Gesetz der Gerechtigkeit (zongo67)

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  • Ok, ich wollte es Euch nicht sagen aber mir bleibt wohl keine andere Wahl. Der Grund, warum ich die Crewmitglieder nicht einzeln vorgestellt habe, ist zu einem der weil die Geschichte relativ kurz sein wird und zum anderem der weil die Crew, auf den Gesamtstoryverlauf betrachtet, nicht so wichtig sein wird wie z.B. die SHB für OP. Fokusiert Euch deswegen also nicht zu sehr auf die Crew.

    Das wesentliche an der Geschichte wird der Abgang Kerus von der Marine sein. Darauf konzentriere ich mich. Natürlich könnte ich mehrere Arcs schreiben und jedes Mal, Stück für Stück, die einzelnen Crewmitglieder vorstellen, das würde aber zu sehr vom 'Endprodukt' abweichen. Seht 'Gesetzt der Gerechtigkeit' eher als eine Kurzgeschichte an.

    Doch die Schifffahrten wollte ich nicht öde und trist gestallten. Daher die Crew. Sie wird auch in einerlei Hinsicht wichtig für die Geschichte sein, aber sie wird nicht so einen großen Einfluß auf die Geschichte haben, wie z.B. Ruffys Crew für OP. Das wollte ich Euch so explizit nie sagen aber so könnt Ihr vielleicht verstehen, warum ich die Crew zusammen vorgestellt habe.
    Klar hätte man das auch irgendwie besser lösen können, was das Tempo angeht, ist aber meine erste FF. So viele Bücher habe ich nicht geschrieben :). Seid bitte gnädig ;) . Ich hoffe das 7. Kapitel kann Euch die ersten paar Male helfen.

    Das mit den Frauen ist mir auch aufgefallen. Dass ich bisher keine einzige Frau vorgestellt habe hat mich selbst auch schockiert. Liegt aber auch vielleicht daran, dass die Crew eben von der Marine ist und keine Piratencrew ist. So viele Matrosinnen habe ich bisher auch nicht gesehen. Ich glaube unterbewusst hat dieser Gedanken meine Geschichte beeinflußt. Ich werde mich aber anstrengen und wer weiß... :D

    Isurus ist der lateinische Name des Makohais. Der Mako ist mit Abstand der schnellste Hai (ich glaube sogar das schnellste Tier unter Wasser überhaupt). Folglich sieht er wohl aus wie ein Hai und ist schnell^^ Einbischen wie die Street Sharks vielleicht...

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von zongo67 ()

  • Ich hätte kaum damit gerechnet, das nun plötzlich ein Kommentar bei mir eintrifft. Es haben sich recht viele meine Geschichte vorgenommen, aber einige kommen einfach nicht durch und lassen entsprechend nie von sich hören. ^^
    Nett, das du nicht zu den Personen gehörst. Mit deinen ~22 Jahren bist du aber auch kein schlechter Schreiber und bin froh, das die Anfangs schwierige Phase so schnell vorbei gegangen ist. Inzwischen gefällt mir deine Geschichte richtig gut und sehe nun auch den zongo und nicht den blink, der sich im ersten Kapitel sehen lassen konnte, sofern man überhaupt davon wusste. Deine neue Insel erinnert mich ja ein wenig an Mocktown und die Wahrscheinlichkeit, das dort kein Krawall entsteht, ist laut meiner Erfahrung eigentlich gar nicht gegeben - was ich sehr gut finde. Mir fällt es immer leichter deine Crew in ihrer Individualität zu differenzieren, auch wenn ich sehr überrascht war, das du gar nicht vorhast einen so langen Roman zu schreiben.
    Das habe ich zu Beginn auch gedacht, weil ich nicht einmal das erste Kapitel geplant hatte. Der Rest ergab sich dann beim schreiben der darauf folgenden Kapitel und dem Ausbau des Fanservices - kein Hentai, sondern Zusatzinformationen, sowie Gedächtnisauffrischungen.
    Mal schauen, wie lange du diesem Bereich hier treu bleiben wirst, ganz gleich, ob du schreibst oder nicht. Es gibt immer Leute, die andere Geschichten begleiten, was ich sehr schön finde. Aber was lege ich dir Blumen ans Grab, du bist ja noch mitten im Leben, bzw. deine Geschichte ist im übertragenden, eigentlich gemeinten, Sinne auch noch in der steigenden Spannungskurve und hat ihr Maximum noch lange nicht erreicht.
    Insofern: Weiter so! Und bei mir kann es laut Erfahrung vorkommen, das du deine Faulheit verlierst. Andere habe es auch irgendwie geschafft, nachdem das Ganze bereits über 50 Kapitel hatte. Das waren noch Zeiten. Voll lange her. *In Erinnerungen schwelg*
  • So, hier geht´s weiter mit den Kapiteln.

    Viel Spaß...

    Kapitel 14: 'Die entspannte Seite des Lebens'
    Spoiler anzeigen
    „... und in der Nähe von Mocktown sind gleich zwei neue Piratenschiffe gesichtet worden. Außerdem gingen gestern, nicht einwandfrei glaubwürdige, aber auch nicht zu vernachlässigende Berichte im Marinehauptquartier ein, die besagen, dass allein im South Blue drei neue Piratenbanden die Meere unsicher machen. Üblich waren normalerweise ca. 150 Meldungen von neuen Piraten im Jahr. Jetzt haben wir fast 100 Meldungen in nicht einmal einem Monat. Unter der, in letzten Wochen doch sehr stark angewachsenen Anzahl an neuen Piratenschiffen, sind fast 85% davon Segelschiffe der Kategorie 'Nao', was sehr auffällig ist. Der Schiffstyp scheint in Mode gekommen zu sein, oder irgend eine Werft bietet diese Schiffe zu einem sehr guten Preis an.
    Das waren die neuesten Nachrichten. Haltet die Augen auf Gentlemen, ende.“
    Durch die Rundfunkteleschnecke berichtete Großadmiral Senghok über die Aktuellen Geschehnisse auf den Weltmeeren. Keru legte besorgt die Teleschnecke auf die Kommode. „Was hat das alles zu bedeuten?“, fragte er Frederick nach dessen Meinung, der mit im Hotelzimmer war.
    Der machte ein überfragtes Gesicht: „ich habe leider keine Ahnung. Aber eine richtige Verbindung zwischen den Piraten kann es nicht geben. Die kommen von überall her.“
    „Eins ist klar: sie beschränken sich nur auf das Gesehen werden. Angegriffen haben die Meisten zum Glück noch nicht.“
    „Wir machen uns zu viele Sorgen. Solange es so bleibt, ist es halb so wild. Sind ja alles noch Greenhorns. Also, gehen wir raus und genießen diese Insel. Zwei Tage sind wir schon hier und haben noch nichts bewunderungswürdiges erlebt. Wie lange hattest du keine Freundin mehr? Dementsprechend bist du da unten bestimmt kurz vorm einrosten. Ich habe gehört, die Frauen nennen hier Einen „Papi“, ist das nicht der Wahnsinn?“ Fredericks Augen glänzten und Kerus besorgter Gesichtsausdruck wich einem, für Keru untypischem, geilem Grinsen. Wie soll man´s ihm verübeln können? Keru war schließlich seit mehreren Monaten „Trockengelegt“.
    „Komm! Wir genießen den Tag mit super Essen, köstlichem Rum und finden abends ne geile Einwohnerin für dich.“ Keru konnte gerade noch ein Stück Sabber aus seinem Mundwinkel hochziehen, was ihm sogar in Gegenwart seines besten Freundes ein wenig Peinlich war. „Du hast recht, machen wir das Beste aus der Situation!“
    Frederick gab ein lautes „Whoooohooooooowww!“ von sich. Keru packte etwas Geld ein und sie gingen vor die Tür.

    Beim Abschließen viel Keru die Frau auf, die drei Türen weiter residierte. Diese Frau hatte er auch beim einchecken, an der selben Stelle gesehen. Sie war klein, hatte eine zarte Haut, blonde Haare die zu einem Dutt gebunden waren und trug einen Blazer aus grauem Stoff mit der dazugehörigen Schiebermütze. Außerdem war sie ganz süß, wie Keru fand. Die junge Frau erwiderte seine Blicke aber mit Misstrauen. Noch mehr als misstrauisch schien sie überrascht zu sein. Den selben Gesichtsausdruck hatte sie auch bei ihrer ersten Begegnung.
    Ohne auch nur ein Wort zu sagen, ging sie, mit beiden Händen in den Taschen, rasch an den Beiden vorbei Richtung Treppe. Sehr merkwürdig, wie Keru dachte.
    Was er nicht wusste: Die Frau hatte beim ersten Mal das Wasserzeichen der Marine auf Kerus Rucksack gesehen.

    Angesichts der guten Laune, die sich bei Keru immer breiter machte, war die unangenehme Szene mit der Frau schnell wieder vergessen. Auf Fredericks Anliegen haben sich beide bunte Hemden und weite, weiße Stoffhosen gekauft. Der Strohhut durfte natürlich nicht fehlen. Das die beiden von der Marine, und keine Touristen waren, konnte man gar nicht erkennen. Diesen Effekt erzielten die beiden aber eher unbewusst. Der Spaß sollte heute im Vordergrund stehen.
    Es war ein sonniger Mittag, und dementsprechend sehr heiß, wie eigentlich immer auf dieser Insel. Die Häuser waren höchstens zwei Stockwerke hoch und die Außenfassade war mit vielem hübschem Stuck verziert. Es waren sehr altmodische Häuser, genossen aber eine gute Restaurierung wie es schien. Dieser Baustil war auch das Markenzeichen der Insel.
    Viele der Geschäfte an den Straßen hatten ihre Schaufenster sperrangelweit geöffnet. Die Hitze war einfach zu groß. So konnte man die ganzen, fröhlich lauten Konversationen bis auf die Straßen hören. Sehr viele Cafés gab es entlang der Straßen. Keine 'Schikimicki' Restaurants, wie man es vielleicht vermuten würde, sondern etwas weniger Prunkvoll. Es waren Mischungen aus Café und Kneipe. An den meisten Tischen saßen alte Einheimische und spielten zu viert Karten oder, wie es Keru positiv auffiel, Rummy. Die Männer waren dabei sehr laut, dies empfand man allgemein jedoch sehr positiv. Die Stadt lebte und sie war gut drauf. Dies übertrug sich schnell auf Keru, lange hatte er kein Urlaub gemacht.

    „Na Drake? Was sollen wir unternehmen?“, fragte Frederick.
    „Ich würde gerne mal die Zigarren probieren. Das sollen die besten der Welt sein. Da vorne habe ich auch schon ein Geschäft gesehen, komm.“

    Keru und Frederick betraten den Laden. Das Licht war schummrig im Raum. Ein angenehmer Zigarrenduft kam den beiden entgegen. Ein an die Wand geklebter Ventilator spendete dem Raum etwas kühle Luft. Durch den gläsernen Tresen konnte man die verschiedensten Zigarren aussuchen.
    Wenig später kam auch der Ladenbesitzer aus dem Lager.
    „Oh, Kundschaft von außerhalb. Ich heiße Cohiba und heiße Sie...(musste an dieser Stelle kurz Grinsen)…willkommen. Wie gefällt es ihnen auf unserer Insel?“, wollte der dicke, beharrte Mann in einem freundlichem Ton wissen.
    „Danke, bisher sehr gut. Wir sind hier um ein paar Zigarren zu kaufen. Sind zwar keine Zigarrenraucher aber da wir schon mal hier sind, dachten wir...“
    „Ah, verstehe“, nickte der Mann freundlich. Er zeigte auf den Tresen: „Wir haben hier zum Beispiel eine Esplendido für 300,- Berry das Stück, oder eine Siglo oder Panatelas für jeweils 175,- Berry. Was stellen Sie sich vor?“
    „Die Siglos sehen gut aus“, sagte Frederick.
    „Nein. Das ist alles schön und gut aber...“ Keru lehnte sich über den Tresen zu Cohiba: „Hast du nicht was 'Spezielles'? So oft kommen wir nicht nach St. Alvarez, wenn du verstehst was ich meine“, sagte er.
    Cohiba grinste. „Ich glaube, ich habe da was für Euch. Wartet einen Augenblick.“ Cohiba verschwand wieder in seinem Lager.
    „Was spezielles?“, wollte Frederick überrascht wissen.
    „Mein Onkel schwor auf die Dinger. Wenn wir schon mal hier sind, dann kaufen wir uns auch die Besten, oder nicht?“

    Cohiba kam schon wieder zurück. In der Hand hielt er eine kleine Holzschachtel. Beim öffnen der Schachtel sah man drei Zigarren mit aufwändigem Siegel. „Das, meine Muchachos, sind Santiagos. Das Beste, was man für Geld Kaufen kann. Riecht doch mal...“ Cohiba hielt die Schachtel vor die Nasen von Keru und Frederick. Sie rochen und fanden Gefallen daran.
    „Wie viel kostet das Stück?“, fragte Keru.
    „Etwas kostspieliger als die Anderen, 10.000,- Berry.“
    Frederick machte große Augen: „10.000,- Berry! Wie rechtfertigt Ihr diesen Preis?“
    „Es ist der Aufwand, der betrieben wird um diesen speziellen Zigarrenblätter ihr Aroma zu verleihen, der die Zigarre so teuer macht. Es lohnt sich.“
    „Wie teuer kann der Aufwand denn schon sein?“
    „Es fängt damit an, dass die Felder vom ollen Oskar, aus der diese besonderen Zigarrenblätter stammen, mit einem speziellem Düngemittel bespritzt werden.“
    „Einem speziellem Düngemittel?“, fragte Keru.
    „In der Tat. Seine Kuh, Olga, ist eine wahre Laune der Natur. Nur ihr Kot verhilft den Zigarrenblättern zu solch einem einzigartigem Aroma und Stärke.“
    „Der Oskar kann sich ja glücklich schätzten“, kommentierte Keru lachend.
    „Kann man wohl sagen. Der Alte Mann verdient sich dumm und dämlich.“
    „Deshalb also der hohe Preis?“, fragte Frederick.
    „Nee nee, das ist bei weitem nicht alles. Die Zigarrenblätter müssen am zweiten Dienstag eines jeden Junis, exakt um 13.16 Uhr mit einem gezieltem Schlag mit einer Edelplatinmachete vom Ast getrennt werden. Es gibt nur vier Menschen, die diesen gezielten Schlag ausführen können. Ihr Zeitfenster beträgt 3,74 Minuten. Bis dahin müssen alle Blätter abgeschlagen sein, sonst beginnt schon der Verwelkungsprozess. Dann müssen die abgeschlagenen Blätter umgehend zur Weiterverarbeitung gebracht werden. Sie müssen in Lagerhäusern zum trocknen aufgehängt werden. Dabei kriegt jedes Blatt ihre eigene Leine, die aus Seespinnenseide sein muss. Diese Seespinne muss ein langhaariger Blonder mit Locken fangen, der sich Haifischkiemen implantiert haben muss um tief genug tauchen zu können.
    Nach vier Jahren Trocknen, werden die Blätter einem Reiter unter den Sattel gelegt und dieser reitet die Blätter drei Tage und Nächte lang ein...“
    „Lass mich raten... der Reiter muss besondere Augenfarben haben?“, fragte Frederick, mit einem etwas höhnisch klingendem Unterton.
    „Nee, ein stinknormaler Reiter. Warum hast du gefragt?“, fragte Cohiba überrascht.
    „Ach, nicht so wichtig. Erzähl weiter“, sagte Keru gespannt.
    „Das war´s. Das ist alles“, beendete Cohiba seinen Satz.
    „Das war´s schon?“, fragte Frederick erneut sarkastisch.
    „Nein, ich habe noch was vergessen zu erwähnen...“
    „...Warum bin ich nicht überrascht?“
    „Die gerollten Zigarren kommen dann in diese Santiago Holzschachteln. Daher auch der Name“, sagte Cohiba stolz.
    „Warum macht Ihr euch so viel Mühe?“, fragte Keru.
    „Weil es der Entspannung wegen wert ist. Im Vergleich zum Grad der Entspannung beim Rauchen, ist der Aufwand relativ gering. Das ist unser Motto. Wir entspannen uns, wo wir nur können. Und was gibt es schöneres, als nach einem harten Arbeitstag die Füße hochzulegen, in netter Gesellschaft einen Glas erstklassigem Rum trinken und dabei eine Zigarre zu rauchen? Die Welt und das Leben ist zu schön, um sie mit Kleinigkeiten wie das Streben nach Macht, den zu erzwingenden Erfolg oder dem oft selbst verschuldetem Stress zu vergraulen.“
    „Wir kaufen´s“, sagte Keru begeistert.
    Frederick: „Ja Prima!“

    Wenig später sah man einige der Crewmitglieder in einem der Cafés. Ram, Adrian und Shin hatten schon einige Rumgläser Intus und scherzten mit den Einwohnern. Keru und Frederick gesellten sich zu ihnen. Einige Leute spielten in der Ecke 'Kaffeebohnenweitpusten' und viele andere spielten Karten.
    Ram: „Keru, Frederick, seht Euch diesen Typen an. Der kann einen Affen perfekt imitieren. Mach mal Marco“, bat er den Mann am Tisch. Dieser machte gekonnt einen Affen nach und die Jungs warfen sich auf den Boden. Keru musste schmunzeln.
    Frederick kam nochmal auf die Zigarre zurück: „Drake, warum hast du die Zigarren gekauft?“
    „Ich befolge deinen Rat Frederick. Ich werde mich hier entspannen.“ Er zündete die Zigarre an und wurde benommen. Er sank auf seinen Stuhl zusammen und sprach zugedröhnt: „Woooww, mein Onkel hatte recht.“

    Keru entspannte sich und ließ sich gehen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er solch fröhliche Tage nicht mehr all zu oft erleben würde. Es war sogar mehr als nur ein Gefühl. Er ahnte, dass was passieren musste. Die letzten Wochen waren zu friedlich. Er glaubte, dass etwas Großes passieren würde. Und er sollte Recht behalten...
    Kapitel 15: 'Zum goldenen Handschuh'
    Spoiler anzeigen
    Nach einigen Tagen der Entspannung, ließ es Keru etwas aufregender angehen. Im Vordergrund hierbei stand das Trinken. Immerhin waren Keru und seine Crew Seemänner. Und als Solche musste man hin und wieder seine Trinkfestigkeit natürlich unter Beweis stellen.
    Um diese ehrenhafte Pflicht als Seemann nachzugehen, haben ein paar Jungs der Dunkerk auch schon eine geeignete Taverne ausmachen können. Dabei handelte es sich um eine 'richtige' Taverne, wie Ram versprach. Also machte sich Keru eines Abends auf, um diese besagte Taverne zu besuchen.

    Er und Frederick hatten sich heute Abend dort verabredet. Relativ selten waren die beiden Freunde zusammen zu sehen. Obwohl sie sich sehr nahe standen, hatten beide doch unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein 'Urlaub' genossen werden konnte. Frederick nahm oft an sportliche Aktivitäten teil und feierte ausgiebig, während Keru, wie der Leser bereits wusste, eher auf Entspannungen aus war. Als Kapitän der Marine, durfte man ohnehin nicht so oft ins Glas schauen, um seinen Ruf als Autoritätsperson möglichst gerecht zu werden. Lieber etwas öfter Anstand haben, als etwas zu selten, auch wenn man ein noch junger Kapitän war.
    Heute wollte er aber Trinken. Mindestens genauso viel wie die Anderen, das hatte er sich zumindest vorgenommen.

    Abseits der lauten Vergnügungsmeile, die die meisten Touristen anlockte, ging Keru auf einer, deutlich weniger belebten, Straße entlang. Die Wegbeschreibung von Ram hatte er sich gut eingeprägt. Dennoch hatte er ein wenig das Gefühl, falsch abgebogen zu sein. Die Straße, auf der er ging, war nämlich keins mehr. Es war eher ein Dorfweg. Immer weniger Häuser reihten sich aneinander und der Lärm der Innenstadt war nur noch sehr schwach wahrzunehmen. Stattdessen hörte man immer mehr Grillen.
    Keru war leicht mulmig ums Herz, was eigentlich gar nicht nötig war. Bis auf den miesen Hafenmeister und den Concierge, waren alle Bekanntschaften, die Keru gemacht hatte, ganz nett.

    Bevor die Nervosität an Intensität gewinnen konnte, legte sie sich schnell wieder, als Keru am Ende des Weges die Taverne erblicken konnte. Er erkannte eine Eckkneipe, die den Anfang eines kleinen Häuserblocks markierte.
    „Zum goldenen Handschuh“, konnte Keru auf dem Schild lesen; er war richtig. Als er eintrat, kam ihm sofort der rustikale Geruch einer rustikalen Taverne entgegen. Eine Mischung aus Bier- und Uringeruch. Es war deutlich wärmer hier drin. Die Luft war stickig und der Vergleich des Lärmpegel der Taverne im Vergleich zu draußen, schien überhaupt nicht angemessen zu sein. Hier grollte ein betrunkener Säufer, da lachte eine offensichtliche Prostituierte laut auf, die von ihrem Freier auf dessen Schoß gezogen wurde und eine Dudelsack-Gruppe spielte eine Melodie, die für diese Insel ganz untypisch war.
    Alles in Allem, eine 'richtige' Taverne, wie Ram versprochen hatte. Keru sah auch schon Frederick zusammen mit Ram und Adrian sitzen.
    „Ööyyy, Drake ist da! Komm hier rüber Drake!“, schrie Frederick.
    „Wer is´n nochma diesa Drake?“, fragte Ram deutlich lallend.
    „Das ist unser Saufkumpel für heute Abend.“
    „Eyyyy, Drake! Komm su uns!“, schrie dieses Mal Ram.
    Keru setzte sich zu den Dreien hin. „Moin Ihr Landratten. Ihr seht schon ziemlich heiter aus“, sagte Keru mit einem leichtem Grinsen. „Wusste ich doch, dass Ihr schon nach ein Paar Gläser von den Stühlen kippt. Es ist halb Neun und Ihr seid schon hacke voll.“
    „Hey! Freundschen... mach die Lauschä auf... du dafsst mit unss midrinkn... aba bleidign... tusst du bidde woanders.“
    „Schön, dass es dir gut geht Ram“, ulkte Keru.
    Ram schaute genauer hin: „... Kapt´n? ...du? ...hier? Haha! Willkomm´im goldnen Handschuu... Kannssdu etwas zu Seide rutschn´? Wir erwartn´ nämlich ennen Saufffkumpel.“
    „Keru IST Drake du Vollidiot!“, schrie Frederick ebenfalls betrunken, aber mit sehr viel mehr Kontrolle in seiner Aussprache, in Rams Ohr.
    „Ahh! Rischtig, Keru... Spissname Drake. Warum hassn´ du keenen Spissnam´ 'Ästää'?“
    „...Frederick... Derick! … Hihihi!“, rief Adrian in die Runde und kicherte wie ein kleines Kind, nachdem er seit Minuten ruhig, und damit beschäftigt war, seine Augenlider offen zu halten und nicht einzuschlafen, was ihm durch die bereits getrunkene Menge von Alkohol sichtlich schwer fiel.
    Ram: „Drake... und Derick; Die beiden Gumpell von der Marine... hahahahaha!“
    „Hihihihihi.“ Adrian und Ram waren unter den gelangweiltem Gesichtsausdruck von Frederick amüsiert. Keru musste ebenfalls lachen.
    „Ach, scheiß auf die Beiden. Wir wollen ja unseren Spaß haben. Bedienung, noch eine Runde Sambuca bitte!“

    Auf einem anderen Tisch der Kneipe. Craig tuschelte mit einer Frau, die keine Interesse zeigte mit ihm auch nur eine gemeinsame Minute zu verbringen. „Ich habe auch andere Qualitäten, weißt du? Da ich viel Rad fahre, habe ich ein hervorragendes Stehvermögen und bin sehr ausdauernd“, sagte er zu der Frau.
    „Was du nicht sagst?“
    „Ja, ganz ehrlich. Vielleicht hast auch schon meine Muskeln bemerkt. Ich bin nämlich Kanonier. Wenn es sein muss, trage ich eine Kanonenröhre auf der einen, und eine Kanonenröhre auf der anderen Schulter.“
    „Du sollst Kanonier sein?“
    „Ja, willst du meine Tätowierung sehen?“ Ohne dass die Frau einwilligte, knöpfte Craig seinen Hemd auf und zeigte der Frau seinen Rücken.
    „Kannst du nicht endlich aufhören Craig? Die Dame möchte nichts von dir“, kritisierte Cassagnol. Er war auch am Tisch und hatte aufgehört seine Gitarre zu spielen. Gegen die Dudelsack-Gruppe kam er sowieso nicht an.
    „Kümmere dich um deine Sache!“
    „Oh, die Tätowierung ist sehr interessant. Lass mich das Werk genauer begutachten, starker Mann.“
    Craig zog die Augenbrauen mehrmals hoch und runter. „Siehst du Cassagnol? Du kannst die Tätowierung solange studieren wie du willst meine Perle“, sagte Craig über die Schulter zur der Frau. Er sprach weiter zu Cassagnol: „Mit diesem Gehirn wirst du nie aus dem Stadium der Jungfräulichkeit fliehen können mein Bester. Allein mit Gitarre ist die Sache noch nicht gegessen. Du musst Charmant sein und der Frau was bieten können. Es reicht nicht, immer nur nett zu sein. Frauen mögen es oft direkt. Manchmal musst du halt ein Mann sein und das präsentieren, was du hast. Stimmt´s Mäuschen?“, Craig drehte sich zu der Frau und stellte erschreckend fest, dass Diese nicht mehr da war. „Sie ist weg!“
    „Charmant also?“, kicherte Cassagnol und widmete sich wieder seiner Gitarre.

    Wenig später setzte sich eine langhaarige Brünette, verschwitzt durch das ständige Tanzen, auf einem Stuhl unmittelbar hinter dem von Craig. Wie eine Spinne, die Bewegungen auf ihrem Netz spürt, registrierte er die schöne Frau auf Anhieb. Reflexartig sprach er sie an und unterbrach dabei ihr Klatschen zum Rhythmus der Musik. „Nanu? Welches der hübschesten Geschöpfe dieser Erde hat dich denn zur Welt gebracht?“ Cassagnol verdrehte die Augen, spielte aber weiter auf seiner Gitarre.
    Die Brünette sah Craig herabwürdigend an. Ohne auf ein Gespräch einzugehen, widmete sie sich wieder der Musik.
    „Ich mag Frauen, die nicht gleich 'Ja' sagen.“ Cassagnol verdrehte noch einmal seine Augen. „So eine hübsche Frau wie du, will erobert werden. Ich habe schon einige Schönheiten deiner Preisklasse erobert. Ich warne dich, bin geübt. Widerstand ist also Zwecklos meine Liebe“, sagte Craig in einem leicht arrogantem Ton.
    „Oh nein. Wenn das alles Frauen waren, die auf solche Sprüche wie deine standen, dann waren es ganz bestimmt Keine in meiner Preisklasse“, giftete die Brünette zurück.
    „Ah, selbstbewusst ist die Dame auch. Das wird ja immer besser!“
    „Spare dir deine Bemühungen Blondschopf! Du hast deine Karten schon nach dem ersten Satz verspielt.“
    „Warum bist du dann noch hier und redest mit mir?“
    Eine kurze Pause war entstanden, in dem sie sich tief in die Augen sahen...
    „Es ist schon einige Jahre her, dass Redefreiheit auf dieser Insel eingeführt wurde. Also sehe ich keinen Grund, warum ich nicht reden sollte. Aber du hast recht; mit so Einem wie dich sollte ich nicht reden.“
    „Du tust es aber trotzdem...“
    Wieder Stille zwischen den Beiden...
    „Ich will wirklich nichts mit dir zu tun haben.“
    „Dann geh doch einfach. Wenn du meinem Charme entkommen kannst.“
    „Lass mich in ruhe!“
    „Komm schon, du willst es doch auch?“

    „Das reicht Craig! Du solltest die Dame wirklich in Ruhe lass...“ Cassagnol beendete kurzer Hand sein Spiel und mischte sich ein. Dabei sah er zum ersten Mal das Gesicht der Brünette und stockte währenddessen mitten im Satz. Er sah aus wie Jemand der einen Geist gesehen hatte. Mit weit geöffneten Augen und hegendem Unterkiefer: „I... Ich entschuldige mich zutiefst für meinen Kameraden, aber bei einer Sache muss ich ihm zustimmen. Sie sind wahrhaftig eine Schönheit, das seines Gleichen sucht. Die Suche könnte aber lange dauern...“ Wie im Trance, redete er vor sich hin: „...ohne dabei in die gleiche Schublade wie mein Kollege abdriften zu wollen, muss ich Ihnen sagen, dass Sie atemberaubend schön sind. Und so lebendig sind Sie... wie ein Eichhörnchen das grazil durch die schönen Herbstwälder springt und gleichzeitig so wundervoll, wie ein bunter Schmetterling...“
    „Was soll DAS denn jetzt Navi!? Solch Romanzen geschwängerte Sätze habe ich ja seit langem nicht gehört!“
    „Siehst du? Dein Kollege weiß wie man Komplimente macht“, sagte die Brünette und musste dabei kichern. „Du bist wirklich süß – wie heißt du?“
    Cassagnol wurde gefasster, weil er merkte, dass die Frau wirklich mit ihm sprach. Dennoch ein wenig verunsichert antwortete er: „Cassagnol.“
    „Uh, ein klangvoller Name, gefällt mir. Ich bin Zoe.“ Sie reichte ihre Hand über den Tisch zu Cassagnol. Der war erstaunt, ließ auf den Händedruck aber nicht lange warten.
    „Du spielst Gitarre?“
    „Ja.“
    „Finde ich toll! Ich komme aus einer musikalischen Familie und habe mich immer für Instrumente interessiert. Wie lange spielst du schon?“
    „Seit dem ich Acht bin. Ich konnte mich aber kaum verbessern. Erst seit kurzem kann ich wieder regelmäßig üben.“
    „Das ist schön. Was ist dein Handwerk Cassagnol?“
    „Ich bin Navigator eines Handelsschiffes.“
    „Ohh, Zeichnen kannst du also auch? Du scheinst talentiert zu sein. Hast übrigens schöne Haare.“
    „Danke. Zeichnen und Gitarre Spielen ist in der Tat nicht einfach. Beides erfordert sehr gute Fingerfertigkeiten.“
    Die Brünette horchte ungewollte auf. Sie wurde etwas rot.
    Craig gefiel es gar nicht, was er da sah. Der verbitterte Cassagnol war tatsächlich gerade dabei, eine Frau herumzukriegen. Und dann auch noch so eine Granate! Der dumme Cassagnol ahnte vermutlich gar nicht, wie gut seine Chancen standen. Ungewollt wurde er Zeuge, wie er diese Frau wohl doch aus der Hand geben musste.

    „Wie sieht´s aus Cassagnol – was hältst du von einem Spaziergang am Meer? Dabei könntest du mir ein Paar Lieder vorspielen.“
    Cassagnol zögerte nicht lange: „G... gerne, dass mache ich doch gerne. Craig, könntest du die Rechnung zahlen? Du hast was gut bei mir...“ Ohne auf Craigs Antwort zu warten, stand Cassagnol auf und ging mit der Frau raus.
    „Was zum Teufel war das eben!?“, ärgerte sich Craig.

    Wieder an einem anderen Tisch – Zwei Männer und eine Frau saßen an der Wand. Deutlich nach vorn gebeugt tuschelten sie zueinander. Auffällig waren ihre, fast einheitliche, Schiebermützen.
    „Uns bleibt nicht mehr viel Zeit Jungs. Hank will uns morgen treffen.“
    „Wo?“
    „In der Scheune, wie letztes Mal. Die Würfel werden wohl in den nächsten Tagen fallen.“
    „Ich kann es kaum abwarten. Und wie der Neue aussieht, darauf bin ich auch gespannt.“
    „Also bis morgen Gentleman...“
    Kapitel 16: 'Tatendrang'
    Spoiler anzeigen
    Der nächste Tag, nachdem Kneipengang. Keru hatte eine Besprechung der Lage einberufen, wartete damit jedoch bis zum Nachmittag, damit die Männer ausgenüchtert erscheinen konnten – ausgenüchtert, so gut es eben ging.

    Fast alle Crewmitglieder waren im Zimmer von Keru. Das Zimmer wurde mit einer Tafel und mehreren Stühlen gefüllt, damit auch alle Platz nehmen konnten.
    „Wo ist denn der Cpt. frage ich mich“, sagte Shin zu Ram, der einen Stuhl neben ihm saß.
    „Wo ist meine Soda frage ICH mich“, antwortete Ram stöhnend und seinen Kopf haltend. „Die Zimmerbedienung lässt sich aber Zeit.“
    Cassagnol kam als Drittletzter in den Raum und setzte sich neben Craig hin. Dieser beäugte ihn intensiv und kam auch gleich zur Sache: „Und? Wie lief es gestern Abend?“
    „Ich weiß nicht, wovon du redest.“
    „Hör auf mich zu verarschen du Sau! Erzähl schon.“
    Cassagnol nahm ein kleines Papier aus seiner Tasche und gab es Craig.
    „Was ist das?“
    „Das ist Zoes Anschrift. Sie meinte, dass ich jederzeit vorbei kommen darf, wenn ich in der Nähe sein sollte.“
    Craig sah aufs Papier und konnte es gar nicht glauben. „Du Schwein! Ich hatte sie zuerst gehabt!“
    „Nein, gehabt habe ich sie, du durftest nur gucken. Hätte ich gewusst, dass Sex wirklich so toll ist, hätte ich mich schon viel früher angestrengt um es mal getan zu haben.“ Craig schmiss Cassagnol das Papier vors Gesicht. Daraufhin musste Cassagnol schadenfroh grinsen.

    Keru kam ins Zimmer rein. Die Männer standen auf und salutierten. Da dieses Treffen von der Marine angeordnet war, nahmen die Männer ihre eigentliche Umgangsform gegenüber einem Offizier an – Das gehörte zur Pflicht.
    „Rührt euch Männer!“ Keru ging zur Tafel und legte einen Ordner auf den Tisch, den er unterm Arm trug. Die Männer setzten sich hin. „Guten Tag. Sind alle anwesend?“, fragte Keru und streifte mit Blicken durch die Reihen.
    „Isurus ist nicht da“, sagte Shin.
    „Genau, ich habe ihn seit Tagen nicht gesehen. Wo ist er überhaupt?“, fragte Adrian.
    „Vorgestern hat er sich bei mir abgemeldet. Er wollte seinen Sohn besuchen. Im laufe des Tages wird er wohl eintreffen. Wie ich sehe ist der Rest von euch anwesend. Also können wir Anfangen.“ Keru bemerkte Rams Zustand. „Um Gottes Willen, wie siehst du denn aus Ram?!“
    „Puh! Bitte nicht so laut Cpt., mein Schädel brummt wie verrückt“, sagte Ram.
    „Er war bis neun Uhr Feiern Cpt. Verübeln Sie es ihm nicht zu sehr“, appellierte Adrian an Keru.
    „Steh auf und lass dir was von Ritaré geben. Dein Anblick ist ja kaum auszuhalten.“

    Ram verließ das Zimmer und Keru fuhr fort. „Also Männer, wir haben neue Informationen bezüglich Gibbson Roland und dessen Piraten. Sie begegneten heute morgen einem Kriegsschiff der Marine - Das Schiff von keinem geringerem als Vizeadmiral Garp. Vermutlich wussten die Piraten nicht, mit wem sie es zu tun hatten, geflohen sind sie trotzdem.
    Beim Versuch die Piraten wieder einzuholen, hat Vizeadmiral Garp seine berüchtigten Kanonenkugel eingesetzt. Beim Ausholen der Riesenkugel, riss die vollkommen heile Kette aus heiterem Himmel. Die Kugel fiel ins Wasser und verfehlte ihr Ziel. Durch die daraus resultierten Wellen konnte die Kajalbande flüchten. Die Kette ist bestimmt nicht aus purem Zufall gerissen.“
    Einige Männer hatten am Anfang der Ansprache gedacht, dass die Jagd schon vorbei sei und VA Garp die Piraten schon erledigt hatte. Nun mussten sie mitkriegen, dass ihre Vorfreuden doch schon vorbei waren.
    „Niemand entkommt so mal eben der Kugel Garps. Deswegen hat mich der Großadmiral gebeten noch ein wenig vorsichtiger zu sein. Uns ist bekannt, dass die Piraten, die wir Jagen, keine blutigen Anfänger sind, jedoch geben uns die neuen Informationen Aufschluss darüber, dass diese Piraten in der Tat keine blutigen Anfänger sind. Also sollten wir sie, im Falle des Kontaktes, bloß nicht unterschätzen. Die letzte bekannte Meldung über die Position der 'Obscuritas', so heißt nämlich das Schiff, wie einige von Garps Marinesoldaten feststellen konnten, ist 21 Seemeilen von Tandem entfernt. In diese Richtung ist auch das Schiff geschwommen. Die Tatsache, dass die Marine keinen so großen Einfluss auf diese Insel hat, scheint der Kapitän der Piraten oftmals zu begrüßen. Langsam wird klar, dass für uns ein Landgang auf dieser Insel immer unausweichlicher wird. Wir werden ein hartes Programm vor uns haben. Macht es euch also nicht zu gemütlich hier.
    Frederick, hast du eben mit dem Leiter der Werft gesprochen?“
    „Ja, wir haben einen Termin. In vier Tagen wird die Dunkerk soweit sein. Dann brechen wir auf. Am vierten Tag sollte möglichst alles für die Abfahrt vorbereitet sein, denkt also daran. Noch mehr Zeit sollten wir nicht verlieren, das sehen die großen Jungs da oben nicht gern. Außerdem wird dieses wohl unsere letzte Insel gewesen sein, bevor wir nach Tandem reisen. Und da wir nicht genau einschätzen können, wie wir dort zurecht kommen, empfehle ich jedem... naja, einen Brief an eure Verwandten zu schreiben und bei der Post zu hinterlegen... ist vielleicht die letzte Gelegenheit für Einige...“
    Im Raum wurde es still. Plötzlich wurde allen noch einmal bewusst, dass die Mission durchaus gefährlich sein könnte und einige es vielleicht nicht schaffen könnten.
    Keru unterbrach die Stille: „Habt Ihr noch Fragen...“

    Nach der Besprechung, konnte es Craig nicht aushalten und ging nochmal zu Cassagnol. „Hey Cassagnol, warum hast du ausgerechnet so eine heiße Frau zum entjungfert werden gekriegt?“
    „Hmm, ich schätze die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
    Craig überlegte und sah zu Cassagnol. Dieser nickte und blinzelte ihm zu.
    „Ich glaube in mir schlummert ein wahrer Liebhaber...“
    Craig gab Cassagnol eine Klatsche auf dessen Hinterkopf. „Komm wieder runter, Giovanni Giacomo Casanova de Seingalt. Du hast ne halb angetrunkene Frau in der Taverne aufgerissen und keine 100 Frauen im Harem glücklich gemacht. Zieh dir was ordentliches an; wir gehen in eine Bar. Aber dieses Mal bekomme ich die Gitarre...“

    Am selben Abend saßen Keru und Frederick an dem Tresen im 'zum goldenen Handschuh' und tranken Bier zusammen. Heute waren deutlich weniger Gäste in der Taverne. Shin, Ram und Adrian waren auch dort, wobei Shin nach draußen gestürmt war. Das schlechte Essen vom Taccostand mit Sambuca von der Taverne bekam ihn wohl nicht sehr gut.

    „Vorgestern, Gestern und Heute wurden wieder neue Piratenschiffe gesichtet. Was mir allerdings mehr Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass die Marine kaum eine Bande zur Strecke bringen konnte. Die Kajalbande ist relativ neu und nicht einmal Garp konnte die Piraten einfangen. Nicht auszudenken, wenn auch nur eine Hand voll der neuen Piratenbanden ähnlich gut sind. Ich will so schnell es geht wieder losfahren Frederick, damit wir keine weitere Zeit verlieren. Das herumhängen macht mich langsam wahnsinnig. Entspannung ist gut aber irgendwann ist auch Schluss. Vier Tage müssen wir noch warten...“
    „Wenn alles gut geht“, sagte Frederick.
    „Oh mein Gott. Noch viel länger kann ich nicht warten.“
    „Ich verstehe dich. Langsam mache ich mir auch Sorgen. Ich habe mit Jeff geredet...“
    „Mit Trace Jeff!?“
    „Ja.“
    „Ich konnte mich noch gar nicht bei ihm entschuldigen. Wie geht’s ihm?“
    „Er wurde befördert. Er ist jetzt 'Kapitän zu See'.“
    „Cpt.!? Huch, wie das denn?“
    „Die Umstände sind nicht so Rosig wie es sich anhört. Die Marine hat noch einige unbenutzte Schiffe in ihren Docks aber nicht so viele Offiziere und Soldaten. Das hat die Herren von ganz oben aber nicht daran gehindert, die Schiffe doch noch zu besetzten, damit die Bevölkerung beruhigt werden soll. Jeff wurde, zusammen mit einigen Matrosen, seinem Cpt. entzogen und als höchster Offizier wurde er zum Cpt. befördert. Jetzt ist er Kapitän von einigen seiner Kameraden und streift durch die Meere.“
    „Er hat doch keine Kapitänsprüfung gemacht und genug ausgebildet ist er auch nicht!“
    „Ich weiß aber Senghok findet es wohl für wichtiger die Bevölkerung zu beruhigen. Irgendwie kann ich den Großadmiral verstehen, wenn er etwas Ordnung bei dieser Auslastung bewahren will. Die Mittel sind mir jedoch nicht geheuer. Zudem hat noch keines der neuen Piratenschiffe etwas angerichtet. Die Situation ist äußerst seltsam.“

    Keru nahm noch einen kräftigen Schluck aus seinem Glas und grübelte. Dabei fiel ihm eine Gestalt im Augenwinkel auf, die an der Theke gerade mit dem Besitzer sprach. Er sah die kleine Blonde aus dem Hotel. Gestern hatte er sie hier auch bemerkt, wo sie sehr verdächtig mit zwei anderen Kerlen etwas besprochen hatte. Sie bemerkte Keru ebenfalls und auch für sie war der Anblick Kerus nicht ganz angenehm. Sie verabschiedete sich vom Tavernenbesitzer und verließ den Ort prompt, in dem ihre Blicke sich noch einmal mit dem von Keru streiften.
    Keru war zu vollgepumpt mit dem Bedürfnis nach Tatendrang, als dass er einfach so weiter sitzen konnte. Irgendwas stimmte mit der Frau nicht und dem wollte er nachgehen, auf Teufel komm raus. „Hast du die Frau bemerkt Frederick? Ich muss sie einholen...“, sagte er, während er hinaus sprintete.
    „Moment mal Drake! Brauchst du es denn so dringend!? Wir können auch eine Andere für dich finden!“, konnte Frederick ihm nach rufen, bevor Keru aus der Taverne trat.
    Frederick saß dann alleine an der Theke. „Was Drake? Ach, du kannst heute nicht? Kein Problem. Ich lade dich ein. Wozu hat man denn Freunde, stimmt's?“

    Keru ging um die Ecke und sah die Frau. „Hey! Bleib stehen!“
    Keru staunte selbst nicht schlecht, als die Frau seiner Aufforderung abrupt nachkam. Mit beide Händen in dem grauen Blazer, drehte sie sich um. „Ach, du hast doch keine Pistole gezückt, dummer Marine...“
    Kapitel 17: 'Pfirsich-Duft'
    Spoiler anzeigen
    „Ob ich dumm bin oder nicht, das spielt keine Rolle“, erwiderte Keru. „Offensichtlich haben Sie meinen Beruf durchschaut. Dann bedarf es ja keinen weiteren Erklärungen mehr. Ich habe Grund zur Annahme, dass Sie illegalen Handlungen nachgehen. Ich verdächtige Sie hiermit der Beihilfe und/oder aktiven Beteiligung an einer kriminellen Tat. Laut Paragraph 2, Absatz 7a des Gesetzbuches der Weltregierung, bin ich befugt Sie hiermit zu durchsuchen und weitere Ermittlungen einzuleiten. Ich befehle Ihnen hiermit Ihre Hände an die Wand zu lehnen und die Beine zu spreizen.“
    „Da hat wohl jemand seine Grundausbildung noch frisch im Gedächtnis. Ich befürchte allerdings, dass ich Ihrer Bitte nicht nachkommen kann“, antwortete die Frau spöttisch.
    Keru war leicht erzürnt. „Wenn ich Ihnen was befehle, dann haben Sie diesem Befehl Folge zu leisten!“
    „Leider bin ich... verhindert, um Ihren Befehl ausüben zu können. Sie müssten schon näher kommen und mir dabei behilflich sein“, sagte die Frau, ohne ihre Hände aus dem Sakko raus genommen zu haben.
    Keru war leicht ratlos. Er wollte sich der Frau nicht nähern, weil diese trotz ihrer geringen Größe, etwa 160 cm war sie groß, wohl gefährlicher zu sein schien, als der erste Eindruck herzugeben vermochte. Trotzdem musste er eine Lösung finden. Höflich bitten kam wohl nicht in Frage.
    „Sie werden schon das machen was ich von Ihnen verlange.“ Keru machte rückwärts zwei Schritte um an das Fenster der Taverne zu klopfen.
    „Sie wollen Ihre Freunde rufen, um eine zierliche Frau wie mich unter Kontrolle zu bringen?“, spottete die Frau erneut. Keru blieb stehen. Auch wenn dies reine Propaganda war, konnte er eigentlich keine Verstärkung rufen. Er war Kapitän der Marine verdammt. Es konnte doch nicht sein, dass er eine Frau nicht zurechtweisen konnte.
    „Ich fordere Sie noch einmal auf: drehen Sie sich zur Wand, legen Sie ihre Hände an die Wand und spreizen Sie ihre Beine.“
    „Ich schlage Ihnen was anderes vor. Ich nehme meine Hände aus meinen Taschen, zeige Ihnen, dass ich nichts illegales in der Hand habe und Sie lassen mich gehen. Auch wenn ich diese Begegnung amüsant finde, will ich einer Konfrontation doch eher aus dem Weg gehen. Was halten Sie davon?“
    Keru überlegte. „Zeigen Sie mir Ihre Hände.“
    Die Frau nahm langsam ihre Hände aus den Taschen. Keru hatte die Hand nah an seinem Gurt – da war nämlich seine Pistole befestigt. Nachdem die Frau ihre Hände ganz aus den Taschen raus genommen hatte, war zu sehen, dass sie keine Waffen in den Händen hielt.
    „Sehen Sie? Nichts. Darf ich jetzt gehen?“
    „Ich komme jetzt zu Ihnen. Bleiben Sie ganz ruhig.“ Keru ging vorsichtig zu der Frau rüber. Seine Vernunft sagte ihm, dass es eine schlechte Idee gewesen war. Sein Stolz jedoch, lies es ihm nicht zu, die Frau einfach so davon kommen zu lassen. Keru kannte sich selbst aber zu gut, um zu wissen, dass ein wenig mehr hinter seinem Handeln steckte. Seitdem er sie im Hotel gesehen hatte, fand Keru sie reizvoll – auch wenn sie keine Anstalten machte sich Keru gegenüber sympathisch zu verhalten. Irgendwie wollte er auch die körperliche Nähe zu ihr suchen; was im Grunde völlig absurd war. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie keine Waffen bei sich trug, und nicht darüber nachdachte, wie sie mit eben dieser Waffe Keru töten könnte, war kleiner als Null Prozent. Vermutlich überlegte sie sich gerade, auf wie viele Art und Weisen sie Keru umbringen könnte. Er war jedoch nicht in der Lage sich selbst davon abzuhalten.

    Er stand nun vor der Frau. „Ich werde Sie jetzt an die Wand führen und Ihren Körper nach verdächtigen Objekten durchsuchen.“ Er packte sie an der Schulter, um seine Ankündigung in die Tat umzusetzen. Plötzlich viel ihm der wunderbare Geruch der Frau auf. Es war lange her, dass Keru einer Frau so nahe stand. Er hatte vergessen wie schön Frauen duften konnten. Der Duft erinnerte ihn an Pfirsiche – er liebte Pfirsiche. Er fühlte sich zurückversetzt, an die Zeit, in der seine Mutter ihm Pfirsiche vom Garten pflückte. In diesem Garten hatte er oft mit seinem Hund gespielt. In diesem Garten hatte er zum ersten Mal eine Fete gefeiert. Dort hatte er auch zum ersten Mal mit Schwertern geübt – und zum ersten Mal Geschlechtsverkehr gehabt. 'Lyn', an den Namen konnte er sich noch gut erinnern. Er spürte einen Druck um seinen Hals und einen starken Schmerz am Hinterkopf. Das geistige Auge schloss sich und die Augen in der Realität öffneten sich. Eine sehr scharf aussehende Klinge wurde vor seine Nase gehalten.
    Keru brauchte etwas Zeit um zu realisieren, dass die Frau ihn ihrerseits an die Wand geschleudert hatte. Mit der einen Hand um Kerus Hals, hielt sie ihm mit der anderen Hand einen Messer vor das Gesicht.
    "Ja, toll Keru! Das kam jetzt völlig unerwartet!", dachte er sich selbst urteilend. Sie hatte ihn, mehr oder weniger, überwältigt. Er hätte sich selbst in den Arsch beißen können. Sein Kopf tat weh und er steckte in der Klemme.
    „So, jetzt sage ich dir wie wir weiter verfahren werden. Ich habe es nicht so mit dem Siezen, deswegen höre ich jetzt damit auf. Also, ich habe kein Interesse daran, weiter mit dir oder deinen Kumpels auf Konfrontationskurs zu gehen. Ich will nur dass du mich in Ruhe lässt.“
    Keru war still geworden und hörte der Frau angespannt zu.
    „Ihr Marinetrottel seid so stümperhaft. Ihr legt los, bevor Ihr auch nur den Ansatz eines Planes gemacht habt. Ihr müsst immer dazwischen funken. Deswegen bist du jetzt in dieser Situation. Warum macht Ihr nicht einfach Euren Job und lässt uns unseren machen.“ Die Frau war leicht sauer. Für Keru klang das alles etwas komisch.
    „Ich kann mich nicht weiter mit dir beschäftigen. Ich werde mich jetzt entfernen. Damit aber dein durchaus großer Übereifer dich nicht zu einem erneuten Versuch verleitet mich durchsuchen zu wollen, werde ich entsprechende Maßnahmen treffen. Ich werde meine Hand von deinem Hals nehmen und deine Waffe ziehen. Anschließend werde ich mich langsam entfernen. Wenn du mir blöd kommst, werde ich dich erschießen, verstanden?“
    Keru hatte das Gefühl, dass die Frau ihn wirklich nicht töten wollte. Gelegenheit dazu hatte sie bereits. „Ich bin einverstanden, aber du sagtest was von '… lasst uns unseren Job machen...'. Wovon redest du?“, fragte er erstaunt.
    Die Frau machte große Augen. Sie hatte sich verplappert. Hatte dieser dummer Marine sie womöglich durchschaut? War der Plan jetzt in Gefahr? Sie schüttelte wütend jegliche Zweifel ab und wollte nach Kerus Waffe greifen. Doch im Augenblick darauf erstarrte sie sofort. Sie spürte einen metallischen Gegenstand am Hinterkopf und anschließend hörte sie ein furchterregendes Klicken. Auch Keru wurde überrascht. Wegen der Dunkelheit erkannte er erst allmählich, wie diese Situation zu Stande kam. Zu seiner Erleichterung hatte sich Shin der Frau von hinten an geschlichen und hielt ihr eine Pistole an den Kopf. Offenbar hatte er sich zu ende übergeben. Sichtlich konzentriert stand er nun hinter der Frau.
    „Bewege noch einen einzelnen Muskel, Blondie...“, drohte ihr Shin. Er drehte sich zur der Seite der Frau, um Keru nicht zu treffen.
    „Mann bin ich erleichtert dich zu sehen Shin. Seit wann bist du da?“, fragte Keru. Shin wollte antworten doch die Frau machte eine Bewegung. Dann ging alles sehr schnell. Sie schlug die Hand Shins nach oben, wodurch ein Schuss der Pistole losging. Dann schlug sie mit der anderen Hand zu. Keru versuchte Shins Namen zu rufen, nur verschluckte er sich beim Versuch. Die Frau stach jedoch nicht zu, sondern ballte die Hand, in der sie das Messer hielt, zur einer Faust und schlug Shin in die Magengrube. Dieser schlug 5 Meter weiter auf den Boden auf. Keru stürzte sich gedankenschnell auf die Frau, diese konnte den auf sie fliegenden Körper aber geschickt mit einer Körperdrehung ausweichen. Keru fiel ebenfalls zu Boden. Die Frau steckte das Messer ein und rannte davon – in Richtung der Maisfelder. Keru war schnell wieder auf den Beinen und nahm die Verfolgung auf.

    Frederick, Ram und Adiran stürmten aus der Taverne. Um die Ecke rennend erblickten sie Shin auf den Boden, der versuchte wieder aufzustehen.
    „Shin! Wir haben einen Schuss gehört. Was ist passiert?“, fragte Frederick hysterisch.
    „Lange Geschichte, kurzer Sinn. Keru ist der Frau hinterher gelaufen. Verdammt, ich glaube sie hat meine Pistole mitgenommen! Das Biest war verdammt schnell“, keuchte Shin.
    Frederick richtete sich auf und sah gerade noch wie Keru im Maisfeld verschwand. Sofort rannte er nach.
    „Ist mit dir alles in Ordnung? Brauchst du einen Arzt?“, fragte Adrian.
    „Ach Unsinn! Schnell, hinterher!“
    Adrian sprintete davon und nachdem Shin auf den Beinen war, taten es ihm Ram und Shin nach.
    Kapitel 18: 'In der Scheune'
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    Warum habe ich meinen Hemd nicht zugeknöpft?“, dachte Keru, als er im Maisfeld versuchte so etwas wie eine Verfolgungsjagd zu unternehmen. Sein Hemd, welches schon arg mitgenommen aussah, verhakte sich oftmals an den Maispflanzen. Wenn es nicht gerade das war, was Keru an einer schnelleren Fortbewegung hinderte, dann waren es die abgestorbenen Pflanzen, deren getrockneten, harten Wurzeln noch 10 cm aus dem Boden ragten und ihn in regelmäßigen Zeitabständen zum stolpern brachten. Selbst wenn er mal nicht am Sprinten gehindert wurde, schlugen ihm dann immer noch die harten Maiskolben ins Gesicht. Man mag es kaum glauben aber es sollen schon angenehmere Verfolgungsjagden von Kriminellen bei stockdunkler Nacht stattgefunden haben. Der Mond war das einzige Objekt, was der Umgebung Licht spendete.

    Keru hielt sich schon einige Minuten im Maisfeld auf. Es war das reinste Chaos: Er rannte wie bekloppt durch dieses Feld, zog sich dabei viele kleinere Schrammen zu, hörte mal hier, mal da Stimmen von Leuten die ihm bekannt vorkamen und wusste eigentlich gar nicht, wohin er gerade rannte. Er wusste nicht einmal warum er der Frau hinterher rannte, abgesehen von ihrer Flucht, die gewaltsam von Statten ging.
    In dem Geschreie der Leute, das von hinten kam, erkannte Keru u.A. die Stimmen von Frederick und Adrian, die mit lautem Rufen versuchten sich gegenseitig zu orientieren.
    Plötzlich stand Keru in einer Schneise. Diese schien erst vor sehr kurzer Zeit in das Maisfeld getreten worden zu sein.
    „Hierher!“, rief Keru laut zu den anderen und folgte der Schneise.
    „Hä, wer war das!?“, fragte Frederick zu Adrian.
    „Ich glaube das war der Cpt.!“, rief Adrian zurück. Sie hatten sich immer noch nicht finden können.
    „Dann versuchen wir der Stimme zu folgen!“, rief Frederick.
    Irgendwie rannten die Beiden in die Richtung, aus der die Stimme kam.
    Shin hatte, genau wie Keru, ebenfalls die Schneise finden können und rannte diese entlang – leider in die falsche Richtung. Und so kam es, dass er verwundert war, als er wieder vor dem kleinen Häuserblock mit der Taverne stand. So musste er den Weg wieder zurück rennen.
    Ram schaffte es aus dem Maisfeld als Erster und landete im Nachbardorf, 870m Luftlinie von Keru entfernt...

    Nach einer gefühlten Ewigkeit fand Keru aus dem Maisfeld heraus. Die Schneise hatte ihn bis zu einem Bauernhof geführt. Der Bauernhof schien verlassen worden zu sein. Doch in eines der Scheunen brannte ein Licht, das könnte eine Petroleumlampe sein. Keru rannte dort hin.
    Das Maisfeld lag hier etwas abschüssig, so dass Keru einen Abhang hinauf laufen musste. Oben angekommen war er schon vor der Scheune. Dass das Gefälle abrupt aufhörte, damit konnte er nicht rechnen, und deswegen stolperte er geradezu in die Scheune hinein. Das Tor wurde aufgeschlagen und Keru konnte sein Gleichgewicht gerade noch halten. Das Tor schloss sich wieder von alleine.
    Die Lampe im Raum spendete wenig Licht, so dass es in der Scheune mehr dunkel als hell war. Nichtsdestotrotz sah er zwei Gestalten. Die eine Person war die Blonde, die sich erschrocken zu Keru umdrehte, die andere Person war ein junger Mann, der auf einem der Balken saß. Er war blond und hatte lange, lockige Haare, die ihm knapp bis zur Schulter gingen. Außerdem trug er eine feine Hose und ein weißes Hemd, über der er eine schwarze Weste trug. Von oben sah er Keru verwundert und verärgert zugleich an. Offenbar hatten sie gerade miteinander geredet.
    Da es jetzt zwei Personen waren, zückte Keru blitzschnell seine Pistole und richtete sie auf den Mann. Fast zeitgleich zückte die Blonde eine Waffe und richtete sie auf Keru. Eine kurze Schweigephase brach an...
    „Was zum Henker ist dein Problem Marine?“, schimpfte die Blonde.
    „Ist das der Kerl?“, murmelte der Mann.
    „Ja, das ist er. Der ist so nervig!“
    Der Mann wollte mit einem Satz runter springen doch Keru zog den Schlaghebel an, wodurch das Geräusch des 'Klick' durch die ganze Scheune zu hören war. „Da geblieben“, warnte Keru mit tiefer, bedrohlicher Stimme. Er war sehr angespannt. Die Frau zielte mit einer Pistole auf ihn und seine einzige Lebensversicherung war, den Mann nicht aus der Schusslinie zu verlieren – sein Herz pochte wie verrückt.
    „Ganz ruhig Bursche. Wir wollen doch nicht dass du jemandem ungewollt Schaden zufügst, nicht?“, sagte der Mann schon etwas gelassener.
    „Nimm die Waffe runter Marine“, forderte die Frau Keru auf.
    „Kommt nicht in Frage! Ihr seid mir zwei zu eins überlegen. Zuerst nimmst du die Waffe runter. Dann werde ich meine runter nehmen“, forderte Keru seinerseits entschlossen auf.
    „Das klingt fair. Er kann nicht zwei von uns gleichzeitig erschießen. Shoshana, nimm die Waffe runter“, befahl der Mann.
    „Das könnte ihm so passen! Wenn ich die Waffe runter nehme, dann könnte er mich erschießen. Dann hat er mit dir, wo du noch keine Waffe gezückt hast, leichtes Spiel. Ich werde seiner Forderung nicht nachkommen“, sagte die Frau, deren Namen wir jetzt kennen.
    „Du hast leicht Reden. Du bist nicht Diejenige, die im Fadenkreuz steht“, sagte der Mann.
    Die Situation war weiter angespannt. Keru viel aus der Nähe plötzlich auf, was ihm vorhin nicht aufgefallen war – nämlich dass Shoshana keine echte Blondine war. Ihre Haare waren lediglich gefärbt. Keru fand es eigenartig, dass er momentan ausgerechnet an das denken musste. Darüber hinaus war Shoshana ein sehr schöner Name... „Was ist bloß los mit mir!?“, ärgerte sich Keru.
    Der Mann begann wieder an zu reden: „Beruhige dich Kleiner, in Ordnung? Wir sind nämlich...“, er wurde von einem Geräusch unterbrochen, welches von Außen kam. Alle Drei lauschten hin. Offensichtlich versuchte Jemand den Abhang hoch zu laufen. Man hörte Schritte und Keuch-Geräusche. Auf einmal schlug das Tor aus und Frederick stolperte in die Scheune hinein. Er konnte sich gerade noch auffangen und hatte festen Halt, da hatte der Mann schon eine Waffe gezogen und sie auf Frederick gerichtet. Das Tor ging wieder zu.

    Einige Sekunden Stille... Shoshana zielte auf Keru, Keru zielte auf den Mann und dieser zielte auf Frederick.
    „Uppsala, habe ich bei einer wichtigen Sache gestört?“, fragte Frederick vorsichtig.
    „Wer ist nun dieser Kerl?“, fragte der Mann.
    „Das ist glaube ich sein Kumpel.“
    „Verdammt, hier brennt die Luft. Drake?“
    „Das kannst du laut sagen Frederick“, gab Keru zurück. Weder er, noch Shoshana wollte nachgeben. Dadurch entstand eine angespannte Atmosphäre. Das einzige, was man leicht wahrnehmen konnte, waren die Schreie Adrians, der noch im Maisfeld herum irrte: „Ein 'hier' reicht mir nicht Erster! Du musst mir schon eine genauere Beschreibung geben. Ich sehe nichts außer Maiskolben...

    Erneut gab es Stille, und erneut wurde diese Stille durch ein Geräusch von draußen unterbrochen. Es waren ähnliche Geräusche, bevor Frederick auftauchte.
    Das Tor wurde wieder aufgeschlagen und dieses Mal trampelte Shin hinein. Auch er stolperte, nur konnte Shin, im Gegensatz zu Keru und Frederick, seine verlorene Balance nicht wieder einfangen und fiel hin. Den Sturz konnte er nicht mit den Armen abfangen, so dass er mit dem Gesicht in den Boden aufschlug.
    Mit reichlich Dreck im Mund hob er seinen Kopf und betrachtete die Runde. Shoshana hatte eine zweite Waffe gezückt und hielt diese auf Shin, der den Dreck aus seinem Mund hinaus spucken musste. „Du kleines Biest! Zielst auf mich mit meiner eigenen Pistole? Das macht man nicht!“, schimpfte Shin.
    Shoshana bemerkte entsetzt, dass Frederick die Ablenkung genutzt hatte um sein Pistole auf ihr zu richten.
    „Jetzt sind die Karten neu gemischt“, kündigte Frederick an.
    Jetzt erst erkannten alle Beteiligten, in was für einer Situation sie sich gerade befanden. Dementsprechend wurden alle konzentriert. Jeder sah sich in die Augen. Die Situation war zum zerreißen angespannt. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können – eine Stecknadel in den Heuhaufen.
    Jeder Einzelne hatte sein Ziel fest im Visier. Keiner oder Keine konnte sich erlauben, die Waffe runter zu nehmen. Aber gerade diese Konstellation machte die Situation zu etwas gefährlichem - es war paradox.
    Eine falsche Bewegung einer der Beteiligten und die Scheune würde buchstäblich in die Luft gehen. Wer hier abdrückt, hatte verloren. Ein Massaker wäre die Folge.

    Man hörte eine Streichholzschachtel und ein Streichholz wurde angezündet. Jemand stand scheinbar die ganze Zeit in der dunklen Ecke und zündete sich gerade eine Zigarette an. Als ob der Augenblick davor nicht schon kompliziert genug gewesen wäre, gesellte sich noch einer zum Dilemma.
    Nachdem seine Zigarette an war, richtete der neue Mann, völlig unbeeindruckt von der Situation, eine Pistole auf Shin. Dieser Mann war um die Ende zwanzig, hatte einen kurzen aber dichten Bart und trug eine feine Hose mit weißem Hemd - des Weiteren trug er einen Hosenträger.
    Jetzt erkannte Keru auch die beiden Männer – Es waren die, mit denen sich Shoshana am Vorabend in der Taverne unterhalten hatte. Da trugen sie jeweils eine Schiebermütze, weshalb Keru sie nicht gleich erkennen konnte.
    „Jetzt sind wir wieder im Vorteil“, freute sich Shoshana.

    Gleich darauf kam ein weiterer Mann in die Scheune. Dieser benutzte aber die Tür auf der anderen Seite. Der Mann war völlig verblüfft, als er die ganze Truppe da sah. „Was um alles in der Welt... Was ist hier los!?“, fragte der Mann, der schon etwas Älter – sprich Mitte vierzig – war.
    „Die haben angefangen Hank. Der Kerl wollte mich durchsuchen“, rechtfertigte sich Shoshana. „Das sind die Marine-Soldaten von dem ich dir erzählt habe.“
    „Und warum zielt Ihr mit Pistolen auf Marine-Soldaten?“, wollte dieser Hank wissen.
    Darauf wusste keiner eine Antwort.
    „Nehmt sofort die Waffen runter!“, befahl Hank lautstark Shoshana und den anderen beiden. Nachdem diese Hanks Befehl befolgten, wendete er sich an die Marine-Soldaten: „Ich entschuldige mich für das Verhalten meiner Agenten. Sie sind noch etwas ungestüm. Ich bin Hank, Leiter der CP4. Wir sind wegen eines geheimen Auftrages hier. Wenn Ihr eure Waffen niederlegen könntet, dann könnten ich Euch alles erzählen. Aber vorerst sollten wir uns alle beruhigen...“
    Kapitel 19: 'Der Bunker'
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    Hank machte eine Tür auf, Shoshana, die anderen beiden Agenten, Keru, Frederick, Shin und Adrian traten ein und die Tür wurde wieder verschlossen.
    Hank hatte sie zu einem unterirdischem Bunker geführt, unweit des verlassenen Bauernhofes. Bis auf Ram waren alle, die an der Verfolgung beteiligt waren, anwesend - Man hatte ihn nicht finden können. (Er sollte zwei Tage später, wohlgenährt und putzmunter bei Oma Cook-olo aufgefunden werden. Sie hatte den verirrten Marine-Steuermann aufgenommen und sich fürsorglich um ihn gekümmert.)
    Der Bunker war wohl nicht mehr in Betrieb. Könnte eine Überbleibsel des Salvatrucha-Krieges sein, welches vor knapp zehn Jahren zwischen den Drogenbaronen und der Cryptopol Organisation - die Vorgänger-Organisation des Cipherpol welches aufgegeben wurde - ausgetragen wurde. Keru verfolgte den Krieg damals sehr aufmerksam, weil er gerade in Ausbildung der sarandokanischen Armee war.
    Überall im Raum hingen Steckbriefe mit Anmerkungen, Dokumente, Karten der Umgebung, Skizzen von Villen usw. Die Agenten schienen diese Informationen schon seit längerem zu sammeln. Der Raum war praktisch voll mit Unterlagen und Fotos.

    „Willkommen in unserem 'Reich'“, fing Hank zunächst an, „nehmt euch Stühle und setzt euch hin“, sagte er freundlich. Hank war mittelgroß, hatte sehr kurze, schwarze Haare und eine auffällig große Lücke zwischen seinen Vorderzähnen – das und seine freundliche Art wirkte sehr sympathisch auf Keru. Sie setzten sich hin, während die Agenten standen.
    „Das ist unser Etablissement, in der wir unsere Vorgehensweise planen. Es war nie gedacht, dass Marine-Soldaten von unserer Mission etwas mitkriegen sollten, nun bin ich mehr oder weniger gezwungen euch einzuweihen“, sagte Hank mit einem Grinsen. „Das führt mich zu meiner ersten Frage: warum wart Ihr im Begriff euch gegenseitig über den Haufen zu schießen?“ Die Frage richtete er an Shoshana, die Keru mit bösen Blicken strafte. Seit sie vom Bauernhof bis in den Bunker gegangen waren, hatte sie Keru fast permanent mit bösen Blicken im Auge, sogar jetzt noch. Erst als Hank seine Frage wiederholen musste, war sie bereit ihren Blick abzuwenden und zu antworten. Sie erzählte ihm was passiert war, wie sie befürchten musste, dass eines der Operationen, bei dem sie mitgewirkt hatte, wieder von Marine-Soldaten ruiniert werden könnte und wie Keru, fast schon penetrant, sich an ihr ran heftete.
    Keru verfolgte ihre Version mit Skepsis in seiner Mimik.
    „Zu meiner Verteidigung: du verhieltst dich sehr verdächtig, weshalb ich der Sache nachgehen musste“, erklärte Keru.
    „Verdächtig?! Wenn du deine Nase nicht in Sachen stecken würdest die dich nicht interessieren, dann wäre es dazu gar nicht gekommen!“
    „Als CP Agentin hättest du mich auch irgendwie abschütteln können“, sagte Keru.
    „Wahrscheinlich brauchst du wohl noch ein wenig mehr Übung im Agentendasein, um unauffälliger zu werden. So kann man die gesamte Mission vergraulen“, fügte Shin ohne nachzudenken und Fingerspitzengefühl hinzu. Im Raum wurde es plötzlich still. Keru war sich nicht ganz sicher, ob Shin das gerade wirklich gesagt hatte. Shoshana wurde ganz rot. Die Bemerkung Shins hatte sie wirklich getroffen. Man merkte ihr deutlich an, dass sie sich zusammenriss um nicht etwa in Tränen auszubrechen oder über den Tisch zu springen und einen von ihnen zu erwürgen. Knallrot angelaufen, den Mund fest zusammengekniffen und mit angeschwollenen Tränensäcken sah sie Keru wütend an. Es wirkte fast so, als ob Shins Satz aus Kerus Mund kam. Er fühlte sich auch, stellvertretend für Shin, schuldig. Dieser bemerkte auch langsam, dass seine Wortwahl nicht gerade die klügste war und schwieg.
    Keru sah Shoshana ebenfalls in die Augen und wusste nicht was er sagen sollte.
    „I... ich merke gerade d... das ich sehr müde bin. Ich sollte mich aufs Ohr legen. Hank, wir sehen uns morgen. E... es tut mir leid...“, brachte Shoshana gerade noch aus sich heraus und eilte zur Tür.
    „Shoshana“, rief Hank noch hinterher aber sie schloss die Tür bereits hinter sich zu.
    „Was ist passiert?“, fragte Frederick.
    „Ach, ist nicht ganz so schlimm. Sie ist auf Marine-Soldaten nicht ganz gut anzusprechen, müsst Ihr wissen. Vor einigen Jahren hatte sie wegen ein Paar Marine-Soldaten ungewollt ihre damalige Mission und die damit verbundenen Menschenleben gefährdet. Die Mission musste abgebrochen werden und bis heute konnte man keinen günstigen Zeitpunkt finden können, um die Missionspläne- und schritte wiederaufzunehmen. Sie wurde deswegen fast entlassen“, erklärte ihnen Hank.
    „Das tut mir ehrlich Leid“, entschuldigte sich Shin.
    „Das konntest du nicht wissen. Morgen wird’s ihr schon besser gehen. Sie ist stark.
    Also, anderes Thema, wer seid Ihr Jungs. Wir haben uns noch gar nicht richtig vorgestellt“, fing Hank an, „Ich bin Hank, Leiter der CP4, wie Ihr bereits mitgekriegt habt. Zu meiner Linken steht Gassell, unser 'Shigan'-Experte...“ Hank zeigte auf den Blonden, der an die Wand gelehnt kleine, Pfeil-ähnliche Wurfgeschosse aus Holz schnitzte - sahen ein bisschen aus wie Bleistifte. Dazu benutzte er ein altes, aber wohl noch ganz funktionsfähiges Klappmesser.
    „... und zu meiner Rechten steht Nick, der die Rokushikiart 'Tekkai' beherrscht.“ Der andere, bärtige Typ hatte eine sehr alte und verbeulte Tabakdose raus genommen und drehte sich eine Zigarette. Die Firma, der das Emblem auf der Tabakdose gehörte, existierte wohl schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Beide, sowohl Gassell als auch Nick waren groß, um die 185cm, und athletisch Gebaut, wobei Nick einen muskulöseren Körper aufweisen konnte während Gassell eher dünn war.
    „Und unsere reizende Shoshana ist auf 'Soru' spezialisiert.“

    Keru und die anderen Stellten sich ihrerseits vor. Sie erzählten Hank über den Tenryuubito-Vorfall, der Kajal-Bande und ihre Mission. Während Hank sehr gespannt, Gassell halb aufmerksam und Nick absolut uninteressiert zuhörte, wurden die Wogen zwischen beiden Parteien geglättet.

    „Euer Schiff wird also repariert, so so. Ich muss zugeben, dass ich hinter deiner Fassade keinen Kapitän der Marine vermutet habe, der einen Piraten jagt dessen Kopf 300.000.000 Berry schwer ist.“
    Keru musst schmunzeln und wurde dabei stolz von Frederick beäugt.
    „Ich muss beichten, dass ich mit Eurer Einweihung in diese Mission Vorteile für uns ziehen wollte.“
    Keru sah Hank fragend an.
    „Nun ja, wir haben Personalmangel und du hast erwähnt, dass du und dein 1. Offizier bei der sarandokanischen Armee wart. Das sarandokanische Heer bildet hervorragende Nah- und Schwertkämpfer aus und wir könnten einige gebrauchen“, sagte Hank des weiteren.
    Die Marine-Soldaten sahen sich gegenseitig an.
    „Es tut mit Leid wenn es auch unangenehm ist“, fing Hank wieder an, „aber wir sind nur zu viert. Ich habe den Großadmiral deswegen angesprochen, der konnte mir aber nur noch einen weiteren Agenten versichern. Es ist eine Frau um genau zu sein.“
    „Wir kriegen eine Agentin?“, fragte Gassell verheißungsvoll.
    „Ruhe Lockengelöt! Ist nichts für dich“, giftete Hank und wand sich wieder an Keru: „Sie wird von der CP7 morgen zu uns stoßen, aber selbst dann befürchte ich, dass fünf Agenten nicht ausreichen werden.“
    Keru überlegte kurz. „Was ist den eigentlich eure Mission?“, fragte er.
    „Darauf wollte ich als nächstes zu sprechen kommen. Also, Ihr habt doch bestimmt was von den Revolutionären gehört? Seit drei Jahren sind sie nun aktiv.“
    „Ja, eine fanatische Gruppe, die es sich zum Ziel gemacht hat die Weltregierung zu stürzen“, sagte Frederick.
    „Naja... 'Gruppe' würde ich nicht unbedingt sagen. Deren Zahl wächst Tag für Tag weiter an. Inzwischen kann man wohl von einer Armee sprechen.“
    Keru und die Anderen hörten aufmerksam zu.
    „Wir haben in gängiger Cipherpol Manier versucht diese Organisation um den Anführer der Revolutionäre, Balthasar, zu stürzen. Wir haben es mit Anschlägen, mit eingeschleusten Spitzel oder mit Operationen unter falscher Flagge versucht, um die Bevölkerung gegen sie zu richten, nichts hat funktioniert. Selbst die besten Kopfgeldjäger haben versagt. Deswegen kam man vor einem Jahr zum Entschluss, die Revolutionäre mit einem, auf der ganzen Welt im gleichem Zeitfenster abspielendem, Erstschlag zu zerschlagen. Dazu hat die Regierung alles CP-Einheiten in die verschiedensten Orte gesandt. In Orte, wo es verschiedene Basen der Revolutionäre gibt, und unter anderem ist eine hier, auf St. Alvarez."
    Ein Raunen ging durch die Soldaten. Keru war sehr überrascht.
    "Warum wussten wir Anderen nichts davon?", fragte Frederick, der nicht weniger erstaunt war.
    "Um die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlages der Mission zu minimieren, wurden nur die Einheiten in die Einzelheiten eingeweiht, die auch aktiv an der Mission beteiligt sind", antwortete Hank.
    Keru wurde klar, dass diese Mission ein ganz großes Ding werden konnte.
    Hank fuhr fort: "Sobald der Zeitpunkt gekommen ist, werden alle CP-Einheiten weltweit, gleichzeitig angreifen. Das ist in drei Tagen so weit. Unser Ziel ist Inazuma, ein Offizier der Revolutionsarmee. Er benutzt einen Hof der Drogenbaronen als Stützpunkt. Mit Verstärkung wäre dieser Hof einfacher zu stürmen sein.“ Hank sah Keru bittend an.
    Ein „Hmm“, brachte Keru raus während er überlegte. Er musst die Informationen erst ein Mal wirken lassen. „Wie du schon weißt, sind wir gerade in einer wichtigen Mission. Ich werde es mit meinen Offizieren besprechen, aber helfen würde ich zu gerne. Auch ist es wichtig, was Senghok dazu sagt.“
    Hank verzog sein Gesicht: „ich habe gehofft, dass das unter uns bleibt. Denn um Vergebung zu bitten ist immer noch leichter als um Erlaubnis zu fragen.“
    „Das wäre doch Befehlsverweigerung aber ich werde sehen was ich tun kann“, versprach ihm Keru.
    „Ich danke euch. Gassell wird euch wieder in die Taverne begleiten. Wenn was ist, sagt es dem Besitzer der Taverne, Bruno, er wird eure Informationen weiterleiten.“
    „Ist gut, machen wir.“ Keru und die Anderen verließen den Bunker.
    Kapitel 20: 'Abstimmen'
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    Die vier Marine-Soldaten standen im Flur des Hotels. Gassell hatte sie zum 'zum goldenen Handschuh' begleitet, von da an fanden sie den Weg ins Hotel allein.
    Vor Kerus Tür diskutierten sie nun, wann sie die Sache mit den CP-4 besprechen sollten.
    Es war spät geworden und dieser Tag war doch ein recht anstrengender Tag gewesen, welches kaum einer so vorhersehen konnte.
    „Oh man, mein Magen tut mir immer noch höllisch weh. Die kleine hat einen echt üblen Schlag drauf“, stöhnte Shin seinen Bauch haltend.
    „Was sagst du zur Hanks Bitte?“, fragte Keru Frederick.
    „Nun, riskant wird die Sache für uns auf jeden Fall werden, wenn wir zusagen. Andererseits ist es auch irgendwo unsere Pflicht, Regierungsmitgliedern zu helfen. Was ich nicht verstehe ist, warum man die CP-4 so unterbesetzt hat“, sagte Frederick.
    „Also dem Schlag der Agentin nach zu urteilen, sind die Typen härter als sie aussehen“, wand Shin ein.
    „Wenn wir davon ausgehen, dass Shoshana als Frau die schwächste der CP-4 ist, und sie den Bootsmann mit einem Schlag niedergestreckt hat, dann dürften diese Typen echt stark sein“, sagte Adrian.
    „Viel stärker als Keru werden sie wohl nicht sein. Außerdem hat sie in meine Magengrube geschlagen, das macht man nicht!“, verteidigte sich Shin.
    „Wir müssten auch überlegen, wen wir mit in den Angriff stecken. Hank sagte, dass dieser Inazuma in einem Hof lebt. Er wird bestimmt mehrere, gut ausgebildete Rebellen als Männer haben. Da müsste man gut kämpfen können. Nicht jeder von uns ist ein guter Schwertkämpfer. Die Auswahl wäre recht überschaubar“, sagte Frederick.
    „Ich merke gerade, dass es diesbezüglich noch viel zu bereden gibt. Zudem will ich dass niemand was von diesem Gespräch mitkriegt und wir unwissentlich wichtige Informationen verplappern. Es ist zwar kurz nach Mitternacht, jedoch könnten trotzdem einige Gäste sich noch in den Fluren aufhalten. Ich schlage deshalb vor diese Unterhaltung morgen weiter zu führen“, sagte Keru. Die Anwesenden nickten. „Es wäre auch besser, wenn die Anderen Teilnehmen könnten. Also, geht in euer Zimmer und erholt euch. Der Tag war anstrengend.“
    Die Soldaten gingen zu ihren Türen und schlossen diese nacheinander auf.
    Keru konnte sich einen Blick zur Shoshanas Tür nicht verkneifen. Dann schloss auch er seine Tür auf.
    „Hat einer von euch Ram gesehen?“
    Die Türen schlossen sich.

    Am nächsten Tag trafen sich die Soldaten in Kerus Zimmer. Isurus war inzwischen wieder auf der Insel und auch er befand sich im Raum. Keru erzählte allen was bisher vorgefallen war und fragte die Crew nach deren Meinungen.
    „Wissen wir denn wie stark die Rebellen im einzelnen sind und wie viele es sind?“, fragte Craig.
    „So viel wurde uns noch nicht verraten. Sobald wir zusagen, denke ich dass Hank uns mit weiteren Informationen füttern wird“, antwortete Keru.
    „Ich glaube nicht, dass die meisten von uns in der Lage sind, diesen gefährlichen und sehr komplizierten Angriff erfolgreich durchzuführen. Nicht umsonst hat man CP-Agenten deswegen beauftragt“, sagte Shin.
    „Was müssen wir den schon durchführen. Ich nehme mal stark an, dass Hank schon einen Plan hat, wie er den Hof stürmen will. Das Taktische wird wohl er übernehmen. Wir würden bloß Befehle befolgen. So schwer dürfte es ja nicht sein“, sagte wiederum Keru.
    „Was machen wir, wenn wir schon im Hof sind und der Plan schief geht? Wer holt uns da raus?“, fragte Isurus sehr gefasst.
    Keru musste nachdenken. Über diese Umstände hatte er nicht nachgedacht.
    „So wie es für mich aussieht, werden diejenigen von uns, die im Hof sein werden, sterben wenn der Plan versagt“, fügte Isurus noch hinzu, ohne dabei negativ gegenüber Kerus Vorhaben zu wirken, der ja für eine Unterstützung der CP-4 ist. Die meisten nickten ihm zustimmend zu.
    „Es steht ja außer Frage, ob diese Mission für uns gefährlich sein könnte, denn das wird sie“, griff Frederick in die Diskussion ein: „Aber Hank wird seine Agenten nicht in den Tod schicken. Sein Plan wird wohl auf einen Erfolg hinzielen. Und wenn wir sie unterstützen, wird die Erfolgschance nur erhöht werden.“
    „Ich habe ein ungutes Gefühl dabei Cpt.“, bemerkte Craig.
    „Das kann ich sehr gut verstehen, aber es geht auch um CP-Agenten denen geholfen werden kann.“
    „Und stellt euch vor, wir wären in so einer Lage. Da würden wir uns auch über jede Hilfe freuen. Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagte Adrian.
    „Da spricht der kleine ein wahres Wort!“, freute sich Frederick.
    „Wenn wir uns für die Hilfe entscheiden, müssen wir allerdings ein paar Formalitäten 'überspringen'“, sagte Keru weiter, „Senghok oder irgend ein anderes hohes Marinemitglied wird nicht erfreut über unsere Tat sein. Ich hatte darüber nachgedacht Senghok über unser Vorhaben zu informieren, doch nach mehrmaligem Überlegen kam ich zum Entschluss, dass der Großadmiral dieses Vorhaben wohl nie segnen würde und ich ihm deshalb kein Bericht erstatten werde. Was wir tun würden, wäre also untersagt und strafbar. Das könnte den Rauswurf aus der Marine bedeuten, für jeden Einzelnen.“
    Keru konnte nach diesem Satz in tief nachdenklichen Mienen sehen.
    „Senghok würde aber nichts davon mitkriegen. Die Wahrscheinlichkeit dafür wäre sehr gering“, fügte Keru noch hinzu.
    „Wer ist also für den Einsatz?“, fragte Frederick in die Runde.
    „Es wird zwar gefährlich, eher würde ich jedoch sterben, als Marine- oder Regierungsmitgliedern im Stich zu lassen“, sagte Adrian und meldete sich. Ihm taten es Isurus, Keru, Frederick und Marv gleich nach. Ritaré hob seinen Arm: „Wer soll euch Bengel den verarzten, wenn etwas passiert. Ich komme mit“, sagte er.
    Cassagnol hob nach anfänglichem Zögern seinen Arm und sah zu Craig, der noch länger zögerte. Aber schließlich hob auch er seinen Arm.
    Shin sah sich um. Alle hatten die Hand gehoben. „Ist euch überhaupt klar, dass wir bei dieser Aktion unseren Befehl missachten, Kameraden in Gefahr bringen und uns in Sachen einmischen, die uns eigentlich nichts angehen?“, fragte Shin mit scharfem Ton.
    „Das alles sind Fakten, die in der Tat nicht zu verachten sind. Jedoch möchten die meisten hier helfen. Du musst nicht mitmachen Shin, nur könnten wir dich sehr gut gebrauchen. Du bist mit Marv einer unserer besten Kämpfer. Ich würde mich freuen, wenn du dabei wärst“, sagte Keru. Shin blickte nochmal in die Runde.
    „Na gut, meinetwegen“, murmelte er.
    Kapitel 21: 'Kennenlernen'
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    Beim Rausgehen aus seinem Zimmer, sah Keru wie die Zimmerbedienung gerade Essen auf Shoshanas Zimmer gebracht hatte. Shoshana versuchte ihr Portemonnaies wieder einzustecken, nachdem sie der Bedienung Trinkgeld gegeben und dieser sich entfernt hatte. Dabei sah sie Keru erst spät, der versuchte, näher zu kommen. Shoshana war überrascht und war gerade gar nicht in Stimmung um mit diesem Marine zu reden. Sie wollte die Tür zu schlagen doch Keru konnte sein Schuh zwischen Tür und Türrahmen klemmen. In dem Glauben, dass seine Aktion vom Erfolg gekrönt war, begann Keru schon an zu Reden. Die ersten formulierten Wörter jedoch, erstickten postwendend im Keim, da Keru aufschrie. Shoshana hatte blitzschnell reagiert und ihm auf die Füße getreten, so dass Keru den Fuß wieder raus ziehen musste und die Tür dann doch zugeknallt wurde.
    „Oh verdammt! Das tat weh. Hey du, Shoshana richtig? Ich muss mit dir reden.“
    „Verzieh dich Marine!“, hallte es aus dem Zimmer. An der Stimme konnte Keru hören, dass Shoshana auch, genau wie er, sich an die Tür gelehnt hatte.
    „Ich wollte mich für die Worte gestern entschuldigen! Außerdem wollte ich mich entschuldigen, dass ich so aufdringlich war!“
    „Entschuldigung angenommen, und jetzt zieh Leine!“
    Keru blieb dran. „Ich wollte es dir persönlich sagen; Ins Gesicht.“
    Shoshana schwieg.
    „Ich habe gehofft, dass wir uns kennen lernen könnten. Denn wie es aussieht, werden wir wohl zusammenarbeiten.“
    Erneute Stille.
    „Egal was dir damals mit den Marine-Soldaten widerfahren ist, wir werden nicht so sein. Dafür gebe ich dir mein Wort.“
    Wieder bekam Keru keine Antwort.
    „Und wie sieht´s aus? Lässt du mich rein?“
    „Jetzt bist du aber schon wieder aufdringlich“, kam es von der anderen Seite zurück.
    Und dieses Mal war Keru derjenige, der schwieg. Die Stille hielt aber nicht lange, denn die Tür wurde sanft aufgeschlossen.

    Keru trat ein und schloss die Tür hinter sich zu. Das Zimmer war eher chaotisch. Ähnlich wie im Bunker, lagen hier überall Zettel und Dokumente rum.
    Shoshana hatte noch ihren Pyjama an und setzte sich auf ihr Bett, um ihre Socken anzuziehen.
    Ohne ihre übliche Tracht und Schiebermütze, sah sie im seidenem Pyjama und zerzausten Haaren ganz anders aus als sonst. Irgendwie... unschuldig.
    Keru war nun im Raum, wusste aber nicht wie er anfangen soll.
    „Das ist doch ein Zufall, ich ziehe auch zu aller erst meine Socken an“, brachte Keru raus.
    Shoshana hatte ihre Socken an und sah Keru kurz entgeistert an. Dann stand sie auf und ging mit den Worten: „Du wolltest dich entschuldigen?“, zum Kleiderschrank.
    „Ähh, ja.“
    Sie hatte ein Paar Kleiderstücke raus genommen und drehte sich zu Keru. Dieser sah ihr in die Augen: „Ich entschuldige mich für meine forschen Worte und die meines Bootsmannes. Es stand uns nicht zu, dir so etwas zu sagen. Ich hoffe du erkennst meine ernsten Absichten.“
    Shoshana schwieg für einen Moment. „Ach, das ist eigentlich halb so wild. Durch eure Worte musste ich nur an eine bestimmte Mission denken, die nicht ganz erfolgreich verlief. Trotzdem danke für die Entschuldigung“, sprach sie nun im sanftem Ton.
    „Hank hatte kurz erwähnt, dass du Schwierigkeiten durch Marine-Soldaten bekommen hattest. Was ist denn genau passiert?“, wollte Keru wissen.
    „Darüber möchte ich eigentlich nicht reden.“
    Keru schwieg.
    „Du sagtest was von 'Zusammenarbeiten'. Was steckt dahinter?“, fragte Shoshana.
    „Hank hat uns angeboten bei der Mission Teilzunehmen. Er könnte Verstärkung gebrauchen, hat er gesagt. Und wir würden gerne Helfen.“
    „Ah, jetzt seid Ihr mit von der Partie. Naja, was soll ich sagen..."
    Erneutes Schweigen erfüllte den Raum.
    Keru musste den Blick abwenden und streifte damit durch den Raum. Sein Blick fokussierte sich auf das das Regal. Ein Buch lag da drin, welches er zu kennen glaubte.
    Er ging ein Paar Schritte auf das Regal zu.
    "Ist das das Buch: 'Auf Messers Schneide'?"
    Shoshana war überrascht und antwortete mit: "Ja."
    "Das Buch habe ich vor Jahren gelesen und noch heute suche ich nach eines, welches mich ähnlich gut unterhalten kann. Ein Meisterwerk, wie ich finde", betonte Keru ausdrucksstark.
    "Geht mir genau so. Ich hätte nicht erwartet, dass du auch das Buch gelesen hast. Ich finde den Schreibstil von Elloy Yves richtig toll", sagte sie den Autor hochlobend.
    "Du magst ihn auch?", fragte Keru.
    "Machst du Witze? Ich liebe ihn. Ein toller Autor!"
    "Finde ich auch."
    Beide mussten schmunzeln.
    "Schade nur, dass er wohl ermordet wurde", sagte Keru desweiteren.
    "Der Assistent von Dr. Vegapunk ist nicht ermordet worden. Es gibt keinerlei Beweise für sein Tod. Er ist lediglich verschollen."
    "Das hoffe ich innerlich auch."
    "Aber ich finde es schön, dass wir den selben Buchgeschmack haben", sagte sie.
    "Auch meinerseits. *'Ein Freund hört zu, bevor er antwortet, sagt, was er denkt und hällt, was er verspricht'", zitierte Keru. Die zweite hälfte des Zitates hatte Shoshana gleichzeitig mitzitiert. Beide waren sehr erfreut darüber und mussten lächeln.
    "
    Ich muss jetzt aber duschen und mich frisch machen. Mache es dir inzwischen gemütlich“, sagte sie und ging in Richtung Bad.
    „Aber warum hast du dann die Socken angezogen?“, fragte Keru erstaunt.
    Shoshana sah runter und hielt sich dann verlegen den Kopf. „Ich vermute so eine Aufregung am Morgen ist nichts für mich“, grinste sie. Sie zog sich ihre Socken aus und ging auch damit ins Bad. Keru sah sich inzwischen die Dokumente und Bilder im Zimmer an.

    Wenig später hörte das Rascheln des Duschkopfes auf. Wenig später trat Shoshana in ihrer üblichen Bekleidung ins Zimmer. Nur die Mütze hatte sie noch nicht an, die Haare waren noch nicht ganz trocken. Keru hatte indes die Dokumente studiert.
    „Ihr werdet also mitmachen?“, fragte Shoshana und setzte sich neben Keru auf das Bett.
    „Ja, so sieht es aus. Da seit Ihr ja an etwas ganz großes dran.“
    „Genau. Bevor die Revolutionäre zu einem ernstzunehmendes Problem heranwachsen, will die Regierung denen ein Riegel vor die Tür legen. Wenn wir Erfolg haben, wäre das eine ganz große Sache“, freute sich Shoshana.
    „Bei so einer akribischen Planung kann ja nichts schief gehen“, sagte Keru.
    „Das war alles Hank... Du sagtest vorhin was von 'mein' Bootsmann. Was hat das zu bedeuten? Bist du Kapitän?“
    „Ja, bin ich. Cpt. Diez Keru.“
    „Huch, da fällt mir ein, dass wir uns noch gar nicht vorgestellt haben. Ich bin Shoshana“, sagte sie und musste dabei rot angelaufen grinsen.
    „Und ich bin Cpt. Diez Keru“, sagte Keru und beide mussten Lachen.
    „Ich glaube ich sollte mich bei Hank blicken lassen, gestern schlug die Instruktion ja fehl“, sagte Shoshana und stand auf. Danach wurden beide auf eine Stimme im Flur aufmerksam.
    Was soll das denn!? Ich bitte Sie meine Herren, würden sie das schleunigst unterlassen!“, sagte die Stimme von Außerhalb. Shoshana ging sofort zur Tür und machte diese schlagartig auf. Sie sah eine Bedienung und eine menschliche Pyramide aus Marine-Soldaten, die beim Aufmachen der Tür in sich zusammen fiel. Frederick, Adrian, Craig und Cassagnol lagen Shoshana plötzlich zu Füßen.
    „Ähh... ich hab´s euch doch gesagt Jungs! Dies ist nicht die Sauna!“, schrie Frederick die anderen mit seinem, absolut nicht vorhandenem Schauspieltalent an.
    Shoshana sah entsetzt zu Keru: „Was machen die denn?“
    „Ach, ignoriere sie einfach.“

    *Ein bekannter Spruch von Dr. Elloy Yves.
    Kapitel 22: 'Wie gewonnen, so zerronnen'
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    Am Vormittag hatte Keru seinen Männern angeordnet das Hotel zu verlassen und nacheinander Richtung 'zum goldenen Handschuh' zu gehen.
    Da gingen sie nun, einige entspannt, einige angespannt zur Kneipe. Shoshana hatte Hank bereits Bescheid gegeben, dass Keru und seiner Männer helfen werden. Hank war sehr erfreut und ging auch mit Gassell und Nick ebenfalls zur Kneipe. Die Marine-Soldaten, die dort eintreffen, sollten nacheinander in Gruppen geführt werden. Zuerst würde Hank ein Paar mit nehmen, dann Nick, dann Gassell.
    Dies war bestimmt unauffälliger als die Soldaten alle zusammen zum geheimen Bunker zu bringen.

    Alle Soldaten hatten das Hotel schon verlassen. Nur Keru und Frederick waren noch im Hotel und gingen gerade die Treppen runter zum Foyer.
    „Und? Hast du Fortschritte gemacht?“, fragte Frederick mit einem versautem Blick.
    „Wovon redest du?“, stellte Keru die Gegenfrage.
    „Tu nicht so du Banause. Ich rede von Shoshana.“
    „Ach das? Nun, wir haben uns bisher zu wenig kennengelernt. Ich weiß nicht ob man das 'Fortschritte' nennen kann“, antwortete Keru leicht grinsend.
    „Ahhh, endlich mal wieder ne feste Freundin in Sicht.“
    „Das müssen wir zunächst mal sehen. Ich meine, es ist zu früh um so was sagen zu können.“
    „Machst du Witze? Einer deiner Kriterien für 'die Eine' war doch immer, dass sie dich umhauen sollte. Nun hast du eine gefunden, die dich zweifelsohne 'umhauen' kann. Was willst du mehr?“, fragte Frederick.
    „Wie schon gesagt, ich bin nicht abgeneigt ihr gegenüber. Wir müssen jedoch erst schauen. Mal sehen, ob ich bei ihr landen kann.“

    Beide waren unten angekommen, da rief Shoshana bereits von oben runter: „Heey! Wartet auf mich! Bin auch schon da!“
    Frederick klopfte Keru auf die Schulter. „Dann mal los Cowboy. Viel Glück. Ich gehe dann schon mal vor.“

    Frederick ging aus dem Hotel. Shoshana trat vor Keru. „Wo ist dein Kumpel?“, wollte sie wissen.
    „Der ist vorausgegangen.“
    „Aha, in Ordnung. Hier habe ich was für dich.“ Sie reichte ihm ein Buch in die Hand.
    „Was ist das?“
    „Das ist ein anderes Buch von Dr. Yves. Der ist auch sehr spannend“, sagte Shoshana voller Freude. Auch wenn Shoshana noch nicht soweit voraus dachte wie Keru, was das mögliche Näherkommen zwischen den Beiden anging. Jedoch fand sie Keru immerhin 'sehr nett' und wollte ihm unbedingt etwas mitgeben.
    „'Im Zwielicht', das Buch kenne ich ja gar nicht“, sagte Keru verblüfft.
    „Das kennen die Wenigsten. Kurz nach Veröffentlichung hat der Verlag auch schon aufgehört die Bücher zu Drucken. Das Buch erschien kurz nach Yves´ Verschwinden. Da die Regierung angenommen hatte, dass Yves Tod sei, haben sie sogar die schon verkauften Bücher zurückbeordert. Aus 'Pietätsgründen', wie sie offiziell verkünden ließ. Ich habe es zum Glück geschafft, mein Exemplar zu behalten“, grinste sie über beide Ohren. „Es geht um ein Paar Menschen die Schiffsbruch erleiden und auf einer einsamen Insel landen. Dann passieren auf der Insel mysteriöse Sachen. Ganz spannend, mit vielen Rätseln zum Mitraten und mit dem üblichem, unverwechselbarem Schreibstil von Dr. Elloy Yves. Viele der Rätsel habe ich noch nicht Lüften können. Vielleicht gelingt dir mehr und wir können darüber reden“, strahlte es förmlich aus ihr heraus.
    Keru konnte es nicht glauben. „Wahnsinn, sehr nett von dir! Wie kann ich dir danken?“
    „Ach, du kannst mich ja zu einem teuren Lokal einladen“, kicherte sie wie ein Mädchen ganz verlegen. „Aber nichts mit rotem Hummer oder so, die sind mir unheimlich.“
    „Und wie wäre es mit grünem Hummer? Ich kenne da ein Laden in der Kanalisation. Der soll richtig gut sein“, sagte Keru und bemerkte erst nach dem Aussprechen, dass der Witz grottenschlecht war. Shoshana machte das aber nichts aus und lachte trotzdem.

    Beide waren im Begriff fröhlich das Hotel zu verlassen. Da bemerkte der unglückliche Concierge Shoshana und bat sie herüber zu kommen: „Fräulein Shoshana. Heute morgen traf ein Geschenk für sie ein. Würden sie kurz rüber kommen.
    „Huch, was kann das wohl sein?“, fragte sie zu Keru.
    Sie ging zum Empfang und ihr wurde ein beachtlicher Blumenstrauß gereicht. Da waren Blumen dabei, die Keru noch nie gesehen hatte. Es war ein sehr schöner Strauß.
    Shoshana las die Karte:

    „Guten Morgen mein Schatz. Alles gute zum zweiten Jahrestag unserer Liebe. Ich bin gerade mordsmäßig im Prüfungsstress und konnte dich deshalb nicht besuchen – wer hätte gedacht dass Anwalt werden so schwer sein kann :) Außerdem wollte ich dich nicht bei deiner Arbeit stören wollen. Ich hoffe deine Gemälden verkaufen sich gut. Du hast mir bis heute keines deiner Werke gezeigt. Langsam glaube ich, dass du ein Doppelleben führst und in Wahrheit Profikillerin bist :) :) :)
    Wie dem auch sei, ich habe mit meinem Vater gesprochen und er wird uns in den Semesterferien eines seiner Yachten zur Verfügung stellen. Dann könnten wir nach Mailano fahren und dort die Modenschau verfolgen. Oder ich mache dich mal mit den Adelsleuten bekannt. Das wird ein Spaß! :) :) :)
    Ich wünsche dir noch einen guten Tag meine Zuckerblüte :)

    Lieben Gruß

    Dein Toni“


    „Von welchem 'Fan' ist die?“, fragte Keru mit einem Lächeln, ohne den Inhalt der Karte gelesen haben zu können.
    Das lächeln Shoshanas war schon seit dem Anblick des Blumenstraußes verschwunden.
    „Von meinem Freund“, antwortete sie konsterniert.
    Keru verging so eben das Lächeln.
    Völlig entsetzt sah Shoshana auf den Strauß und die Karte. Wie konnte es sein, dass sie ihren zwei Jahre langen Freund vergessen hatte?
    Seitdem sie mit Keru zusammen war, verging nicht ein Augenblick, an dem sie an ihrem Freund gedacht hatte. Das letzte Mal, an dem sie an Toni dachte, war vor gut einer Woche – kurz bevor sie Keru zum ersten Mal sah. Das wurde ihr klar, als sie den Blumenstrauß sah.
    Sie hatte nichts getan, was man ihr vorwerfen könnte. Sie war nicht untreu gewesen und hatte ja eigentlich nichts Derartiges im Sinn. Trotzdem fühlte sie sich schuldig. Sie wusste aber nicht warum? Warum fühlte sie sich dann schuldig? Sie hatte ja nichts getan? Sie wollte ja nichts tun und hatte auch keine Gefühle für Keru – einem Mann, den sie vor zwölf Stunden noch gar nicht richtig kennengelernt hatte, oder etwa doch?
    Shoshana war sehr verwirrt. Eigentlich sollte sie sich ja darüber freuen, dass ihr Freund ihr einen wunderschönen Blumenstrauß geschickt und sich an ihren Jahrestag erinnert hatte. Ganz im Gegensatz zu ihr.
    Warum hatte sie noch nicht an den Jahrestag denken können? Sie sah auf zu Keru. Der sah sie ebenfalls an und konnte nur im entferntesten ahnen, was gerade in ihrem Kopf vorging.

    Shoshana stammelte Etwas vom 'Zurücklegen'. Sie gab den Strauß dem Concierge wieder und wollte es heute Abend abholen. Dann entschuldigte sie sich bei Keru für die peinliche Situation, sagte, dass sie sich im Bunker sehen würden und trat völlig entrüstet aus dem Hotel.

    Keru blieb im Foyer zurück und war nicht weniger kopflos. „Oh Mann. Was mache ich den jetzt bloß?“, sprach er selbstbemitleidend zu sich selbst und ging mit einem leeren Blick nach Draußen.
    Kapitel 23: 'Aufteilung der Mission'
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    Schauplatz war wie angekündigt der Bunker. Es hatten sich alle, bis auf Ram der verhindert war, wie wir ja bekanntlich wissen, dort eingefunden.
    Hank hatte eigens dieser Einsatzbesprechung, alle Akten mit den bereits bearbeiteten Fakten wieder herausgekramt, damit sich Keru mit seinen Männern ein genaueres Bild über die Mission machen konnte. Sowohl neue, als auch alte Bilder von Verdächtigen und Schauplätzen wurden auf der Tafel aufgehängt. Hank hatte alles sehr sorgfältig aufgebaut. Links, auf der langen Tafel hingen Bilder und Dokumente, die schon zu Beginn dieser Mission aufgetrieben werden konnten. Je weiter man mit den Blicken nach Rechts wanderte, desto aktueller wurden die Beweisesstücke, die immer neuere Erkenntnisse mit sich gebracht hatten.
    Die Mannschaft war sehr aufgeregt. Selbst Frederick war so aufgeregt, dass er es nur bedingt mitgekriegt hatte, dass Keru und Shoshana getrennt im Bunker eintrafen.

    Beide hatten sich, wenn auch nicht ganz absichtlich, weil, bedingt durch die einzigen zwei noch verbliebenen Stühle, etwas getrennt voneinander hingesetzt. Sie hatten beide Gelegenheit, um auf dem Weg hierher nachzudenken. Vor allem Shoshanas Gewissensbisse machten mit ihr was sie wollten. Sie wusste selbst gar nicht, warum sie sich quälte. Erst wenn sie sich am Ende eines jeden Gedankenganges das Bild des Blumenstraußes vor Augen führen konnte, wusste sie, warum sie sich ihrer Meinung nach schuldig fühlen musste.
    Erst beim Anblick der Blumen wurde ihr klar, dass sie die ersten falschen Schritte in Richtung Untreue gemacht haben könnte. Eher im Unterbewusstsein, aber das machte die Sache nicht leichter. Oder war es gar doch nicht unterbewusst? Wollte sie was von diesem Marine? Er sah recht ordentlich aus, war gepflegt, hatte ein hübsches Gesicht, war schlank, schien sehr gebildet und intelligent zu sein, auch Humor schien er einigermaßen zu haben – 'einigermaßen' weil sie an die Sache mit dem grünen Hummer denken musste – und war zudem ein Marinekapitän.
    Sie musste sich eingestehen, dass das nicht gerade wenige Gründe waren, um einen jungen Mann kennen lernen zu wollen. Warum sonst ist sie gestern nicht einfach weggerannt, als sie die Kneipe verließ und um die Ecke ging. Oder warum hat sie sich beim Kontakt, neben der Kneipe, nicht mit Hilfe ihrer Soru-Fähigkeiten einfach davon gemacht? Warum hat sie ihn in der Scheune nicht einfach abgeschossen, wo sie sich doch eigentlich sicher war, dass Gassell Kerus Schuss mit Leichtigkeit ausweichen konnte? Ok, zugegeben, das wäre etwas unwahrscheinlich gewesen, aber sie hätte es machen können. Warum hatte sie ihn heute Morgen in ihr Zimmer gelassen, und warum wollte sie ihm unbedingt ein Geschenk machen? Es ging ihr nämlich nicht nur um das Buch, das wusste sie genau.
    Was war nur geschehen? Konnte es sein, dass dieser Marinekapitän, in so einer kurzen Zeit, mehr Eindruck bei ihr hinterlassen hatte als ihr Freund in zwei Jahren? Darüber wollte sie am liebsten gar nicht denken aber eines konnte sie sich selbst gegenüber nicht leugnen: sie hatte Gefühle für Keru übrig! Allein für diesen Gedanken schämte sie sich zutiefst. Deshalb, und auch wegen der Tatsache, dass sie diese Besprechungen mit Hank und die Anderen schon mal hatte, war sie in Gedanken verloren und konnte der Besprechung geistig nicht ganz beipflichten.
    Keru indes konnte natürlich nicht erahnen, was in ihr losging; Männer eben! Er selbst war jedoch auch überfragt. Er konnte sich aber zusammenraffen und konnte seine Aufmerksamkeit, wenn auch nicht ganz so leicht, der Besprechung widmen...

    Nun ergriff Hank das Wort: „Guten Morgen meine Damen und Herren. Ich freue mich sehr, dass ihr euch entschlossen habt uns zu helfen.“ Die Freude war ihm wirklich anzusehen. Wie ein kleiner Schuljunge freute er sich über Kerus Entschluss. Es war in diesem Augenblick schwer vorstellbar, dass dieser Mann Teil und Anführer einer berüchtigten Regierungsorganisation war und die mit gefährlichsten Kampftechniken dieser Welt beherrschte. Jeder Anführer einer CP-Einheit, egal ob 1,2,9 oder 0, beherrschte die 6 Formeln.
    „Zu aller erst möchte ich auf die Mannschaftsliste eingehen, die mir mein Freund Keru freundlicher weise überreicht hat.
    Ich sehe hier, dass vier Leute eine weiterführende Kampfausbildung genießen konnten. Natürlich der Cpt., Keru, sein 1. Offizier Frederick, der Bootsmann Shinji und der Schiffszimmermann Marv, ist das richtig?“, wollte sich Hank vergewissern.
    „Das ist richtig, wobei Keru und ich unsere Ausbildung bei der sarandokanischen Armee hatten, und nicht bei der Marine, wie die Meisten hier“, fügte Frederick hinzu.
    „Und wer kann den überhaupt mit Schwertern umgehen? Denn Nahkampf wird bei dieser Mission von immenser Bedeutung sein.“ Hank richtete seine Frage an Keru. Der brauchte eine Weile um zu schnallen, dass die Frage an ihn gerichtet war...
    „Ähh, was?! Ah ja, ehm...“, er räusperte sich, „bis auf Ritaré und Adrian eigentlich alle. Adrian kann zwar mit dem Schwert umgehen, jedoch will ich nicht, dass er unbedingt kämpft. Der Kleine kann ja vor dem Hof mit Ritaré als Nachhut für die Verletzten dienen.
    Craig und Cassagnol sind zwar nicht die besten Nahkämpfer, aber sicher besser als der Schnitt. Und Isurus braucht gar keine Schwerter, er kämpft mit bloßen Händen und ist, was die Stärke angeht, auch bei den ersten Vier bzw. Fünf anzusiedeln“, berichtete Keru.
    Hank schaute nochmal auf die Mannschaftsliste: „Also schön, da haben wir Keru, 178 cm, 26 Jahre und Frederick, 181 cm mit 28 Jahren. Das sind die stärksten unter euch. Ihr würdet dann ganz vorn mitmachen.
    Dann kommen Marv, 192 cm, 35 Jahre, Shinji, 176 cm, 30 Jahre und Isurus, 203 cm, 54 (Fischmensch)-Jahre.
    Anschließend Craig und Cassagnol mit 180 cm und 177 cm, und 32 und 27 Jahren.
    Und dann noch Ritaré und Adrian.
    Und wer ist dieser Ram?“
    „Ohh, der ist momentan abwesend. Er gehört auch zur dritten Gruppe“, sagte Keru.
    Hank nickte und zeichnete auf die Tafel eine Tabelle zur Veranschaulichung.

    Keru, 178 cm, 26 Jahre
    Frederick, 181 cm, 28 Jahre

    Marv, 192 cm, 35 Jahre
    Shin, 176 cm, 30 Jahre
    Isurus, 203 cm, 54 Jahre

    Ram, 187 cm, 31 Jahre
    Craig, 180 cm, 32 Jahre
    Cassagnol 177 cm, 27 Jahre

    Ritaré, 175 cm, 61 Jahre
    Adrian, 172 cm, 20 Jahre

    Die Mannschaft nickte beim Anblick der Tabelle zustimmend zu.
    „Nun, dann können wir zur Missionsbesprechung übergehen. Ich muss euch nochmals darauf hinweisen, dass diese Informationen, die Ihr zu hören bekommt, in langjähriger und harter Arbeit, zum Teil mit schweren Verlusten als 'Gegenleistung', zusammengetragen wurden. Deswegen gelten sie als streng geheim. Ihr dürft also kein einziges Wort über diese Informationen verlieren. Nicht einmal die b-times weiß auch nur annähernd so viel, wie wir vor zwei Jahren. Also, außerhalb dieser Mission hat diese nie existiert“, ermahnte Hank. Damit wollte er nicht auf die Strafen aufmerksam machen, die einen Plappermaul erwarten würden, sondern auf das Chaos, dass durch das zu frühe Durchdringen der Informationen an die Öffentlichkeit entstehen konnte.
    Hank fuhr fort: „Wie Ihr vielleicht wisst, wurde die Revolutionsarmee vor drei Jahren von einem Fanatiker ins Leben gerufen. Verschiedene Quellen bestätigen, dass es sich dabei um Jemand namens Dragon handelt. Dieser Dragon hat das Zepter aber in zwischen an den 'Koloss' Balthasar übergeben. Nun fungiert er als die rechte Hand vom Halbriesen. Wahrscheinlich haben die Beweggründe Dragons logische Gründe gehabt. So war Balthasar damals Führer der 'roten Legion', die das Imperium von Orenia zum Fall brachte. Bis heute konnte er nicht gefasst werden.
    Als Mentor von Dragon und äußerst erfahrener Revolutionsführer, ist Balthasar als noch gefährlicher einzustufen, als seine rechte Hand. Balthasar hat auch eine linke Hand, seinen Halbbruder, der als 'Todesengel' bekannt ist - ein Assasine. Jedoch ist uns der Name unbekannt. Überraschenderweise ist sein Bruder ein normaler Mensch, jedoch hat uns das nicht zu interessieren. Unser Zielobjekt ist ohnehin ein Anderer. Nämlich Inazuma – ein Offizier der Revolutionäre.
    Wir werden also den Hof von Lord Victor, ein Mitstreiter der Revolutionäre und eigentlicher Besitzer des Hofes, stürmen und Inazuma festnehmen. Unter anderem wissen wir auch, dass auf dem Hof noch drei weitere Unteroffiziere postiert sind: Coray, Jekhar und Mancoo. Coray kämpft mit einem Breitschwert, Jekhar ist ein großgewachsener Hüne, fast so groß wie Lord Victor und kämpft mit einem riesigem Hammer und Mancoo ist jemand, der flink ist wie ein Affe - kämpfen tut er übrigens mit zwei Dolchen. Seid also auf der Hut vor diesen Leuten.
    Das ist der Plan: Der Hof liegt auf einem Hügel. Wir werden uns im Schutz der Dunkelheit an das Hof schleichen. Sobald das Startsignal durch die Teleschnecke zu hören wird, werden wir nacheinander alle Wachposten, so leise wie möglich, eliminieren.
    Es gibt einen Haupteingang durch das Haupttor, und einen Hintereingang bei den Ställen. Außerdem werden wir eine Schwachstelle der Außenmauer als dritten Eingang nutzen. Hier ist der Lageplan...“ Hank hing eine Skizze des Hofes auf:



    "Je mehr Wachen wir vor dem Alarm auslöschen, desto besser. Am besten sollte gar kein Alarm ausgelöst werden, das wird wahrscheinlich jedoch nicht möglich sein. Ideal wäre es, wenn wir vor dem Auslösen schon den Hof durchquert und im Gebäude wären. In den engen Räumen würde unsere Unterzahl nicht so sehr ins Gewicht fallen.
    Unser Spion erklärte uns, dass Inazuma im dritten Stock des Hauptgebäudes residiert. In welches Zimmer er sich aufhält, dass konnte er uns nicht sagen. Der Zugang zum Dritten Stock ist den Offizieren vorbehalten. Also müssten mindestens drei von uns sich im dritten Stock umsehen, während der Rest sich um die Gefolgsleute kümmert. Die Männer werden wohl ziemlich gut ausgebildet sein, also seid vorsichtig.“

    An der Tür klopfte es. Hank wurde unterbrochen, das störte ihn aber nicht sonderlich. Viel eher ging er zur Tür und öffnete es. Eine junge blonde Frau mit Brille trat ein.
    „Agentin Kalifa von der CP 7 zur Stelle, Sir“, sprach die Frau sehr diskret und stellte sich Befehl erwartend hin.
    Ein raunen ging durch den Raum. Diese Frau war wahrlich nicht unattraktiver als Shoshana. Mit freudigem Blick empfingen die meisten Männer die Agentin. Shoshana dagegen hatte im Moment keine Augen dafür.

    Hank schloss die Tür und ging wieder zur Tafel. „Sie dürfen sich rühren. Willkommen auf St. Alvarez. Ihr Vorgesetzter hat Sie schon instruiert?“, fragte er.
    „Jawohl, Sir. Ich hoffe Ihnen helfen zu können.“
    „Das werden Sie bestimmt. Ich glaube wir können uns duzen. Du kommst gerade richtig...“
    Hank fuhr mit der Besprechung fort. Sein Plan sah vor, wie sie sich im schlimmsten Fall benehmen mussten - wie sie reagieren müssten, wenn etwas schief gehen- und der Alarm frühzeitig losgehen würde.
    Er beschloss, dass Er, Kalifa, Shin, Craig und Isurus durch das Haupttor hinein gehen würden und somit den Löwenanteil bewältigen würden.
    Keru sollte mit Nick, Ram und Marv den Hintereingang nehmen und von dort aus stürmen.
    Frederick, Shoshana, Cassagnol und Gassell würden die Mauer übernehmen.
    Ritaré und Adrian würden draußen warten, bis Hank das Zeichen geben würde.

    Das klang alles recht ordentlich. Hank gab allen nachher frei. Morgen sollten alle nochmal zum Bunker kommen, um eine Fete zu feiern. Er war der Meinung, dass man solch Festlichkeiten vor den Schlachten feiern sollte, da man von einem Erfolg ausgehen müsse. Anders könne man nicht konzentriert in die 'Schlacht' ziehen. Außerdem könne es für einige der letzte Kampf sein. Warum dürften diejenigen nicht auch feiern? Auch wenn nur einer bei der Mission umkommen sollte, gäbe es keinen Grund zum Feiern. Deswegen sollte sie vorverlegt werden. So sah es zumindest Hank.

    Alle entfernten sich für heute vom Bunker. Auch Shoshana und Keru gingen raus, getrennt...
    Kapitel 24: 'Die Fete im Bunker'
    Spoiler anzeigen
    Es war der nächste Tag. Keru war in seinem Zimmer und zog sich an. Die letzte Nacht konnte er nur mit Mühe einschlafen. Shoshana war für ihn interessant, nur hat sich das eigentlich spätestens dann erledigt, nachdem er über ihre Beziehung zu einem anderem Mann Bescheid wusste – oder sollte 'eigentlich' erledigt sein. Keru war wahrlich nicht der Typ, der anderen die Freundin ausspannen würde.
    Diese Situation war jedoch eine ganz andere. Ihm war klar, dass er diese 'Beziehung' unterbinden musste, bevor sie stattfand. Er musste für sich ein Schlussstrich ziehen. Das war eindeutig klar, jedoch hatte er sich mit einer scheinbar so einfachen Entscheidung nie so schwer getan. Das hatte ihm den Schlaf geraubt. Er überlegt viel: er sollte sie vergessen, er musste sie vergessen – Er durfte sie nicht vergessen, er konnte sie nicht vergessen.

    Doch siegte am Ende seine Vernunft und er entschloss sich schweren Herzens, keine weiteren Unternehmungen in Richtung Shoshana zu machen. Diese Sache war unorthodox und zudem raubte sie Keru Verstand, Konzentration und Energie gleichermaßen. Die brauchte er morgen aber, sehr dringend sogar. Die Mission erforderte all sein Können und er würde es sich nicht verzeihen können, wenn aufgrund seiner inneren Zerrissenheit Soldaten unter seinem Kommando umkommen würden. Als Marinekapitän war es seine Pflicht, in erster Linie an seine Gefolgsleute zu denken. So gehörte es sich für einen Kapitän und Keru fügte sich dieser Pflicht, auch wenn der Weg bis dahin Nervenaufreibend war.

    Keru wollte sein offenes Hemd zuknöpfen, doch es klopfte an seiner Tür, so dass er es zunächst sein lies.
    Er öffnete die Tür und sah zu seinem Erstaunen Shoshana vor der Schwelle stehen. Mit einem kurz andauerndem Blick auf Kerus Oberkörper, konnte sie ihren Blick schließlich abwenden und ihn ansehen. Ein flüchtiges Lächeln konnte sie sich nicht verkneifen, während Keru noch gefasst da stand.
    Sie begann zu Reden: „Guten Morgen. Ich hoffe du hast gut geschlafen?“
    „Ja, das habe ich, danke.“
    Es herrschte kurz Stille...
    „Darf ich kurz reinkommen?“, fragte sie vorsichtig.
    „Klar, komm nur herein“, Keru öffnete die Tür weit genug auf um sie dann zu schließen, nachdem Shoshana eingetreten war. Sie sah sich kurz um und drehte sich dann zu Keru.
    „Ähm, ich weiß nicht, wie ich anfangen soll“, fuhr sie aufgeregt, mit beiden Händen ihre Finger knetend, fort. „Ich denke, wir sollten...“, stammelte sie weiterhin. „Puhh, als ich mir die Worte gestern Abend zurecht gelegt hatte, erschien es mir nicht annähernd so schwer“, sagte sie lächelnd. Keru stand weiterhin zuhörend da. Die Situation war sehr schräg. Irgendwie wussten beide, dass sie aufeinander stehen. Dies kam bis her allerdings nicht zur Sprache. Und das war es im Endeffekt, das die Aussprache für beide schwieriger machte.
    Shoshana konnte sich jedoch endlich ans Herz fassen: „Ich versuche es kurz zu machen. Ich glaube, dass dir nicht entgangen ist, dass ich... dass auch eine Cipherpol Agentin nicht immun gegen die Streiche... von Amor ist.“
    Keru nickte und wies sie mit Blicken darauf hin, dass er verstanden hatte, was sie ihm sagen wollte, wodurch Shoshana innerlich endlich aufhorchen konnte.
    „Ich muss dir aber sagen, dass ich glücklich mit meinem Freund Tom bin.“
    Er nickte erneut verständnisvoll.
    „Ich würde vorschlagen, einen Neuanfang zu machen... als Freunde.“
    Keru wusste immer noch nicht, was er sagen sollte.
    „Deswegen sollten wir die Sache vergessen und uns lieber auf die Mission konzentrieren. Die ist sehr wichtig und wir sollten den Kopf frei kriegen“, sagte sie anschließend.
    „Der Meinung bin ich auch. Wir fangen von vorn an und geben morgen unser Bestes“, sagte Keru seine Hand hin haltend. Shoshana nickte freudig und gab ihm die Hand.

    Nach dem Händeschütteln ging Shoshana wieder. Sie hatte sich ausgesprochen, jedoch ohne die Wirkung erzielt zu haben, welches sie sich erhofft hatte. Irgendwie war das nicht der Befreiungsschlag, den sie für sich erreichen wollte. „Wegen sein hübsches Gesicht muss er sich vor anderen Kerlen nicht verstecken; Wegen sein Oberkörper erst recht nicht. Halt, du dumme Kuh! Du liebst Tom...“
    Auch Keru konnte nur hoffen, dass ihm, während der Mission, nicht die Gefühle mit ihm durchgehen würden.

    Am Nachmittag trafen immer mehr Leute im Bunker ein. Hank hatte alle Dokumente entfernt und aus dem grauen und tristen Betonklotz eine hübsche Einrichtung für Feten gezaubert. Da alles mögliche besprochen wurde, waren die Dokumente nicht mehr zwingend notwendig.
    Alles war hübsch eingerichtet worden. Es gab ein Buffet mit reichlich leckerem Küchenkost, Salate, Torten, Unmengen an Getränken aller Art und sogar Festdekoration, wie man sie sonst zu Geburtstagen verwendet.

    Hank empfing alle nacheinander, in dem er jedem einen Sektglas in die Hand, und anschließend einen dicken Schmatzer auf die Wange drückte. Man hätte meinen können, dass die Mission bereits erfolgreich verlaufen war. Dieser Hank unterschied sich wahrlich von anderen CP-Agenten.
    Jeder freute sich über die heitere Stimmung. Vor allem der Steuermann, Ram, der der Mannschaft seit heute wieder zugestoßen war, freute sich einen Keks. Der Säufer vom Nebenberuf kam gerade erst von Oma Cock-olo, traf zum ersten mal die berühmt berüchtigte Cipherpol und durfte sich gleich wieder kostenlos den Magen vollschlagen.

    Alles war schön: Ram und die üblichen Verdächtigen (Adrian und Craig) versuchten sich mit Gassell, der sich als sehr Trinkfest herausstellte, an allen möglichen Spirituosen.
    Die eigentlich so wortkargen Marv und Nick saßen in einer Ecke. Entgegen der Erwartungen, die man beim Blick auf diese beiden Beteiligten stellen würde, hatten sie am Abend, zusammen mit Isururs und den allwissenden Ritaré ne menge zu diskutieren. Die Herren zeigten sich von ihrer ungewohnten, politischen Seite. Gesprächsthema war unter anderem die Ausbeutung von Alabasta, die gestiegene Teleschneckengebühr und die neue Lehranstaltsreform, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Die Tabakdose war aus der Hand von Nick gar nicht wegzudenken. Eine Zigarette nach der anderen wurde vernichtet.
    Cassagnol unterhielt sich humorvoll mit Shoshana. Beflügelt durch sein Erfolg neulich in der Kneipe, versuchte er seinen Umgang mit Frauen weiter zu verbessern.
    Und während Keru mit Shin über Neuigkeiten der Marine redeten, wollte der angeschwipste Hank mehr über Fredericks und Kerus Laufbahn wissen.
    „Ihr seid also schon gemeinsam in die Schule gegangen?“, wollte Hank wissen.
    „Genau. Wir fanden uns aber ziemlich bald in der Armee wieder. Antep, Kerus Vater war nämlich Heerführer der Allianz von Sarandoka. Damit war es vor seiner Schule schon klar, dass er auch zur Armee gehen würde. Ich bin ihm gefolgt.“
    „Hast du dort auch schon unter ihm gedient?“
    „Nee, wir waren meist auf einer Ranghöhe. Einige Male war er mir sogar untergeordnet, weil ich die jeweiligen Prüfungen zwei Jahre vor ihm machen durfte“, sagte Frederick mit einem Grinsen.
    „Obwohl er stärker war als du?“
    „Nö, Keru war nie stärker als ich. Heute noch bin ich ihm im Kampf überlegen; Bin nicht sehr viel stärker, aber überlegen.“
    Hank hob die Augenbrauen weit nach oben. „Was?! Du bist stärker als er? Dabei ist er doch dein Captain. Und warum weiß keiner davon? Will er das geheim halten?“
    „Nein, ganz im Gegenteil. Ihm würde es nichts ausmachen, wenn das heraus käme. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man das sagen muss. Wenn das raus käme, würde das innerhalb der Marine nur Unruhen nach sich ziehen. 'Ein Marinekapitän, schwächer als sein Offizier... ein Skandal!' Auf so was habe ich keine Lust. Außerdem wäre es nicht förderlich für seine Karriere.“
    „Du bist ein wahrer Freund“, ehrte ihn Hank. „Obwohl du stärker bist, macht es dir nichts aus, unter deinem Freund zu dienen.“
    „Das wird aber nicht lange so bleiben...“, sagte Frederick. Hank hörte aufmerksam zu.
    „Ich bin jetzt zwar stärker, aber innerhalb der nächsten Zeit wird er mich überholen, weit überholen. Die Kluft zwischen uns wurde immer kleiner. Ich bin mit 28 Jahren fast an mein Maximum angelangt. Er ist noch lange nicht am Ende. Keru hat das Talent, immer besser zu werden. Nicht nur körperlich. Seit wir bei der Marine sind, wird er immer erfahrener. Er wird klüger, von Tag zu Tag. Er saugt seine neuen Erfahrungen wie ein Schwamm auf.
    Ich betrachte ihn eigentlich nicht als Freund, sondern als meinen Bruder. Er ist mein kleiner Bruder und es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich seine unaufhörlichen Fortschritte auf´s Neue begutachten kann. Er steigt mit riesigen Schritten zurecht die Karriereleiter hoch und ich bin nicht mit einer Faser meines Körpers neidisch. Ich werde ihm bei seinem Weg helfen und würde mein eigenes Leben, ohne mit der Wimper zu zucken, hergeben, wenn ich ihn damit retten müsste.“
    Hank sah Frederick erstaunt und bewundernd zugleich an. Erst an seiner Reaktion bemerkte Frederick, dass er selbst völlig in Gedanken verschwunden war und musste lachen.
    „Du hältst sehr viel von ihm, oder?“
    „Absolut! Das habe ich ihm so aber nie gesagt. Ich glaube, dass ist auch besser so. Mein Onkel hat mir mal eine Geschichte erzählt, dass er mal einen Freund hatte. Das beste an seinem Freund war, dass er lustige Geschichten, wie etwa aus seinem Leben, so erzählen konnte, dass er die Pointe geschickt an die bestmögliche Stelle im Satz stellen konnte, so dass der gewollte Witz seine vollste Effektivität erzielen konnte. Das machte der Freund meines Onkels eher unbewusst, oder wusste nicht, wie geschickt er das im Unterbewusstsein machte. Mein Onkel hat ihn eines Tages darauf angesprochen und fortan war das Talent des Freundes dahin. Weil er sich damit bewusst auseinander gesetzt hatte.
    Das gleiche könnte mit Keru passieren, dessen Auffassungsgabe und Lernwillen auch unterbewusst funktioniert.
    Wenn er wüsste, dass ich mich seinetwegen zurückhalte, was zum Beispiel die abgelehnte Kapitänsprüfung angeht, würde er es womöglich nicht zulassen.
    Fakt ist, dass er ein viel größeres Talent für Kampf und Geschick hat als ich. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Keru in 20 Jahren Großadmiral werden würde.“
    Hank hob sein Glas: „Auf Keru, den zukünftigen Großadmiral!“, sagte er grinsend.
    „Auf Keru, und auf das die Mission morgen ein Erfolg wird.“
    „Prost!“
    Sie stießen an.

    So ließ man den Abend ausklingen.


    Hier geht´s zu den nächsten Kapiteln: KLICK

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  • Fertig!!! hab dir diesen Beitrag schon vor längerem versprochen und jetzt ist es soweit.

    Rechtschreibfehler finden sich eigentlich nur in den ersten drei kapiteln, danach fehlen sie beinahe vollständig. Was mir allerdings nicht gefällt ist die Grammatik. Du machst häufig Leichtsinnsfehler bei den Zeiten, die eigentlich nicht passieren sollten. Diese überliest der Leser gerne, was allerdings auch darauf zurückzuführen ist, dass diese in beinah allen Tageszeitungen auftauchen :thumbdown: Kannst du also weniger was dafür. Speziell meine ich solche Sätze wie diesen aus dem 14.Kapitel:
    Üblich waren normalerweise ca. 150 Meldungen von neuen Piraten im Jahr.
    Da du hier jemanden sprechen lässt, verwendet man Präsens(Gegenwart), also sind. Nur ein kleiner Tip.

    Sprachlich/Stilistisch gefällt mir dein Stil sehr gut, du schreibst wirklich wie ein richtiger Romanautor. Was mich allerdings stört, ist die verwendung von Wörtern wie sau cool, einchecken, eben diese Anglizismen, die du normalerweise im Gespräch mit Freunden verwendest. Diese Wörter stechen einem echt ins Auge, wäre dein Stil auf diese Wörter ausgelegt, dann würden sie nicht so stören. Entweder dein Stil verändert sich, was nicht nur ich schade finden würde, oder du verzichtest auf solche Wörter. Letzteres wäre sicher einfacher.

    Die Bilder, die bei der Vorstellung der Crew verwendet hast, fande ich eher störend. das liegt zum einen daran, dass normalerweise der Autor die Charaktere so beschreibt, dass sich jeder vorstellen kann, wie sie aussehen, oder er überlässt es den Lesern. Bilder hingegen zeugen von einer Unsicherheit des Autors selbst, der sich nicht sicher ist, ob er gut genug ist, das rüber zu bringen. Und du bist es, glaub mir. Bei dir meckert Blink nicht über die Beschreibungen, dabei verwendest du genau soviele wie ich und genauso detailiert ;) Die Szenen kann man sich Dank der ausführlichen Beschreibungen wirklich gut vorstellen, ein Pluspunkt. Seit Sirus.0 habe ich keine so gute Geschichte gelesen, selbst blink steht dir in der Sache nach, allerdings hat der anderstwo Pluspunkte, die dir fehlen.

    Der Handlungsplot selbst ist klar und nachvollziehbar,auch die Thematik, die du mit dieser Geschichte vermitteln willst, ist greifbar. Das schaffte nur Blink, der im Gegensatz zu den anderen Autoren hier, nicht einfach ein Abenteuer auf der Suche nach Stärke veranstaltet. Er zeigt uns auf, welche Schwächen eine totalitäre Regierung ht, wie unsere Menschheit verkümmert, ohne diese explizit zu erwähnen. Vielleicht ist das der Punkt, warum so viele seine Geschichte lesen, wobei ich glaube, wenige haben das bislang bemerkt. Aber zurück, diese Lorbeeren sollte ich ihm in meinem nächsten Beitrag mal schreiben. Deine Thematik, die wahrscheinlich auf das Problem Gerechtigkeit abzielt, wird ja eigentlich schon durch den Titel wiedergegeben. Bislang handelt Keru/Drake ja noch nach der Moral der Marine, die die Geerechtigkeit vorgibt. Dies wird sich ja in den nächsten Kapiteln ändern, er wird vermutlich immer mehr nach seiner eigenen Gerechtigkeit handeln. Wie du die Geschichte allerdings bis August zu Ende bringen willst, ist mir noch ein Rätsel.

    Fazit: die Geschichte ist bislang gut, dein Stil trifft genau meinen Geschmack, die Handlung ist klar und einfach vorgegeben. Minuspunkte sehe ich nur bei der Grammatik, kann aber auch sein, dass man bei euch da oben doch anderst spricht als bei uns im tiefen Süden. Auf alle Fälle versuche ich dein Geschichte möglichst Zeitnah zu verfolgen, was mir allerdings nicht immer möglich sein wird. Einen Newsletter kannst du mir gerne schicken.

    Gruß Icedragoon
    Mörderspiel

    Denn du weißt nicht, welche Figur du bist...

    Still in progress...
  • Ein weiterer Leser mehr! Willkommen bei meiner Geschichte.
    Es freut mich, dass dich meine Geschichte so anspricht. Mit Blink oder Sirus.0 verglichen zu werden ist für mich natürlich super! :D Danke für dein Lob.

    Mit den Anglizismen hast du natürlich recht. Hin und wieder schleichen sich solche Wörter in die Geschichte ein. Werde versuchen darauf mehr Acht zu geben.

    Das mit den Bildern ist wieder so ne Sache. Ist oft drüber geredet worden, ich belasse es mal dabei ;)

    Dass ich die Geschichte bis August sehr wahrscheinlich nicht beenden kann, das leuchtet mir langsam aber sicher auch ein. Habe die Länge meiner eigenen Geschichte wohl unterschätzt^^

    Jetzt habe ich ganz 5! Leser/innen :thumbsup:

    Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von zongo67 ()

  • So die zweite Runde kann beginnen, dann wollen wir mal...

    Hmm, was die Rechtschreibung angeht muss ich mich korregieren, da schwangst du ein bisschen. In Kapitel 15 finden sich einige kleinere Fehler, du hättest vermeiden können. Verbittert scheint mir Cassagnol nicht, der ist doch eher bieder. Es sind gerade solche Dinge die auffallen, da sie nicht gerade mit den bisherigen Beschreibungen decken. Da kann man noch was machen. Ebenfalls in kapitel 15 und 16 fallen Wörter auf, die nicht unbedingt in die Zeit passen, in der deine Geschichte spielt. Taccos und Sambuca sind ja deutlich jünger als 500 Jahre. Solche Kleinigkeiten kann das Gesamtwerk deutlich beeinflussen.

    Ansonsten sind die Kapitel gut durchgeplant und es wird interessant. vllt sehen wir ja bald den Beginn von Drake's Wandel. Auf alle Fälle werden die nächsten Kapitel spannend, so viel steht jetzt bereits fest.

    hmm, was das Turnier angeht, hast du dich ja doch zu früh gefreudet. Aber auf Konkurrenz freut man sich ja immer.

    Gruß Icedragoon
    Mörderspiel

    Denn du weißt nicht, welche Figur du bist...

    Still in progress...
  • Welcher CP-Agent darf irgendwann in der Geschichte seinen Auftritt haben? (2 Stimmen) 11
    1.  
      Kalifa - 18 Jahre (5) 45%
    2.  
      Jabura - 28 Jahre (2) 18%
    3.  
      Ecki - 16 Jahre (5) 45%
    4.  
      Bruno - 23 Jahre (1) 9%
    5.  
      Nero - Alter unbekannt (hat eine Chance verdient) (1) 9%
    6.  
      irgend ein Neuer - zwischen 20 und 30 Jahren (1) 9%
    7.  
      irgend eine Neue - -"- (2) 18%
    (Edit)
    Nur so nebenbei: im späterem Verlauf der Geschichte, wird ein
    CP-Agent eine Rolle spielen. Ich lasse euch jetzt an meiner Geschichte
    Teilhaben und biete euch eine Umfrage an.

    Bemerkung: Eule und
    Kumadori passen von der Statur her nicht. Lucci ist nicht dabei, weil er
    auch zu diesem Zeitpunkt (7 Jahre vor aktuellen Ereignissen), im
    Vergleich zu den anderen Agenten, schon zu überpowert sein dürfte.





    Stimmt! Was das Turnier angeht, bis du ja doch noch dabei. Dadurch ist ein vermutlich guter Autor doch weiter gekommen was ich persönlich gut finde. Je stärker die Konkurenz desto besser. ;)

    Icedragoon schrieb:

    Ebenfalls in kapitel 15 und 16 fallen Wörter auf, die nicht unbedingt in die Zeit passen, in der deine Geschichte spielt. Taccos und Sambuca sind ja deutlich jünger als 500 Jahre. Solche Kleinigkeiten kann das Gesamtwerk deutlich beeinflussen.
    Da muss ich widersprechen. Ich glaube kaum, dass man das aktuelle OP-Zeitalter mit dem 15. Jahrhundert vergleichen kann. Wobei ich garnicht genau weiß, wie du auf 1500 nach Christus kommst :D

    Ich weiß zwar nicht, ob es Taccos und Sambuca vor 500 Jahren nicht gab, vorstellen könnte ich es mir schon, aber meine Geschichte spielt nun mal im OP-Universum. Wenn es in diesem OP-Piratenzeitalter, vergleichbar mit dem 17. Jahrhundert unserer Welt schätze ich, Teleschnecken, Riesenräder, Fernseher, Megaphone, Cola, Cyborgs und U-Boote gibt (Ich glaube mich zu erinnern, dass ich mal was von Wodka gelesen hatte), dann finde ich, dass ich als FF-Autor es mir durchaus erlauben darf, Elemente wie eben Taccos oder Sambuca einzubauen. Ich achte auch wirklich darauf, dass meine eingefügten Elemente nicht zu sehr im Kontrast zur OP-Welt stehen. Vorallem nachdem ich weiß, dass ich mit dir einen kritischen Leser dazu gewinnen konnte, was ich sehr begrüße^^
    Auf Anglizismen werde ich weiterhin acht geben, wobei es mir mit dem 'Blazer' aus Kapitel 16 nicht ganz gelungen zu sein scheint ^.^

    Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von zongo67 ()

  • Ich habe in der Umfrage für Kalifa und Ecki gestimmt, da deine Mannen momentan im Tatendrang sind und ich eine Szene zwischen Craig und dieser dominanten Blondine doch sehr begrüßen würde. Ecki ist zudem eine coole Sau und hat es mehr als jeder andere verdient, in einer Geschichte vorzukommen. Eine neue CP-9 Agentin würde ich auch begrüßen, jedoch reichten meine Stimmen dafür nicht aus, auch wenn ich es theoretisch ändern konnte, ist aber deine Umfrage. Heute kommt ein kleiner Marathon zu diversen Geschichten, da ich die letzte Zeit mit einem gewissen Turnier beschäftigt war. Zuerst einmal: Wie weit bist du mit meiner Geschichte?
    Dann wollte ich auf die drei Kapitel zu sprechen kommen, die ich nachgelesen habe:
    Mir gefällt es, wie du das Feeling der Insel rüber bringst! Zu Beginn kommt gleich diese mysteriöse Piraten-Verschwörung. Es gibt sie, aber dennoch wird nichts getan. Ob es wirklich nur am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom dieser Personen, oder doch an einem übergreifenden Flächenbrand liegt - ich lasse mich in der Hinsicht gerne überraschen, hoffe, da steckt eine annehmbare Begründung dahinter, sonst kann man in Kapitel 14 nur noch den Humor betrachten, der in der Herstellung der Zigarren gelegt wurde. Was mir nicht zusagte, war die Aussicht auf Kerus "Privatleben", wo eine Begegnung mit einer Dame doch sehr verlockend geklungen hat. Dass diese Einstellung später durch die Arbeitswut gedrückt wurde, fand ich in der Hinsicht deplatziert. Das nächste Kapitel beschrieb dann die normale Stimmung, die ich auf dem alljährlichen Schützenfest begegne. Verwechslungen, Geruch, Flirt und [Messer-] Stecherei - bezogen auf 'den Stecher' - sowie ein selten verschnürtes Sprachpaket. Hin und wieder habe ich ein paar falsch gesetzte Anführungszeichen oder Wortwiederholungen im gleichen Satz gesehen, jedoch schreibe ich mir solche Fehler nie auf uns bin in Anbetracht deiner Kapitellänge auch zu bequem, um sie dir ernsthaft vorzuhalten. Daher: Es gab Fehler, aber nicht viele, als das ich meckern müsste. Aus meinem Schützling hat sich ein prächtiger Autor entwickelt, da bin ich sehr froh darüber. ^^ Zum Schluss kam noch ein fieser Cliffhanger, wo zuvor noch die Zielsetzung ausreichend angesprochen wurde. Man kann sich daher ein gutes Bild deines roten Fadens machen und besonders die letzten Postkarten, die die Besatzung noch schreiben sollten, haben mir besonders gefallen. Es wird ernst in deiner Geschichte und niemand der Guten ist vom Tod ausgenommen. So eine Einstellung finde ich prima, da es jeden treffen kann und so Überraschungen bereits vorprogrammiert sind.
    Gut gemacht! Und dir auch viel Glück für Runde 2! Die Aufgaben sind dieses Mal sehr viel offener und die Kreativität steht dieses Mal sehr im Vordergrund. Mal sehen, wie du dich schlägst.
  • Für den kleinen Überblick habe ich ein Charackterguide erstellt. Nicht sonderlich ausgefeilt aber immerhin^^


    Für alle, die es noch nicht mitgekriegt haben: Ich verweise nochmal ein meinem vorherigem Post mit der Abstimmung. Drei Stimmen sind doch etwas wenig, um eine plausible Resonanz zu bekommen^^ Ein Paar mehr Stimmen könnte ich vertragen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von zongo67 ()

  • Very nice! Da hast du doch wieder bewiesen, dass du im FFT nur aufgrund eines Ausrutschers den Hut nehmen musstest. Okay, deine Kurzgeschichte war auch für viele fürchterlich, aber man muss dir auch mal den Kopf waschen, da du hier fast nur Lob erntest - so wie ich - und auch wieder auf den Boden zurückkehren solltest. Wie Keru an das Mädel herangegangen ist und ihn die Gefühle überkamen war sehr schön beschrieben worden. Es entwickelt sich eine hohe Motivation, um fortzufahren, was mir bei anderen Geschichten manchmal ein wenig fehlt. Da ist es meist sehr linear und berechenbar, hier aber, fand ich es nach anfänglichem Zweifeln doch sehr schön, dass Kerus Lust und seine Arbeitswut ineinander überliefen und er völlig unkonzentriert wurde.
    Du erwähntest, dass ein paar Gute sterben könnten, so dachte ich erst, dass Shin nun draufgeht, allerdings wäre das einmal zu früh, dann eine Affekthandlung, die man nicht sinnvoll auflösen kann, zum anderen ist der Höhepunkt noch nicht erreicht, an welchem ein Tod gut gesetzt und für ein Ausscheiden aus der Geschichte durchaus vertretbar wäre. Da bin ich doch sehr erfreut, dass deine Niederlage deiner Schreiblust keinen Abbruch tut. Es macht ja auch einen feinen Unterschied, ob man auf Knopfdruck, oder nach eigenem Ermessen die Sätze formulieren kann!
  • Die Sonne ist gerade weg, also widme ich mich mal meinen FFs.
    Letztes Mal blieb ein Kommentar von meiner Seite aus, da ich blink in allen Punkten zustimmen musste.
    Wäre dann eh nur eine Wiederholung gewesen ^^
    Ich hab auch für Kalifa und Ecki gestimmt, aus den selben Gründen wie blink.

    Der Charakterguide ist auch nicht schlecht. Die Idee mit den Inseln gefällt mir.

    So zum aktuellen Chap:
    Bei Keru staut sich ja eine ganz schön große Lust an...
    Ich glaub da muss mal wieder was bei ihm laufen, sonst passiert was schlimmes.
    Nacher vergreift er sich noch an seiner Crew ^^
    Aber vielleicht wird ja doch noch was mit der Blonden. Sie hatten vielleicht Startschwierigkeiten, aber wer weiß.
    Jedenfalls können wir in den nächsten Kapiteln auf etwas mehr Action hoffen.
    Aber da muss ich blink echt rechtgeben. Deine FF ist echt überhaupt nicht vorraussehbar. Wer weiß was als nächstes passiert? ^^
    Meine ist schon etwas einfach gestrickt, aber ich versuche sie etwas mysteriöser zu gestalten...

    Bis zum nächsten Kapitel ^^
  • Soooooooo~oooo ^^. Nach so langer Zeit kommentiere ich wieder mal bei dir ^^. Auf der Insel findet ja so einiges statt, was aber Großteils Freizeitbeschäftigung war ^^. Irgendwie kommt in deiner Story verhältnismäßig viel Gerede übers (auf bayrisch gesagt) "schnackseln" vor ... naja, für mich persönlich jetzt nicht unbedingt interessant und ich persönlich bräucht es nicht, aber den Gag um Craig und Cassagnol baut es natürlich sehr gut auf ;) ... aber ich persönlich bräucht es wie gesagt nicht :D.

    Ansonsten ist die Story natürlich sehr in Ordnung, weswegen ich sie noch weiterverfolge ;). Die Sache mit den Piraten, die zwar unzählig zu sein schein werden, klingt echt interessant und irgendwie nach einer Art "Revolutionäre", nur etwas offener. Und ich vermute einfach mal, dass diese blonde Schönheit dazugehört (ich weiß, wie spitzfindig :D). Auf jeden Fall bin ich gespannt, was diese gefährliche Kajalbande und die anderen Piraten planen, was ihre Ziele sind usw. Ich meine, sie plündern nicht, greifen keine Zivilisten an oder kämpfen auch nicht gegen die Marine. Sie scheinen eher zu "observieren" als zu "handeln", was wohl jeder seltsam finden würde. Mal sehen, wie das ausgeht, vor allem die Kämpfe gegen die Kajalbande, die sicher noch kommen werden. Oder auch nicht, mal sehen :D.

    So, das wäre mal alles gesagt. Ansonsten kann man sagen, dass die Kapitel entweder gut oder mit Grammatik- und Rechtschreibfehlern gespickt sind, oder dazwischen ^^. Ist zwar nicht schlimm, aber zweiteres hemmt etwas den Lesefluss. Das wäre endgültig alles ^^.

    Wie gesagt, ich werde die Story noch weiterverfolgen, mal sehen, ob das noch lange so hält :D ... aber bei dem Potential der Story, die sie zu Anfang hatte und immer noch hat, kann das noch lange so währen ^^.
    Immer schön Smiley bleiben :thumbup: .

    Aktualisierung meiner FF: Missionsbericht 4 - Abschnitt 6 (Stand: 18.07.2015)
  • Jo, zunächst bedanke ich mich für die Lorbeeren^^ Ich bemühe mich oft die Geschichte etwas undurschsichtiger zu gestallten. Gewöhnt Euch also an Nebelkerzen, die in dieser Geschichte geworfen werden ;) .

    blink schrieb:

    Du erwähntest, dass ein paar Gute sterben könnten,
    Das hat Frederick erwähnt, nicht ich :D.

    Member of cp9 schrieb:

    Irgendwie kommt in deiner Story verhältnismäßig viel Gerede übers (auf bayrisch gesagt) "schnackseln" vor ... naja, für mich persönlich jetzt nicht unbedingt interessant und ich persönlich bräucht es nicht, aber den Gag um Craig und Cassagnol baut es natürlich sehr gut auf ;) ... aber ich persönlich bräucht es wie gesagt nicht :D.
    Darüber hatte ich mir auch schon Gedanken gemacht, aber eher nebenbei. Ich selbst mag *'gute' Konversationen, sei es im Film oder Buch. Wenn meine Geschichte zu dialoglastig ist, wie MoCP9 es angemerkt hat - Kritik ist IMMER erwünscht, also nur her damit - dann lasst es mich wissen. Das letzte was ich will ist, die Leser müde zu quatschen.

    *Das Wort 'gute' habe ich deshalb in Ausrufezeichen gesetzt, weil ich stets bemüht bin, gute und interessante Konversationen zu schreiben. Falls meine Werke den gewünschten Effekt nicht erfüllen, dann sagt mir Bescheid. Kann sein, dass MoCP9 es nur nebenbei bemerken wollte aber sicher ist sicher.

    Gruß

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  • Ich meine nicht, dass du zu viele Dialoge einfügst oder zu langweilige oder plumpe, das wollte ich nicht damit anmerken. Ich mag Geschichten mit Dialogen, ich mach das ja auch gerne ;). Ich wollte nicht die Menge an Dialogen kritisieren, eigentlich wollte ich gar nichts kritisieren, keine Sorge, das machst du alles gut :). Mir ist eben nur das Verhältnis von Länge der Story und den Erwähnungen des "Schnackselns", aber wie ich selbst schon anmerkte, das macht ja den Großteil der Streitgespräche zwischen Craig und Cassagnol aus, deswegen find ichs schon ok ;). Die Story gefällt mir noch und ich verfolge sie weiter, ausser, deine Story verliert den Reiz ggg ... aber davon bist du noch weit, WEIT entfernt.

    PS: Die Bewertung und den Kommentar zu deinem aktuellen Kapitel werden hier eingefügt, keine Sorge g.
    Immer schön Smiley bleiben :thumbup: .

    Aktualisierung meiner FF: Missionsbericht 4 - Abschnitt 6 (Stand: 18.07.2015)
  • Kapitel 18 + 19

    Mir haben die beiden Kapitel sehr gut gefallen, wie eben die meisten von dir ^^
    Das sich die Blonde als CP-Agentin entpuppt hätte ich nicht gedacht, aber das macht sie noch interessanter, als sie es eh schon zuvor war.
    Allgemein hat die CP4 ein sehr cooles Charakterdesign. Besonders Nick, der scheint ja von der der ganz harten Sorte zu sein.
    Den Namen des Blonden mit den Holzstiften habe ich vergessen, aber der wird wohl auch härter durchgreifen, als man es von ihm denken könnte...
    Und allen voran natürlich der Big Boss Hank.
    Gefällt mir, die Truppe.

    Die Verfolgungsjagd fand ich sehr treffend beschrieben.
    Treffend, weil ich selber einmal durch ein Maisfeld gejagt wurde...
    (Was einem nicht alles auf einem Zeltlager passieren kann...)
    Deine Beschreibung hat mich daran erinnert und ich konnte sie auch sehr gut nachvollziehen.

    Viele Grüße,
    Le Roux
  • Le Roux schrieb:

    Die Verfolgungsjagd fand ich sehr treffend beschrieben.

    Treffend, weil ich selber einmal durch ein Maisfeld gejagt wurde...

    (Was einem nicht alles auf einem Zeltlager passieren kann...)

    Deine Beschreibung hat mich daran erinnert und ich konnte sie auch sehr gut nachvollziehen
    Ich musste auch mal durch ein Maisfeld rennen. Ich weiß aber nicht warum. Komisch, ich weiß ganz genau wo es geschah, in Dachau nämlich (nahe München), aber nicht warum ?( .
    Wie dem auch sei; Es war Sommer und die Maispflanzen waren größtenteils geerntet worden, jedoch ragten die ausgetrockneten Wurzeln eben noch raus. Das war die Hölle. Sicher nicht so schlimm wie bei dir :D .

    Btw. die Umfrage kann als beendet gewertet werden. Es sah aus als ob Kalifa das Rennen lockerleicht gewinnen würde doch Ecki hat es gegen Ende noch einmal spannend gemacht. Jetzt steht aber doch ein Sieger/Siegerin fest. Danke an alle die gevotet haben.

    Gruß

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  • Wirklich schönes Kapitel.
    Es war jetzt nicht sonderlich spannend, einfach nur schön.
    Die Stelle mit dem Buch fand ich besonders toll, die war richtig filmreif :)
    Die Szene am Ende hat mich natürlich auch zum Schmunzel gebracht ^^
    Ich bin schon gespannt auf die Zusammenarbeit zwischen den beiden.
    Und, ob die Rolle des Elloy Yves noch vertieft wird.

    Unter Strich: Ein wirklich gelungenes Kapitel.
    Viele Grüße,
    Le Roux
  • Thx. Das mit dem Buch war so ne Sache, die ich unbedingt mit einbauen wollte. Jedoch habe ich es beim ersten Mal vergessen. So musste ich Kapitel 20 nochmal editieren. Wer es noch nicht gelesen hat, kann es ja nochmal versuchen^^.

    Die Umfrage hatte ich eigentlich beenden wollen, weiß aber nicht, wie ich sie löschen soll. Nun hat noch jemand abgestimmt und Ecki kommt auf die gleiche Anzahl von Stimmen wie Kalifa.
    Eigentlich hatte ich (Ihr) ja Kalifa schon auserwählt, und sie wird auch kommen, nur finde ich dass Ecki auch etwas verdient hat.
    Zwischenzeitlich lag Kalifa mit 5 zu 1 Stimmen gegenüber Ecki vorn. Nun haben beide 5 Stimmen. Ich glaube diese Aufholjagd sollte irgendwie belohnt werden ;) .

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  • Da kommt langsam Romantik auf, bei Mr. Zigarrenzongo. Schöne Dialoge, die du für die anbiedernden Versuche zwischen Keru und Shoshana aufgezogen hattest. Hin und wieder hatte man das Gefühl, dass es zwischen den beiden Funken könnte, natürlich dank Dr. "Love" Elloy Yves, der unseren beiden gleich ein Gesprächsthema anreicht. Übrigens, ich arbeite bei mir ja bekanntlich mit Anagrammen und der Name Elloy Yves kam mir sofort extrem seltsam vor, ob sich dahinter nicht doch jemand weiteres verbirgt? Ich spreche diese Theorie auch nur an, denke aber nicht, dass du dir da so tiefe Gedanken bei gemacht hast - aber man weiß ja nie. :D Ist wohl ein alter Hasentrick von mir, so verstecke ich doch Geheimnisse in jedem zweiten Ausruf oder aber ein Mysterium in nahezu jeder W-Frage.
    Spätestens beim Duschen habe ich mir schon gedacht: Skipt der junge Mann oder tut er es nicht? Ein feiner Kerl scheinst du zu sein und überspringst die nähere Beschreibung des Duschvorgangs, was nicht jeder Autor macht. xD Aber neben den ganzen Gefühlen und der überaus witzigen Pyramide und Frederik abstinenter Schauspielkunst, bleibt ein bitterer Nebengeschmack: Bei der Mission gegen die Revolutionäre könnten einige Leute aus der Marinecrew sterben. Was würde Elena sagen, wenn Frederik stirbt? Die wäre genauso am Bode zerstört, wie 89% deiner gesamten Leserschaft, die deinen Vize schon seit langem in ihr Herz geschlossen hat. Übrigens: Dein Klappentext ist gut geworden, wie ich dir schrieb, gilt es auch andere Sachen noch auszufüllen und an jemanden aus dem FF-Gremium zu schicken!
  • blink schrieb:

    Übrigens, ich arbeite bei mir ja bekanntlich mit Anagrammen und der Name Elloy Yves kam mir sofort extrem seltsam vor
    Das muss es nicht unbedingt. Wir haben seit letzten Monat einen neuen Kollegen bekommen der Yves heißt. Das erstaunliche ist, das der Name 'Eve' ausgesprochen wird. Naja, wenn man bedenkt, dass das ein französicher Name ist, ist das gar nicht mal so erstaunlich.^^
    Elloy Yves, welches mit 'Eves', also englisch ausgesprochen wird, gefält mir persönlich aber besser und so war es eigentlich gedacht.
    Und ob die Person noch was bedeuten könnte? Wer weiß das schon...

    blink schrieb:

    Spätestens beim Duschen habe ich mir schon gedacht: Skipt der junge Mann oder tut er es nicht?
    Erst nachdem du es erwähnt hast, dachte ich: "verdammt! Da hätte man was geiles draus machen können." :D
    Aber das wäre meiner Meinung nach fehl am Platz gewesen.
    Vielleicht lernen wir Shoshanas Körper ja demnächst doch näher kennen. 8o Gott ich muss dringend ins Bett! Die Gedanken hören gar nicht mehr auf...

    blink schrieb:

    Was würde Elena sagen, wenn Frederik stirbt? Die wäre genauso am Bode zerstört
    Das denke ich auch^^

    Gruß

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  • Bin nun auch ein Fan deiner Fanfic.
    Ich glaube die Mischung hat es mir angetan:
    Grandioser Schreibstil, ein Marinesoldat wird beschrieben , keine "Imba" Leute ("Realismus"), schöne Schlacht am Anfang. Hab mich auch gleich auf die ersten Auftritte bekannter Personen gefreut: Garp usw..
    Haben sich aber auch einige Fehler in der Grammatik/Rechtschreibung eingeschlichen aber ich hatte nur einmal Probleme mit dem Verständnis des Satzes wegen der Grammatik.

    Man merkt auch das du der "Fanfiction-Lehrling" von Blink bist. Hast auch einige Dinge reingemacht die er auch macht z.B. das der Sprecher auch manchmal direkt zum Leser spricht.
    Ein Charakterguide der Mannschaft wäre gut. Name, Position, kleine Beschreibung. Ist nur ein Vorschlag, kann mir nämlich Namen nur schlecht merken und wenn ich dann die Namen lese denke ich: ist das jetzt der Kanonier oder? ;)
    Already Gone
  • Cool! Willkommen in meiner FF.^^ Danke für dein Lob!

    Ich weiß, der bisherige Charakterguide war nicht sonderlich informativ. Deswegen kommt hier ein üblicher Charakterguide. ;)

    Charakterguide
    Spoiler anzeigen

    Kerus Schiff / Dunkerk
    Diez Keru - Captain
    Skip Frederick - 1. Offizier
    Shinji (Shin) - Bootsmann
    Baraja Ramirez (Ram) - Steuermann
    Stephen Craig - Oberkanonier
    Cassagnol - Navigator
    Orton Marv - Schiffszimmermann
    Pascal Ritaré - Schiffsarzt
    Isurus - Fischmensch

    Pearl Adrian - Segelmeister (den guten Adrian habe ich glatt vergessen^^)

    CP 4
    Hank - Anführer / Formel 6 Anwender
    Shoshana - Soru-Spezialistin
    Gassell - Shigan-Spezialist
    Nick - Tekkai-Spezialist
    Kalifa - Verstärkung von CP 7
    Ecki - Verstärkung von CP 3


    Revolutionäre auf St. Alvarez
    Inazuma - Anführer
    Lord Victor - Offizier


    Kajal Piratenbande
    Gibbson Roland - Captain

    Marine
    VA Hightower
    GA Senghok
    A Ao Kiji
    Gunji

    Einige Namen
    Elena - Freundin von Keru, Ehefrau von Frederick
    Joseph - 2. Offizier (Tod)
    Geheimer Cpt. - unbekannt
    Jaffar - unbekannt
    Orka - unbekannt
    Dr. Elloy Yves - Wissenschaftler bei Dr. Vegapunk (verschollen/Tod)
    Balthasar - Anführer der Revolutionäre




    Die neuesten Kapiteln werden von nun an hier erscheinen. Vorher gebe ich Euch aber noch zwei Lebensläufe (werden bald hier erscheinen^^).

    Prolog (Lebenslauf)
    Spoiler anzeigen
    Die folgenden Lebensläufe sind zwei wahren Alleskönnern in ihrem Fach gewidmet. Jeder von ihnen hat mehr Abenteuer erlebt, als so manch eine Legende. Sie waren jeweils in allen vier Blues, haben jeweils die Grand Line mehrmals durchquert und waren nicht selten auf dem Calm Belt.
    Einer von ihnen ist mal von einem Seekönig gefressen worden und kam dennoch unversehrt wieder raus. Der Andere war sogar mal auf dem Grund des Meeres.
    Zusammen haben sie mehr als 1000 Freundschaften geschlossen und waren u.A. Freunde von Captain Smoker, Gol D. Roger, VA Garp, Dragon, Shiryuu, Balthasar, Gan Fort und Mihawk Dulacre.
    Sie sind zusammen fast 200 Jahre alt und immer noch gut dran.
    Sie haben jeweils Menschen erfreut, in den Wahnsinn getrieben, ermordet, gerettet, beschützt und bei ihrem ersten Aufeinandertreffen sogar ein Königreich zu Fall gebracht.
    Mal sehen was bei ihrem zweitem, jetzigem Aufeinandertreffen passieren wird...

    Das bisherige Leben von...

    Coming soon...
    Lebenslauf 1
    Spoiler anzeigen
    Das erste Objekt hatte seine Geburtsstunde 91 Jahre vor den aktuellen Ereignissen. Durch viel Aufwand und dank mehreren Spezialisten, erblickte es das Licht dieser Welt. Mit schweißtreibender Arbeit und viel Liebe, bekam es schließlich eine Form. Sie war zeitlos, elegant und sehr 'schnittig'.
    Ja, die Rede ist von 'Nr. 23 für Herr Sean Jaques', ein Messer aus der Meisterschmiede von Meister Demirky, welches ein gewisser Sean Jaques in Auftrag gegeben hatte und in der Schmiede allgemein so bezeichnet wurde. Da das Messer keinen weiteren Namen bekommen hatte, und 'Nr. 23 für Herr Sean Jaques' zugegebenermaßen etwas lang und unpassend für ein Name ist, nennen wir es einfach 'Nr. 23'.

    Ganze 300 Arbeitsstunden waren nötig, um Nr.23 die nötige Perfektion zu verpassen. Mehrere Stahlplatten mussten mehrfach gebogen, geschliffen, gereinigt und diamantisiert werden, damit das Messer die Aufschrift 'Meisterschmiede Demirky' in Form einer Gravierung verdienen durfte.
    Bei der Produktion dieses Messer aber, war Meisterschmied Demirky gerade zum ersten Mal Vater geworden. Er war so glücklich darüber, dass er den Mitarbeitern drei Monate lang doppeltes Gehalt versprochen hatte. Dadurch waren alle im Betrieb sehr gut gelaunt und gaben sich extra viel Mühe. Und somit bekam Nr. 23 eine viel bessere Qualität, als es die Messer von der Meisterschmiede Demirky ohnehin schon waren.

    Herr Sean Jaques konnte sich aber nur kurz an dem Messer erfreuen. Bei einer Reise mit dem Zug hatten vier Strolche mehrere Gegenstände aus dem Gepäck des gerade schlafenden Abenteurers geklaut, darunter auch Nr. 23.
    Die Halbstarken interessierten sich aber nur für das Bargeld und Edelsteine, die der Herr Sean Jaques auf seinen Abenteuern gesammelt hatte. Den Wert des Messer haben sie nicht einschätzen können und warfen es am nächsten Bahnhof in den Mülleimer.

    In der darauffolgenden Zeit war Nr. 23 im Besitz eines Obdachlosen, der danach keine Probleme mit Dosenfutter hatte; im Besitz eines Fischers, eines Postboten, einem Lehrer und einer Hausfrau – in dieser Reihenfolge. Bis es schließlich bei einem jungen Mann namens Gan Fort als Geschenk landete, der die Hausfrau zwei Jahre lang als Ehemann in ihrem Leben begleitet hatte. Mehrere Jahre waren schon seit der Fertigstellung von Nr. 23 vergangen.
    Als Gan Fort dann beschloss, in seiner Heimat Skypia, der neue Gott zu werden, und die arme Frau deswegen verließ, schenkte er Nr. 23 den ersten Bewohner Skypias, der ihm bei seiner Rückkehr in seiner Heimat über den Weg lief.

    Viele weiter Jahren waren vergangen und Nr. 23 wanderte währenddessen innerhalb der Familie des Mannes hin und her. Bis irgendwann Gol D. Roger auf Skypia auftauchte und zufälligerweise die Tochter des damalig aktuellen Besitzers vor dem Ertrinken innerhalb der Wolken rettete.
    Das Gold als Dank abweisend, wollte Roger nur das Messer von dem Besitzer haben - den er zufällig an dessen Gurt sah - weil die Schnürsenkeln seiner Stiefeln ihm wieder Ärger bereiteten und er dieses Mal seine Drohung, dass er sie zerschneiden würde, falls sie nochmal ineinander geraten würden, gegenüber den Senkeln wahr machte.

    Ohne in dem Messer einen Nützen für sich zu sehen, überreichte Roger Nr. 23 an VA Garp als Dank. Der jedoch konnte damit genau so wenig anfangen und gab Nr. 23 an seinem Sohn weiter. Keiner seiner Besitzer schien die Qualität zu erkennen, die in dem Messer steckte – wie auch Dragon, der Nr. 23 fahrlässig in einem Wald verlor.

    Verbunden mit weiteren wechselnden Besitzern, machte Nr. 23 Bekanntschaften mit etlichen Tierkehlen, menschlichen Nieren und andere Körperteilen.
    Es wurde auch schon Mal über Bord geworfen. Der Grund für das Verhalten des damaligen Besitzers wurde nie aufgeklärt.
    Immer weiter gen Meeresboden sinkend, wurde Nr. 23 zu allem Übel auch noch von einem Seekönig als Futter betrachtet und entsprechend verschluckt.
    Während Nr. 23 sich über die Entwicklung seines Daseins ärgern konnte, sofern es ein Bewusstsein hatte, freute sich ein im Magen eines Seekönigs gelandeter Seemann um so mehr, ein Messer in diesem, für Menschen doch sehr lebensfeindlichem Ort gefunden zu haben. Des einen Freud ist des anderen Leid. Der Seekönig war weniger erfreut über die Bekanntschaft von Nr. 23 mit dem Seemann...

    Weitere Jahre später, bekam Nr. 23 seinen bis dahin größten Auftritt: Versteckt in einem Behälter, wodurch den Wachmännern vor Ort die Erkennung einer potenzielle Gefahr verwehrt blieb, wurde Nr. 23 in den Konferenzsaal von Zutra geschmuggelt.
    Der Besitzer hatte vor, einen Anschlag auf Prinz Eugen von Zutra zu starten, was ihm auch geglückt war. Dadurch wurden alle Verhandlungen von Zutra mit den Nachbarstaaten abgebrochen und das Königreich zerfiel innerhalb weniger Monate in sich zusammen.

    Schließlich bekam ein Typ namens Keane Nr. 23 in die Hand und dieser schenkte das Messer seinem erwachsen gewordenem Sohn Gassell.
    Und von seiner Qualität hatte Nr. 23 so gut wie nichts eingebüßt. Ein Grund, um sein Lebenslauf ausreichend zu würdigen.


    Lebenslauf 2


    Hier geht es mit Kapitel 25 weiter.
    Kapitel 25: 'Der Hügel'
    Spoiler anzeigen
    Sie hatten sich tief hingelegt. Am Fuße des Hügels, wo das Hof von Lord Victor stand, hatte man sich formiert. Alle Beteiligten der Mission waren pechschwarz angezogen. Sogar für Isurus hatte man passende Kleider finden können. Etwas ungewohnt war die Situation für Keru schon. Bis heute trug er während der Schlachten entweder die sarandokanische Rüstung oder die Offiziersuniform der Marine, nie aber war er in so einem Anzug der Cipher Pol. Von Außen betrachtet sah sein Outfit aus wie eine Kombination aus einer schlichten Hose und einer Jeansjacke. In Wahrheit waren die Textilien aber dehnbar und wasserabweisend. Die Kleidungsstücke waren sehr leicht und saßen angenehm am Körper. Um sich als CP-Agent voll auf die Mission und Gegner konzentrieren zu können, durfte man dabei natürlich nicht an die lästige und ungemütliche Kleidung denken. Deshalb wohl dieser ungewohnte Stoff.
    Außerdem mussten alle Schwertkämpfer, also die meisten aus Kerus Mannschaft, ihre Schwerter in Scheiden aufbewahren, und diese im losen Zustand immer in einer Hand griffbereit haben. An den Scheiden waren jeweils Gurte zum Umschnallen befestigt, falls man beide Hände für was anderes, wie z.B. das Klettern, brauchen musste.
    Und obwohl jeder schwarze Kleidung an hatte, und sie somit in der Dunkelheit fast unsichtbar waren, lagen alle auf ihren Bäuchen und hörten Hank zu, der nach vorne gerobbt war und sich gegenüber der Mannschaft hingesetzt hatte.

    „Also gut meine Damen und Herren, es ist gleich soweit. Sobald die jeweiligen Gruppen Alpha, Beta und Delta sich in Position gebracht haben, werdet Ihr mir per Teleschnecke das Zeichen geben. Ich gebe das Signal unserer Bereitschaft dann an die Zentrale weiter. Wenn wir das Startsignal bekommen, geht Ihr wie geplant voran. Wir werden versuchen, so viele Feinde wie möglich, leise auszuschalten.
    Am Haupttor angelangt, werde ich mich mit Team Alpha durch den Eingangsweg durchschlagen. Spätestens dann werden sie Bescheid wissen, dass sie angegriffen werden. Da werden die meisten Wachen hinrennen. Hoffentlich können wir dort genug Männer beschäftigen, so dass Beta und Delta so wenig wie möglich abgelenkt werden.
    Dann wird Beta mit Nick und Keru den Hintereingang stürmen. Die restlichen Männer Inazumas werden dort hinrennen.
    Dann kann Gassell in aller Ruhe die Wand sprengen und mit Delta sich möglichst ohne Umwege in das Hauptgebäude begeben.
    Es steht euch frei, ob Ihr zusätzlich noch wichtige Gebäuden wie die Kalligrafiewerkstatt, die Waffenkammer oder die Dechiffrierungskammer zerstören wollt. Nur sollten diese Vorhaben nicht die eigentliche Mission in Gefahr bringen, und die lautet: die Gefangennahme von Inazuma. Wenn Ihr aber merkt, dass die Gefangennahme nicht vollzogen werden kann, aus welchen Gründen auch immer, ist es besser ihn zu eliminieren, satt Gefahr zu laufen, ihn entkommen lassen zu können. Alles klar, noch Fragen?“, beendete Hank seine Ansprache sehr leise aber deutlich.
    Aus der Truppe kamen keine weiteren Fragen. Somit befahl Hank allen sich auf ihre Posten zu begeben - natürlich so leise wie möglich.

    Ritaré und Adrian blieben an Ort und Stelle. Sie sollten die Nachhut darstellen. Sobald grünes Licht gegeben werden würde, würde Ritaré sich mit seinem Medizinkoffer so schnell wie möglich auf den Weg machen. Adrian sollte ihm dabei helfen und eventuell beschützen.
    Alle anderen schlichen in Formation zu ihren Positionen. Hank ging voran, hielt nur wenige Meter weiter oben an. Er ballte die Faust und gab seinem Team somit zu verstehen, dass sie hinter ihm stehen bleiben sollten.
    Der Hof, welches umringt von einer hohen Mauer war, war selbst in der Dunkelheit relativ gut sichtbar. Die Lichter, die im Inneren des Hofes brannten, gaben eine gute Übersicht über ihre Lage. Am deutlichsten war der recht hohe Turm sichtbar. Die Anlage wurde früher zur Herstellung von Tabak genutzt. Laut dem Spion beinhaltete es sowohl die alten Maschinen zur Herstellung des Tabak, als auch den Schornstein, in der Mitte des Turms.
    Erst vor wenigen Jahren wurde die stillgelegte Fabrik zu einem Luxushof umgebaut.
    Team Alpha wartete mit Hank als Anführer auf das Zeichen der anderen Teams.

    Keru rannte geduckt Nick hinterher. Für ihn, als auch für Ram und Marv war es schwierig, Nick zu folgen. Dieser flog regelrecht über das Gras hinweg. Geduckt und mit kleinen aber wahnsinnig schnellen Schritten schritt er fast geräuschlos Richtung Ausgangspunkt am hinterem Eingang. Um Schritt zu halten, mussten die Soldaten öfters aufrecht laufen. Dabei produzierten sie weitaus mehr Geräusche als Nick.
    Hin und wieder blieb Nick abrupt stehen, kniete sich nieder und hob die geballte Faust, weil er dachte, Stimmen gehört zu haben. Die Jungs aus der Marine bemerkten es oft erst einige Sekunden später, dass sie anhalten und ruhig bleiben mussten, weil sie Nicks Position keuchend erst wenig später erreichen und realisieren konnten, dass Nick anhielt.
    Die drei Soldaten waren in der Regel sehr fit, nur wirkten sie im Vergleich zum CP-4 Agenten wie übergewichtige Steakhousebesitzer.
    Schließlich kamen sie am Ausgangspunkt an. Ohne irgendein Wort an Keru und Co. zu verlieren, setzte Nick sich mit dem Rücken zum Hintereingang hin, gab per Teleschnecke ein leises „Bereit“ durch und drehte sich zunächst eine Zigarette. Mit dem Rücken zum Hof setzte er sich vermutlich deshalb hin, um die Glut der Zigarette zu verstecken. Dabei kam wieder einmal die ausgesprochen schnittige Tabakdose zum Vorschein.
    „Sind wir da?“, flüsterte Keru angespannt in Richtung Tor blickend.
    Mit dem Filter im bärtigem Mund und den Rest der Zigarette drehend, nickte Nick bloß.

    Genau wie Keru und die Anderen, mussten Frederick und Cassagnol sich ebenfalls deutlich Mühe geben, um Shoshana und Gassell nicht davonlaufen zu lassen.
    Ähnlich wie Nick, gingen die beiden CP Agenten sehr präzise vor. Bei dem leisesten Verdacht auf Feindkontakt, blieben sie katzenartig stehen und beäugten die Umgebung. Erst nachdem sie beide hundertprozentig sicher waren, dass keine Gefahr auf das Auffliegen durch Revolutionäre bestand, fuhren sie fort.
    Team Delta hatte den weitesten Weg zur vereinbarten Position. Sie musste, in einem großen Bogen, um die halbe Anlage rennen. Frederick und Cassagnol mussten mehrmals die Arme wechseln, mit dem sie die Scheide samt Schwert tragen mussten. Auf Dauer ermüdete sich die Armmuskulatur beider Marine-Soldaten.
    Auch sie kamen schließlich an. Gassell blickte noch auf die beiden Nachzügler und gab Shoshana durch ein Nicken das Zeichen zur Bereitschaft.
    Shoshana griff zur Teleschnecke: „Wir sind in Position und bereit. Von uns aus kann es losgehen.“
    Gassell bereitete den Sprengstoff vor. Eine Spezialität des CP-4 Agenten, der den Sprengstoff kurz 'C-4' nannte.

    Hank erhielt seine erhofften Bestätigungen und rief die Zentrale an: „CP-4 mit Hank auf St. Alvarez bereit zum Angriff“.
    In Ordnung Hank. Fehlen nur noch CP-2, CP-6 und CP-9“, ertönte eine tiefe Stimme.
    Wenig später hörte man ein: „CP-9 mit Lucci ist bereit.“ Diesem Funkspruch folgten zwei weitere: „CP-2 mit Renzo bereit“, „CP-6 mit Amy zur Stelle.“
    Damit waren die CP-Einheiten vollzählig. Nun ergriff wieder der Mann mit der tiefen Stimme das Wort: „Nun gut. An alle CP-Einheiten, die globale Operation wird in die entscheidende Phase eingeleitet. Ein ganzes Jahr haben wir darauf hingearbeitet. Nun müssen wir die Früchte der Arbeit ernten. Unterschätzt den Feind ja nicht. Wenn wir insgesamt keinen Erfolg erzielen können, kann es übel enden. Packen wir die Saat des Teufels bei den Wurzeln, bevor diese ihre Ranken der Dunkelheit über die ganze Welt verteilen kann.
    Sobald ich das Zeichen gebe, herrscht absolute Funkstille! Wir brauchen unsere größtmögliche Konzentration. Also, viel Erfolg CP-Agenten. Das Schicksal der Welt liegt in euren Händen. Lasst den Gegner die Macht der absoluten Gerechtigkeit spüren und befreit die Bürger dieser Welt von diesem Abschaum.
    Nun geht jetzt! Die Mission hat in diesem Augenblick angefangen. Macht, dass die Weltregierung stolz auf euch sein kann und viel Glück. Zentrale ende. Funkstille ab jetzt!“

    Und der Kampf hatte begonnen...
    Lageplan zur Orientierung (updated)
    Spoiler anzeigen


    Ab Kapitel 29:

    Kapitel 26: 'Angriff durch Alpha'
    Spoiler anzeigen
    Team Alpha:
    Hank – Stärke 15
    Kalifa – Stärke 13
    Shin – Stärke 11
    Isurus – Stärke 11
    Craig – Stärke 6

    Legende: der Begriff 'Stärke' und der damit verbundene Wert spiegelt nicht die reine Körperkraft wieder. Sie beinhaltet eher alle Fähigkeiten wie: Nahkampf, Fernkampf, Schwertkampf, Geschick, Kampfverhalten usw. zusammen und zeigt, wer in diesem Fall der Erstürmung auf den Hof am effektivsten ist.
    15 ist die Stufe von Hank, der als effektivster Angreifer betrachtet werden sollte. 1 ist in diesem Fall Ritaré, der als alter Arzt die unbrauchbarsten Eigenschaften mitbringt.

    Nachdem Hank mit Team Alpha weiter hoch auf den Hügel gerannt war, blieb er ca. 50 Meter vor dem Tor stehen. Alle anderen taten es ihm nach.
    Vor dem Haupteingang waren drei Wachen postiert. Die Stimmung der Männer war wohl gut, man hörte lautes Tratschen und Lachen. Offenbar rechnete keiner von ihnen mit einem möglichem Angriff. Ein Indiz dafür, dass Lord Victor, aufgrund seiner Macht, wenige Feinde fürchten musste. Es würde wohl kaum einer auf der Insel wagen, den Baronen anzugreifen.

    Hank blieb mit seiner Mannschaft etwas schräg links vom Tor. So konnte man außerhalb des Sichtfeld des Turmes bleiben, welches vielleicht Späher beherbergte.
    Hank ermahnte vorsichtshalber die Soldaten mit einer Geste, in dem er sein Zeigefinder vor die Lippen legte, um ihnen klar zu machen, dass sie still bleiben sollten.
    „Ruhig verharren, bis ich das Zeichen gebe“, flüsterte er.
    Shin und Craig verhielten sich vorbildlich ruhig. Nur Isrurus´ Herz pochte stark. Aufgrund seines großen Körpers, dessen Masse alle vier Anwesenden buchstäblich in den Schatten stellen würde, befürchtete er, die Position des Teams verraten zu können und dass er somit seine Kameraden in Lebensgefahr bringen könnte.

    „Könnt Ihr die Stellung kurz zu zweit halten? Ich gehe mal um die Ecke Pinkeln“, sagte einer der drei Wachen zu den anderen Beiden.
    „Verdammt Adam, kannst du nicht im Hof Pinkeln, wie alle anderen auch?!“, sagte einer der anderen beiden mit einer nicht ganz ernst zu nehmenden Miene.
    „Der Weg ist mir zu weit! Warnt mich einfach mit einem Pfiff, falls die Aufsicht kommt“, grinste der Mann, der anscheinend Adam hieß.
    Hank registrierte sofort, dass sich einer der Wachen entfernte und um die Ecke zur Außenwand ging. Er blickte über die rechte Schulter um Kalifa zu ernennen. Jedoch war sie nicht mehr auf ihrem ursprünglichem Platz. Zur Hanks Überraschung, hatte sie das kommen sehen und begab sich zur Hanks Linken, wodurch Hank sich etwas erschrocken hatte, als er das wahrnahm.
    „Soll ich übernehmen?“, fragte sie sehr kühl, das Opfer fest im Blick habend.
    „Genau, dass ist die Gelegenheit“, antwortete Hank.
    „Sollte ich das nicht übernehmen meine Hübsche? Es wäre vielleicht besser, wenn du deine Kräfte sparst“, fragte Craig, ungewollt arrogant klingend und kassierte sich ein unmittelbares „Psst!“ von Hank ein. Da sprintete die CP-7 Agentin schon los.
    Das letzte, was Adam in seinem Leben fühlte, der schon zum Pinkeln angelegt hatte, waren zwei zierliche Hände um sein Kinn und Genick, die geräuschlos zugepackt hatten. Bevor er bemerkte, dass aufgrund dieser Berührung jemand hinter ihm stehen musste, lag er schon regungslos auf dem Boden.

    „Oh man, gestern musste ich wiedermal die geheime Post von Gestern zum Hof bringen. Mein Rücken tut mir immer noch weh“, sagte Wache Nummer 2 zu Wache Nummer 3.
    „Tja, unsere Spione leisten gute Arbeit. Seit Wochen werden wir von lauter Informationen regelrecht zugeschüttet.“
    „Warte, ist das der Aufseher?“, fragte Nr. 2, durch das Tor in den Inneren des Hofes blickend.
    „Scheiße, das ist er! Wo ist Adam?“, fragte der andere hysterisch.
    „Hey, Ihr da! Wo ist der Dritte von Euch!?“, wollte der Mann aus dem Innenhof wissen.
    „Ähhm, der ist gerade beschäftigt“, brachte einer der beiden noch heraus.
    „Verdammt! Pinkelt wieder einer an die Außenwand!? Wie oft muss ich das noch sagen? Wenn jede Wache, jede Nacht an die Wand pinkelt, stinkt das nach einer Weile nach einem Komposthaufen da draußen! Warum zum Teufel hat man die Toilette erfunden, Ihr Höhlenmenschen? Sagt dem Spinner, dass er eine Woche lang Latrinendienst hat! Ist ja nicht zu fassen!“ Der Aufseher ging wieder den Eingangsweg hinein.
    „Adam! Ich habe dir gesagt dass du drinnen Pinkeln sollst. Jetzt hast du dir ne Strafe eingehandelt...“ Die Wache bekam keine Antwort. „Adam, hast du gehört?“ Wieder keine Antwort. Das machte den Fragenden stutzig... „Was macht dieser Kerl bloß? Ich gehe mal nachsehen.“ Die zweite Wache ging ebenfalls um die Ecke um nachzusehen.
    Die letzte Wache, die zurückgeblieben war, wollte sich an die Wand lehnen und formte seine Lippen bereits, um zu Pfeifen. Plötzlich hörte er ein helles „...gan“ und das Zerreißen eines Stoffes. Das Geräusch kam um die Ecke, wo die zweite Wache gerade verschwunden war. Anschließend hörte er ein dumpfes Geräusch und sah, wie der leblose Körper seines Kameraden um die Ecke hinfiel.
    Einzig ein „Was zum...“, war aus dem Mund der letzten Wache zu hören, als auch er durch ein 'Shigan' das Zeitliche segnete.
    Hank zog seinen Finger aus dem Rücken seines Opfers heraus, der sich inzwischen von Hinten angeschlichen hatte. Als jedoch die Leiche vornüber kippte, kam sie mit der Hand an das Eisentor, was einen dumpfen Klang nach sich zog.
    Der Aufseher, der sich noch nicht weit genug entfernt hatte, wurde auf das Geräusch aufmerksam. Er drehte sich um und ging in Richtung Tor, als er zunächst nichts erkennen konnte. Was der Aufseher sah, war die Leiche der Wache auf dem Boden und ein ganz in schwarz gekleideter Mann. Hank bemerkten ihn ebenfalls und sah die geweiteten Augen des Mannes, bereit jeden Augenblick Alarm zu schlagen. Hank rief blitzschnell „Soru!“ und tauchte direkt vor dem Mann wieder auf. Hanks erste Shigan-Attacke konnte der Mann mit Mühe, jedoch mit Erfolg ausweichen. Als er dann los schreien wollte, schnellte ein Handkantenschlag hervor und traf den Aufseher an der Kehle.
    Der Man sackte, seinen Hals haltend, auf den Boden zusammen und fiel dabei auf eine Terrakottavase. Diese zerbrach nicht vollständig, machte für den Geschmack des CP-4 Anführer aber ein viel zu lautes Geräusch. Er hielt augenblicklich inne. Er rechnete damit, dass sie endgültig auffliegen würden, aber zu seiner positiven Überraschung, hatte Keiner was von ihnen mitgekriegt, obwohl er schon im Gelände war.
    Kalifa war auf die Mauer gesprungen und sah sich das mit an. Auch sie rechnete damit, aufgeflogen zu sein. Als sie genau wie Hank sah, dass sie noch unbemerkt waren, machte sie einen Satz in den Hof.

    Besser konnte es für die Angreifer gar nicht laufen. Shin stand mit Craig und Isurus bereits vor dem Tor. Der Bootsmann der Dunkerk fand beim Durchsuchen eines der Leichen einen Schlüssel. Nach nur wenigen Versuchen, hatte er das Richtige für das Haupttor gefunden und öffnete diesen. Team Alpha war nun vollständig im Hof.

    Sie schlichen an der Ost-Wand entlang, bis sie nicht mehr weiter konnten. Am Ende angelangt, riskierte Hank einen Blick um die Ecke. Er sah einige Männer vor der Rampe zum Turm stehen. Außerdem unterhielten sich einige vor der Kalligrafiewerkstatt. Hank wanderte mit seinem Blick an den Fenster der übrigen Gebäude entlang und bemerkte zu seinem Unwohl, dass ein Mann aus dem Fenster gegenüber sie gesehen hatte. Dem offenen Mund und überraschtem Blick des Mannes nach zu urteilen, hatte er die Agenten eben erst gesehen.
    Hank sah ihm in die Augen und der Mann rannte hastig ins Innere des Zimmers.
    „Macht euch bereit“, befahl Hank.
    Gleich darauf war eine sehr laute und lang gezogene Sirene zu hören. Der Mann hatte Alarm geschlagen. Neben der Sirene, ertönte auch eine Stimme eines Mannes aus einem Megaphon: „Achtung an Alle! Wir werden angegriffen! Mehrere Angreifer sind schon im Hof! Begebt euch schnell zum Haupteingang und macht, wenn möglich, Gefangene!“

    Die Angreifer verteilten sich auf die Straße.
    „Wir müssen die Eigenschaften der Anlage ausnutzen! Bootsmann, wie war dein Name nochmal!?“, schrie Hank.
    „Shin!“, antwortete dieser.
    „Du kommst mit mir. Wir müssen an dem Platz vor der Kalligrafiewerkstatt und dem Turm vorbei rennen und die ankommenden Feinde, in der engen Straße zur Hauptgebäude, aufhalten.
    Der Rest von Alpha fegt den Platz vor dem Turm leer! Auf geht’s!“

    Die Angreifer hatten sofort verstanden. Gleichzeitig rannten sie auf den Platz, wo sich einige Feinde schon versammelt hatten. Sofort begann Kalifa, mit ihrer beeindruckenden Schnelligkeit die Feinde anzugreifen.
    „Hey! Das junge Mädel darf nicht allein gelassen werden“, schrie Craig, zog sein Schwert aus der Scheide und rannte in die Menge. Ebenso Isurus, der den Schwertangriff des ersten Feindes locker mit bloßen Händen parierte, und den Kopf seines Gegenübers, mit der anderen Hand packend, regelrecht durch die Außenmauer schlug. Das Geräusch, das dadurch entstand, ließ vermuten, dass der Schädel des Mannes wohl eher nachgab als die Mauer.
    Hank und Shin nutzten diese Gelegenheit, um durch das Durcheinander zu rennen und die bereits eintreffenden neuen Feinde in der engen Gasse zu empfangen.

    Auch aus dem Turm kamen Feinde hinunter. Nach dem Erkennen der angreifenden CP-Einheiten, griffen die Revolutionäre ihrerseits an.
    Kalifa verließ sich ausschließlich auf ihre Rokushiki-Techniken. Da sie körperlich kleiner und mit weniger Schutz ausgerüstet war als die meisten Feinde, musste sie flink sein und gezielt angreifen, was ihr auch gut gelang.
    Craig dagegen hatte mehr Mühe und musste sich schon sehr konzentrieren, um nicht etwa verletzt zu werden. Das war das einzige, was er momentan tun konnte – versuchen nicht getroffen zu werden. Ein eigener Angriff kam deshalb zunächst nicht in Frage. Als Oberkanonier ist man nicht unbedingt der beste Schwertkämpfer.
    Und während Craig mit den Revolutionären seine liebe Mühe hatte, streckte Isurus einen Feind nach dem anderen nieder. Mit heftigen Ohrfeigen, zwang er einem nach dem anderen in die Knie. Dabei wurden die wenigsten schwer verletzt, jedoch waren die Meisten danach schwer beeindruckt.

    Währenddessen im Turm: „Wir werden angegriffen?“, wollte ein in schwarz gekleideter Mann von einem anderen wissen.
    „Jawohl Offizier Mancoo. Die Angreifer sind vor dem Turm!“, antwortete der Andere.
    „Wo ist mein Bruder?“, fragte dieser Mancoo.
    „Mikey habe ich eben noch oben gesehen.“
    „In Ordnung. Gehe nach unten und sage den Jungs, dass ich auch gleich komme.“
    „Jawohl, 'Wiesel' Mancoo!“
    Kapitel 27: 'Angriff durch Beta'
    Spoiler anzeigen
    Team Beta:
    Nick – Stärke 13
    Keru – Stärke 12
    Ram – Stärke 7
    Marv – Stärke 11

    Nick steckte die Teleschnecke wieder ein. „Es geht los“, sagte er, ohne die Zigarette aus dem Mund genommen zu haben. Er dreht sich zum Hintereingang und versteckte die Zigarette hinter sich. Dann rannte er geduckt weiter hügelaufwärts. Die Soldaten folgten ihm.

    Nachdem Nick in Hörweite der zwei Wachen war, blieb er stehen. Die Soldaten knieten ebenfalls nieder.
    Sie blieben dort bis auf Weiteres stehen.
    „Wir warten auf den Alarm, richtig?“, fragte Keru Nick, um sich noch mal zu vergewissern.
    Nick nickte.
    „Und wie gehen wir bei den zwei Wachen vor?“, wollte der Kapitän des Weiteren wissen.
    „Wir schalten sie aus“, antwortete Nick ganz knapp.
    Keru blickte ihn weiter an, in der Hoffnung, dass der Agent ein wenig mehr Details des geplanten Vorgangs nennen würde. Nick bemerkte den fragenden Blick Kerus und fühlte sich verpflichtet, dem Marinekapitän gegenüber deutlicher zu werden und diesen nicht im Dunklen tappen zu lassen. „Wir töten sie“, erklärte ihm Nick.
    „Das habe ich schon verstanden! Aber wie?“, fragte Keru ungeduldig.
    „Hast du noch nie jemanden getötet?“, fragte Nick erstaunt, in der Befürchtung, dass er den Soldaten jetzt erklären musste, wohin sie mit den Schwerter zustechen sollten.
    „Sage mir einfach, welchen der Wachen du übernimmst“, seufzte Keru etwas entnervt.
    „Du nimmst den Linken, ich den Rechten“, sagte Nick.

    Wenig später ging auch schon der Alarm los. Beide Wachen sprangen auf und guckten hastig in den Innenhof.
    „Jetzt!“, rief Nick und Keru rannte mit Nick den letzten Stück des Hügels rauf.
    Nick verpasste den rechten Wächter einen heftigen Handkantenschlag gegen den Hals. Das war nicht unbedingt die feinste Art, erzielte jedoch sofort die gewünschte Wirkung – der Wächter sackte in sich zusammen.
    Keru sprang hinter dem linken Wächter in die Luft und bohrte dem Unwissenden Revolutionären seinen Schwert, von Oben, in den Ansatz des linken Schlüsselbeins hinein. Eine Methode die ursprünglich dafür gedacht war, schwerverwundeten Soldaten, die starke Schmerzen erlitten und keine Chance auf Überleben hatten, schmerzlos von ihren Qualen zu befreien. Dazu stieß man ein dünneres Schwert, wie Keru eines hatte, direkt in das Herz des Betroffenen. Gute Einstoßwinkel ergaben sich üblich zwischen den Rippen, oder halt am Schlüsselbein. Da Keru Offizier in der sarandokanischen Legion war, musst er diese Methode anwenden - öfters als ihm lieb war.
    Somit fügte Keru dem Revolutionär die schmerzlose und letzte Niederlage seines Lebens zu.
    Ram und Marv waren auch schon da und Letzterer durchsuchte die Wache nach Schlüsseln ab.
    „Verdammt!“, schrie Nick plötzlich auf. Alle Anwesenden schreckten auf und zogen schon ihre Schwerter.
    „Was ist passiert!?“, rief Keru erschrocken.
    „Die Glut meiner Zigarette ist mir runter gefallen!“, verkündete Nick völlig entrüstet.

    Die vier Herren betraten wenig später den Hof. Anders als im Haupteingang, wo man eine längere Straße entlang laufen musste, um bei den ersten Häusern anzukommen, war man am Hintereingang, nachdem man diese passiert hatte, direkt im Hof.
    Nicht gerade Viele, schienen die Eindringlinge zu sehen. Da der Alarm am Haupteingang geschlagen wurde, rannten dementsprechend die meisten Revolutionäre dort hin.
    Keru nutzte die Situation aus und befahl den Anderen in die Stall zu laufen. Nick war es ganz egal, ob nun er oder Keru die Befehle geben würde. Also machte er das, was Keru sagte. Der Marinekapitän war als Führungspersönlichkeit eh besser geeignet.
    Sie gingen also in den Stall und betrachteten durch das Tor erst mal das Geschehen. Keru versuchte den idealsten Zeitpunkt vorherzusehen und wollte den Männern dann das Zeichen zum zweiten Überraschungsangriff geben. Ein „macht euch bereit!“, verließ seinen Mund, während er hochkonzentriert hinaus spähte.
    Ram sah sich in dem Stall um und erkannte die vielen Pferde. Schnaufend und unbeeindruckt, standen sie im Stall. Der rustikale Geruch des Stalles war auch nicht ganz ohne. Da schoss Ram eine Idee durch den Kopf. „Cpt., können wir nicht die Pferde benutzen?“, fragte er aufgeregt.
    Keru drehte sich um, sah zu den Pferden, dann zu Ram. „Was hast du vor Ram?“, fragte er interessiert, nachdem er Rams typische Tonlage bei dessen Frage richtig einschätzen konnte, die meist eine gute Idee ankündigte.
    Um den Lesern und Leserinnen die lange Antwort zu ersparen, gehe ich gleich zur Rams geplanter Aktion über. Die Box eines jeden Pferdes wurde aufgemacht. Nick schloss das Tor zur Straße, durch das sie hinein gekommen waren und Keru öffnete im Gegenzug das Tor zum Übungshof. Ram und Marv trieben die Pferde im Innern des Stalles zusammen. Soviel zu Rams Plan.
    Anschließend fragte er nach Nicks neue Zigarette. Dieser gab die Zigarette nur widerwillig her, weil er sie gerade erst gedreht habe. Ram ging zum letzten Pferd, verschaffte sich einen Sicherheitsabstand und drückte die Zigarette auf der Hüfte des Tieres aus. Das betroffene Pferd wieherte entsetzt und richtete sich dabei geschockt auf. Dadurch bekamen die Pferde einen Massenpanik. Keru gab dem ersten Tier noch einen Klaps mit, warf sich schützend zur Seite und die Pferde rannten wie vom Donnerwetter zugesetzt auf den Übungshof raus.
    Es waren um die 30 Tiere, wodurch draußen auf dem Hof ein noch größeres Chaos entstand. Die Revolutionäre draußen staunten nicht schlecht, als die Pferde scheinbar ohne Fremdenhilfe, aus dem Stall wild hinaus rannten.

    Keru öffnete wieder das Tor zur Straße und die Marinesoldaten rannten in den Hof. Nick gab Delta per Teleschnecke Bescheid und rannte ebenfalls raus.
    Bis der erste Revolutionär überhaupt bemerkte, dass unter den ganzen Pferden sich auch Fremde in dem Stall aufhielten, waren die ersten drei bereits Tod.
    Nun begriffen die Hausherren, dass sie auch von der anderen, der Hinterseite angegriffen wurden.
    „Aaaachtuung! Die Feinde haben uns umzingelt! Sie kommen auch von Hinten!“, warnte einer von Inazumas Leuten. Die übrigen Revolutionäre, die noch nicht zum Turm gerannt waren, orientierten sich auf Kerus Gruppe. Jedoch waren es hier deutlich weniger feindliche Kämpfer, da die meisten schon zum Haupteingang geeilt waren.
    Jedoch waren unter diesen wenigen Feinden auch zwei Offiziere. Coray, ein mittelgroßer Mann mit langen, weißen Haaren war der erste Offizier, der Keru und co. sah. Sofort stürzte er sich auf Keru und verpasste ihm einen schwungvollen Hieb mit seinem Breitschwert. Keru konnte den Angriff parieren, wurde jedoch nach hinten geworfen. Marv fing seinen Kapitän auf, bevor dieser hinfallen konnte. Das Breitschwert des Gegners war wahrhaftig wuchtig. Keru war über die plötzlich stärker gewordenen Gegner überrascht.
    Nick sah den Angreifer von Keru, spuckte den Filter aus seinem Mund und steckte schnell die Tabakdose weg. Dabei handelte er so hastig, dass er seine Nebentasche an der Hose verfehlte und die Tabakdose auf dem Boden landete. Das bemerkte der CP-Agent nicht und rannte Richtung Keru. „Bei diesem Kerl müsst Ihr aufpassen! Das ist Coray, einer der Offiziere. Bei dem müsst Ihr vorsichtig sein!“, warnte Nick sie. Dabei sah er erst spät, dass Jekhar, der andere Offizier, seinen Hammer bereits geschwungen hatte und diesen auf den Agenten schmetterte. Gerade noch rechtzeitig konnte Nick den 'Tekkai-Gou' aktivieren, um so das schlimmste zu verhindern. Er wurde sogar noch weiter als Keru befördert.
    Als Nick stehen blieb, wurde es kurz ruhig zwischen den Angreifern und den Revolutionären. Team Beta wurde klar, dass diese beiden Offiziere deutlich härtere Kaliber waren als der Rest.
    Nach der anfänglichen Hektik, das zwischen beiden Parteien herrschte, wurde es seltsam still. Wenn Nick nicht gleich die stärkste Tekkai-Technik angewendet hätte, würde es ihm nach diesem Schlag wohl übel ergangen sein.
    Die beiden Offiziere von Inazuma kamen dicht zusammen und zeigten stolz ihre Brust. Die übrigen Kämpfer waren ebenfalls stolz, dass die Angreifer ihren Offizieren mit Ehrfurcht gegenüber standen.
    Keru, Nick, Ram und Marv wussten, was sie erwartete – nämlich ein harter Kampf.

    Nun schoss Coray mit seinem Breitschwert hervor und zielte auf Keru. Der konnte, aufgrund dem Überraschungseffekt nicht rechtzeitig reagieren und durfte sich bei Marv bedanken, dass dieser rechtzeitig reagiert und den Angriff für seinen Cpt. parierte.
    Sie hatten die Schwerter gekreuzt und versuchten, den jeweils anderen nach hinten zu drücken. Dabei sahen sie sich sehr ähnlich. Bis auf die Körpergröße, bei der Marv den weißhaarigen Offizier um Längen überragte, sahen sie aus wie zwei Brüder. Coray hatte lange, weiße Haare und der Schiffszimmermann lange, grau-schwarzen Haare.
    Blitzschnell kam die linke Faust von Marv angeflogen und traf Coray im Gesicht. Dieser stolperte zurück und konnte Kerus Schwerthieb, der sich einmischte, gerade noch ausweichen. Die nächsten Kampfhandlungen bestanden darin, dass Coray die Angriffe von Keru und Marv gleichzeitig abwehren musste, was ihm einiges abverlangte.

    Nick stürmte indes auf den großen Jekhar und verpasste den Hammerschwinger einige, schnelle Schlag- und Trittkombinationen, sowohl am Boden als auch zur Luft. Nick war mit 29 Jahren der Älteste und erfahrenste von Hanks Agenten und somit der stärkste der Dreien.
    Jekhar musste die Angriffe mit Hammer oder Händen abwehren. Durch seinen kräftigen Körperbau, richteten Nicks durchgedrungene Schläge keine größeren Schäden bei Jekhar an. Jedoch steckte der Offizier durch seine Trägheit mehr ein, als ihm lieb war.
    Nun stürzten sich jedoch die Revolutionäre auf die Angreifer drauf, um ihren Offizieren zu Hilfe zu kommen. Ram stürzte sich auf die Ankömmlinge, konnte aber nur die Aufmerksamkeit von drei Kämpfer auf sich ziehen. Der Rest rannte gen Keru, Marv und Nick. Dadurch erschwerten sie die Sache für die Angreifer natürlich, und diese mussten nun den vielen Schwerthieben ausweichen, die, Seitens der Revolutionären, sie zu treffen versuchten.
    In diesem Augenblick explodierte hinter den Häusern ein Teil der Mauer. Es wurde besser gesagt gesprengt. Der Knall zog die Aufmerksamkeit aller Kämpfer auf sich – sie hielten inne.
    Zwischen zwei Häusern kam nun eine Frau hervor, die gleich nach ihrem Erscheinen verschwand, nur um hinter einem der Revolutionären aufzutauchen und diesen dann mit einer geduckten Körperdrehung und ausgestrecktem Bein zum Fall zu bringen. Sofort griff sie die umher Stehenden an. Außerdem kamen zwei Schwertkämpfer aus der Gasse und stürzten sich mit Gebrüll auf die Meute.
    „Verdammter Mist! Wie viele von diesen Pennern kommen denn noch!?“, schrie Jekhar in die Menge.
    „Die sind bestimmt von der Regierung!“, sagte einer der Revolutionären.
    „Da! Noch einer von ihnen!“, schrie Coray, in dem er auf das Fenster der Waffenkammer im ersten Stock zeigte. Ein lockiger Blonder sprang akrobatisch runter und das Gebäude flog unmittelbar danach ebenfalls in die Luft. Wegen der großen Explosion gingen alle in Deckung.

    Nachdem Keru, Nick und Co. ihre Arme runter nahmen, mit denen sie ihre Köpfe geschützt hatten, standen sie wieder auf. Die Revolutionäre taten es ihnen nach.
    Plötzlich waren die soeben aufgetretenen beiden Schwertkämpfer, die Frau und der lockige Blonde nicht mehr da.
    Coray bemerkte auf Anhieb: „SIE SIND IM HAUPTGEBÄUDE! SIE WOLLEN ZU INAZUMA!!!“, schrie er und rannte zuerst auf das Gebäude zu.
    Nick reagierte ganz schnell, rannte an Jekhar vorbei und gab Coray im Springen einen harten, seitlichen Tritt mit, so dass der Offizier weg geschleudert wurde.
    Nick landete leichtfüßig vor der Treppe zum Eingang ins Hauptgebäude, drehte sich zum Platz vor dem Haus um und nahm breitbeinig Position. „Keiner von euch, wird dieses Gebäude betreten“, warnte er sehr ernst.
    Die Revolutionäre erstarrten kurz. Dieser bärtige Typ hatte den Offizier gegen die Wand zum Turm getreten und war durchaus in der Lage, es allein gegen eines der Offiziere aufzunehmen. Dieser Mann versperrte nun den Weg. Ein Angriff auf diesen Mann konnte mit dem sicheren Tod bestraft werden.
    „Was wartet Ihr denn noch!? Diese Kerle wollen einen unserer Anführer umbringen! Wir müssen Inazuma beschützen!“, schrie Coray sich aus den Trümmern der Mauer erhebend.
    Durch diese Worte begriffen Inazumas Männer, dass heute, hier, an diesem Ort, sehr viel auf dem Spiel stand und kamen deshalb wieder zu sich. Mit gezogenen Schwertern und allen möglichen Nahkampf-Waffen griffen sie Nick an. Der wiederum spuckte auf den Boden und erwartete die Angriffe.
    Jekhar stürmte auch zum Eingang, wurde aber von Marv eingeholt und gestoppt. Und obwohl der Zimmermann, mit seinen 192 cm, immer noch kleiner war als der Hüne, war er zuversichtlich. Keru wollte ihm zu Hilfe eilen – Marv sah ihn aber an und gab seinem Kapitän mit einem leichten Kopfschütteln zu verstehen, dass er keine brauchte.
    Also griff Keru die ganzen Kämpfer an, die Nick attackierten.

    Als Coray den letzten Staub von der Schulter schüttelte, sah er Ram vor sich stehen.
    Ram war zwar Steuermann und hatte somit viel auf Kerus Schiff zu Sagen, war aber nicht unbedingt der beste Schwertkämpfer der Crew. Und obwohl Ram wusste, dass er diesen Kampf gegen den Offizier nicht gewinnen konnte, wollte er den Verbrecher aufhalten.
    Coray hob sein Breitschwert und nahm seine Kampfposition an...
    Kapitel 28: 'Angriff durch Delta'
    Spoiler anzeigen
    Team Delta:
    Gassell – Stärke 12
    Shoshana – Stärke 11
    Frederick – Stärke 12
    Cassagnol – Stärke 6

    Über der Mauer hinweg konnte man die beiden Gebäuden sehen, zwischen denen die schmale Gasse lag. Die vier Angreifer des Team Delta hatten sich daneben, nebeneinander an die Mauer gelehnt und horchten.
    Der Alarm war bereits geschlagen worden und der Sprengstoff war auch schon angebracht. Gassell drehte sich zu den Übrigen. „Also, wie wir es besprochen hatten. Wenn Beta das Signal gibt, sprenge ich die Mauer und wir schlagen uns ins Hauptgebäude durch“, sagte er.
    Frederick und Cassagnol nickten.
    „Wir haben gar nicht so richtig abgemacht, wie wir uns ins Hauptgebäude durchschlagen“, wandte Shoshana kurz ein.
    „Das dürfte doch kein Thema sein. Wenn Drake und die anderen die Kämpfer schon beschäftigen, müssten wir es relativ einfach haben“, sagte Frederick.
    „Wer ist Drake?“, fragte Shoshana überrascht.
    „Oh, Entschuldigung. So nenne ich Keru. Das ist sein Spitzname“, sagte Frederick.
    „Der Name 'Keru' ist aber kürzer als der Spitzname“, wand Shoshana ein.
    „Ich weiß, ich weiß! Es geht aber eher um die Bedeutung, als um die Länge!“, ärgerte sich Frederick...
    „Frederick hat Recht“, stimmte Gassell - auf Fredericks vorherigen Aussage eingehend - ein. „Der Widerstand dürfte sich in Grenzen halten“, fügte er noch hinzu.
    „Was aber, wenn die meisten Männer Inazumas nicht wie erwartet zum Haupttor gerannt sind. Was wenn wir mehr Revolutionären gegenüber stehen als geplant?“, fragte Shoshana.
    „Das ist eine gute Frage“, sagte Frederick.
    Gassell überlegte scharf. „Hmm... vielleicht können wir sie irgendwie täuschen?“, schlug er vor.
    „Ein Täuschungsmanöver! Wir lenken sie ab“, sagte Frederick.
    „Aber wie?“, wollte Shoshana wieder berechtigterweise wissen.
    Die Männer überlegten...

    Während sie überlegten, war durch die Teleschnecke ein: „wir greifen an“ von Nick zu hören.
    „Das Signal! Was haben wir denn jetzt vor?“, fragte Gassell in die Runde.
    „Vielleicht sprengen wir die Waffenkammer?“, mischte sich Cassagnol erstmals ein.
    Die anderen sahen ihn an und realisierten erst langsam die gute Idee.
    „So könnten wir auch gleich ein wichtiges Gebäude sprengen“, fügte Cassagnol hinzu.
    „Das ist eine verdammt gute Idee!“, sagte Gassell und bekam die Zustimmungen von Shoshana und Frederick. „Also gut, folgendes: Shoshana und Ihr anderen beiden, Ihr werdet nach der Sprengung sofort in den Hof rennen und die Leute etwas beschäftigen. Ich schleiche mich indes in die Waffenkammer und sprenge das Munitionslager. Einverstanden?“, fragte er.
    „So machen wir das!“, sagte Frederick erregt.
    „Na schön, ich zünde jetzt die Lunte“, sagte Gassell und ging die Mauer entlang, Richtung Sprengstoff.

    „Wenn du erlaubst, werden Ich und unser Navigator zuerst in den Hof rennen. Es ist vielleicht besser für dich. Außerdem haben wir Schwerter“, riet Frederick Shoshana, der hinter ihr stand.
    Mit einem nettes, schmunzelndes Lächeln machte Shoshana etwas Platz.
    „Schön, Cassagnol, komm mit.“ Die Marine-Soldaten gingen vor und warteten da weiter.
    Gassell kam zurück und warnte sie mit einem „Achtung!“
    Wenige Sekunden später, ging der Sprengstoff hoch und ein großes Loch wurde in die Wand gesprengt.
    Gassell wartete einige Augenblicke und huschte anschließend durch das Loch. Frederick ging hinterher und hielt vor dem Loch kurz an. „Bereit Cassagnol? Auf geht’s!“ Frederick und Cassagnol wollten mit einem Satz durch das Loch springen, mussten aber zurückweichen. Am oberen Ende des Loches war noch ein Steinbrocken, welches lose war und vom gesprengtem Mauerteil runter bröckelte. Knapp konnten sich die Soldaten noch schützend hinwerfen.
    Den am Boden liegenden Frederick frech übersteigend, blickte Shoshana zurück. „Gut das Ihr Schwerter habt“, sagte sie mit einem Lächeln und verschwand ebenfalls im Hof.
    Die Soldaten richteten sich errötet auf, sahen sich mit gepeinigten Blicken an, und rannten – sich räuspernd – hinterher.

    Nachdem sie den zuvor ausgeklügelten Plan erfolgreich ausführen konnten, fanden sie sich im Hauptgebäude wieder. Auf dem Flur stehend, wussten sie zunächst nicht, wohin sie gehen sollten. Inazuma soll sich irgendwo ab dem 3. Stock befinden, aber welche Treppe sollte man nehmen. Es gab nämlich drei zur Auswahl.
    Da kam ein junger Bursche auf sie zu gerannt. Sofort nahm Team Delta Kampfposition an, bereit zum Angriff. Der Junge erkannte deren Absicht und blieb, die Hände schüttelnd, sofort stehen. „N... nicht angreifen! Ich bin einer von euch!“, schrie der seltsame Junge mit Knopfaugen und langer, eckiger Nase.
    „Was!? Wer bist du!?“, fragte Gassell forsch.
    „Ich bin Ecki Zugluft! Agent der CP-3. Ich wurde hier eingeschleust um die CP-4 mit Informationen zu versorgen.“

    - Randnotiz -
    Der Spion und Informant der CP-4 musste den Beteiligten dieser Mission – bis auf einige Ausnahmen im Hauptquartier – unbekannt bleiben. Der Informationsaustausch zwischen dem Spion und der CP-4 wurde deshalb nie persönlich vorgenommen, um die Gefahr des Auffliegen des Spions zu minimieren.
    - Randnotiz ende -

    „Du bist der Agent?!“, wunderte sich Gassell.
    „Du bist ja fast noch ein Kind“, sagte Shoshana.
    „Ich wurde als Nachwuchstalent eingeschleust, aber täuscht euch nicht. Ich bin schon ziemlich gut“, rechtfertigte sich der Junge stolz.
    Gassell schnaufte laut. „Na gut, weißt du wie wir Inazuma finden können?“, fragte er.
    „Ich kann euch zum 3. Stock bringen. Da die darauf folgenden Stockwerke nur den Offizieren vorbehalten war, kenne ich den Rest auch nicht aber finden werden wir ihn bestimmt. So groß ist das Gebäude auch nicht. Kommt, folgt mir“, rief der Junge und rannt die linke Treppe hoch. Team Delta folgte ihm...
    Kapitel 29: 'Turbulenzen im Hof'
    Spoiler anzeigen
    In der schmalen Straße beim Turm, hatten sich Hank und Shin fest gekämpft. Es drangen zwar keine weiteren Feinde mehr vor, jedoch wurden sie auch nicht mehr weiter dezimiert, wie vor einigen Augenblicken. Nach knapp ein Dutzend getöteten Feinde, kämpften Hank und Shin nun gegen stärkere Gegner. Ungefähr zehn noch übriggebliebene Revolutionäre erschwerten den Kampf für den CP-4 Anführer und den Bootsmann deutlich mehr, als es die vorherigen Feinde taten. Diese Truppe war sehr gut eingespielt. Shin stand vier und Hank sechs von ihnen gegenüber. Die Feinde ließen es nicht zu, dass sowohl der Agent, als auch der Bootsmann Angriffe starten konnten, nachdem diese eines abgewehrt hatten. Die guten Revolutionäre hielten die beide in Schach.
    Dass Shin, über den Feinden hinweg, am anderen Ende der Straße sah, wie Ram verzweifelt versuchte, einem weißhaarigem Breitschwertträger Paroli zu bieten - und die Tatsache, dass Shin wusste, dass Ram kein guter Schwertkämpfer war – raubte ihm zusätzliche Konzentration. Er wollte ihm zu Hilfe eilen, wurde aber daran gehindert. Der Bootsmann musste sich am Riemen halten, um keinen Fehler zu machen.

    *****

    Craig brachte nun – nach anfänglichen Schwierigkeiten – mehr Angriffe zu Stande. Nicht zuletzt weil Isurus ihm des öfteren zu Hilfe eilen konnte. So konnten sie in Zusammenarbeit viele Feinde besiegen.
    Kalifa hingegen schaffte das ganz alleine. Wie so üblich, wollte sie den nächsten Gegner mit einem 'Shigan' eliminieren. Dieser jedoch, konnte ihre Hand mir seiner auffangen, drehte sich um seine eigene Achse und verpasste ihr mit der Außenfläche der anderen Hand eine Ohrfeige. Der Schlag war nicht ohne und Kalifa sank zu Boden. Als der Revolutionär ihr einen weiteren Schlag geben wollte, schrie Craig auf und Isurus schnellte hervor. Der Feind sah das, unterbrach seinen Angriff und wich dem Fischmenschen gekonnt aus.
    Der unbekannte landete vor dem Turm gekonnt auf und nahm eine tiefe Kampfposition ein.
    „Ach, hier steckst du?“, freute sich ein weitere Unbekannter, der auf der Treppe zum Turm stand.
    „Du bist auch endlich da, Bruder. Komm, machen wir die Eindringlinge fertig“, sagte der Erste.
    „Och Mikey, du sollst dich doch nicht in solche Angelegenheiten einmischen. Du bist noch zu jung. Ich möchte nicht, dass dir was passiert. Ich kümmere mich schon um die drei“, sagte der Neue grinsend.
    „Ich bin stärker als du denkst, Bruder“, sagte der Angesprochene.
    Einer der wenigen Revolutionäre, der die Angriffe durch die CP-Einheiten überlebt hatte, rief zu den anderen: „Jaaa! Offizier 'Wiesel' Mancoo und sein Bruder Mikey sind da! Sie werden die Angreifer besiegen!“, freute er sich.
    Mancoo ging die Treppe hinunter, bis zu seinem Bruder. „Also gut Mikey, machen wir ihnen die Hölle heiß“
    Mancoo holte seine zwei Dolche raus und beide griffen die CP-Einheit an...

    *****

    Lord Victor öffnete mit zwei Fingern einen Spalt zwischen die zugeklappten Jalousien. Er sah, wie die in die Luft gesprengte Waffenkammer lichterloh brannte. Der Platz vor dem Hauptgebäude – in welches er sich gerade befand - war, trotz der Nacht, hell erleuchtet.
    „Verdammt!“, rief Victor zunächst mit sehr tiefer Stimme. Der große Hüne stand vor dem Fenster und ärgerte sich über die Situation. „Warum kann mir keiner sagen, ob es sich hierbei sicher um die Weltregierung handelt!?“, schrie er, weiter durch den Spalt guckend.
    Drei Revolutionäre standen in einer Linie vor ihm und mussten ehrfürchtig schlucken, weil keiner eine passende Antwort hatte.
    Plötzlich wurde eine Tür aufgeschlagen und ein weiterer Revolutionär stürmte in den Flur, wo Lord Victor und die anderen drei standen.
    „Lord Victor! Wir haben jetzt die Gewissheit um wen es sich handelt!“, schrie der Mann laut, mit einem Zettel in der Hand.
    „Und? Ist es die Weltregierung?“, fragte dieser ruhig.
    „Definitiv! Ich habe mit mehreren unserer Außenposten gesprochen und insgesamt zehn Basen, unsere eingeschlossen, werden in diesem Augenblick angegriffen. Von den Cipherpol um genauer zu sein!“, antwortete den Mann aufgeregt.
    Lord Victor Grinste. Allein der Gedanke, sicher zu wissen, um wen es sich handelt, erleichterte ihn. 'Ein Feind den du kennst, ist immer noch besser, als als ein Feind den du nicht kennst', pflegte Victor immer zu sagen. „Also gut, nun wissen wir, wer diese Kerle sind. Bin überrascht, dass die Schwachköpfe von der Weltregierung in der Lage sind, so einen Angriff zu starten. Wisst Ihr mehr über ihre Ziele?“
    „Ja, Lord Victor. Mesmo, Leiter unseres Außenposten in Seguranca ist bereits eliminiert worden und Reparar aus Waranty ist gefangen genommen worden!“, sagte der Revolutionär wieder.
    „Sie wollen Inazuma“, schlussfolgerte Victor sehr ruhig und gefasst. „Wo ist er?“, fragte er weiter.
    „In seinem Zimmer. Zuletzt hatte er mit Emporio Ivankov gesprochen.“

    Wenig später kam Inazuma aus seinem Zimmer. Sofort waren alle Anwesenden im Flur aufmerksam. Er sprach zu den Leuten: „Ich habe mit Ivankov und Dragon gesprochen. Beide sind der Ansicht, dass keine weiteren Offiziere der Revolutionäre getötet oder gefangen genommen werden darf“, sprach er in einem ernstem Ton. „Ihr sollt versuchen, den Hof so gut es geht zu verteidigen. Bevor die Situation aussichtslos wird, und ich eventuell fliehen muss, werde ich euch solange helfen.“
    „Aber Sie sind sehr wichtig für uns Revolutionäre! Wir können doch nicht riskieren, dass Ihnen was zustößt! Kümmern sie sich nicht um uns, wir kommen allein klar“, sagte einer der Männer im Flur entschlossen.
    „Solange wir die Situation einigermaßen unter Kontrolle haben, werde ich hier bleiben. Wie sieht die Lage den aus?“, fragte Inazuma.
    „Schwer zu sagen. Viele Agenten sind bereits im Hof. Ob und wie viele noch folgen werden ist noch unklar. Coray und Jekhar sind aber vor dem Hauptgebäude. Wo Mancoo ist weiß ich nicht“, sagte Victor. „Ich sollte ihnen vielleicht helfen“, fügte er noch hinzu.
    „Ich komme mit“, sagte Inazuma.
    Beim Aufbrechen wurden die Revolutionäre jedoch von einem Schrei aufgeschreckt, welches von unten kam.
    Inazuma und Lord Victor sahen sich an. Inazuma wollte zur Treppe schreiten, welches am Ende des Flures war, doch Victor hielt seine Schulter und machte ihm mit Handzeichen klar, dass er voran gehen wollte. Die vier Revolutionäre schlichen, mit den beiden Offizieren, zur Treppe...

    *****

    Ritaré und Adrian hatten sich in der Zwischenzeit weiter Richtung Hof genährt. Wenige Meter vor dem Haupteingag blieben sie stehen und horchten.
    „Alter Mann, das reicht! Näher sollten wir nicht kommen, bevor wir das Zeichen bekommen haben“, ermahnte Adrian Ritaré flüsternd.
    „Es wird allmählich ruhiger. Ich kann nicht hier warten, während einige unserer Crew vielleicht schon schwer verletzt auf dem Boden liegen“, sagte der Arzt. Es war tatsächlich wieder ruhiger geworden. Nach den anfänglichen Schreien, der lauten Sirene, die mittlerweile wieder verstummt war, und den paar Explosionen, hörte man von Außerhalb des Hofes nur noch Kampfschreie und aufeinanderprallende Schwerter, welche auch abgenommen haben.
    „Wir können uns ja langsam und vorsichtig durch den Haupteingag hinein schleichen. Das wird bestimmt nicht gefährlich“, sagte Ritaré nicht ganz überzeugend und rannte mit seinem Arztkoffer weiter auf das Haupttor zu.
    „Oh verdammt! Keru und dieser Agent werden mich umbringen, scheiße!“, ärgerte sich Adrian und folgte Ritaré...
    Kapitel 30: 'Und wiedereinmal das Messer'
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    Victor hatte seinen Säbel in die Hand genommen und schritt langsam und vorsichtig die Treppe runter, wo die Schreie herkamen. Dicht gefolgt von den vier Männern und Inazuma, sah er, sobald er die untere Flur erblickt hatte, zwei Leichen seiner Männer. Es war kaum Blut sichtbar, den Verrenkungen der Körper nach zu urteilen, konnten die Männer aber nur Tod sein.
    Auf dem großen, breiten Flur war aber kein Feind zu sehen. Der Flur war ca. 10 m breit und 20 m lang. Am anderen Ende war die nächsten Treppe, die zum 2. Stock hinunter führte und auf beiden Seiten des Flurs waren mehrere Zimmer, deren Türe allesamt geöffnet waren. Es roch förmlich nach einem Hinterhalt.
    Victor schaute zurück zu Inazuma; dieser gab mit einem Nicken und gleichzeitigem Verwandeln seiner Hände in Scheren zu verstehen, dass sie langsam und vorsichtig weiter gehen wollen.
    Lord Victor brachte die letzte Stufe hinter sich und gab seinerseits das Zeichen, dass er allein voran gehen wollte. Inazuma und seine Männer hatten verstanden und hielten sich bei der oberen Treppe kampfbereit.
    Victor ging langsam durch die Mitte den Flur entlang. Er hatte zu dem Säbel auch noch ein Schild, welches auf sein Rücken geschnallt war, hielt es aber nicht für Notwendig diesen auch noch zu benutzen.
    Mit kleinen, langsamen Schritten, ging er fast in Zeitlupe durch den Raum. An jeweils einem Zimmer auf jeder Seite ist er bereits vorbei gegangen und konnte nichts erkennen. Permanent hielt er Ausschau zu den Türen. Auch Inazuma und die anderen Vier waren erpicht darauf, jede feindliche Bewegung sofort zu erfassen und achteten deshalb nicht weniger konzentriert auf die offenen Türen.
    Es war erdrückend still im Flur. Selbst Lord Victor, der sich, was die Körpergröße angeht, nicht einmal vor jemandem wie VA Garp verstecken musste, war angespannt und leicht nervös – was bei seiner Größe und Stärke außerordentlich selten vorkam.
    Um durch die Tür den kompletten Raum sehen zu können, musste er, wegen dem zu kurzem Sichtwinkel den die Türrahmen erlaubten, weit an einer Tür vorbei gehen. Dann war er allerdings schon fast auf der Höhe der nächsten Tür. Und gleich auf die beiden Seiten musste er achten. Erst jetzt bemerkte Victor, dass er die Komplexität des 'Kampfterrains' unterschätzt hatte. Er fühlte sich wie eine Maus, die sich zu nahe an eine Schlange genährt hatte und nun auf dem Präsentierteller stand. Jeden Augenblick konnte jemand aus eines der offenen Türen angestürmt kommen und ihn angreifen. Er hatte keine Idee, aus welcher Tür der Angriff stattfinden könnte. Zu seinem üblichem Zitat ('Ein Feind, den man kennt ist immer noch besser als ein Feind, den man nicht kennt') würde er die Aussage: 'Ein Feind, bei dem man weiß wo er steckt, ist immer noch besser als ein Feind, bei dem man nicht weiß wo er steckt' sofort unterschreiben und zur ersteres hinzufügen.
    Inazuma erkannte die Nervosität Victors und zeigten seinen Männern an, dass sie, mit ihm selbst, auch voranschreiten sollten. Einen einzigen Mann aus dem Hinterhalt zu eliminieren ist leichter als mehrere Männer aus dem Hinterhalt zu eliminieren – auch wenn er sich selber dadurch in Gefahr bringen konnte.
    Victor sah zurück und bemerkte, wie sich die übrigen Revolutionäre in Bewegung gesetzt hatten. Inazuma gab ihm mit Hand/Scheren-Zeichen zu verstehen, dass er weiter gehen solle und er selbst in eines der Zimmer gehen wird. Genau das tat Inazuma auch – er ging in das erste linke Zimmer. Victor erkannte sofort was Inazuma vor hatte und ihm war fortan weniger mulmig ums Herz. Mit einem triumphalen Grinsen erkannte er, dass sich das Blatt, zu Gunsten der Revolutionäre, wenden könnte.
    Vom Flur aus konnte man zehn Zimmer erreichen, fünf auf jeder Seite. Tür Nr. 1 und 2 standen sich gegenüber, Nr. 3 und 4 auch usw. Victor war auf der Höhe der Türen Nr. 3 und 4, welche auf gleicher Höhe waren. Sobald Inazuma in das zweite Zimmer auf der linken Seite gelangen würde und es eine Konfrontation mit dem Feind geben sollte, würde er in das Zimmer rennen. Ansonsten konzentrierte sich der Lord auf die Zimmer auf der rechten Seite.

    Cassagnol machte die Warterei wahnsinnig. Er hatte die Feinde, genau wie Shoshana, eben gehört und wusste, dass sie auf dem Flur waren. Er durfte aber erst dann angreifen, wenn entweder Shoshana, oder Gassell in dem anderem Zimmer gegenüber, zuerst angreift. Er war ohnehin nicht sehr gut im Umgang mit dem Schwert und musste nun einen gefährlichen Hinterhalt für einen Kommandanten der berüchtigten Revolutionäre ausüben. Nicht gerade ein angenehmer Gedanke, wie die Schweißperlen auf Cassagnols Stirn bewiesen.
    Er und Shoshana waren im fünften Zimmer auf der linken Seite - Gassell, Frederick und Ecki auf der rechten Seite. Dabei stand Shoshana gleich hinter der Tür, genau wie Gassell auf der anderen Seite. Cassagnol hockte hinter Shoshana.
    Ein Riss war zu hören! Cassagnol wurde sofort aufmerksam. Es klang so, als ob jemand Papier durchschneiden würde. Warum um Gottes Willen schnitt einer Papier!? Cassagnols Nerven flatterten wie verrückt. Er hielt den Griff seines Schwertes noch fester.
    Da! Wieder das Geräusch! Papier wurde zerschnitten und dieses Mal war die Schallquelle aus einer näheren Distanz auszumachen. Warum hörte er wie jemand Papier durchschnitt und warum kam das Geräusch näher!? Bei Cassagnol läuteten nun endgültig die Alarmglocken. Er sah verzweifelt zu Shoshana, die zuckte lediglich mit den Schultern und wusste wohl auch nicht was das sein sollte.
    Wieder ein Schnitt! Und wieder war es etwas näher gekommen! Shoshana begriff, dass etwas nicht stimmen konnte und ordnete Cassagnol stumm an, sich von den Wänden zu entfernen.
    In der Mitte des Zimmers warteten die beiden gespannt was als nächstes passieren würde.
    Dann schließlich... eine riesengroße Schere stach durch die Wand aus dem Nebenzimmer und schnitt diese wie Papier durch. „TEUFELSFRUCHT!!!“, schrie Shoshana laut und rannte auf den Eindringling drauf los.
    Victor erkannte, dass das Geschrei aus dem letzten Zimmer auf der linken Seite kam und wusste dass Inazuma einen Volltreffer gelandet hatte. Bevor er sich entschließen konnte in das Zimmer zu rennen, kam aus dem gegenüberliegendem Zimmer einer hervorgesprungen. Mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit feuerte der langhaariger Blonder mit Locken zwei spitze Wurfgeschosse aus dem Handgelenk. Victor konnte seine Schwerthand hochreißen und wurde an dieser getroffen. Ohne dabei großartig die Miene zu verziehen, zog er das Holzstück aus seiner Hand und warf es grinsend auf den Boden.
    Das andere Wurfgeschoss traf einen der vier Männer am Hals, so dass dieses sein Schwert fallen ließ und zu Boden sank. Die Übrigen drei stürmten, an Lord Victor vorbei, nach vorne. Frederick kam auch aus dem Zimmer gerannt und empfing die Revolutionäre, genau wie Ecki, der mit bloßen Händen kämpfte.
    Was der schnelle Tod des ersten Mannes durch Gassells Wurfgeschoss nicht vermuten ließ, war, dass diese Männer sehr starke Kämpfer waren. Nicht umsonst waren es die persönlichen Leibwächter von Lord Victor. Sowohl mit Schwertangriffen als auch mit geübten Tritten, trieben die drei Leibwächter Frederick und Ecki die nächste Treppe hinunter, die hinter ihnen war.

    Während die drei Männer mit Schwertern versuchten Frederick und den noch relativ unerfahrenen Ecki zu töten, stand Gassell Lord Victor persönlich gegenüber. Lord Victor nahm noch sein rundes Schild aus dem Gurt und stellte sich vor den Agenten hin. „Ihr Würmer wagt es also in die Höhle des Löwen zu gehen“, sagte der Lord grinsend. „Weißt du überhaupt, wer vor dir steht? Kennst mich wohl nicht so gut, denn sonst würdest du schreiend davonlaufen.“
    „Wir werden sehen“, sagte Gassell knapp und griff an.
    Er holte aus zum Tritt, Victor aber nahm das Säbel, statt dem Schild, und startete einen Gegenangriff. Um vom Säbel nicht getroffen zu werden, musste Gassell abbrechen und zurückweichen. Gassell sprang zurück und Victors Säbel rammte mit voller Wucht den Boden. Als der Agent sich noch in der Luft befand, drehte sich Victor blitzartig um die eigen Achse und ließ Gassell seinen Schild spüren. Der Agent, der diesem Hünen so eine Schnelligkeit nie zugetraut hätte, wurde schmerzhaft gegen die Wand geschleudert.
    Nach dem Aufprall viel er auf den Boden. Sein Kopf tat schrecklich weh und er konnte nur benommen mitkriegen, dass Victor bereits auf ihn zuging. Der Lord holte aus und stach mit dem Säbel zu. Gassell wäre aber kein CP-4 Agent, wenn er sich so schnell würde töten lassen. Er wich im Sitzen aus und klemmte Victors Schwertarm unter seine Achseln. Er erwartete dass Victor ihn mit dem Schild angreifen wollte. Genau so kam dass auch: Victor holte langsam mit der anderen Hand aus, sah aber noch rechtzeitig das Zucken von Gassells anderem Arm und konnte sein Schild noch vor sein Gesicht halten. Gassells Shigan-Finger schoss hervor und hinterließ eine tiefe Beule im Schild. Victor konnte sich glücklich schätzen und war erzürnt darüber, dass der Agent ihn so leicht überraschen konnte. Verärgert schleuderte er seinen Arm, an dem sich Gassell festhielt, auf den Boden. Ein tiefer Krater war entstanden und der Boden bekam Risse. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, war Gassell verschwunden...

    Ohne Schwerter war Ecki ganz schön am Schwitzen. Für ihn schien es so, als ob von allen Seiten Schwerter auf ihn zu kamen. Die Hiebe konnte er mit bloßen Händen nicht abwehren, musste deswegen viel Abstand zwischen sich und den Feinden bewahren.
    Frederick dagegen blühte im Kampf wirklich auf und war den Männern mehr als ebenbürtig. Seine jahrelangen Erfahrungen im Kampf bei der Armee als Offizier, oder in der Marine, spiegelten sich im Kampf wieder. Fast kinderleicht gelang es ihm den Hieben auszuweichen. Bei drei Gegnern auf einmal fehlte ihm nur noch die perfekte Gelegenheit, im richtigen Moment zuzustechen. Aber auch die Sorge um Ecki verzögerte den eigenen Angriff. Die drei Männer machten den 16 jährigen schnell als schwächeres Glied in dieser Zweierkette aus und konzentrierten ihre angriffe auf den Jungen. Einer der Männer sprang zu einem ungünstigem Zeitpunkt auf den Agenten, um ihn zu töten, wurde aber bei der Landung von dem heran geeiltem Frederick aufgespießt, der seit eben auf solch eine Gelegenheit gewartet hatte.
    Frederick zog seinen Schwert aus dem leblosem Körper und sah in die, für kurze Zeit sprachlosen, Gesichter der anderen Beiden.
    „Geh die Treppe wieder hoch und hilf den anderen. Ich komme hier allein klar“, sagte Frederick mit einem entschlossenem Blick auf die Revolutionäre.
    „In Ordnung“, stammelte Ecki und wollte hoch rennen. Er wurde allerdings nochmal von Frederick instruiert: „Das Schwert des toten Mannes auf den Boden... vielleicht solltest du es nehmen. Ist vermutlich besser für dich“, sagte der 1. Offizier.
    „Jawohl“, sagte der Junge mit Knopfaugen, nahm sich das Schwert in die Hand und rannte hoch.

    Oben angekommen sah er, wie Gassell versuchte diesen Riesen in die Knie zu zwingen. Nachdem Victor wieder seinen Säbel in Richtung Gassell schwang und dieser erneut, ohne eine Chance zum Parieren zu haben, ausweichen musste, erblickte der Lord Ecki.
    „Na sieh mal einer an. Dir habe ich ja noch gar nicht die Leviten gelesen. Du kleiner Mistkerl!“, sagte Victor plötzlich ernst.
    Ecki musst tief schlucken. Obwohl Ecki von vorne rein kein echter Revolutionär war und er irgendwann sowieso diesen Hof für immer verlassen sollte, bekam er das seltsame Gefühl seine Kameraden verraten zu haben. Er hatte ein- zwei Freundschaften hier geschlossen und konnte sich mit dem Lord gut verstehen, wenngleich er Lord Victor nur selten zu sehen bekam. Aber unter den Kommandanten galt der talentierte Ecki als einer der blühenden Sterne unter all den jungen, wilden Revolutionären.
    Dass er vielleicht, nachdem er sich den Revolutionären gegenüber als CP-Spitzel gezeigt hatte, Gewissensbisse kriegen könnte, darüber hatte er noch nicht nachgedacht. Erst durch die Konfrontation mit Lord Victor – der übrigens immer nett zu ihm war - und dessen Spruch, bekam er den Gedanken sie verraten zu haben.
    Ecki sah dem Lord ehrfürchtig in die Augen. „Es tut mir leid, dass war meine Aufgabe“, sprach er zitternd.
    Victor sah zum Boden, wo drei Leichen seiner Männer lagen und wurde knallrot. Zum ersten Mal heute Abend war sein Gesichtsausdruck wirklich wütend. Eine gigantische Ader hatte sich auf seiner Stirn gebildet und er hechtete nach vorn, Richtung Ecki. Dieser, kannte die Schnelligkeit Victors, trotz seiner Größe, wurde aber dennoch überrascht. Starr vor Angst sah der Junge diesen hünenhaften Körper auf sich zu rennen – unfähig was dagegen zu unternehmen. Gassell schrie: „NEIN!“, und versuchte dazwischen zu sprinten, was aber aussichtslos war. Der Lord holte mit der Hand aus, mit der er zuvor das Schild trug, diesen aber für den Angriff fallen lies, und schlug zu. Im letzten Moment konnte Ecki doch noch einen 'Tekkai' durchführen, wurde aber dennoch zurück geschleudert. Ecki prallte ziemlich ungesund gegen die Wand, fiel hin und war auf der Stelle bewusstlos. Das Schwert, welches in Eckis Leben noch eine große Rolle spielen sollte, landete genau neben Ecki.
    Den bewusstlosen Jungen betrachtend, ahnte Victor nichts von Gassells Attacke. Ein entschlossenes und ausdrucksstarkes „Shhiiigannn!!“, konnte er hören und spürte äußerst schmerzhaft wie Gassells Fingerpistole sich seitlich in seine Niere bohrte. Victor schrie entsetzt auf und gab den von hinten angreifenden Agenten, durch Reflex, einen Hieb mit dem Ellenbogen. Gassell krachte gegen die Wand. Lord Victor legte gleich nach und packte den Hals des Agenten und drückte ihn kraftvoll gegen die Mauer. Gassells Luftzufuhr wurde sofort unterbrochen.
    „Verrecke du Made“, sagte der Lord verachtend.
    Der Agent gurgelte und keuchte und versuchte verzweifelt die riesige Hand daran zu hindern ihn zu ersticken. Victor drückte noch gnadenloser zu. Gassells Gesicht lief schon fast blau an.
    Sein ganzes Leben ging ihm durch den Kopf: seine Kindheit, seine Schulfreunde, sein Zuhause, seine Mutter, sein Vater... Sein Vater. Sein Vater Keane kam ihm in den Sinn. Wie vom Geistesblitz getroffen, steckte Gassell seine Hand in seine Weste und holte sein Klappmesser hervor (Nr. 23), klappte es gekonnt mit einer Hand auf und rammte es in den Unterarm von Victor. Der Lord schrie erneut laut auf und lies widerwillig los. Gassell landete auf dem Boden und rammte das Messer, ohne zunächst an seine Atmung zu denken, in die gleiche Wunde, die er durch seine Fingerpistole entstehen ließ. Victor schrie noch lauter und Gassell sank zu Boden, verzweifelt seine Lungen mit Luft füllend. Der Agent hechelte und hustete. Unmittelbar danach kriegte er einen Tritt Victors gegen die Rippen, der dass Messer raus gezogen hatte und wutentbrannt auf Gassell eintrat. Doch nicht viele Tritte konnte er austeilen. Victor bemerkt etwas im Augenwinkel, sah zur Treppe und konnte Fredericks Schwert nur knapp ausweichen, die schon große Blutspuren aufwies...

    Währenddessen im Zimmer nebenan: Shoshana und Cassagnol kämpften gegen Inazuma. Ohne eine einzige Miene zu verziehen, machte der Revolutionär das Leben seiner Kontrahenten schwer. Vor allem Cassagnol könnte eine Pause vertragen. Der Soldat war außer Puste, obwohl Inazuma Cassagnol als den deutlich schwächeren ausmachen konnte und sich deshalb hauptsächlich Shoshana widmete. Mit ihrer Soru (Rasur)- Technik konnte sie Inazumas Angriffen relativ gut ausweichen. Nur das Angreifen viel ihr schwer. Sie kämpfte mit bloßen Händen und konnte dadurch natürlich nicht die Scherenattacken parieren. Wegen den Scheren sah das Zimmer auch ziemlich mitgenommen aus. Außer dem ersten Loch, den Inazuma in die Wand geschnitten hatte, schnitt er ein zweites in die Außenwand und teils auch in den Boden. Das geschah eher ungewollt. Der ganze Boden war dadurch sehr instabil geworden – es begann zu Bröckeln.
    Plötzlich wurde die Wand zur Flur durchbrochen. Victor hatte Frederick am Kragen gepackt und wuchtete ihn durch die Wand. Beide vielen auf den instabilen Boden und der Raum krachte in sich zusammen. Der ganze Boden gab nach und Frederick und Victor verabschiedeten sich von diesem Stockwerk.
    Inazuma konnte sich, durch das entstandene Loch, in den Flur retten. Shoshana und Cassagnol sprangen hinterher und konnten sich gerade noch an der Kannte des nicht mehr vorhandenem Boden festhalten.
    Beide hingen dort, doch Inazuma kam nicht auf die Idee ihnen auf die Hände zu treten oder so was. Er sah sich viel eher im Flur um, merkte dass die Situation ohne Victor schwierig für ihn werden könnte und rannte – an den besiegten Ecki und Gassell vorbei – die Treppe runter.
    Etwas verwundert über die Gnade des Revolutionärs sprang Shoshana, ebenfalls durch das Loch, auf den Flur, zog Cassagnol rauf und rannte hinterher. Der Navigator tat es ihr erschöpft nach.

    Frederick und Victor fanden sich unterdessen am Fuße des Hügels wieder. Sie waren nicht nur ein Stockwerk tiefer gefallen, sondern fielen auch über die Außenmauer hinweg, quasi aus dem Hof hinaus und rollten den Hügel hinab.
    Unten angekommen stand Victor schon wieder und erhob seinen Säbel. „Auf geht’s in die nächste Runde du Regierungsabschaum“, sprach der Lord.
    Frederick richtete sich schwerfällig auf und erhob ebenfalls sein Schwert – ohne zu wissen, dass dieses sein letztes Duell sein würde...
    Kapitel 31: 'Brüder'
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    „Wir sind die 'Mäuse' (die erste Stufe bei der Schule für Assassinen) und somit Schüler des Jaffar, auch genant als König der Flöhe“, antwortete einer der Gegner, als Shin sie fragte, wer sie denn seien, da die Kampftechnik seiner Feinde auf der schmalen Straße ihn sehr beeindruckte. Er und Hank kämpften immer noch auf der schmalen Straße gegen ihre Widersacher. Vier von zehn der starken Kämpfer hatten Hank und Shin tödlich verwundet, nur hatte das einen hohen Preis: Shin wurde durch einen Dolch tief an der Schläfe verletzt und blutete sehr stark. Das Blut rann ihm durch das Gesicht, so dass er sie des öfteren wegwischen musste. Ihm wurde zunehmend schwindeliger und er konnte sich an Hanks Reflexen bedanken, weil dieser einige Schwert- oder Dolchhiebe für ihn abgewehrt hatte, die, ohne Hanks Eingreifen, schlimmere Folgen als die Verletzung an der Schläfe nach sich gezogen hätten.
    Hank dagegen hatte einen Dolch in die Schulter gerammt bekommen. Er zog das Messer raus und es schien so, als ob seine Verletzung nicht weiter schlimm war; viel länger durfte der Kampf allerdings auch nicht dauern.
    Ihre Gegner, die Mäuse, kämpften mit Kurzschwertern und Dolchen. Genau wie Wiesel Mancoo, der ebenso von Jaffar, dem zweitbesten Assassinen momentan, trainiert wurde. Dementsprechend waren sie auch sehr gut im Nahkampf. Auch wenn die 'Mäuse' den niedrigsten Rang in dieser Ausbildungsstätte der Revolutionäre darstellten, waren sie für Hank und Shin doch sehr ernstzunehmende Gegner. Die ersten vier konnte man Töten, nun mussten die beiden sich zusammenreißen, um auch die letzten sechs besiegen zu können. Der Bootsmann und der Anführer der CP-4 mussten ordentlich bluten, um dieses Ziel erfüllen zu können.

    Mancoo und sein kleiner Bruder Mikey kämpften gegen Kalifa, Isurus und Craig. Die Angriffe der Brüder erfolgte stets zusammen. Mann konnte es Mancoo förmlich ansehen, dass er seinem Bruder nicht von der Seite weichen wollte und unterstützte. Dabei sah man auch öfters, dass er sich über einige Attacken seines kleinen Bruders freuen konnte, da er diese, bei dem Fortschritt von Mikey, wohl nicht für möglich gehalten hatte.
    Mancoo achtete auf seinen Bruder. Sobald z.B. Kalifa Mikey angriff, sprang er sofort dazwischen. Mit der blonden Schönheit, die viele Rokushiki- Techniken beherrschte, war nicht zu spaßen. Nach anfänglicher Unterschätzung, hatte Mancoo inzwischen längst gemerkt, dass die junge Frau viel mehr stark als hübsch war, was man zunächst gar nicht glauben konnte. Ihn selbst hatte sie eben fast erwischt, als sie ihn mit einem Ranyaku (vorzugsweise ausgesprochen als 'Rankick', da dies viel cooler klingt) fast erwischt hatte. Dieser Orkan-Kick war sehr gefährlich.
    Nachdem Mancoo sich kurz um Kalifa gekümmert hatte, half er wieder seinem Bruder. Die Brüder wandten sich dann nicht etwa zu Craig, der deutliche Schwächen aufwies, sondern zu Isurus. Der große Fischmensch wurde, aufgrund seiner trägen Art, als 'Ziel' bevorzugt. Sowohl mit Mikeys Tritten, als auch mit Mancoos beiden Dolchen hatte Isurus schwer zu kämpfen. Sobald Kalifa oder Craig mal hinfielen, weil sie etwa zu Boden befördert wurden, stürzten sich die Gebrüder auf den Fischmenschen. Viele, viele Schnitte musste der arme Isurus schon hinnehmen. Wie zwei Löwen, die nur spaßeshalber ein Nilpferd ärgerten, brachten sie Isurus auf die Palme. Jede Attacke der Brüder wurde mit einem Tritt oder Schnitt beendet. Die Tatsache, dass Isurus immer etwas zu spät zum Gegenangriff kam, machte ihn sehr Wütend.
    Weder Kalifa, noch Craig konnten dem effektiv ein Ende setzten. Sobald sie helfen wollten, wurden sie von Mancoo 'abgewiesen' und alles begann von vorne. Isurus bot einfach ein zu einfaches Ziel für die flinken Brüder.

    Ritaré und Adrian spähten um die Ecke und sahen sich das Drama vor dem Turm mit an. Sie hatten sich durch den Haupteingang bis kurz vor dem Platz gewagt. Ein grausames Ereignis spielte sich vor ihnen ab.
    „Sie werden Isurus umbringen!“, rief Ritaré empört.
    „Pssst!“, ermahnte ihn Adrian. „Doc, wenn du zu laut wirst, werden sie uns hören. Ich bin gegen die nicht gewachsen und dich töten sie in wenigen Sekunden“, sagte Adrian mit einer bebenden Stimme.
    Ritarés Befürchtungen wurden übertroffen. Er musste keinen schwerverwundeten Kameraden verarzten oder gar seinen Tod feststellen, sondern musste als Arzt zusehen, wie der Körper von Isurus immer weniger aushalten konnte und bald zu kollabieren drohte, ohne das er was dafür tun konnte. Das war mit Sicherheit schlimmer.
    Selbst Kalifa, die im Grunde kaum Mitleid für eine fremde Person empfinden konnte, war nahezu verzweifelt. Dieser Mancoo war stärker als sie. Sie konnte kaum was gegen diese Folter unternehmen.
    Craigs Beine waren so müde vom Kämpfen, dass er kaum stehen konnte. Seine Beine schlotterten und gaben nach. Er sank zu Boden. Auch wenn Craig wusste, dass er kein guter Kämpfer war und gegen diese beiden nicht die geringste Chance hatte, wollte er sie unbedingt angreifen und seinen Kameraden beschützen. Aber er war machtlos, sein Körper wollte nicht mehr. Sein Schwertarm war erschlafft und er hatte überall Krämpfe.

    Zu zweit kämpften die Brüder wieder einmal gegen Isurus. Kalifa versuchte nochmals dazwischen zu gehen und sicherte sich somit die Aufmerksamkeit von Mancoo. Erneut musste sie all ihre Fähigkeiten, die eine CP-Agentin ausmachten, hervorrufen und sich gegen diesen flinken Mörder, der den Beinamen 'Wiesel' zurecht trug, behaupten. Durch diesen Angriff kurz abgelenkt, kriegte Isurus einen Tritt von Mikey zu spüren, der sehr schmerzhaft war. Mit dem Knie trat Mikey seitlich in den Oberschenkel von Isurus, und das mit maximaler Kraft. Der Fischmensch ließ einen übel klingenden Schmerzensschrei los. Man hörte an den Schmerzen sofort, dass dieser Tritt das Aus für Isurus bedeutete – zumindest für heute.
    Isurus fiel vor Mikey auf die Knie. Dieser lächelte triumphal und bereitete den finalen Kick gegen den wehrlosen Isurus vor, der auf allen Vieren vor ihm stand.
    Aus der Ecke kam plötzlich jemand hervor: „Nein! Lass ihn am Leben!“, schrie Ritaré verzweifelt, der aus seiner Deckung hervorkam. Mikey, Mancoo und Kalifa unterbrachen augenblicklich ihre Aktionen. Es wurde still...
    Nun war auch Adrian gezwungen sich blicken zu lassen. Tief schluckend erhob er seinen Schwert um Ritaré zu beschützen, wie man es ihm befohlen hatte. Wenige Meter vor ihnen war Mikey mit Isurus, der auch überrascht war. Ein Stück weiter Hinten war Craig und ganz hinten konnte Adrian Mancoo und Kalifa sehen.
    „So ein widerliches Gesindel. Wie viele von denen wollen den noch kommen?“, fragte Mikey grinsend und rhetorisch. Er ließ Isurus links liegen und ging auf den alten Mann zu, der erschrocken zurück zuckte. Adrian blieb auf Anhieb der Atem stehen, als er den näher kommenden Revolutionären sah.
    „Vergiss den Jungen und den alten Mann Mikey, kümmere dich um die Anderen“, sprach Mancoo zu seinen Bruder, wurde von diesem aber nicht erhört. Er hatte auch nicht die Gelegenheit seiner Forderungen mehr Ausdruck zu verleihen, denn Kalifa hatte in seine Richtung wieder einen Rankick getreten, so dass das Wiesel ausweichen musste. Sie stürzte sich erneut auf ihn.
    Mikey ging auf die beiden, scheinbar hilflosen Adrian und Ritaré, zu. Diese beiden waren erstarrt vor Angst. Craig nahm all seine Kraft ein letztes Mal zusammen und griff Mikey von der Seite an. Der Körper das Oberkanoniers war aber schon zu schwach, als das es sich nach einem wiederholtem Tritt von Mikey aufrichten konnte. Anschließend wand sich Mikey wieder Ritaré. Er schnellte vor, wurde aber von Adrian aufgehalten, der seinen Mut zusammen nahm und dazwischen ging. Mikeys Fuß und Adrians Schwert kreuzten sich. Während Mikey ganz ernst da stand, konnte Adrian kaum das Zittern in seinem Körper unter Kontrolle halten. Mikey machte daraufhin eine akrobatische Drehung mir den Beinen, mit dem er Adrian überraschte. Er verpasste dem Segelmeister einen Tritt und sie beide gerieten ineinander.
    Irgendwie entstand dabei eine Rangelei, bei der Mikey besser aussah – so richtig den Durchblick hatte aber kaum jemand. Genau wie der entsetzte Ritaré, versuchten die verletzten Craig und Isurus zu erkennen, was da abging. Tatsächlich versuchte Mikey den schwächeren Adrian amüsiert niederzuringen. Plötzlich hörte man einen Stich... einen tiefen Stich. Es hörte sich so an, als ob ein Schwert sich geradewegs durch tiefes Fleisch geschnitten hatte - und genau das war passiert.
    Das Geräusch zog die Aufmerksamkeit von Mancoo und Kalifa auf sich, wobei Mancoo viel neugieriger aufsah.
    Mikey sah mit geweiteten Augen zu Adrian, der nicht weniger überrascht war. Blut lief aus seinem Mund und er spürte das Schwert, dass sich durch die Bauchdecke, Bauchmuskeln und sämtlichen Innereien geschnitten hatte. Er spürte auch, dass sich das Schwert des jungen Segelmeisters, durch seinen Rücken, gebohrt hatte. Es war schmerzvoll. Es fühlte sich so an wie eine sehr tiefe Schnittwunde am Finger, die allerdings in seinem Bauch war und hundertfach größer und schmerzhafter war. Doch die Lebensenergie des ebenso jungen Mikeys erlosch so schnell, dass ihm nicht mal mehr Zeit zum Aufschreien zur Verfügung stand. In die beängstigten Augen seines Bezwingers sehend, sank Mikey ein letztes Mal zu Boden.
    Mancoo lief ein grausamer Schauer über den Rücken, als er sah, wer da zu Boden sank. Wie ein Blitz traf ihn das Gefühl der Trauer. Seine Augen wurden sofort feucht. Seine Lippen bebten und er konnte gerade noch den Namen „Mikey“ stammeln.
    Das Gefühl der Trauer ging sofort in das Gefühl des Zorns über. Der junge Adrian wusste gar nicht wie ihm geschah, als der wutentbrannte Bruder des Jungen, den er soeben getötet hatte, auf ihn zu rannte.
    „Bring dich in Sicherheit Adriaaan!!!“, schrie Isurus mit letzter Kraft.
    Adrian hatte nur ein Bruchteil einer Sekunde für eine Entscheidung und entschied sich im Eifer des Gefechts in den Turm zu rennen. Mancoo rannte mit seinen Dolchen und großen Tränensäcken hinterher, als wäre er den größtem Verbrecher der Geschichte hinterher.
    Kalifa wollte hinter den beiden her rennen, konnte sich aber die Aufgabe dieser äußerst wichtigen Mission vor Augen führen und blieb stehen. Ihre Aufgabe war es, den Platz vor dem Turm zu sichern und andere Feinde aufzuhalten. Die Mission durfte nicht scheitern und so ließ sie Adrian in den dunklen Turm rennen, dicht gefolgt von Mancoo...
    Kapitel 32: 'Und wiedereinmal die Tabakdose'
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    Was für eine ungeheure Kraft!“, dachte sich Marv, als er wieder einem Hieb von Jekhar ausweichen musste. Jedes Mal, wenn Jekhar mit seinem Hammer ausholte, statt Marv aber den Boden traf, brachen die Kopfsteine wie ein Glas dass einen Sprung bekam. Dank Marvs Kampferfahrung kam das aber selten zu Stande. Er wusste, dass Jekhar ihm Körperlich in allen Belangen überlegen war und agierte dementsprechend. Er ließ es nicht zu, dass Jekhar Kampfkombinationen starten konnte und störte den Revolutionär dabei seinen Rhythmus zu finden. Sobald der Hüne einen Angriff durchführte, dem er leicht ausweichen konnte, konterte er geschickt. Oft versuchte er dabei den Riesen daran zu hindern, seinen in den Boden gerammten Hammer wieder anzuheben. Dieser Plan hatte bisher aber nicht funktioniert weil das Gewicht des Hammers für den Kämpfer kaum ein Problem darstellte. Sofort stand der Hüne wieder kampfbereit. Nichtsdestotrotz konnte er aber kontern und zwang Jekhar somit in die Defensive.
    Jekhar konnte man es ansehen, dass er solch ebenbürtige Gegner nicht gewohnt war und sich deswegen zusammenreißen musste um die Nerven zu bewahren. Kaum ein Feind hatte ihn bisher so in Schach halten können und er musste sich beherrschen, um nicht etwa von seinem ungeduldigem Temperament übermannt zu werden. Dieser Kampf mit sich selber war schwieriger, als der gegen Marv – doch wenn er den einen Kampf verlieren würde, würde er auch den anderen verlieren. Marv war ein intelligenter Zeitgenosse und sah Jekhar sein Bemühen um Ruhe und Konzentration an. Deswegen hatte er längst heraus interpretiert, dass Jekhar immer wütender wurde, und er wusste ganz genau, dass er auf seiner momentanen Schiene – den Hünen keine Pause gönnen – goldrichtig war.
    Jekhar versuchte einen Plan zu schmieden. Er wusste, dass der Schiffszimmermann seinen langsamen Hieben ausweichen und ihn gleich wieder angreifen würde. Dieser Gegner war nicht der richtige für ihn. Dieser Feind war gut im Schwertkampf und war schneller als er, konnte aber durch seine Größe auch starke Konterattacken starten. Seinen Kampfstil, der eher brachial war, konnte er gegen Marv nicht effizient genug einsetzen. Deshalb musst er sich was anderes überlegen. Er dachte über den Einsatz eines der Schwerter der Toten nach, die im Umfeld herumlagen, konnte diesen Gedanken aber nicht zu ende führen. Marv griff erneut an und blieb auf seiner erfolgreichen Schiene. Jekhar riss seinen Hammer hoch und parierte mit dem langen Griff. Reflexartig trat er gegen Marv, der diesen Tritt genauso wenig kommen sah wie er selbst. Sie gingen auseinander. Da dieser Tritt aber nicht geplant war, fehlte es dem Angriff an Durchschlagskraft. So konnte Marv sich schnell wieder berappen. Jekhar nutze jedoch diese kleine Gelegenheit und legte einen kurzen Sprint in Richtung eines Schwertes, welches auf dem Boden lag. Marv rannte sofort hinterher, war aber nicht schnell genug um Jekhar an dem Griff zum Schwert zu hindern. Jekhar wusste dass Marv schon hinter ihm war und schwang das Schwert, welches leichter zu handhaben war als der große Hammer, blind Richtung Marv; Dieser war dem Tod nie näher. Weil er gerannt war, konnte er nicht abrupt stehen bleiben. Er warf seinen Oberkörper nach hinten und verrenkte förmlich seinen Rücken. So konnte er um Haaresbreite unter dem Schwerthieb hindurch tauchen. Blitzschnell schnitt Marv mit seinem Schwert die Schwerthand von Jekhar. Dieser schrie kurz auf, ließ dabei das Schwert fallen. Noch leicht in der Limbo- Position schnappte sich Marv das andere Schwert aus der Luft, welches Jekhar fallen ließ, schaffte es sich um die eigene Achse zu drehen, wodurch er wieder richtig stand und stach mit dem neu erlangtem Schwert in die Brust von Jekhar. Das Schwert war aber kein Gutes und es bohrte sich nicht tief genug in den Körper des Revolutionären. Dieser Stich tat weh, war aber nicht tödlich. Jekhar war trotzdem sauer, dass er von einem 'Regierungsschimmel' so tief verletzt werden konnte – körperlich, versteht sich. Er wurde überaus wütend und packte Marv mit seinem verletzten Arm am Hals. Dass war der Punkt, wo Jekhar den eben geführten Kampf mit sich selbst verloren hatte.
    Kaum eine Minute später zog Marv sein eigenes Schwert aus dem Körper des toten Jekhars, den er in den Bauch des unachtsam gewordenem Hünen stechen konnte.

    Es war ihm wieder nicht gegönnt. Er hatte sich zusammenreißen können und konnte seit mehreren Augenblicken die Angriffe von Coray gut parieren. Nur die eigenen Angriffe waren nicht gut genug. Im Rahmen dieses Zweikampfes bewies Ram oft dass er kein guter Schwertkämpfer war. Dass er gegen einen Gegner wie Coray unterlegen sein würde, war von vorne rein klar. Coray konnte seinen großen Breitschwert schneller und präziser schwingen als Ram es mit seinem kleinerem Schwert konnte.
    Durch den Tritt von Nick und den daraus resultierenden Einschlag gegen die Mauer, blutete Coray an der Stirn. Rams Kampfkünste waren jedoch nicht gut genug, um ihm aufgrund dieses Nachteils überlegen sein zu können. Ram konnte, wenn überhaupt, glücklich darüber sein, dass sein Schwert das Aufeinanderprallen mit dem Breitschwert bisher heil überstanden hatte. Doch in den letzten Kampfhandlungen konnte Ram an Stabilität gewinnen. Er konzentrierte sich zunehmend auf seine Defensive und konnte mehr Gegenwehr zeigen. Nicht besonders gute Gegenwehr, aber gut genug damit Coray erkennen musste, dass sein Gegenüber die anfängliche Hilflosigkeit, zumindest zum Teil, abgeschüttelt hatte.
    Mit Verteidigung alleine konnte man jedoch niemanden besiegen. So hatte Ram ein paar Vorstöße in Richtung Coray gewagt – war aber immer erfolglos. Coray wehrte seine Angriffe mühelos ab und war ihm Haushoch überlegen. Trotzdem hatte Coray noch nicht das Bedürfnis diesen Kampf schnellstmöglich zu Ende zu bringen. Das änderte sich jedoch schnell, als er den liegenden Jekhar als besiegt ausmachen konnte. Nun hatte er es doch eilig und wollte den Kampf so schnell wie möglich beenden. Er sprang nach vorne und holte aus. Ram riss seinen Schwert hoch und parierte das Breitschwert. Coray gab ihm daraufhin eine Kopfnuss, er stolperte zurück. Mit einer schwungvollen Rotation seiner Arme schlug Coray ihm mit dem massivem Breitschwert das Schwert aus der Hand und fügte ihm durch eine Körperdrehung eine Schnittwunde auf die Brust zu. Dann trat der Revolutionär ihm in den Magen. Ram sank schlotternd zu Boden. Nun lag er da – vollkommen hilflos, ohne Gegenwehr, besiegt.
    Einen am Boden liegenden Feind noch anzugreifen war nicht Corays Stil. Dass die Regierungsschimmel Jekhar getötet haben, machte ihn aber sauer. Nach dem 'wie du mir, so ich dir'- Prinzip erhob er seinen Breitschwert und war bereit den Gnadenstoß durchzuführen. Perfekter konnte der Zeitpunkt nicht sein, in dem Shin sich einmischte. Statt seinen Schwert niedersausen zu lassen, erblickte Coray Shin von der Seite und musste das Breitschwert stattdessen zum parieren von Shins Schwertangriff nehmen. Gleich darauf löste sich Shin, nahm Schwung und wuchtete seinen Schwert nochmal gegen Coray. Dieser musste erneut gut parieren. Ihm war sofort klar, dass er mit diesem 'Agent' nicht so leicht fertig werden konnte. Sie sprangen auseinander und nahmen ihre Kampfposition an. Es sah leicht kurios aus: beide Männer wiesen im Grunde nur eine Verletzung auf und beide Männer hatten mit dem eigenem Blut im Gesicht zu Kämpfen, die fast aus der identischen Verletzung am Stirn rann.

    Hank kam ebenfalls aus der schmalen Straße zum Haupthof. Kalifa hatte den zwei Männern in der engen Straße geholfen die verbleibenden sechs Gegner zu besiegen. Mit ihr an der Seite sah die Situation ganz anders aus. Sie zog sich wieder zum Platz vor dem Turm zurück, musste dann auch gleich gegen weitere Revolutionäre kämpfen.
    Ritaré hatte die Blutung auf Hanks Schulter eben gestoppt und dieser konnte leicht aufatmen. Um Shins Stirn zu behandeln hatte er keine Gelegenheit. Der Bootsmann der Dunkerk war schon längst in Richtung Ram gelaufen – gerade noch Rechtzeitig, wie wir erfreut feststellen konnten.
    Auf dem Haupthof beobachtete Hank wie Marv nach Jekhar zwei weitere Gegner auf sich gezogen hatte und wie Nick und Keru die Eingangstür zum Hauptgebäude vor lauter Revolutionäre bewachten. Daraus konnte er nur schlussfolgern dass Team Delta schon im Gebäude war.
    Bevor er selbst eingriff, musste er die zwei an der Tür bewundern. Sein Blick fixierte sich vor allem auf Keru. Nick hatte die höhere Kraft und zeigte dies auch durch Kraftvolle Attacken. Keru dagegen kämpfte fast schon filigran. Höchst konzentriert, den Feind fest im Blick, zauberte er mit seinem Schwert einen Kombo- Feuerwerk hin das sich gewaschen hatte. Die fehlende Kraft machte er mit wunderbar harmonierenden Kombinationen aus Paraden und Angriffen wieder wett. Die Schwerthiebe der Gegner parierte er mit ganz kurzen Bewegungen und ging dann blitzschnell zum Angriff über. Fast leichtfüßig wie ein Turner beschäftigte er seine Gegner sehr gut und konnte die Angriffe der Revolutionäre immer zur richtigen Zeit parieren oder ausweichen. Immer exakt, auf die Millisekunde genau, wich Keru den Hieben aus. Bei all der Überlegenheit war Keru trotzdem erpicht darauf keine Fehler zu machen.
    Nun hatte Hank genug gesehen und wollte eingreifen, als plötzlich eine Wand des Hauptgebäudes aufgeschnitten wurde. Heraus kam Inazuma und hielt kurz an. Alle auf dem Hof hielten augenblicklich inne. Die Agenten und Marines sahen ihn; den obersten Revolutionären vor Ort, den Verbündeten Balthasars, den Mann, weswegen sie alle hier waren.
    Die kurze Stille wurde durch einen 'Soru' unterbrochen – Shoshana tauchte plötzlich vor Inazuma auf und schlug gegen den Scherenmann. Inazuma wich ihr, als auch Cassagnol aus, der aus dem Hinterhalt ausgeholt hatte. Der Navigator stolperte in den Hof.
    Coray nutzte die Gelegenheit und trat den abgelenkten Shin zwischen die Beine. Erneut eine Handlung die nicht ganz dem Wesen Corays ähnelte, jedoch war das Überleben seines Anführers wichtiger als sein Stolz. Außerdem konnte er damit einen starken Gegner aus dem Weg räumen und Inazuma helfen. Er sprintete sofort auf Hank zu und rief: „an alle meine Brüder die mich hören können: auf zum letzten Kampf! Inazuma muss überleben!“
    Ein Schlachtschrei ging durch die noch verbliebenen Revolutionären und sie griffen dieses Mal entschlossener den je an. Die Angriffe galten zuerst Shoshana, die den Anführer angegriffen hatte. Keru wollte ihr sofort zu Hilfe eilen, erkannte aber recht schnell dass sie keine Hilfe brauchte. Stattdessen musste er auf sich selbst aufpassen da er ebenfalls angegriffen wurde.
    Inazuma ergriff die Initiative und rannte zum Übungshof Richtung Mauer.
    Während er Corays Angriffen auswich schrie Hank kurz aber deutlich Nicks Namen. Der bärtige Agent wusste sofort was zu tun war und schnitt Inazuma den Weg ab...

    Von Außerhalb waren Schritte zu hören. Schreie kamen jenseits des Hintereingangs zum Hof.
    „Das ist die Verstärkung! Aus dem Hauptgebäude hat man weitere Revolutionäre beordert!“, schrie einer von Inazumas Männern triumphal.
    „Weitere Revolutionäre!?“, schrie Keru entsetzt.
    „Ich mache das!“, sagte Marv knapp, lies seinen inzwischen noch einzig verbliebenen Feind links liegen und rannte zum Hintereingang.
    „Ich helfe dir!“, rief Cassagnol und rannte ebenso zum Eingang.

    Nick konnte Inazuma durchaus beschäftigen, auch wenn der Revolutionär leicht die Oberhand behielt; Hank landete immer mehr Treffer bei Coray, der gegen den CP-4 Anführer zunehmend schwächelte; Marv und Cassagnol verteidigten den Hintereingang. Obwohl Marv dem Navigator befohlen hatte sich nicht in zu große Gefahr zu begeben, blieb Cassagnol da und unterstützte den Zimmermann; Keru konnte inzwischen mehrere Gegner dezimieren, genau wie Shoshana.
    Bei der ganzen Hektik auf dem Hof schrie ein Revolutionär laut auf. Alle sahen zu ihm. Dieser sprang in die Luft, holte mit seinen Arm aus und schmiss einen Gegenstand auf den Boden. Keru und Shoshana waren die einzigen, die instinktiv die Augen schlossen. Beim Aufprall auf den Boden explodierte der Gegenstand und blendete alle Anwesenden. Mit lautem Schrei kniffen Hank und Nick die Augen, ebenso Coray, der den Plan nicht durchschauen konnte. Einzig Inazuma, Keru und Shoshana blieben nicht geblendet.
    „Jetzt!“, schrie der in die Luft gesprungene Mann.
    Inazuma ergriff sofort die Flucht. Er rannte an dem geblendeten Nick vorbei. Shoshana sah auf und erkannte Inazuma: „Er will flüchten, hinterher!“
    Keru hatte auch die Augen geöffnet und war der einzige der diesem Aufruf Folge leisten konnte.
    Inazuma hatte einen kleinen Vorsprung, doch der ging jeher verloren, als er unbeabsichtigt auf die am Boden liegende Tabakdose von Nick trat - der diesen unwissentlich fallen lies. Er knickte um und ging kurz auf die Knie. Er konnte es aber gerade noch schaffen einen Loch in die Wand zu schneiden und raus zu humpeln. Shoshana und Keru nahmen die Verfolgung auf.
    Kapitel 33: 'Zufälligerweise Schicksal?'
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    Zufall oder Schicksal? Eine Frage, die man sich oft stellen kann. Ist es Zufall, wenn wir abends, auf dem Weg zur Apotheke um Kopfschmerzmittel zu besorgen, über einen Dachs stolpern, den eigenen Knöchel verdrehen, uns vor Schmerz krümmen und deswegen die Öffnungszeit der nächsten Apotheke verpassen? Oder ist es Schicksal, weil wir darauffolgend, auf der Suche nach Heilsalben für den Knöchel, uns nach einer alternativen Apotheke umsehen und dabei unserer Traumfrau begegnen, sie heiraten und den einzigen Sohn Keru nennen?
    Romantiker werden es 'Schicksal' nennen, Realisten würden auf ein Zufallsprodukt hindeuten. So richtig beantworten kann man es nicht. Es ist auch eine Ansichtssache. Wenn ich die Geschichte von einem anderem Blickwinkel erzähle und sage, dass es nämlich nur Zufall war, dass der Vater von Keru, die Mutter von Keru an diesem Abend getroffen hatte. Denn, ohne voneinander je was gehört zu haben, wohnten beide in der selben Straße. Sie hätten sich früher oder später eh getroffen. Die Verletzung an dem Knöchel des jungen Mannes war jedoch tückischer als man erwarten würde. Denn aufgrund dieser eher harmlosen Verletzung, konnte sich der Knöchel des Mannes nie 100 prozentig erholen und das war auch ein Grund, warum Antep, so hieß der junge Mann nämlich, sein letztes Duell mit nur 37 Jahren bestritt.
    Der frühe Tod seines Vaters war ausschlaggebend für Kerus Entwicklung. Ist das nun Schicksal?

    Ist es nun Zufall, dass Keru und seine Männer den CP-4 Agenten helfen, oder gar Schicksal?
    Ist es Zufall, dass ausgerechnet der schwächste Kämpfer, Adrian, den Bruder von Mancoo töten konnte? Oder ist es Schicksal, da Adrian sich in dem Turm mit den großen Maschinen, die schon vor Jahren abgestellt wurden, wunderbar zurechtfinden konnte. Da er der Segelmeister war, konnte er, wie auf der Dunkerk, wie ein Affe auf den Geräten des Turms herumturnen. Selbst das 'Wiesel' Mancoo, der seinen Beinamen aufgrund seinem flinken Kampfstil bekommen hatte, konnte Adrian, wenn überhaupt, nur kurz irgendwo vorbeihuschen sehen. Die Eigenschaft des Kampfterrains war auf Adrians Seite. So hatte er, im Gegensatz zu Kalifa, Isurus und Co., einen Vorteil gegenüber dem starken Mancoo. Schicksal?
    Ist es Zufall, dass Marv heute Abend eine äußerst gelungene Performance beim Nahkampf zeigte und es deshalb alleine mit der kleinen Verstärkung der Revolutionären am Hintereingang aufnehmen wollte? Oder ist es Schicksal, da Cassagnol ihm helfen wollte, doch aufgrund seiner fehlenden Fähigkeiten im Kampf, Marv eher ein Klotz am Bein war, als eine richtige Hilfe. Das sollte noch zu brenzligen Situationen führen. Und obwohl Marv Cassagnol mehrmals angeschrien hatte, dass dieser sich zurückziehen solle, wollte Cassagnol seinen Kameraden nicht im Stich lassen.
    Genauso gut lässt sich darüber streiten, ob Shoshana und Keru nur zufällig zusammen die Verfolgung von Inazuma aufnehmen konnten, oder ob das Schicksal der Grund war, warum sie den am Knöchel (!!!) verletzten Inazuma, der wegen einer herkömmlichen (???) Tabakdose umgeknickt war, einholen konnten.
    Die Frage, ob die Tatsache, dass Coray der noch einzig verbliebene Revolutionär vor dem Hauptgebäude ist, nun Schicksal oder Zufall war, spielte ausnahmsweise keine Rolle. Da er nun mit Hank und Nick gleich zwei starken CP- Agenten gegenüber stand, war dieser Kampf schon entschieden.
    Wie sah es bei Frederick aus, der gegen Lord Victor antreten musste?

    „Du mieser kleiner Wurm bist besser als ich dachte. Zweimal habe ich dich mit meinem Säbel voll erwischt und trotzdem stehst du noch“, sagte Victor mürrisch.
    In der Tat hatte er Frederick bisher zweimal ernsthaft getroffen. Bei dem ersten Treffer konnte Victor den 1. Offizier an der Hand treffen. Zum Glück war es nicht die Schwerthand, dennoch blutete sie wild und es schien was im Handgelenk gebrochen zu sein. Die andere Wunde hatte Victor ihm am Kopf zugefügt. Frederick hat es seinen hervorragenden Fähigkeiten im Schwertkampf zu verdanken, dass er noch lebte. Er hatte sich beim Hieb von Victor zurückgeworfen. So kriegte er nur die Spitze des Säbels ab. Trotzdem war die Verletzung nicht harmlos. Aus seinen dunkelblonden Haaren rann Blut in ernstzunehmender Menge.
    Der Kampf wurde sehr intensiv geführt. Frederick baute dabei sehr oft auf Angriff. Obwohl er schon verletzt war, wollte er diesen Riesen nicht die Oberhand gewinnen lassen. Mit seiner Technik, die in der Feinheit wohl besser war als die des Revolutionären, konnte er sich das durchaus erlauben. Er war sehr entschlossen und seine Verletzungen hinderten ihn weniger an seiner Angriffslust als man vermuten würde.
    Victor, der aufgrund seiner unmenschlichen Kraft nicht anders konnte als sehr offensiv zu kämpfen, tat es Frederick selbstverständlich nach. Für beide war diese Kampfhaltung sehr risikoreich. Wenn beide aufeinander stürmten, war die jeweiligen Defensiven so gut wie nicht vorhanden. Eine falsche Bewegung, ein fataler Schnitt konnte den Kampf beenden.
    Dabei musste Frederick etwas mehr aufpassen. Er konnte Victor zwar auch Schnitte verpassen, nur waren diese, im Vergleich zu dessen Größe eher unbedeutend. Da hatte es ihn, mit den beiden Verletzungen an der Hand und am Kopf, doch deutlich härter getroffen.
    „Nun werde ich diesen Kampf beenden“, drohte Victor und nahm die nächste Angriffsposition an.
    Frederick ging kurz in sich. Er liebäugelte damit, eine Attacke zu starten, die er seit 13 Jahren nicht hat anwenden müssen. Es war eine sehr riskante Attacke, passte aber zum bisherigem Kampfverlauf. „Wenn ich es tue, muss alles glatt gehen. Wenn nicht, könnte ich auch drauf gehen. Dann sind wir beide tot“, dachte er. Er ging ebenfalls in Angriffsposition über, hielt aber inne, weil er an Elena und das ungeborene Kind denken musste. „Warte, so verschwenderisch darfst du nicht sein. Du musst an deine Familie denken!
    Da griff Victor schon an. Frederick hatte ein Bruchteil einer Sekunde Zeit und entschied sich dann doch für die Attacke. Beide sprangen mit Gebrüll aufeinander zu...

    Hank und Nick hatten gerade Coray vor sich. Trotz des Breitschwertes hatte der Revolutionär mit langen weißen Haaren kaum Chancen. Er quälte sich nur noch und brauchte das Schwert, um sich darauf zu stützen damit er überhaupt stehen konnte.
    Jede weitere Strategie der CP- Agenten würde das unvermeidliche Ende des Kriegers nur hinauszögern. So entschlossen sie sich diese Sache so schnell wie möglich zu beenden. Sie waren zwar Feinde, jedoch lag es weder in Hanks noch Nicks Interesse, Coray noch weiter leiden zu lassen. Jeden Augenblick konnte der Gnadenstoß durch die Agenten folgen.
    Dann erinnerte sich Hank aber daran, dass Inazuma vielleicht doch flüchten könnte. Möglicherweise könnte Coray nützlich für sie sein. Er schüttelte in Richtung Nick den Kopf und gab ihm somit die Anweisung, Coray nicht zu töten.
    Fast zeitgleich zerbrachen zwei ineinander geschlängelte Körper das Fenster der zweiten Ebene im Turm. Mancoo und Adrian hatten sich gegenseitig gepackt und fielen aus dem Fenster. Sie landeten genau vor dem Hauptgebäude. Dabei viel Mancoo auf Adrian. Der Leidtragende sollte aber trotzdem Mancoo sein, weil er beim Aufprall das Schwert Adrians in den Bauch gebohrt bekommen hatte. Er sah Adrian mit ungläubigem Blick an und starb mit dem Gedanken, durch die gleiche Hand wie sein kleiner Bruder getötet worden zu sein.
    Adrian konnte es selbst gar nicht glauben und musste die Leiche erst einmal bei Seite packen. Er hatte den Sturz relativ unbeschadet überstanden (Zufall? Schicksal?) und stand torkelnd auf.
    Coray blickte auf Mancoos Leiche. Er sah auf die Leiche von Jekhar und anschießend auf die Leichen von den übrigen Männern. Er lachte bitter und ihm flossen Tränen die Wange hinunter. „Ihr blöden Hunde! Ihr habt meine Brüder auf dem Gewissen... Ihr miesen Bastarde habt doch überhaupt... keine Ahnung. Ihr seid die Handlanger von Kriminellen! Ihr seid nur Soldaten. Ihr könnt nur Befehle ausüben, sonst nichts! Wenn die da oben sagen: 'schlag zu!', ...schlägt Ihr zu. Wenn sie sagen 'töte!', dann tötet Ihr...
    Ihr seid so beschränkt! Dabei haben diese Männer, die Ihr auf dem Gewissen habt, für die Rechte der Menschen dieser Welt gekämpft. Auch für eure Rechte.
    Aber das erkennt Ihr nicht. Ihr seid so traurig. Ihr habt keine Ahnung, für was Ihr kämpft...“
    „Wir kämpfen für die Gerechtigkeit“, antwortete Hank ernst.
    Daraufhin musste Coray mit schmerzverzerrtem Gesicht lachen: „...wir auch...“ Sein Breitschwert glitt ihm aus den Händen und er kippte vornüber - und stand nicht wieder auf.

    Wenig später kamen doch noch einige Revolutionäre aus dem Hintereingang in den Hof gerannt. Hank richtete sich auf und ein 'Verdammt' war aus seinem Mund zu hören. Dies konnte nur eines bedeuten: sie waren durchgebrochen...
    Kapitel 34: 'Blutig'
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    Er hatte Schmerzen. Es machte keinen Sinn weiter zu laufen. Die Schmerzen waren zu groß. Er hielt an und ließ seine Verfolger aufholen. Shoshana und Keru brauchten nur wenige Sekunden, um Inazuma nach dessen Stopp einzuholen. Sofort gingen sie, trotz nach Luft ringenden Lungen, in Kampfstellung. Inazuma konnte, aufgrund seines Knöchels, nicht mehr in dem für die Flucht notwendigem Tempo weiter rennen und verharrte ebenfalls in Angriffsposition. Die drei standen sich gegenüber, regungslos und ohne Worte.
    Inazuma wusste, dass er nur dann weiter konnte, wenn mindestens einer seiner Feinde geschlagen war. Nur dann hätte er eine Chance zu entkommen. Sein Ziel war das kleine Dock im Fischerdorf, genau auf der anderen Seite der Insel. Dort gab es mehrere Boote für Notfälle, die die Revolutionäre benutzen konnten.
    Er durfte sich jetzt jedoch nur auf den Kampf konzentrieren. Shoshanas Kampfkünste durfte er schon erleben. Auch wenn sie ihm vorhin nicht ernsthaft in Bedrängnis bringen konnte, musste er dennoch vorsichtig sein. Und der Mann neben ihr sah auch nicht unbedingt wie ein Anfänger aus. Ganz im Gegenteil: das Schwert in seiner Hand war Blutgetränkt und ohne eigene Verletzungen musste der Revolutionär davon ausgehen, dass der Mann ein guter Schwertkämpfer war. Diese Aufgabe würde all sein ganzes Können abverlangen.
    Die Agentin und der Kapitän dagegen waren sehr zuversichtlich. Sie mussten lediglich aufpassen, keine groben Fehler zu machen. Sie sahen sich gegenseitig an und nickten einander zu. Dann machten beide einen Satz nach vorn und Shoshana rannte vorneweg auf Inazuma los. Dieser holte aus und schnitt mit seiner Schere Richtung Agentin. Einen knappen Augenblick davor benutzte Shoshana aber ihre Soru-Technik, wich dem Angriff somit aus und kreuzte hinter Inazuma wieder auf. Der konnte gar nicht nach hinten schauen, weil Keru bereits mit einem Sprung und lautem Schrei den Revolutionär angriff. Inazuma parierte, doch der Angriff war so stark, dass er zurück gedrückt wurde. Von der anderen Seite holte Shoshana aus und verpasste ihrem Feind einen Tritt in den Rücken, der nicht von schlechten Eltern war. Inazuma erwischte es hart, doch er konnte sich mit den Füßen aufstützen und machte eine Körperdrehung, um die unbewaffnete Agentin anzugreifen. Sie konnte sich noch nach hinten werfen und entkam der Attacke. Ohne jedoch eine Pause einzulegen, griff Inazuma die, sich in der Rücklage befindenden Agentin weiter an. Trotz seinem Handicap war der Kommandant der Revolutionäre brandgefährlich, und das zeigte er auch deutlich.
    Shoshana hatte genau den selben Nachteile wie in dem Hauptgebäude auch: sie konnte die Scherenangriffe nicht parieren und konnte somit nur ausweichen. 'Soru' konnte sie auch nicht ununterbrochen einsetzten, da diese Technik zwar seht effektiv, aber auch sehr anstrengend war.
    Für Keru wäre es einfach gewesen, Inazuma nun von hinten mit dem Schwert anzugreifen. Den Tod des Revolutionärs konnte er aber nicht so einfach riskieren und entschied sich, Inazuma in den Schwitzkasten zu nehmen. Reflexartig verwandelten sich die Scherenhände in normale Hände und er packte Kerus Arm. Shoshana, mit Schweißperlen auf der Stirn, konnte aufatmen und schlug mit der Faust in die Magengrube von Inazuma. Beide Männer fielen hin. Keuchend und mit zusammengekniffenen Zähnen rang der Revolutionär nach Luft. Keru drückte. Während er unter ihm lag, seine Luftzufuhr zu. Doch entgegen der Erwartung Kerus, dass Inazuma nämlich aufgeben würde, verwandelte er einen seiner Hände wieder in eine Schere und rammte diesen, über seine Schulter hinweg, in den Boden, mit dem Ziel den Marinekapitän zu treffen. Dieser konnte kaum glauben, wie haarscharf die Klinge ein seinem Gesicht vorbei gezischt war. Er ließ den Hals los, schubste Inazuma bei Seite, rollte sich weg und stand sehr erleichtert wieder auf. Auch Inazuam stand wieder und der Kampf begann von vorn...

    „In Ordnung. Diese Salbe sollte deinen Wunden gut tun Isurus“, sagte Ritaré, während er auch die letzte Wunde des Fischmenschen behandelte.
    Auf dem Platz vor dem Turm erschien seit einigen Minuten keine weiteren Feinde mehr. So hatte Ritaré Zeit, Isurus und Craig zu behandeln. Während Kalifa den Kopf von Isurus stützte, wickelte der Schiffsarzt dessen Arm.
    „Also, die letzte Verletzung wurde behandelt. Bleibst du hier bei den Beiden? Dann kann ich nämlich nach den Anderen sehen“, fragte Ritaré. Die CP- Agentin nickte.
    Der Arzt packte seinen Koffer ein und rannte los.

    Durch die schmale Straße kam der Arzt am Hauptplatz an und musste erst einmal staunen. Er hatte vorhin zwar eine Explosion gehört, dass der Innenhof aber in solchem Ausmaß verwüstet sein wurde, das hätte er nicht gedacht. Ganz im Gegensatz zum Schauplatz von vorhin, lag bei diesem hier kein Stein auf dem anderen. Mehrere Wände waren durchbrochen, dutzende von Leichen lagen auf der Straße, ein Gebäude war komplett weg gesprengt worden, die umliegenden Häuser hatten leichtes Feuer gefangen und sogar das große Hauptgebäude sah arg mitgenommen aus. Der leise Vorstoß am Anfang der Mission, hätte im Leben nicht diese Endzerstörung voraussagen können.
    Es wurde sogar noch gekämpft. Hank und Nick kämpften gegen die Überreste der Verstärkung.
    Beim Blick durch die Reihen konnte Ritaré erleichtert feststellen, dass Adrian wohlauf war. Doch Shin hatte sich an die Wand gelehnt und schien sich zu quälen. Ritaré rannte sofort zu ihm.
    „Shinji! Alles in Ordnung? Du siehst mitgenommen aus“, sagte Ritaré und hockte, sich seinen Koffer öffnend, zu ihm.
    „Halb so wild Doc. Ich habe einen Tritt in die Weichteile bekommen, das ist alles.“
    „Sag das nicht. Das kann auch gefährlich werden. Ob du dadurch nun Folgeschäden davon getragen hast, das untersuche ich lieber dann, wenn wir wieder in der Stadt sind. Den Untersuchungsvorgang, der zur Diagnose von Schäden in der Lendengegend notwendig ist, will ich dir in der Öffentlichkeit nicht antun“, grinste Ritaré leicht. „Aber deine Kopfverletzung kann ich jetzt schon behandeln...“

    Hank stach dem letzten Feind ins Herz, bevor keine weiteren mehr da waren. Diese Gegner waren nicht ohne. Sie waren wohl noch woanders auf der Insel stationiert. Eine kleine Spähereinheit. Kein Wunder, dass unsere Freunde am Hintereingang Probleme bekommen haben, dachte er. Er schaute sich um, und auch hier schien kein weiterer Feind auf den Beinen zu sein.
    Nick hatte schon die Hand in seine Hose gesteckt und musste dann entsetzt feststellen, dass die Dose weg war. Er wurde nervös und streifte umher, mit dem Blick auf den Boden gerichtet.
    Gleich darauf kamen auch Gassell, zusammen mit Ecki, der ihn stützte, aus dem Hauptgebäude raus. Sie traten vor Hank. „Wer ist das?“, fragte Hank, als er Ecki sah.
    „Das ist unser Informant gewesen“, antwortete Gassell. „Ist alles vorbei?“, stammelte er.
    „Scheint so.“
    „Und Inazuma?“
    „Er ist geflohen. Jedoch konnten Shoshana und Keru die Verfolgung aufnehmen. Da fällt mir gerade ein, dass ich sie suchen sollte...“, überlegte Hank. Da wurde er von einem Geschrei unterbrochen.
    „DOOOC!!!!“, schrie Marv aus seiner Kehle heraus. Die Agenten sahen Richtung Hintereingang. Ebenso sah Ritaré dorthin, denn niemand geringerer als er war gemeint. Er hatte Shin gerade versorgt und richtete sich auf. Er erkannte Marv durch dessen Stimme und erkannte durch die Intensität des Schreis, die ebenso gut aus dem Mund eines Impel Down Häftlings stammen könnte, dass etwas ganz gewaltig schief gegangen war. Genau wie Hank, Nick und Adrian, lief auch Ritaré sofort zu Marv.
    Am Hintereingang angekommen, sah Ritaré sofort den Ernst der Lage. Marv lehnte sich sitzend an das Tor – sein rechter Unterarm war regelrecht zerschmettert, während Cassagnol, mit zwei Schwertern im Bauch, am Boden geschockt um Luft rang und am hyperventilieren war.
    „Kümmert euch zuerst um Cassagnol, ihn hat es schwer erwischt“, sagte Marv mit bemüht ruhiger Stimme.
    Ritaré stürzte sich sofort zu Cassagnol. Er wies Hank und Nick an, jeweils den Kopf und die Füße festzuhalten und öffnete hastig seinen Koffer. Bevor er richtig loslegte, gab er auch Adrian Anweisungen: „Adrian! Kümmere du dich in der Zwischenzeit um Marv. Sein Arm verliert sehr viel Blut. Schnüre seinen Oberarm mit einem Stück Stoff zu, sonnst droht er zu verbluten. Marv! Ist dir kalt?“, fragte Ritaré laut und deutlich, während er eine Beruhigungsspritze für den zappelnden Cassagnol vorbereitete.
    „Schon seit ein paar Minuten“, antwortete der Schiffszimmermann.
    „Adrian, beeile dich. Schnell!“, orderte Ritaré an.
    „Ok! Ein Stück Stoff. Wo finde ich ein Stück Stoff“, fragte Adrian, bei der herrschenden Hektik, sich selber und sah sich in der Nähe um.
    „Also gut Jungs. Wir müssen die Schwerter aus seinem Bauch entfernen“, sprach Ritaré zu Hank und Nick mit ernster Stimme. „Die Klingen dürfen keine weiteren Verletzungen verursachen. Wenn ich die Schwerter raus ziehe, müsst Ihr in festhalten. Er darf nicht zu sehr zappeln. Ich werde ihm zwar eine Spritze geben, doch Schmerzen wird er trotzdem empfinden. Alles verstanden?“ Die Agenten nickten.
    Nun wand sich Ritaré zu Cassagnol: „Also gut mein Bester. Versuche dich zu beruhigen. Ich bin's nur, der alte Onkel Doc. Ich werde dir jetzt eine Spritze geben. Versuche dich zu entspannen. Wir kriegen das schon hin mein Kleiner“, sprach der Arzt sehr vertrauenerweckend. Obwohl Cassagnol mental gar nicht mehr richtig anwesend schien, zeigten Ritarés Worte Wirkung. Die zappelnden Gliedmaßen des Navigators wurden ruhiger, hörten aber nicht ganz auf zu zittern.
    Ritaré gab den Agenten durch ein Nicken das Zeichen und holte beide Schwerter vorsichtig heraus.

    Adrian suchte nach einem Stück Stoff und erkannte außerhalb des Hintereingangs eine Person. „Da kommt noch Jemand!“, warnte er lauthals und zückte seinen Schwert.
    Alle anderen Anwesenden hielten kurz inne und schauten hinaus.
    Langsam wurden die Konturen des Mannes sichtbar und kurz darauf erschien Frederick aus der Dunkelheit. Er humpelte leicht und seine eine Gesichtshälfte war überströmt mit Blut.
    „Erster!“, schrie Adrian erleichtert. „Was ist passiert?“, wollte er zudem wissen.
    Frederick guckte ernst drein: „Gar nichts ist passiert...“
    „Ah, wie ich sehe, hast du die Scheide deines Schwertes noch. Ich brauche mal dessen Gurt, schnell!“, fuhr Adrian fort und schnappte sie sich aus Fredericks Hand.
    Der 1. Offizier sah zu den Anderen und der Anblick verhieß nichts Gutes.
    Er rannte sofort zu Cassagnol. „Verdammt! Was ist passiert?!“, schrie Frederick entsetzt.
    „Später Frederick, das ist jetzt ziemlich ungünstig. Komm, packe mit an. Wir müssen ihn irgendwo unterbringen“, sagte Ritaré.
    „In dem Haus da drüben ist die Einrichtung für Kranke, ich bringe euch dahin“, sagte Ecki, der dazugestoßen war.
    „In Ordnung. Frederick, Ihr anderen Zwei... Auf drei heben wir ihn an. Eins... zwei... drei!“ Cassagnol wurde angehoben und davongetragen.
    Beim sich Entfernen rief Ritaré noch zurück: „Adrian! Schnüre den Arm Marvs zu und bringe ihn hinterher!“
    „Geht klar“, sagte Adrian gedankenverloren und blickte fassungslos auf die gigantische Blutlache, die Cassagnol zurückließ...
    Kapitel 35: 'Selbst Schuld'
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    „Alles in Ordnung, Shoshana?“, fragte Keru besorgt, nachdem sie durch Inazumas letzten Angriff einen leichten Schnitt davongetragen hatte.
    Sie sah ihn an, nickte kurz und gab ihm so zu verstehen, dass es nicht so schlimm war. Sie hielt sich an ihren Rippen und durfte erleichtert feststellen, dass es nur eine Fleischwunde war. Wenn man bedenkt, wen sie als Gegner hatte, und vor Augen führt, dass diese Verletzung bisher ihre einzige war, war das noch ein gutes Ergebnis.
    Inazuma humpelte zunehmend stärker und verharrte immer mehr an einem Fleck. Sein Knöchel tat höllisch weh. Der Schmerz war allerdings, in Anbetracht seiner Lage, die zu seiner Gefangenschaft führen konnte, recht unbedeutend - er musste fliehen. Es war aber eher die Unfähigkeit zu Laufen, welches dem Revolutionär Sorgen bereitete, als der Schmerz.
    Immerhin dachte er eventuell eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie er aus dieser Sache entfliehen könnte. Er glaubte beobachtet zu haben, dass dem Agenten etwas an der Agentin liegt. Sehr unüblich für CP- Agenten, wie er bemerkte – aber sei es drum. Daraus könnte sich doch was ergeben...
    Keru und Shoshana dagegen, sahen noch kein Licht am Ende des Tunnels. Sie waren dem Kommandanten der Revolutionsarmee überlegen, wussten aber nicht, wie sie die Festnahme über die Bühne bringen konnten, ohne dass es in einer Exekution enden würde – sprich dass sie ihn unbeabsichtigt töten könnten. Mit Samthandschuhen durfte Inazuma aber auch nicht angefasst werden, weil er dafür einfach viel zu gefährlich war. Zu viel Kraftaufwand konnte ihn aber ernsthaft verletzen. Es war wie in einer Zwickmühle. In dieser kleinen Zwischenpause, die zufällig auftrat – und zum Verschnaufen genutzt wurde - hatten Keru, wie auch Shoshana, die selben Überlegungen. Eine Lösung war jedoch noch niemanden eingefallen.
    Inazuma stellte sich auf einen Bein hin. Er stand etwas komisch dar, so dass er die volle Aufmerksamkeit der beiden Agenten auf sich gezogen hatte. Es war unschwer zu erkennen, dass er auf seinem gesunden Fuß stand.
    Keru fragte sich noch kurz was das soll, musste dann aber sofort eingreifen, da der Revolutionär auf Shoshana hechtete, die Scheren weit gespreizt. Sie sprang zurück, während Keru die Klingen mit Inazuma kreuzte. Shoshana benutzte, trotz der bisherigen Anstrengung, 'Soru' und tauchte hinter Inazuma auf. Kaum war sie hinter ihm, schon schoss der Ellenbogen ihres Gegners nach hinten, ins Gesicht der schönen Agentin. Den Schritt hatte Inazuma vorhergesehen und die kleine Nase der Agentin bekam einen Knacks. Mit der anderen Hand, die Kerus Schwert immer noch kreuzte, stieß er den Marinekapitän zurück. Keru stolperte leicht und stürzte sich erneut auf Inazuama. Dieser drehte sich um seine eigene Achse und gewann blitzschnell an Schnelligkeit. Bevor Keru seinen Angriff zurücknehmen konnte, schoss der Kommandant wie ein Vogel in die Lüfte. „Perforation Twist!“, schrie er und war weg. Der Luftstoß, der daraus resultierte, war enorm genug, um beide, Keru und Shoshana, auf den Boden zu befördern.

    Keru lag am Boden, und richtete sich halb auf. Sein Schwert war ihm aus der Hand gerutscht, lag aber nur wenige Meter weiter weg. Er sah auf und erblickte Shoshana, wie diese sich am Boden mit der einen Hand halb aufgerichtet hatte, und mit der anderen immer noch ihre Nase hielt - sie schien gebrochen zu sein.
    Keru stand auf und holte sich sein Schwert. Er wollte nach Inazuma sehen, da hörte er was in der Luft. Ein Surren war zu hören, und es kam sehr schnell näher. Er erkannte Inazuma, wie dieser, wie eine Spirale um sich selbst drehte und Kurs auf Shoshana genommen hatte.
    „Neeiinnn!“, schrie Keru entsetzt.
    Shoshana blickte nach oben und sah nur noch wie Inazumas Scheren schon da waren.
    Ein recht lautes Zerreißen war zu hören und Keru sah mit bestürzten Blicken zu, wie schwarze Stofffetzen in die Luft katapultiert worden. Shoshana schrie vor Schmerzen laut auf...

    Ecki trat eine Tür ein. „Hier! Hier könnt Ihr ihn behandeln!“, rief er und hatte Ritaré und Co. zum Behandlungsraum des Hofes geführt.
    „Ihr alle, hievt Cassagnol auf das Krankenbett“, meinte Ritaré zu Frederick, Hank und Nick.
    Die Männer packten den noch am ganzen Körper zitternden Cassagnol auf das Bett. Ritaré öffnete sofort seinen Koffer und bereitete Gegenstände vor.
    „Kleiner, kannst du mir Verbandszeug aus dem Schrank da holen. Da müssten welche drin sein“, sagte der Arzt zu Ecki und begann mit der Behandlung. „Frederick, nimm ein Stück des Verbandszeuges, falte sie zusammen und drücke es auf eine der großen Wunden. Ich werde mich erst einmal um die zweite kümmern. Versuche solange zu verhindern, dass aus der Anderen weiter Blut austritt.“
    Ecki überreichte Frederick etwas vom Verbandszeug und der legte sofort los.
    Das weiße Bettlacken war jetzt schon versaut mit dem Blut Cassagnols.
    „Ihr anderen beiden, Ihr nehmt euch Wasser, Desinfektionsmittel und Tupfer, und behandelt die kleineren Schnittwunden. Das sind keine ganz gravierenden Verletzungen, doch wenn er verblutet, soll es nicht daran liegen. Kleinvieh macht auch Mist“, sagte er zu Hank und Nick und wies Ecki an, eben das Wasser und den Rest für die beiden Agenten zu besorgen.

    Sie waren schon einige Minuten dabei die Blutungen des Navigators zu stillen. Dabei war Ritaré der einzige, der mental gefasst arbeiten konnte. Alle anderen waren mehr oder weniger konsterniert. Frederick musste fest auf eine tiefe Wunde seines Kameraden drücken, obwohl dessen Körper schon aussah, wie ein Stück roter Schwamm. Und die Agenten, eigentlich gestandene Männer, die zusammen schon einige getötete Gegner aufzuweisen hatten, mussten zum aller ersten Mal mit ansehen, wie ein Mensch um das Nackte überleben kämpfte – mit dem Gedanken, dass ihre eigenen Aktionen ausschlaggebend für den Ausgang dieses Kampfes sein könnten. Dadurch wirkten sie etwas verkrampft.
    Wenig später kam auch Adrian mit Marv in den Behandlungsraum. Adrian half dem Zimmermann auf einen Stuhl. Ritaré sah nebenbei auf seinen anderen Patienten. „Hast du seine Blutungen stillen können?“, fragte er Adrian.
    „Ja, der Gurt hat geholfen“, antwortete dieser knapp.
    Ritaré sah sich Marvs kaputten Arm an, musterte die Wunde mit seinen, jahrzehntelang geschultem, Blick – ohne dabei von der Behandlung des Navigators abzukommen - und schüttelte mit zusammengekniffenem Gesicht den Kopf. „Das sieht für deinen Arm nicht gut aus mein Freund“, sagte er bedauernd.
    „Habe ich mir schon gedacht“, sagte Marv mit schmerzverzerrtem Gesicht.

    „In Ordnung. Die Blutung hier ist gestillt“, sagte Ritaré, während er nur noch die eine Wunde zuklebte. „Jetzt die andere“, sagte er des weiteren und Frederick überließ ihm die Wunde. „Trotzdem hat er sehr viel Blut verloren“, wies der Arzt auch noch mal hin.
    „Brauchst du Blut? Sollen wir was spenden? Wer hat den Überhaupt die gleiche Blutgruppe?“, fragte Frederick.
    „Hat jemand von euch Agenten die Blutgruppe '0 negativ' oder 'B negativ'?“, fragte Ritaré, um Fredericks Frage nicht sofort zu beantworten. Ecki gab zu verstehen, dass er seine Blutgruppe gar nicht kannte. Hank und Nick schüttelten dagegen den Kopf.
    „Das hätte mich auch gewundert“, bedauerte es der Arzt und wand sich zu Frederick. „Nur Marvs Blut ist kompatibel. Aber von ihm darf ich kein Blut entnehmen.“
    „Ach Unsinn Doc! Nimm dir soviel Blut wie du brauchst. Ich kann doch nicht mitansehen, wie Cassagnol draufgeht!“, rief Marv, immer noch mit verzerrtem Gesicht.
    „Sprich keinen Blödsinn! Du brauchst jeden Tropfen selber! Außerdem würde uns das sowieso nur ein bisschen Zeit erkaufen. Dein Blut bleibt bei dir!“, schimpfte Ritaré.
    „Und was schlägst du vor?“, wollte Frederick von Ritaré wissen.
    Der Arzt sah ihm in die Augen... „Wir brauchen einen Bacta-Tank“, sagte Ritaré mit einem herausforderndem Blick.
    „Das ist unmöglich!“, stieß Hank hervor. „Die junge Erfindung von Dr. Vegapunk gibt es nur in größeren Marinebasen, oder auf den größten Kriegsschiffen.“
    „Genau, ein Kriegsschiff, wie die 'MS Tequila Wolf' eine ist“, schlussfolgerte Frederick auf Ritarés Andeutung. Der Arzt Nickte. „Wenn es noch nicht zu spät ist, ist das seine einzige Rettung“, sagte er.
    „Das Kriegsschiff müsste hier in der Nähe sein. Es war auf Erkundungsmission. Ich hoffe, dass sie sich nicht schon entfernt hat. Ich rufe VA Hightower an. Der könnte das Schiff herbeordern“, sagte Frederick und rannte aus dem Zimmer, um eine Teleschnecke zu holen...

    Shoshana lag in Kerus Armen. Inazuma hatte 'nur' ihren Arm verletzt und stand sogar noch daneben. Als er aus der Luft kam und am Boden landen musste, war diese Aktion schlecht für seinen Knöchel. Der Kommandant konnte kaum noch stehen. Er wäre jetzt ein leichtes Opfer. Das war Keru aber egal. Der Arm der Agentin blutete zu stark. Er musste sie stillen.
    Was Keru nicht wusste war, dass Inazuma mit Absicht nur den Arm von Shoshana getroffen hatte. Denn hätte er sie getötet, welches durchaus machbar wäre, dann müsste er, nach eigenen Überlegungen, noch gegen den wutentbrannten Keru kämpfen. Auf diese Weise musste der aber Shoshana helfen. So hatte sich Inazuma einen Freifahrtschein zur Flucht ergattert. Sofern man mit diesem ramponiertem Knöchel überhaupt noch erfolgreich flüchten konnte.
    Also humpelte der Kommandant davon und Keru ließ ihn gewähren. Jedoch kam er nicht weit - zwei Tage später wurde er doch festgenommen.

    Keru trug Shoshana in eine kleine, leerstehende Hütte, die wohl für etwaige Schäfer gedacht war. Er lag sie auf den Boden und legte sich zu ihr. Die Blutung konnte er stillen, jedoch hatte sie einigermaßen an Blut verloren. Der Schnitt war nicht gerade klein.
    „Wie geht es dir?“, fragte Keru fürsorglich.
    „Mir ist immer noch schwindelig, und etwas kalt“, sagte sie leise.
    Daraufhin legte Keru seine Jacke ab und deckte damit Shoshana zu. Dabei kamen sie sich sehr nahe. Keru hielt inne. Sie sahen sich in die Augen. Wenige Zentimeter trennten Kerus Lippen von ihrer. Und um die Nähe zu beschreiben, wurden nicht umsonst die Lippen erwähnt, das ist sicher...

    Währenddessen im Behandlungsraum:
    ...was soll das bitteschön heißen! Hier wird Niemand geheilt! Wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, sich in die Angelegenheiten der Cipherpol zu mischen!? Es hat Ihnen niemand die Befugnis erteilt, an dieser wichtigen Mission Teil zu haben. Das heißt, dass Sie sich einem direktem Befehl widersetzt haben, erster Offizier Skipp Frederick! Das wird noch Konsequenzen nach sich ziehen! Wo ist eigentlich Ihr Cpt.!?“, wollte VA Hightower, in seiner gewohnt aggressiven Art wissen.
    „D... der ist gerade nicht hier Vizeadmiral. Aber abgesehen von unserer Strafe... können Sie nicht einfach die 'MS Tequila Wolf' herschicken? Unser Navigator wird sonst sterben, wenn er nicht in einen Tank kommt“, flehte ihn Frederick nochmal an.
    Das Kriegsschiff hat schon einen neuen Auftrag! Ich kann unmöglich das Schiff wieder zurückrufen! Wissen Sie was das kostet! Für einen einzigen Matrosen wird das Schiff nicht wenden!
    „Aber dann wird unser Navigator sterben!“
    Das hätten Sie sich vorher überlegen sollen! Sagen Sie ihrem Cpt., dass er mich anschließend sofort kontaktieren soll! Ich muss ihn fragen, was ihn ihm gefahren ist! ENDE!
    Die Teleschnecke schloss ihre Augen. Frederick stand sprachlos da.
    Das Zittern von Cassagnol hörte plötzlich auf. Ritaré griff erschrocken nach seiner Halsschlagader... „Er kollabiert! Frederick! Hole eine der weißen Spritzen aus meiner Tasche und verabreiche es ihm!“, schrie der Arzt, während er sich auf Cassagnol schwang und mit den blutigen Händen versuchte, dem Navigator das Herz zu massieren...



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