"Auge um Auge"-Prinzip: Gerechte Strafe oder doch Folter?

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    • Erstmal möchte ich kurz anmerken, dass ich keine Rechtswissenschaften studiert habe und somit meine Sichtweise nur auf meinen schulischen Erfahrungen, dem Lesen von religösen& philosophischen Schriften und auf Internetquellen basiert. Ich erhebe kein Anspruch darauf, dass die Darstellung von rechtlichen Grundlagen korrekt ist. Ganz im Gegenteil möchte ich korrigiert werden, wenn ich Gesetze und Rechte falsch darlege.

      Ich halte es für falsch anzunehmen, dass Gerechtigkeit von jedem Individuum immer nahezu unterschiedlich wahrgenommen wird. Denn es gibt Fälle, in denen der Rechtsfall klar ist und rational gesehen von jedem Menschen auf der Welt so auch wahrgenommen wird. Beispielsweise, wenn ich Malakiel 1250€ stehle, dann schulde ich dieser Person logischerweise 1250 Euro. Zahle ich ihm das Geld zurück, ist Genugtuung zumindest auf der rechtlichen Ebene getan. Wenn Malakiel geistig aber gelitten hat, weil er seine 1250 Euro nicht finden konnte und somit seiner Freundin kein Geschenk kaufen konnte, so kann ich, der Täter, den geistigen Schaden nicht mit Geld, Worten oder Taten entschädigen. Letzten Endes obliegt es dem Geschädigten, Gnade walten zu lassen oder sich zu rächen. Diese zwei Möglichkeiten stehen dem Opfer zu.

      Des Weiteren gibt es ein Maßstab für Bestrafung, die jede Gesellschaft akzeptiert. Wenn ich den Mustang meines Nachbarn kurz mal nachts demoliere, so steht in keinem Gesetzbuch der Welt die Todesstrafe dafür an. Genauso nicht, wenn ich jemanden umbringe, wodurch der Opfer dann das Recht bekommt, mich und meine ganze Familie umzubringen. Das Opfer darf dann nach mittelalterlichem oder Scharia Recht nur an mir Rache nehmen. Oder wenn ich es in Bezug auf das "Auge um Auge" Prinzip setze. Ein "Auge um 2 Auge Prinzip" gibt es gar nicht. Wenn man Gerechtigkeit also nach Logik und Vernunft untersucht, so wird man eine zahlenmäßige Allgemeingültigkeit darin finden.

      Wenn jemand Person X die Hand abschneidet, dann wird er dem Täter aus dem Affekt heraus vielleicht beide Hände und die Füße abschneiden, aber frage ich Person X zuvor in der Freizeit, wie er Gerechtigkeit definiert, dann wird er womöglich in Bezug auf das Beispiel sagen: " Wenn jemand mir die Hände abschneidet, dann schneide ich ihm genau gleich viel ab." Dass heißt, dass Menschen, die nicht von der Tat betroffen sind, denken gleichermaßen vernünftig und betrachten Gerechtigkeit ähnlich. Klar gibt es Meinungsunterschiede und manche religiöse und streng moralische Menschen würden das "Auge um Auge" Prinzip verteufeln und stattdessen auf Gnade appellieren, jedoch behaupte ich, dass die Mehrheit der Menschen den Maßstab für Gerechtigkeit ähnlich definieren. So hat sich letzten Endes ein Rechtssystem in unserer Gesellschaft etabliert, dass von der Mehrheit der Menschen akzeptiert und als "gerecht" empfunden wird. Würde die Mehrheit dieses System nicht vertreten, würden heute andere Normen und Regeln herrschen.

      @Ash666 hat die Bedeutung der Gefängnisstrafe richtig erläutert. @Malakiel, du nennst zwar drei Optionen, aber vergesst die vierte und wirklich den wichtigsten Grund für die Gefängnisstrafe. Den Schutz der Bürger. Es ist doch allgemein bekannt, dass Menschen ins Gefängnis kommen, damit sie auf der einen Seite die Möglichkeit zur Resozialisierung erhalten, aber hauptsächlich will man diese gefährlichen Leute vor den Bürgern schützen und sperrt sie deshalb lebenslang ein. Die Gesellschaft vertritt hier meines Erachtens die Rolle eines Streitschlichters. Wenn sich zwei Kinder um ein Lolly streiten, werden sie sehr unwahrscheinlich nachgeben und weiter bis zum Umfallen kämpfen, deshalb braucht man jemanden, der dazwischenfunkt und beide Betroffenen davon abhält, weiteren Schaden anzurichten. So schützt auch die Gesellschaft den Täter, der weggesperrt wird und ihm somit jede Möglichkeit genommen wird, weiter Leuten zu schaden, und auch die Opfer werden dadurch beschützt, sodass sie ruhig schlafen und weniger leiden müssen. Zwar kann man nie für ausgleichende Gerechtigkeit beim Opfer und Täter sorgen, aber man kann beide schützen, dass das Verbrechen& das Leid nicht schlimmer wird. Mit der Zeit werden die Waagschalen der Justitia dann hoffentlich ihre Ruhe finden und die Ordnung wieder hergestellt.
    • Vielen Dank an alle, die geantwortet haben. Ich hatte nicht erwartet, wenn auch gehofft, dass es eine Diskussion geben würde.

      @Imagine Breaker

      Die Aufklärung eines Raubes ist für den Täter auch mit den Verlust des Geraubten verbunden. Die Aufklärung der Tat nimmt dem Täter den Taterfolg und führt damit die Tat ad absurdum. Somit würde eine neunzigprozentige Aufklärungsqoute selbst bei einer einwöchigen Freiheitsstrafe den Täter eher von der Tat abhalten als eine niedrigere Aufklärungsqoute bei einer längeren Freiheitsstrafe.
      Dennoch stimme ich dir dahingehend zu, dass Verstöße gegen Verbotsnormen mit Sanktionen geahndet werden müssen. Und diese Sanktionen müssen darüber hinaus auch eine abschreckende Wirkung entfalten. Allerdings nützt dir selbst die höchste Strafe wenig, wenn du keinen Täter der Strafe zuführen kannst.

      @Ash666

      Wiederholungstäter:
      In Deutschland müssen die Gerichte bei ihrer Entscheidung alle Umstände berücksichtigen. Sie müssen also auch berücksichtigen, wenn jemand bereits mehrere Straftaten begangen hat oder eine hohe Wiederholungsgefahr besteht. Allerdings dürfen die Gerichte in Deutschland niemanden wegen derselben Tat mehrmals zu einer Strafe verurteilen. Ein Gericht kann im Falle eines Wiederholungstäter aber andere Maßnahmen anordnen, wie z.B. einen Alkoholentzug oder eine Aggressionstherapie.

      Nicht therapierbare, nicht resozialisierbare und nicht gesellschaftsfähige Wiederholungstäter:
      Auch der nicht therapierbare, nicht resozialisierbare und nicht gesellschaftsfähige Wiederholungstäter hat eine Tat, selbst wenn er sie in der Zukunft begehen wird, im Zeitpunkt der Verurteilung noch nicht begangen. Sollte er also verurteilt werden, wäre dies eine Präventivverurteilung für eine Tat, die es niemals gab und aufgrund der Verurteilung auch niemals geben wird. Es stellt sich also die Frage, wofür der Täter (Kann man überhaupt Täter einer Tat sein, die man nicht begangen hat?) überhaupt verurteilt wird.
      Eine Präventivverurteilung halte ich daher für absolut ungerecht. Insofern darf Strafe auch nicht dem Schutz der Geschädigten dienen. Dem Schutz potentieller Geschädigter dienen die Verbotsnormen, die Verhalten mit Strafe bedrohen. Die Strafandrohung schützt also die potentiellen Geschädigten, während die Strafe der Sanktionierung des Täters dient. Mit der Strafe drückt die Gesellschaft ihre Missbilligung gegenüber dem Täter aus und dem Täter wird seine Normabweichung fühlbar gemacht.
      In der Praxis wirst du auch niemals beweisen können, dass jemand eine Tat nochmalig begehen wird (Hierzu müsstest du die Zukunft kennen). Eine solche Aussage kannst du erst am Lebensende des Täters treffen. Selbst der beste Arzt kann nur eine Prognose abgeben. Aber auch diese Prognose kann falsch sein und es wäre arg unbillig, jemanden aufgrund einer Prognose lebenslang die Freiheit zu entziehen.
      Geisteskranke Straftäter kann man darüber hinaus auch für eine längere Zeit in eine geschlossene Heilanstalt übergeben und ihnen so den Zugriff auf die Gesellschaft verwehren.
      Menschenrechte und Fairness spielen gerade dort eine Rolle. Menschenrechte sind keine Privilegien, sondern sollen gerade die schützen, die sich nicht selber schützen können. Und der einzelne Bürger (auch Straftäter sind Bürger) kann sich eben nicht vor der Macht des Staates schützen. Lockert man dieses Fundament wird es immer lockerer. Bald danach würden auch potentielle Staatsfeinde lebenslang eingesperrt werden. Irgendwann kritische Journalisten und am Ende oppositionelle Politiker. Macht kann missbraucht werden und deshalb darf man bestimmte Fundamente nicht lockern.

      Rückkehr in die Gesellschaft:
      Auch wird verurteilten Straftätern die Rückkehr in die Gesellschaft durch die Gesellschaft selbst erschwert. Aber auf der anderen Seite kannst du auch niemanden dazu zwingen, einen verurteilten Straftäter als Mitarbeiter einzustellen oder als Mieter bzw. Mitbewohner bei sich wohne zu lassen. Des Weiteren haben verurteilte Straftäter in Deutschland einen Anspruch auf Löschung des Vorstrafenregisters und dürfen ihre Vorstrafen, unter bestimmten Umständen, auch im Vorstellungsgespräch verschweigen.

      Entschädigung der Geschädigten:
      Bei der Entschädigung der Geschädigten ist letztendlich ein Ausgleich zwischen dem Genugtuungsinteresse des Geschädigten und dem Interesse des Täters zu schaffen. Dabei darf keines der beiden Interesse übersehen oder verkannt werden. Die Schuld des Täters und der Schaden des Geschädigten müssen also angemessen berücksichtigt werden.

      Three Strikes Law:
      In Deutschland dient der Gerichtsprozess der vollständigen Aufklärung der Straftat mit allen Umständen, die zu ihr geführt haben. Die Berücksichtigung sämtlicher Umstände vor Gericht ist mir sehr wichtig. Das "Three Strikes Law" hebelt diese Pflicht zur Aufklärung der Umstände aus und lässt eine Pauschalverurteilung zu. Aber gerade diese unaufgeklärten Umstände sind es, die offenlegen, warum die Straftat begangen wurde und uns einen Weg aufzeigen können, solche Straftaten in der Zukunft zu verhindern. Also lehne ich ein "Three Strikes Law" in Deutschland vehement ab.

      @ICallYouSensei

      Zunächst musst du nicht Rechtswissenschaften studieren, um dich zu rechtlichen Themen zu äußern.

      Gerechtigkeit:
      Des Weiteren ist die Frage, was ist Gerechtigkeit, eine philosophische Frage und keine rechtliche Frage. Im Recht ist gerecht was rechtens ist. Aber das Recht selbst kann trotzdem ungerecht sein. Ich glaube, du verwechselst in deinem Beitrag Recht und Gerechtigkeit bzw. setzt diesen beiden Begriffe gleich. Aus einer rechtlichen Perspektive ist es natürlich gerecht, wenn du mir mein Geld zurück gibst. Aber du wirst zumindest im Zeitpunkt des Diebstahls die Wegnahme als gerecht empfunden haben, während ich sie als ungerecht empfunden habe. Und selbst wenn du die Wegnahme als ungerecht empfunden hast, gibt es vielleicht jemanden der mich nicht mag und es als gerecht empfindet, dass mir mein Geld gestohlen wird. Auch würde ich es nicht als gerecht empfinden, wenn der Geschädigte über den Täter urteilen dürfte. Meiner Meinung nach sollte dies immer ein unabhängiger Dritter tun.

      Maßstab der Bestrafung:
      Gerechtigkeit ist weder Logik noch Vernunft. Gerechtigkeit ist eine Frage der (eigenen) Moral und Ethik. Im Recht mag es zutreffen, dass du die gegenseitigen Interessen in Zahlen oder nach Logik und Vernunft versuchst auszugleichen, aber ob das gerecht oder ungerecht ist, hängt von der eigenen Moral und Ethik ab. Aber es stimmt schon, dass du im Recht als Geschädigter nicht besser gestellt werden darfst, als der Täter. Andersherum darf der Täter natürlich nicht unsanktioniert davon kommen. Insofern gibt es auch keine "Ein Auge um zwei Augen"-Prinzip.

      "Auge um Auge, Zahn um Zahn":
      Unsere heutige Rechtsordnung beruht auf Vorstellungen von Gerechtigkeit, Moral und Ethik, die wohl von den meisten Menschen geteilt werden. Diese sind natürlich nicht in Stein gemeißelt und können sich ändern. Sowohl zum positiven als auch zum negativen. Dennoch geht es in unserer Rechtsordnung nicht darum, einen Schädiger zu Schaden, weil er jemanden anderen geschadet hat. Nach unserer Rechtsordnung geht es darum, den Schaden des Geschädigten wieder gut zu machen bzw. auszugleichen. Das ist aber kein "Auge um Auge, Zahn um Zahn"-Prinzip, sondern ein Interessenausgleich.

      Gefängnisstrafe:
      Ich habe bereits oben erläutert, dass eine Freiheitsstrafe nicht dem Schutz der Bevölkerung dienen darf. Die Verbotsnormen, also die Strafandrohungen, sollen dem Schutz der Bevölkerung dienen. Die Strafe dient der Sanktionierung des Täters für den Verbotsverstoß. Eine Präventivverurteilung wäre aber absolut unbillig.

      Zusammenfassung:
      -Verbotsnormen (also Strafandrohungen) müssen Sanktionen enthalten
      -Verbotsnormen sollen dem Schutz der Bevölkerung dienen, Strafe dient der Sanktionierung des Täters
      -Eine Präventivverurteilung darf es nicht geben
      -Ein "Three Strikes Law" lehne ich ebenfalls ab
      -Recht und Gerechtigkeit sind zu unterscheiden
      "Do you know what heroes are? Say there is a chunk of meat. Pirates will have a banquet and eat it. But heroes will share it with other people. I want all the meat!"

      -Monkey D. Ruffy
    • @Malakiel und @ICallYouSensei

      Erstmal: Vielen Dank für Ihre Antworten und Reaktionen.

      @Malakiel

      Was die Punkte Wiederholungstäter und "Three Strikes" stimme ich Ihnen zu, bzw. komme Ihnen dahingehend entgegen, dass ich zugebe: Ja, es ist richtig und wichtig, dass die Richter prüfen, warum ein Täter immer wieder die gleichen Taten begeht. Was in Amerika geschieht und gerade in Deutschland besondere Beachtung genießt.

      Allerdings finde ich, dass Nachsicht und Verständnis Grenzen haben sollten und man ab einem bestimmten Punkt einfach strenger / härter sein muss.
      DAS allerdings liegt dann in der Verantwortung der Anwälte und Richter und sollte mit Bedacht und Vorsicht erfolgen.

      Was Nicht therapierbare, nicht resozialisierbare und nicht gesellschaftsfähige Wiederholungstäter betrifft:


      Ich würde es gerne vermeiden, diese Diskussion auf einen dunklen Pfad zu führen und enthalte mich daher der bösartigereren und unerfreulichereren Argumente / Details.

      Allerdings bin ich bei diesem Punkt ebenfalls bereit, Zugeständnisse zu machen und genau wie bei Wiederholungstäter und "Three Strikes" zu sagen: Es muss sorgsam geprüft und erwogen werden. Denn Sie haben absolut Recht. Menschenrechte müssen immer höchste Beachtung genießen, um Machtmissbrauch und Unterdückung zu verhindern.

      Leider gibt es nun mal Situationen, wo eine Präventionsmaßnahme die einzige Lösung ist. Wie aber schon gesagt, das ist ein Themen-Pfad, den ich nicht gehen möchte.

      Was die Rückkehr in die Gesellschaft betrifft:

      Das Recht der Gesellschaft vs. das Recht auf eine zweite Chance... Beide Parteien haben Recht und diese Diskussion wird wohl endlos bleiben.
      Trotzdem wiederhole ich meine schon gemachte Aussage:

      Resozialisierung kann, darf und sollte nicht an der Gerichts- bzw. Gefängistür enden.

      Bzw. Nicht auf diese Bereiche beschränkt sein.


      Ich bin aber schwer überrascht. Mir war gar nicht bekannt, dass ich meine Vorstrafen auch löschen lassen kann. Bei Minderjährigen. Ok, davon hatte ich schon mal was gehört / gelesen. Aber dass das auch bei Erwachsenen möglich ist... Das war mir neu.
    • @Ash666

      In Deutschland hat man deshalb die Sicherungsverwahrung (§ 66 StGB) entwickelt. Diese dient vorrangig dem Schutz der Allgemeinheit. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, bevor ein Täter in der Sicherungsverwahrung untergebracht werden kann. Und selbst die Sicherungsverwahrung kann nicht lebenslang sein. (Insofern ist die Sicherungsverwahrung eine Präventivmaßnahme, die aber ihre Legitimation vorrangig aus einer vorher begangenen Straftat schöpft)

      Bzgl. der Resozialisierung der Täter stimme ich ihnen absolut zu, dass diese nicht an der Gerichts- oder Gefängnistür enden darf. Resozialisierung sollte spätestens hinter der Gefängnistür beginnen und nach Möglichkeit auch fortgesetzt werden, wenn die Verurteilten wieder in Freiheit sind.

      Mit den Thema Vorstrafenregister habe ich mich noch nicht großartig auseinandergesetzt. Es gibt für alle strafrechtlichen Verurteilungen Tilgungsfristen. Die Tilgungsfrist beginnt mit der Verkündung des Urteils und endet regelmäßig nach fünf Jahren. Nur bei einigen Sexualdelikten beträgt die Tilgungsfrist zehn Jahre (Feminismus sei dank...)
      Weiterhin kann man auch nur die Löschung dieser Taten aus dem polizeilichen Führungszeugnis verlangen. Im Bundeszentralregister bleiben die Taten trotzdem registriert. Ein Arbeitgeber verlangt aber üblicherweise nur das polizeiliche Führungszeugnis.
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      -Monkey D. Ruffy
    • Passt vielleicht nicht ganz zum eigentlichen Thread-Thema, aber zur Diskussion der letzten Seite(n).

      Sicherheitsverwahrung, darüber braucht man nicht zu diskutieren, nützt nichts um Straftaten zu verhindern bzw. ausschließlich in dem Einzelfall der Sicherheitsverwahrten. Was sie in einigen Fällen richtig erscheinen lässt.

      Was ich daran unpassend finde: die Taten, die zur Sicherheitsverwahrung führen, sind nicht auf "schwere Delikte" beschränkt. Damit meine ich Tötungsdelkite und schwere Sexualstrafttaten. Es geht um die wiederholte Gefängnisstrafe (ähnlich dem oben angesprochenen Gesetz in den USA). Dementsprechend kann man z.B. für Einbrüche, Betrug u.ä. da hinein geraten. Was so ziemlich den Rahmen sprengt und nicht unbedingt nachvollziehbar dem Bürger nahegebracht werden kann, was die Gefährlichkeit angeht. Sicherlich sind Opfer von Eigentumsdelikten, Betrug etc. nicht klein zu reden, allerdings wirkt hier eine Sicherheitsverwahrung doch etwas außerhalb vom Rahmen.
      Ich bin auch wichtig.
    • Meine Meinung zu Vergeltung, Rache, Selbstjustiz, Auge um Auge und was alles noch so da rumschwirrt:

      Bullshit.

      Das ist alles nur Befriedigung der Gefühlsebene ohne Werte, Sinn und Gewinn dahinter.
      Wer sowas ernsthaft vertritt, hat bei mir verschissen.
      Mehr gibt's für mich fast nichts zu sagen. Es gibt nichts, was dafür spricht, es irgendjemanden "heimzuzahlen".

      Gefängnisstrafen sollten mehr auf die Zukunft als auf die Vergangenheit gerichtet sein, womit ich meine, die Gesellschaft vor Unheil zu schützen, weniger Vergangenes bestrafen.
      Natürlich funktioniert das nicht ganz so, weil man ja auch Abschreckung braucht, aber ein höchstpersönlicher Mord an einer Person vs. religiös begründeter Mord sind für mich z.B. einfach zwei verschiedene Paar Schuhe zum Beispiel.

      Ich könnte einen ganzen Roman hierüber schreiben, aber ich habe irgendwie einfach keine Lust drauf. Für mich ist sowas offensichtlich und selbstverständlich, auch wenn ich weiß, dass es das für andere nicht ist.

      Wir sollten alle mehr vergeben können in unserer Gesellschaft. Und idealerweise nur diejenigen wegsperren, die nicht aufhören oder schaden WOLLEN. Würde ich mir wünschen. Wird leider nie passieren.
      Die Farbe Weiß bleibt dem künstlerischen Ausgangsmaterial am nächsten und schließt jede Ablenkung und Illusion aus.
      Sie erlaubt, unmittelbar über die Grundfragen des Kunstwerkes zu reflektieren.
    • White schrieb:

      Meine Meinung zu Vergeltung, Rache, Selbstjustiz, Auge um Auge und was alles noch so da rumschwirrt:

      Bullshit.

      Das ist alles nur Befriedigung der Gefühlsebene ohne Werte, Sinn und Gewinn dahinter.
      Wer sowas ernsthaft vertritt, hat bei mir verschissen.
      Mehr gibt's für mich fast nichts zu sagen. Es gibt nichts, was dafür spricht, es irgendjemanden "heimzuzahlen".

      Gefängnisstrafen sollten mehr auf die Zukunft als auf die Vergangenheit gerichtet sein, womit ich meine, die Gesellschaft vor Unheil zu schützen, weniger Vergangenes bestrafen.
      Natürlich funktioniert das nicht ganz so, weil man ja auch Abschreckung braucht, aber ein höchstpersönlicher Mord an einer Person vs. religiös begründeter Mord sind für mich z.B. einfach zwei verschiedene Paar Schuhe zum Beispiel.

      Ich könnte einen ganzen Roman hierüber schreiben, aber ich habe irgendwie einfach keine Lust drauf. Für mich ist sowas offensichtlich und selbstverständlich, auch wenn ich weiß, dass es das für andere nicht ist.

      Wir sollten alle mehr vergeben können in unserer Gesellschaft. Und idealerweise nur diejenigen wegsperren, die nicht aufhören oder schaden WOLLEN. Würde ich mir wünschen. Wird leider nie passieren.
      sounds good, doesn't work.

      Mir fällt da gerade eine Geschichte ein.
      Vor einem Gericht wurde ein Vater für ich meine es war Körperverletzung mit Todesfolgen freigesprochen, weil er jemanden erwischt hat, wie er seine Tochter vergewaltigt hat.
      Wenn man Logik, Moral etc immer vorschieben könnte und würde, würde all so etwas nicht passieren und man bräuchte keine Rechtssprechung.
      Ich hätte vermutlich genauso wie a der Richter und b der Vater reagiert. Emotionen sind nun einmal da und lassen sich nicht unterdrücken (bzw nur sehr schwer).
      Ich spürs. So was hab ich schon mal erlebt.
      Alles Still und mein Puls dröhnt so laut.
      Ganz nah der Tod.
      Die Steine erschienen mir ganz lebendig.
      Ich spüre soetwas wie ihren Atem.
      Stein , Baum und Erde atmen. Hat er das gemeint?
      Heisst ´nicht spalten´vielleicht den Atem spüren?
      Ist das die Kunst , Eisen zu schneiden?

    • @White

      Ich stimme dir zu, dass Rache, Vergeltung und Selbstjustiz nicht der Bestrafung eines Täters dienen und allgemein bei der Beurteilung einer Straftat keine Rolle spielen dürfen. Die Strafe darf nicht nur der persönlichen Genugtuung der Geschädigten dienen.
      Dennoch muss auch der Straftäter erfahren, dass sein Verhalten nicht richtig war. Das ist mMn der Sinn und Zweck einer Strafe. Dabei muss die Strafe aber in einem angemessenen Verhältnis zur bestraften Tat stehen.

      Aber Gefängnisstrafen auf die Zukunft ausrichten lehne ich ab. Für was willst du jemanden den bestrafen, was dieser nicht in der Vergangenheit getan hat? Es ist mMn absolut richtig und notwendig, einen Täter für seine vergangenen und nicht für seine zukünftigen Taten zu bestrafen. Kann jemand überhaupt Täter einer Tat sein, die er nicht begangen hat? Auch eine noch nicht begangene Tat ist eine nicht begangene Tat. Dafür sollte mMn niemand verurteilt werden dürfen.

      In erster Linie schützt mMn nicht die Bestrafung von Tätern schützt vor zukünftigen Unheil, sondern das Aufstellen von Verboten.

      Ich halte es ferner auch für richtig, dass nicht nur den Tätern die Freiheit entzogen wird, die einen Schaden anrichten wollten, sondern auch denjenigen, die nur wussten, dass sie einen Schaden anrichten oder die nur billigend in Kauf nahmen, dass sie einen Schaden anrichten könnten oder die zwar keinen Schaden anrichten wollten, aber wussten, dass sie einen Schaden anrichten könnten oder denjenigen die ungewollt einen Schaden angerichtet haben. Selbstverständlich muss auch in diesen Fällen die Strafe in einem angemessenen Verhältnis zur bestraften Tat stehen, aber ein solches Verhalten nicht zu verbieten würde bedeuten, ein solches Verhalten zu erlauben. Und das kann und darf mMn nicht sein. Eine funktionierende Gesellschaft braucht Verbote die die Entfaltung der einzelnen Mitglieder so begrenzen, dass sich auch alle anderen Mitglieder der Gesellschaft frei entfalten können.
      "Do you know what heroes are? Say there is a chunk of meat. Pirates will have a banquet and eat it. But heroes will share it with other people. I want all the meat!"

      -Monkey D. Ruffy
    • "Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein.“

      – Mohandas Karamchand Gandhi –


      Wenn jeder Mensch nach Vergeltung für einen Angehörigen seines Freundes oder Familienkreises will, dann wird die Welt an der Rachedurst der Menschen erblinden.
      Letztendlich wird jeder in diesem ewigen Teufelskreis gefangen sein.
      Wir können glücklich sein, dass wir in Deutschland eine funktionierende Rechtsprechung haben, die wir ohne Bestrafung mündlich kritisieren können und öffentlich protestieren dürfen.

      Da wir uns in einem Manga-Forum aufhalten, werde ich ein Werk einbinden, dass sich mit dieser Thematik beschäftigt hat.

      Der Mangaka Masashi Kishimoto hat mit seinem Meiserwerk die Fehler aufgezeigt, wenn ein Mensch nur von Hass getrieben wird.
      Der ewige Teufelskreis, von dem Jiraya beschrieb und die Aufgabe an seinen Schülern weitergab, wurde aufgrund des ewigen Teufelskreises selber von seinem eigenen Schüler getötet.
      Naruto drohte das gleiche Schicksal wie seinen Vorgängern. Er wollte Rache für Jiraya und trainierte in Myoubokuzan. Sein Weg hätte die gleiche werden können wie die von Pain. Letzten Endes erfuhr Naruto von Pains Vergangenheit und nach Nagatos vollständigen Niederlage, hätte er endlich Rache für seinem Sensei nehmen können. Allerdings wollte er nicht so ein Shinobi werden. Nagato sollte ihn dabei zusehen und an ihm glauben, dass Jirayas Vorstellung keine Fiktion war.
      Ich verlinke euch mal dass hier:
      Das Gespräch zwischen Pain und Naruto über Gerechtigkeit und Frieden


      Grüße aus Berlin
    • @Held
      Ernsthaft? Ghandi und Naruto und so willst du diskutieren?
      Also no offense, aber einen diskurs führt man anders.

      Auge um Auge liegt in der menschlichen Natur. Wir sind immernoch Tiere, zwar hochintelligente und soziale, aber dennoch Tiere. Wir werden von sozialisation und Genen geprägt, sowie einer Hirnchemie, welches dann unser handeln bestimmt.
      Es mag sein, dass man im ruhigen, darüber nachdenkend zu einem anderen Schluss kommt, als in der akut Situation selber.
      Kleines Beispiel: Ich war mit einem Bekannten nachts unterwegs, wir hatten getrunken und haben ein Pärchen sich streiten gehört und gesehen. Aufeinmal schlug der kerl seine Freundin, wir sind in die Richtung gerannt. Das Mädchen lag mittlerweile auf dem Boden und er hat noch ein paar nachgeschlagen. Wir haben ihn runtergezerrt. Jedoch Wut und Alkohol bedingt hat von uns ein paar mitgekriegt, ehe wir die Polizei riefen.
      Ich kannte die Dame nicht. Aber eine emotionale Ausnahmesituation gepaart mit einer durch Alkohol veränderten Hirnchemie haben mich das machen lassen.
      Ob ich es heute wieder tun würde? Ja, sogar härter und öfter. Denn der kerl hat eine läppische Geldstrafe gekriegt. Ich weiß das, da ich und mein kollege als Zeugen geladen wurden. Wo wir wieder beim Thema sozialisation wären.

      Das Problem ist eigentlich, dass kapitaldelikte höher bestraft werden als Körperverletzungsdelikte. Der Mord hingegen kriegt wieder eine höchststrafe. Dies lässt folgenden Schluss zu:
      Nehme jemanden, bspw dem Staat, Kapital oder Einnahmen weg, wird das hart bestraft. Verletze eine Arbeitskraft wird das so geahndet, dass für die Gesundwerdung der Arbeitskraft gezahlt werden muss. Nehme jemanden seine Arbeitskraft zur Gänze und du wirst für immer weggesperrt.
      In einem System wo die Steuerflucht härter bestraft wird als die vergewaltigung, sieht man doch, was als wichtiger erachtet wird. Und in einem solchen Staat läuft einiges schief.

      Eine Strafe ist dazu da, den Volksmob fernzuhalten und die staatliche Hoheit über das Gebiet zu verdeutlichen und vertrauen in der Herrschaft des Staates zu erzeugen. Die resozialisation als weiteren Zweck der Strafe ist erst neueren Ursprungs.
      Jedoch muss der Staat, damit er dies kann, auch bitte sich teilweise populistischen Meinungen hingeben, denn ansonsten wird der Volksmob erst recht aktiv.
      Als kleines Beispiel, welches nichts mit Auge um Auge zu tun hat: eine niedrige abschiebequote gepaart mit einer erhöhten Kriminalität, sowie weiteren Zufluss unkoordnierter illegaler (laut deutschem/europäischen Recht) grenzübertritte hat dazu geführt dass eine Partei wie die Afd erstarkt ist.

      Von daher ist Auge um Auge vielleicht nicht richtig, aber Teil der menschlichen Natur.

      PS: ich bin weder ein Feind von geflüchteten, noch ein Freund von pegida. Ich wollte nur verdeutlichen, dass manchmal Populismus wichtig ist, um ein weiteres abschwenken des Volkes in extremistische Lager zu verhindern.
    • Halt. Dieser Post läuft über vor miserabler Recherche und populistischen Einflüssen und die Schlusspointe, dass Populismus dann ein legitimes Mittel sein kann, wenn er vor vermeintlich Schlimmerem bewahren kann, ist ein ganz erbärmlicher Rettungsversuch.

      Zur Klarstellung:
      Steuerhinterziehung wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft, in besonders schweren Fällen bis zu 10 Jahren. Die Richtlinien, welcher hinterzogene Betrag zu welcher Strafe führen soll, hat der BGH entwickelt. Diese Information ist innerhalb von 20 Sekunden via Google aufzuspüren.
      Vergewaltigung, § 177 StGB und ebenfalls im Internet auffindbar, ist wesentlich umfangreicher und lässt den Strafrahmen in der Absätzen 5, 6, 7 und 8 nach oben offen. Dass Steuerflucht härter bestraft würde als Vergewaltigung ist schlicht falsch.
      Ferner wird sie auch nicht härter bestraft als die 'Verletzung einer Arbeitskraft' (... was für eine Wortwahl). Körperverletzung wird mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet, gefährliche Körperverletzung, wenn du denn so willst das Pendant zur besonders schweren Steuerhinterziehung, mit bis zu 10 Jahren. Dazu kommt sogar noch die Existenz der schweren Körperverletzung...
      Pointe ist, du bist einem gigantischen, von wem auch immer gestreuten Irrtum aufgesessen, wenn du glaubst, dem Staat läge mehr an seinem Steuereinkommen, als am Wohl seiner Bürger. Schaue dir an, wie gewöhnlich die Strukturen in Prozessen zu Steuerhinterziehung und Vergewaltigung sind. Die Taten und klassischen Tätergruppen zeigen sicher keine allzu große Schnittmenge. Du vermischst komplett unterschiedliche Sachverhalte, machst daraus ein vermeintlich repräsentatives Gesamtbild und prangerst auf dieser Grundlage den achso ausbeuterischen, animalischen, egoistischen Staat an.
      Dabei ist nicht nur ebenjene Grundlage sachlich falsch und unfundiert, sondern vor allem der daraus gezogene Schluss ein so gefährlich populistischer, dass es mir gallig hochkommt. Ich bitte dich, vor deinem nächsten Post mal 2 Minuten in den Untiefen des Internets zu recherchieren und diesen Thread mit solchen Primitivitäten zu verschonen.
    • Es ist schön, dass du sagst, es kann bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe geben. Dies ist jedoch bei einem erststraftäter idR nicht der Fall.
      Es gibt immer wieder Berichte in den Medien, dass Vergewaltiger sogar mit bewährungsstrafen davon kommen.
      Dafür gibt es keine Entschuldigung, entweder man ist wirklich Krank, also hat dies im Wahn mit/ohne Drogenrausch gemacht, dann ab die Forensik, oder man hat das im vollen bewusstsein getan, dann ab ins Gefängnis.
      Das Leben eines Menschen muss auch an seiner Lebensqualität gemessen werden, nicht nur daran ob das Herz noch schlägt und die Hirnfunktion noch aktiv ist.
      Da kannst du noch so mit Paragraphen rumwedeln wie du willst, wenn diese nicht angewandt werden, oder erst ab dem 3 fall, dann haben diese
      A) ihre Funktion verfehlt und B) keine Wirkung nach den ersten beiden Fällen gehabt.
      Aber es geht nicht um den zweiten/dritten Fall, es geht um den ersten, dieser ist schlimm genug und unentschuldbar.

      So, dem gegenüberstehen Kapitalverbrechen. Nehmen wir bspw diesen protz Marcus von Anhalt. 640.000€ hinterzogen, 3 Jahre Haftstrafe.
      Wieso darf ich mir dann nicht die Frage stellen, eine kaputte psyche ist scheinbar in der deutschen Gerichtsbarkeit, zumindest für einige Richter, weniger wert als 640.000 Euro.
      Natürlich muss man strafen vergleichen um zu sehen ob sie ungerecht sind oder sind. Denn nur weil etwas nicht widerrechtlich ist heißt es nicht, dass es ungerecht ist.

      So kommen wir zur Wortwahl Arbeitskraft:
      Was glaubst du, was du für den Staat bist?
      Natürlich staatenbürger, dennoch will der Staat nicht für dich aufkommen, deswegen stellt er dir eine Infrastruktur zur Verfügung, die dich (hoffentlich) solange bildet, bis du eine Arbeitskraft bist und anfängst Geld zu verdienen und Steuern zu zahlen.
      Du bist ein Kalkulationsfaktor, eine kosten nutzen Rechnung.
      Deswegen hat die Freilassung von Yücel solange gedauert. Der deutsche Staat hat solange verhandelt bis der Kosten Nutzen zumindest ausgeglichen war. N paar panzer für n Journalisten.
      Demgegenüber stehen die deutschen Karl und Walter Legrand, welche in den USA hingerichtet wurden, einer der Jungs hatte eine geistige Behinderung.
      Deutschland hat Einspruch eingelegt, ein bisschen medial Stimmung gemacht und das wars. Die Männer, welche in den USA den Großteil ihres Lebens verbracht haben, waren es einfach nicht wert, sich mit den USA anzulegen. Kosten zu hoch, nutzen zu niedrig.
      Und wenn du wirklich glaubst, im Kapitalismus geht es nicht um Kosten nutzen, dann stell dir die Frage wieso Kinderarbeit hier verboten ist und rechachier es bei Googlen.

      Ja ich mag populistische Ansichten haben, aber du hast verquerte komische überdemokraten Argumente und redest von deinen Paragraphen. Schön es gibt sie, aber mehr auch nicht.
      Und wäre dies nicht zu weit off topic würde ich dich fragen, wer denn am Flughafen Frankfurt das erstzugriff Recht hat. (spoiler: Deutschland ist es nicht)
    • Es ist eine eher schwierige Frage.
      Auge um Auge - Zahn um Zahn oder auch Feuer muss man mit Feuer bekämpfen, sind eher alte Weisheiten / Thesen vor einer einheitlichen demokratischen oder menschlich rational betrachteten Sichtweise.

      Was im Mittelalter / Steinzeit / bis vor 19./20. Jahrhundert gilt ist Heute oder seit Kriegsende 1945 eher ein falscher Gedanke.
      Selbstjustiz , auch wenn die Gründe dafür noch so überwältigend logisch / mitfühlend sind, Mord bleibt Mord!

      Wer jemanden tötet - muss die Konsequenzen seiner Handlung tragen.
      "Der Knabe nennt sich Randall Flagg, der in Wirklichkeit ein Abtrünniger aus der Hölle ist."
    • @deAcero

      Auch dir zuerst vielen Dank für deine Antwort und deine Beteiligung an der Diskussion.


      Maßgebend für die Länge der Freiheitsstrafe ist die Schuld des Einzelnen (§ 29 StGB). Diese Schuld setzt sich aus allen Umständen des konkreten Einzelfalls zusammen. Dazu gehören also nicht nur die Umstände der Tat, sondern auch vergangene Ereignisse im Leben des Täters, z.B. sein familiäres Umfeld oder seine Schulbildung. Aus der Gesamtheit all dieser Umstände ergibt sich dann die individuelle Schuld des Täters. Und diese Schuld ist immer einzigartig so wie auch jeder Einzelfall einzigartig ist. Daher bedarf es solcher Strafrahmen, wie sie es im deutschen Strafrecht gibt. Nur auf diese Art und Weise kann eine angemessene, d.h. der Schuld des Einzelnen entsprechende, also mithin gerechte Strafe ausgesprochen werden. Würde man nun auch einen Ersttäter pauschal zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilen, würde man dieses wichtige Prinzip durchbrechen. Selbiges würde passieren, wenn man die Bewährung für bestimmte Straftaten pauschal sperrt. Die Länge der Freiheitsstrafe und die Frage, ob diese zur Bewährung ausgesetzt wird, dürfen immer nur im konkreten Einzelfall und nicht pauschal beantwortet werden. Denn das würde auch jeder von uns vor Gericht für sich einfordern!

      Weiterhin würde ich dir sehr ans Herz legen, nicht nur Medienberichte über Gerichtentscheidungen, sondern die Gerichtsentscheidungen selbst zu lesen. Die meisten Gerichte, auf jeden Fall alle Bundesgerichte, veröffentlichen ihre Entscheidungen im Internet. Meiner Erfahrung nach setzen sich Journalisten nur sehr selten wirklich mit den Gerichtsentscheidungen auseinander, aber empören sich trotzdem über die ihrer Meinung nach nicht nachvollziehbaren Urteile. Aber wie soll man auch ein Urteil nachvollziehen können, dass man selbst nicht gelesen hat? Es wäre wahrscheinlich wirklich zu viel verlangt, wenn einige Journalisten recherchieren würden, bevor sie ihre Meinung in die Welt hinausposaunen...

      Hast du ein paar Beispiele, in denen die Gesetze nicht angewandt werden? Selbst wenn ein Täter zu einer deiner Meinung nach zu geringen Strafe verurteilt wird, wird er dennoch auf Grundlage der geltenden Gesetze verurteilt...

      Wie sich die Strafe des Einzelnen nach der Schuld des Einzelnen zusammensetzt habe ich bereits oben beschrieben. Daher wäre selbst ein Vergleich zweier Täter, die für die gleiche Straftat verurteilt worden sind, unzulässig, da sich die Schuld der Täter und die jeweiligen Taten immer unterscheiden werden. Zwei komplett identische Taten wird es niemals geben und daher wird es auch nie eine identische Schuld geben. Strafen zu vergleichen ist daher ungerecht und nicht gerecht. Ein solcher Vergleich würde erneut pauschalisieren und die Umstände des konkreten Einzelfalls ignorieren.
      Und erst Recht kann man keine Strafen für unterschiedliche Straftaten vergleichen. Ich wiederhole erneut: Maßstab für die Strafe ist immer die Schuld des Einzelnen. Es ist aber nicht die Schuld eines Täters, wenn Marcus von Anhalt Steuern hinterzieht. Daher kann diese dreijährige Freiheitsstrafe auch nicht die Mindesstrafe für irgendeine andere Straftat werden.

      Kein Mensch funktioniert nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Ein Mensch entscheidet nicht rein rational, sondern nach einer unzähligen Vielzahl von Faktoren. Der Staat ist ein Konstrukt des Menschen und handelt durch Menschen. Daher sind auch staatliche Entscheidungen keine Kosten-Nutzen-Rechnungen, sondern von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Interessant ist aber, dass viele Menschen dennoch denken, ihre Mitmenschen würde so funktionieren. Das liegt aber nicht daran, dass die Mitmenschen wirklich so funktionieren, sondern daran, dass die Menschen das Verhalten ihrer Mitmenschen nicht immer verstehen, einfach weil menschliche Entscheidungen von so vielen Faktoren abhängig sind. Kein Mensch hält sich selbst für böse. So ist es auch bei staatlichen Verhalten. Oder würdest du sagen, dass du alle Entscheidungen rein rational nach einer Kosten-Nutzen-Rechung triffst? Und wenn die Antwort "Nein" lautet, wie kommst du dann dazu, anderen Menschen zu unterstellen derartig rational zu handeln?

      Populismus halte ich übrigens immer für falsch. Der Zweck heiligt niemals die Mittel (Wenn der Zweck die Mittel heiligt, wie heilig ist dann noch der Zweck?). Wenn du laut schreien musst, damit deine Meinung in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und du dich unlauterer Mittel bedienen musst, um dich mit deiner Meinung durchzusetzen, dann gehört deine Meinung vielleicht einfach nicht in die Öffentlichkeit...

      PS: Was soll das Erstzugriffsrecht sein? Ich habe diesen Begriff noch nie gehört und konnte auch bei google nichts finden. Kannst du mir vielleicht erklären, was das sein soll?

      PPS: Ebenfalls vielen Dank an @Moxie; ich stimme deinen Beitrag vollkommen zu!
      "Do you know what heroes are? Say there is a chunk of meat. Pirates will have a banquet and eat it. But heroes will share it with other people. I want all the meat!"

      -Monkey D. Ruffy
    • Ich wäre vorsichtig, Kritik an Strafen mit Verweis auf vorgegebene Strafrahmen pauschal als nichtig abzutun. Denn immerhin wird sich der Gesetzgeber durchaus etwas bei deren Festsetzungen gedacht haben. Und auch sind Zeitstrafen objektiv, ein Jahr ist ein Jahr ist ein Jahr. Mag sein, dass die Strafen individuell anhand des Strafrahmens festgelegt werden und nicht jeder Vergleich sinnvoll ist, dennoch bleiben Zeitstrafen anhand ihrer Länge vergleichbar.

      Auch hat nicht jeder Bürger ein solch tiefes Rechtsverständnis, dass man sich nun mit einzelnen Urteilen intensiv auseinander setzt. Sicher, Journalisten sollten da etwas mehr recherchieren, dennoch bleibt das kaum beim einfachen Leser hängen. Wie geschrieben, die objektiven Zeiten sind vergleichbar, ob sinnvoll bzw. gerechtfertigt oder nicht. Insofern sehe ich auch nicht die Richterschaft als verantwortlich dafür, sondern den Gesetzgeber, der den Strafrahmen festlegt.
      Dieser Beitrag wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Signatur gültig.
    • Interessant finde ich, dass im Ursprung (Bibel, Koran und Tora an verschiedenen Stellen) vom "Auge-um-Auge"-Prinzip es auch gar nicht um Selbstjustiz und Rache geht. Die Selbstjustiz wurde denke ich wohl sonst irgendwie im Laufe der Geschichte zu diesen Zitaten hinzugetan. In den Stellen geht aber denke ich nur einfach ums gerecht strafen. Die Frage, wer straft, wird nicht behandelt.

      Komplexer wird es dann noch, wenn wir die biblische Botschaft des Evangeliums dazu nehmen, in der Gott innerhalb der Dreieinigkeit an unserer Stelle sich selber straft, um ums frei von unseren Vergehen zu machen. Hier sieht denke ich jeder ein, selbst der Ungläubige, dass Gerechtigkeit seinen Preis hat und dieser auch bei der Vergebung bezahlt werden muss. Wir denken also falsch, wenn wir meinen Vergebung hebt die Gerechtigkeit auf. Vergebung hebt nicht die Gerechtigkeit auf, sondern den Hass.

      Um zurück zum Punkt der Selbstjustiz und Vergeltung zu kommen. Vergeltung und Selbstjustiz fördert denke ich indiskutabel den Hass. Ich finde das Beispiel mit Pain und Naruto übrigens sehr passend und wir sind ja tatsächlich in einem Manga-Forum, also warum nicht solche Diskussionen mit Szenen veranschaulichen, die wir alle kennen?

      Ich denke irgendwo in Kishis Kopf hat Pain Gerechtigkeit erfahren, sei es durch Wiederbeleben aller Konoha-Leute oder vielleicht sonst irgendwo im Naruto-Jenseits. Ob Kishis Gerechtigkeit auch wirklich gerecht ist? Weiss ich nicht aber wäre denke ich auch eher eine nebensächlichere Diskussion. Der Kern der Botschaft ist aber, dass Naruto nicht nur Pain gestoppt hat, sondern auch den Hass nicht fördert sondern beendet. Naruto wäre bei Vergeltung und Selbstjustiz auf seinem Weg genauso vom Hass versklavt gewesen wie Pain, und genauso wäre denke ich auch Selbstjustiz, Vergeltung und Rache schlecht für unseren Weg und unseren Charakter. Durch das Vergeben ist Naruto aber frei vom Hass. Hier braucht Naruto aber auch Vertrauen in die Gerechtigkeit seines Universums und seinen Weg, bzw. dass seine Entscheidung gegen den Hass die Richtige ist. Etwas das uns sicherlich auch nicht immer einfach fällt.
    • Neu

      Sorry dass ich auf mich hab warten lass @Malakiel aber hatte 7 Nachtdienste am Stück und das zerrt an Nerven, vorallem wenn man fachfremd in einer akut Psychiatrie eingesetzt ist.

      Ich weiß wie sich die strafen zusammensetzen, dass brauchst du mir nicht erklären.
      Es mag nett von dir gemeint sein, es wirkt aber arrogant, wenn du mir das erklären willst wie einem Kind.
      Aber ich weiß mitlweile wie ich jeglicher juristischer Strafe entgehe. Ich täusche einen psychotischer wahn vor. Wir haben hier einen Patienten, dessen Mutter hat im wahn seinen Bruder getötet und ging völlig straffrei aus der Sache und war nur kurz in der Forensik.

      Ich rechne nicht nach Kosten Nutzen Rechnung, das stimmt. Der Staat tut dies aber, er muss es tun, sonst ist er nicht Überlebensfähig.
      Ich rechne nicht nach Kosten Nutzen, ich bin aber auch Kommunist, ich sehe Geld als das, was es ist, als Mittel der Erpressung. Ausführungen hierzu werden noch folgen. Aber ich empfehle die 'der bürgerliche Staat' von Karl Held zu lesen. Der Verlag ist der gegenstandpunkt, dann sollte dir einiges klarer werden, oder aber auch die Kritik an der hegelschen rechtsphilosophie.
      Ich sitze grad in der sitzwache, und kann nicht viel schreiben da mein Akku gleich leer ist, werde die Tage aber einen etwas ausführlicheren Text am PC schreiben.

      Aber eines könntest du mir erklären:
      Polytox (Alkohol, thc, Koks, benzos positiv) hat im psychotischen wahn eine Frau die ihm unbekannt war intensivpflichtig geprügelt. Die Polizei die ihn festnehmen wollte, hatte er angegriffen. Bei uns angekommen hat er mich und einen Kollegen sofort angegriffen, wir haben den fixiert und jez mach ich sitzwache.
      Wieso kommt sowas nicht in die Forensik (forensische Psychiatrie) sondern in eine akut Psychiatrie? Wir haben hier Suizidal gefährdete, Menschen mit Angst Zuständen und müssen uns dann um sowas noch kümmern?
      Ein anderer Patient, slovakischer Nazi. Mehrfach Patienten und pfleger angegriffen, nicht unser einzugsgebiet, kam aber zu uns, verweigert die AOK (seine Krankenkasse) die verlegung in das für ihn zuständige Krankenhaus zu bezahlen.
    • Neu

      @deAcero

      Mit meinen "arrogantwirkenden Erklärungen" möchte ich niemanden belehren. Ich möchte damit meine Argumentation für andere und mich selbst nachvollziehbar machen. Wenn meine Beiträge arrogant wirken, dann bitte ich dies zu entschuldigen. Das ist nicht meine Absicht!

      Es stimmt, dass du jeder Strafe entgehen kannst, wenn du auf Schuldunfähigkeit plädierst. Aber dir können dennoch andere Maßnahmen auferlegt werden, wie z.B. eine Therapie in einer geschlossenen Anstalt. Als wir im letzten Semester das Thema Schuldunfähigkeit hatten, war mein Strafrechtsprofessor gerade an einem Prozess beteiligt, wo der Verteidiger auf Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störung plädiert hatte. Der Angeklagte ist am Ende einer langen Freiheitsstrafe (ich glaube 15 Jahre) entronnen. Dafür wanderte er aber für 30 Jahre in eine geschlossene Anstalt. Du magst zwar nicht bestraft werden, aber frei bist du trotzdem nicht!
      Hast du möglicherweise einen Link zu der gerichtlichen Entscheidung im vom dir erwähnten Fall? Dass die Mutter aus dieser Sache vollkommen ohne auferlegte Maßnahme rausgekommen ist, ist für mich leider nur schwer vorstellbar.

      Zum Thema Kosten-Nutzen-Rechnung warte ich noch deine weiteren Ausführungen ab!

      Zu deinen letztgenannten Punkten kann ich leider wirklich nichts sagen. Wenn dies an deinem Arbeitsplatz geschieht solltest du dort eher herausfinden können, warum die Polizei den Angreifer zu euch bringt, obwohl ihr nicht zuständig seid und warum die Krankenkasse die Bezahlung verweigert...
      "Do you know what heroes are? Say there is a chunk of meat. Pirates will have a banquet and eat it. But heroes will share it with other people. I want all the meat!"

      -Monkey D. Ruffy