Angepinnt FanFiction - Einzelwerke

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    • 'N guten Morgen wünsche ich erstmal.
      Ist zwar noch relativ früh, wenn's nach der Tageszeit geht und reichlich spät, wenn man den Veröffentlichungszeitpunkt deiner kleinen FF betrachtet, aber dennoch möchte ich noch einen Kommentar verfassen. Keine Rückmeldungen zu kriegen wäre wahrscheinlich keine gute Werbung für den hiesigen FF-Bereich und auch etwas unfair dir gegenüber. Also fangen wir mal an.^^

      Worum geht's? Es handelt sich also um eine kleine Action-Einlage, in der ein stattliche 130 Millionen gefährlicher Pirat und sein Partner, ein kleiner Beagle, eine streng bewachte Karte aus einer Hochsicherheitsmarinefestung stehlen. In der Kürze liegt die Würze, dass beschreibt es ganz gut.^^

      Ich muss gestehen, dass ich mich mit einer Rezension etwas schwer tue, da ich deine FF als das sehen muss, was sie ist - eine Kurzgeschichte. Und als solche funktioniert sie, für ein vermeintliches Erstlingswerk sowieso.
      Mein Problem liegt nun darin, dass sich meine Rezensionen häufig auf drei Dinge beziehen:
      Schreibstil, Atmosphäre und an der Handlung nach dem Lesen gewecktes Interesse.
      Da du hier allerdings eine Kurzgeschichte verpasst hast (was natürlich absolut legitim ist), kann ich diese drei Punkte nur innerhalb der Rahmengrenzen einer Kurgeschichte betrachten, was mir -ehrlich gesagt- nicht ganz leicht fällt. Aber ich tue es natürlich trotzdem. ;)

      Gleich vorweg: Ich fand die Geschichte wirklich unterhaltsam. Sie atmet definitiv die Luft des Originals und bewegt sich auch dicht auf dessen Fersen. Du übernimmst hier viele für OP typische Merkmale und auch der Handlungsablauf erinnerte mich an eine ganz gewisse Sorte von OP-Kapiteln, nämlich jenen, in denen neue (wichtige) Figuren eingeführt werden.
      Yamato und sein Hund Takeru könnten so tatsächlich zu einem früheren Zeitpunkt in OP eingeführt worden sein und dafür gibt es von mir selbstverständlich einen Pluspunkt. Wer sich offensichtlich nahe am Original bewegen will und das auch schafft, dem kann man das auch zugestehen. Das kann nicht jeder.^^
      Im Rahmen einer Kurzgeschichte funktionieren Yamato und Takeru auch, beide sind keine Ausgeburten an Originalität (mal von der mysteriösen Herkunft des Hundes und dessen Fähigkeiten abgesehen, die ich sehr originell finde), aber als Handlungsträger machen sie was her. Yamato ist halt der lässige, coole und auch in Extremsituationen humorige Typ Abenteurer und Takeru sorgt für die emotionale Verbundenheit des Lesers (Stichwort: KAWAAAIIIIII!!! ;) ).
      In einer fortlaufenden Geschichte, wie es sie hier oft im Board gibt, würde mir jetzt eine interessante, auffällige Eigenschaft an Yamato fehlen, die schonmal andeutet, dass er auch anders kann. Aber in einer Kurzgeschichte spielt das keine Rolle, also...was soll's, seine Coolness und der Hund reichen als Handlungsträger vollkommen aus.

      Kommen wir nun zu meiner Spezialdisziplin, dem Schreibstil. Keine Ahnung, ob du schon mal in die anderen FFs hier im Board reingeschnuppert hast und so ungefähr ein Bild von den vertretenen Stilen gemacht hast, aber deiner müsste sich hier nicht unbedingt verstecken.
      Er ist ausbaufähig, das sage ich frei heraus (wo würde sonst die Motivation bleiben? :P), aber du kannst sprachlich akkurat verklickern, was vor sich geht und scheinst im Punkto Rechtschreibung/Grammatik auch gut klar zu kommen und das ist, so blöd es auch klingt, heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Ich war mal vor kurzem in einem anderen, hier nicht näher zu nennenden Forum unterwegs und was dort an grammatikalisch, syntaktisch und orthografisch falschen Textmassen in die Threads geklatscht wird...das ist schon nicht mehr feierlich. Im Gegensatz dazu war es beinahe erleichternd, deinen Text zu lesen. Ich möchte einfach mal ein Beispiel dafür nennen, warum ich deinen Schreibstil für ausbaufähig halte und dir gleichzeitig ein Potenzial zuspreche:
      Schrill dröhnte der Klang der Sirene durch die gesamte Basis. Begleitet wurde sie durch das dumpfe Schrittgeräusch einer Person, die durch die in rotes Licht getauchten Gänge jagte.

      Diese Satz zeigt recht deutlich, dass du durchaus schreiben kannst. Du nutzt passende Adverbien (schrill), treffende Verben (dröhnte, jagte) und schon einen Ansatz von sprachlich galanten Umschreibungen (in die in rotes Licht getauschten Gänge). Das alles mag sich für dich jetzt als selbstverständlich darstellen und ich mag für dich dementsprechend bescheuert klingen, aber es ist tatsächlich keine Selbstverständlichkeit. Du hättest genauso gut in die Tasten Hämmern können: "Die Sirene war in der ganzen Basis zu hören. Eine Figur rannte durch die rot beleuchteten Gänge." - Ausdruckslos und fad. Ich hoffe du verstehst, was ich meine.^^

      Gleichzeitig muss ich aber auch konstatieren, dass du dich hier und da verbessern könntest und, um fair zu bleiben, das gilt natürlich immer und für uns alle. Jeder Schreiber entwickelt sich ständig weiter und dabei seinen eigenen Stil, und sollte diese Geschichte einer deiner ersten Versuche sein, dann Hut ab. Manchmal mangelt es dann jedoch einfach an ausgereiftem Sprachgefühl oder am Finden eines passenden Wortes, aber das ist absolut normal und nicht so wild. Man verbessert sich mit jedem zu Papier gebrachten Wort, wenn man den Drang zur Verbesserung hat.
      Ein Beispiel:
      Im oben stehenden Zitat ist ein Wort auffällig, das bei genauerem Hinsehen etwas konträr wirkt: "Klang". Meiner Meinung nach, hättest du hier eher einen Begriff wählen sollen, der das laute, dröhnende, lärmende Wesen der Sirene einfängt. Ein Klang kann alles mögliche sein und ist für mich zudem eher mit positiven Assoziationen verknüpft. Wie wäre es mit "Schrill dröhnte das Plärren der Sirene" oder das "Schreien der Sirene", das "Gellen der Sirene" etc.
      Auch die "dumpfen Schrittgeräusche" passen für mich nicht zum im weiteren Satzverlauf beschriebenen "jagen". Dumpfe Schritte sind für mich langsam, schwer und gefällig. Rennen ist lauter, schneller, zackiger und weniger dumpf. Hier hätte man etwa "gehetzte Schrittgeräusche" oder ganz simpel "laute Schrittgeräusche" wählen können, wobei mir das Wort "Schrittgeräusch" auch nicht zusagen will, weil es für mich recht statisch klingt. Aber das wäre jetzt subjektive Klauberei und die möchte ich dir nicht antun. ;)

      Beispiel Nr. 2 setzt an einem anderen Punkt an, den du aber bestimmt leicht korrigieren kannst:
      Doch ehe sie auch nur eine Chance hatten auf das zu reagieren was vor ihnen vor sich ging [...]
      Ich beziehe mich hier auf das "was vor ihnen vor sich ging", ist ganz einfach doppelt gemoppelt und tritt in solcher Form auch nicht mehr auf, daher nur eine kurze Erwähnung. Sowas passiert halt mal, aber mit zunehmender Übung und steigendem Sprachgefühl (welches du ja bereits recht vorzeigbar entwickelt hast) passieren solchen kleinen Schnitzer immer seltener. :)

      Zum Abschluss möchte ich dir jedoch einen Ratschlag geben, der weniger mit deiner Geschichte selbst oder dem Stil als solchen zu tun hat, sondern der Aufmachung.
      Der Großteil der FF besteht aus wörtlicher Rede und sosehr ich weiß, dass Kurzgeschichten äußere Handlungen in den Vordergrund rücken und dass durch die schnelle, wörtliche Rede voller Ellipsen etc. auch Spannung und Tempo erzeugt wird, so stört es doch ab und an. Manchmal hätte ich mir eine eher äußere Beschreibung des Erzählers gewünscht und keine Erklärungen durch die Marines, Yamato etc.
      Wieso können die Soldaten eigentlich überhaupt noch so gesprächig sein, wenn sie doch von einem brennenden Beagle auf die Bretter geschickt wurden? ;)
      Wenn ich dir einen Rat geben müsste, dann wäre das, nicht zu sehr auf wörtliche Rede zu setzen. Natürlich ist sie ein elementarer Bestandteil jeder Handlung und du sollst sie nicht streichen, das wäre ja fast schon unmöglich, aber ab und an überlegen "MUSS das wirklich gesagt werden?"
      Ein Beispiel, wo ich NEIN sagen würde:
      Mit einem lauten Knall explodierte unmittelbar vor den Soldaten ein Geschoss.
      „Wa-was war das?!
      Die Soldaten sind verwirrt? Gut, dann lass doch den Erzähler einer schönen, sprachlich angemessenen Satz draus machen. Dafür ist ein Erzähler da, um Geschehen zu vermitteln.^^
      Aber wie gesagt, man soll ja nicht komplett auf WR verzichten. Hier z.B.:
      „Lasst mich euch einen Tipp geben. Mindestens die Hälfte meines Kopfgelds geht auf die Kappe meines Partners hier. Stimmts, Takeru?“
      Wichtige Informationen sind nett und ansprechend verpackt, Yamato und Takeru kommen gut zur Geltung usw. Das ist absolut passend.

      Der eigentliche Grund für mein Ansprechen der wörtlichen Rede ist jedoch ein Umstand, den ich auf die (in meinen Augen) von dir angestrebte Nähe zum Manga schiebe.
      „Hier, Takeru.“ Behutsam stopft er dem Hund die beiden Kugeln in die Ohren. Diese waren inzwischen mit dem Wasser der Sprinkleranlage in Kontakt gekommen und dadurch deutlich größer geworden.
      „Schwammstein..?“
      Die Soldaten blickten sich fragend an.
      „Ultraschall!“
      Im nächsten Moment wurde der Raum von einer schrillen Schallwelle erfasst. Schmerzverzehrt hielten sich die Soldaten die Ohren zu.
      Im Manga setzt sich der Anteil aus Sprache und Bildern logischerweise aus etwa gleichen Teilen zusammen, 50:50 mit Abweichungen je nach Art der Kapitel. Man darf nun aber nicht den Fehler machen und versuchen, dass auf eine FF zu übertragen, denn man hat hier keine Gleichzeitigkeit der beiden Teile. Im Manga sehen wir das Bild und Lesen die Sprachblase binnen Momenten, fast schon gleichzeitig. Beide Eindrücke bilden ein Ganzes. Eine FF hat es da schwerer. Hier müssen Bilder erst noch sprachlich vermittelt werden und das geschieht auf dem selben Raum, den auch die wörtliche Rede einnimmt. Denn man hat ja nur den einen Raum, die Sprache, Wörter, Sätze und keine optischen Bilder wie Zeichnungen.
      Das heißt, dass du zwar bestimmte Bilder auch über wörtliche Rede vermitteln kannst, aber nicht immer solltest. Das obige Beispiel ist nun nicht extrem, man kann sich alles gut vorstellen, aber dass Yamato seine Attackennamen wie im Manga herausbrüllt...halte ich für FFs immer etwas fragwürdig, was aber nur meine persönliche, subjektive Meinung ist.
      Ich will im Grunde nur darauf hinaus, dass du darauf achtest, deinen Lesern einen visuellen Eindruck zu verschaffen und nicht nur alles über die Ebene der wörtlichen Rede zu erreichen versuchst. Am Ende sollten die Ausführungen des Erzählers, meiner Meinung nach, einen größeren Anteil an der Geschichte haben. Und immer dran denken, ein toller Schreibstil entfaltet sich fast immer auf der Erzählebene über Beschreibungen, Erklärungen, Ausführungen etc. ;) Natürlich kann und sollte aber auch das gesprochene Wort der Figuren schön klingen und fesseln, keine Frage und wenn deine Figuren etwas zu sagen haben, sollen sie das auch. Ich will der wörtlichen Rede hier nicht ihre Bedeutung abspreche!^^

      Joa, ist ja doch ein ganz brauchbarer Kommentar zu Stande gekommen.^^
      Wie schon im Vorfeld eingeräumt, hatte ich gute Unterhaltung in deiner Geschichte gefunden und mag deinen Schreibstil beziehungsweise das Potenzial, welches ich als (fortgeschrittener ) Laie und Hobby-Autor in ihm sehe. Du solltest auf jeden Fall am Ball bleiben, wenn es dir Spaß macht und ich hoffe, dir mit meinem Kommentar ein paar Hinweise mit auf den Weg gegeben und dir nicht die Lust verdorben zu haben, denn -und das will ich noch einmal deutlich sagen- ich finde deinen Stil bereits sehr angenehm und gut zu lesen, weshalb ich mich freuen würde, dich hier im FF-Bereich wiederzusehen. :)

      mfG Bo


    • Prometheus (OneBrunou)

      Ja, ich mal wieder ^^
      Da ich bei meiner Haupt-FF gerade mit einer kleinen Schreibblockade zu kämpfen habe dachte ich mir, dass ich mich doch mal wieder was Neuem zuwenden könnte, um den Kopf etwas frei zu kriegen ... Eine ähnliche Idee hatte ich schon einmal vor einigen Jahren versucht als Nebenprojekt zu starten, bin aber kläglich gescheitert. Der Grundgedanke dieser Geschichte lässt mich allerdings nicht so recht los, weswegen ich dem Ganzen jetzt noch mal eine zweite Chance geben werde.
      Zu diesem Zweck bringe ich euch heute zumindest schon mal den Prolog meines neuen Nebenprojekts, der einigen vielleicht noch etwas vertraut erscheinen mag. Wenn ja, dann liegt das daran, dass es sich dabei um eine meiner Abgaben des letzten FFT's handelt. Diesen habe ich lediglich in geringen Maßen leicht umgeschrieben, da er ansonsten eigentlich wie die Faust aufs Auge für den Einstieg in diese Geschichte gepasst hat.

      Um meine Neben-FF dieses Mal nicht schon wieder kurz darauf canceln zu müssen ist es nun auch eine Handlung, die nicht aus meiner Haupt-FF ausgekoppelt wurde. Referenzen wird es voraussichtlich auch keine geben. Angepeilt ist eine maximale Länge von 100 Kapiteln, die ich auch nicht überschreiten möchte, wohl wissend, dass meine Haupt-FF, mit voraussichtlich 500 - 600 Kapiteln, schon groß genug sein wird. Die Kapitel werde ich vermutlich im zweiwöchigen Upload-Rhythmus veröffentlichen, sollte mir mein Privatleben dabei keinen Strich durch die Rechnung machen.

      Aber genug der (Vor)Worte. Jetzt gibt es erst mal den Prolog zu meinem neuen Nebenproject "Prometheus". Wünsche viel Vergnügen damit! :)

      Prolog

      Anno Maris 1824.
      Es war eine stürmische Nacht auf der kleinen, abgeschiedenen, Insel Haza, die sich irgendwo in der Neuen Welt befand. Diese wurde von mehreren Schiffen, die eine weiße Flagge gehisst hatten, umzingelt und mit lauter Kanonenschüssen verwüstet. Das ganze Land brannte. Auch der niederprasselnde Regen reichte nicht aus, um den Flammen etwas entgegen setzen zu können. Überall roch es nach verkohltem Menschenfleisch. Die Kolonie, die sich hierher zurückgezogen hatte, war bereits vollkommen ausgelöscht worden. Viele der Menschen waren lebendig verbrannt worden. Andere wiederum waren bereits tot, noch bevor sie den Flammen zum Opfer fielen.

      Inmitten dieses Chaos griff ein verwundeter Mann eine junge Frau an. Diese zeigte ihrem Gegenüber keinerlei Emotionen. Sie verzog keine Miene, zuckte nicht einmal. Ihr Körper war von einem dunklen Umhang umhüllt. So auch ihr Kopf, über den sie ihre Kapuze gezogen hatte. In ihrer rechten Hand hielt sie eine abgesägte Schrotflinte.
      Der Verwundete eilte verzweifelt auf sie zu, indem er sich in einen Blitz verwandelte und so, innerhalb eines Wimpernschlags, auf die vermummte Frau zustürmte. Diese erahnte sein Vorhaben jedoch bereits. Noch bevor der Teufelsfruchtnutzer vor ihr auftauchte und auf sie einschlagen konnte bewegte sie sich mit nur einem Schritt zur Seite, wodurch sie seinem Angriff mühelos ausweichen konnte. Bei diesem Manöver wurde ihr jedoch die Kapuze vom Kopf geweht, wodurch ihr Gesicht enthüllt wurde. Besonders auffällig war dabei die Narbe, die sich über ihre linke Gesichtshälfte zog. Eine Schnittwunde, die von ihrem Kinn aus fast bis zu ihrem linken Auge reichte.
      Ihr aschblondes Haar wehte im Wind, als sie ihre Arme, und damit auch ihre Handfeuerwaffe, mit ihrem Rüstungshaki überzog. Nach ihrem Ausweichmanöver, das ihren Gegner sichtbar überraschte, drehte sie sich einmal um die eigene Achse, ehe sie dem Mann ihre, mit Haki verstärkte, Waffe ins Gesicht schlug, wodurch dieser zurückgeschleudert wurde und in einer aufgewirbelten Staubwolke liegen blieb … Bis er aus dieser schließlich verzweifelt und angeschlagen heraus kroch. Seine Kräfte ließen allmählich so stark nach, dass er nicht einmal mehr in der Lage war sich aus dem Dreck zu erheben. Er hatte seine letzte Energie, alles was er noch aufbringen konnte, in seinen vorherigen Angriff gelegt … Und war gescheitert. Die junge Frau näherte sich ihm, während sie zwei Klingen aus ihren hochhackigen Stiefeln zog. Noch immer ohne irgendeine Form von Emotion zu zeigen.

      Als sie ihr Ziel schließlich erreicht hatte beugte sie sich über diesen, ehe sie ihm ihre Messer durch die Füße rammte, wodurch ein schmerzerfüllter Schrei seine Lippen verließ und durch die verbliebenen Ruinen der einst so friedvollen Kolonie hallte. Er merkte sofort, dass er aus dieser Falle nicht entkommen konnte … Die Messer … Sie waren aus Seestein angefertigt, wodurch sie ihn an den Boden ketteten. Unmöglich aus dieser Situation zu entkommen. Unmöglich sich zu befreien. Ehe er etwas sagen konnte durchstieß die Frau seine Handflächen ebenfalls mit zwei solcher Klingen, wodurch er ein weiteres Mal laut aufschrie. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte, so wusste er zu diesem Zeitpunkt bereits, dass dies sein Ende sein würde.
      „Was … Was ist bloß mit dir geschehen? Das sieht dir gar nicht ähnlich … Wie konntest du nur all diese unschuldigen Menschen töten?“ fragte der Gefangene seine Peinigerin, die noch immer keine einzige Miene verzog.
      „Du bist schuld daran, Milan. Hättest du nicht versucht hier Zuflucht vor der Justiz zu suchen, dann wäre ihnen dieses Schicksal erspart geblieben, kleiner Bruder!“
      „Das, was du hier tust, wäre niemals im Sinne unseres Vorfahren gewesen … Er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was du tust!“
      „Du glaubst noch immer diesem Märchen? Dass wir mit dieser Legende verwandt wären?“ fragte die junge Frau ihren Bruder. Mit leicht heraus zu hörendem Spott in ihrer Stimme.
      „Der hohe Rat hat ein Urteil gefällt … Die Teufelsfruchtnutzer sind eine potenzielle Bedrohung für den Weltfrieden! Sie waren es, die vor gut 300 Jahren die letzte Regierung gestürzt haben … Die Regierung wird nicht zulassen, dass sich diese Geschichte wiederholt. Und genau deswegen bin ich hier. Du hast dich des Diebstahls, des Mordes und der Verschwörung gegen die Regierung schuldig gemacht. Damit lässt du mir keine andere Wahl …“

      Plötzlich trat Stille zwischen ihnen ein, während die junge Frau ihre Waffe auf ihren eigenen Bruder richtete. Dieser schloss derweil seine Augen. Bereit sich seinem Schicksal zu fügen. Weitere Worte waren überflüssig. Das wussten sie beide. Es würde nichts ändern. Sie hatten sich für unterschiedliche Seiten entschieden. Sie hatten andere Wege bestritten. Ein Ende wie dieses war unausweichlich.
      Plötzlich ertönte ein Schuss. Die Projektile, die aus dem Gewehrlauf herausgeschossen kamen, flogen, dank der neuartigen Technologien, mit der Geschwindigkeit des Lichts auf seinen Körper zu. Aus dem Lauf des Gewehrs schossen unzählige kleine Kugeln heraus, die sich durch seinen Rücken bohrten und fort dort aus bis zur Erde vordrangen, in welcher sie letztlich erst zum Stoppen kamen. Ihr Bruder war sofort tot.

      Nach seinem Dahinscheiden fing die Frau mit dem aschblondem Haar plötzlich an zu zittern und ließ ihre Waffe fallen, ehe sie eine Frucht aus ihrem Umhang hervorholte. Einen gewöhnlichen Apfel, der sich jedoch plötzlich zu einer Teufelsfrucht verformte.
      Bevor sie den Kampfplatz verließ blickte sie noch einmal zu ihm herüber … Zu ihrem eigenen Bruder, den sie soeben getötet hatte. Die Wasserpfützen, die sich durch den prasselnden Regen gebildet hatten, wurden durch die Unmengen an Blut, die aus seinen offenen Wunden herausströmten, rötlich gefärbt. Sie biss sich kurz auf die Lippen, ehe sie dem leblosen Körper ihres Bruders den Rücken zukehrte … Und ihr eine einzige Träne über die Wange lief.

      Kapitel 1: Der Terror hat einen Namen

      Anno Maris 1820
      Der Schleier bedeckte ihre Augen. Sie konnte kaum etwas sehen. Lediglich der Rotstich des ausgerollten Teppichs vor ihren Füßen war so intensiv, dass er selbst ihr nicht entgehen konnte. Diesem folgte sie, in dem sie ihren zum Boden gesenkten Kopf empor hob. Am anderen Ende entdeckte sie einen stattlichen und jungen Mann, der ihr ein Lächeln zu warf. In der linken Brusttasche seines zugeknöpften Jacketts befand sich eine rote Rose. Zu seiner Rechten befand sich sein Trauzeuge. Ein Mann mit aschblondem Haar, der in ihrem Alter war und ihr nur allzu gut bekannt war …
      Schließlich wanderte ihr Blick zu der Person, um dessen linken Arm sie sich klammerte und der sie zum Altar geleitete. Dieser hatte eine volle, weiße, Haarmähne, die er sich hinten zum Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte. Dazu passend trug er einen weißen Vollbart. Sein weißes Hemd, das er unter seinem schwarzen Jackett trug, hatte er jedoch nicht ganz zugeknöpft. Die obersten beiden Knöpfe hatte er offen gelassen, wodurch ein Teil seiner Brust entblößt wurde. Besonders auffallend waren die Narben in Form von Schnittwunden, die teilweise bis zu seinem Hals hinauf ragten. Sein gesamter Körper war mit Narben geradezu übersäht. Auch in seinem Gesicht befand sich eine überaus deutliche Schnittwunde, die sich über sein linkes Auge hinweg zog. Dieser Verletzung hatte er scheinbar auch den Verlust seines Auges zu verdanken, da sich dort, wo seine Iris einst war, mittlerweile nur noch ein weißer Glasersatz befand.
      „Ich bin so stolz auf dich“, hallte es durch ihren Kopf. Es waren die Worte des Mannes, der sie zum Altar führte, die sich in ihr Gedächtnis eingebrannt hatten. Worte, die sie, aus einem ihr unbekannten Grund, einfach nicht vergessen konnte.

      Schließlich öffnete sie ihre Augen und erwachte aus ihrem Traum. Aus ihrer Erinnerung. Sie machte ein paar Schritte nach vorne, als sie plötzlich von einem Gegengewicht am Weitergehen gehindert wurde. Sie sah an sich selbst hinunter, wodurch ihr schließlich wieder bewusst wurde, wo sie sich befand. Ihr rechtes Bein war mit einer massiven Stahlkette gefesselt, deren Gegengewicht hinter den Gitterstangen angebracht war, das sie, nachdem sie der Kette gefolgt war, bemerkte. An sich selbst herab blickend bemerkte sie ebenso die Handschellen aus Stahl, die man ihr um die Handgelenke geschlossen hatte sowie das zebrafarbige Outfit, das sie zu tragen hatte.
      „Hey Schönheit, hast du etwa schon wieder geträumt?“ ertönte plötzlich eine Stimme aus einer benachbarten Zelle, die sichtlich amüsiert klang. Plötzlich verschwand ihre bedrückte Miene. Diese musste für ein breites Grinsen platz machen, dem ein zartes Lecken über ihre eigenen vollen und roten Lippen folgte.

      ~ Citadel – Hauptquartier der Allianz ~

      „Großer Gott, was geht da vor sich?“ sprach ein Mann, der seinen Mund kaum mehr zu bekam, als er die Bilder erblickte, die ihre Videoteleschnecke ihnen auf die gewaltige Leinwand projizierte, die sich vor dem Tisch des hohen Rates befand.
      „Das ist jetzt schon das fünfte Mal.“
      Die wiedergegebenen Bilder zeigten ihnen, wie ein Dutzend Menschen wie wilde Tiere übereinander herfielen. Sich gegenseitig die Köpfe aufschlugen, anderen sogar in den Hals bissen und so dafür sorgten, dass diese an ihrem eigenen Blut erstickten.
      Diesen erschreckenden, kaum in Worte zufassenden, Bildern folgte der Anblick einer Gestalt, deren Gesicht durch die Kapuze, die sie sich bis tief ins Gesicht gezogen hatte, verdeckt wurde. Diese blickte nun direkt in die Kamera und stand offenbar kurz davor eine Ansprache zu halten.
      „Verehrte Ratsmitglieder der Allianz, da dies das erste Mal ist, dass ich mich in der Öffentlichkeit zeige, möchte ich mich Ihnen gerne kurz vorstellen … Mein Name ist Poison Liz und das, was Sie gerade gesehen haben, war erst der Anfang. Eine kleine Demonstration dessen, wozu mein Angstgas im Stande ist. Sollten Sie sich weiterhin unseren Forderungen widersetzen, dann sehen wir uns gezwungen in Kürze größere Ziele ins Visier zu nehmen … Vielleicht sogar Ihre heißgeliebte Citadel! Sehen Sie diese Demonstration also als eine letzte Warnung an. Sie haben noch vierundzwanzig Stunden Zeit, um das Objekt an der gewünschten Stelle abzuliefern. Und glauben Sie mir … Sie möchten nicht erleben was geschieht, sollten Sie die Kooperation weiterhin verweigern“, erklärte der Mann, dessen Gesicht durch die Kapuze, die er tief in sein Gesicht gezogen hatte, kaum zu erkennen war. Alles, was man erkennen konnte, waren gelbliche Zähne, die durch sein breites Lächeln auffunkelten sowie Schuppen in seinem Gesicht, die denen einer Echse sehr ähnelten.
      Ehe sie sich versahen kappte der Terrorist die Verbindung der Übertragungsteleschnecke, wodurch eine lautstarke Diskussion unter den versammelten Ratsmitgliedern entfachte. Lediglich ein Mann, dessen auffälligste Merkmale seine weiße Haarmähne und seine tiefe Narbe, die sich über sein linkes Auge zog, waren blieb beteiligungslos. Stattdessen beobachtete er nur, wie die alten Männer und Frauen, darunter nicht nur Menschen, sondern auch Fischmenschen, Langarmmenschen, Langbeinmenschen, Zwerge und sogar auch Riesen, sich untereinander stritten und darüber debattierten, wie man jetzt fortfahren sollte.
      „Was sollen wir jetzt nur tun?“
      „Was können wir schon tun? Wir müssen auf seine Forderung eingehen!“
      „Hast du den Verstand verloren? Der oberste Grundsatz der Allianz lautet schon immer, dass wir nicht mit Terroristen verhandeln!“
      „Ganz genau. Damit sind wir in den vergangenen 300 Jahren auch gut gefahren, doch mit jemandem wie ihm hatten wir es zuvor noch nie zu tun! Oder ist dir etwa entgangen, was er mit seinem Angstgas anrichten konnte?“
      Die Diskussion drehte sich mehrere Minuten im Kreis, als es dem unbeteiligten Mann mit der weißen Mähne endgültig zu viel wurde. Er hob seinen rechten Arm, ballte seine Hand zur Faust und ließ diese mit einem rasanten Tempo auf den Tisch zurasen, wodurch dieser in sich zusammen brach und vollkommen zertrümmert wurde. Mit dieser Aktion gelang es ihm die volle Aufmerksamkeit aller anderen Ratsmitglieder auf sich zu ziehen und für ein Schweigen zu sorgen, das nur er brechen konnte.
      „Genug mit diesem Schwachsinn. Wollen wir unsere alten Grundsätze, die drei Jahrhunderte zuvor, in einer Zeit, in der Bedrohungen noch nicht so schwer zu erfassen waren wie heute, aufgestellt wurden, wirklich über das Leben von unschuldigen Zivilisten stellen? Also ich jedenfalls nicht“, erklärte der gealterte Ratsheer, woraufhin er sich von seinem Platz schließlich erhob. Er trug eine schwarze Uniform mit dunkelgrauen Schulterplatten, auf denen jeweils vier Sterne, die symmetrisch zueinander waren, abgebildet waren. Dieselben vier Sterne zierten auch seine linke Brust, die dort allerdings unter der Öffnung eines verzierten „A’s“ positioniert worden waren. Über seinen Rücken hatte er sich zwei Schwerter gebunden.
      „Und was schlägst du vor, Admiral Maynard?“ fragte ihn einer seiner Gefährten des Rates, während er nur weiter, streng musternd, in die Runde schaute.
      „Ganz einfach, wir gehen auf seine Forderungen ein. Uns bleibt gar nichts anderes übrig“, fuhr er fort, was augenblicklich für lautstarke Empörung sorgte. Dies war eine Entscheidung, die offenbar nur sehr wenige seiner Kameraden zu teilen schienen.
      „Bist du wahnsinnig geworden?“
      „Ist dir überhaupt klar, was du da vorschlägst?“
      „Wenn wir ihm diese Waffe geben, dann ist sein Angstgas wirklich unser kleinstes Problem! Verstehst du das nicht?“
      „RUHE!“ brüllte er aus voller Kehle, wodurch der Rat ihm augenblicklich gehorchte. Wie ein gut trainierter Hund, der auf Kommando die Pfote hob.
      „Wir haben keine Zeit für diese sinnlose Debatte. Entweder wir handeln jetzt oder wir sehen dabei zu, wie weitere Menschen sterben. Wissend, dass wir dies hätten verhindern können!“ setzte er nach, wodurch der Blick von fast allen anwesenden Ratsmitgliedern gen Boden wanderte. Sie wussten, dass er mit dem, was er sagte, recht hatte. Sie wussten aber auch, was für Konsequenzen es haben könnte, sollte Poison Liz es in die Hände bekommen. Dies war eine Gefahr, die sie unmöglich verantworten konnten. Besonders im Hinblick auf das, was die letzten Wochen über geschehen war …
      „Verstehst du es denn nicht, Maynard? Ohne einen Plan zur Ergreifung dieses Terroristen ist es egal, ob wir auf seine Forderungen eingehen oder nicht. Menschen werden sterben. Wenn schon nicht durch das Angstgas, dann durch die Waffe, die du bereit bist ihm zu geben. Zumal wir auch dann keine Garantie dafür haben, dass er sein Wort halten wird und von weiteren Angriffen auf die Zivilbevölkerung absehen wird“, entgegnete ihm schließlich eines der Ratsmitglieder, worauf Maynard ihm plötzlich zulächelte, ehe seinem Lächeln ein kurzes Nicken folgte.
      „Endlich verstehen wir uns. Genau das ist es nämlich. Tun wir nichts sterben Menschen. Tun wir genau das, was dieser Kerl von uns erwartet, sterben Menschen. Was also tun? Wir tun das, womit er nicht rechnet … Wir setzen zum Gegenangriff an! Es wird Zeit das Blatt zu wenden. Poison Liz ist uns jetzt lange genug auf der Nase herum getanzt“, erwiderte der Admiral den Ratsmitgliedern, ehe er ihnen den Rücken zudrehte und sich gen Ausgang bewegte.
      „Und wie sieht der Plan aus, Maynard?“ rief ihm einer der Männer noch hinterher, während er bereits die Türklinke herunter gedrückt hatte.
      „Wir brauchen eine Eingreiftruppe … Und für diese werde ich sorgen“, ergänzte er noch, kurz bevor er die Tür öffnete und heraus schritt.
      Die verbliebenen Ratsmitglieder sahen sich kurz fragend an, bis sie begriffen zu haben schienen, was ihr meist geschätzter Admiral mit diesen Worten andeuten wollte.
      „Er will doch nicht etwa sie rekrutieren, oder etwa doch?“ fragte einer von ihnen seine Diskussionspartner, von denen einige nur ratlos mit den Schultern zuckten.
      „Doch, ich glaube genau das will er. Immerhin standen sie sich einst sehr nahe. Er hat sie ausgebildet und fühlt sich seit jeher für sie verantwortlich. Er hat sich nie verziehen, dass sie seinetwegen weggesperrt wurde“, entgegnete ihm ein anderes Ratsmitglied.
      „Und was jetzt? Sollen wir das wirklich zu lassen? Nach allem, was diese Frau getan hat?“
      „Wir sollten auf sein Urteil vertrauen … Wenn er meint, dass wir die ehemalige Kommandantin gebrauchen können, dann werden wir das auch. Er gilt schließlich nicht umsonst als lebende Legende der Allianz.“

      ~ Citadel – Der Kerker ~

      „Hey Schönheit, hast du etwa schon wieder geträumt?“ ertönte plötzlich eine Stimme aus einer benachbarten Zelle, die sichtlich amüsiert klang. Plötzlich verschwand ihre bedrückte Miene. Diese musste für ein breites Grinsen platz machen, dem ein zartes Lecken über ihre eigenen Lippen folgte.
      Deathshock, du weißt doch, dass dich Schmeicheleien bei mir nicht weiter bringen“, entgegnete die Frau mit den zwei Zöpfen dem Mann, der ihr zuvor zugerufen hatte. Ihre Zöpfe wurden dabei mit jeweils einem Haargummi zusammen gehalten. Ein schwarzes und ein rotes. Exakt dieselben Farben, die auch ihre Haarspitzen an ihren jeweiligen Zöpfen hatten. Auffällig war daran jedoch, dass ihr rotes Haargummi die Haare zusammen hielt, deren Spitzen schwarz gefärbt waren und ihr schwarzes Haargummi die Haare zusammen hielt, deren Spitzen rötlich gefärbt waren.
      Deathshock hatte das Oberteil seiner Gefängniskleidung abgelegt und sich mit beiden Armen an die Stangen gehangen, die die Zellen auch von oben abschirmten. Seine Beine hob er dabei jeweils so weit an, wie es ihm die Kette um sein Fußgelenk erlaubte. Auch er war, ebenso wie seine Mitgefangene, mit einem Gegengewicht, das hinter den Gittern platziert worden war, an seinen Käfig gebunden und unfähig zu entkommen, selbst wenn er es versuchte.
      „Och sei doch nicht immer so abweisend zu mir, Harley Quinn!“

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