie unter, doch Hydra hatte gute Ohren.
      „Mein Bruder wird bald wiederkommen! Du wirst schon sehen, Ramirez.“
      Der angesprochene Junge verschaffte sich ebenfalls lautstark Gehör:
      „Devante ist in einen Krieg gezogen, den wir nicht gewinnen können.“
      Hydra wurde klar, dass sie hier einer Unterhaltung über ein Mitglied der Rebellion lauschte. Ihr wurde übel, als sie sich bewusst wurde, dass es vielleicht sogar sie gewesen war, die den Bruder des jungen Mädchens getötet hatte. Ihr Grinsen erlosch. Unfähig auch nur einen Finger zu rühren stand sie da und hörte zu.
      „Immer musst du alles schlecht reden“, kam es schon fast weinerlich. Die ernste Stimme ihres Gesprächspartners, diese Unterhaltung nicht zum ersten Mal führend, antwortete postwendend:
      „Es tut mir leid, Alatea. Wie gerne würde ich dir zustimmen. Aber die Reichen haben die Weltregierung auf ihrer Seite. Hier geht es nicht um Gerechtigkeit. Die Wirklichkeit ist nicht wie ein Märchen. Du musst deinen Bruder bitten, die Rebellen zu verlassen, sonst wird er sterben.“
      Aber auch wenn dieser für seine Jahre schon sehr weise Ramirez es versuchte, Alatea ließ sich nicht überzeugen:
      „Sei ruhig! Wir werden niemals aufhören zu kämpfen. Bis wir endlich auch wie Menschen leben dürfen. Wie kannst du nur so ruhig bleiben?“
      Ein Schluchzen unterbrach ihr zorniges Schimpfen, doch Alatea fasste sich wieder:
      „Sieh dich doch um, ich will hier weg. Devante hat es mir versprochen. Wenn ich erst alt genug bin, werde ich auch kämpfen!“
      Die trotzige Stimme wurde plötzlich verschlungen von einem Lärm, weiter entfernt im Südwesten. Dieser riss Hydra aus ihrer fast tranceartigen Erstarrung. In der Ferne sah sie Rauch in wilden, schwarzen Fahnen aufsteigen. Sie entspannte ihren Kiefer, den sie zusammengedrückt hatte, als wollte sie sich die eigenen Zähne ausbeißen. Dann machte sie sich im Laufschritt auf, dem prasselnden, wilde Muster in die flimmernde Luft zeichnendem Flammenmeer entgegen.

      Kapitel 6 – Das Recht des Stärkeren

      Vila, Königspalast

      Der amtierende König Philipp, der fünfte seines Namens, stand vor dem zwischenzeitlich wieder geschlossenen steinernen Portal, welches in die große Halle führte. Hinter ihm drängte sich sein Gefolge, deren Ungeduld ob der ihnen unverständlichen Pause ihres Herrschers dem Monarchen nicht verborgen blieb. Ein leises Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Sie konnten alle warten. Auch die Würdenträger drinnen, all diese aufgeblasenen Adeligen, die dachten, sie wären ihm, dem König, wichtig. Tatsächlich brauchte seine Regierung sie, aber bei weitem nicht so sehr, wie die Kaufleute, deren Vertreter jetzt hinter den Mauern auf ihn warteten. Und bestimmt nicht so sehr, wie die Militärs, diese engstirnigen, aber doch so nützlichen Werkzeuge. Allerdings waren auch sie nicht so wertvoll, wie die Freundschaft zur Weltregierung. Sein Lächeln erstarb, als ihm einfiel, dass es keinesfalls sein Militär gewesen war, welches diese Rebellion beendet hatte. Nein, erst musste er die Weltregierung um Hilfe anflehen, er, Philipp V.! Nein, sie konnten alle warten. Es war gut, sie von Zeit zu Zeit ihrer Stellung bewusst werden zu lassen. Allesamt getrieben von Gier waren sie gut zu kontrollieren. Gier nach Geld, Gier nach Macht, Gier nach Stellung oder Ansehen. Dass er selbst ebenfalls von Gier getrieben wurde, war dem Herrscher nicht in den Sinn gekommen. Aber er war ja auch nicht wie andere Menschen, denn er war der König.
      Nun, auch wenn Philipp den Einsatz der CP-0 hatte bezahlen müssen mit mehr Einfluss der Weltregierung, so war doch alles besser, als von dem rebellierenden Pöbel abgesetzt zu werden. Die dachten doch tatsächlich, sie könnten eine bessere Welt schaffen. Einen Staat, in dem alle gut leben konnten. Unfug, irgendjemand musste immer unten sein. Und wer sollte das anderes sein, als der ungebildete, schmutzige Bodensatz der Bevölkerung? Aber diesmal waren sie zu weit gegangen. Jetzt würde er, Philipp aufräumen und für lange Zeit jeden Widerstand im Keim ersticken. Keine Slums, keine Rebellen, so lautete die Gleichung. Natürlich, es würden sich neue Slums bilden, aber das lag in der Zukunft. Und Menschen vergaßen so leicht und so schnell. Er würde an der Spitze bleiben, dafür würde er sorgen.
      Schließlich zufrieden, gab der Monarch einem der Diener ein Handzeichen.

      Die in dem gewaltigen Saal wie leises Murmeln erklingenden Gespräche kamen zum Erliegen, als ein Hornstoß das Erscheinen des Königs Philipp V. ankündigte, der zur Feier der Niederschlagung der Rebellion geladen hatte. Wer noch nicht an den langen Tischen, die mit erlesenen Speisen beinahe überladen wirkten, Platz genommen hatte, wich jetzt zwischen die kunstvoll verzierten Marmorsäulen zurück, die die gebogene Decke des Raumes stützten. Die schmale, von vornehm gekleideten Adeligen, protzigen Kaufleuten und schneidigen Militärs gesäumte, Gasse führte von der hufeisenförmig angeordneten, aus poliertem Ebenholz bestehenden, Tafel bis zu dem steinernen Portal, welches übermannshoch in einem zu einer Spitze auslaufenden Bogen in die von Teppichen bedeckte Wand eingelassen war. Das blecherne Signal war kaum verklungen, da schwangen die beiden schmucklosen Flügel des Einganges nach innen auf. Herein kam gemessenen Schrittes der König. Der silbern verbrämte rote Mantel, der sich um die breiten Schultern schwang, schleifte hinter ihm über den Boden. Als die Anwesenden die prunkvolle juwelenbesetzte Goldkrone erblickten, sanken sie auf ein Knie. Obwohl Philipp V. bereits etwas an Leibesfülle zugelegt hatte, hielt er sich gerade, als er in Richtung seines Thrones seine Untertanen passierte. Wie ein Rattenschwanz folgte ihm eine Schar von livrierten Dienern, die sogleich ausschwärmte und begann, die Weingläser der Gäste zu füllen.
      Schließlich hatte der König seinen Platz am Scheitelpunkt der Tafel erreicht. Er ergriff seinen Pokal, der mit einem so teuren Wein, dass eine Familie davon einen Monat leben könnte, gefüllt war. Philipp V. jetzt wieder unangefochtener Herrscher über Vila, hob seinen Kelch gen Himmel und verkündete:
      „Heute ist der Tag, an dem die schändliche Rebellion gegen Uns mit Hilfe der Weltregierung niedergeschlagen wurde.“
      Lautes Jubelgeschrei der Eliten folgte auf diese Verkündung. Einen kurzen Moment ließ sich Philipp feiern, dann beruhigte er die Anwesenden mit seiner linken Hand. Er fuhr fort:
      „Aber dies ist nicht der einzige Grund, warum Wir heute unsere Gläser erheben. Denn obwohl die Rebellion beendet ist, ist noch längst nicht aller Abschaum unter unseren Stiefeln zertreten worden. Meine Damen und Herren, in eben dieser Stunde erleben wir das Ende der Schandflecke unserer Städte. Von dem heutigen Tage an sind die Slums Geschichte! Auf die glorreiche Zukunft Vilas!“
      Damit führte er den goldenen Kelch an die Lippen und ließ den süßen Wein die Kehle herunterperlen. Die Profiteure des Systems stießen an und prosteten sich zu:
      „Auf Vila!“
      „Auf unseren König Philipp V.!“
      Mit einem Lächeln, welches die Augen nicht erreichte, nahm Philipp V. Platz auf seinem Thron und eröffnete das Festmahl.

      ~

      Ilha no Meio

      Bevor Ira das Wort ergreifen konnte, streckte Galayn die Hand nach dem abgegriffenen Steckbrief aus. Mit einem leichten Zögern überließ der Mann ihm das Papier. Immerhin zehn Millionen Berry war der Verbrecher schwer. Sein ganzes Äußeres war auf Perfektion getrimmt, von dem zurückgekämmten schwarzen Haar, über den sorgfältig getrimmten Schnurrbart bis hin zu den glänzenden Schuhen, ebenfalls schwarz. Unter dem Jackett sah man das faltenfreie weiße Hemd, aus der Anzugstasche lugte ein rotes Tuch hervor. Dem geübten Auge Galayns entging aber auch nicht die Ausbuchtung in Schulternähe, die eine Schusswaffe entlarvte.
      Irgendetwas kam ihm an diesem Mann bekannt vor. Allerdings konnte er sich nicht genau an die Situation erinnern. Auch wenn es ihm merkwürdig erschien, seine Kenntnis musste aus der Zeitung stammen, da war er sich sicher.
      Galayn war sich sicher, dass dieser Mann für ein friedliches Dorf eine Gefahr darstellte, aber für ihn mit Sicherheit nicht. Wahrscheinlicher war aber sowieso, dass jemand der so aussah seine Handlanger einsetzte, anstatt sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Der Agent bezwang seine Ungeduld und atmete tief durch. Er sollte sich lieber anhören, was dieser zornige Mann zu erzählen hatte. Also gab er den Steckbrief zurück und forderte seinen Gegenüber zum Sprechen auf.
      Mit vorsichtigen Bewegungen rollte Ira das Papierstück wieder zusammen und verstaute es an seinem Körper, in dem leinenfarbenen Hemd. Dann setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden und fing an zu erzählen.

      Ein paar Monate zuvor

      Im Dorf herrschte emsige Betriebsamkeit. In den Gassen spielten die Kinder im Dreck, auf den Straßen waren Erwachsene in ländlicher, einfacher Kleidung unterwegs. Sie suchten Handwerker auf, brachen in kleinen Gruppen, mit ihren Feldgeräten in den Händen, zu ihrer Arbeit auf oder gingen lachend und plaudernd in Richtung Meer. Am Brunnen hatte sich eine Reihe von schwatzenden Frauen versammelt, die sich mit dem sogar hier in anscheinend unbegrenzter Menge zur Verfügung stehendem Klatsch die Zeit vertrieben, bis sie an den Brunnen konnten. Ein paar Tage zuvor hatte das Dorf die Nachricht vom Tode Gold Rogers erhalten, aber um ehrlich zu sein, so richtig interessiert hatte es sie nicht. Mochte sein, dass auch der Archipielago de Serpiente von Piraten besucht wurde, aber wenn überhaupt, dann an den äußeren Rändern. Das Interesse an der restlichen Welt war nicht besonders ausgeprägt, zumindest bis jetzt.
      In diese fröhliche, laute und friedliche Atmosphäre hinein ertönte ein lauter, weithin hallender Schuss. Dies markierte das Ende der Abgeschiedenheit eines Dorfes, welches so unbedeutend war, dass es noch nicht mal einen Namen besaß.
      Aufgeschreckt unterbrachen die Bewohner ihre Tätigkeiten. In den ausklingenden Donner hinein ertönte kein Wort, doch kaum war das Geräusch verstummt, brachen laute Diskussionen aus. Manche wollten den Schuss im Norden gehört haben, andere im Westen, während weitere steif und fest behaupteten, das Dröhnen käme aus dem Dorfinneren. Wissen taten es nur diejenigen, die sich am Nordende des Dorfes aufgehalten hatten, unter ihnen Ira selbst. Ihnen war eine zehnköpfige Gruppe von Fremden entgegen gekommen. Angeführt wurde sie von Domenico, dessen Anzug und Schuhe von Staub bedeckt war. Er war der einzige, der Intelligenz ausstrahlte, seine Begleiter waren allesamt große, muskulöse Männer mit kurzgeschorenen Haaren und dem ausdruckslosen Blick von Schlägern. Nachdem Domenico seine Pistole abgefeuert hatte, glücklicherweise in die Luft, lud er mit raschen, geübten Bewegungen die verschossene Kugel nach. Erst dann steckte er die Waffe zurück in ihr Holster. Ein kurzes Winken forderte seine Gefolgsleute auf, näher zu kommen. Mit einem Lächeln, das die eiskalten Augen nicht freundlicher erscheinen ließ, forderte er die Anwesenden auf, ins Dorfzentrum zu kommen. Dann, sehr zum Entsetzen der Bewohner, sprossen aus seinem Rücken, die Arme entlang, schwarze Federn und bildeten Schwingen mit denen sich der schwarze Engel in die Luft erhob. Mit offenen Mündern starrten die Einheimischen dem wie ein Vogel durch die Lüfte gleitenden Mann hinterher. Doch ihr Staunen wurde jäh unterbrochen, als die Muskelprotze sie unsanft daran erinnerten, wohin sie gehen sollten. Also machten sie sich, von Furcht erfüllt, rasch auf, die staubigen Straßen zum Brunnen hinunter.

      ~

      Vila, Slums von Albacete

      Hydra hastete durch sich langsam ausbreitendes Chaos. Der aufsteigende Rauch hatte die verschiedenen Bewohner der Slums aufgeschreckt. Für das aus Holz errichtete Elendsviertel mit seinen dicht an dicht stehenden Häusern gab es nichts Tödlicheres. So überraschte es nicht, dass die Menschen fluchend und schreiend durcheinander liefen. Manche strebten ihrem Zuhause entgegen, andere wiederum ergriffen bereits die Flucht, ihre wenigen Habseligkeiten mit sich führend. Einige rannten aber ebenfalls dem Brandherd entgegen, Äxte mit sich führend. Sie wollten durch Abriss die Ausbreitung des Feuers verhindern, war hier doch an ein geordnetes Löschen kaum zu denken.
      Die Agentin bahnte sich ihren Weg durch heruntergekommene Gestalten, meist durch Einsatz der Ellbogen. Hitze schlug ihr mit heißen Fängen entgegen, als sie sich dem Ursprung der Feuersbrunst näherte. Aus ihrem Lauf in normalen Gang übergehend, erreichte sie die Feuerlinie. Dort konnte man bereits grässliche Todesschreie hören von den Unglücklichen, die nicht mehr hatten fliehen können. Hydra machte halt und kniff die Augen zusammen. Auch wenn wirbelnder Rauch ihre Sicht trübte und auflohender Flammenlanzen ihr Blickfeld einschränkten, konnte sie doch noch schwach die Umrisse einer Stadtmauer erkennen. Als in ihrem Rücken neue Schreckensschreie losbrachen, wandte sie sich von ihrer Besorgnis erregenden Entdeckung ab. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie in allen Richtungen neue Feuerherde erblickte. Wohin sie sich auch wendete, der Slum war eingeschlossen von einem stetig näher kommenden Flammenmeer.

      Nur ein paar Dutzend Meter weiter, sicher geschützt durch die Steinmauer, die den Slum vom Stadtinneren trennte, erstatte ein gerüstetes Mitglied der Stadtwache seinem Vorgesetzten Meldung:
      „Sir, alle Feuer sind entzündet worden. Das Gesindel und die Rebellenunterstützer sind umschlossen.“
      „Sehr gut! Endlich wird dieses Pack mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Wurde auch Zeit, dass dieser Schandfleck vom Erdboden getilgt wird. Abtreten!“
      Der Hauptmann der Stadtwache rieb sich zufrieden die sauberen Hände. Jetzt, wo die CP-0 die Rebellen ausgelöscht hatte, konnten sie losschlagen, ohne die Rebellion noch weiter anzufachen. Ein Hoch auf ihren König Philipp!

      Innerhalb des zum Tode verurteilten Distrikts fiel Hydra wieder die Stimme des Mädchens ein. Augenblicklich machte sie kehrt und eilte zurück. Sie konnte nicht ungeschehen machen, was bereits passiert war, aber wenigstens sollten nicht auch noch diese Kinder sterben. Kraftvoll stieß sie sich vom Boden ab und landete auf einem der bereits verfaulten Dächer. Unter ihren Füßen zerbrach das Holz, doch die Agentin war bereits längst bei der nächsten behelfsmäßigen Bedeckung. Durch ihre Ausbildung war sie kaum noch sichtbar für das normale menschliche Auge und raste als verschwommener Schemen durch das Zentrum des Slums. Wo auch immer sie vorbeikam, hatte sich bereits Verzweiflung breitgemacht. Von den Seiten drangen Menschen in die Mitte vor, in sinnloser Hoffnung auf einen Aufschub des Unvermeidlichen. In ihrer Panik behinderten sie sich gegenseitig und begannen sich totzutrampeln. Aber Hydra war blind für die Tränen der Bewohner, für die mit gebrochenen Gliedmaßen daliegenden Kinder, für die weinende Mutter, die vor ihrem toten Kind saß, für die von den Flammen erreichten menschlichen Fackeln. Inmitten dieser Massen hätte Hydra wahrscheinlich die Kinder nicht einmal gefunden, wenn sie ihr Aussehen gekannt hätte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als wider alle Vernunft zu der Hütte zurückzukehren in welcher sie das Gespräch belauscht hatte.
      Kurz dachte sie, sie wäre schon zu spät, doch dann sah sie den schicksalhaften Ort wieder, noch ein paar Häuserzeilen vom Feuer entfernt. Begleitet von einem leisen Sirren, landete die Agentin in dem kahlen Hinterhof. Sie ging auf die Knie, da sich vor ihren Augen ein grässlicher Anblick im wahrsten Sinne des Wortes ausbreitete. Inmitten einer sich ausbreitenden, den schmutzigen Erdboden rot verfärbenden Blutlache lagen die leblosen und kopflosen Leichen zweier Kinder.

      ~

      Ilha no Meio, ein Anwesen

      Steif, wie immer mit durchgestrecktem Rücken, saß Domenico in dem ländlichen Gebäude, welches mit seinem fehlenden Luxus seinen Ansprüchen eigentlich nicht genügte. Sein Blick glitt durch den etwa zehn Meter breiten und doppelt so langen Raum, an dessen der Tür gegenüber liegendem Ende er saß. Der Boden bedeckt mit schmuddeligen, abgewetzten Teppichen, durch die manchmal sogar bereits der nackte Erdboden hindurchschimmerte. Die Wände aus mattrotem Mauerwerk, kahl und ohne Zierde. Die archaisch anmutende Feuerstelle, noch dazu in dieser Halle und nicht in einer separaten Küche. Einfach gezimmerte Möbel ohne jeden Komfort und ohne Schönheit. Wenigstens gab es noch ein getrenntes Schlafzimmer. Einen erfreulichen Anblick bot der Raum jedoch schon: das auf dem Tisch vor ihm sich stapelnde Geld, insbesondere die abgenutzten, aber trotzdem immer noch wertvollen Scheine. Sein zusammengekniffener Mund, einziges Zeugnis seiner Frustration über dieses Haus, entspannte sich. Ja, das Geschäft lief ganz gut. Dennoch würde er sich bald überlegen müssen, weiter zu ziehen. Nicht nur, dass hier in diesem unzivilisierten Land nicht so viel zu holen war, nein, jetzt hatte dieser inkompetente Marinekapitän auch noch einen Steckbrief von ihm angefertigt. Die Abgeschiedenheit sollte doch eigentlich ausreichen, aber diese dummen, verbohrten Einwohner hatten es doch geschafft, ihn auffliegen zu lassen. Wer weiß, wann er gefunden würde, wer weiß, ob überhaupt jemand nach ihm suchte, aber um ehrlich zu sein, so wie er die Boten der Apokalypse kannte, sollte er ihnen besser nicht über den Weg laufen.
      Dennoch, Domenico machte sich keine übermäßigen Sorgen und so begann er das eingenommene Geld zu zählen.

      Kapitel 7 - Anfang

      Vila, Slum von Albacete

      Zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren benetzten Tränen ihre Wangen. Durch den Schleier der salzigen Flüssigkeit, der einen feuchten Vorhang vor ihre Augen zog, sah sie verschwommen und unscharf. So verbargen sich barmherzigerweise vor ihrem Blick die immer noch blutenden, glatt durchtrennten Stümpfe und die im Dreck zwischen von Unkraut bereits teilweise bedecktem Schrott daliegenden Köpfe. Aus den verschmutzten Gesichtern starrte sie noch der entsetzte, ungläubige Blick an, mit dem der Tod die Kinder ereilt hatte.
      Mit zitternden Händen wischte sich Hydra über die Augen, sie konnte nicht anders, als hinsehen. Unverschleiert jeden einzelnen Blutstropfen erkennen, der sie ihrer Schuld gemahnte. Die jungen Gesichter sahen sie, so kam es ihr vor, mit ihren weit aufgerissenen Augen anklagend an, als wollten sie ihr mitteilen, dass es ihre Schuld war, womit die Toten recht hatten, wie es ihr bewusst wurde.
      Die schwarzen ungeschnittenen Haare waren mit Blut und Dreck verschmiert und umrahmten die Gesichter beider Kinder. Langsam strich Hydra ihnen das Haar aus den Angesichtern und schloss den Toten die Lider. Jetzt gaben die leblosen, anklagenden braunen Augen endlich Ruhe, aber die Agentin konnte den Blick nicht aus ihrem Kopf verbannen. Sie saß einfach nur da, ohne Gedanken, aber erfüllt von einem Gefühl der Schuld.
      Das knisternde Brüllen des Feuers weckte sie aus ihrer Starre. Als die rote Flut, glänzende Funken versprühend, das Holz hinter ihr verschlang, erhob sich die junge Frau. Sie hatte eine Entscheidung getroffen, keine, über die sie nachgedacht hätte. Es waren ihre Emotionen gewesen. Lange unterdrückt, brachen sie sich Bahn und jetzt wusste Hydra eines mit Sicherheit: so ging es nicht weiter. Dann sah sie ihre Zukunft vor sich, klar und ohne Zweifel. So musste es sein und nicht anders.
      Als sie den Slum betreten hatte, war sie als Hydra, Agentin der CP-0 gekommen. Jetzt, wo sie ihn wieder verlassen würde, ging sie als Alatea, niemandes Diener. Dieses Mädchen hatte den Turm in ihrem Innern zum Einsturz gebracht, durch ihre Worte, aber mehr noch durch ihren Tod. Ihr zu Ehren würde sie diesen Namen tragen. Ein neues Leben. Um des Mädchen willens, aber auch für sich. Ein Leben, in welchem sie nicht mehr töten würde. Ein Leben, in dem nicht Gewalt an der Tagesordnung war. Die Entscheidung war gefallen. Gerade noch rechtzeitig sprang sie in die Luft, bevor die gierigen Flammen sie erreichten. Einen letzten Blick warf sie noch zurück zu den bereits vom Feuer überzogenen Leichen. Sie neigte den Kopf und flüsterte mit von Tränen erstickter Stimme:
      „Ruhet in Frieden!“
      Dann ließ sie die Flammenhölle hinter sich zurück und damit auch ihre Trauer, ihren Zorn und ihr altes Leben. Doch kaum übernahm ihr Verstand wieder die Oberhand, regte sich ein bohrender Verdacht in ihr. Eine solche Wunde war viel zu glatt, als dass sie jemand ungeübtes hätte schlagen können. Und überhaupt, wer würde schon zwei Kinder töten? Sie aber kannte eine Person, die in der Lage dazu gewesen wäre. Wutentbrannt schrie sie den Namen ihres Partners in den von dichtem schwarzem Rauch verhangenen Himmel, jegliche Vorsätze vergessend, als sie von blindem Zorn überwältigt wurde.
      Zu keinem klaren Gedanken fähig, machte sie vor sich die Mauer aus. Hoch ragte sie auf und trennte den brennenden Teil der Stadt ab von dem friedlichen Viertel, dessen Bewohner aber anscheinend keinerlei Interesse an dem ungeheuren Unrecht besaßen, welches sich, nur durch diese steinerne Grenze von ihnen getrennt, ein paar Meter entfernt abspielte. Am geschlossenen Tor machte sie eine Dreiergruppe Wachen aus, die in einer irrsinnig obszönen Aktion Fleisch an Stöcken über dem gewaltigen Feuer unter ihnen brieten. Die ehemalige Agentin fühlte das Blut ihn ihr kochen. Ihr gesamter Zorn kanalisierte sich auf diese drei, die sich der drohenden Gefahr nicht bewusst, lachend unterhielten. Ihr rechter Arm wurde von blau schimmernden Schuppen überzogen, dann formte sich ihre Hand zu einem weit aufgerissenen Maul, dessen gespaltene Zunge in freudiger Erwartung des baldigen Blutstroms zischelnd vor und zurückschnellte. Mit einem letzten Abstoßen katapultierte sich Alatea, wieder als Hydra agierend, auf den steinernen Weg auf der Mauer. Mit einem Wutschrei schleuderte sie ihren in unheimlichem Maße in die Länge wachsenden Arm auf die in jähem Entsetzen verstummenden Soldaten. Pfeifend schoss der mit Fangzähnen bewehrte Schlangenleib durch die Luft und fegte mit müheloser Eleganz den ersten Wächter wie eine Puppe von der Mauer. Der klatschende Aufprall hatte dem Mann die Luft aus den Lungen getrieben und so fiel er nur von dem Knirschen brechender Rippen begleitet in das Feuer. Ohne auch nur an Geschwindigkeit zu verlieren, hatte der eckige Schlangenkopf bereits sein zweites Opfer erreicht und bohrte seine fingerlangen Zähne in das ungeschützte weiche Fleisch der unter dem Helm hervorlugenden Kehle. Blut spritzte föntanenartig aus dem Hals, das Genick durch die Wucht des Bisses bereits zerbrochen. Der letzte Wächter wollte schreiend fliehen, doch bevor er auch nur einen Schritt geschafft hatte, holte ihn der der jetzt mit Blut bespritzte Schlangenarm ein. In Sekundenbruchteilen wand sich das Reptil mehrfach um den sich verzweifelt um Befreiung zuckenden Körper. Würgend spie der Mann Blut, ein jämmerliches Wimmern folgte, als der Druck anfing, sein Skelett zu zerbrechen. Mitleidslos sah Hydra dem Sterbenden zu, erhöhte nur langsam den Druck. Aus den Augen, Ohren und der Nase liefen rote Rinnsale als der die Rüstung mühelos zerquetschende schuppige Muskelstrang sich endgültig zusammenzog. Ein letztes Röcheln, dann war es still. Die übel zugerichtete Leiche aus ihrem Würgegriff entlassend, kehrte Hydra aus ihrem Blutrausch zurück in die Welt. Der rote Vorhang vor ihren Augen verblasste und die Farben verloren ihre Intensivität. Ein leises Klatschen ertönte, als die tote Masse, die einstmals ein Bürger Vilas war, auf der Mauer aufkam. Als ihr Arm wieder auf die gewohnte Länge geschrumpft war, seine Schuppen verblassten und durch ihre fahle Haut ersetzt wurden, klangen auch ihre Emotionen ab. Sie ließ ihren Blick über das fürchterliche Blutbad wandern. Als wäre mit ihrem Zorn auch jede Kraft von ihr gegangen, sank sie zu Boden und kniete vor den beiden leblosen Körpern.
      „Was habe ich getan?“
      Alatea schlug die Hände vor das Gesicht, unfähig das Blut zu ertragen. Gerade noch hatte sie ein neues Leben beginnen wollen, ein Leben ohne Tod und ohne Blutvergießen. Aber keine Minute hatte es gedauert, da fing sie schon wieder an zu morden. Tränen strömten unter ihren Händen hervor, als sie sich reglos dasitzend hinterfragte, ob sie jemals ihrem alten Leben entkommen konnte.

      ~

      Ilha no Meio, einige Monate zuvor

      Jeder Bewohner, egal, wo er war, machte sich auf zum Brunnen, denn in diese Richtung flog der schwarz befiederte Mann, der sich dunkel drohend vor dem Himmel abhob. Langsam begann sich der Platz zu füllen, als sämtliche Einwohner stehen und liegen ließen, womit sie gerade beschäftigt waren. Noch bevor der Strom jedoch das Rund zu überfluten vermochte, setzte Domenico bereits zur Landung an. Ein letztes Flattern, welches die umstehenden Frauen zurücktrieb, dann setzte er auf der Umrandung des Brunnens auf. Kaum gelandet, flossen die Federn zurück in seinen Körper. Noch während er sich vor den mit ängstlicher Neugier erfüllten Blicken den Staub von seinem Anzug wischte, erreichten im Laufschritt seine Gefolgsleute den Platz. Ihre massigen Körper trieben einen Keil in die Anwesenden, die so langsam begannen, sich dicht an dicht zu drängen. Rasch bildeten die bedrohlich blickenden Männer einen schützenden Ring um den Brunnen.
      Völlig entspannt widmete sich Domenico der Säuberung, anscheinend das Stimmgemurmel nicht wahrnehmend. Endlich, als er sicher war, dass das Dorf versammelt um ihn stand, hörte er auf. Er hob die Arme und setzte ein breites, falsches Lächeln auf. Besorgte Stille trat ein.
      „Freut euch! Heute werdet ihr in den Schutz des schwarzen Engels kommen.“
      Abschätzend musterte er die Bewohner. Er sah die meist einfache Kleidung, ungefärbt, aber gut für die Arbeit. Nur selten deutete ein Farbtupfer in der Menge auf jemanden mit mehr finanziellen Mitteln hin. Keine reichen Leute, aber in der Summe würde es sich schon lohnen. Ehe jemand ihn unterbrechen konnte, fuhr Domenico fort:
      „Bezahlt die heilige Spende und ihr werdet vor allem Unheil geschützt sein. Bezahlt nicht, dann wird das Unheil über euch hereinbrechen. 10000 Berry, jeden ersten Montag, oben in Cidade do Meio, für jeden von euch.“
      Die Ankündigung sorgte für entsetzte Blicke unter den Bewohnern. Das ging viel zu schnell, den überrumpelten Einwohner fehlte die Sprache. Nur einer wagte sich und ergriff das Wort. Ein junger Mann, über den beigen Kittel ein Netz geworfen, hatte keine Angst und keine Sorge im Gesicht. Stattdessen zeigte es Zorn und so schrie er:
      „Wir wollen keinen Schutz. Wir brauchen keinen Schutz! Wir-“
      Mehr brachte er nicht heraus, denn bevor auch nur jemand mit der Wimper zucken konnte, hatte Domenico seine Pistole gezückt und einen Schuss abgefeuert. Ungläubig fasste sich Arturo, Iras Bruder, an die Brust. Sein Hemd hatte sich rot gefärbt und als der sich ausbreitende Fleck unter seinen Fingern hervorquoll, brach der mutige und jetzt tote Mann zusammen.
      „Arturooooo!“
      Verzweifelt schreiend bahnte sich Ira seinen Weg zu seinem Bruder, doch vergeblich. Kein Atem kam über seine Lippen, kein Herzschlag erfüllte seine Brust mit Leben. Hasserfüllt starrte er empor zu diesem Dämonen, doch so wütend er auch war, die Pistole zwang ihn zur Ruhe.
      Diesmal erfüllte ein ehrliches Lächeln Domenicos Gesicht.
      „So ergeht es denjenigen, die meinen Schutz nicht haben wollen. Vergesst nicht, jeden Montag, jeden einzelnen von euch, egal wie jung oder alt. Ich will euch alle sehen.“
      Ohne eine weitere Reaktion abzuwarten, hatte er seinen Standpunkt bereits deutlich genug gemacht, sprossen wieder die Federn aus seinen Armen und der schwarze Engel erhob sich in die Lüfte.

      Zurück in der Gegenwart

      Erregt war Ira aufgesprungen, Zorn und Trauer wechselten sich auf seinem Gesicht ab. Die aufwühlende Erinnerung ließ ihn umhertigern. Einen Moment holte er tief Luft, schien sich wieder zu beruhigen, dann fuhr er fort:
      „Was sollten wir machen? Wir sind Farmer, Bauern, Fischer, Handwerker und keine Kämpfer. Seit diesem Tag waren wir jeden ersten Montag oben in Cidade do Meio. All unser Geld müssen wir aufwenden, um zu zahlen. Wir haben gesehen, was geschieht, wenn jemand sich weigert, oder nicht zahlen kann. Wie meinen Bruder knallt er sie ab.“
      Von Trauer übermannt hielt Ira inne. Galayn hatte schweigend zugehört, zunehmend war sein gleichmütiger Gesichtsausdruck jedoch Abscheu gewichen. Er hatte genug gehört. Es gab nur noch eines, was er wissen wollte:
      „Wo ist dieser schwarze Engel?“

      ~

      Vila, Albacete

      Immer noch saß Alatea vor den Leichen, den Kampf mit ihren inneren Dämonen ausfechtend. Konnte sich ein Mensch ändern? War es ihr Schicksal, für immer den Tod zu verbreiten? Für einen Moment war sie sich sicher gewesen, neu anfangen zu können. Doch wie konnte sie dies schaffen in einer Welt voller Gräueltaten, in der ein Volk sich gegenseitig abschlachtete? Ihre Hände krallten sich in die rauen Fugen des Steines, als könnte er ihr Halt geben. Aber nein, natürlich konnte er dies nicht. Wie auch, es war nichts als toter Stein. In ihre Hoffnungslosigkeit hinein vernahm sie entfernt, gedämpft durch ihre Verzweiflung, die sie von der Welt draußen isolierte, Schreie. Mehr aus einem Reflex heraus hob sie den Kopf und strich sich das Haar aus dem Gesicht. Das gellende, von Schmerz und Todesangst zeugende, Gebrüll kam aus dem Slum. Klar, immerhin verbrannten dort die Menschen. Wieder einmal war der Tod nötig, um Alatea aufzurütteln. Wie der Rauch, der von einer auffrischenden Brise auseinandergetrieben wurde, befreiten sie die Schreie von ihrem dumpfen Brüten.
      Angewidert warf sich Alatea ihren Egoismus vor. Da unten starben Männer, Frauen und Kinder, vielleicht arm, vielleicht wirklich kriminell, aber immer noch Menschen. Und sie? Versank in Selbstmitleid und Verzweiflung. Einen kurzen Moment flammte Zorn auf, der Wunsch zum Palast zu gehen und dieses ganze verlogene Pack umzubringen. Doch diesmal war sie aufmerksam. Sie schüttelte den Kopf. Diesmal würde niemand sterben. Diesmal würde sie es besser machen. Das war sie den Toten schuldig. Befreit von ihrer Last, erhob sie sich. Tränen der Freude flossen ihre Wangen hinunter, denn sie würde leben, ein wirkliches Leben, nicht dieses Scheinleben, welches sie bisher geführt hatte.
      Alatea sprang die Mauer herunter, auf das vornehme Pflaster der Straße. Beschwingten Schrittes ging sie fort, wohin wusste sie nicht. Hauptsache fort, denn sie wollte nichts mehr mit allem hier zu tun haben.
      Doch schon bald holte sie die Realität ein. Als sie die verlassene Straße, vorbei an geschlossenen Läden und verriegelten Häusern, Symbolen der Einwohner, die ihre Augen vor den Geschehnissen in den Slums verschlossen, bis zur nächsten Kreuzung durchwandert hatte, sah sie die Gestalt in dem Kapuzenmantel. Mahnend stand sie da, keine zwanzig Meter die rechte Abzweigung entlang. Ein Windstoß wirbelte den braunen Stoff umher, bauschte den Mantel auf und blies dem Mann die Kapuze vom Kopf. Darunter entblößte sich die blutrote Maske Kills.
      Überrascht stellte Alatea fest, dass sie nicht mehr den Wunsch verspürte, Rache zu nehmen. Sie hielt inne, dann erhob sie die Stimme, gab ihr einen festen Klang:
      „Ich bin raus.“

      Kapitel 8 - Innenschau

      Vila, Albacete

      Kill schien keinesfalls überrascht, wenngleich das wegen seiner Maske nur schwer festzustellen war. Seine linke Hand tauchte in die Dunkelheit seines Mantels ein, blieb aber vorerst dort verborgen.
      „Man verlässt die CP-0 erst mit dem Tod. Aber soll doch der Direktor entscheiden, ob du noch eine Chance erhältst.“
      Kaum hatten die Worte seinen Mund verlassen, kam auch sein Arm aus dem groben Stoff hervor und offenbarte die schwarz gefärbte Teleschnecke Kills. Alatea war nicht besonders schockiert, hatte sie doch nicht erwartet, bei Kill auf Verständnis zu stoßen. Tatsächlich begann ihr zu dämmern, dass sie wohl um ihre Freiheit würde kämpfen müssen. Sie ballte instinktiv die Fäuste.
      „Steh mir nicht im Weg. Ich will nicht mehr kämpfen, aber ich komme entweder tot oder gar nicht zurück.“
      Schon als sie die laute Warnung ausgesprochen hatte, war ihr klar, dass es keinen Sinn hatte. Immerhin ließ der Agent die Teleschnecke wieder sinken. Zu ihrer Überraschung griff Kill zu seiner immer vorhandenen Maske und entblößte sein Gesicht.
      Alatea war kurzzeitig enttäuscht, hatte sie doch etwas Besonderes erwartet. Aber in Wirklichkeit war das Gesicht ihres Gegenübers nicht von Narben entstellt oder sonderlich hässlich. Die etwas knollige Nase war an der Spitze gerötet, vermutlich durch die Reibung an der Maske. Die so ausdruckslosen starrenden Augen blickten sie an, als sich der verkniffene Mund in die Breite zog und die ob mangelnder Luft etwas unreine Haut zerknittern ließ. Die von dem Lächeln entblößten gelben Zähne zogen ihren Blick mit ihren unregelmäßigen Reihen an.
      „Jetzt ist es persönlich. Chance vertan. Ich mag es nicht, wenn man mir droht. Und ich mag auch niemanden, der unsere Sache verrät. Parere!“
      Alateas Augen weiteten sich und wurden plötzlich leer. Jahrelang eingetrichterte Zwänge hielten ihren Geist gefangen. Das Wort hatte sie wieder zurück in Hydra gewandelt. Jeglicher Gedanke an Freiheit war wie weggewischt. Und doch, etwas war anders. Tief in ihrem Bewusstsein vergraben, überlagert von Erinnerungen an vergangene Schläge, Lektionen und Belohnungen, den endlos vielen Belehrungen, stemmte sich ein kleiner Rest Alateas gegen das drohende Vergessen.
      Ohne jede körperliche Reaktion registrierte Hydra, wie sich Kill ihr langsam näherte, dessen Augen endlich eine Emotion zeigten. Hass funkelte ihr entgegen und der im Zorn gezogene Dolch war bereit ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber Hydra, die an der Oberfläche die Kontrolle behielt, wartete emotionslos ab, gewillt den Tod zu empfangen, denn wer immer dieses Wort sprach hatte die Kontrolle über Körper und Geist. Solange Kill sie nicht wieder aus ihrer Passivität erlöste, würde sie stehen bleiben.
      Verzweifelt wollte Alatea ihre Beine in Bewegung setzen, probierte, ihre Arme zu heben und zu kämpfen. Vergeblich. Auch wenn sich die Zeit endlos zu dehnen schien, trennte sie nur noch wenige Schritte von dem sich unaufhaltsam nähernden Agenten. Hoffnungslos angesichts ihrer gescheiterten Bemühungen, gab Alatea jeden Widerstand auf. Noch fünf Schritte, vier, drei, der Dolch hob sich bereits. Im Angesichte des Todes verstummten ihre hektischen Gedanken und Stille kehrte ein. In diesem Moment, als Kill zum letzten Schritt anhob, kam ihr die Erleuchtung. Es war gar kein Widerstand nötig. Tatsächlich hatte sie ihr blinder Versuch die Wahrheit zu verdrängen nur noch tiefer in die Stricke der Konditionierung verheddert, zumindest stellte es sich Alatea so bildlich vor. Ihre Erkenntnis benötigte keine Zeit. Sie war nicht frei und das war die Wahrheit. In ihrer Beobachtung dieses einen Sachverhaltes löste sich jeder Kampf gegen sich selbst auf. Sie war nicht länger Alatea, getrennt von Hydra, sondern es gab nur eine Person, nannte sie sich nun Alatea oder Hydra. Ihre Einsicht verschaffte ihr den inneren Frieden, der ihr gefehlt hatte. Sie war eins und als solches auch in der Lage, frei zu sein. Es war kein aus ihren Gedanken geborenes Wissen, sondern sie hatte gesehen. Ihr war klar, dass sie es niemals würde in Worte fassen können, aber für diesen einen Moment, hatte sie die Wirklichkeit akzeptiert und sich gelöst von dem dumpfen Druck der Vergangenheit.
      Mühelos machte sie einen Schritt zurück und wich elegant dem Dolch aus. Sie fing den Ausdruck von Angst in den Augen Kills auf. Von dem Momentum seines Angriffes getragen, konnte der Agent seine Bewegung nicht mehr stoppen. Wie ein Papier im Wind drehte sich Alatea zur Seite, ließ ihren Feind passieren. Schlitternd kam Kill auf dem Pflaster zum Halten, doch zu spät, ihn traf das gestreckte Bein der desertierten Agentin mit voller Kraft im Rücken. Trotz seines Tekkais wurde er weggeschleudert, prallte, eine Wolke aus Staub und Steinsplittern verursachend, in ein Haus. Die Erschütterung drang ihm durch alle Knochen, hatte aber seine Wirbelsäule nicht gebrochen. Alatea sah Kill zu, wie er sich kopfschüttelnd aus den Trümmern befreite.
      „Wie kann das sein? Du solltest nicht kämpfen können, Hydra.“
      Die fassungslose Stimme drang aus dem aufgewirbelten Staub zu ihr herüber.
      „Ich nenne mich nicht mehr Hydra. Ich bin auch nicht mehr nur Hydra. Ich bin auch Alatea, frei von der Vergangenheit. Nie wieder wird man mich herumkommandieren können.“
      Leicht hinkend schälte sich der staubbedeckte Agent aus dem Krater, den er in dem doppelstöckigen Haus hinterlassen hatte. Ein Licht ging Alatea auf.
      „Weißt du, beinahe könnte ich Mitleid mit dir bekommen. Kein Wunder, dass du solch einen Hass hegst. Ich bin den Schritt gegangen, den du dir so herbeisehnst, aber nie wirst gehen können.“
      Kills Schweigen war ihr Antwort genug. Sie stellte sich dem wütenden Blick des Agenten, bemerkte aber die immer wieder aufflackernde Furcht. Wenn sie etwas in dem Gesicht eines Menschen lesen konnte, dann war es Angst. Wo sie auftauchte, da herrschte Angst und so bekam sie kaum mal etwas anderes zu sehen. Reglos blieb Alatea stehen, erwartete die Reaktion des zwar angeschlagenen, aber keinesfalls geschlagenen Agenten. Würde er immer noch kämpfen?
      Kill verschwand nicht, zog aber auch keinen Dolch. Stattdessen wählte er eine Nummer. Alatea ließ ihn gewähren, noch von der Hoffnung beseelt, einen friedlichen Ausweg finden zu können.
      „Ja?“
      Die Stimme des Direktors drang etwas gereizt aus dem Hörer und ließ Kill leicht zusammenzucken. Trotzdem antwortete er:
      „Wir haben ein Problem. Hydra hat beschlossen, uns zu verlassen. Und sie reagiert auch nicht mehr auf das Schlüsselwort.“
      Zufrieden hörte Alatea den leicht panischen Unterton aus dem letzten Satz heraus. Falls der Direktor von der Nachricht getroffen war, ließ er es nicht verlauten. Nur die kurze Pause deutete auf seine Überraschung hin. Dann sagte er mit einer übermäßig freundlichen Stimme:
      „Hydra-“
      Den Namen wollte sie nicht mehr hören, also fiel ihm die ehemalige Agentin ins Wort:
      „Ich bin jetzt Alatea. Lass mich gehen oder versuche mich töten zu lassen. Aber komm mir nicht mehr mit deinen zuckersüßen Lügen. Deine Netze habe ich endgültig zerrissen.“
      Mit leicht geröteten Wangen, die ihr sonst so totenblasses Gesicht belebten, wartete sie auf die Reaktion des Direktors. Doch dann fiel ihr noch eine Frage ein:
      „Und übrigens: wie habe ich wirklich geheißen? Niemand heißt Hydra, also komm mir nicht damit.“
      Fast rechnete sie nicht mehr mit einer Antwort, als die Zeit verstrich, doch endlich, ihr kam es wie eine Ewigkeit vor, kam die Antwort, hart und keine Freundlichkeit mehr vortäuschend:
      „Ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich sicher. Du bist tot.“
      Kein Hass, tatsächlich keine einzige Emotion klang heraus. Nur wenn man den Direktor hätte sehen können, wäre einem der innere Kampf aufgefallen, den er ausfocht, um ruhig zu bleiben. Mit der gleichen monotonen Stimme fuhr er fort:
      „Kill, du wirst sie töten, solange gibt es keinen anderen Auftrag, der dich ablenken wird. Ich werde dir Haze zur Unterstützung senden.“
      Bevor es mit seiner Selbstbeherrschung vorbei war, legte der Direktor auf. Dann durchdrang ein Wutschrei sein Büro. Das sollte nicht passieren und schon gar nicht im Moment. Ein schlechtes Bild konnte er sich nicht leisten, aber jetzt war es zu spät. Wenn sie die Konditionierung durchbrochen hatte, blieb nur noch die Exekution. Seine vielleicht gefährlichste Agentin war auf freiem Fuß und er bezweifelte, ob dies dauerhaft geheim zu halten war.

      ~

      Ilha no Meio

      Der Wind, den seine Bewegung ihm ins Gesicht blies, wirkte belebend. Auf dem Weg nach Nordwesten breitete sich vor ihm eine wellige Hügellandschaft aus. Rechterhand stieg das Terrain zu einem zerklüfteten kahlen Berg an, an dessen Fuß sich vom Wind verdrehte kleine Bäume schmiegten. Mit ausgreifenden Schritten setzte Galayn über die verstreut daliegenden Felsbrocken hinweg, den Blick auf Iras Rücken gerichtet. Der Mann hatte sich für ihn wenig überraschend als Führer angeboten und er wollte mit Sicherheit niemanden vor den Kopf stoßen. Er hatte es nicht übermäßig eilig und passte sich dem zwar noch zügigen, aber für seine Verhältnisse eher langsamen Tempo an. Seit sie vor etwa einer Stunde durch die grünenden Felder laufend den Bereich des Dorfes verlassen hatten und von da an durch die von kleinen zähen Gräsern bewachsenen Weite der dahinter liegenden Landschaft ihren Weg fortsetzten, hatte Ira seine Geschwindigkeit kein einziges Mal verändert. Den Kopf gesenkt, den Blick fest auf den Boden vor ihm gerichtet, war er wortlos gelaufen. Das kam ihm entgegen, war er doch ein großer Freund von Stille. Sie gab ihm die Möglichkeit, die Natur zu betrachten und sich Gedanken zu machen. Kurzfristig beobachtete er eine der kleinen braun gefleckten Schlangen, die sich von hinten auf ein kleines Nagetier zuschlängelte. Für einen absurden Moment konnte sich Galayn nicht entscheiden, ob er auf die Flucht des Säugers hoffen, oder sich lieber den Erfolg der Schlange wünschen sollte. Noch an dieser ganz faszinierenden Frage arbeitend, hatte der Überlebenskampf des Nagers schon ein abruptes Ende gefunden. Kurz zuckten die kleinen Beine noch, während aus den in seinen Körper vergrabenen Fangzähnen unerbittlich das tödliche Gift in sein Blut rann. So war der Lauf der Natur, dachte sich Galayn, als er an der erfolgreichen Schlange vorbeilief, sorgsam zwischen den vereinzelt herumliegenden Reptilien seinen Weg suchend. Als er einen letzten Blick über die Schulter warf, sah er, wie auch den Jäger sein Schicksal ereilte, als eine im Vergleich gigantisch wirkende gelbliche Schlange hoch aufgetürmt auf das kleine braun gefleckte Reptil hinuntersah.
      Auch wenn er den Überlebenskampf der Natur spannend fand, richtete Galayn den Blick wieder nach vorne, zurück auf den langweiligen Boden, um die seiner Geschwindigkeit angemessene nötige Aufmerksamkeit walten zu lassen.
      Jetzt, wo er die auf die Dauer doch recht eintönige Landschaft mit ihren seltenen Bäumen, klein und mit ledrigen Blättern, ohne ein Gewässer weit und breit genug betrachtet hatte, fingen seine Gedanken an zu wandern.
      Wo er auch hinkam, anscheinend war der Mensch unfähig zu leben, ohne dass es welche gab, die andere unterdrücken mussten. Kein Vergleich zu den Tieren, die obwohl kaum vernunftbegabt, doch in dieser Hinsicht dem Menschen so überlegen schienen. Sei es nun die kleine Schlange, oder die große Gelbe, sie töteten nicht für Macht, sie kämpften ausschließlich für ihr Überleben, um ihren Hunger zu stillen. Sie kannten keinen Hass, wollten nicht herrschen. Warum war die Welt so gemacht? Galayn wusste es nicht, aber er wusste auch, dass er seinen Anteil an der menschengemachten Gewalt gehabt hatte. Aber auch, wenn er diese Zeit hinter sich gelassen hatte, wäre es zu einfach gewesen, seine darauf folgende Hilfsbereitschaft an diesem einem Punkt festzumachen. Nicht nur Buße, denn das war es bestimmt nicht. Ebenfalls lag es nicht nur an seinem großen Herz, denn das hatte er auch nicht. Vielleicht war es auch eine gewisse Trotzreaktion, aber daran wollte er sich gar nicht erinnern. Tatsächlich war es eine Mixtur, die seine Wirkung entfaltet hatte, als er den Feuern entkommen war, die seine Hoffnung auf ein friedliches Leben verzehrt hatten. Dauerhafte Entsagung konnte es nicht geben. Wer Macht besaß, würde sie einsetzen, früher oder später. Zumindest traf es auf ihn und die meisten anderen Menschen zu, sonst wäre er ja kaum wieder hier. Und er wusste, er würde seine Fähigkeiten einsetzen. Er hoffte, dass die Weltregierung ihn nicht enttäuschte, denn ihm war klar, dass er sich niemals wieder würde unterordnen können. Gerade weil er wusste, wie fürchterlich ein Leben ohne Selbstbestimmtheit war, konnte er auch Domenico nicht verzeihen.
      Unbewusst suchte Galayn nach wie vor die Umgebung ab, und so richtete sich seine Aufmerksamkeit zurück in die Wirklichkeit. In absehbarer Zeit würden sie die Ausläufer eines weiteren zerklüfteten Berges erreichen, die diese Insel prägten. Sein geübter Blick schätzte ab, ob es dort Eisen geben würde. Er schüttelte den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Diese Zeit war auch vorbei.
      Eine kleine Zeitspanne später hielt Ira am Fuß des Berges an. Hier ging die spärlich bewachsene Ebene über in einen kleinen Wald. Die Atmung seines Führers war nur unwesentlich beschleunigt, als er einen Wasserschlauch von seinem Gürtel nestelte. Er trank gierig ein paar Schlucke im Schatten eines glattrindigen Baumes. Als er den Verschluss wieder eingestöpselt hatte, deute er mit dem Schlauch auf den Wald:
      „Dahinter liegt unser Ziel. Es dauert noch etwas eine halbe Stunde.“
      Galayn nickte nur ungeduldig. Wieder nahmen sie ihren Lauf auf, diesmal unter dem kühlenden Schatten der Bäume. Der Weg, gesäumt von kleinen Büschen, war nicht mehr als ein Trampelpfad. Viel wuchs hier sonst nicht, keine Schlingpflanzen, keine blühenden Blumen. Immerhin fehlten auch die großen Insektenschwärme, die man hätte erwarten können. Dafür mussten sie aufpassen, nicht auf Schlangen zu treten, oder in von den Ästen herabhängende Reptilien hinein zu laufen. Galayn war erstaunt, wie sicher Ira sich durch diese lebenden Hindernisse bewegte, andererseits musste man auf dieser Inselgruppe wohl oder übel lernen die Schlangen zu meiden.
      Wie vorausgesagt, dauerte die Durchquerung nicht sonderlich lange. Kurz bevor sie den Hain verließen, sah Galayn etwas abseits vom Weg Wasser aufblitzen, entschied sich aber dagegen, einen Umweg zu machen.
      Die letzten Ausläufer des Waldes hinter sich lassend, kamen die beiden zu einer Reihe von Feldern, die aber sträflich vernachlässigt wirkten. Unkraut überwucherte die zarten Spitzen des angebauten Getreides. Hier war schon länger niemand gewesen. Ira knurrte zwischen zusammengebissenen Zähnen:
      „Der hier lebende Gutsherr wollte sein Haus nicht Domenico überlassen. Einen Knecht hat dieser Dämon am Leben gelassen, damit er erzählt, was geschehen ist. Hat ihm gesagt, so dient er ihm besser.“
      Galayn wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Das radikale Vorgehen schien jeglichen Gedanken an Widerstand im Keim erstickt zu haben, aber auf die Dauer würde es sich wohl kaum positiv auszahlen. Nicht, dass das jetzt noch eine Rolle spielte.
      Eine letzte Kurve, dann sah er kaum eine Steinwurf entfernt das Gutshaus stehen. Ein langgestrecktes steinernes Gebäude dessen Dach gedeckt war mit richtigen, tönernen Ziegeln und nicht mit den sonst üblichen Stauden. Ins Auge fiel ihm aber eher der eine Wachposten, der rechts vor dem Haus herumlungerte und seinen Blick aber nur sporadisch auf die nach Osten führende Straße richtete.
      Galayn lächelte. Er vermochte es nicht zu leugnen, dieser Part machte ihm Spaß. Seine Dolche lockernd überholte er Ira und bedeutete ihm, zurück zu bleiben. Dann nahm er Geschwindigkeit auf und strebte dem Haus entgegen.

      ~

      Im Inneren des Gutshauses

      Lustlos stocherte Domenico auf seinem Teller herum. Seine Männer mochten zwar beeindruckend aussehen, aber kochen konnten sie definitiv nicht. Er bezweifelte, dass es bei den ländlichen Zutaten überhaupt seinen Ansprüchen genügen konnte, aber auch im Schlechten gab es Unterschiede. Für einen Moment war er versucht, den Koch zur Verantwortung zu ziehen, aber dann verwarf er den Gedanken. Seine Männer waren zu wertvoll in seiner jetzigen Situation. Kurz ließ er den Blick den Tisch entlangschweifen. Seine Männer tafelten auf eine äußerst unappetitliche Weise. Mit bloßen Händen zerrissen sie angekokelte Fleischstücke in handliche Brocken, manche waren immerhin zivilisiert genug, ein Messer dafür zu verwenden, nutzten ihre dreckigen Finger aber nach wie vor als Hauptbesteck. Mit geöffnetem Mund sprachen und kauten sie gleichzeitig und dazu noch alle durcheinander. Domenico hatte es längst aufgegeben zuzuhören und widmete sich lieber anderen Dingen. Jetzt, wo der Preis für den Monat gespendet worden war, gab es nichts Dringliches zu planen. Also erlaubte er es sich, den Blick in die Vergangenheit schweifen zu lassen. Zurück in die Zeit, wo er noch als Adeliger in angemessenen Verhältnissen gelebt hatte. Tief war er gesunken, wahrhaftig. Die Schuld dafür bei sich zu suchen kam ihm nicht in den Sinn. Er nahm es dem König immer noch übel, dass er ihn verbannt hatte. Das war alles, was Domenico in den Kopf kam, wenn er zurück blickte. Immer nur dieser Bannspruch. Er erinnerte sich noch gut an die Gerichtsverhandlung. Die Tatsache, dass er vor ein Tribunal gezwungen wurde, regte ihn auf. Wirklich zu schade, dass Menschen nur einmal sterben konnten. Unglaublich, dass ein Adeliger sich verteidigen musste.
      Es waren doch nur ersetzbare Diener und Arbeiter gewesen. Gut, vielleicht war er etwas hart gewesen, aber ein Diener hatte zu gehorchen. Domenico war nach wie vor unfähig, zu begreifen, wieso ihm keine Hinrichtung erlaubt gewesen sein sollte. Es musste doch Schicksal sein. Er war dazu geboren und bestimmt an der Spitze zu stehen, besser zu sein.
      Seufzend schob er sich ein Stück säuberlich geschnittenes Fleisch in den Mund. Leider hatte es ihm an der Macht gefehlt etwas gegen seine Verbannung zu tun. Auch das war etwas, was Domenico sehr gut in Erinnerung behalten hatte. Diese Ohnmacht, der Mangel an Möglichkeiten etwas zu tun, verfolgte ihn noch immer. Wieder wütend geworden, kaute er heftig.
      Doch da kamen die Boten und überbrachten ihre Botschaft des Todes. Sie gaben ihm die Frucht, mit der die Macht einherging. Er lächelte, als er an den entsetzten Blick dieses hochnäsigen Königs dachte. Ein berauschenderes Gefühl, als diese triumphale Rückkehr in das Land, welches ihn so verräterisch ausgestoßen hatte, war Domenico noch nie begegnet. Ja, die Macht der Boten der Apokalypse war beeindruckend gewesen. Nur durch sie hatte er Rache nehmen können. Leider war seine Freude nur von kurzer Dauer, denn anstatt, dass er wieder zurück in sein altes Leben konnte, forderte die Nummer eins seinen Gehorsam ein. Aber ein Leben in Armut, als Diener? O nein, nicht mit ihm. Also war er geflohen, gezwungen von null anzufangen. Er konnte sich glücklich schätzen, dass er hier her gefunden hatte. Das musste ein Wink des Schicksals sein, dass es ihn immer noch hoch schätzte. Vielleicht noch ein halbes Jahr, dann konnte er wieder leben, wie es ihm geziemte.
      Sein episodenhaftes Betrachten sorgsam gefilterter Vergangenheitsfetzen wurde unterbrochen von dem Krachen seiner gewaltsam aufgesprengten Tür, die sich aus den Angeln gelöst hatte. Aufgeschreckt erblickte er den zusammenbrechenden Körper seiner Wache, die in Richtung Tisch schlitterte. Hinterher folgte ein schwarz gekleideter Mann, dessen violette Augen ihn fixierten. Er fand das Lächeln des Fremden äußerst beunruhigend, nichtsdestotrotz sah er keinen Grund klein beizugeben.
      „Tötet ihn!“, befahl er seinen Männern, die bereits alarmiert aufgesprungen waren und begonnen hatten, den Eindringling zu umkreisen.

      Kapitel 9 – Unausweichliche Konfrontation

      Ilha no Meio

      Es war wirklich kaum zu glauben. Obwohl er keinesfalls sonderlich vorsichtig näher gekommen war, hatte ihn der nachlässige Posten immer noch nicht entdeckt. Fasziniert von solcher Leichtsinnigkeit betrachtete Galayn den Mann vorsichtig, hinter einer Hausecke verborgen. Nicht, dass ihn seine Entdeckung wirklich stören würde, aber je unerwarteter er kommen würde, desto unwahrscheinlicher eine Flucht seines Ziels.
      Mit einem großen Satz überbrückte er die Distanz und landete genau vor dem Wächter, dessen Augen sich vor Überraschung weiteten. Noch bevor er den Schrei herausbringen konnte, der ihm auf der Zunge lag, versenkte Galayn bereits seine Faust im Oberkörper des Mannes. Von der Wucht des Schlages jeglicher Luft beraubt, konnte er wenig mehr als ein ersticktes Keuchen von sich geben, dann prallte er mit dem Rücken gegen die hölzerne Tür, die sich in der gemauerten Wand hinter ihm befand. Wenngleich die Tür unverschlossen war, vermochten die Angeln dem plötzlichen Druck nicht stand zu halten und brachen aus ihrer Verankerung. Über das fallende Holz hinweg beschrieb der Körper der Wache einen Bogen, bevor er auf dem Boden aufschlug. Noch während er durch die neu entstandene Öffnung eintrat, zog er mit geübtem Griff die leicht gebogenen Dolche aus ihren Scheiden. Ein rascher Blick in die Runde zeigte ihm einen länglichen, rustikalen Tisch, an dem acht Männer aßen, auch wenn sie diese Tätigkeit jetzt unterbrachen. An der Stirnseite hob sich der im schwarzen Anzug fehl am Platz wirkende schwarze Engel von seinen rohen Untergebenen ab.
      Ohne Eile fasste er Domenico ins Auge, ignorant gegenüber den sich hastig sammelnden Untergebenen. Immer noch fehlte ihm die Erkenntnis, woher er den Mann kannte. Er war wirklich gespannt, wie sich der schwarze Engel verhalten würde. Seine Augen fixierten zwar den Aristokraten, trotzdem nahm er mehr unterbewusst wahr, wie die Rohlinge Aufstellung bezogen und ihre Waffen zückten. Irgendetwas daran kam ihm seltsam vertraut vor, auch wenn er nicht drauf kam, woher. In seinen Erinnerungsversuch hinein, hörte er die Stimme des schwarzen Engels:
      „Tötet ihn!“
      Da, als, er diese Worte hörte, die Aufstellung der Männer um ihn herum, die einen unregelmäßigen Halbkreis gebildet hatten, ins Auge fasste, ihre mit einer Mischung aus Unsicherheit., Angst und Schicksalsergebenheit unstet wandernden Blicke bemerkte, ihre durch das verkrampfte Festhalten der Waffen weißen Knöchel sah und sich der Dolche in seinen Händen bewusst wurde, da schlug es wie ein Blitz ein. Es war genau wie damals und unausweichlich wurde er wieder hineingezogen in diese Erinnerung.

      Vor vielen Jahren an einem anderen Ort

      Die Dolche, glänzend polierte Waffen, in deren Beherrschung er es in mühseligen Jahren zur Meisterschaft gebracht hatte, fest mit den Händen umfasst, schritt er aus dem Dunkel des Ganges unter dem hochgezogenen eisernen Fallgitter hinaus in das Licht. Der steinerne Untergrund wich dem grobkörnigen Sand der Arena, als er aus dem gähnenden Loch in der glatten Umrandung in das Rund des Kolosseums trat. Die plötzliche Helligkeit blendete ihn kurzzeitig und ließ ihn blinzeln. Verschwommen nahm er die Umrisse von acht Gestalten war, die ihn bereits zu erwarten schienen. Als sich seine Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, erkannte er in den im etwa zwanzig Meter entfernten Zentrum der Arena stehenden Menschen seine Lehrer. Unschlüssig blieb er stehen und ließ verharrend seinen Blick schweifen. Kaum gefüllt war das Kolosseum, tatsächlich waren ausschließlich in der Loge zu seiner rechten Seite Plätze belegt. Dem Meister Nahestehende und Familienmitglieder waren anscheinend die einzig zugelassenen Zuschauer.
      Von seinem Standort aus vermochte er gegen das Sonnenlicht nicht viel mehr als Umrisse wahrzunehmen, die sich im Schatten unter dem schützenden Dach über der Loge genauerer Betrachtung entzogen. Nur der Meister selbst saß so weit vorne, dass er ihn, zumindest bis zur Brust, erkennen konnte. Unter der hohen Stirn sahen ihn die grauen, tief in den Höhlen liegenden Augen mit ihrem durchbohrenden Blick an. Beginnendes Alter merkte man ihm an den schon etwas hängenden Wangen an, genauso an den sich abzeichnenden Falten, die aber noch einige Jahre brauchen würden, bis sie sich wirklich eingegraben haben würden. Das hielt ihn aber nicht davon ab, sein bereits schüttern werdendes Haar, das schon von Schwarz in Grau überging, eitel zurück zu kämmen. Mit der gleichen Aufmerksamkeit, die er allen Dingen zukommen ließ, hatte er seinen kleinen Schnurrbart gestutzt, der unter der geraden Nase keinen Millimeter über die leicht hängenden Mundwinkel hinausragte. Sollte jemand an seiner Standhaftigkeit zweifeln, so musste er nur einen Blick auf das vorgeschobene Kinn werfen, um eines besseren belehrt zu werden. Mit dem perfekt sitzenden, faltenfreien und blütenweißen Hemd bot er ganz das Bild eines Perfektionisten, der nichts dem Zufall überließ. Schon damals wusste es aber besser. Eine Sache immerhin musste auch der Meister dem Zufall überlassen, wenngleich er alles in seiner Macht stehende, und das war viel, tat, um seinen Plan zu verwirklichen und den Einfluss Fortunas zu minimieren.
      Wieder setzte sich der einsame und noch leicht verwirrte Kämpfer in Bewegung, näherte sich dem Zentrum der Arena und so auch der Höhe der Loge. Schließlich hielt er keine Mannslänge von den äußeren Enden der von seinen Lehrern geformten Sichel an. Durch den Sand schimmerten rote Farbtupfer hervor, Spuren vergossenen Blutes, an dem er seinen Anteil gehabt hatte. Der Ausschluss einer breiteren Öffentlichkeit ließ ihn vermuten, er würde mal wieder einer Prüfung unterzogen werden. Also richtete er fragend den Blick zum Meister. Dieser fixierte ihn aus den gesenkten Lidern, dann befahl er in seinem ruhigen Ton:
      „Dulug, töte sie!“
      Das hatte er nicht erwartet und seine Lehrer offensichtlich auch nicht, wie er an ihren auf einmal von Angst erfüllten Blicken erkannte. Diese Mentoren, die er jahrelang kannte, sollte er töten? Nicht, dass er keine Freude verspürte, wenn er kämpfte, nein, er wollte sich nichts vormachen. Aber sie töten? Noch zögerte er, sah seine Lehrer rasche Blicke austauschen. Sie sagten nichts, sondern zogen ihre Waffen, nahmen ihre Kampfposition ein und sahen ihn mit einer Schicksalsergebenheit an, die wechselweise von Angst und zögerlicher Hoffnung ersetzt wurde. Sie alle kannten ihn und seine Fähigkeiten gut, aber nichtsdestotrotz waren sie acht und er alleine. Dulug fällte seine Entscheidung, noch bevor der Meister seiner Forderung Nachdruck verleihen würde. Kaum hatte er die Dolche in die Angriffsposition erhoben, griffen sie fester zu. Ein letztes Mal ließ er den Blick über seine Mentoren schweifen. Hier waren sie, der Schwertmeister, seine Hakilehrer, Mentoren für den unbewaffneten Kampf, allesamt erlesene Auserwählte, die der Meister dennoch bereit war ohne Zögern zu opfern. Alles für ein fernes Ziel, an dem er selbst wohl keinen so großen Anteil mehr haben würde. So er es auch verabscheute, Dulug konnte nicht anders, als Respekt vor diesem Mann zu empfinden.
      Dann griff er an, bereit, den Sand mit neuem Blut zu tränken, mit dem Wissen über den beobachtenden Blickes des Meisters, der ihn genau verfolgen würde.

      Zurück in der Gegenwart

      Der Blick in die Vergangenheit konnte nur Sekundenbruchteile gedauert haben, denn noch hatte sich niemand gerührt.
      Die Zähne fest zusammengebissen, verkrampfte Galayn seinen Griff um die Dolche. Immer noch konnte er die Stimme hören, wie sie ihm befahl „Töte sie!“. Doch er war nicht mehr wie damals. Mit einer gewaltigen geistigen Anstrengung verdrängte er Dulug wieder. Der Meister war tot, warum konnte er nicht endlich Ruhe geben? Er konnte nicht anders, als seiner Hilflosigkeit Luft zu verschaffen. Es brach aus ihm heraus:
      „Sei endlich still!“
      Die verwirrten Blicke der Anwesenden interessierten ihn nicht, genauso wenig, wie Domenicos Frage:
      „Hast du den Verstand verloren?“
      Er stand über den alten Morden. Er war nicht mehr ein Diener seines Meisters. Und doch, soviel er dies wiederholte, diese Stimme konnte er nicht zum Verstummen bringen. Sie kam einfach immer wieder. Und sooft er sich auch selbst verwünschte, seine Kampfeslust war genauso wenig zu leugnen, wie seine Bereitschaft zu töten. Doch solange er Galayn war, war er der Herr in seinem Geist, beherrschte er seinen Körper. Sei es Trotz oder Ausdruck seines eigenen Willens, er vermochte es nicht zu sagen, traute sich nicht, die Antwort zu suchen. Dennoch, die Dolche konnte er zurück in ihre lederne Umhüllung stoßen. Dieser Erfolg brachte schließlich die gewünschte Ruhe, als wären mit dem Verschwinden der Mordinstrumente auch der Meister und Dulug verschwunden. Natürlich lauerten sie weiter unter der Oberfläche, aber vorerst war er wieder ganz Galayn.
      Auch wenn die Angreifer sich fragen mussten, warum er seine Waffen weg gesteckt hatte, zögerten sie nicht länger. Im Gegenteil, es schien sie erst zu beflügeln. Mit lautem Gebrüll, Messer, Schwerter und Keulen schwingend, rannten sie auf dem abgewetzten Teppich los, doch noch ehe sie überhaupt in Schlagweite kamen, ließ sie ein Ausbruch seines Königshakis abrupt innehalten. Wie Marionetten, denen man die Fäden gekappt hatte, kippten sie schlaff in sich zusammen und hinterließen Stille.
      Im Gegensatz zu seinen Untergebenen zeigte sich Domenico unbeeindruckt, zumindest körperlich. Trotzdem vermochte er seine Überraschung nicht ganz zu verbergen. Er fasste sich aber schnell und warf wie beiläufig den schweren Tisch beim Aufstehen zur Seite. Ohne jegliche Verzögerung spross ihm sein finsteres Federkleid aus den Armen. Da war die Erkenntnis. Erst mit eigenen Augen zog er die Verbindung zu einem Steckbrief, den er vor vielen Monaten gesehen hatte. Wie so viele Steckbriefe der Boten der Apokalypse trug er keinen Namen und war der Abgebildete unter einer Maske verborgen. Aber Haltung, Flügel und der Anzug stimmten überein. Nun, es hatte nicht den Anschein, als wäre er noch dort Mitglied, was Galayn insgeheim etwas erleichterte, den keinesfalls wollte er sich direkt mit einer solch mächtigen Organisation anlegen.
      Einen Moment sah es danach aus, dass sich der schwarze Engel auf Galayn stürzen wollte, doch dann sprang er stattdessen zur Decke und schlug sich ein Loch in die Freiheit der Lüfte. In den Luftwirbeln, die Domenico mit seinen Flügelschlägen erzeugt hatte, trudelten vereinzelte Federn, die die Wucht des Schlages losgelöst hatte, dem Boden zu. Ihnen hinter her fielen kleine und größere Holzsplitter, sowie scharfkantige Lehmbrocken, die von seinem Anzug abprallten, ihn aber außer seinen geraden Flug etwas zu stören, nicht zu behindern schienen. Noch hatte sich Galayn nicht von der Stelle gerührt, stattdessen sah er mit einem Lächeln auf den Lippen zu, wie der geflügelte Flüchtende von einem Windstoß aus dem sowieso schon fragilen Gleichgewicht gebracht wurde. Verzweifelt schlug der schwarze Engel mit den Flügeln, um die Kontrolle über seine Bewegung zurück zu gewinnen, doch die Enge der frei gesprengten Öffnung hinderte seinen Versuch. Gewaltsam kollidierte er mit dem zersplitterten Rand, was ihn schmerzerfüllt aufstöhnen ließ. Diesmal fielen nicht nur Federn, sondern auch feine Bluttröpfchen nach unten, als sein Arm an einem hervorstehenden Holzdorn entlang schrammte. Erst jetzt griff Galayn ein. Mit einem Satz hatte er den schmalen Rand des umgestürzten Tisches erreicht, von dem er sich zu dem schwarzen Engel hinauf katapultierte. Wie eine Kopie des Fluchtversuches, fand seine rechte Faust die Dachstreben, pulverisierte das Gerüst und brach unaufhaltsam durch die tönernen Ziegel. Mit der linken Hand packte er den abstürzenden Domenico am Anzug und riss ihn mit sich, hinaus in die Freiheit der Lüfte. Noch orientierungslos, vermochte Domenico nichts gegen seinen Angreifer auszurichten und konnte nur hilflos mit den Flügeln schlagen. Fest im Griffe Galayns blieb ihm aber keine Wahl, als dessen Sprung zurück auf den Boden, aus der Freiheit versprechenden Sonne hinunter in den Schatten hinter dem Haus, mitzumachen. Hart prallte er auf dem Boden auf, die Hände schützend vor das Gesicht geschlagen. Panisch robbte er weiter, mühte sich hektisch ab auf die Beine zu kommen und versuchte gleichzeitig sich umzukehren, um seinen Verfolger im Blick halten zu können. Die Unmöglichkeit all dies auf einmal zu tun, führte dazu, dass er auf dem Hosenboden landete, zu der hoch aufragenden Gestalt des Fremden aufschauend. Was für ein Mann war das nur, der so beiläufig einen seiner Schläger durch die Tür prügelte, dann offensichtlich anfing Stimmen zu hören und ohne eine einzige Berührung acht Kämpfer besiegte? Die gescheiterte Flucht hatte ihn in die Enge getrieben und in seiner Verzweiflung tat Domenico das einzige, was ihm noch verblieb: er griff an.
      Völlig seine übliche Beherrschtheit ablegend, schlug er wild um sich, brüllte wortlos, nur von dem Gedanken beseelt zu überleben. Lächelnd parierte Galayn Schlag um Schlag. Darauf hatte er gewartet. Der Fluchtversuch hatte ihn etwas enttäuscht, obwohl er ihn sehr gut verstehen konnte. Aber jetzt hatte er es geschafft, durch die adelige Arroganz, die der Mann ausstrahlte, seinen animalischen Kern zu wecken. Jetzt sprossen dem schwarzen Engel die Federn am ganzen Körper, durchbrachen den teuren Stoff des schon verdreckten Anzugs und schließlich verschwammen seine Finger, nur um dann als Krallen in völliger Klarheit wieder aufzutauchen.
      Galayn hob lässig den linken Arm, um einen Schwinger von links abzuwehren, dann folgte der rechte Arm, um den erspürten Schlag auf sein Gesicht zu blockieren. Ohne Vorwarnung schwenkte die Kralle auf einmal nach rechts. Mit einem unangenehmen Knacken prallten die beiden Handgelenke aneinander, und obwohl Domenico einen leisen Schmerzensschrei nicht unterdrücken konnte, fuhr er kreisförmig mit seiner Kralle auf Galayns Gesicht zu. Zwar konnte der Agent seinen Kopf noch zur Seite biegen, aber dennoch schlitzte ihm die Klaue oberflächlich die Wange auf. Ohne sich davon jedoch beeindrucken zu lassen, stieß Galayn mit beiden Händen in die offene Lücke in der Verteidigung seines Gegners vor. Der Aufprall der Handflächen schleuderte den schwarzen Engel meterweit durch die Lüfte, lange genug, dass Domenico mit den Flügeln das Gleichgewicht zurück erlangen konnte.
      Galayn hatte ihm nicht nachgesetzt, stattdessen führte er die Hand zur Wange und wischte vorsichtig mit dem Finger über die Wunde. Erstaunlich, dass ausgerechnet dieser ungebildete Kämpfer ihn verletzt hatte. Ihn freute es, denn Arroganz musste bestraft werden. Er wollte einen wirklichen Kampf, ohne dass er seine körperliche Überlegenheit direkt ausspielte, denn Domenico sollte die Verzweiflung am eigenen Leibe kennen lernen. Gerechte Bestrafung für seine Taten, eine Strafe, die sich Galayn verpflichtet sah, auszuführen. Geschummelt hatte er trotzdem, aber sein Observationshaki konnte nur versagen gegenüber dem planlosen Angriff seines Gegners. Er war nicht unverletzbar und diese Warnung sollte er sich für die Zukunft besser zu Herzen nehmen. Allerdings war es umso besser, als eine aufkeimende Hoffnung nur noch mehr geeignet war, den schwarzen Engel wahrhaft verzweifeln zu lassen. Jetzt war allerdings endgültig Schluss mit dem Geplänkel. Die Arme locker gesenkt, erwartete Galayn den Angriff seines Gegners. Kaum war der schwarze Engel wieder in Position, kam er auch schon auf ihn zugeschossen. Das vergossene Blut hatte ihn weiter aufgestachelt, so dass ihn der Gedanke an Flucht völlig verlassen hatte. Ohne eine Regung erwartete ihn Galayn, machte keinerlei Anstalten, sich zu verteidigen. Mit voller Kraft schlug Domenico zu und versuchte, seine Krallen im Gesicht seines verhassten Feindes zu versenken. Schon wähnte er sich am Ziel, da durchfuhr ein heftiger Schock seinen Arm. Knackend zerbrach seine Kralle und fassungslos musste er mitansehen, wie die gesamte Wucht seiner Attacke an der so winzig erscheinenden schwarzen Verfärbung im Gesichte seines Gegenübers verpuffte. Als er das Lächeln des Fremden erblickte, fiel sein ganzer Zorn in sich zusammen und hinterließ nichts als blanke, nackte Angst. Sein ganzes Denken nur noch von Flucht erfüllt, wechselte er in seine Tierform über. Seine Extremitäten schrumpften zusammen, sein Mund zog sich in die Länge und Haut wurde durch Federn ersetzt. Panisch flatterte er mit den jetzt klein gewordenen Flügeln, um so schnell wie möglich an Höhe zu gewinnen. Wider besseres Wissen warf er aus seinen schwarzen Knopfaugen einen Blick zurück, doch da war nichts. Sein Kopf schnellte zurück und da in der Luft, direkt vor ihm, stand dieser Mann mit seinen schrecklichen violetten Augen. Ohne eine Möglichkeit zu reagieren, sah er die näherkommende Faust sein Gesichtsfeld ausfüllen. Als er gen Boden fiel und sich die Welt rasend schnell schwarz färbte, hörte er den Fremden noch sagen:
      „Schwarzer Engel? Dass ich nicht lache. Nur eine Krähe, feige und niederträchtig.“

      ~

      Vila, Albacete

      Das eindeutige Klicken der aufgelegten Teleschnecke beendete jede Diskussion und auch jede Hoffnung Alateas, aus der Sache ohne Schwierigkeiten heraus zu kommen. Innerlich stellte sie sich bereits darauf ein, gleich gegen ihren ehemaligen Kollegen kämpfen zu müssen. Vorerst aber bemerkte sie Bewohner, die durch den von ihnen verursachten Lärm angelockt worden waren. Vermutlich würde ihnen ihr Gaffen bald leid tun, denn sollte Kill angreifen, würden sie zwischen die Fronten geraten. Mitleid konnte Alatea jedoch nicht bei sich feststellen. In ihren Augen trugen sie alle eine Mitschuld an den Geschehnissen. Während sie ihre Beobachtung gemacht hatte, war die Teleschnecke wieder in Kills Mantel verschwunden und durch zwei seiner heiß geliebten Dolche ersetzt worden. Seufzend richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf den Agenten. Wie stark genau Kill war, vermochte Alatea nicht abzuschätzen, allerdings gab es drei Gründe zum Optimismus. Erstens hatte sie in Kills Augen Angst gesehen, also war sich dieser keinesfalls sicher, was einen Kampf anging. Dazu kam als Zweites, dass der Direktor es für nötig empfunden hatte, Verstärkung zu senden. Aber als drittes und wichtigstes gab ihr die leicht schiefe Haltung des Agenten Hoffnung. Ihr überraschender Gegenangriff mochte vielleicht nicht ausreichend genug gewesen sein, um wirklichen Schaden anzurichten, aber schon ein leichtes Hinken, die fehlende Sicherheit im Stand und das Wissen um die eigene Verletzlichkeit würden ihr einen Vorteil verschaffen. Obgleich ihr die anwesenden Bewohner zwar letztlich egal waren, war Alatea nicht unglücklich, dass die meisten bei dem Anblick der gezückten Dolche und insbesondere des demolierten Hauses wieder das Weite suchten. Erpicht darauf, die Menschen zu töten oder auch nur ihren Tod in Kauf zu nehmen, war sie nicht.
      Dann war es vorbei mit jeglichen Gedanken, denn ohne jede weitere Vorwarnung griff Kill an. Sie riss die Arme hoch und färbte gleichzeitig die sich über ihre Haut ausbreitenden Schuppen schwarz. Den rechten Fuß leicht zurückgesetzt in den Boden gestemmt, blockte sie die wuchtigen, von außen geführten Hiebe der Dolche mit ihren Unterarmen. Die Wucht des Aufpralls trieb ihre Füße in die Straße, deren Steine zersplitternde Risse wellenförmig in alle Richtungen aussandten. Mit vor Anstrengung verzerrtem Gesicht versuchte der Agent seine Klingen in ihr Fleisch zu zwingen, doch jetzt, wo der Schwung seines Angriffes verloren war, trieb der Versuch ihm nur Schweißtropfen auf die Stirn. Die Chance zum Gegenangriff im Blick, brachen aus Alateas Händen eckige Schlangenköpfe hervor, doch ihre weißen Zähne schnappten vergeblich ins Leere, denn Kill hatte sich mit einem Satz nach hinten aus der Gefahrenzone katapultiert. Schwankend und mit schmerzverzerrtem Gesicht war Kill auf ein Knie gesunken, offensichtlich behinderte ihn die erlittene Verletzung stärker, als erwartet. Diese Schwäche verlockte Alatea, mit ganzer Macht anzugreifen. Die schimmernden Schlangenarme schossen nach außen, bereit jedes Ausweichen zu verhindern, während sie mit zu einem Tritt erhobenen Bein auf den Agenten zuflog. Noch während sie in der Luft war, machte ihr das höhnische Lächeln Kills klar, dass sie auf sein Schauspiel hereingefallen war. Mit einer fließenden Bewegung warf der Agent im Aufstehen einen Dolch, doch durch seinen unbedachten Hohn vermochte Alatea gerade noch ihren Körper zur Seite drehen. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass der Dolch im Streifeneine blutige Furche in ihrer linken Schulter hinterließ. Die plötzliche Ausweichbewegung hatte sie die Kontrolle über ihre Arme verlieren lassen. Hilflos sah sie, wie die Dolche in einer silbrig glänzenden Linie niederfuhren. Gleißender Schmerz durchzuckte sie, als ihre beiden Schlangenköpfe von ihrem Körper abgetrennt wurden. Ein Aufschrei entfloh ihrer Kehle, als das fürchterliche Brennen ihren ganzen Geist vereinnahmte. Doch sofort riss sie sich wieder zusammen, ließ zu, dass die Eiseskälte der Hydra ihren Geist abkühlte. Sie war keine Agentin der CP-0 mehr, doch ihre Ausbildung hatte sie deswegen noch lange nicht vergessen. Schmerz, oder genauer gesagt dessen Erduldung, hatte dazu gehört. Zu lange war es her, dass sie ihn gespürt hatte. Sie erkannte die Notwendigkeit, für diesen Kampf auf die Fähigkeiten Hydras zurück zu greifen. Eigentlich bestand auch kein Grund, sich dagegen zu sperren, gehörte sie doch ebenso zu ihr, wie es Alatea tat. Die Klarheit der leidenschaftslosen Agentin klärte ihren Geist, beruhigte jeden Aufruhr und betäubte den Schmerz.
      Übergangslos wich sie zur Seite aus, dieses Mal hatte sich Kill in ihrer scheinbaren Schwäche getäuscht. Dann entfesselte sie die ganze Macht ihrer Teufelskraft, die ihr zur Verfügung stand. Aus den blutenden Stümpfen schob sich nachwachsendes Fleisch, frisch entstandene Knochen wurden mit pulsierenden Muskelsträngen umgeben und die neu gewachsenen Schlangen bildeten die typischen schillernd blauen Schuppen aus, die ihren Leib umfassten. Mit der abgeschlossenen Regenerierung erinnerte nichts mehr an die Verletzung, abgesehen von den leblos am Boden liegenden Köpfen, deren Ersatz jedoch bereits wieder bedrohlich zischend die schwarzen Augen auf den Agenten richtete. Diese Mal würde ihr Kill nicht entkommen.
      Zwei Schlangenkörper waren gut, doch wie Alatea wusste, noch lange nicht genug. Mit Schrecken im Blick sah der die Straße entlang schlitternde Agent, wie aus den Schultern weitere geschuppte Leiber hervor brachen und sich weiter teilten, bis er sich einem zischenden, eisblauen mit Fangzähnen bewehrten Alptraum aus neun Schlangen gegenüber sah. Das Gewicht der Hydra hatte Alatea auf den Boden gezwungen, doch sie selbst musste sich nicht mehr bewegen. Blitzschnell wuchsen die neun Köpfe und bildeten ein loses Netz, in dessen Inneren Kill eingeschlossen werden sollte. Die Gefahr nur zu gut erkennend, versuchte der Agent auszubrechen, doch der angerichtete Schaden an seiner Wirbelsäule zeigte endlich seine verheerende Wirkung. Nur für einen kleinen Moment verließ ihn im rechten Bein die Kraft, lange genug, dass sein Rückzug jäh unterbrochen wurde, als er im zu langsamen Sprung an der Seite von einem lebendigen Rammbock getroffen wurde. Ächzend und nach Luft schnappend rappelte sich Kill auf, doch zu spät, der Käfig aus sich umeinander schlingenden Schlangenleibern hatte sich unentrinnbar um ihn geschlossen. Für einen Moment beobachteten ihn zehn Gesichter, neun unmenschliche und eines, dass so emotionslos wirkte, dass es für den Agenten keinen Unterschied mehr machte. Hilflos gefangen, bemühte er sich noch verzweifelt, einen Weg nach draußen frei zu schneiden, doch die zu zahlreichen auf ihn los schießenden Schlangen konnte er nicht alle zugleich abwehren. Hart trafen ihn kalte Schnauzen und schuppige Muskelstränge, überraschenderweise aber keine Zähne. Alatea sah zu, wie Kill ohne eine Verteidigungschance in dem Kokon umhergeschleudert wurde. Noch hatten ihn die ziellosen Angriffe nicht endgültig besiegt, also trieb sie ihm mit einem gezielten Schlag in die Magengrube die Luft aus den Lungen und durchbrach dann mit einer hakiverstärkten peitschenden Attacke auf den Nacken die letzte Abwehr des Agenten. Sie entließ den bewusstlos nach vorne kippenden Kill aus dem eng zusammengezogenen Netz. Suchend überblickte sie die Szenerie, doch außer ihnen beiden, gab es niemanden mehr in der Nähe. Alatea zog die Schlangen zurück in ihren Körper, die Hydra wurde nicht länger gebraucht. Mit der rechten Hand die Verletzung an ihrer Schulter haltend, beugte sie sich über Kill. Es war an der Zeit, eine Entscheidung über die Zukunft zu fällen.

      Kapitel 10 – Jedes Ende ist auch ein Anfang

      Ilha no Meio

      Die Straßen Cidade do Meios wirkten leblos und ausgestorben. Am Nachmittag nach dem Zahltag arbeiteten die Einwohner alle doppelt so hart, um die verlorene Zeit wieder gut zu machen. Wieder hinter seinem Führer, ging Galayn, der den bewusstlosen schwarzen Engel am Kragen hinter sich her schleifte, die Straße von West nach Ost entlang, wie die Spur, die Domenico im Straßenschmutz hinterlassen hatte, deutlich bezeugte. Hier, am nördlichen Hafen, gab es mehr Menschen und folglich auch mehr steinerne Häuser. Vereinzelt standen auch noch Lehmhütten zwischen den stabileren Behausungen, doch erst abseits der größeren Hauptstraße, im Gewirr der staubigen Gassen, übernahmen die einfachen Wohnungen wieder die Oberhand. Anzeichen der drohenden Armut waren Galayn hier keinesfalls so deutlich ins Auge gesprungen, wie bei seiner Ankunft auf Ilha no Meio, dennoch bezweifelte er nicht, dass es auch hier die Leute hart getroffen hatte. Damit war es nun aber vorbei. Mit den Gedanken schon bei seinem nächsten und ursprünglichen Ziel, verpasste er es beinahe, Ira zu folgen, der in Richtung Norden abgebogen war. In ihrer Größe der horizontalen Durchquerungsstraße in nichts nachstehend, zeigte das in der Ferne bereits sichtbare Meer an, dass es hier zum Hafen ging. Erfreut registrierte Galayn nur wenige Häuser weiter die Möwe der Marine auf einer müde im lauen Wind hängenden Fahne. Er näherte sich bereits dem blau gestrichenen Gebäude, dass sich, so schien es, im Schatten zwischen den benachbarten Häusern zu verstecken versuchte, als er vom Hafen aus eine Person ausmachte, die sich gemessenen Schrittes näherte. Mit einem unguten Gefühl schloss Galayn zu Ira auf und zwang ihn mit ausgestrecktem Arm zum Anhalten. Vor der leuchtend weißen, offenbar frisch gestrichenen, Tür der hiesigen Marinebasis, falls man dem mickrigen Haus diese Bezeichnung geben wollte, ließ er Domenico unsanft auf den Boden fallen. Die Fremde verhieß Ärger, da war er sich ganz sicher. Inzwischen war sie nahe genug herangekommen, dass man ihre schwarze Maske, die ihr Gesicht bis unter die Nase bedeckte, deutlich sehen konnte. Die darauf gemalten Symbole, unzählige Blutstropfen, die sich ebenfalls eingestickt in den langen schwarzen Mantel wiederfanden, im Stoff noch ergänzt mit blutroten Strömen, offenbarten Galayn die Identität der Fremden. Genau, wie Domenico, gehörte auch sie zu den Boten der Apokalypse. Mehr als ihr Pseudonym, Verzweiflung, und das ausgesetzte Kopfgeld, 296.000.000 Berry wusste er aber nicht über sie. Was diese Boten für ein Ziel hatten, war Galayn ebenfalls nicht klar. Dass ihre Absichten keine guten sein konnten, war jedoch offensichtlich. Unter dem schwarzen, wie mit Blut überströmt erscheinenden Umhang lugte das rote Leder hervor, welches den Rest ihres Aufzuges darstellte. Sehr geschickt, dass musste man ihr lassen. Das Blut, welches ihre Maske zierte, war mit Sicherheit nicht zufällig gewählt, genauso wenig, wie ihr Name. Umso überraschender mochte es erscheinen, dass furchtlos in ihrer linken Hand eine Albinomaus saß, deren seidig glänzendes Fell Verzweiflung beinahe liebevoll streichelte. Den Eindruck revidierte jedoch das Blut, welches ihr von den Lippen troff. Zusammen mit den Fellresten in den Mundwinkeln und dem ängstlichen Quieken weiterer Mäuse, das aus zwei Taschen an ihrer Hüften drang, offenbarte sich ein völlig anderer Umgang mit den kleinen Nagern.
      Er würde sich nicht von ihr aufhalten lassen, aber falls möglich, wollte er einen Konflikt vermeiden. Mit den Boten der Apokalypse war nicht zu spaßen und er hatte wahrlich besseres zu tun, als einen Krieg mit ungewissem Ausgang vom Zaun zu brechen.
      Mit einem Sicherheitsabstand von etwa zwei Metern hielt Verzweiflung an und strich sich den blonden Zopf von der Schulter. Mit einem leichten Unbehagen bemerkte Galayn das leichte rote Funkeln in den grünen Augen, die ihn und seinen Gefangenen musterten. Fast immer waren Teufelsfrüchte die Ursache und es waren normalerweise keine angenehmen Kräfte, die damit einhergingen. Ein unangenehmes Schweigen beherrschte das Treffen, denn noch war niemand bereit, den ersten Schritt zu machen. Das Warten entnervte Galayn, dessen Geduld, was menschliche Interaktion anging, eher begrenzt war. Doch ehe er das Wort ergreifen konnte, kam ihm Verzweiflung zuvor. Den Blick offenkundig auf Domenico gerichtet unterbrach sie die Stille:
      „Sieht so aus, als ob du mir meine Arbeit abgenommen hättest.“
      Ihre Stimme wirkte, in Anbetracht des von ihrem Mund herab tropfenden Blutes, welches sie jetzt genüsslich ableckte, unpassend sanft. Täuschen konnte der weiche, fast freundliche Klang Galayn allerdings nicht. Den besitzergreifenden und warnenden Blick des Agenten richtig deutend, fuhr sie fort:
      „Du kannst ihn behalten, vorausgesetzt er erhält seine Strafe.“
      Jetzt klang der Stahl in ihrer Stimme durch. Innerlich war sie aber keineswegs so gefasst. Sie war nicht leicht zu beunruhigen und abgesehen vom Ersten war sie noch niemandem begegnet, der ihr ein solches Gefühl gegeben hatte.
      Schon wollte sie sich zum Gehen umdrehen, da hielt sie die Stimme des Fremden zurück:
      „Was wolltest du von ihm?“
      Das war keine Frage, sondern viel mehr ein Befehl. Unwillkürlich ertappte sich Verzweiflung dabei, wie sich wieder zurückdrehte. Kurz kämpfte sie mit sich, aber dann entschied sie sich für die friedliche Lösung.
      „Ich wollte ihn töten. Allerdings erst, nachdem er mich verzweifelt um seinen Tod anbetteln würde.“
      Der unwillkürliche Gedanke an diese herrliche Verzweiflung, die Angst und die eintretende Hoffnungslosigkeit an der sie sich würde laben können, entlockte ihr ein blutiges Lächeln. Dummerweise führte der Weg dazu nur an diesem gefährlichen Mann vorbei, der ihr zuvor gekommen war. Es kam selten vor, dass jemand es schaffte, sie zu verwirren. Verzweiflung gefiel es nicht, ihre Selbstsicherheit zu verlieren, kamen damit doch auch ungebetene Gedanken.
      Vergeblich bemühte sie sich, ihren geistigen Fokus auf das Gespräch zu lenken. Stattdessen waberten Fragmente vergangener Ereignisse vorüber und unterbanden jeden klaren Gedanken. In gedämpfter Lautstärke hörte sie wieder den Ersten, der ihren Vorgänger gegen die Bruderschaft ausgesandt hatte. Schon, noch ehe das Bild des Ersten vollständig vor ihrem inneren Auge entstehen konnte, wurde der Fetzen abgelöst von dem verzweifelten Blick ihrer Mutter. Dann löste sich das Gesicht auf und wurde zu dem angenagten Kadaver einer weißen Maus, deren auströmendes Blut, schließlich ihr gesamtes Blickfeld auszufüllen schien. Endlich zog sich der rote Schlier zurück und in völliger Schärfe erinnerte sie sich an den aufgespießten Kopf ihres Vorgängers, dessen Tod durch die Hände Ruins ihren Aufstieg erst ermöglicht hatte. Auch wenn dieses Bild ihre Ängste wiederspiegelte, schaffte es Verzweiflung die Kontrolle über ihre Gedanken zurück zu gewinnen. Sie klammerte sich an das Wissen um die sie bedrohende Gefahr, wie eine Ertrinkende an eine Rettungsleine. Erleichtert fing sie an, ihre Möglichkeiten durchzuspielen. Einen Kampf konnte sie nur mit der Bevölkerung in der Nähe wagen. Die nächste Frage des Fremden durchbrach ihre Gedanken:
      „Warum? Wieso wird ein hochrangiges Mitglied wie du, Verzweiflung, ausgesandt zu einem unwichtigen Ableger wie dem schwarzen Engel?“
      Sicher, er bewegte sich auf dünnem Eis mit seinen Fragen, aber Galayn konnte nicht anders. Insbesondere, wo Verzweiflung bisher nicht den Eindruck hinterlassen hatte, an einem Kampf interessiert zu sein.
      „Ableger? Abtrünniger trifft es besser. Undankbarer Bastard!“
      Die giftigen Worte wurden begleitet von einem wütenden Blick zu dem am Boden liegenden Aussteiger. Zorn spülte ihre Angst und ihre Verwiruung fort:
      „Er hatte unsere Botschaft überbracht, sogar ohne jede Einmischung. Ließ ein paar Arbeiter hinrichten, die bei Bauarbeiten an seinem Schloss versehentlich eine Wand zum Einsturz gebracht hatten. Gut, er tat es nicht nur aus der Freude am Töten, sondern weil er sich persönlich angegriffen fühlte.“
      Verzweiflung legte eine Pause ein, um ihrer Albinomaus von dem langsam an ihrem Mund festtrocknendem Blut abzugeben. Fasziniert hörte Galayn zu. Diese Frau verriet ihm gerade die Triebkraft hinter den Boten der Apokalypse. Lust an der Zerstörung, Freude am Tod und der Wunsch nach Chaos ohne jegliche Regeln und Einschränkungen. Und das alles nicht, um irgendeinen okkultem Wahn nachzukommen, anscheinend noch nicht einmal aus Berechnung und Machtgier. Einen schlimmeren Gegner vermochte er sich fast nicht vorstellen, doch der Kult schaffte es mühelos, auch weiterhin an der Spitze alles Bösen zu stehen.
      So langsam geriet Verzweiflung richtig in Fahrt:
      „Zu schade für ihn, dass dem König seine Taten zugetragen wurden. Zu schade für dieses Großmaul, dem der Prozess gemacht wurde, weil er nur ein Schwächling war. Ohne uns war er ein Nichts und würde bereits hinter Gittern verrotten.“
      Sie warf einen Blick zu dem Marinegebäude und verzog höhnisch das Gesicht:
      „Nun, das kann er ja jetzt nachholen.“
      Verzweiflungs dreckiges Lachen entlockte ihrer Maus ein empörtes Quieken, die sich in ihrem grausigen Mahl gestört fühlte. Beschwichtigend strich sie über das seidige Fell.
      „Wir haben ihm alles gegeben. Wir haben ihn überzeugt vorerst in die Verbannung zu gehen. Wir haben ihm die Krähenfrucht zum Geschenk gemacht. Wir haben ihm geholfen Rache zu nehmen. Krieg und Zerstörung haben die Verteidigungskräfte überwunden und ihn den König auf dem silbernen Tablett serviert.“
      Einen Moment sah es aus, als ob Verzweiflung versucht war, den schwarzen Engel persönlich für seinen Verrat büßen zu lassen, doch als sich Galayn schützend vor den Verbrecher stellte, hielt sie inne.
      „Wieviel Aufwand haben wir betrieben, um ihn ausfindig zu machen? Erst um ihn als neuen Rekruten zu gewinnen, dann, um ihn hier aufzustöbern. Es darf keine Abtrünnigen geben, also muss Domenico für immer verschwinden.“
      Die unverhohlene Forderung machte Galayn wieder klar, wie gefährlich die Situation nach wie vor war. Unwillkürlich setzte sein rationales Denken ein. Für ihn zählte letztlich nur die Suche. Allerdings machte er sich keine übermäßigen Sorgen um die potentielle Ablenkung, denn er bezweifelte sehr, dass er den Kult würde ausfindig machen können. Galayn waren die Worte nur zu bewusst, die ihm prophezeit hatten, dass seine Suche erfolglos bleiben würde. Noch war das Ereignis nicht eingetreten, ab dem er sein Ziel endlich würde erreichen können. Wichtig war jetzt die Gegenwart, also ergriff er schließlich doch noch das Wort:
      „Keine Sorge. Er wird sein Leben im Impel Down beschließen. Du kannst ihn nicht haben und du wirst auch die Leute hier in Frieden lassen.“
      Er schob sich die Ärmel zurück und entblößte so die Ketten, die sich für immer in seiner Haut eingegraben hatten. Mit harter Stimme fügte er drohend hinzu:
      „Ich will keinen Streit mit euch, aber stellt ihr euch mir in den Weg, dann werdet ihr es mit der Kette zu tun bekommen.“
      Kurz sah sie ihm in die Augen, das rote Funkeln bereits im Abklingen begriffen, dann drehte sie sich wortlos um. Mehr aus Prinzip, als aus echter Hoffnung rief er ihr noch eine letzte Frage hinterher:
      „Was weißt du über den Kult?“
      Verzweiflung verlangsamte ihren Schritt nur unwesentlich und warf ihm über die Schulter einen fragenden Blick zu.
      „Ich kenne keinen Kult.“
      Nicht wirklich überrascht sah Galayn der Botin der Apokalypse nach. Als er sich sicher war, dass sie wirklich friedlich abziehen würde, drehte er sich um. Für einen Augenblick sah er verwirrt Ira an, den er über das Gespräch völlig vergessen hatte. Der Schreck über den Auftritt von Verzweiflung stand seinem Führer immer noch ins Gesicht geschrieben. Im Versuch den schockierten Dörfler wieder zu beruhigen, lächelte Galayn ihn an.
      „Sie ist weg und wird euch nichts tun.“
      Ira nickte mechanisch. Da er keine Ahnung hatte, wie er ihm helfen könnte, hoffte Galayn einfach darauf, dass er sich mit der Zeit wieder beruhigen würde. Immerhin hatte ihn der Fall Domenicos aufgeheitert, obgleich seine Enttäuschung über dessen Bewusstlosigkeit sie den ganzen Weg her begleitet hatte. Damit musste er leben können, befand Galayn. Es war an der Zeit weiter zu machen, wo sie unterbrochen worden waren. Er beugte sich hinunter, um den schwarzen Engel an seinem bereits ausgeleierten Anzug zu packen. Hauptsache, der Stoff hielt, bis er ihn eingetauscht hatte. Energisch pochte er an die in der Sonne glänzende Tür. Das hohle Klopfen blieb unbeachtet, also wiederholte Galayn seine Bemühungen. Hinter der Tür war ganz eindeutig eine Person, die es anscheinend jedoch vorzog, nicht zu öffnen. Dieser Marineangehörige sorgte dafür, dass seine Stimmung zwischen Amüsement. Unglauben und Verärgerung wechselte. Schließlich brach er seine sionnlosen Versuche ab
      „Hier steht Galayn, ein Agent der Weltregierung. Entweder sie machen die Tür jetzt sofort auf, oder ich breche sie auf!“
      Diese Drohung bewirkte endlich eine Reaktion. Mit leicht panischem Unterton drang eine nervöse, beinahe schrille Stimme durch das dünne Holz:
      „Warten sie, ich komme ja schon!“
      Hastige Schritte erklangen, gefolgt von einem dumpfen Aufprall, welcher dem Leiter der Marinestation einen leisen Aufschrei und einen unterdrückten Fluch entlockte. Dann schwang die Tür nach innen auf. Das einfallende Sonnenlicht bestrahlte eine Szenerie, die Galayn nur ungläubig betrachten konnte. Vor ihm hüpfte auf einem Bein ein dürrer Kerl auf und ab, der sich den angestoßenen Fuß rieb. Um seine Schultern hing ein blendend weißer Umhang, den er mit seiner schmalen Figur nicht im Entferntesten ausfüllen konnte. Verzweifelt bemüht, dass Gleichgewicht zu bewahren, flatterte er mit dem anderen Arm durch die Luft. Hinter ihm befand sich das Büro, das penibel aufgeräumt aussah. An der Stirnseite ein sorgfältig ausgerichteter Tisch mit einer Teleschnecke und ein paar Stiften bedeckt, ansonsten aber blank und an den Seiten nummerierte Regale, von denen die meisten jedoch leer waren. Der Grund für Galayns Ungläubigkeit, neben dem Erscheinungsbild des Marines, war aber ein anderer. Linker Hand hatte sich ein Strom von Akten und Steckbriefen über den Boden ergossen. Quer darüber lag das stählerner Gerippe des Regals, welches vormals an der Wand gelehnt haben musste. Ihm war es unbegreiflich, wie es jemand schaffen konnte, mit dem Fuß an das Regal zu stoßen und es zum Umkippen zu bringen, wenn man zur Tür wollte. Irgendwie musste es dieser Tölpel aber geschafft haben, was kein gutes Licht auf diese Marinebasis warf. Kein Wunder, dass von dieser Seite keine Hilfe für die Dorfbewohner gekommen war. Noch während er rudernd nach einem festen Stand suchte, fuhr der junge ungeschickte Bursche panisch mit einer Hand an seine Nase, um seine dem Boden zustrebende Brille wieder zurück zu schieben. Dadurch vernachlässigte er aber sein Gleichgewicht und sah sich gezwungen, einen Hopser rückwärts zu machen, um sich wieder zu fangen. Mit einem Schreckensschrei landete er rücklings auf dem Boden, als ihm seine Landung auf dem eigenen Mantel zum Verhängnis wurde. Sprachlos sah Galayn zu, wie der Gefallene fahrig seine Brille vom Boden klaubte und sie sich zurück auf die schmale, abschüssige Nase schob. Rot im Gesicht vor Scham rappelte sich der Marineoffizier wieder auf und zupfte nervös an den vereinzelten winzigen Barthärchen, die keinesfalls dazu beitrugen, ihn männlicher aussehen zu lassen. Er räusperte sich auffällig und stellte sich vor:
      „Ich bin Murphy, Kapitänleutnant der Marine.“
      Murphy salutierte zackig, worauf er in unziemlicher Hast, die die martialische Vorstellung ruinierte, seine Brille vor einem erneuten Sturz bewahren musste. Erst jetzt nahm sich der junge Kapitänleutnant die Zeit, seinen Gast zu begutachten. Sein Mund klappte auf, als er den bewusstlosen Domenico erblickte. Mit seinen gewieteten braunen Augen blickte er zwischen Galayn und dem Bewusstlosen hin und her. Wieder schob er die Brille die Nase hinauf und setzte stotternd an:
      „I-Ich-Ihr habt den schw-schw-schwarzen Engel b-be-besiegt?“
      Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte ihn Galayn an. Es schien, als ob der unglückliche Murphy zu schrumpfen begann.
      „Offensichtlich. Und jetzt würde ich bitte das Kopfgeld haben.“
      Nervös blinzelnd und an seinem Bart zupfend nickte Murphy eifrig und machte sich dann hastig zu seinem Schreibtisch auf. Kurz davor warf er noch einen raschen Blick zurück und prallte prompt gegen die Tischkante. Mit zusammengebissenen Zähnen rieb sich Murphy die Hüfte, nicht gewillt länger als nur irgend nötig mit diesem Fremden in einem Raum zu sein. Fahrig zog er Schubladen auf, bis er schließlich strahlend einen Schlüssel präsentierte. Damit wandte er sich der weißen, mit blauen Marinesymbolen übersäten Rückwand zu und nahm das einzige Bild im Raum, ein Porträt eines hochdekorierten Marineoffiziers, von der Wand. Zu Galayns großer Überraschung schaffte er es, ohne weitere Ungeschicklichkeit den Safe dahinter zu öffnen. Hektisch schaufelte Murphy gebündelte Geldscheine hervor, die er, ohne auch nur nach zu zählen, auf seinen Schreibtisch warf. Mit einem erleichterten Seufzer knallte der Kapitänleutnant den nun leeren Tresor zu und schloss wieder ab.
      „Hier, genau zehn Millionen Berry.“
      Daran zweifelte Galayn keinen Moment. Trotzdem machte er keinerlei Anstalten, sich das Geld zu holen.
      „Ich würde empfehlen, Domenico Seesteinhandschellen anzulegen.“
      Nickend fing Murphy wieder an in seinen Schubladen zu kramen und tauchte hinter dem Schreibtisch ab. Schon wollte sich Galayn an Ira wenden, da kam aus der sicheren Deckung ein Paar Handschellen angeflogen.
      „Oh nein, dass machst du schön selbst, Murphy!“
      Als er sah, wie der Leutnant hinter dem Tisch hervorgekrochen kam, packte er sich Ira und schob ihn nach vorne.
      „Ich brauche das Geld nicht. Nutze es, um die von Domenico angerichteten Schäden zu beheben. Ich bin mir sicher, Murphy wird dir liebend gerne helfen.“
      Zwei ungläubige Augenpaare sahen ihn an, doch als Ira den Mund aufmachte, kam ihm Galayn zuvor:
      „Du brauchst gar nicht erst versuchen, abzulehnen. Meine Entscheidung ist bereits gefallen.“
      Ira klappte den Mund wieder zu, dann öffnete er ihn erneut:
      „Danke!“
      Mehr war nicht nötig, fand Galayn. Tränen der Freude und Dankbarkeit liefen dem Dörfler über das Gesicht. In sich hinein lächelnd, verließ der Agent das Gebäude, jetzt endlich bereit, wieder aufzubrechen. Draußen strahlte über ihm ein wolkenloser Himmel, in dem nur ein möwenförmiger Schatten das alles umfassende Blau durchbrach. Mit einem lauten Schrei senkte sich die Zeitungsmöwe hinab. Galayn schnippte eine Münze in ihre rote Tasche und griff nach der Zeitung. Es zahlte sich immer aus, informiert zu sein und vor seinem Aufbruch hatte er viel Zeitung gelesen.
      Als er sie aufklappte, um die Schlagzeilen zu überfliegen, fiel ein Steckbrief heraus. Seine hervorschnellende Hand fing ihn aus der Luft. Zwei Dinge fielen ihm ins Auge. Zuerst war da der Hinweis „Only Alive“, was nicht gerade alltäglich für einen Steckbrief war. Doch viel spannender war das Tattoo, welches er halb am Hals des Gesuchten erkennen konnte. Galayn war sich ziemlich sicher, dass es sich um das Tattoo des Musashi-Clans handelte. Als Name war nur Sengchou angegeben, also wandte er sich nach drinnen und rief Murphy herbei. Der warf einen Blick auf das Foto und rückte seine Brille zurecht.
      „Das ist der letzte noch lebende Musashi. Lebte zurückgezogen auf einer der Inseln hier, habe ich gehört. Soweit ich weiß, hat er sich der allgemeinen Wehrpflicht widersetzt und dabei Beamte der Weltregierung angegriffen. Deswegen wird er auch nur lebendig gesucht.“
      Gedankenversunken betrachtete Galayn das Tattoo. Schließlich fällte er eine Entscheidung.
      „Wo kann ich ihn finden?“
      Jetzt, wo es nur ums Denken ging, war Murphy merklich ruhiger geworden. Er strich sich über das Kinn, offenbar nicht sicher, was er sagen sollte. Schließlich antwortete er:
      „Genau weiß ich es nicht, aber wahrscheinlich in der Nähe von Ilha no Navio. Dort in der Gegend wohnte er auch auf der Ilha no Brava. Vielleicht weiß man dort mehr.“
      Galayn konnte es kaum glauben. Das war ja im Prinzip fast sein Ziel. Schon als er den Steckbrief gesehen hatte, war er überzeugt gewesen, dass hier das lang ersehnte Ereignis beginnen würde. Fast euphorisch bedankte er sich und machte sich gedankenverloren auf zum Hafen. Kaum hundert Meter später sah er im Staub der Straße eine kleine ausgeblutete Leiche einer Maus. Galayn bückte sich und hob sie auf. Beunruhigt bemerkte er das fast mumifizierte Aussehen des toten Nagers. Das gefiel ihm gar nicht, aber sein Studium der Teufelskräfte war unvollständig, deswegen konnte er nicht zuordnen, was hier geschehen war. Eine positive Seite hatte der Fund aber, denn als Galayn die Maus wieder zurücklegte, fiel ihm auf, dass sein Boot auf der anderen Seite der Insel lag. Kopfschüttelnd drehte er wieder um und schritt einer nicht mehr so ungewissen Zukunft entgegen.

      ~


      Hauptquartier der CP-0

      In aufgewühltem Zustand erklomm sie die vertrauten Stufen, hinauf zum Büro des Direktors. Hinter sich zurück ließ sie die bewusstlosen Wächter, die am Fuße der prächtigen Marmortreppe Zeugnis von ihrer Unaufmerksamkeit ablegten. Es war ihr nicht schwer gefallen, in das Gebäude einzudringen. Ihre Schnelligkeit bot ihr meist Schutz genug, denn so bevölkert war das Hauptquartier nicht gerade. Auch jetzt noch, zwei Tage nach ihrer überstürzten Abreise aus Vila, grübelte sie über ihre Entscheidung nach, Kill am Leben zu lassen. Schon damals hatte sie gewusst, dass der Agent es ihr mit Sicherheit nicht danken würde, verschont worden zu sein. Doch als sie über ihm stand und auf seinen zerschundenen Körper, der mit den Fetzen seines Mantels nur notdürftig bedeckt einen unschönen Anblick dargestellt hatte, hinabsah, da konnte sie es einfach nicht tun. Inzwischen bereute es sie immer stärker. Sie war in einen Kampf um ihr Leben verwickelt und somit hatte sie jedes Recht auf ihrer Seite, davon war Alatea fest überzeugt. Vielleicht hatte es auch mit dem Dolch zu tun, der detailgetreu jeweils auf seinen beiden Oberarmen eintätowiert für sie erstmals sichtbar gewesen war. Wie auch ihr Schuppentattoo kennzeichnete es ihn. Egal, es war geschehen und die Zeit, in der sie die Sache vergessen sollte, war schon längst überfällig. Alatea ermahnte sich, den Blick nach vorne zu richten. Ein letztes Mal musste sie zurückkehren und dem Direktor in die Augen sehen. Diesmal aber ehrlich von Angesicht zu Angesicht, nicht verborgen hinter einem Sessel oder einer Maske. Vielleicht würde sie sogar Antworten erhalten, worauf sie aber nicht zu hoffen wagte.
      Inzwischen hatte sie das Ende der Treppe erreicht und suchte Halt und Kraft bei einem der geriffelten Treppenpfosten, in die das polierte Geländer auslief. Wie immer bevor sie dem Direktor gegenüber trat, pochte ihr Herz unnatürlich schnell. Diesmal jedoch würde es anders laufen. Nicht länger war sie eine Untergebene, eine Marionette, eine Spielfigur über die der Puppenspieler von seinem Zimmer aus gebot. Mit einem tiefen Atemzug machte sich Alatea auf und öffente die Tür am Ende des rechten Korridores.
      Der Raum hatte sich nicht verändert. Auch wenn es ihr wie eine Ewigkeit erschien, es war noch keine Woche her, da hatte sie ebenfalls hier gestanden. Eine Kleinigkeit war allerdings anders. Der Sessel war dem Eingang zu gedreht und verbarg den Direktor nicht hinter seiner schützenden Lehne vor ihren Blicken. Alatea hatte sich nie ein Bild von ihrem Vorgesetzten gemacht und jetzt, wo sie ihm erstmals ins Gesicht sehen konnte, erschien sein Aussehen ihr einfach richtig. Der Direktor trug einen maßgeschneiderten Anzug und dazu eine Krawatte in langweiligem Schwarz. Schwarz waren auch seine kurzen Haare, die sorgfältig zu einem Mittelscheitel gekämmt waren. Die feisten Wangen sprachen Bände über seinen Bewegungsmangel, während der verkniffene Mund für sie seinen Kontrollzwang repräsentierte. Seine Augen starrten sie entsetzt an, was ihr ein Lächeln entlockte. Wie kam es, dass eine Führungsperson so weit entfernt von der Realität lebte? Fernab von den Geschehnissen draußen saß der Direktor in seinem lederbezogenen weichen Sessel und entschied über Leben und Tod. Aber was sollte man dagegen tun? Sie alle töten? Nein, das war Mord und würde sie nicht besser machen.
      „Guten Tag, Direktor.“
      Ihre spöttische Begrüßung blieb unbeantwortet. Stattdessen langte der Angesprochene zu seiner Teleschnecke.
      „Das würde ich lieber sein lassen. Ich bin nicht her gekommen, um dich zu töten. Gib mir Antworten und ich verschwinde wieder.“
      Der Direktor ließ seine Hand zurück auf den Tisch senken. Er leckte sich die Lippen und kratzte sich an der Nase. Als er seine nervösen Handlungen bemerkte, legte er die Hände parallel auf den Tisch.
      „Dann frag. Aber glaub ja nicht, du würdest damit durchkommen!“
      Alatea seufzte.
      „Ihr könnt es einfach nicht gut sein lassen, oder? Mein Leben gehört mir, aber das ist dir egal. So wie dir mein Leben schon immer egal war. Warum ich?“
      Als nicht direkt eine Antwort kam, schrie sie ihn an:
      „Warum? Was habe ich getan, damit man mir mein Leben nahm? Rede!“
      Der Direktor zuckte vor ihrem Zorn zurück.
      „Es gab keinen Grund, außer dass du ein Kind aus der Gosse warst. Unwichtig und schnell wieder vergessen.“
      Unter ihrem drohenden Blick fügte er noch rasch hinzu:
      „Ich habe dich beobachtet, wie du ein Stück Brot vor einer Bande Junge verteidigt hast, die bestimmt doppelt so alt waren. Du hast sie alleine in die Flucht geschlagen. Das hat den Ausschlag gegeben.“
      Alatea ballte die Hände. Sie war sich sicher, dass der Direktor nicht log, aber in ihrem Gedächtnis war alles so verschwommen. Mehr als dass sie in einem Slum gelebt hatte wusste sie längst nicht mehr.
      „Was war mit meinen Eltern?“
      Diesmal zögerte der Direktor nicht:
      „Keine Ahnung. Vielleicht hattest du welche, vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht und ich habe mich nie dafür interessiert.“
      Alatea kam alles so nutzlos vor. Was hatte sie nur erwartet? Dass sie eine liebende Familie hätte? Dass der Direktor ihr irgendetwas mitteilen würde, was den Weg lohnen würde? Wahrscheinlich waren ihre Eltern längst tot gewesen, mutmaßte Alatea, denn warum sonst sollte sie sonst so alleine für ein Stück Brot unterwegs gewesen sein. Für einen Fehler, den Fehler stark zu sein, hatte der Direktor ihr Leben zerstört. Nicht, dass sie bis dahin ein besonders schönes gehabt haben musste, aber ihre Zukunft hätte in ihrer eigenen Hand gelegen.
      Alatea überlegte, ob es noch eine Frage geben würde, die sie stellen sollte. In ihre Gedanken hinein vernahm sie das entfernte Geräusch von Schritten. Alarmiert schreckte sie auf. Sie zögerte nicht lange und hastete zum Fenster, welches das Sonnenlicht jedoch dank der zugezogenen Vorhänge nicht ins Zimmer ließ. Ohne Rücksichtnahme zerrte Alatea den roten Brokatstoff zur Seite und zerbrach das Glas mit einem Schlag. Vielleicht reagierte sie über, aber Alatea war nicht gewillt ein Risiko einzugehen. Ihr eleganter Skywalk trug sie über die hohe Ziegelmauer, welches den ausladenden Garten vor den Blicken Neugieriger verbarg. Ohne einen Blick zurück floh sie in atemberaubenden Tempo weiter und hielt erst mehrere Straßenzüge weiter inne, als sie sicher war, dass niemand ihr auf den Fersen war.
      Erst jetzt, wo sie an eine Wand gelehnt verschnaufte, traf sie ihre Lage wie ein Hammer. Sie hatte keine Ziele mehr, nicht jetzt, wo sie ihr letztes Vorhaben verwirklicht hatte. Alatea wurde sich mit erschreckender Klarheit bewusst, dass sie nie gelernt hatte, in der Welt zurecht zu kommen. Sie konnte töten, aber keinen normalen Beruf, war ohne Richtung und noch dazu hingen ihr zwei Agenten der CP-0 auf den Fersen. Was sollte sie nur machen? Ehe sie diese so erschreckende Aussicht übermannte, erkannte sie auch die positiven Seiten. Noch mochte sie richtungslos sein, ohne Pläne, Wünsche und Ziele, aber sie hatte Zeit und die Freiheit sie zu finden und dann zu verwirklichen. Bevor das jedoch möglich war, musste sie zuerst von der Insel verschwinden und so schwer es ihr auch fallen würde, Alatea erkannte, dass sie untertauchen musste. Mit einer Mischung aus Bangen und Hoffen begann sie, erst zögerlich, dann immer forscher, dem Hafen zu zustreben.

      Zeitungsartikel


      Der Ulcoraug – nur ein Mythos?

      Die Wahrheit hinter der Legende
      Von Prof. Dr. phil. cult. hist. Jakob J. H. Campbell

      Eines der weniger untersuchten und bekannten Kapitel der Sagen ist die bereits Jahrhunderte alte Legende vom Ulcoraug. Dabei ist eine Dualität des daraus entstandenen Mythos zu beachten. Man unterscheidet hierbei die Gestalt des Ulcoraugs als dämonische Kreatur und den Kult des Ulcoraugs, den üblicherweise Verschwörungstheoretiker als menschenopfernde Religion hinter den Schatten agieren sehen.

      Doch was ist dran an den Theorien um die Existenz sowohl des Wesens als auch des den Ulcoraug verehrenden Kultes?

      Fangen wir mit der Schreckensgestalt selbst an. Der erste datierte Bericht stammt bereits aus dem Jahre 66. Hier wird von einer historisch nicht identifizierten Quelle folgendes beschrieben:
      „Die Flotte unseres Kaisers stieß […] auf eine neuartige Tierart. Von den wenigen Überlebenden der ersten Inselexpedition wurden wirre Beschreibungen einer haushohen gehörnten Kreatur geliefert. […] Widersprüchliche Aussagen ergaben ungefähr folgendes Bild: das Tier bewegt sich auf vier Beinen und der Kopf ist wie bei einem Stier mit Hörnern versehen. Aus dem Rücken sprießen entweder zwei Arme oder Flügel, […]“
      Viel genauere Beschreibungen finden sich weder im Folgenden, noch in diversen Aufzeichnungen der nächsten Jahrhunderte. Einig sind sich alle Quellen nur in einem: der Ulcoraug besitzt zwei weitere Extremitäten auf dem Rücken.
      Doch in der Zeit nach dem verlorenen Jahrhundert gibt es keine weiteren Hinweise auf Sichtungen des Ulcoraugs. Leider sind auch gefundene und dem Ulcoraug zugeordnete Knochen während des verlorenen Jahrhunderts verschwunden. Sollte dieses Wesen also jemals existiert haben, was ich persönlich anhand der Quellenlage als historisch korrekt ansehe, so deutet alles darauf hin, dass es innerhalb des verlorenen Jahrhunderts ausgestorben ist.
      Natürlich gibt es nach wie vor immer wieder Leute, die behaupten, den Ulcoraug gesehen zu haben. Doch die Tatsache, dass dies stets Einzelsichtungen waren, die niemals bestätigt werden konnten, deuten darauf hin, dass diese Personen nur die ihnen bekannte Sage nutzten, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
      Halten wir fest: der Mythos des Ulcoraugs ist nicht nur eine Legende, sondern er hat, wie zum Beispiel auch Mammuts, vor längerer Zeit gelebt und ist inzwischen ausgestorben.

      Der zweite Punkt ist der Kult um den Ulcoraug. Die Schilderungen des Ulcoraug als menschenfressendes Monster, haben den Grundstock gelegt für die im Allgemeinen als Legende geltende Religion.
      Viele Jahrhunderte haben dafür gesorgt, dass das Wissen um den Ulcoraug inzwischen nur noch wenig verbreitet ist, doch so wie es einige wenige gibt, die immer noch für eine Weiterverbreitung der Mythologie sorgen, könnte es ebenso noch Überbleibsel eines Kultes geben. Jedenfalls gibt es Hobbyhistoriker und Freizeitmythologen, die durch ihre Nachforschungen herausgefunden haben wollen, dass es auch in unserer heutigen Zeit einen solchen Kult gibt. Deren Verehrung soll Menschenopfer beinhalten, die diese Leute vermissten Personen zuordnen.
      Betrachtet man diese Behauptung objektiv, so wird man einen eklatanten Mangel an Beweisen antreffen. Die Verbreitung des Kultes müsste demzufolge groß genug sein, um im Prinzip sämtliche Blues, als auch die Grandline zu umfassen. Dennoch wurde niemals auch nur eine einzige Leiche gefunden, kein Opferplatz entdeckt oder eine Kultstätte gefunden.
      Die Idee eines Kultes taugt also zu nicht mehr, als eine Schreckgeschichte für Kinder, entspricht aber keinesfalls der Wahrheit.

      Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es bei dem Mythos um den Ulcoraug, wie bei den meisten Legenden, ein Körnchen Wahrheit gibt. Doch aus wissenschaftlicher Hinsicht ist kein Hinweis darauf zu finden, dass es in den letzten Jahrhunderten einen Ulcoraug gab, noch etwas, was damit in Verbindung steht.

      Dank blink's hilfreicher Kritik jetzt etwas aufpoliert. Wirklich unbekanntes oder nicht vorhandenes wird jetzt entsprechend deutlich gekennzeichnet sein, während ein '-' lediglich auf eine bislang fehlende Information hinweist.


      Hydra, kurz H, inzwischen Alatea


      Alter: 22
      Größe: 175 cm
      TF: Kryptid-Zoan, Modell: Hydra
      Zugehörigkeit: CP-0, inzwischen ohne Zugehörigkeit
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 1
      Sonstiges:
      • Teil des Programms "Gnati"
      • konditioniert auf bedingungslosen Gehorsam
      • hat Zweifel an ihrem Tun
      • hat Alatea entwickelt als neues Ich, mit dem sie ein neues Leben beginnen möchte


      Kill, kurz K

      Alter: -
      Größe: 185 cm
      TF: -
      Zugehörigkeit: CP-0
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 2
      Sonstiges:
      • scheint der CP-0 gegenüber loyal zu sein
      • hat Freude am Töten
      • kennt Hydras Schlüsselwort



      Der Direktor

      Alter: -
      Größe: -
      TF: -
      Zugehörigkeit: CP-0
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 1
      Sonstiges:
      • scheint die Mitglieder der CP-0 zu unterstützen (gab Hydra eine zweite Chance)
      • zeigt sein Gesicht (zumindest) seinen Agenten nicht
      • Bora mag ihn und seine Machenschaften nicht
      • Verantwortlicher des Programmes "Gnati"


      Bora

      Alter: 52
      Größe: 178 cm
      TF: -
      Zugehörigkeit: Psychologe der Weltregierung
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 3
      Sonstiges:
      • besitzt großen Einfluss, der allerdings im Schwinden begriffen ist
      • sehr unordentlich, jedoch in seinem Beruf genial
      • gebildet, so kennt er die Legende des Ulcoraug
      • eher unfreiwillig mit Galayn verbunden


      Hawk

      Alter: Mitte dreißig
      Größe: 184 cm
      TF: -
      Zugehörigkeit: Kapitän der Hawk-Piraten
      Kopfgeld: 46.000.000 Berry
      Status: gefangen von der Weltregierung
      Erster Auftritt: Kapitel 1
      Sonstiges: -


      Anführer des Kultes

      Alter: -
      Größe: -
      TF: vermutet
      Zugehörigkeit: Kult des Ulcoraug
      Kopfgeld: -
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 1 / Prolog
      Sonstiges:
      • hat ein Auge auf Galayn, der ihn jagt
      • ist untergetaucht
      • scheint ein Kannibale zu sein
      • rote Augen


      Galayn, hat sich auch Dulug genannt

      Alter: -
      Größe: 190 cm
      TF: -
      Zugehörigkeit: freier Agent der Weltregierung
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 1 / Prolog
      Sonstiges:

      • besitzt auffällige Körpermerkmale: violette Augen und Kettentätowierungen an den Armen
      • scheint zwei Persönlichkeiten zu besitzen
      • ist auf der Jagd nach dem Kult
      • sozial schwierig, ohne sich dessen bewusst zu sein
      • Zwang die Kontrolle zu haben (einseitiges Gespräch mit Bora)
      • war früher laut eigener Aussage kriminell


      Domenico, auch genannt "schwarzer Engel"

      Alter: -
      Größe: -
      TF: Krähenfrucht
      Zugehörigkeit: keine
      Kopfgeld: 10.000.000 Berry
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 5 (Erwähnung), Kapitel 6 (Auftritt)
      Sonstiges:
      • skrupellos
      • hat eine Verbindung zu den Boten der Apokalypse
      • erpresst Geld von der Bevölkerung Ilha no Meios


      Verzweiflung


      Alter: -
      Größe: -
      TF: vermutet
      Zugehörigkeit: Boten der Apokalypse
      Kopfgeld: 296.000.000 Berry
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 10
      Sonstiges:
      • hat eine Albinomaus als Haustier
      • trägt weitere Mäuse mit sich, hat eine davon getötet und angebissen
      Krieg


      Alter: -
      Größe: -
      TF: -
      Zugehörigkeit: Boten der Apokalypse
      Kopfgeld: unbekannt
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 10 (Erwähnung)

      Zerstörung


      Alter: -
      Größe: -
      TF: -
      Zugehörigkeit: Boten der Apokalypse
      Kopfgeld: unbekannt
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 10 (Erwähnung)

      Erster


      Alter: -
      Größe: -
      TF: -
      Zugehörigkeit: Boten der Apokalypse
      Kopfgeld: unbekannt
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 10 (Erwähnung)
      Sonstiges:
      • Scheint der Anführer der Boten zu sein


      Ruin


      Alter: -
      Größe: -
      TF: -
      Zugehörigkeit: Bruderschaft
      Kopfgeld: unbekannt
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 10 (Erwähnung)
      Sonstiges:
      • Hat den Vorgänger von Verzweiflung getötet
      • Anführer der Bruderschaft


      Murphy


      Alter: -
      Größe: -
      TF: -
      Zugehörigkeit: Marine, stationiert auf Ilha no Meio
      Kopfgeld: -
      Status: lebendig
      Erster Auftritt: Kapitel 10
      Sonstiges:
      • tollpatschig
      • scheint kein Kämpfer zu sein


      Ilha no Meio:

      1. Ira: Bewohner des namenlosen Dorfes, dessen Bruder von Domenico erschossen wurde
      2. Arturo: Iras getöteter Bruder
      3. Ricardo: Dorfältester
      4. Everaldo: ein Dorfbewohner, gehört zu dessen Vertretern
      5. Fernanda: Everaldos Frau, setzt sich für Galayn ein
      Vila:

      1. Alatea: Mädchen aus dem Slum, deren Bruder an der Rebellion beteiligt war und von Kill getötet
      2. Ramirez: Alateas Freund, von Kill getötet
      3. Devante: Alateas Bruder, vermutlich von Kill getötet
      4. König Philipp V.: Vilas Herrscher, der die Hilfe der CP-0 angefordert hat und für die Niederbrennung der Slums verantwortlich ist



      Viel Spaß!

      So, Arc I ist beendet und mit Arc II geht es hier weiter



      Voraussichtliche Veröffentlichung des nächsten Kapitels: bin ein schlechter Prophet und hülle mich diesmal lieber in Schweigen
      Dateien
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      "The chains of fear are easily broken with the blade of courage."
      Meine FF: Erlebnisse eines Meisterdiebes (abgeschlossen)
      Chainbreaker (laufend)

      Dieser Beitrag wurde bereits 29 mal editiert, zuletzt von Eldrail () aus folgendem Grund: Characterguide geupdatet

    • Moin, moin, da ist er wieder zurück!

      Mit dem Prolog hast du uns zwei Extreme geboten. Extreme dahingehend, wie jemand handelt, gnadenlos, 'absolut Böse' ausstrahlend, schwarz, ohne großen Spielraum zur Bewertung. Kann man uns sollte man nicht gutheißen. Die Umschreibungen dessen verstärkten diesen Eindruck von diesem unsteigerbar schlechten, wenn von Inferno und Apokalypse die Rede ist - eine geräuschliche Kulisse, was Neues zur allgegenwärtigen Geräuschkulisse. Ich habe dabei den Eindruck gewonnen, dass du das böse zeichnen wolltest. Dass du es verständlich zeichnen wolltest. Verständlich im Sinne von offensichtlich und einfach. Als Leser war es einfach darauf zu stoßen, welchen Eindruck man sich zu machen hat.
      Ich denke, dass du es dir hier einfach gemacht hast, indem du diese Begriffe genutzt hast. Ich habe verstanden, was du damit ausdrücken möchtest, die Botschaft ist ziemlich einleuchtend. Dahingegen habe ich nicht begriffen, dass es schrecklich ist. Du schreibst vom Schrecken, was passiert, nicht aber, wie es zu beschreiben oder zu sehen ist. Beschreibend ist, was passiert, nicht unbedingt das "wie". Gemetzel und Leichenberge sind in dem Fall Begriffe, die ein fürchterliches Szenario charakterisieren, die es allerdings kaum näher beschreiben. Das liest sich, was ich schreibe, widersprüchlich. Worauf ich hinaus möchte, ist, dass du einen Überblick vermittelst, weniger einen Einblick. Die fürchterliche Ernte halten, das ist eine Redewendung, hier eine Dopplung. Leute werden niedergemetzeln und zusammengetrieben - und vom Monster und seinen Schergen de facto getötet. So viel anderes heißt es nicht.

      Das zweite Extrem ist dann der Part des bald racheschwingenden Mannes, dessen Gefühlswelt sehr viel detaillierter, sehr viel greifbarer beschrieben wurde. Tropfen für Tropfen füllt sich das emotionale Fass, das keinen Boden zu kennen glaubt, nur um in einem Moment der Stille endlich überzulaufen - endlich zu zeigen, dass Bewegung da ist. Kein nicht-gefühlter Stillstand, sondern innere Bewegung, die lautlos und zugleich berstend Ketten sprengt. Der Tod des Freundes "bricht die Ketten", Kettenbrecher, genauer, sprengt die Ketten, die den Mann an diesen Ort, womöglich dieses nun zerstörte, betrachtete Haus, dessen zerstörte BalkenHolzH, uh? - und seine Beziehung zum nun klump-gewordenen Freund gebunden hat. So sind mindestens zwei Elemente tot bzw. zerstört, die ihn zur temporären, doch länger erhofften Rast innehalten ließen, sodass er sich nun aufmacht, um das zu tun, was nun getan werden muss. Wo immer 'die' längliche Kiste herkam, aus der er 'ein' Schwert holte:

      In einer Rückblende sehen wir sicher noch den Punkt, an dem xy starb, der Protagonist das brennende Haus verließ, um die Dinge daraus zu sichern, die er nun braucht. Oder aber wohnt er dort und läuft jeden Tag mit seiner Kiste durch die Gegend. Beziehungs verließ er das nun zusammenstürzende Haus von xy, um mit dessen Schwert nun nach Rache zu sinnen. Kann alles, kann wenig sein - zwei Leute vom gleichen Hintergrund bzw. einer, der "normaler" war als der andere (hier, der Protagonist), der in seinem Freund den Rückzug fand, den es brauchte, um aus diesem einst unerträglichen Leben zu entfliehen. Einem, dem man nicht so einfach den Rücken kehren kann. Auch wenn man sich dies stets erhoffte. We'll see!

      Hätte ja was, wenn wir hier kein Monster aus der Hölle vor uns haben, sondern jemanden aus der Marine, so wie das Logo nach Sengokus Möwenmütze ausschaut. ^^
      So viel bzw. so kurz dazu!

      See you later!
      blink
    • Schön. Wenn sich Blink auf den Inhalt stürzt, kann ich mich gleich dem Schreibstil widmen. Aber zuerst möchte ich dich wieder als Autor hier begrüßen. Es freut mich, dass du eine neue FF startest und ich hoffe, dir diesmal als Leser erhalten bleiben zu können. Es gibt ohnehin viel zu viele Geschichten, die sich eigentlich aufzuholen habe. Da kommt es mir sehr gelegen, deine aus der Ursuppe steigen zu sehen. :)

      Aber zuerst: Ich mag den Titel nicht. Wieso in Englisch? Gefällt mir nicht. Hattest du Angst, bei einem Titel wie "Gesprengte Ketten" hätten wir alle gleich Steve McQueen erwartet?^^
      Und diese Einbindung des Symbols als Anhang sagt mir auch nicht zu. Hätte man auch einfach mit Worten beschreiben können. War's das? Das war's. Grob subjektive Kritikpunkte abgearbeitet, widmen wir uns also der wichtigeren Bewertung. ;)


      Stilistisch traust du dich diesmal viel mehr als noch in deiner ersten Geschichte und gibst dir Mühe, ein plastischeres Bild zu zeichnen. Feuer leckt an Holz, die Welt des Mannes stürzt zusammen mit den verkohlten Häusergerippen in sich zusammen, das Monster erntet seine Früchte - Leid und Schmerz und Angst und Tod. Das macht einen sehr ordentlichen und gereiften Endruck, auch wenn hin und wieder deutlich wird, dass du dich noch nicht so 100%ig wohl damit fühlst. Oder? Mal als Beispiel:

      Eldrail schrieb:

      Langsam wandte er sich den Relikten einer von ihm bereits als vergangene Phase seines Lebens eingeschätzten Zeit zu.
      Etwas staksig formuliert. Man versteht natürlich, was du sagen willst, aber es hätte gewiss dynamischere und gewandtere Formulierungen gegeben. Ambitionen sind eine wichtige Sache, sollten sich aber mit den Fertigkeiten des Schreibers entwickeln und nicht wie ein Damoklesschwert über dessen Fingern hängen. Gerade, wenn man nicht so genau weiß, wie man etwas schreiben soll, ist weniger manchmal mehr. Nur als kleiner Tipp, solltest du den wortreicheren, romantischeren Stil vertiefen wollen.

      Aber das nur nebenbei. Als Ganzes betrachtet wirkt dein Prolog angenehm aufgeräumt, jedoch hätte ich mich - wie Blink bereits erwähnte - stärker auf den ersten Teil fokussiert. Das Grauen, der Terror, die Gewalt; du nutzt gewaltige Worte für den Einstieg und versäumst es anschließend, den Alptraum von Nahem zu beschreiben. Kinder, die nach ihren Müttern schreien, welche irgendwo zwischen den brennenden Überresten der Väter vergewaltigt werden; eine einsames Großmütterchen kann nicht fortrennen und ergibt sich dem gewaltsamen, unabwendbaren Tode. Du verstehst, was ich meine? Emotionen quellen fast immer aus kleinen, intimen Momenten, in die sich der Leser hineinversetzen kann. Besonders im Bezug auf das Rachemotiv sind derartige Empfindungen enorm bedeutsam. Nach dem groben Skizzieren der Szenerie näher herangehen, die grausigen Details beschreiben, furchtbare Momente offenlegen und den Leser zum Voranschreiten zwingen. Umso befriedigender wäre das Ende um den Rächer gewesen.

      Nichtsdestotrotz ein ordentlicher Einstieg, der mir Spaß beim Lesen bereitet hat. Wie immer wirkt mein Beitrag zwar recht negativ, ist es aber nicht. Ich habe mich lediglich auf die Verbesserungsvorschläge gestürzt. Eigentlich weiß dein Prolog zu gefallen und ich bin gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt. Das Motiv der Rache, welches gewiss nicht die einzige Konstante bleiben wird, ist seit jeher ein bewährtes Mittel des Geschichtenerzählers und nutzt sich nur selten ab. Also dann, auf eine lange und gute FF. Mehr von mir, wenn es mehr von dir gibt. :)


    • Bevor ich mich blinks mittlerweile vier Kapitel zuwende noch etwas zu deinem neuen FF, bevor du auf die Idee kommst und ein weiteres Kapitel zu präsentieren. ^^

      Zunächst freue ich mich sehr darüber, wieder ein FF von dir zu lesen und bilde mir gerade ein, dass der letzte Motivationsschub dafür, mit meiner neuen FF-Übersicht im Zusammenhang steh. :saint:

      Aber was will eine alte Spürkatze wie ich hier, nachdem die zwei Gewalten des Inhalts, des Aufbaus und des Schreibstieles blink und Bo schon vorbeigekommen sind und es in einem Prolog nicht gerade viel zu interpretiert und herauszufinden gibt. Aber ein Ermittler ist geduldig und schaut was er kriegen kann, nicht immer gibt es direkt am Tatort die besten Hinweise.

      Tatort (bitte ein Sternchen für die Überleitung :P ) deines Prologs ist eine bisher friedliche Stadt, die nun dem wüten eines Mannes und seiner Untergebenen zu Opfer fällt. Hier muss ich blink und Bo zustimmen, zur Stadt und ihren Bewohner empfinde ich kaum etwas. Du benutzt zwar wunderbare und beeindruckende Worte, aber es kommt leider eher wenig davon bei mir auf der Gefühlsebene an. Da brennt eine Stadt und deren Bewohner werden sehr erfolgreich abgeschlachtet, mehr ist da gerade nicht. Die fliehenden und ängstliche werden sofort getötet, die welche sich wehren, zum Boss gebracht, damit dieser auch seinen Spaß hat und einen bequemeren Sitzplatz^^. Angeblich gibt es gegen Ende nur einen Überlebenden, womit die Angreifer sehr erfolgreich sind, denn eigentlich gibt es immer einige die rechtzeitig Fliehen oder sich verstecken können. Womit wie bei der Frage wären, warum die diesen einen Überlebenden übersehenen haben.

      Bei ihm kommen die Gefühle viel besser zum tragen, die Dramatik seiner Empfindungen kann ich ziemlich gut nachvollziehen. Früher war er anscheinend mal ein sehr erfolgreicher und gefährlicher Schwertkämpfer. Diese Leben wollt er aber hinter sich lassen und hier ein friedliches neues Leben führen. Eine Frage wäre, ob sein Freund ihn schon früher begleitet hat, er ihn hier gefunden hat und dieser vielleicht sogar der Grund für seinen Sinneswandel ist oder er ihn schon aus seiner Kindheit kennt. Aber wer oder was war diese Person, als sie noch als Schwertkämpfer unterwegs war. Die Beschreibung der Veränderungen seiner Person/Wahrnehmung während er Richtung Stadtzentrum geht, lassen zwar er auf eine finstere Vergangenheit schließen, aber der letzte Abschnitt deutet trotzdem eher auf die "gute" Seite hin. Weswegen ich derzeit durchaus auf einen ehemaligen KGJ Tippen würde. Ein klassischer Marinesoldat oder Agent der WR scheiden für mich derzeit eher aus, was aber an den Formulierungen in deinen beiden Teasern liegt. Also abwarten und Teeschlecken, ich mag keinen Kaffee.... (Vielleicht sollte ich aufhören, zu versuchen, den Kommentar mit lustigen Bemerkungen aufzulockern und zu füllen X/ )

      Als letztes bleibt noch das Symbol, welches bisher alles und nichts bedeuten kann. Denn vorerst sind es nur Striche, sind in denen man alles mögliche erkennen kann. Hier heißt es ebenfalls waren.

      Mehr wird es bei mir dieses mal nicht werden, dafür gibt es dann doch zu wenig Hinweise. Die Wahrnehmung der bösen Existenz könnte noch auf Ovserwatiosnhaki hindeuten, aber das wars dann auch. Ich bin schon gespannt darauf wie es weitergeht, wenn ich einmal eine Fährte aufgenommen habe... ( Ich kann es diesmal echt nicht lassen XD )
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
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      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
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      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • So, da es ja bisher nur den Prolog gab, kommt das Kapitel 1 etwas schneller. Insbesondere, da es sich um einen Prolog handelt, der zwar eine relevante Szene beinhaltet, aber erstmal nicht direkt eine Rolle spielt.

      blink:
      Der Experte hat natürlich gleich einen guten Punkt angesprochen^^

      blink schrieb:

      Worauf ich hinaus möchte, ist, dass du einen Überblick vermittelst, weniger einen Einblick.

      blink schrieb:

      Ich habe dabei den Eindruck gewonnen, dass du das böse zeichnen wolltest. Dass du es verständlich zeichnen wolltest. Verständlich im Sinne von offensichtlich und einfach. Als Leser war es einfach darauf zu stoßen, welchen Eindruck man sich zu machen hat.
      Ja, da hast du natürlich den richtigen Eindruck. Gerade hier habe ich es nicht gut gemacht, würde ich zustimmen. Wie man auch gut erkennt, sowohl an Länge, als auch an der Ausarbeitung, war der zweite Teil der für mich relevantere Teil, der dann auch entsperchend besser geschrieben ist. Trotzdem hätte ich mich besser mehr bis ganz am Anfang beschränken sollen, oder aber den Versuch unternehmen sollen, es wirklich nahe zu bringen. Tatsächlich war der erste Teil sogar mal länger, wenngleich ich nicht sicher bin, ob er wirklich besser war, allerdings habe ich ihn dann noch gekürzt...
      Danke für die Kritik!

      blink schrieb:

      In einer Rückblende sehen wir sicher noch den Punkt, an dem xy starb, der Protagonist das brennende Haus verließ, um die Dinge daraus zu sichern, die er nun braucht. Oder aber wohnt er dort und läuft jeden Tag mit seiner Kiste durch die Gegend. Beziehungs verließ er das nun zusammenstürzende Haus von xy, um mit dessen Schwert nun nach Rache zu sinnen. Kann alles, kann wenig sein - zwei Leute vom gleichen Hintergrund bzw. einer, der "normaler" war als der andere (hier, der Protagonist), der in seinem Freund den Rückzug fand, den es brauchte, um aus diesem einst unerträglichen Leben zu entfliehen. Einem, dem man nicht so einfach den Rücken kehren kann. Auch wenn man sich dies stets erhoffte. We'll see!
      Da ist richtiges dabei, zwar nicht alles, aber vieles. Sicherlich wird dieser Prolog später noch aufgegriffen werden. Dann rückt der verstorbene Freund auch mehr in den Fokus und die Zusammenhänge werden betrachtet. Aber zuerst ist es nur ein Prolog, ein Teaser, eine Vorschau und ein richtungsweisendes Ereignis kurz dargestellt.

      blink schrieb:

      Hätte ja was, wenn wir hier kein Monster aus der Hölle vor uns haben, sondern jemanden aus der Marine, so wie das Logo nach Sengokus Möwenmütze ausschaut. ^^
      Nein, es ist nicht Sengoku und seine Mütze^^


      Bo:
      Gut, dass der Meister des extravaganten Schreibstils sich meines deutlich bescheideneren annimmt^^

      -Bo- schrieb:

      Aber zuerst: Ich mag den Titel nicht. Wieso in Englisch? Gefällt mir nicht. Hattest du Angst, bei einem Titel wie "Gesprengte Ketten" hätten wir alle gleich Steve McQueen erwartet?^^
      Ja, kann ich verstehen. Erstmal finde ich es gut, dass du "Gesprengte Ketten" kennst. Hatte ich früher mal einen Moment erwogen, aber wieder verworfen, denn der Titel ist mehr eine Bezeichnung einer Tätigkeit, denn das Resultat. Und zumindestens mir hat es auf Englisch besser zugesagt.

      -Bo- schrieb:

      Und diese Einbindung des Symbols als Anhang sagt mir auch nicht zu. Hätte man auch einfach mit Worten beschreiben können.
      Ebenfalls verständlich, und dennoch bin ich nicht unzufrieden, es so eingebunden zu haben. Erstens, damit es sicher erkannt wird und zweitens, weil ich so auf spätere Assoziationen hoffe.

      -Bo- schrieb:

      Stilistisch traust du dich diesmal viel mehr als noch in deiner ersten Geschichte und gibst dir Mühe, ein plastischeres Bild zu zeichnen.
      Grundsätzlich denke ich, dass es so für mich passt. Zu romantisch, wie du es hier betitelst, kann ich, glaube ich jedenfalls, gar nicht leisten, aber zumindestens will ich versuchen, nicht zu nüchtern zu werden. Mal sehen, wie es wird, denn tatsächlich ergibt es sich meist einfach so, ohne dass ich da speziell auf etwas achte.

      -Bo- schrieb:

      Man versteht natürlich, was du sagen willst, aber es hätte gewiss dynamischere und gewandtere Formulierungen gegeben.
      Ja, meine ungelenken Formulierungen. Ich habe dummerweise die Neigung zu solch schwerfälligen Äußerungen auch im normalen Leben und gerade deswegen wird es wohl hin und wieder vorkommen. Aber aus diesem Grund versuche ich ja noch im Nachinein durchzugehen, was ich produziert habe, um dann noch an Details zu arbeiten und zu verbessern.

      -Bo- schrieb:

      Nur als kleiner Tipp, solltest du den wortreicheren, romantischeren Stil vertiefen wollen.
      Gerne! Tipps und Kritiken sind immer gut, denn auch wenn man optimalerweise natürlich perfekt dastehen will, ist dies eben nicht der Fall und seine Fehler sollte man schon vorgehalten bekommen^^

      -Bo- schrieb:

      Emotionen quellen fast immer aus kleinen, intimen Momenten, in die sich der Leser hineinversetzen kann. Besonders im Bezug auf das Rachemotiv sind derartige Empfindungen enorm bedeutsam. Nach dem groben Skizzieren der Szenerie näher herangehen, die grausigen Details beschreiben, furchtbare Momente offenlegen und den Leser zum Voranschreiten zwingen. Umso befriedigender wäre das Ende um den Rächer gewesen.
      Stimmt, allerdings sollte ich da wohl festhalten, dass der Rächer ja bereits am Ende schon nicht mehr der Rächer ist. Zudem muss man sagen, dass es hauptsächlich das Schicksal einiger weniger ist, die ihn aufrütteln. Trotzdem sollte ich da dran arbeiten.

      -Bo- schrieb:

      Nichtsdestotrotz ein ordentlicher Einstieg, der mir Spaß beim Lesen bereitet hat. Wie immer wirkt mein Beitrag zwar recht negativ, ist es aber nicht.
      Freut mich zuhören. Schön, dass nicht alles negativ ist und vor allem nicht stören lassen. Kritik muss raus, man kann ja konstruktiv auf etwas hinweisen.


      qoii:
      Der treueste Leser, es ist schön, dass du immer da bist!

      qoii schrieb:

      Bevor ich mich blinks mittlerweile vier Kapitel zuwende noch etwas zu deinem neuen FF, bevor du auf die Idee kommst und ein weiteres Kapitel zu präsentieren. ^^
      Ja, der schreibt auch wie am Fließband^^ Aber ich würde doch nicht vor deinem Kommentar weiter machen, denn dass es kommen wird ist ja so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich versuche ja, im obersten Beitrag eine voraussichtliche Veröffentlichungszeit stehen zu haben. Je nach Situatoin kann ich die natürlich mal verfehlen, aber wer weiß.

      qoii schrieb:

      Zunächst freue ich mich sehr darüber, wieder ein FF von dir zu lesen und bilde mir gerade ein, dass der letzte Motivationsschub dafür, mit meiner neuen FF-Übersicht im Zusammenhang steh
      Da hat er natürlich wieder den richtigen Riecher gehabt^^

      qoii schrieb:

      Aber ein Ermittler ist geduldig und schaut was er kriegen kann, nicht immer gibt es direkt am Tatort die besten Hinweise.
      Klar, hier wird man nur begrenzt viel finden können, aber das folgende bewiest, was alles noch geht!

      qoii schrieb:

      bitte ein Sternchen für die Überleitung
      * bitte sehr

      qoii schrieb:

      Angeblich gibt es gegen Ende nur einen Überlebenden, womit die Angreifer sehr erfolgreich sind, denn eigentlich gibt es immer einige die rechtzeitig Fliehen oder sich verstecken können. Womit wie bei der Frage wären, warum die diesen einen Überlebenden übersehenen haben.
      Nun, die Angreifer sind gut gewesen, aber natürlich gibt es schon noch Überlebende, halt nur nicht in der Stadt selbst. Ein Geflüchteter oder Abwesender wäre für mich da nicht zugehörig.
      Was den Überlebenden angeht, so ist dieser tatsächlich aus gutem Grund "übersehen" worden, denn er war zum Zeitpunkt des Angriffes noch gar nicht da und ist erst im Verlaufe dessen dazugestoßen. Zudem, selbst wenn man ihn gesehen hätte, bleibt ja noch offen, ob man davon noch erzählen hätte können ;)

      qoii schrieb:

      Bei ihm kommen die Gefühle viel besser zum tragen, die Dramatik seiner Empfindungen kann ich ziemlich gut nachvollziehen. Früher war er anscheinend mal ein sehr erfolgreicher und gefährlicher Schwertkämpfer. Diese Leben wollt er aber hinter sich lassen und hier ein friedliches neues Leben führen. Eine Frage wäre, ob sein Freund ihn schon früher begleitet hat, er ihn hier gefunden hat und dieser vielleicht sogar der Grund für seinen Sinneswandel ist oder er ihn schon aus seiner Kindheit kennt. Aber wer oder was war diese Person, als sie noch als Schwertkämpfer unterwegs war. Die Beschreibung der Veränderungen seiner Person/Wahrnehmung während er Richtung Stadtzentrum geht, lassen zwar er auf eine finstere Vergangenheit schließen, aber der letzte Abschnitt deutet trotzdem eher auf die "gute" Seite hin. Weswegen ich derzeit durchaus auf einen ehemaligen KGJ Tippen würde. Ein klassischer Marinesoldat oder Agent der WR scheiden für mich derzeit eher aus, was aber an den Formulierungen in deinen beiden Teasern liegt. Also abwarten und Teeschlecken, ich mag keinen Kaffee.... (Vielleicht sollte ich aufhören, zu versuchen, den Kommentar mit lustigen Bemerkungen aufzulockern und zu füllen )
      Ja die Vergangenheit. Da richtig zu liegen ist meines Erachtens quasi unmöglich, aber es wäre ja auch langweilig, wenn es zu stereotyp wäre. Ob er gut oder schlecht ist, lasse ich erstmal offen. Auf den Freund will ich hier noch gar nicht weiter eingehen, diese Beziehung kann und will ich zur Zeit noch nicht betrachten. Halten wir erstmal fest, dass es mindestens einen Freund gab.
      Und lustige Bemerkungen sind kein Problem^^

      qoii schrieb:

      Als letztes bleibt noch das Symbol, welches bisher alles und nichts bedeuten kann. Denn vorerst sind es nur Striche, sind in denen man alles mögliche erkennen kann. Hier heißt es ebenfalls waren.
      Die Striche sind eine abstrakte Darstellung von etwas, aber zuerst abwarten und Tee trinken.

      qoii schrieb:

      Mehr wird es bei mir dieses mal nicht werden, dafür gibt es dann doch zu wenig Hinweise. Die Wahrnehmung der bösen Existenz könnte noch auf Ovserwatiosnhaki hindeuten, aber das wars dann auch. Ich bin schon gespannt darauf wie es weitergeht, wenn ich einmal eine Fährte aufgenommen habe... ( Ich kann es diesmal echt nicht lassen XD )
      Reicht doch auch. Observationshaki ist nicht schlecht und ist natürlich richtig. Mal sehen, was bei deiner Jagd noch alles gefunden wird :)


      Also erstmal noch vielen Dank für die Kommentare und jetzt viel Spaß mit dem ersten richtigen Kapitel. Ich bin doch sehr gespannt, wie das gesehen wird bzw. aufgenommen wird.
      "The chains of fear are easily broken with the blade of courage."
      Meine FF: Erlebnisse eines Meisterdiebes (abgeschlossen)
      Chainbreaker (laufend)
    • Dann bin ich mal der Erste, der dein neues Kapitel kommentiert. Sonderlich ergiebig war es zwar nicht, scheint aber einen groben Überblick über die Gesamtsituation zu geben.

      Chronologisch beginnend, starte auch ich bei Hawk. Dieser Charakter, so bedeutend oder unbedeutend er letztlich sein wird, schrie für mich sofort: Vehikel. Was meine ich damit? Eine Figur, die nur dazu dient, etwas oder jemand anderen einzuführen. Das mache ich selbst ziemlich gerne. In eine Szene starten, den handelnden Charakter vorstellen und dem Leser näher bringen, ihm als Menschen Leben einhauchen. Und dann, zack, stellt sich heraus, dass die gesamte Existenz nur für den großen oder kleinen, famosen oder bestürzenden Auftritt eines anderen, bedeutsameren Charakters dient. Diesen Eindruck macht Hawk auf mich bisher. Klar, kann ich mich täuschen, aber persönlich platziere ich meine Wette eher auf dem Mann im kleinen Segelboot.

      Nächster Schauplatz: Das Versteck des Oberschurken. Period.
      Also ich glaube, da gibt es nicht viel zu mutmaßen. Der Rote-Augen-Mann ist wohl mit ziemlicher Sicherheit einer der bösen Buben, wenn nicht gar der böse Bube, der allen anderen bösen Buben das Milchgeld abknöpft und die Unterhosen über die Ohren zieht. Ich für meinen Teil fände es ja interessant, wenn du diese klare Marschroute konsequent durchziehst. Ich meine, in meiner oder Vexors FF ist bis heute ja noch nicht so richtig klar, wer denn nun der große Antagonist ist. Es gibt viele Kandidaten, viele offene Stränge, alles ist möglich. Tatsächlich wäre es einfach erfrischend, wenn du gleich zu Beginn mit dem Finger drauf zeigen und uns sagen würdest: "Der da, gegen den geht es. Das Ziel ist das Ziel und der Weg dahin wird hart, verworren und schmierig vom Blut, das geflossen ist und fließen wird." Hätte was, da du so auch alle Zeit der Welt hättest, den großen Fiesling richtig fies zu machen. Bisher läuft es in dieser Hinsicht ja schon wie gut eingeölt.

      Der letzte Absatz macht dann deutlich, welche Art von Geschichte du zu verfassen gedenkst: Eine Horror-Geschichte. Wieso sonst solltest du meinen persönlichen Alptraum einbinden? Ein Büro! Bei dem Gedanken läuft's mir eiskalt den Rücken runter. Fast so, wie bei unserer mysteriösen H, die sich mit K treffen soll. Uhuhuhu, da kommt doch gleich Geheimagenten Feeling auf. Spannendste Frage bleibt vorerst, wer K ist. Unser Unwetterbekämpfer im Segelboot? Oder eine bisher noch nicht in Erscheinung getretene Person? Jedenfalls ist es eine Person, die H nicht sonderlich zu mögen scheint. Sollte es sich bei K um den Protagonisten handeln, hätten wir gleich ein bisschen Konfliktpotenzial. Immer gut, wenn man eine Geschichte erzählt.^^

      Das war's im Grunde auch schon. Ziemlich viele Schauplätze für ein erstes Kapitel, die auch allesamt nicht viel aussagen. Du scheinst einen groben Überblick geben zu wollen, bevor du ins Detail gehst. Übertreibe es damit aber bitte nicht. Werfe uns bald in irgendein Geschehen, sonst fehlt der nötige Input, um weiterzulesen. Rein theoretisch, natürlich. Weiterlesen werden wir trotzdem.
      Um mit dem Allgemeinen weiterzumachen, möchte ich noch erwähnen, dass mir etwas die Beschreibungen fehlen. Ich meine, Ansätze sind immer vorhanden und manch einem Leser wird es auch reichen, aber ich persönlich hätte fände eine etwas detailreiche Skizzierung der Personen, Orte und Situationen zumindest nicht schädlich. Wenigstens derjenigen, die noch wichtig werden. Vielleicht legst du das noch nach, vielleicht kommt es noch, wenn die Handlung fortschreitet. Aber ich wollte es erwähnt haben, da eine bildhafte Sprache mMn durchaus wichtig ist und schnell mal vergessen wird, wenn man sich zu sehr auf den Inhalt konzentriert. Im Prolog hast du in dieser Hinsicht schließlich auch nicht enttäuscht. Zumal dein Kapitel mit seinen ~1000 Wörtern jetzt auch nicht so übermäßig lang ist, dass ein paar kleinere Be- und Umschreibungen keinen Platz fänden. Aber das kommt sicherlich auch mit der Zeit. Erinnert mich alles sehr schön an die Anfänge meiner eigenen FF, die nicht einmal ansatzweise mit den Kapiteln zu vergleichen sind, die ich heute auf euch hetze. xD
      Dementsprechend rate ich dir nur, einfach weiterzumachen und dann schauen wir mal, was daraus wird. Das erste Kapitel macht schon Lust auf mehr, auch wenn ich mir beim nächsten Mal vielleicht weniger Schauplätze und dafür mehr Subtanz wünschen würde. Fühl dich aber nicht genötigt, mir diesen Wunsch zu erfüllen. ;)


    • RE: Kapitel 1 - Die neue Ära

      Grüß dich!

      Vorab mein Eindruck in einem Bild zusammengefasst:


      Jedesmal, wenn in einem Kapitel viele Charaktere mit und ohne Namen vorkommen, muss ich wahnsinnig aufpassen, kein Detail zu vergessen. Das beginnt bereits bei Hawk, der einen einsamen Mann in einem kleinen Boot entdeckt. Musste beim Namen natürlich sofort an Mihawk denken, wobei das zeitlich gar nicht passt, ist er das indirekte Bindeglied zum Rotauge, der über einen Mittelsmann die Beobachterrolle einnehmen lässt. Ist natürlich ein passendes Setting, wenn ein finsterer Mann über einen anderen finsteren Mann einen finsteren Mann beobachten lässt. xD

      Oder aber ist derjenige, der sich in Bewegung setzte, eine weitere, bislang nicht aufgetretene Person, die gerade eben nicht Capt. Hawk und seiner tollkühnen Crew über den Weg rudert. Was letzterer mit der Natur meint, wenn er Hawk begegnet, ist wieder eine andere Frage. Satteln wir das Pferd von den unwahrscheinlichsten Möglichkeiten her auf: Hawk hat was mit der Natur zu tun, sei es kampftechnisch oder ein im Wortsinne eigensinniges "Naturell", immerhin ist auf Hawk ein stattliches Kopfgeld ausgesetzt, er könnte wem bekannt sein - meine Fresse, wird der demnächst mitsamt seiner Crew mit Stumpf und Stiel ausradiert werden, das wird sicher ein Freudentanz, nächste Möglichkeit: Er geht an Bord und kämpft mit der Natur im Sinne des Unwetters, das bereits Hawk zum Leidwesen ertragen musste, immerhin wurde er ganz nass und überhaupt ist es das erste mal, dass jemand "Sturm" ruft und keiner panisch wie ein geköpftes Huhn durch die Gegend rennt. ^^
      Was bei Hawk - und wie du ihn beschrieben hast - auffällt: Alles kam step by step - by step. Wahrscheinlich bin ichs einfach ganz anders gewohnt zu schreiben. Die nötigsten Details, den Rest kann man sich selber denken. Wie bei einer Gleichung, bei der genügend bekannt ist, um den Rest des Rechenwegs bequem bis zur Lösung durchzugehen. Die beschreibenden Sätze haben ein Bild vermittelt, ganz klar, doch da waren gar keine Formulierungen drinnen, die mich aufhorchen ließen. Mag ein Unterschied zu den Charakteren sein, die noch einen Zacken relevanter werden, doch nach allem, was ich las, wirkt Capt. Hawk sehr bieder. Allein, dass du ihn selber als verblendet beschreibst, nichtmal aus reflektierender Betrachtung, sondern von dir erzählt, und dass er die Bruderschaft vergleichsweise unwichtig findet, spricht ja Bände, wo wir seit der letzten Geschichte wissen, wie wichtig diese Gestalten werden. Da wurde bereits genügend Aufbau betrieben, um ein interessantes Konzept einzubauen. Somit wäre der Beobachter des Rotauges (sehr) wahrscheinlich einer der Brüder, sodass der Einzelbootfahrer entweder einer anderen Fraktion angehört, oder aber ein Bruder ist, den man im Auge behalten sollte - je nachdem, welche Interpretation jetzt korrekt ist. Beides ist möglich, nichts ist klar verifizierbar.

      Lustiger Schwenk zum letzten Part: Die Beschreibung des Büros war mit dem Tisch und der kahlen Einrichtung so nahe an Hawks Kabine, dass ich erst dachte: Jetzt ist Hawk plötzlich kein Kapitän mehr sondern Direktor eines Geheimagentenkonglomerates. Die stereotype Stuhldrehung mit der auf dem Schoß sitzenden Katze nicht einzubauen, dafür bin ich dir sehr dankbar! Das kommt besser bei Schurken, bei dem man weiß, sie sind Schurken und könnten nun noch etwas schurkiger herüberkommen.

      Weshalb er "sie" nicht ansehen will, entweder, weil niemand sein Gesicht sehen soll, weil sie sich nicht mögen oder aber weil das "blasse" Gesicht der Frau entweder erschreckend ausschaut oder aber von Leid gezeichnet ist, etwas, was ein nicht-machtgeiler Boss nicht unbedingt ausnutzen möchte. Sehr nett das ganze, wobei "Vila" dann doch ein Zeichen für revolutionäre Aktivitäten ist. Ein Dragon muss um die Zeit nicht so groß auf der Bildfläche gestanden haben, sodass womöglich eine andere geheime Gruppierung tätig sein wird. An Cipherpol oder WR-Aktivitäten denke ich gerade nicht, da ist uns diesbezüglich nichts über Code-"Buchstaben" à la Bond bekannt. Vermutlich habe ich sehr viel vergessen und überlesen, doch beim Kommentarschreiben nach dem Drüberlesen schreibe ich immer nach dem, an das ich mich erinnere. xD

      Da kann man am besten sehen, was hängen bleibt, was dementsprechend ja auch Feedback für den Autoren ist. Was nicht hängen bleibt, war dann entweder unter den Tisch gefallen oder aber habe ich mich selber genug irritiert, um gar nicht drauf einzugehen. Ich habe es beim kommentieren auch nicht so mit Überleitungen oder Struktur. Damit fahre ich am besten, da es für mich nicht so schnöde zu schreiben ist. Zwei Sachen noch: Was überrascht den Gefangenen daran, was die Dunkelheit mit wem nichts schlimmes macht? Mit dem Telefonierenden bzw. dem Anrufer? Machte für mich beides gar keinen Sinn. Und weshalb Myriaden? Habe gleich an griechische Inselgruppen in der Ägäis denken müssen. Immerhin kannst du dir anrechnen, der vermutlich erste FF-Autor zu sein, der diese Zahlenangabe genutzt hat. :D

      So denn, mach es jut!

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von blink ()

    • Kapitel 1 Die neue Ära

      Nach einer Woche sollte ich endlich auch mal dazu kommen, dein Kapitel zu kommentieren, auch wenn es Aufgrund meiner derzeit etwas knappen Zeit wohl kürzer ausfallen wird als gewohnt. Zum Glück waren Bo und blink schon wieder hier, weswegen ich mich auf ein paar Schlaglichter konzentrieren kann. :)

      Wie die anderen auch, fühlte ich mich bei der Person auf den kleinen Schiff sofort an Falkenauge erinnert. Zumindest nach der Art seines Auftrittes; ein Schiff bei dem man sich einfach nur fragt, wie es auf dem Meer und besonders in einem Sturm bestehen soll.^^ Es dürfte keine allzu große Spekulation sein, wenn ich behaupte, dass diese Person noch wichtig werden wird. Ich glaube derzeit eher weniger, dass es die Person aus dem Prolog ist, aber ausschließen kann man es nicht. Viel eher sehe ich ihn im ein Mitglied der Bruderschaft, besonders da Hawk noch kurz davor über diese gelesen und sich aufgeregt hat.

      Ob Hawk und seine Crew jetzt noch wichtig werden oder sie wie Bo vermutet nur ein >Vehikel< sind, ist derzeit auch noch unklar. Da es in diesem FF aber im besonderen um den Mann aus dem Prolog und seine "freie Tätigkeit" für eine (geheime?) Regierungsorganisation gehen soll, wird Hawk, wenn überhaupt, eine Randerscheinung bleiben.

      Bei der Person aus dem zweiten Abschnitt dürfte es sich um eine/die Führungspersönlichkeit der Bruderschaft handeln. Wobei ich dies eher aus seiner dunklen, geheimnisvollen, fast bösen/dämonischen Erscheinung schließe. Während er eine (vermutlich) "peinliche Befragung" bei einem Gefangenen durchführt wird er von der Nachricht unterbrochen, dass sich irgendwer nach Iseti gemacht hat. Daraufhin gibt er den Befehl, diese Person erst mal nur weiter zu beobachten. Damit hätten wir einen weiteren Kandidaten für den einsamen Segler.

      Bei dem Mann im Büro, es könnte sich um den Direktor von der oben benannten Regierungsorganisation haben. Er schickt eine seiner Agentinnen nach Vila, damit sie dort mit einem anderen Agenten etwas erledigt. Bei diesem könnte es sich dann durchaus um die Person aus dem Prolog handeln. Die Regierung der WR wird sicher auch Interesse daran haben, dass in Vila jemand an der Macht ist, mit dem sie sich gut versteht.

      Damit bin ich auch schon am Ende meines Kommentars und deines interessanten Kapitels angelangt, mehr beim nächsten mal. ^.^
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • So, es ist Dienstag, das geplante Datum und so kommt es gelegen, dass qoii auch noch was kommentiert hat^^
      Freut mich, dass ihr noch da seid und so kann man schon mal auf baldige Besserung in mancherlei Beziehung hoffen.

      Zuerst zu Bo:

      -Bo- schrieb:

      Sonderlich ergiebig war es zwar nicht, scheint aber einen groben Überblick über die Gesamtsituation zu geben.
      Genau das war auch der Plan. Es sollte nochmal klar sein, wo die Geschichte genau anfängt, ein paar aktuelle Ereignisse einordnen und so den Grundstein für das Folgende legen.

      -Bo- schrieb:

      Dieser Charakter, so bedeutend oder unbedeutend er letztlich sein wird, schrie für mich sofort: Vehikel. Was meine ich damit? Eine Figur, die nur dazu dient, etwas oder jemand anderen einzuführen.
      Perfekt gefolgert. So ein Auftritt gefällt mir persönlich, deswegen begann es auch so, mit einem exemplarischen Piraten.

      -Bo- schrieb:

      Nächster Schauplatz: Das Versteck des Oberschurken. Period.
      Man muss ja nicht immer um den heißen Brei herumreden. Ja, das ist der "Oberschurke". Oder vielleicht besser gesagt, der Antagonist, der von Anfang an da ist.

      -Bo- schrieb:

      "Der da, gegen den geht es. Das Ziel ist das Ziel und der Weg dahin wird hart, verworren und schmierig vom Blut, das geflossen ist und fließen wird." Hätte was, da du so auch alle Zeit der Welt hättest, den großen Fiesling richtig fies zu machen. Bisher läuft es in dieser Hinsicht ja schon wie gut eingeölt.
      Der Weg wird mit Sicherheit nicht einfach und genau zu ihm hin führen. Vielleicht ist der Weg ja auch das Ziel, wenngleich der Fiesling nicht einfach verschwinden wird. Aber es wird bald ein bisschen Informationen geben.

      -Bo- schrieb:

      Sollte es sich bei K um den Protagonisten handeln, hätten wir gleich ein bisschen Konfliktpotenzial.
      Wie das neue Kapitel zeigt, ist K nicht der Mann im Boot und als solches auch nicht der Protagonist.

      -Bo- schrieb:

      Du scheinst einen groben Überblick geben zu wollen, bevor du ins Detail gehst. Übertreibe es damit aber bitte nicht.
      Ich versuche, jetzt wieder eine Fokussierung auf die Details zu erreichen. Gerade zu Anfang wird es noch zwei Handlungsstränge geben, aber bald werden doch weniger Überblicke vorkommen^^

      -Bo- schrieb:

      Zumal dein Kapitel mit seinen ~1000 Wörtern jetzt auch nicht so übermäßig lang ist, dass ein paar kleinere Be- und Umschreibungen keinen Platz fänden.
      Einer der Punkte, die sich ändern. Ich habe nicht speziell eine Wortgrenze im Blick, sondern habe vielmehr einen inhaltlichen Zusammenhang, der insofern auch die Länge entscheidet. Trotzdem wird es wohl in Zukunft meistens eher Richtung 2000 Wörter gehen (mit mehr Beschreibungen).

      -Bo- schrieb:

      Das erste Kapitel macht schon Lust auf mehr, auch wenn ich mir beim nächsten Mal vielleicht weniger Schauplätze und dafür mehr Subtanz wünschen würde. Fühl dich aber nicht genötigt, mir diesen Wunsch zu erfüllen.
      Wenn die Wünsche sich mit meinen Plänen decken, dann gerne. Ansonsten sind konstruktive Hinweise auch ein guter Weg, deine Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen.


      Dann weiter zu blink:

      blink schrieb:

      Was letzterer mit der Natur meint, wenn er Hawk begegnet, ist wieder eine andere Frage.
      Uh, das war ein Bezug auf das Unwetter, in dem sich der Mann ja ebenfalls befindet. Also eher nicht ganz glücklich formuliert. Trotzdem kann eine solche Suche ja auch mal zu Erkenntnissen führen, oder?

      blink schrieb:

      Oder aber ist derjenige, der sich in Bewegung setzte, eine weitere, bislang nicht aufgetretene Person
      Wie das Kapitel enthüllt, sogar mit Namen(!), ist die Person bisher nicht aufgetreten. Tatsächlich ist die Menge der zu Beginn eingeführten Personen noch relativ begrenzt. Trotzdem werde ich wohl bald mal deine nette Tabübersicht kopieren^^

      blink schrieb:

      Was bei Hawk - und wie du ihn beschrieben hast - auffällt: Alles kam step by step - by step.
      Gerade bei einem Charakter, der zumindest vorerst nur als Vehikel dient und um ein paar allgemeine Informationen zu liefern, wollte ich lieber als der auktoriale Erzähler auftreten.

      blink schrieb:

      Beides ist möglich, nichts ist klar verifizierbar.
      Vielleicht schon mal als frühzeitiger Dämpfer: die Bruderschaft spielt durchaus eine Rolle, allerdings sollte man diese auch nicht überbewerten. Als kliene Erinnerung sei gesagt, dass wir zeitlich schon noch etwas früher anfangen, als der Meisterdieb.

      blink schrieb:

      Die stereotype Stuhldrehung mit der auf dem Schoß sitzenden Katze nicht einzubauen, dafür bin ich dir sehr dankbar!
      Da habe ich auch keinen Gedanken dran verschwendet. Ich bin stolz auf mich!

      blink schrieb:

      weil niemand sein Gesicht sehen soll
      Was auch der Grund ist. Der Direktor hat so ein paar seltsame Eigenschaften bzw. Ideen, unter anderem das kranmkhafte Verbergen der eigenen Identität.

      blink schrieb:

      Sehr nett das ganze, wobei "Vila" dann doch ein Zeichen für revolutionäre Aktivitäten ist. Ein Dragon muss um die Zeit nicht so groß auf der Bildfläche gestanden haben, sodass womöglich eine andere geheime Gruppierung tätig sein wird. An Cipherpol oder WR-Aktivitäten denke ich gerade nicht, da ist uns diesbezüglich nichts über Code-"Buchstaben" à la Bond bekannt.
      Hm, da gibt es Auflösung im Kapitel. Zu beachten ist, dass Oda gerade um Rogers Tod herum so ziemlich gar nichts an Informationen hat fallen lassen. Insofern bin ich da doch recht frei, mir selbst die Welt zu gestalten.

      blink schrieb:

      Was überrascht den Gefangenen daran, was die Dunkelheit mit wem nichts schlimmes macht?
      Auch eine nicht klar gewordene Formulierung. Er, als normaler Mensch, kann im Dunkeln nichts sehen. Der mit den roten Augen hingegen kann dies schon.

      blink schrieb:

      Und weshalb Myriaden
      Klingt doch toll, oder?

      Dann noch zum Dauerkommentator. Gutes Timing^^

      qoii schrieb:

      Zumindest nach der Art seines Auftrittes; ein Schiff bei dem man sich einfach nur fragt, wie es auf dem Meer und besonders in einem Sturm bestehen soll.
      Gute Frage. Die Antwort bleibe ich dir schuldig. Ich bin mir nicht sicher, ob man manche Fragen, die sich stellen, wirklich alleine aus kleinen Hinweisen beantworten kann. Aber fürs erste schweige ich.

      qoii schrieb:

      aber ausschließen kann man es nicht.
      Wird sich bald klären.

      qoii schrieb:

      wird Hawk, wenn überhaupt, eine Randerscheinung bleiben.
      Ich habe mir noch nicht abschließend überlegt, ob Hawk nicht eventuell noch weiter eine Rolle spielt, aber wie klar geworden sein sollte, ist er nicht weiter wichtig.

      qoii schrieb:

      Bei der Person aus dem zweiten Abschnitt dürfte es sich um eine/die Führungspersönlichkeit der Bruderschaft handeln. Wobei ich dies eher aus seiner dunklen, geheimnisvollen, fast bösen/dämonischen Erscheinung schließe. Während er eine (vermutlich) "peinliche Befragung" bei einem Gefangenen durchführt wird er von der Nachricht unterbrochen, dass sich irgendwer nach Iseti gemacht hat. Daraufhin gibt er den Befehl, diese Person erst mal nur weiter zu beobachten. Damit hätten wir einen weiteren Kandidaten für den einsamen Segler.
      Die Bruderschaft ist doch nicht so gruselig böse in Erscheinung getreten, oder?

      qoii schrieb:

      Bei dem Mann im Büro, es könnte sich um den Direktor von der oben benannten Regierungsorganisation haben.
      Fast richtig. Regierung ja, aber nicht exakt, was der Protagonist anstrebt.

      Also viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
      "The chains of fear are easily broken with the blade of courage."
      Meine FF: Erlebnisse eines Meisterdiebes (abgeschlossen)
      Chainbreaker (laufend)
    • RE: Kapitel 2 - Geplatzte Illusionen

      Aye!

      Was für ein arroganter Pinsel der gute Hawk ist. Erst jemanden an Bord lassen, um dann enervierend zu überlegen, ob er ihn am Leben lassen sollte. Wie nett, dass ihm die Entscheidung von Dulug abgenommen wurde. Bei dem Namen behalte ich schonmal im Hinterkopf, nachher nach Anagrammen Ausschau zu halten. Seit Dillians (und meiner) Geschichte sollte man bei offensichtlich unechten Namen darauf achten, wer ihn Zukunft verdächtig ähnlich heißen wird. Die Beschreibung unseres einsamen Reisenden war sehr ausführlich, etwas, was ich bei jeder FF sehe - und es wird mir wohl nie wirklich gefallen, wenn jemand um des Beschreibens willen beschrieben wird. Ich merke mir das nie. Nicht, weil ich nicht will, sondern weil ich dazu keinerlei Verknüpfungen habe. Das Tattoomotiv konnte ich mir merken, da beschrieben wurde, wie es Hawk nachdenklich stimmte. Da ist eine Bewertung, ein vermittelter Eindruck drinnen. Ich vermute, dass ich auch in zukünftigen FFs gegen diese Beschreibungswindmühlen ankämpfen werde, einfach, da es das Entgegenkommen des Autors ist, ein präzises Bild zu vermitteln und eine Visualisierung zu ermöglichen. Nach meinem Geschmack passen Beschreibungen gut mit einer Tätigkeit zusammen, einem Eindruck des Fremden, der den pinken Mantel als ziemlich gewagt wahrnimmt. Da hat man den pinken Mantel drinnen und eine Emotion / eine Reaktion, eben irgendwas, das die Beziehung zweier Charaktere ein wenig näher rückt. Die zweite Option ist es, jemanden mit der Zeichnung eines Bildes zu beaufragen. Es ist einfach ein geiles Gefühl, wenn jemand aufgrund einer groben Beschreibung deiner Charaktervorstellung so verdammt nahe kommt. Aber das ist natürlich schon spezieller, hehe. Ach Roxy...<3 - Nach all den Jahren spüre ich noch immer eine diebische Freude für den ersten gezeichneten FF-Schurken meiner Autorenlaufbahn.



      Dieses Bonbon solltest du dir und uns aber später gönnen, sobald unsere Beziehung zum Antagonisten ein wenig ausgereifter ist. Apropos 'Antagonist', was Dulug anlangt, ist es schon ein starkes Stück alle bis auf Hawk zu töten [?], nur um diesen ins Boot zu ziehen - wie immer man das macht, wenn zwischen Reling und angetautem Boot noch einige Meter zurückzulegen sind. Die Kraft der Schwerkraft schwer zu kontrollieren ist, junger Padawan. Allerdings machte es durchaus Eindruck, wie Hawk in der Kürze seiner Geiselhaft eine Mischung aus Todesfurcht und Stockholmsyndrom entwickelt hat. Ich finde es zudem ziemlich cool, wie Hawk zusätzlich innerhalb weniger Stunden sein Kapitändasein offiziell an den Nagel hängt. Erst stolzer, dann gescheiterter und schließlich ehemaliger Kapitän, alles innerhalb eines Kapitels - den schnellen Abstieg fand ich schon (unfreiwillig) amüsant. Sollte es ein geplanter Witz sein, ist er dir gelungen. Zu berücksichtigen ist hier natürlich, aus welchem Grund Hawk selbst nach Iseti wollte. - So bestätigt sich wohl auch, dass der dunkle Mann am Hörer tatsächlich Dulug meinte, der "voraussichtlich" nach Iseti fährt - oder aber, hier wird es unnötig abgefahren, gibt es neben Hawk und Dulug noch eine weitere Person, die auf den Weg dahin ist und unter Beobachtung der Bruderschaft zu stehen scheint.

      Der zweite Strang rund um K und H begann zugleich recht unklar formuliert:

      Eldrail schrieb:

      Beunruhigt verfolgte H ihre Gedanken. K war gut in ihrem Job, sehr gut sogar

      Erst liest es sich so, als wäre Kill eine Frau, jedoch soll es eher bedeuten, dass K denselben Job wie H macht, sodass er in "ihrem", also H's Job, gut ist. Ein wenig frage ich mich, weshalb H von K's Gedanken beunruhigt ist. Zuvor wurde doch gesagt, dass es H ist, die K keinen Triumph gönnt. Nach K's Regung hingegen deutet es sich so, als würde er H den Triumph gewähren, indem er so etwas wie Unruhe empfindet. Ob sie das wahrnimmt, ist eine andere Frage, doch es ist weiterhin ganz interessant zu sehen, dass einerseits von Maskierung gesprochen wird, während H im Gespräch mit dem Direktor noch keine trug. Trägt sie denn hier in Vila eine oder ist dies stets den "Bossen" gestattet, die sich in Form vom Direktor / Kill bedeckt halten? Die Anmerkung zum "Gerechtigkeitsmantel" deutet ja daraufhin, dass Kill ein Marineangehöriger in Diensten der Weltregierung ist - oder aber einfach einen solchen Mantel trägt, ohne diesen unpassenden Schriftzug zu ergänzen, wodurch es ein vollwertiger klassischer Marinemantel wäre.


      Eldrail schrieb:

      Ihre Ausbildung, ihre innere Stimme warf „Konditionierung“ ein, war anscheinend nicht erfolgreich gewesen und begann Risse zu kriegen.


      Das spricht für eine psychische Bearbeitung, die H zu einer willenlosen Tötungsmaschine macht. Bedingt durch Reize bzw. denkbaren Schlüsselwörtern, die sich in ihrem Unterbewusstsein verankert hatten, jedoch ihre Wirkung nach und nach zu verlieren scheinen. So haben wir mit H jemanden, die das System hinter dem Agentendasein hinterfragt, zugleich aber befürchtet, dass ihr "Training" sie wieder in dieses alte Konditionsmuster zurückwerfen wird. Eben das wird durch Kill angetriggert, sodass H erneut bereit für den Einsatz ist.

      Da dürfen wir gespannt sein, ab wann der Zeitpunkt kommt, an dem ihre "Gehirnwäsche" aussetzt und niemand in Hörweite ist, der sie durch das Schlüsselwort erneut gefügig machen kann. Wenn H allerdings weiß, dass sie alles hinterfragen kann, scheint es bereits ein Ereignis gegeben zu haben, in dem ihre Erinnerungen nicht ausgelöscht bzw. ausgesetzt wurden. Es wird eben jenes Ereignis sein, in dem etwas schief lief, sie dem Direktor "Ärger bereitete", jedoch nicht einfach aussteigen konnte bzw. rechtzeitig Mittel in die Wege leiten konnte, um sich von dem Schlüsselwort loszulösen.


      Der vorletzte Absatz, der Dulug und Hawk nach Iseti verschlägt, bringt wieder ein wenig Nostalgie hervor. In deiner ersten FF zeichnete sich ja ebenfalls ein Ort, aufgeteilt in arm und reich, mit einer mäßig kompetenten Patrouille. Auch hier haben wir wieder ein tüchtiges Inselvolk, das zügig passiert wird, um Dulug innerhalb eines Abschnittes in den geheimen Gang innerhalb der (wohl) bewachten Fabrik zu führen. Dass Hawk nur als Zahlungs- bzw. Mittel zur Ablenkung herhielt, das hatte was, nachdem die Situation erst ein wenig grimmiger konstruiert wurde. Was der ganze Schmarrn nun soll, der Dulug ans Licht am Ende des Tunnels führt - we will see. Ob er "Soru" gerufen hatte, um eine Konditionierung anzupingen - oder du einfach eine Attacke, die nicht ausgeführt wurde, ankündigen wolltest, lassen wir mal stehen. Ich hätte jedenfalls nicht erwartet, dass sich Dulug plötzlich nervös/aufgeregt zeigt, nachdem er recht geradlinig und zügig an den geheimen Ort gelangte. Ob er erneut oder einfach sehr sehr gut informiert, lassen wir mal so stehen. xD


      Die abschließende "Vision" von "ihr" und dem dämmrigen Zelt...wenn er nicht gerade mit der Revolution im Zelt ausharrte, wirkt es schon fast wie eine Wahrsagerin, die er auf dem Rummel ausgelesen hat, um sich sein Schicksal vorhersagen zu lassen. Was immer das mit dem Gesicht sollte, das ihm hier entgegenschlug. Es spricht wohl dafür, dass Dulugs Handeln durch eine ihm wichtige weibliche Person motiviert ist. Ob sich das bereits mit dem Prolog vereinen lässt - wir wissen ja nichtmal, zu welchem Zeitpunkt dieser etwa spielt. Da kann man in dieses "wirre Gedankenspiel" - quasi der letzten gedanklichen Etappe vor der Ausführung seiner Entscheidung - so einiges reininterpretieren. Es hätte jedenfalls erkenntlicher sein können, wirkt es doch wie ein "ein-Satz-Flashback", der spontan in die Handlung reingekloppt wurde.



      So, am Ende wird wohl die maskierte "H" bei den Revolutionären eingefallen und am abschlachten sein. Auf geht's Mädchen, zeig es diesen Hippies. :D

      Sodenn, ich gehe dann mal, ehe ich mich in wüsten Schimpftiraden wiederfinde!

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    • Dann wollen wir mal. Blink hat zwar schon viele maßgebliche und wichtige Punkte angesprochen, aber vielleicht kann ich mir ja noch ein paar kleinere Brocken herauspicken und zu einem einigermaßen sinnigen Beitrag zusammenkleistern. Wir werden es erfahren.

      Die Handlung gestaltet sich noch etwas wirr, wahrscheinlich aufgrund der relativ großen Anzahl an Fraktionen. Immerhin haben wir Hawk, Aktuell Dulug, H & K (Weltregierung) sowie die Rebellen. Selbst wenn wir Hawk und die Rebellen vielleicht bald ausklammern können (Vehikel), so verbleiben mit Dulug und den Regierungsagenten noch immer zwei Parteien, deren Pläne wir nicht wirklich ermessen können. Das ist natürlich nicht schlimm, nur etwas sperrig für den Einstieg in eine FF. Dennoch, interessant ist es allemal.

      Aktuell Dulug, der noch nicht wirklich einzuschätzen ist, macht den typischen "Lone Survivor"-Eindruck und könnte in dieser Form als Archetypus in jeder Form von fiktionaler Welt auftreten. Zombie-Apokalypse? Check. Nukleare Endzeit? Check. 1001 Nacht? Check. Das macht ihn momentan vielleicht etwas austauschbar, aber dieser Eindruck entsteht wohlmöglich auch, weil er binnen eines Kapitels eine Piratenbande auseinandernimmt, deren Kapitän entführt, als Ablenkung/Pfand/Bezahlung missbraucht und eine geheime Basis findet, die mit seiner Vergangenheit in Verbindung zu stehen scheint. Ist ziemlich harter Tobak gemessen an der Zeit, die wir bisher mit Aktuell Dulug verbracht haben. Dieses Gefühl wird - zumindest bei mir - zusätzlich durch den Umstand verstärkt, dass Iseti eine ziemlich generische Insel abgibt, die halt irgendwie verarmt und doch geschäftig ist; mit einem Hafen voller Menschen, die sich lieber aus allem raushalten und somit sicheres Geleit für die Protagonisten bieten. Hat mich jetzt nicht gerade begeistert - aber wir sind ja noch ganz am Anfang der FF, da will ich mal nicht so sein.^^

      Die Agenten H und K machen dagegen schon einen tiefergehenden Eindruck, auch wenn ich es mal interessant gefunden hätte, wenn die Frau der Hardliner und der Mann der Zweifler gewesen wäre. Aber du wirst deine Gründe haben. H ist bisher die einzige Figur, vielleicht vom unseligen Hawk abgesehen, die uns einen Einblick in ihr Inneres gestattet. Sie scheint schon länger mit den Methoden der Regierung und ihrer Rolle darin zu hadern, gleichzeitig ist sie aber Realistin genug, um die Aussichtslosigkeit ihrer Situation zu begreifen. Die kann man gewiss wörtlich nehmen, wenn man sich die Vergangenheit eines Rob Lucci anschaut. Grandiose Zukunftsaussichten abseits der Regierung scheint man nicht zu haben. Dafür dürfte gesorgt werden bzw. worden sein. Entweder man fügt sich und dient oder man zieht freiwillig die Arschkarte. Der angedeutete Konflikt gefällt mir sehr gut, hoffentlich erfahren wir bald mehr über H. Ihren echten Namen etwa, die Buchstaben sind mir auf Dauer zu anstrengend. xD

      Schreibtechnisch traust du dich dieses Mal wieder etwas mehr, was ich honoriere. Gleichzeitig solltest du aber trotzdem aufpassen, im Eifer des Gefechts nicht zu plump zu werden. Etwa:

      Eldrail schrieb:

      Von unten kam ein Haken angeflogen, ein Seil hinter sich herziehend.
      Was ist das denn für eine Aussage?^^
      "Von unten angeflogen"? Hat mich kurz stocken lassen. Natürlich weiß man, was du meinst, aber es klingt und liest sich wie die ersten Gehversuche eines Grundschülers, der das Wort "Enterhaken" nicht kennt. Schreib doch einfach "Enterhaken verkeilte sich in der Reling" oder ähnliches. Umso präziser du schreibst, auch in Sachen Begrifflichkeit, desto leichter ist es für dich und deine Leser. Dann kannst du dir derart verkappte Umschreibung wie da oben sparen und etwas zaubern. ;)

      Außerdem fiel mir auf, dass du deine Problemchen mit Kommata hast. Ein Extrembeispiel, das ich korrigiert habe:

      Eldrail schrieb:

      Den Triumph, die Nerven zu verlieren, würde sie K nicht gönnen.
      Zwei fehlende Kommas in einem Satz machen es verdammt schwer, ihn zu flüssig verstehen, da man als Leser den Rhythmus verliert. Kommas sind wichtig, da sie Tempo und oft auch Bedeutungsaspekte vermitteln. Es gab noch mehr ähnlicher Fehler, aber der hier erschien mir exemplarisch.

      Und zu guter Letzt: "Wirken".
      Lies dir mal die Szene mit Dulug auf Iseti durch, als er mit Hawk durch die Stadt bzw. über die Insel streift. Alles "wirkt". Es wirkte verarmt, dann vornehmer, die Menschen wirkten geschäftig usw.
      Wortwiederholungen sind unschön, aber sich wiederholende Verben sind oft noch schlimmer, da sie meistens einen Großteil des Satzes diktieren. Dadurch beschreibst du Iseti mit einer Kanonade sich ähnelnder Sätze, was den ohnehin schon recht platten Schauplatz noch platter erscheinen lässt. Nur als Hinweis für's nächste Mal.

      Aber genug davon. Das Kapitel hat mir besser gefallen als das letzte und trotz der kleineren Schönheitsmakel hat es mir beim Lesen Freude bereitet. Nun, da sich die handelnden Figuren langsam auszudünnen scheinen, dürfte die Handlung auch Fahrt aufnehmen. Ich bin gespannt. Weiter so!


    • Kapitel 2 Geplatzte Illusionen

      Nachdem ich hier schon wieder der dritte geworden bin, rolle ich das Kapitel mal von hinten auf.^^

      Die Maskentragenden Buchstabenagenten sind deine Version der CP-0, es sei denn es sind gleich zwei Regierungsorganisationen auf Vial unterwegs. Während K ein Agent zu sein scheint, der sein Hobby, Leute zu killen, zum Beruf gemacht hat, plagen H immer wieder innere Zweifel. Dies dürfte auch der Grund sein, warum ihr Chef im letzten Kapitel davon sprach, dass er ihr schon einmal aus der Patsche geholfen hat. Ein Agent dessen Hauptaufgabe die Beseitigung von unliebsamen Leute ist, sollte sich nicht zu viele Gedanken um seine Kollegen oder Zielobjekte machen. Um diese Probleme zu umgehen, scheinen die Agenten der CP-0 einer Konditionierung unterworfen worden zu sein oder zumindest trifft dies auf H zu. K kennt jedenfalls die richtigen Worte um ihre Gedanken vorerst zum schweigen zu bringen, damit sie sich auf ihren Auftrag konzentrieren kann.

      Interessant dürfte sicher auch noch H Schuppentätowierung werden. Weniger weil es ein eher ungewöhnliches Motiv ist, sonder weil auch >Aktuell Dulug< eine Tätowierung auf dem Arm hat. Dieses sind zwar Ketten, aber es ist schon auffällig, wenn gleich zwei Personen, in einem Kapitel, an einer ähnlichen Stelle ein ungewöhnliches Tattoo haben. Daraus kann man verschiedene Schlüsse ziehen. Entweder >Aktuell Dulug< war früher auch mal ein CP-0 Agent und alle Agenten dieser Organisation haben, neben ihren Masken, solch ein Erkennungszeichen oder >Aktuell Dulug< und H kennen sich irgendwoher bzw. haben eine andere Verbindung/gemeinsame Vergangenheit.

      Allerdings scheint >Aktuell Dulug< ziemlich gut über geheime Regierungsorganisationen beschied zu wissen, da er ohne sich groß Beeindrucken zu lassen, in ein solches Hauptquartier spaziert. Sofern es sich bei ihm um den Mann aus dem Prolog handelt, steigt, mit seinen Gedanken während dieser Aktion, die Wahrscheinlichkeit, dass er ein ehemaliger CP-0 Agent ist, der aus irgendwelchen Gründen aussteigen durfte oder seinen Tod vorgetäuscht hat. Wie du in einem deiner Teaser angekündigt hast, scheint er sich jetzt wieder einer Regierungsorganisation anschließen zu wollen, auch wenn ich aus den bisherigen Informationen weniger auf die CP-0 tippen würde.

      Wer auch immer >Aktuell Dulug< nun genau ist und was seine Ziele sind, er ist nicht ganz unbekannt. Zumindest lässt ihn der Mann mit den roten Augen ihn weiter beobachten. Bei diesem könnte es sich um ein Mitglied bzw. den Anführer des >Kult um den Ulcoraug< handeln, der in dem Zeitungsartikel erwähnt wurde. Sofern dieser Mann nicht sogar selbst ein/der (Zoan-)Ulcoraug ist. Nebenbei könnte dieser Kult ebenfalls die Quelle für die ungewöhnlichen Tätowierung sein. Ob sie damit jetzt Mitglieder oder potenzielle Opfer markieren wäre erst mal zweitrangig.

      Damit bin ich auch schon wieder am Ende. Ich hoffe, dass ich ab nächster Woche wieder mehr Zeit habe und die Kommentare nicht mehr kurz vor knapp schreiben muss. :whistling:
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • So, ist ja noch fertig geworden. Dank blink auch jetzt mit Tabs, wenngleich da noch nicht alles ausgefüllt ist.

      Zuerst zum (fast) schimpfenden blink:

      blink schrieb:

      Die Beschreibung unseres einsamen Reisenden war sehr ausführlich, etwas, was ich bei jeder FF sehe - und es wird mir wohl nie wirklich gefallen, wenn jemand um des Beschreibens willen beschrieben wird.
      Hm, ja. Kann ich verstehen. Es ist dann auch so, dass man einerseits ja nicht gar nichts schreiben will, aber andererseits auch nicht ellenlang den Leser erschlagen will. Aktuell wird es wohl eher die Keule geben, zumindest hin und wieder :o

      blink schrieb:

      Bei dem Namen behalte ich schonmal im Hinterkopf, nachher nach Anagrammen Ausschau zu halten.
      Das kannst du besser direkt vergessen. Der Name hat durchaus eine Bedeutung (was einer der Hauptgründe ist, warum ich so große Schwierigkeiten mit Namen habe), aber diese ist oftmals aus anderen Sprachen entnommen oder aber aus anderen Werken. Wer die Bedetung entschlüsselt hat damit auch einen guten Hinweis, wer Dulug/Galayn eigentlich ist.

      blink schrieb:

      Apropos 'Antagonist', was Dulug anlangt, ist es schon ein starkes Stück alle bis auf Hawk zu töten [?],
      Nein, Dulug ist niemand, der einfach mal so wehrlose Leute abschlachtet (nicht mehr zumindest?). Mit dem Sirren sollte etwas anderes gemeint sein. Etwas mit dem man schnell willensschwache Leute los wird^^

      blink schrieb:

      Erst stolzer, dann gescheiterter und schließlich ehemaliger Kapitän, alles innerhalb eines Kapitels - den schnellen Abstieg fand ich schon (unfreiwillig) amüsant. Sollte es ein geplanter Witz sein, ist er dir gelungen.
      Es ist mehr so spontan entstanden, aber ich konnte Hawk auch nicht mehr so richtig ernst nehmen, da entwickelt sich dann sowas. Wenn ich etwas plane, dann wird es eher was in Richtung des Drachen-Kalauers...

      blink schrieb:

      So bestätigt sich wohl auch, dass der dunkle Mann am Hörer tatsächlich Dulug meinte, der "voraussichtlich" nach Iseti fährt - oder aber, hier wird es unnötig abgefahren, gibt es neben Hawk und Dulug noch eine weitere Person, die auf den Weg dahin ist und unter Beobachtung der Bruderschaft zu stehen scheint.
      Ich habe fürs erste genügend Personen ohne Namen eingeführt^^ Jetzt sollten die Leute auch besser benannt werden und folglich gibt es auch keine weitere Person.

      blink schrieb:

      Erst liest es sich so, als wäre Kill eine Frau, jedoch soll es eher bedeuten, dass K denselben Job wie H macht, sodass er in "ihrem", also H's Job, gut ist. Ein wenig frage ich mich, weshalb H von K's Gedanken beunruhigt ist. Zuvor wurde doch gesagt, dass es H ist, die K keinen Triumph gönnt. Nach K's Regung hingegen deutet es sich so, als würde er H den Triumph gewähren, indem er so etwas wie Unruhe empfindet.
      Kill ist ein Mann, macht aber den gleichen Job wie H (was übrigens auch nur eine Kurzform ist, wovon sollte im Kapitel klar werden). Diese Formulierung hat sich ja letztlich noch als verständlich erwiesen. Danach gerätst du aber durcheinander. H ist die Person, die denkt, K schärft nur seinen Dolch.

      blink schrieb:

      Da dürfen wir gespannt sein, ab wann der Zeitpunkt kommt, an dem ihre "Gehirnwäsche" aussetzt und niemand in Hörweite ist, der sie durch das Schlüsselwort erneut gefügig machen kann.
      Nun, dass es einen Zeitpunkt geben wird, wo sie aussteigt, lässt sich ja stark vermuten. Wie und wann, nun, ihr werdet es erfahren.

      blink schrieb:

      Es hätte jedenfalls erkenntlicher sein können, wirkt es doch wie ein "ein-Satz-Flashback", der spontan in die Handlung reingekloppt wurde.
      So spontan war das jetzt nicht. Du hast natürlich recht, dass es letztlich nur ein Satz ist, aber diese Szene insgesmat macht zum jetzigen Zeitpunkt als kompletter Flashback einfach noch keinen Sinn. Klar werden sollte aber schon, dass es da was gegeben hat.

      blink schrieb:

      So, am Ende wird wohl die maskierte "H" bei den Revolutionären eingefallen und am abschlachten sein. Auf geht's Mädchen, zeig es diesen Hippies

      blink schrieb:

      Sodenn, ich gehe dann mal, ehe ich mich in wüsten Schimpftiraden wiederfinde!
      Ja, immer schon alles umbringen, da kommt Freude auf. Aber was für Schimpftiraden und was ist das denn? Gegen die Hippies? Die tun doch keinem was. Nur wer sich in Höhlen rumtreibt und sich vor der Obrigkeit versteckt tut was.


      Weiter zu Bo, der wieder andere Schwerpunkte hat, wie schön.

      -Bo- schrieb:

      Das ist natürlich nicht schlimm, nur etwas sperrig für den Einstieg in eine FF. Dennoch, interessant ist es allemal.
      Gut gerade zu Beginn kann es schwierig sein, ich gebe es ja zu. Aber das von dir zu hören^^

      -Bo- schrieb:

      Ist ziemlich harter Tobak gemessen an der Zeit, die wir bisher mit Aktuell Dulug verbracht haben.
      Nun, Dulug (der sich aktuell Dulug nennt und nicht "Aktuell" heißt...) ist schon recht zielstrebig. Insbesondere, da ich mich entschieden habe, das Ganze nicht noch weiter zu strecken und auf mehrere Kapitel zu verteilen.

      -Bo- schrieb:

      Hat mich jetzt nicht gerade begeistert - aber wir sind ja noch ganz am Anfang der FF, da will ich mal nicht so sein.
      Das Problem ist wahrscheinlich recht spezifisch bei mir. Wenn man verschiedene Schauplätze braucht, aber davon manche letztlich nur selten eine Rolle spielen, dann werden sie generischer und weniger detailreich. Es fällt schwer eine Insel komplett aufzubauen, wenn sie im Großen und Ganzen nur kurz vorkommt.

      -Bo- schrieb:

      Aber du wirst deine Gründe haben.
      Die habe ich tatsächlich. Dazu müsste man aber in die Zukunft schauen können^^ Grundsätzlich kann man aber schonmal sagen, dass ich mir dann auch nicht solchermaßen tiefgründige Gedanken über die geeignete Verwendung von Genderrollen mache.

      -Bo- schrieb:

      Ihren echten Namen etwa, die Buchstaben sind mir auf Dauer zu anstrengend.
      Dieses Kapitel wird für die Zukunft dafür sorgen, dass ihr Name vier Buchstaben länger wird. Das es sich dabei nicht um ihren echten Namen handelt kann man ja vermuten, aber darauf musst du dich dann gedulden.

      -Bo- schrieb:

      Schreib doch einfach "Enterhaken verkeilte sich in der Reling" oder ähnliches.
      Manchmal hat man dieses Brett vor dem Kopf.

      -Bo- schrieb:

      Außerdem fiel mir auf, dass du deine Problemchen mit Kommata hast.
      Hm, so schlimm? Tut mir leid, aber mach dir keine zu großen Hoffnungen, denn es gibt bei mir keinen Korrekteur. Ich versuche es ja, aber da macht Word ja leider keinen Kringel drunter.

      -Bo- schrieb:

      Nur als Hinweis für's nächste Mal.
      Hinweise werden gern angenommen. Immerhin habe ich es vermieden, immer wieder "Tür" zu benutzen, dass ist mir immerhin noch aufgefallen...

      -Bo- schrieb:

      Aber genug davon. Das Kapitel hat mir besser gefallen als das letzte und trotz der kleineren Schönheitsmakel hat es mir beim Lesen Freude bereitet.
      Das freut mich zu lesen. Hoffen wir, dass dies auch so bleibt.


      Und zum Abschluss noch den Nachzügler^^

      qoii schrieb:

      Die Maskentragenden Buchstabenagenten sind deine Version der CP-0
      Volle Punktzahl für den Kandidaten! Meine Version ist aber auch lange genug vor der Einführung der CP-0 aktiv, dass ich mir da etwas Freiheit leisten kann.

      qoii schrieb:

      Um diese Probleme zu umgehen, scheinen die Agenten der CP-0 einer Konditionierung unterworfen worden zu sein oder zumindest trifft dies auf H zu.
      Das ist einer der Punkte, die in der Handlung um H und die CP-0 die größte Relevanz besitzen. Da wird es noch zu ein paar Erkenntnissen kommen.

      qoii schrieb:

      Interessant dürfte sicher auch noch H Schuppentätowierung werden. Weniger weil es ein eher ungewöhnliches Motiv ist, sonder weil auch >Aktuell Dulug< eine Tätowierung auf dem Arm hat. Dieses sind zwar Ketten, aber es ist schon auffällig, wenn gleich zwei Personen, in einem Kapitel, an einer ähnlichen Stelle ein ungewöhnliches Tattoo haben. Daraus kann man verschiedene Schlüsse ziehen. Entweder >Aktuell Dulug< war früher auch mal ein CP-0 Agent und alle Agenten dieser Organisation haben, neben ihren Masken, solch ein Erkennungszeichen oder >Aktuell Dulug< und H kennen sich irgendwoher bzw. haben eine andere Verbindung/gemeinsame Vergangenheit.
      Hier liegst du dafür daneben. Die Schuppentätowierung ist ein Motiv, dass in Anbetracht von der Enthüllung am Ende des neuen Kapitels klarer werden sollte. Es hat aber sonst mit niemandem sonst zu tun. Insbesondere ist das Tattoo von Dulug keinerlei Hinweis auf irgendwelche Verbindungen. Gerade im Hinblick auf den Titel ist es aber interessant.

      qoii schrieb:

      Sofern es sich bei ihm um den Mann aus dem Prolog handelt, steigt, mit seinen Gedanken während dieser Aktion, die Wahrscheinlichkeit, dass er ein ehemaliger CP-0 Agent ist, der aus irgendwelchen Gründen aussteigen durfte oder seinen Tod vorgetäuscht hat.
      Das neue Kapitel sollte die Verbindung zum Prolog und dessen Einordnung erleichtern. Aber ebenso sollte es auch die zweite Aussage nicht weiter klären, auch wenn man sich daraus etwas ableiten kann.

      qoii schrieb:

      Bei diesem könnte es sich um ein Mitglied bzw. den Anführer des >Kult um den Ulcoraug< handeln, der in dem Zeitungsartikel erwähnt wurde. Sofern dieser Mann nicht sogar selbst ein/der (Zoan-)Ulcoraug ist.
      Der Zeitungsartikel war da ja recht deutlich. Was natürlich unter anderem der Grund war.

      qoii schrieb:

      Ich hoffe, dass ich ab nächster Woche wieder mehr Zeit habe und die Kommentare nicht mehr kurz vor knapp schreiben muss.
      Bislang war es ja rechtzeitig genug^^
      Man freut sich natürlich, wenn man am Tag des neuen Kapitels alle erwarteten Kommentare zusammen hat, aber es ist ja nicht so, als hättest du abends um 10 geschrieben. Insbesondere ist ja hier kein Kommentierzwang vorherrschend, auch wenn man sich natürlich immer über Kommentare freut.


      Also dann viel Spaß!
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    • RE: Kapitel 3 - Gerechtigkeit

      Juten Tach!

      Ursprünglich wollte ich Mittwochmorgen antworten, jedoch ist die Uni momentan sehr ausgelastet, sodass ich noch nicht lange genug an einen der PCs gekommen bin. Aus irgendwelchen Gründen komme ich auch Zuhause so gar nicht zum arbeiten. Liegt wohl echt am Fēng Shuǐ. Dabei habe ich mir schon einen neuen Schreibtisch gekauft. Gut, der alte war zu einem Viertel rausgebrochen und es passte kaum eine Tasse Kaffee neben den Laptop drauf, jedoch kann ich mich nicht dauerhaft darauf verlassen, nur in diesen spartanisch eingerichteten Uniräumen arbeiten zu können. Ein zweiter Grund, den ich etwas kürzer anhänge, liegt auch im Kapitel. Da gab es einige Sachen, die mich eher ratlos zurückließen. Ich hatte den Eindruck, dass ein paar der "ungeschriebenen Autorenregeln" nicht beachtet bzw. deren Beachtung nicht in der Szenerie umgesetzt werden konnten - da sie ansonsten kaum funktioniert hätte.
      Da stellt sich mir immer die methodische Frage: Passt der Autor die Szene oder die Regel an? Gemeint ist das Gespräch zwischen Dulug und dem Psychiater, das mir heruntergebrochen nach dem Motto abläuft: Ich höre ihm jetzt zu, weil er mich sonst kalt macht, respektive, ich rede wie ein Wasserfall, damit er mir zuhören und folgen "muss". Beide Gesprächspartner ließen sich zwar auf eine Hierachie ein: Wer redet, führt - anstelle von: Wer fragt, führt das Gespräch - auf der anderen Seite kam mir der neu eingeführte Psychiater so überrumpelt vor, sodass ich kaum eine Möglichkeit saß, ihn in dem Moment nicht als Spielball von Dulugs Willen anzusehen. Dulug hat die Karten auf den Tisch gelegt und zugleich gesagt, dass er noch welche im Ärmel stecken hat - welche wiederum, bleibt sein Rest-Geheimnis. Es blieb für mich kaum Zeit, nachdem du erst einmal den betretenen Raum beschrieben hattest, mich auf das darauf folgende Gespräch vorzubereiten. Bumm, ich bin..., zack, ich tat schlimme Dinge..., peng, ...jetzt will ich hier mitmachen, warum? Das sage ich gerne, aber nicht vollständig, da ich noch eine gewisse Restunergründbarkeit benötige.
      Ich werde mir alles in jedem Fall noch einmal in Ruhe durchlesen, um die vielen Informationen zu ordnen. Nach dem ersten Lesen dachte ich mir: Hui, das ist viel. So schweigsam und wortkarg ist Dulug anscheinend doch nicht. Sofern er nichts hinzugefügt oder gelogen hat, hat er einen Großteil seiner inhärenten Gedanken auf dem großen unordentlichen Tisch feinsäuberlich ausgebreitet. Ich fühle mich da beinahe erschlagen. Jedenfalls war es sehr überraschend, in welcher Fülle es wörtlich und gedanklich offengelegt wurde. Eine der ungeschriebenen Regeln hat was mit wörtlicher Rede zutun, wie genau, deswegen ist sie nicht ausgeschrieben, da es jeder anders macht, es in vielen Fällen anders von den Lesern aufgenommen wird.

      [Fortsetzung folgt...]
      Weiter geht es! (19:38 Uhr)

      Zu viel wörtliche Rede - okay - zu viel wörtliche Rede in einem Schwung - schwierig. Meinem Eindruck nach wurde zu viel wörtliche Rede im FFT oder in FFs oft recht kritisch beäugt. Ich bin gespannt, wie @qoii und @-Bo- dies beurteilen.

      Kapitel 3 schrieb:

      „Ich will dir nichts vormachen. Meines Erachtens ist die Weltregierung korrupt und in vielerlei Hinsicht selbst kriminell. Aber sie ist auch die einzige Organisation, die Ordnung und Gesetzte repräsentiert. Mein Wunsch ist es, für Gerechtigkeit zu sorgen, denn ich habe in meinem Leben bereits für genügend Ungerechtigkeit gesorgt. Um ehrlich zu sein, kann ich genau zwei Dinge: kämpfen und schmieden. Letzteres habe ich aufgegeben, weil mich diese Welt schwer getroffen hat. Und glaube mir, ich würde gerne wieder anfangen.“

      Kapitel 3 schrieb:

      „Doch bis dahin muss ich meine Suche beenden. Auch hier will ich keine Illusionen aufkommen lassen. Ich bin hier nicht weil ich eine Berufung verspüre. Ich bin hier, weil ich nicht in Konflikt mit der Weltregierung geraten will. Ich bin hier, weil ich aus Gründen, die ich nicht darlegen werde, das Leben sehr schätze und Menschen nicht mag, die es anderen nehmen und unerträglich machen. Ich bin hier, weil ich auf meiner Suche etwas Gutes bewirken möchte und ich dies im Sinne des Vertrauens der Menschen in die Weltregierung als ein Mitglied der sogenannten Guten tun möchte.“

      Zwei Beispiele, die ich exemplarisch für Dulugs bzw. Galayns Redefreudigkeit herangezogen habe. Es gibt Charaktere, die unfassbar lange Monologe halten. Ein für mich anschauliches Beispiel aus dem TV ist R. Reddington aus "The Blacklist". Der Protagonist weicht seit vier Staffeln nahezu jeder Frage aus und erzählt stattdessen Geschichten aus seinem Leben, um etwas im übertragenden Sinne zu veranschaulichen. Da gehört es zum Charakter, man sieht dazu die Mimik, den Enthusiasmus, den Tonfall, alles, was es braucht, um wie gebannt zuhören zu können. Ob er dabei die Wahrheit erzählt oder sich irgendwas ausdenkt, keine Ahnung. Jedenfalls habe ich schon darauf geachtet, ob du Galayn zwischendurch Luft holen ließest, das hast du durchaus. Der Eindruck, dass du sehr viel Inhalt auf vergleichsweise wenig Platz zusammenfassen wolltest, lässt sich dabei nicht so leicht abschütteln. Vermutlich steckt auch viel Überraschung mit drinnen, nachdem uns Dulug als klassisch verschwiegener ominöser Typ vorgestellt wurde. Der klassische geheimnisvolle Mann, der nicht viele Worte verliert und eher Blicke sowie Taten sprechen lässt. :D

      Dass du das Symbol aus dem Prolog sowie den geposteten Artikel aufgegriffen hast, schafft so einige Bindeglieder zum Prolog und dem ersten Extra. Das hat gut gepasst, setzt natürlich voraus, dass man alles dazu gelesen hat. Manch einer könnte meinen, dass es ein nice-to-have ist. Hier allerdings setzt es alles voraus, um inhaltlich folgen zu können. Im Übrigen habe ich für den Ulcoraug-Artikel nichts als Lob übrig. Für mich war das als Darstellung wunderbar zu lesen. Hatte ein bisschen was von den Berichten, die die Yeti-Sichtungen protokollierten. Natürlich glaube ich auch daran, dass es den Ulcoraug gibt. Bin gespannt, woher du den Namen hast. Assoziiert habe ich es sofort mit ihm hier. Fieses Biest!

      Abschließend noch ein paar Worte zum Rebellen-Part. "H" schien ja wieder bei Verstand zu sein, nachdem sie zuvor von Kill konditioniert wurde. Der hingegen machte sich eine Freude, indem er die hilflosen, meines Erachtens fast zu hilflos dargestellten Flüchtlinge massakrierte. Die CP-0 ist eine Hausnummer, dass dann so gar keine Gegenwehr zu erfolgen schien? Puh, lässt sich schwer einschätzen, nachdem wir weder von der CP-0 noch von den Revolutionären irgendeine genauere Vergleichsmöglichkeiten haben. Mit den Bigshots Ivankov, Sabo und Kuma kann man den Rest vom Schützenfest wohl kaum vergleichen. Zumal es hier ja auch andere Rebellen sind. Inwiefern man Rebellen und Revolutionäre vergleichen kann, ich vermute bei dem Stand so gar nicht, solange du uns keine Anknüpfpunkte anbietest - Vorgänger von Dragon o.Ä. - oder ob wir es eben alles ein wenig ausklammern und uns auf die hiesige Darstellung anlehnen sollten.

      "H" zeigt dann gleich, was sie kann und dass sie mit ihrer Fähigkeit einen Zacken wichtiger sein könnte, als wir uns bisher vorstellen. Ob diese Kraft etwas mit ihrem Gesicht anstellte, das wir noch nicht kennen, jedoch als äußerst blass beschrieben bekamen. Es macht es in jedem Fall spannend. Auch aus der Sicht gesehen, dass sie mit dieser Kraft weitaus gefährlicher wird, sobald sie konditioniert ist. Ob sie das hier beim Angriff ist? So richtig liest es sich heraus, obwohl es auf der anderen Seite obsolet wäre, sie vorher von Kill mit dem Codewort anreden zu lassen. Eine gefährliche Frau, die die Regierung unbedingt unter Kontrolle behalten sollte - bei der Teufelskraft erst Recht!

      (Hier lässt sich ja mutmaßen, was sie zuvor für Schwierigkeiten bereitet hatte. "Out of control" mit den Kräften einer Hydra? Das ist kein Pappenstiel.)

      Soweit zu meiner Kapitelrezension. Bei Herrn Bora halte ich mich noch etwas zurück, da denke ich zu sehr in Richtung eines Krueger-Vergleiches. Sofern er nächstes Kapitel noch lebt, wieso auch nicht, hehe, schaue ich, was zu ihm noch gesagt werden könnte. Seine Stellung innerhalb der Regierung scheint ja sehr auf Zeit ausgelegt zu sein. Ein Vorteil für Galayn, der somit die letzten Tage nutzt, um noch auf den Zug aufspringen zu können?

      Ich bin gespannt, was daraus wird und verabschiede mich hier!
      Bis demnächst!

      PS: Ich würde noch den Prolog vorab ins Tabmenü eingliedern. Dann hast du alle Inhalte gebündelt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von blink ()

    • Gut, was soll ich sagen. Ein interessantes Kapitel, welches nach dem Kommentar von Blink noch interessanter erscheint. Müsste ich spontan entscheiden, schlösse ich mich Blink wohl an. Glücklicherweise hatte ich etwas mehr Zeit, mich mit dem Kapitel auseinanderzusetzen.

      Das mit diesem Extra sehe ich irgendwo kritisch, da ich den Zeitungsartikel nicht gelesen hatte und daher erst einmal auf dem Schlauch stand, als Blink diesen mit dem Kapitel in Verbindung setzte. Gut, das Extra liefert wichtige, wenngleich noch nicht übermäßig relevante Informationen. Jedoch haben Leser des Artikels den Lesern, die nur der Haupthandlung folgen, einiges voraus. Keine Ahnung, ob das clever oder Clickbait ist, aber ich für meinen Teil fände eine kompaktere Variante nicht schlecht. Oder zumindest eine kleine Info deinerseits, wann das Extra wirklich nur ein Extra ist und wann nicht. Sonst stehe ich irgendwann dumm da, weil ich ein Extra zu lange vor mir hergeschoben habe und deswegen einen Hinweis nicht deuten kann.^^

      Blink hat schon viel zu der Szene mit Bora gesagt, ich setze nahtlos an: Mir gefiel es nicht. Das liegt aber nicht an den Passagen wörtlicher Rede. Vielleicht wird so etwas im FFT kritisiert, aber in diesem geht es auch um Kurzgeschichten, welche tatsächlich nicht zu viel Gequatsche beinhalten sollten. In einer längeren Geschichte ist wörtliche Rede hingegen eine Konsequenz des Erzählens. Menschen handeln, Menschen reden, Menschen handeln durch Reden. Die Germanisten und Sprachwissenschaftler unter uns werden damit etwas anfangen können. Die Frage ist nur, ob etwas wirklich relevant ist. Ich meine, dieses Gespräch zwischen Bora und Dulug (ich weiß übriges, dass er nicht "Aktuell" heißt^^) war mMn nicht unbedingt relevant. Ich hätte diese Szene niemals gebracht, zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Für mich wäre das eine typische Szene, die ich irgendwann eventuell als Rückblende gebracht hatte. Dulug, der sich zurückbesinnt und sich in Erinnerungen rufen möchte, warum er einst bei der Regierung anheuerte. So etwas in der Art. Aber dieses "Vorstellungsgespräch" bei einem Psychiater, der nur einen Anruf tätigen muss, um einem dahergelaufenen Schläger und Einbrecher einen Regierungsposten zu verschaffen? Sorry, das ist mir dann doch etwas zu sehr Plot. Zumal Dulug hier wirklich keine wirklichen Argumente liefert außer der ominösen Ausstrahlung, die Bora zu wittern scheint. Gleichzeitig wirkt Dulug wie ein Amok-Schütze, der nach Munition fragt.
      "Ich werde furchtbare Dinge tun, und damit ich nicht in den Knast komme, möchte ich diese furchtbaren Dinge im Namen der Weltregierung tun. Die hasse ich zwar eigentlich, aber einer muss es ja machen."
      Klingt nicht gerade nach einem verlässlichen Agenten im Außeneinsatz, finde ich. xD

      Wie gesagt, ich an deiner Stelle hätte später angesetzt. Dulug ist bereits Agent und nach und nach hätten wir mehr Infos über seinen Werdegang erhalten. Bisher wirken die Ereignisse sehr Schlag auf Schlag, Dulug legt hier mit erschreckend schnellen Schritten erschreckend weite Strecken zurück. Und wir als Leser kommen kaum hinterher. So fühlt sich Blink dann von der Masse der gesprochenen Worte erschlagen, während ich den Inhalt selbst ungewollt komisch finde. Allein die Figur des Bora, die nur den Hörer schwingen muss, um einen Agenten einzustellen, schreit nahezu "Ich bin nur für den Plot da!". Ich denke, dass du es dir hier zu einfach machst bzw. machen willst. Dabei gehst du an der anderen Front merklich subtiler vor. H und ihr innerer Konflikt ist durchaus spür- und nachvollziehbar. Gefällt mir wesentlich besser als der Strang um Dulug, weil hier mehr abläuft. Bei Dulug geht alles wie automatisiert seinen Gang, während H mit echten Problemen zu kämpfen hat. Ich habe tatsächlich das Gefühl, hier einem Menschen zu folgen statt einer geölten Maschine, die auf Rache programmiert wurde. Mein Tipp also: Mach etwas langsamer. Dulugs Weg ist nur schwer nachfühlbar. Gehe sparsam mit Informationen um, verteile sie besser und stelle die Weltregierung um Himmels Willen nicht als verkommene Kneipe dar, die jeden Typen reinlässt, solange er sich noch nicht vollgepisst hat. Sonst gerätst du unversehens in einer Strudel der Unlogik, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nimm dir ein Beispiel an deinem zweiten Handlungsstrang. :)


    • Kapitel 3: Gerechtigkeit

      Eldrail schrieb:

      Man freut sich natürlich, wenn man am Tag des neuen Kapitels alle erwarteten Kommentare zusammen hat, aber es ist ja nicht so, als hättest du abends um 10 geschrieben. Insbesondere ist ja hier kein Kommentierzwang vorherrschend, auch wenn man sich natürlich immer über Kommentare freut.
      Wie soll ich den Kommentar denn bitte abends um 22:00 Uhr schreiben, um diese Zeit ist gerade erst mein Spätdienst zu Ende.^^ Häufig schreibe ich die Kapitel vormittags, mehr oder weniger kurz bevor ich zur Arbeit fahre. Dem einzigen Kommentierzwang, dem ich unterliege, ist übrigens mein eigener. XD

      Auch ich musste bei Bora kurz an Krüger denken, auch wenn dieser mehr Ordnung hält und sich wahrscheinlich nicht so überrennen ließe. Dieses Gefühl hatte ich übrigens auch beim lesen des ersten Abschnittes. Irgendwie ist da zu viel Information in, relativ wenig Text gepackt worden.

      Aber gehen wir doch mal auf den Inhalt ein. Bora ist einer der wichtigsten, bzw die einzige Hürde, wenn es darum geht, bei der WR als Agent aufgenommen zu werden, zumindest wird sein Einfluss so dargestellt. Er sagt ja fast selbst, überzeuge mich und du bist dabei. Neben der Tatsache, dass er für eine so einflussreiche Person doch etwas schwach bewacht wird und der Frage, warum er dann nicht im Hauptquartier auf MJ sitzt, darf man auch die gegeben Situation nicht außer acht lassen. Im Prinzip stürmt Galayn in das Büro und sagt.

      > Ich werde mich auf der Jagt nach dem Kult des Ulcoraug durch alles durchmetzeln, was mir in die Quere kommt. Ich würde es bevorzugen, dabei nicht von den WR-Agenten gestört zu werden. Als Gegenleistung dafür, dass ihr mich machen lasst, werde ich auch in eurem Sinne handeln und versuchen euch nicht zu schaden. Deal?.<
      Wie soll Bora darauf reagieren? Er kann eigentlich nur ja sagen, wenn er irgendwie im Sinne der WR handeln will, denn er hat gleich erkannt, dass Galayn nur von sehr wenigen Topagenten aufgehalten werden kann und irgendwelche sehr guten Quellen hat, sonst wäre er nicht bei ihm aufgeschlagen. Wie Bo angemerkt hat, riecht die gesamte Situation ziemlich nach einem Plot, um Galayn einfach und relativ unkompliziert zu Agenten zu machen.

      Interessant sind noch Boras Gedanken zu seinem schwinden Einfluss, bzw eher dem Bezug auf die Personalpolitik des Direktors der CP-0. Darin klingt es fast so, als würde dieser Agenten beschäftigen, die nach Boras Meinung nichts bei der WR verloren hätten. Damit könnte er sich auf Kill beziehen, dem das Töten sehr viel Spaß zu machen scheint. Dem gegenüber steht H, die immer mal wieder gewisse Zweifel entwickelt und wenn es notwendig ist, ihre Gegner direkt und möglichst schmerzlos tötet. Auch hier kann ich Bo zustimmen, bis jetzt ist sie für mich die Person, mit der man sich irgendwie identifizieren kann bzw. eine Verbindung aufbaut.

      Trotz der Kritik ein gutes Kapitel, wir stehen ja gerade erst am Anfang und haben noch nicht so viel Zeit mit deinen Charakteren verbracht. :)
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Okay, erst kommt das Kapitel nicht, dann auch noch keine Antwort hier. Zumindestens letzteres wird jetzt behoben^^
      Ersteres ist zwar gestartet, aber noch vorhandene Krankheit und eine Klausur morgen hindern bislang erfolgreich die Fertigstellung.

      Okay, dann mal los, durch Anstarren und Aufschieben wird es auch nicht besser xD

      blink schrieb:

      Ich fühle mich da beinahe erschlagen.
      So im Nachhinein ist man immer schlauer...
      Wobei ich doch gar nicht so viele Informationen losgeworden bin, sondern eher Reden geschwungen habe. Naja, war dann wohl zuviel des Guten. Ich behaupte mal, es wird besser werden, aber manchmal schwinge ich gerne große Reden. Und Galayn manchmal auch (siehe auch nächster Punkt).

      blink schrieb:

      So schweigsam und wortkarg ist Dulug anscheinend doch nicht.
      Schade, dass es da wirklich niemanden gab, der auch nur den Namenswechsel kommentiert hat. Dulug stellt sich als Galayn vor und fängt dann an nicht mehr schweigsam zu sein. Trotzdem kein Verdacht auf eine Art zweite Persönlichkeit? Tatsächlich ist Dulug eher der schweigsame. Galayn ist etwas redefreudiger, aber auch nicht viel besser sozialisiert.

      blink schrieb:

      Zu viel wörtliche Rede - okay - zu viel wörtliche Rede in einem Schwung - schwierig.
      Kann man drüber streiten. Wenn man wirklich keinerlei Pausen oder Einschübe hat - auf jeden Fall ja. Aber so pauschal würde ich diese nicht verurteilen.

      blink schrieb:

      Der Eindruck, dass du sehr viel Inhalt auf vergleichsweise wenig Platz zusammenfassen wolltest, lässt sich dabei nicht so leicht abschütteln.
      Hm, ja irgendwo schon. Ich habe anfangs überlegt, das Gespräch weiter aufzuteilen, aber dann wollte ich doch noch unbedingt zu einem gewissen Punkt kommen. Leider ist es dann aber nicht mehr so gut angekommen. Gerade, weil mit der Zeit wirklich das Gespräch zu stark dominiert. Mit einem zukünftig geringeren EInzelgesprächsanteil kann man ja auf Besserung hoffen.

      blink schrieb:

      Im Übrigen habe ich für den Ulcoraug-Artikel nichts als Lob übrig. Für mich war das als Darstellung wunderbar zu lesen. Hatte ein bisschen was von den Berichten, die die Yeti-Sichtungen protokollierten. Natürlich glaube ich auch daran, dass es den Ulcoraug gibt. Bin gespannt, woher du den Namen hast. Assoziiert habe ich es sofort mit ihm hier. Fieses Biest!
      Freut mich, dass es da besser gelungen ist. So aus Schulzeiten würde ich mir durchaus eine Kompetenz zum sachlichen Schreiben attestieren, da war die Hoffnung groß^^
      Den Ulcoraug habe ich, wie übrigens auch andere Namen hier, etwas großzügig einer Sprache aus Tolkiens Feder entnommen. Dabei ist zu beachten, dass nicht unbedingt der ganze Name existieren muss. Leider ist mein Wörterbuch dafür nicht mehr vorhanden, was die Rekonstruktion schwierig machen dürfte. Hm, mal sehen, was ich daraus noch mache...

      blink schrieb:

      Manch einer könnte meinen, dass es ein nice-to-have ist.
      Ups. Schwerer Patzer meinerseits. Wie nennt man sowas denn überhaupt? Muss ich nochmal umbennenen, hat es doch auch andere aus der Bahn geworfen.

      blink schrieb:

      "H" schien ja wieder bei Verstand zu sein, nachdem sie zuvor von Kill konditioniert wurde.
      Nun, ein gewisses Maß an geistiger Wachheit muss man dann ja schon haben.

      blink schrieb:

      Zumal es hier ja auch andere Rebellen sind.
      Eine Verbindung zu den OP-Revolutionären ist nicht vorhanden, dazu weiß man auch von diesen zu wenig. Also keine hohen Tiere dabei. Ähnlich wie in Alabasta sind es doch mehrheitlich einfache Leute, keine Kampfkoryphäen.

      blink schrieb:

      So richtig liest es sich heraus, obwohl es auf der anderen Seite obsolet wäre, sie vorher von Kill mit dem Codewort anreden zu lassen. Eine gefährliche Frau, die die Regierung unbedingt unter Kontrolle behalten sollte - bei der Teufelskraft erst Recht!
      Ja, Hydra ist gefährlich, aber man hat sie ja unter Kontrolle, oder?

      blink schrieb:

      Seine Stellung innerhalb der Regierung scheint ja sehr auf Zeit ausgelegt zu sein. Ein Vorteil für Galayn, der somit die letzten Tage nutzt, um noch auf den Zug aufspringen zu können?
      Galayn weiß einiges, aber so etwas aktuelles dann doch nicht. Bora ist ja nicht erst seit Rogers Hinrichtung dort, sondern eben schon lange. Der Direktor hat schon seine Zeit gebraucht, um nach ganz oben zu kommen. Also hat er durchaus noch mehr als ein paar Tage, zu lange hätte er sich aber nicht Zeit lassen dürfen.

      blink schrieb:

      PS: Ich würde noch den Prolog vorab ins Tabmenü eingliedern. Dann hast du alle Inhalte gebündelt.
      Das habe ich immerhin schon getan.
      Also vielen Dank für den durchaus kritischen Kommentar, der dann aber gegen Ende noch freundlicher würde!



      -Bo- schrieb:

      Glücklicherweise hatte ich etwas mehr Zeit, mich mit dem Kapitel auseinanderzusetzen.
      Puh, Glück gehabt (?)

      -Bo- schrieb:

      Das mit diesem Extra sehe ich irgendwo kritisch, da ich den Zeitungsartikel nicht gelesen hatte und daher erst einmal auf dem Schlauch stand, als Blink diesen mit dem Kapitel in Verbindung setzte.
      Sieh auch blink, tut mir leid.

      -Bo- schrieb:

      Sorry, das ist mir dann doch etwas zu sehr Plot. Zumal Dulug hier wirklich keine wirklichen Argumente liefert außer der ominösen Ausstrahlung, die Bora zu wittern scheint.
      Nun, ich gebe zu, es ist schon Plot, dass Galayn überhaupt erstmal hier ankommt. Allerdings ist es in der Weltregierung bisher schon so, dass einzelne Leute eine gewissermassen unverantwortlich hohe Macht besaßen. Allein schon, dass jemand wie Spandam einen Posten dieser Größenordnung bekommt und es keinen interessiert, zeigt für mich die ziemliche Verantwortungslosigkeit der Regierung. So wie Spandam auch nur durch seinen Vater den Posten bekommen hat, kann auch ein Bora so etwas machen. Zumindestens erstmal. Gut, Galayn nimmt sich nicht die Zeit für großartige Argumente, aber er macht vor allem klar (wenn auch eher ungewollt), dass er als Person allein bereits Argument genug ist. Mit der Pistole auf der Brust hat man nicht mehr viel zu melden.

      -Bo- schrieb:

      Bisher wirken die Ereignisse sehr Schlag auf Schlag, Dulug legt hier mit erschreckend schnellen Schritten erschreckend weite Strecken zurück. Und wir als Leser kommen kaum hinterher.
      Solange ihr noch hinterher kommt^^ Nein, klar, dass kann nicht ewig so weitergehen. Galayn hat eine Entscheidung getroffen, die er dann schnell und Schlag auf Schlag durchgeführt hat. Jetzt ist der vorläufige Plan zuende und es kommt etwas mehr zur Ruhe.

      -Bo- schrieb:

      Dabei gehst du an der anderen Front merklich subtiler vor.
      Die andere Front ist auch anders. Hydra ist nicht so zielstrebig, sondern zweifelt. Da kann selbst ich nicht so schnell xD



      qoii schrieb:

      Auch ich musste bei Bora kurz an Krüger denken, auch wenn dieser mehr Ordnung hält und sich wahrscheinlich nicht so überrennen ließe.
      Was Krueger wohl gemacht hätte? Jemand wie Galayn hätte wohl jeden überrascht. Aber dem wird er ja nicht begegnen^^

      qoii schrieb:

      Er kann eigentlich nur ja sagen, wenn er irgendwie im Sinne der WR handeln will, denn er hat gleich erkannt, dass Galayn nur von sehr wenigen Topagenten aufgehalten werden kann und irgendwelche sehr guten Quellen hat, sonst wäre er nicht bei ihm aufgeschlagen.
      Stimmt. Galayn lässt ihm keine Wahl. Zwar geht er doch noch etwas subtiler vor, als ihm die sprichwörtliche Pistole auf die Brust zu setzen, aber ein normales Gespräch führt er dann doch nicht. Er hat halt gewisse Schwierigkeiten, nicht die Kontrolle zu haben.

      qoii schrieb:

      Neben der Tatsache, dass er für eine so einflussreiche Person doch etwas schwach bewacht wird und der Frage, warum er dann nicht im Hauptquartier auf MJ sitzt
      Dort würde man ihn besser kennen, könnte eventuell leichter Einfluss nehmen. Zudem würde der gute Alte dort eher nicht sein wollen.

      qoii schrieb:

      Interessant sind noch Boras Gedanken zu seinem schwinden Einfluss, bzw eher dem Bezug auf die Personalpolitik des Direktors der CP-0. Darin klingt es fast so, als würde dieser Agenten beschäftigen, die nach Boras Meinung nichts bei der WR verloren hätten.
      Ein Kill ist jemand, der bei Bora keinen Job bekommen hätte. Zumindest unter normalen Umständen nicht. Tatsächlich stört ihn das aber weniger, wie die Personalpolitik, die bereits mit dem Programm angedeutet wurde.


      So, das war es erstmal wieder. Das nächste Kapitel wird in von mir nicht näher bestimmter Zukunft fertig werden, bis dahin also viel Spaß mit dem OP-Kapitel, dass sollte ja besser sein^^

      Okay, das neue Kapitel ist jetzt (endlich) fertig. Gesund ist doch wirklich besser, um etwas konstruktiv zu produzieren.
      "The chains of fear are easily broken with the blade of courage."
      Meine FF: Erlebnisse eines Meisterdiebes (abgeschlossen)
      Chainbreaker (laufend)

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    • RE: Kapitel 4 - Aufbrechen und Ankommen

      Guten Morgen!

      Hoffe, dir geht es inzwischen wieder besser. Manche Autoren schrieben ihre Kapitel auf Vorrat, um eventuelle Pausen leichter überbrücken zu können. Davon habe ich allerdings nie viel gehalten, da ich oft recht zufrieden mit dem Geschriebenen war, sodass ich gar nicht mehr darauf warten wollte, es zu veröffentlichen. Enthusiasmus, gepaart mit einem florierenden FF-Bereich. Es waren üppige Zeiten. xD

      Vorab ein Hinweis: Da wir den Charakter-Bereich öfters lesen werden, immerhin bestätigst du dort Informationen, die wir womöglich anders oder gar nicht interpretiert hätten, wäre es ratsam, dort eine gewisse Grundordnung einzuhalten. Dazu gehören unholprige Sätze, wie zB scheint der CP-0 loyal gegenüber zu sein - das klingt für mich so, als würde K auf der anderen Straßenseite stehen, ohne, dass irgendwer an seiner Loyalität - trotz der bestehenden Distanz - zweifeln würde. Ein einfacher Dreher 'gegenüber loyal' und die Info liest sich weit angenehmer. Da beiße ich mir selber in den Hintern, da ich es vermutlich selber noch gar nicht nachgebessert hatte - auch wenn ich da schonmal eine Generalüberholung, gedanklich, angesetzt hatte - so ist es geschickter, anstatt von "Alter: unbekannt" das 'unbekannt' einfach zu streichen. Der Guide ist ja eine Hilfe von dir an uns "vergessliche" bzw. neugierige Leser, da ist es nachvollziehbarer, sofern du Informationen noch nicht bekannt gegeben hast, bevor es so aussieht, als wäre selbst dir als Autor diese Information nicht geläufig. Ein Charakter, der nur ein Pseudonym besitzt, ist für mich eher ein "unbeschriebenes" Blatt, entsprechend leer ist sein Eintrag in der Akte - und diese Lücken nach und nach zu füllen, das hat schon was weitaus Spielerischeres, im Sinne von "freischalten".
      Abschließend hierzu eine Penibilität ohnesgleichen: sozial schwierig --> Zwang die Kontrolle zu haben (einseitiges Gespräch mit Bora) - für mich gibt es da keine halben Sachen: sozial schwierig → Zwang, die Kontrolle zu haben (einseitiges Gespräch mit Bora) - ich habe den Satz so gelesen, dass ein Zwang besteht. Sowas wie ein Waschzwang, nur hier als Kontrollzwang. Anders, ohne Komma, liest es sich, wenn er die Kontrolle "erzwang". Das wäre ein Akt der hierarchischen Festlegung, weniger eine psychische Störung. Galayn / Dulug scheinen ja beide so ihre Aversion zum Wetter zu haben. Schlechtes Wetter, schlechte Laune. Multiple Persönlichkeiten können so vieles gemeinsam haben. ^^
      Nach dem Gespräch mit Bora, dem Psychologen, ist doch eher von auszugehen, dass Galayn diverse Probleme in seinem Kopf hat. Anscheinend ja mehrere, die individuell anders vertreten sind. Hier setzte ich ausnahmsweise die schärfere Axt an, da ich die Kapitel meist zwei, dreimal lese, während der Characterguide unser ständiger Begleiter sein kann. Wenn mich da etwas, wie ein nicht vollständiger Pfeil, über Monate hinweg anschaut, dann ist das von der Gestaltung her unschön. Später werde ich sicher auch die Axt an meinem Guide ansetzen, jetzt, wo ich mich ein wenig in Fahrt gebracht habe. ^^


      Zum Kapitel selber: Hydra wird ihren Urlaub doch nicht auf den Schlageninseln machen? Die spanische Inselkonstruktion weiß zu gefallen, da es in einem größeren Kontext abgelegene Stellen ermöglicht, wie das entfleuchte Dörfchen, das Dulug - innerhalb eines Kapitels - erreicht. Hier legst du ein sehr zackiges Tempo an den Tag, nutzt sekundennahe Beschreibungen neben übergreifenden - wie dem Klettervorgang - sowie zeitraffenden. Inzwischen könnte Hydra sich Gedanken über ihren Urlaub gemacht haben oder gar aufgebrochen sein, während Galayn sein Schläfchen neben dem Sonnenaufgang machte. Dass er am Steg einem Boot mit trockenen Netzen begegnete, spricht ja schon dafür, dass länger nichts mehr zum Fischfang ins Meer ausgeworfen wurde. Überhaupt legen die Beschreibungen bislang einen verlassenen, weniger einen abgeschlachtet-verlassenen Eindruck an den Tag. Dass Galayn erneut zielgerichtet und wissend in genau diesem Dorf landete, obwohl die Schlageninseln weit mehr bewohnte Areale zu besitzen scheinen, spricht ja schon dafür, dass wir demnächst in Erfahrung bringen, welchen Bezug die hiesigen Personen zu ihm haben. Dass er jemanden aufsucht, der gerade jetzt nicht zugegen ist.
      Ob es sein Auftrag war, dieses Gebiet zu besuchen, lässt sich beim flüchtigen Interesse Galayns für Boras Ausführungen nicht gerade feststellen. Beizeiten ist es genauso interessant zu sehen, wann Bora dieses eigenmächtige Handeln vor die Füße gerotzt wird. Seinen schwindenden Einfluss durch einen losen Verbündeten zu steigern, den man im Zweifel sogar von sich stoßen kann - denn abgesehen von der Telefonnummer und dem "Briefing", das uns noch nicht näher vorgestellt wurde, verbindet Galayn und Bora herzlich wenig. Für beide Seiten ein vergleichsweise unverfängliches Geschäft, auch wenn ich mir recht sicher bin, dass das noch so manche Probleme mit sich bringen kann. Dem Direktor wird es nicht gefallen. Jener wird von Bora nicht gemocht, während dessen Stellung im Schwund begriffen ist. Zeugt von einem internen Machtkampf, in den Hydra sehr bald ebenfalls eintreten kann. Bin ja gespannt, wer oder was der entscheidende Anstoß sein kann, um sie während ihres Urlaubs von der Bildfläche - und der Konditionierung - verschwinden zu lassen. Raus aus dem Gnati-Programm, das bestimmt für "Gnadenlose Tötungsinstrumentalisierung" steht. You heard it here, first! :D


      Sodenn, ich überlasse das Feld den zweisten Zwei bzw. denen, die neu hereinstolpern. Na los, fallt schon hin! ^^
    • Auch wenn ich eigentlich gar nicht so viel zu diesem Kapitel zu sagen habe, da mir Blink zuvorgekommen ist und auch inhaltlich nichts einer tiefschürfenden Analyse bedarf, werde ich doch ein paar Zeilen finden. Oder es versuchen.

      Der Urlaub, den Hydra jetzt zu nehmen verpflichtet ist, eröffnet dir narrativ ganz neue Möglichkeiten und kam für mich auch etwas überraschend, natürlich positiv betrachtet. Habe nämlich eher damit gerechnet, dass sich Hydra und Galayn über die Regierung kennenlernen und eventuell schnell erkennen, dass beide viel verbindet und gleichzeitig trennt. Die eine wurde von der Regierung in ihre Rolle erzogen, gedrillt und gepresst; der andere schloss sich der Regierung aus freien Stücken und vergleichsweise unverfänglich an. Während Hydra zu zweifeln beginnt, sieht Galayn die Regierung als notwendiges Übel mit der nötigen Macht, die Welt nicht aus den Fugen entgleiten zu lassen. Diese Gegenüberstellung gefällt mir und ich würde mich nicht beklagen, wenn sich die beiden Charaktere im Laufe deiner Geschichte öfters annähern und entfremden (oder umgekehrt) und man nie sicher sein kann, ob sie den jeweils anderen unterstützen oder boykottieren (werden). Ein derartige Dynamik könnte zwar schnell zum Eigenläufer werden, aber da hast du mit dem Kult des Unaussprechlichen und Leuten wie Kill ja bereits vorgesorgt. Genügend Handlungsstränge liegen bereit, um H und Galayn mit Relevanz ohne den jeweils anderen auszustatten.

      Gemäß dieser Spiegelung beginnt Hydras Urlaub, wenn Galayn seinen Marschbefehl öffnet. Zwar macht das tropische Inselparadies einen vergleichsweise idyllischen Eindruck, aber auch im klaren Wasser können Raubfische lauern. Die Frage, die man sich nun stellen kann, lautet: Welche Relevanz hat dieser Handlungsstrang für die Zukunft? Erleben wir erst einmal einen losgelösten Auftrag des frischgebackenen Außenagenten, um mit ihm warm zu werden? Oder könnte dieser spontane Stopp im Sonnenriff neue Informationen bezüglich des Kultes zu Tage fördern? Immerhin wissen wir noch nicht, ob der Kult mit seinem Anführer wie ein Schwarm Heuschrecken von Insel zu Insel zieht oder verschiedene Stützpunkte unterhält, um Ressourcen und Macht zu festigen. Mir wäre beides recht. Ich bin der Letzte, der einem Charakter Charaktermomente gönnt, bin aber gleichzeitig gespannt auf die bösen Buben. Wirklich etwas falsch machen kannst du also nicht. Das ist schon mal gut.^^

      Wie gesagt, weder ein sonderlich geistreicher noch langer Kommentar. Aber da deine FF noch in den Kinderschuhen steckt und bisher auch noch nicht so~ viel passiert ist, lässt sich das hoffentlich verschmerzen. Meiner Erfahrung nach sind die ersten Arcs eh immer mehr Rätselraten, da man selten die Richtung der Geschichte abstecken kann. Von daher...freue ich mich wie immer auf mehr und empfehle mich. Was ein Abschluss. xD


    • Kapitel 4 - Aufbrechen und Ankommen

      Na dann will ich auch endlich mal meinen Part schreiben, auch wenn ich wie Bo nur wenig neues Beizutragen habe.

      Das Konditionierungsprogramm der CP-0 ist, wie man es eigentlich erwarten kann, nicht perfekt, der menschliche Geist findet oft bis immer eine Möglichkeit diese zu umgehen. Auch wenn wir Menschen erstaunlich einfach zu beeinflussen sind, sonst würde es keine Werbung, Verkaufstricks und vieles andere geben. Dem Direktor der CP-0 ist dieses Problem ebenfalls bekannt, weswegen er im laufe der Zeit alle seine Agenten für zwei Wochen in die freie Wildnis entlässt, um zu schauen ob der freie Kontakt mit normalen Menschen die Konditionierung durchbrechen kann. Bisher ist dies anscheinend noch nicht der Fall gewesen oder die bei denen es doch passiert ist sind freiwillig zurückgekommen, weil ihr nun freier Geist nicht mit ihren Taten klarkam. Das Hydra schon versucht diese zu durchbrechen, ist etwas, von dem er nichts weiß. Deswegen ist die Chance sehr hoch, dass es ihr letztendlich gelingen wird. Ob ihr dabei der neuste freie Mitarbeiter der WR helfen wird oder ob sie erst später aufeinandertreffen, bleibt noch abzuwarten.

      Derweil befindet sich Galayn auf dem Weg zur Schlangeninsel, wobei nicht ganz klar wird, ob er dies aus eigenem Interesse, was ich eher vermute oder im Auftrag der WR macht. Von Bora erfahren wir nichts in die Richtung und Galayn hatte seine Kurs schon gesetzt, bevor er den Umschlag geöffnet hat. Weiterhin scheint er von dem verlassenen Dorf überrascht/beunruhige zu seine, weswegen wir davon Ausgehen können, dass ihm dies noch nicht bekannt war.

      Auffällig finde ich noch, wie Bora betont, dass Galayn ihm unterstellt ist und keinem anderen. Im Prinzip hat jetzt Bora also einen eignen guten Agenten, den er einsetzten kann, wie er möchte. Wobei dann immer noch die Frage bleiben würde, wie gut er ihm letztendlich gehorcht.^^ Soweit wir es erfahren, hat Bora sich um alles gekümmert, was Galays Anstellung betrifft und kein anderer wurde daran beteiligt, da fragt man sich doch glatt, wie weit Bora da seine Kompetenzen ausgedehnt hat bzw. wer überhaupt über Galays Bescheid weiß. Ich sehe da durchaus einiges an Konfliktpotenzial.

      Interessant dürfte dann noch Galayns Abschiedsgruß sein/werden. Immerhin scheinen Bora die Worte „Gute Tage, angenehme Nächte!“ bekannt zu sein bzw. er hat eine Idee zu welcher Gruppierung Galayns gehören/gehört haben könnte. Wir wissen noch zu wenig über deine Welt und Galayn um damit wirklich etwas anfangen zu können. Allerdings scheinen die (ehemaligen) Mitgleiter dieser Organisation/Gruppierung/Weltanschauung/Religion/Schule usw usw, alle etwas seltsam, aber auch gut Informiert zu sein. Weiterhin könnte das Ketten Tattoo ebenfalls damit in Verbindung stehen. Wie auch immer, ich mache mal eine gesiegt Notiz, auf weitere Andeutungen zu achten.

      Ich denke mal, meine Kommentare werden besser, sobald dein Projekt etwas weiter fortgeschritten ist und ich mehr Fakten habe, die ich hin und her interpretieren kann. :-D
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • So, diesmal ganz pünktlich und ohne eine Woche Pause die Antworten und das neue Kapitel :thumbup:

      Also auf gehts!
      blink:

      blink schrieb:

      Hoffe, dir geht es inzwischen wieder besser. Manche Autoren schrieben ihre Kapitel auf Vorrat, um eventuelle Pausen leichter überbrücken zu können. Davon habe ich allerdings nie viel gehalten, da ich oft recht zufrieden mit dem Geschriebenen war, sodass ich gar nicht mehr darauf warten wollte, es zu veröffentlichen. Enthusiasmus, gepaart mit einem florierenden FF-Bereich. Es waren üppige Zeiten. xD
      Zum Glück bin ich jetzt keiner von den Dauerkranken^^ Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Was Vorratsschreiben angeht, so kann ich mir das durchaus vorstellen. Allerdings muss dafür genügend Zeit und Schreibefluss da sein. Diesmal hatte ich es geschafft bereits einen guten Teil des nächsten (also 6.) Kapitels zu schreiben, aber mit dem Ergebnis bin ich noch recht unzufrieden, deswegen werde ich da doch noch länger benötigen. Ich habe jetzt auch bemerkt, dass die Lücke zwischen veröffentlichtem Kapitel und selbst bereits Geschriebenen doch recht merkwürdig sein kann. Da verliert man gerne mal aus den Augen, was jetzt aktuell bekannt ist. Kein Wunder, dass man lieber sofort veröffentlicht!

      blink schrieb:

      Vorab ein Hinweis: Da wir den Charakter-Bereich öfters lesen werden, immerhin bestätigst du dort Informationen, die wir womöglich anders oder gar nicht interpretiert hätten, wäre es ratsam, dort eine gewisse Grundordnung einzuhalten.
      Super Hinweis. Die Behebung folgte ja im Prinzip sofort, hoffentlich komplett. Jetzt muss man das nur noch pflegen xD

      blink schrieb:

      Zum Kapitel selber: Hydra wird ihren Urlaub doch nicht auf den Schlageninseln machen?
      Das würde mir doch arg konstruiert vorkommen. Okay, ich könnte mir bestimmt einen Grund aus den Fingern saugen, aber nein, dass passt (jetzt) noch nicht.

      blink schrieb:

      Die spanische Inselkonstruktion weiß zu gefallen,
      Das gefällt mir, wenngleich es sich eigentlich um eine portugiesische Inselgruppe handelt. ANgelehnt an die Kapverden, obwohl ich das nicht so eng sehe. Gerade die Namen könnten (vielleicht) hierbei verdeutlichend helfen.

      blink schrieb:

      Überhaupt legen die Beschreibungen bislang einen verlassenen, weniger einen abgeschlachtet-verlassenen Eindruck an den Tag. Dass Galayn erneut zielgerichtet und wissend in genau diesem Dorf landete, obwohl die Schlageninseln weit mehr bewohnte Areale zu besitzen scheinen, spricht ja schon dafür, dass wir demnächst in Erfahrung bringen, welchen Bezug die hiesigen Personen zu ihm haben.
      Das neue Kapitel wird die Verlassenheit zumindestens in gewisser Hinsicht auflösen. Kleine Frage am Rande: du schreibst hier zum zweiten Mal Schlageninseln, obwohl da noch ein 'n' sein müsste für "Schlangeninseln". Schreibfehler oder Absicht? Was den Bezug angeht, so wird klar werden, dass Galayn der Archipel zwar grundsätzlich bekannt ist, nicht aber speziell diese Insel oder gar das Dorf. Er hat es nicht (mehr) eilig, da ist ein spontaner Abstecher auf jeden Fall drin.

      blink schrieb:

      Ob es sein Auftrag war, dieses Gebiet zu besuchen, lässt sich beim flüchtigen Interesse Galayns für Boras Ausführungen nicht gerade feststellen. Beizeiten ist es genauso interessant zu sehen, wann Bora dieses eigenmächtige Handeln vor die Füße gerotzt wird. Seinen schwindenden Einfluss durch einen losen Verbündeten zu steigern, den man im Zweifel sogar von sich stoßen kann - denn abgesehen von der Telefonnummer und dem "Briefing", das uns noch nicht näher vorgestellt wurde, verbindet Galayn und Bora herzlich wenig. Für beide Seiten ein vergleichsweise unverfängliches Geschäft, auch wenn ich mir recht sicher bin, dass das noch so manche Probleme mit sich bringen kann. Dem Direktor wird es nicht gefallen. Jener wird von Bora nicht gemocht, während dessen Stellung im Schwund begriffen ist. Zeugt von einem internen Machtkampf,
      Im Sinne des vorherigen sollte klar sein, dass es kein Auftrag ist. Trotzdem wird es spannend werden, wie sich die EInsetzung Galayns auswirken wird. Gerade auch weil er ja zu recht eigenwilligen Aktionen tendiert. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

      blink schrieb:

      Bin ja gespannt, wer oder was der entscheidende Anstoß sein kann, um sie während ihres Urlaubs von der Bildfläche - und der Konditionierung - verschwinden zu lassen. Raus aus dem Gnati-Programm, das bestimmt für "Gnadenlose Tötungsinstrumentalisierung" steht. You heard it here, first! :D
      Nun, da wird es bald zur Sache gehen. Der Urlaub ist ja nicht umsonst da, soll er doch überprüfen, ob sie sich sozusagen entkonditionieren kann. Was die Bedeutung des Programmes angeht, könnte ich jetzt behaupten, das wäre mein Hintergedanke gewesen. Ist es aber (leider) nicht, hat er doch einen völlig anderen Hintergedanken. Ist ein auch ein Wink mit dem Zaunpfahl, um was es in dem Programm geht, auch wenn es schon so langsam ohne dies erkennbar sein könnte.

      Bo:

      -Bo- schrieb:

      Habe nämlich eher damit gerechnet, dass sich Hydra und Galayn über die Regierung kennenlernen und eventuell schnell erkennen, dass beide viel verbindet und gleichzeitig trennt.
      Ein Treffen dieser beiden Protagoinisten bietet sich ja an, aber das ist noch nicht so ganz durchdacht bzw. da bin ich noch vorsichtig, gerade weil man da auch leicht etwas kaputt machen kann. Und wie ein solches Treffen dann abläuft und was danach passiert - großes Geheimnis^^

      -Bo- schrieb:

      Diese Gegenüberstellung gefällt mir
      Schön, dass ich damit jemanden erfreuen konnte. Diese beiden Schauplätze geben oft Potential für kontrastierende Ereignisse, was mir persönlich gefällt.

      -Bo- schrieb:

      Welche Relevanz hat dieser Handlungsstrang für die Zukunft?
      Also diesmal habe ich es nicht so eilig, dass jedes Ereignis direkt das große Ziel einläuten muss oder einen großen Schritt dorthin bedeutet. Relevanz kann sein, dass die Handlung vorangetrieben wird, kann aber auch heißen, dass ein Charakter weiter beleuchtet wird. Provokant gefragt: muss alles immer Relevanz haben? Also in einer solchermaßen vorantreibenden Sicht?

      -Bo- schrieb:

      Immerhin wissen wir noch nicht, ob der Kult mit seinem Anführer wie ein Schwarm Heuschrecken von Insel zu Insel zieht oder verschiedene Stützpunkte unterhält, um Ressourcen und Macht zu festigen.
      Gute Frage. Da wird es Antworten geben, aber die weiß außer mir und dem Kult ja eben niemand so genau. Da muss noch etwas Wasser den Fluss hinabfließen.

      -Bo- schrieb:

      Was ein Abschluss.
      Tschüss. Acuh ein toller Abschluss xD

      qoii:

      qoii schrieb:

      Das Konditionierungsprogramm der CP-0 ist, wie man es eigentlich erwarten kann, nicht perfekt, der menschliche Geist findet oft bis immer eine Möglichkeit diese zu umgehen. Auch wenn wir Menschen erstaunlich einfach zu beeinflussen sind, sonst würde es keine Werbung, Verkaufstricks und vieles andere geben.
      Stimmt. Ich wüsste jetzt auch nicht, ob es möglich ist, jemanden vollkommen zu einer Art Zombie zu machen, aber so etwas gibt es bei mir hier nicht. Gerade die Möglichkeit zu entkommen ist ja auch irgendwo wichtig. Finde ich auch gerade deshalb spannend, weil ich zur Zeit eine Buchreihe lese, in der genau diese Beeinflussung öfter vorkommt. Aber auch die Welt zeigt so etwas ja leider viel zu oft.

      qoii schrieb:

      Das Hydra schon versucht diese zu durchbrechen, ist etwas, von dem er nichts weiß. Deswegen ist die Chance sehr hoch, dass es ihr letztendlich gelingen wird. Ob ihr dabei der neuste freie Mitarbeiter der WR helfen wird oder ob sie erst später aufeinandertreffen, bleibt noch abzuwarten.
      Sagen wir es mal so: der Direktor kann nicht in ihren Kopf schauen. Das heißt aber nicht, dass er keine Vermutungen haben kann. Ob es ihr gelingt - es wird letztlich wohl jeder erwarten und eigentlich muss es auch passieren. Aber das ist auch einer der Punkte, an dem ich im Moment noch an der Umsetzung hake. Naja, wird schon werden.
      Was das Treffen angeht verweise ich auf weiter oben.

      qoii schrieb:

      Derweil befindet sich Galayn auf dem Weg zur Schlangeninsel, wobei nicht ganz klar wird, ob er dies aus eigenem Interesse, was ich eher vermute oder im Auftrag der WR macht. Von Bora erfahren wir nichts in die Richtung und Galayn hatte seine Kurs schon gesetzt, bevor er den Umschlag geöffnet hat. Weiterhin scheint er von dem verlassenen Dorf überrascht/beunruhige zu seine, weswegen wir davon Ausgehen können, dass ihm dies noch nicht bekannt war.
      Das neue Kapitel beantwortet den ersten Teil, auch wenndu da schon selbst gut gefolgert hast.

      qoii schrieb:

      Auffällig finde ich noch, wie Bora betont, dass Galayn ihm unterstellt ist und keinem anderen.
      Hier ist aber schon noch zu beachten, dass Bora sein Ansprechpartner ist. Galayn würde auch kaum zu einem Hund der Regierung oder auch nur eines Bora werden. Sollte nicht heißen, dass er nicht schon gewissermaßen eine Bindung mit der Regierung eingegangen ist, aber keinesfalls so. Interessant ist aber schon, dass er vorerst relativ unabhängig von dem Rest der Regierung ist.

      qoii schrieb:

      Interessant dürfte dann noch Galayns Abschiedsgruß sein/werden. Immerhin scheinen Bora die Worte „Gute Tage, angenehme Nächte!“ bekannt zu sein bzw. er hat eine Idee zu welcher Gruppierung Galayns gehören/gehört haben könnte. Wir wissen noch zu wenig über deine Welt und Galayn um damit wirklich etwas anfangen zu können. Allerdings scheinen die (ehemaligen) Mitgleiter dieser Organisation/Gruppierung/Weltanschauung/Religion/Schule usw usw, alle etwas seltsam, aber auch gut Informiert zu sein. Weiterhin könnte das Ketten Tattoo ebenfalls damit in Verbindung stehen. Wie auch immer, ich mache mal eine gesiegt Notiz, auf weitere Andeutungen zu achten.
      Das stimmt auf jeden Fall. Im Prinzip war das ein unbeabsichtigter Ausrutscher von Galayn. Was das genau bedeutet ist jetzt tatsächlich noch nicht abzusehen, aber demnächst sollten da ein paar Brocken kommen. Das Kettentattoo ist ebenfalls wichtig. Aber was die Vergangenheit angeht, so folge ich dem überaus beliebten und gemeinen Herangehen, dass erstmal noch nicht so viel offenbart wird. Es kann hin und wieder kleine Flashbacks geben (einer wird sich anbahnen), aber wer würde denn mit allem auf einmal herausrücken?

      qoii schrieb:

      Ich denke mal, meine Kommentare werden besser, sobald dein Projekt etwas weiter fortgeschritten ist und ich mehr Fakten habe, die ich hin und her interpretieren kann.
      Ich finde die Kommentare bereits gut. Andere gucken mehr auf Sprache und direkten Inhalt, du interpretierst mehr und wie bekannt auch schon ganz gut. Natürlich kann man mit mehr Informationen auch mehr machen, aber ich will jetzt auch nicht zu früh zu sehr mit Informationen um mich schmeißen. Wurde ja auch bereits kritisiert^^
      Mach weiter so, dann wirst du bestimmt finden!
      "The chains of fear are easily broken with the blade of courage."
      Meine FF: Erlebnisse eines Meisterdiebes (abgeschlossen)
      Chainbreaker (laufend)
    • RE: Kapitel 5 - Zufälle

      Grüß dich!
      Weiter geht es und ich muss zugeben, dass ich über deine mehrgleisige Darstellung sehr froh bin. Ein ganzes Kapitel, das sich mit Galayns Suche nach nicht vorhandenem Leben beschäftigt, hätte ich ziemlich schwer verfolgen können. Eventuell spricht da einfach der Hunger aus mir, jedenfalls werde ich mich ausnahmsweise kürzer fassen - denn was ich an Galayns Handlungsstrang ziemlich spannend fand: Seine kompromisslose Hilfsbereitschaft. Nicht nur lässt er sich nicht abwimmeln, auch sieht er sich imstande das Problem der armen, zerlaubten Einwohner zu lösen, ohne es zuvor gekannt zu haben. Auch seine Gutgläubigkeit gegenüber der Regierung als geringstes Übel finde ich bemerkenswert. Im Vergleich zu anderen bekannten, aber leidlichen Phänomenen wie der Piraterie erscheint sie ihm und seiner Dienstmarke als annehmbare Hand, die, erstmal entgegengestreckt, auch angenommen werden kann.
      Der Kontrast zwischen Hydra und ihm wird im Laufe der Kapitel wohl immer deutlicher und pointierter, Galayn wird die Dankbarkeit der Dortbewohner erleben, da seine Absichten in dem Moment ehrenwert sind, während Hydra mehr und mehr erkennt, dass sie nicht die Rebellen bekämpft hat, sondern Brüder, Freunde, Arme, die keinen anderen Weg fanden, um ihre elende Situation zu verändern. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie du diese entgegengesetzten Wege zeichnest - und vor allem, wie diese Bezüge in ihnen eingeknüpft werden. Die angedeutete Vergangenheit Hydras, die sie innehalten und lauschen ließ, der Grund, weshalb Galayn sein Leben um 180° zu drehen scheint - vom finsteren wortkargen Dulug blieb ja nach wenigen Kapiteln nichts mehr übrig, was natürlich spannend ist, ab wann dieser "andere" Galayn alias Dulug erneut auftritt und wie er getriggert wird. Bisher gab es immer mal wieder (1) Anzeichen des Wetters, die gesondert hervorgehoben wurden, daneben (2) der Gruß, der Bora im Gedächtnis haften blieb.
      Jedenfalls ist es bisher maßgeblich, dass sowohl männlicher Protagonist als auch weibliche Protagonisten zwei Herzen sich schlagen haben. Mehr oder minder bewusst leben sie in einer Persönlichkeit, die sich stark von der anderen abhebt und gleichsam kontrolliert wie unkontrolliert durch Schlüsselreize hervorgerufen werden können. Wer sich besser im Griff hat bzw. stärkeren Zugriff auf seine "beiden" Herzen hat, wie ich es mal ins Bild stelle - auf weitere Eindrücke, diese Frage betreffend, freue ich mich schon sehr.

      Was die Bewohner der Insel anlangt, bin ich verblüfft, das ausnahmslos alle das Dorf verließen und alle nun zurückkehrten. Was diesen Wanderzug beflügelte und welchen Teil der Schlangeninseln (da verschreibt sich gern mal!) Galayn bisher kennt - die Bewohner scheinen ihn ja bislang nicht wiedererkannt zu haben - das bleibt bisher offen, ebenso wie der ausstehende Auftritt des unfähigen Mitgliedes der Marine. Hoffentlich eine vergleichsweise schrullige Erscheinung deines bisher vergleichsweise normalgehaltenen Sets an Charakteren. Beim Schwarzen Engel Domenico können wir uns jedenfalls sicher sein, dass er entweder ein selbstverbliebt-glorifizierender herabblickender Günstling Gottes ist oder ein von Selbsthass zerrissener gefallener Engel, der melodienarm, dafür inbrünstig herabblickend die läuternden Feuer der brennenden Finsternis heraufbeschwören wird. In jedem Fall ein zwielichtiger Charakter, dessen Worten man mit zweierlei Maß begegnen sollte.

      Da ich oben schon ein wenig auf Hydra einging, möchte ich ihren nicht vorhandenen Urlaub mit wehmütigem Applaus bedenken. Kenne ich, auch wenn es bei mir noch das ganze Leben ist, jedoch lang genug, um sich noch mehr Stauraum für etwaige Vorfreude zu schaffen, da ich sonst bald vor erwartender Gewissheit eines freien Tages platze. :D

      Dass ich nicht näher auf die Beschreibung der Orte eingegangen bin, die Galayn und Hydra - wer weiß, vielleicht erfahren wir in der Minute eines freien Gedankens ihren Mädchennamen - liegt ehrlich gesagt daran, dass ich diesen Teil, zumindest bei Galayn ziemlich halbherzig gelesen habe. Zwar aufmerksam, jedoch habe ich mich nicht so richtig in die suchende Szenerie einfinden können, die letztlich von Leere, gleichzeitig allerdings nicht von "böser" Leere zeugte - und letztlich zeugen würde - sodass ich mir dachte: Er findet nichts, gleichzeitig löste es bei mir noch kein Unbehagen aus, da der Nichtfund zugleich auf etwas - leicht gesagt - böses, verwerfliches hätte schließen können. Bald werden wir darüber sicherlich über den Wanderzug an einkehrenden Menschen sicher aufgeklärt.
      Die Szene rund um Hydras Einstieg in den inneren verwahrlosteren Distrikt hat mich dahingehend weit mehr gepackt, wodurch auch im rückblickenden Vergleich die Galayn-Suche inhaltlich nicht überzeugend auf mich wirkte. Schwierig - für dich - zu beschreiben, wenn man einerseits unfündig ist, andererseits aber noch keine tieferen Spekulationen ermöglichen kann (oder will?)

      Kapitel 4 schrieb:

      Das gefällt mir, wenngleich es sich eigentlich um eine portugiesische Inselgruppe handelt.
      Ilha no Meio ist portugiesisch; Archipielago de Serpiente - Archipielago ist spanisch. Ich werde allerdings ohnehin bei Schlangeninseln bzw. Schlageninseln bleiben, je nachdem, wie ich mich verschreiben werde. Dein Rückbezug ist sinnvoll, die an-erlernte portugiesische Sprache ist mir leider nicht mehr sehr präsent, zuckte nur kurz beim Archipelbegriff auf, den ich meine, innerlich anders ausgesprochen in Erinnerung zu haben. Ist letztlich auch kleinspalterisch, daher belasse ich es hier.

      Von der Struktur her gefällt mir der Aufbau immer besser, wenn gleich das Tempo bisher sehr gleichmäßig verläuft. So befinden wir uns allerdings auch erst am Anfang, da sind schnelle Sprünge und große Überraschungen bzw. Enthüllungen noch gar nicht so recht möglich. Ein wenig Skurrilität kann allerdings nicht schaden. ^^

      Nun esse ich erstmal was, ehe ich bei @-Bo- reinschaue. Bin heute Mittag endlich mal fertig geworden. Ich bin auch ein unmotivierter, letztlich ausdauernder Leser. :D