Menschenjagd (Bo)

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    • Kapitel 138 - Feuer in der Nacht

      Starten wir doch frisch in diesen nicht mehr ganz so jungen Morgen und hinterlassen einen Kommentar, bevor ich im Urlaub keine Zeit dafür finde und danach alles im verplanten Chaos endet :D

      Das Kapitel hat mir sehr gut gefallen und las sich auch flott weg. Du sagtest ja, dass es kürzer ist, aber es war auch kurzweilig.
      Gerade die anfängliche Szene mit Mercedes und dem Grauen Spion war etwas, was du sehr gekonnt und atmosphärisch in Szene gesetzt hast. Vor allem, weil es etwas aufgreift, was ich mir selbst auch schon immer so im Hinterkopf gedacht habe, aber irgendwie noch nie angesprochen habe. Deine Kopfgeldjäger haben gegen unzählige Gesetze direkt oder indirekt verstoßen und sind jetzt von der Marine oder der Weltregierung auch nicht direkt auf irgendjemanden angesetzt. Die Destabilisierung vieler Regierungen und das Vorgehen gegen Machiavelli und auch Harley werden im Gegenteil sogar etwas sein, was entgegen der Vorstellungen der mächtigen Strippenzieher im Hintergrund passiert ist. Daher ist es schon bemerkenswert, dass die Kopfgeldjäger bisher noch nicht selbst zur Beute geworden sind, um mich mal deiner Analogie zu bedienen. Neu war vor allem der Hinweis oder zumindest die Andeutung, dass Callaghan und seine Truppe nicht nur passiv von vergangener Substanz und ihrem Ruf leben, sondern jener sogar AKTIV etwas unternimmt? Zumindest deute ich so die Worte des Spions.
      Ansonsten natürlich noch einmal der Hinweis auf Krills Vergangenheit mit der Oktave, O'Mara ist klar und Mercedes Aktion selbst auf FI. Du hattest das ja schon einmal angedeutet, weswegen ich da einfach weiterhin gespannt bin, wann das aufgelöst wird.

      Die Szene mit Dädalus spinnt den Faden aus dem letzten Kapitel weiter und ich muss sagen, dass ich es richtig schön finde, wie wir unsere Geschichte immer weiter direkt und indirekt ineinander weben. Diese übergreifende Lore, die wir dadurch entwickeln ist für mich einfach ein wunderschöner Zusatzeffekt und macht das Lese- und Schreibvergnügen einfach noch größer.
      Ansonsten war die Szene wieder stark. Sowohl Dädalus Unterhaltung mit Ondine, welche von Krill abgehört wurde, als auch ihre Aktion gegen Cassiopeia. Abgesehen davon, dass die kleine Ondine ziemlich massive Kräfte entfesselt hat, sondern auch wie sie die abgebrühte Agentin abfertigt (physisch, emotional und eloquent). Da bin ich mal gespannt wie sich diese Situation jetzt weiter entwickeln wird. Der Plan Ondine als Opferlamm für den Pädophilen bereitzustellen, steht ja immer noch im Raum und was Cassopeia so wirklich auf der Insel will, ist meines Erachtens nach auch noch nicht entschlüsselt. Und was will sie eigentlich genau mit Ondine? Sie zu einer Agentin heranziehen oder als Forschungsexperiment analysieren lassen? Ich denke auf jeden Fall kaum, dass die Rothaarige jetzt mit eingezogenen Schwanz das Schlachtfeld räumen wird, sondern gehe eher davon aus, dass sie sich zurückzieht und ihren nächsten Schritt plant.

      Ansonsten erreichen wir Copperfield, welches du sehr schön als Moloch der Industrialisierung beschrieben hast. Dort tritt auch wieder der Pestdoktor auf, auf den ich besonders gespannt bin, was sich primär aber daraus ergibt, da ich daran entscheiden muss wie ich Leonardo inszeniere. Die Ähnlichkeit ist ja durchaus vorhanden und ich möchte ja nicht wegen Plagiats verschrien sein.

      Insgesamt ein schönes Kapitel, welches die Handlung voranbringt.
      - V.
    • Kapitel 138 - Feuer in der Nacht

      Hmm irgendwie scheint bei mir gerade der Wurm drin zu sein was dass schnelle und zeitige Kommentieren von FF-Kapitel angeht, besonders da ihr so freundlich seit mich immer rechtzeitig vorzuwarnen.

      Der erste Abschnitt ist mal wieder einer im dem Gefühlt sehr viel und wichtiges gesagt bzw angedeutet wurde, aber letztendlich nicht wirklich etwas an (neuen) Informationen herausgekommen sind. Der graue Spion macht zu jeden der KGJ ziemlich offengelassene Andeutungen, welche es nur noch als ein größeres Wunder erscheinen lassen, dass die KGJ noch nicht von irgendjemandem Vernichtet wurden, dem einer von ihnen mal auf die Füße getreten ist. Wenn ich mich auch an weiter zurückliegende Andeutungen recht Entsinne, müsste Cal auf einer Liste der Marine stehen, Mercedes auf einer der WR bzw. von FI und der HD, Krill steht natürlich im Death-Note der Oktave und O‘Mara rein theoretisch auf der von Ulysses bzw. er wurde von diesem aus der Familie geschmissen bzw seine ehemalige Zugehörigkeit hat ihn damals vor dem Tod bewahrt. Dazu dürften sicher noch einige andere gehören, denen sie als KGJ auf die Füße getreten sind.
      Allerdings lassen die Andeutungen des Graue Spion vermuten, dass all diese Gruppierungen auf deren jeweiligen Listen einer der KGJ gelandet war diese bisher in Ruhe gelassen haben. Was wohl auf die Gefährlichkeit des Zusammenschlusses dieser Individuen zurückzuführen ist, aber auch weil sie diesen Gruppierungen keine weiteren Probleme bereitete haben. Durch Flints auftauchen bzw dessen Aktionen sind die KGJ, auch durch die Aktionen der Gegenseite, mehr oder weniger gezwungen worden auf eine Weise aktive zu werden, welche ihren (ehemaligen) Gegner missfällt und sie wieder in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit führt. Derzeit ist Ulysses der einzige, welcher verhindert dass sich die ganze Unterwelt auf die Stürzt, während Leviatan dies Ausnutzt, um die KGJ gegen ihn selber einzusetzen. Derzeit haben die KGJ für diesen Teil der WR frei einen größeren Nutzen, was sich aber sehr schnell ändern kann.
      Wobei ich mich gerade beim Nachlesen Frage, ob das >er< des Grauen Spions auf Ulysses bezogen ist, denn eigentlich könnte es auch sein, dass die Agenten nicht so viele Informationen haben wie wir Leser. In diesem Fall würde sich das er auf Callaghan beziehen und irgendwie macht dann auch der restliche Abschnitt viel mehr Sinn. Wenn es Callaghans … sagen wir mal Macht ist, welches sowohl die WR als auch viele anderen Gruppierungen daran hindert gegen die Mitglieder der Gruppe aktiv zu werden erscheint er noch um einiges monströser raubtierhafterer als bisher. Besonders die Erwähnung der Gehaltsstufe könnte in diese Richtung deuten, da der Graue Spion in diesen Fall noch nicht hoch genug aufgestiegen wäre um auch in diese Geheiminformation eingeweiht zu werden.

      Bei Ondine und Dädalus musste ich auch heute wieder etwas an die Situation zwischen Dädalus und Aloe aus deinen Vergangenen Kapitel denken. Irgendwie hat der alte Knacker etwas, was ihn sehr gut zusammen mit Kindern/Jugendlichen agieren lässt. Dabei spielt sicher das Rollenbild des gütigen und wissenden Großvaters mit rein, aber irgendwie ist da auch noch etwas mehr. Allerdings kann er auch nicht alle Folgen seiner Handlungen vorhersehen, denn zumindest von Ondines Aktion gegen Cassopeia war er genauso überrascht und geschockt wie die Genannte selbst. Was doch die Angst eines Kindes so alles ausmacht/verhindert. Nachdem Dädalus Ondine die Angst oder zumindest einen Teil der Angst vor Cassopeia genommen hat und ihr auch noch verklickert hat, dass Cassopeia eine ganz böse und gefährliche Person ist reagiert Ondine mit der Beseitigung der Gefahr. Denn seinen wir mal ehrlich, ohne die Regenerationsfähigkeit durch ihre TF wären wir Cassopeia nun endgültig los. Spontan frage ich mich sogar, wie Callaghan diesen Angriff überstanden hätte bzw ob Ondine sich (und andere) im Notfall sogar vor ihm schützen könnte. Nur mal so als Nachfrage über das Verhältnis von Cal zu Ondine wissen wir noch nichts, außer dass er sie eigentlich nicht dabei haben wollte, oder? Vielleicht hatte er ja schon eine Gefahr gewittert^^.

      Jedenfalls hat Ondine Cassopeia ziemlich deutlich gemacht wie sie zu einander stehen und Cassopeia scheint sich (vorerst) der neuen Situation zu fügen, was bei ihr schon etwas zu bedeuten hat. Immerhin ließ sie sich von der Versammelten KGJ-Truppe nicht im mindesten beeindrucken und hat sie ziemlich dominiert. Auch vor Cal scheint sie keine große Angst zu haben bzw nicht so schnell klein bei zu geben.

      Als letztes erreichen wir noch Copperfield welches auf mehr als einer Ebene wie die Hölle auf Erden wirkt und ein Zentrum der Industrialisierung Stahlproduktion zu sein scheint. Damit ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für Ulysses Plan, da die unterdrückten Laaren sicher sehr gut mit der unterdrückten Arbeiterklasse gegen die unterdrückende Regierung kämpfen können. Weiterhin werden Probleme in dieser Stadt sicher auch große Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Militär von FI haben, da dort sicher nicht nur viele Güter sondern auch Waffen hergestellt werden.

      Allgemein hat mir das Kapitel wieder sehr gut gefallen. Jeder Abschnitt hatte seine eigene und sehr passende Stimmung, wodurch des trotz der nur zwei drei Handlungsorte gefühlt sehr viel Abwechslung gegeben hat.
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Guten Abend gute Nacht,

      ich habe euch ein Kapitel mitgebracht. Es trägt den Titel "Grüne Augen, grüne Herzen" und kann direkt unter diesem Beitrag gelesen werden. Viel Spaß wünsche ich. :)

      Vexor


      Vexor schrieb:

      Gerade die anfängliche Szene mit Mercedes und dem Grauen Spion war etwas, was du sehr gekonnt und atmosphärisch in Szene gesetzt hast. Vor allem, weil es etwas aufgreift, was ich mir selbst auch schon immer so im Hinterkopf gedacht habe, aber irgendwie noch nie angesprochen habe. Deine Kopfgeldjäger haben gegen unzählige Gesetze direkt oder indirekt verstoßen und sind jetzt von der Marine oder der Weltregierung auch nicht direkt auf irgendjemanden angesetzt. Die Destabilisierung vieler Regierungen und das Vorgehen gegen Machiavelli und auch Harley werden im Gegenteil sogar etwas sein, was entgegen der Vorstellungen der mächtigen Strippenzieher im Hintergrund passiert ist. Daher ist es schon bemerkenswert, dass die Kopfgeldjäger bisher noch nicht selbst zur Beute geworden sind, um mich mal deiner Analogie zu bedienen. Neu war vor allem der Hinweis oder zumindest die Andeutung, dass Callaghan und seine Truppe nicht nur passiv von vergangener Substanz und ihrem Ruf leben, sondern jener sogar AKTIV etwas unternimmt? Zumindest deute ich so die Worte des Spions.
      Ansonsten natürlich noch einmal der Hinweis auf Krills Vergangenheit mit der Oktave, O'Mara ist klar und Mercedes Aktion selbst auf FI. Du hattest das ja schon einmal angedeutet, weswegen ich da einfach weiterhin gespannt bin, wann das aufgelöst wird.
      Nun...jain. Ich bestätige, was der Graue Spion Mercedes mitgeteilt hat: Callaghan hat bisher verhindert, dass die Marine oder sonstige Institutionen gegen die Kopfgeldjäger vorgehen. Wie "aktiv" dieser Schutz vor Repressalien von Callaghan vorangetrieben wird, lasse ich allerdings erst einmal offen. Nur soviel: Es gibt einen Grund, warum der Graue Spion über weitere Einzelheiten keine Auskunft geben kann.

      Vexor schrieb:

      Ansonsten war die Szene wieder stark. Sowohl Dädalus Unterhaltung mit Ondine, welche von Krill abgehört wurde, als auch ihre Aktion gegen Cassiopeia. Abgesehen davon, dass die kleine Ondine ziemlich massive Kräfte entfesselt hat, sondern auch wie sie die abgebrühte Agentin abfertigt (physisch, emotional und eloquent). Da bin ich mal gespannt wie sich diese Situation jetzt weiter entwickeln wird. Der Plan Ondine als Opferlamm für den Pädophilen bereitzustellen, steht ja immer noch im Raum und was Cassopeia so wirklich auf der Insel will, ist meines Erachtens nach auch noch nicht entschlüsselt. Und was will sie eigentlich genau mit Ondine? Sie zu einer Agentin heranziehen oder als Forschungsexperiment analysieren lassen? Ich denke auf jeden Fall kaum, dass die Rothaarige jetzt mit eingezogenen Schwanz das Schlachtfeld räumen wird, sondern gehe eher davon aus, dass sie sich zurückzieht und ihren nächsten Schritt plant.
      Richtig, der Plan der Huren steht noch und auch Krill ist immer noch bereit, Ondine als Köder für Hearst zu benutzen. Der einzige Unterschied ist nun, dass Cassiopeia keinen Anteil mehr an dieser Operation haben und somit die CP0-Leviathan nicht mehr am Plan beteiligt sein wird. Cassiopeia muss an dieser Stelle nicht nur ihr persönliches Interesse an Ondine zurückstellen, sondern auch ihre Stellvertreterfunktion als Agentin der Leviathan-Einheit aufgeben. Zwei ziemlich große Opfer, die nicht folgenlos bleiben werden.

      Vexor schrieb:

      Ansonsten erreichen wir Copperfield, welches du sehr schön als Moloch der Industrialisierung beschrieben hast. Dort tritt auch wieder der Pestdoktor auf, auf den ich besonders gespannt bin, was sich primär aber daraus ergibt, da ich daran entscheiden muss wie ich Leonardo inszeniere. Die Ähnlichkeit ist ja durchaus vorhanden und ich möchte ja nicht wegen Plagiats verschrien sein.
      Denke, da kannst du unbesorgt sein. Zwar trat Leonardo erst kurz auf, aber er wirkte auf mich anders als meine Figur. Abgesehen davon wird mein Pestdoktor eine relativ spezifische Rolle einnehmen, wie das neue und das nächste Kapitel aufzeigen werden.
      qoii


      qoii schrieb:

      Der erste Abschnitt ist mal wieder einer im dem Gefühlt sehr viel und wichtiges gesagt bzw angedeutet wurde, aber letztendlich nicht wirklich etwas an (neuen) Informationen herausgekommen sind. Der graue Spion macht zu jeden der KGJ ziemlich offengelassene Andeutungen, welche es nur noch als ein größeres Wunder erscheinen lassen, dass die KGJ noch nicht von irgendjemandem Vernichtet wurden, dem einer von ihnen mal auf die Füße getreten ist. Wenn ich mich auch an weiter zurückliegende Andeutungen recht Entsinne, müsste Cal auf einer Liste der Marine stehen, Mercedes auf einer der WR bzw. von FI und der HD, Krill steht natürlich im Death-Note der Oktave und O‘Mara rein theoretisch auf der von Ulysses bzw. er wurde von diesem aus der Familie geschmissen bzw seine ehemalige Zugehörigkeit hat ihn damals vor dem Tod bewahrt. Dazu dürften sicher noch einige andere gehören, denen sie als KGJ auf die Füße getreten sind.
      Soweit korrekt, wenn auch nicht in Gänze. Fakt ist, dass alle Kopfgeldjäger mächtige Individuen mit aufgewühlten Vergangenheiten sind. Da ist es nur konsequent, wenn sie verbrannte Erde hinterlassen und sich auch Feinde gemacht haben. Das wird im weiteren Verlauf meiner Geschichte noch eine entscheidende Rolle spielen und genau in die Kerbe schlagen, die du hier andeutest.

      qoii schrieb:

      Allerdings lassen die Andeutungen des Graue Spion vermuten, dass all diese Gruppierungen auf deren jeweiligen Listen einer der KGJ gelandet war diese bisher in Ruhe gelassen haben. Was wohl auf die Gefährlichkeit des Zusammenschlusses dieser Individuen zurückzuführen ist, aber auch weil sie diesen Gruppierungen keine weiteren Probleme bereitete haben. Durch Flints auftauchen bzw dessen Aktionen sind die KGJ, auch durch die Aktionen der Gegenseite, mehr oder weniger gezwungen worden auf eine Weise aktive zu werden, welche ihren (ehemaligen) Gegner missfällt und sie wieder in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit führt. Derzeit ist Ulysses der einzige, welcher verhindert dass sich die ganze Unterwelt auf die Stürzt, während Leviatan dies Ausnutzt, um die KGJ gegen ihn selber einzusetzen. Derzeit haben die KGJ für diesen Teil der WR frei einen größeren Nutzen, was sich aber sehr schnell ändern kann.
      Sehr richtig erkannt. Die Leviathan-Einheit benutzt die Kopfgeldjäger momentan, um gegen Ulysses vorzugehen. Wie Cassiopeia gegenüber O'Mara sagte: Er ist der Schlüssel, um das Tor in Ulysses' Festung zu öffnen. Dies konnte jedoch nur geschehen, weil Flint die Kopfgeldjäger ungewollt zurück in den Fokus der WR/Unterwelt gerückt hat.

      qoii schrieb:

      Wobei ich mich gerade beim Nachlesen Frage, ob das >er< des Grauen Spions auf Ulysses bezogen ist, denn eigentlich könnte es auch sein, dass die Agenten nicht so viele Informationen haben wie wir Leser. In diesem Fall würde sich das er auf Callaghan beziehen und irgendwie macht dann auch der restliche Abschnitt viel mehr Sinn. Wenn es Callaghans … sagen wir mal Macht ist, welches sowohl die WR als auch viele anderen Gruppierungen daran hindert gegen die Mitglieder der Gruppe aktiv zu werden erscheint er noch um einiges monströser raubtierhafterer als bisher. Besonders die Erwähnung der Gehaltsstufe könnte in diese Richtung deuten, da der Graue Spion in diesen Fall noch nicht hoch genug aufgestiegen wäre um auch in diese Geheiminformation eingeweiht zu werden.
      Es ist Callaghan, ja. Deshalb dreht sich der Abschnitt auch um ihn.^^
      Callaghan schafft es auf irgendeine Weise, die Kopfgeldjäger und sich selbst vor den Repressalien ihrer Vergangenheiten zu schützen. Das heißt, die Kopfgeldjäger sind eine Vereinigung extrem mächtiger Figuren, die durch eine (noch) mächtigere Figur vor der WR geschützt werden. Hinzu kommt der Schutz durch Ulysses in der Unterwelt. Beide Aspekte begründen, wieso die KGJ noch nicht mit den Konsequenzen ihrer Taten auf Isola Caligula oder im Schloss Roßkosch konfrontiert wurden. Die Person, die sich mit ihnen anlegt, müsste sich sowohl über Ulysses als auch die WR hinwegsetzen - was natürlich ein Wahnsinn ist. :D

      qoii schrieb:

      Bei Ondine und Dädalus musste ich auch heute wieder etwas an die Situation zwischen Dädalus und Aloe aus deinen Vergangenen Kapitel denken. Irgendwie hat der alte Knacker etwas, was ihn sehr gut zusammen mit Kindern/Jugendlichen agieren lässt. Dabei spielt sicher das Rollenbild des gütigen und wissenden Großvaters mit rein, aber irgendwie ist da auch noch etwas mehr. Allerdings kann er auch nicht alle Folgen seiner Handlungen vorhersehen, denn zumindest von Ondines Aktion gegen Cassopeia war er genauso überrascht und geschockt wie die Genannte selbst. Was doch die Angst eines Kindes so alles ausmacht/verhindert. Nachdem Dädalus Ondine die Angst oder zumindest einen Teil der Angst vor Cassopeia genommen hat und ihr auch noch verklickert hat, dass Cassopeia eine ganz böse und gefährliche Person ist reagiert Ondine mit der Beseitigung der Gefahr. Denn seinen wir mal ehrlich, ohne die Regenerationsfähigkeit durch ihre TF wären wir Cassopeia nun endgültig los. Spontan frage ich mich sogar, wie Callaghan diesen Angriff überstanden hätte bzw ob Ondine sich (und andere) im Notfall sogar vor ihm schützen könnte. Nur mal so als Nachfrage über das Verhältnis von Cal zu Ondine wissen wir noch nichts, außer dass er sie eigentlich nicht dabei haben wollte, oder? Vielleicht hatte er ja schon eine Gefahr gewittert^^.
      Sagen wir mal so: Ondines Kraft ist und bleibt physisch. Das heißt, der Angriff hätte auf einen massiven Klumpen Stahl anders gewirkt, als er auf Cassiopeia gewirkt hat. Nichtsdestotrotz war die Attacke natürlich gewaltig und hätte jeden normalen Menschen zu Brei zermatscht. Es ist ähnlich wie auf PH, als Sanji in Namis Körper steckte und er sich zurückhalten musste, weil Namis Körper seine normale Leistungsfähigkeit nicht hergab. Auf Callaghan hätte der Angriff also (vielleicht) weniger verheerend eingewirkt, zumal die Attacke Cassiopeia auch vollkommen unvorbereitet getroffen hat.^^
      Und nein, zum Verhältnis von Callaghan und Ondine wissen wir noch nichts. Das ist aber ein sehr guter Punkt, den du im Hinterkopf behalten solltest. ;)

      qoii schrieb:

      Als letztes erreichen wir noch Copperfield welches auf mehr als einer Ebene wie die Hölle auf Erden wirkt und ein Zentrum der Industrialisierung Stahlproduktion zu sein scheint. Damit ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für Ulysses Plan, da die unterdrückten Laaren sicher sehr gut mit der unterdrückten Arbeiterklasse gegen die unterdrückende Regierung kämpfen können. Weiterhin werden Probleme in dieser Stadt sicher auch große Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Militär von FI haben, da dort sicher nicht nur viele Güter sondern auch Waffen hergestellt werden.
      Ich enthalte mich an dieser Stelle. Nur soviel: Copperfield spielt eine entscheidende Rolle im Plan der Antagonisten.


    • Kapitel 139 - ???

      Kapitel 139 - Grüne Augen; grüne Herzen

      »Wir leben in der Zeit der Bomben und Flüche. Die fountischen Barbaren belagern unsere Häuser, nehmen sich unsere Frauen und kochen ihren Tee mit dem Blut guter lairischer Männer«, verlas der 13-jährige Ulysses McKenna mit der gerunzelten Stirn eines griesgrämigen Greises laut, unzufrieden und ungehört.
      Selbst Brian O’Mara, der neben ihm auf der hohen Mauer die Beine baumeln ließ, zog es vor, die unter ihren Füßen vorüberziehenden Passanten mit pantomimischen Kopfschüssen niederzustrecken. Eine rastlose Angst vor der nächsten Explosion, den nächsten durch die Gassen spritzenden Körperteilen sickerte aus dem zerbombten Hoolahara und scheuchte die wenigen Mutigen, die sich aus der trügerischen Sicherheit ihrer Häuser gewagt hatten, wie Flüchtlinge über den geborstenen Pflasterstein.
      Augenrollend zerknüllte Ulysses das Flugblatt der aufständischen »Lairish Independence Army« in seinen wundgeschlagenen Fäusten und warf es in die tiefen Stadtschluchten, die sich von den Hängen der Cionaoid-Hügel in die menschenleere Hauptstraße ergossen.
      »›Die Founts vergewaltigen unsere Frauen, fressen unsere Kinder und bestechen das Wetter über unseren Köpfen für schlechte Ernten‹«, äffte er die drohenden Worte auf den Flugschriften und Plakaten nach, die die letzten freien Städte der grünen Insel wie die Pocken überzogen. »Abgeschmackt.«
      Von den Nörgeleien seines besten Freundes genervt und in seiner Konzentration gestört, ließ O’Mara die imaginären Pistolen sinken und paffte Ulysses ein beißendes »Alter…!« ins Ohr, um nach einigen Sekunden halbgenutzter Bedenkzeit nachzusetzen:
      »Diese L-I-Arschlöcher sind immer noch besser als Typen wie du, die nur in der Scheiße herumstochern und sich beschweren, dass es überall nach Scheiße stinkt. Sie unternehmen wenigstens was.«
      »Sei kein Idiot.«
      Während er im entzündeten Fleisch seiner schiefen Zähne nach weiteren wüsten Flüchen popelte, ließ Ulysses seinen Blick wie ein entehrter König über die zerstörten, zusammengekleisterten und abermals zerstörten Überreste seiner Heimat schweifen. Streckte er die Hand aus, könnte die zerfurchte Lebenslinie zwischen Daumen und Ringfinger ein verlorenes Reich versunkener Dächer und gebeutelter Menschen beschließen. Im fluoreszierenden gelben Grün seiner Augen türmten sich die verwüsteten Ruinen in einem surrealen Zeitraffer aufeinander, das Steine auf Träume schichtete und Jahrzehnte fountischen Schreckens binnen Sekundenbruchteilen unter frischem Mörtel begrub. Die schwindelerregenden Knoten aus verwinkelten Gassen und Hinterhöfen brachen sich gleich steinernen Schwingen aus den Hügeln frei und der Main Drag, die gewaltige gepflasterte Talsenke im Zentrum allen Elends, erhob sich wie der Leib eines toten Helden aus seinem grünen Grab, um die verhassten Usurpatoren aus seinen Landen zu vertreiben. Die Stadt der Trümmer würde fallen und sich erheben, wieder und wieder und wieder, bis das Fell des fountischen Löwen ausgeschlachtet die Wand eines freien Saoirse Láire zierte.
      »Diese Stadt braucht Krieger«, flüsterte Ulysses wie im Selbstgespräch der lauschenden Höhenbrise zu, »Keine verblödeten Literaten, die im Sitzen pissen. Es—«
      »Wo wir gerade beim Thema sind«, unterbrach ihn O’Mara derb, seinen ausgesessenen Hosenboden wie ein wurmbeladener Streuner auf der Mauer reibend, »Ich brauch dringend was gegen diesen verdammten Ausschlag. Weißt schon, den mir diese Mindy oder Mitsy oder wie immer sie hieß angehängt hat. Erinnerste dich?«
      »Beth«, korrigierte Ulysses angewidert, »Und das Bild deines entzündeten Gehänges werde ich nie wieder vergessen können, danke dafür.«
      »Was beschwerst du dich? Ich bin’s doch, der beim Pissen brüllt, du — hey, ist er das?«

      Ungeniert spießte O’Maras schmutziger Zeigefinger die hagere Gestalt eines schwarzen Mannes auf, der in dieser Sekunde unter ihren löchrigen Schuhsohlen vorbei glitt und keinen Schritt zu tun, sondern sich wie ein eifersüchtiger Schatten an die Fersen der fliehenden Einheimischen zu heften und für den herannahenden Tod zu markieren schien.
      »Tatsächlich. Ein Negro in Hoolahara«, ätzte Ulysses trocken, bevor O’Mara den hohen Zylinder des unheilvollen Fremden mit einer Salve Nasenrotz begrüßte.
      »Jo, Buschaffe! Hier oben!«
      In einer tintensämigen Bewegung löste sich der Schatten von den Stiefeln der Passanten, nahm den besudelten Hut zwischen die schwarzbehandschuhten Fingerspitzen und inspizierte den angerichteten Schaden mit strengen aschbraunen Augen.
      »Es muss wahrlich Schändliches über den Zustand dieser Welt aussagen«, entfleuchte seine frostige Stimme den dunklen Lippen wie ein Schwarm Fledermäuse, »Wenn sich selbst derart handverlesene Exemplare wie ihr Zwei zu solch groben Unternehmungen zu greifen gezwungen sehen, um in diesen erbarmungswürdigen Zeiten die Brotkrumen für den neuen Morgen zusammenzuklauben.«
      Verwirrt kratzte sich O’Mara die strähnigen blonden Haare zu einem strohigen Nest zusammen.
      »Was quatscht die Fotze?«, wollte er von Ulysses wissen, der jedoch nur die rechte Nüster über die linke schniefte und schwieg, während der Fremde ungestört nachsetzte:
      »In den goldenen Zeiten, wie sie bis heute die verrufenen Prachtalleen des schönen Moskva erleben, müsste eure unbehaarte Knabenbrust kaum einen Atemzug für ihren Sold tun.«
      »Knabenbrust?« Angestachelt stemmte O’Mara die Fäuste auf die Mauerkante zwischen seinen aufgestellten Beinen, um sich wie ein drohender Pavian zum Hechtsprung vorzulehnen. »Halt’s Maul, sonst verpass ich dir 'nen zweiten Bauchnabel!«
      »Nun-«
      »Mit meinem Schwanz, Niggerfotze!«
      »Nun…«, ließ sich der schwarze Totenschädel nicht beirren. Als folgten sie einer unsichtbaren Naht, entschwebten seine Finger in die Tasche seines schwarzen Ledermantels, zückten ein blutrotes Seidentuch und entfernten O’Maras Nasenrotz mühe- und emotionslos von der Hutkrempe. »Wenn ich euch einen Rat geben darf, wo ihr verroht und von der Welt verraten worden seid: Zarte Höflichkeiten und sinnliche Lügen locken die geldgebenden Schöße, nicht jedoch ungesittete Zoten unter freiem Himmel.«
      »Wir sind keine Stricher, Arschloch…«, blaffte plötzlich Ulysses, dessen launische Augen grüngolden durch die wilden blonden Locken brachen und den Schattenmann abschätzend musterten. Leidenschaftslos hielt er den tobenden O’Mara zurück, bevor er sich selbst ungelenk gen Vertikale hievte und dem Fremden einen Weg durch die verschachtelten Gassengeflechte der Cionaoid-Hügel deutete.
      »Wenn du Church bist…«, nuschelte er über das wilde Zetern O’Maras hinweg, »Dann hälst du besser deine Schwanzluke und folgst uns. Laura wartet.«
      »Genau«, motzte O’Mara dreckig, »Kriegst auch 'ne Banane, wenn du brav bist!«

      14 Monate später

      Die erstrahlende Sonne spross wie eine goldene Blume über den Trümmerfeldern Hoolaharas in den Himmel und verkündete den gebrochenen Bürgern des Shamrock County einen weiteren Tag in der Hölle.
      Im Schutze der Nacht war es den letzten aufständischen LIA-Funktionären gelungen, in den monumentalen Südturm der McKenna-Destillerie einzudringen und die verbotene Flagge des souveränen Saoirse Láire zu hissen, während die Soldaten Horatio Cromwells das Haupttor gen Hof aufbrachen und die Zinnen der Brennerei mit Kugeln durchsiebten. In zeremonieller Andacht betrauerten die beschossenen, sterbenden Rebellen den Tod der wilden Mähre und verstreuten ihre finalen Flugschriften über den löchrigen Dächern eines alpträumenden Hoolaharas wie Asche über dem Meer. Der Wind und die Streuner jaulten in jener Nacht ein einsames Lied, als die fountischen Schwerter den lairischen Sternenhimmel in Scharlach tauchten und eine ganze Nation verdammten.
      »Oh, es ist eine Schande…«, giftete Stanislav Church der grauen Teleschnecke zu, die neben seinen überschlagenen Beinen auf dem Schreibtisch geduldig lauschte, »Jeder Tag in dieser degenerierten Pampa ist eine Warnung, das Geschenk der Zivilisation nicht an die falschen Völker zu vergeuden. Du hättest hören müssen, mit welch fehlgeleitetem Pathos diese Wilden ihre schwachsinnigen Pamphlete von der Spitze des Turmes gegrölt haben. Kümmerliche Einfaltspinsel. Soweit es mich betrifft, sollte die Regierung dieses entartete Land im Meer versenken und niemals zurückblicken.«
      »Nicht so theatralisch, Church. Damit würden sie gutes Geld in den Wind schießen, das in unseren Taschen besser aufgehoben ist«, widersprach der Zuhörer gelassen, sich offensichtlich königlich über die unüberhörbare Abscheu des Schwarzen amüsierend, »Du kannst den Kopf aber aus dem Ofen nehmen. Sobald du deinen Teil des Plans erfüllt hast, hält dich nichts und niemand davon ab, den nächstbesten Seezug ins süße Limonadenland zu besteigen. Wie läuft es?«
      »Ausnehmend reibungslos«, bekräftigte Church mit zuversichtlichem Blick auf die sonnenüberfluteten Ruinen im Tal. Der Glanz des neuen Tages brach sich erfolgsverheißend in den Fenstern seines stattlichen Landsitzes und sprenkelte das dunkle, knochige Gesicht mit verspielten Lichtflöckchen, »Alles verläuft nach Plan.«
      »Das wollte ich hören und-« Am anderen Ende der Leitung tastete sich plötzlich ein gedämpftes Flehen durch das hohle Echo eines nackten Gemäuers. Angsterfüllte, kauernde Laute verdickten sich zu verzweifelten Stoßgebeten an eine gleichgültige Gottheit. Schlurfende Schritte entfernten sich vom Hörer und verebbten, während die leisen Klagen in markerschütternde Schreie umschlugen. Dann pochende Schläge — Knochen zertrümmerte Knochen und erstickte die gepeinigten Lippen. Stille folgte.
      »’tschuldigung«, meldete sich die Schnecke nach einigen Sekunden mit einem wölfischen Grinsen zurück, »Menschen sind Idioten, und wo wir gerade von Idioten sprechen…«
      »Die Kinder?« Grübelnd versank Church im puderweißen Polster seines herrschaftlichen Sessels, als wolle er kein kostbares Wort verschwenden. »Wenngleich mir diese unmanierlichen und tadelnswerten Burschen noch immer in höchstem Maße zuwider sind, so waren sie doch recht…nützlich. Insbesondere der Größere hat sich als nicht unfähig, wenngleich bemitleidenswert kurzsichtig erwiesen.«
      »Ich sagte doch, die Bengel haben etwas auf dem Kasten. Was ist mit Ulysses…?«
      In Churchs schwarzer Maske klafften tiefe Risse auf. »Der Kurze? Ein grässlich verzogenes Geschöpf. Nicht genug, dass er übellaunig wie ein Betbruder im Rotlichtbezirk ist — er zeigt dazu nicht den winzigsten Funken von Begeisterung für meine Arbeit, geschweige denn ein grundlegendes Verständnis. Als Wasserträger ist er jedoch vertretbar. Zumindest, sofern man ihm im Idealfall noch aufmalt, was er wohin zu schleppen und wo anzuschließen hat.«
      »Unterschätze niemals die Wasserträger, Stanislav«, mahnte die graue Teleschnecke halbironisch, »Und werd nicht fahrlässig. Der Zeitplan muss eingehalten werden. Es darf nichts schiefgehen.«
      »Sei unbesorgt, alter Freund. An diesem Punkt kann und wird — wie du es ausdrückst — ›nichts mehr schiefgehen‹.«

      Ein Jahr später

      »Wie konnte das alles nur so scheiße schiefgehen?!«
      »Er hat’s versaut.«
      »Du weißt, was passiert, wenn-«
      Ulysses wusste, was passieren würde und trat seine eigenen Beine rücksichtslos aus dem Weg, um das todbringende Wenn nicht geschehen zu lassen. Der grüne Trampelpfad unter seinen Stiefeln neigte sich zu Ehren dieses letzten Ganges und selbst die unschuldigen Maiglöckchen senkten die schneeweißen Häupter in stummer, trauriger Anerkennung.
      »Ulysses…«, wisperte die Teleschnecke in seine Hände, »Es wird alles wieder gut, oder?«
      Er überlegte nur kurz, bevor er ein zahnloses Lächeln lächelte und sich die ungezügelten blonden Locken aus den Augen schob, um den sommerblauen Himmel zu bewundern. Für diese eine Sekunde verspürte er Ruhe und fragte das Mädchen am anderen Ende der Leitung:
      »Magst du mich, Aurora
      »Aber…ja«, hauchte die Teleschnecke nahezu lautlos, dafür jedoch hörbar errötend.
      »Dann wird alles wieder gut«, grinste Ulysses’ gelbes Gossengebiss strahlender und hässlicher als jemals zuvor und legte auf. Das Ende seiner langen Reise lag vor ihm.
      Aus der Ferne war er einst über die endlosen Grasmeere gewandelt und hatte Killenick, die Krone der grünen Insel, aus den Augen eines Schiffbrüchigen auf hoher See betrachtet. Die Hoffnungen und Erwartungen seiner kindheitslosen Kindheit hatte Ulysses in dieser einen, perfekten Fantasie verwahrt und sich geschworen, sie eines Tages zu öffnen und Wirklichkeit werden zu lassen. Ein ganzes Leben, um enttäuscht zu werden.
      In seinen Träumen und den Momenten zaghafter, vorsichtiger Spaziergänge durch die sehnlichsten Fantasien und Wünsche seines Herzens, hatte die große Stadt vor ihm mit der Verheißung und Verlockung eines glorreichen Sieges geknickst, mit den wehenden Flaggen der wilden Mähre bekränzt und erfüllt vom Freudentaumel der Beschützer und Rächer ihrer befreiten Nation. Doch nun, da die letzte Schlacht geschlagen war und das Blut toter Helden durch die verbrannte Erde in namenlose Gräber sickerte, bejubelten die Bewohner von Killenick einen falschen Gott.
      Die Herrschaftsinsignien der fountischen Krone prangten stolz und eitel auf ruhmreich geschwenkten Bannern und Standarten, die ganze Stadt lustwandelte auf einer Welle der Euphorie für einen ungerechten Frieden. Ulysses musste würgen. Die traditionsreichen steinernen Burgen und Langhäuser, durch die stählerne Erzadern wie Venen pulsierten, sonnten sich auf den unberührten Grasebenen und in dem göttlichen Glanze, der sich in den verchromten Fenstergalerien der herrschaftlichen Bauten spiegelte. Früher hatte er ehrfürchtig zu dieser Verquickung aus Stein, Stahl und Glas, Altertum und Moderne hinaufgeblickt und die straßenlose Stadt auf ihrem grünen Bett zu seinem paradiesischen Gefilde auf Erden auserkoren; heute starrten ihn die hohen Türme und prachtvollen eisendurchzogenen Fassaden seines langersehnten Killenicks kalt und herablassend nieder. Die stählernen Windräder erhoben das götzenhafte Konterfeil der Seuchenkönigin Catherine I. in die wolkenlosen Himmel und von den verzweigten Streben der gewaltigen Strommasten, an die sich Bäume und Gräser und Schlingpflanzen wie Liebhaber schmiegten, hingen die Farben Fountleroy Islands und vergifteten das grüne Herz seiner verlorenen Heimat.
      Ulysses’ traumhafte Illusion war von der Realität korrumpiert worden; schloss er die gelbgrünen Augen, glaubte er das hämische Brüllen des fountischen Löwen in den Häuserschluchten widerhallen zu hören.

      Die gleißende Sonne plusterte sich bereits in ihrem Zenit weit über dem Horizont auf, als er die kreisrunde Parkbank erreichte und sich schnaufend niedersetzte. Rücken an Rücken mit dem Mann, der sein Schicksal entscheiden sollte: Ein geschniegelter strohblonder Hinterkopf, der wie eine Sonnenblume aus einem unbezahlbaren lindgrünen Nadelstreifenanzug herauswuchs und die goldgeschmückten Finger mit der selbstgefälligen Leichtigkeit eines brillanten Pianisten in der Luft tänzeln ließ.
      »Was versprach der Tod den Menschen?«, säuselte die lichte Gestalt und kräuselte die seidenen Lippen in dem Wissen, dass Ulysses’ Antwort lauten würde:
      »Frieden durch Krieg.«


      Ihr blassblaues Auge erblühte zu einem flutenden Mandala, in dem sich die Farben des Lebens und Am-Leben-seins kaleidoskopisch spiegelten. Ein Aquarell aus Familien und Verliebten, die sich suchten und sich fanden, die weinten und tanzten auf den bunten Blumenmeeren des großen Marktplatzes von Killenick. Bevor sie sich versah, ergriff ein wiedervereintes Paar ihre Hand, verwirbelte sie zu Blütenstaub und entließ sie in den frohlockenden Strudel des Lachens und der Musik, der hohe Wellen gegen die efeuumrankten Mauern der umliegenden Geschäfte und Restaurants schlug. Das wallende weißblonde Haar sprudelte wie ein Heiligenschein um ihr strahlendes Gesicht und ließ die zarten Sommersprossen auf ihrer Nase glühen. Nur die starke Schulter ihres Geliebten hätte es gebraucht, um diesen Augenblick vollkommen und schwerelos zu machen.
      »Ein Kuss!«, flehte sie der junge Offizier eines zersplitterten fountischen Regiments an, just bevor ihm ein lairischer Infanterist lallend in die Parade fuhr:
      »Nein, küss mich! Nicht den Teetrinker!«
      »Ich bin leider vergeben!«, winkte sie ab, »Küsst doch einander!«
      Verdutzt tauschten die Soldaten einen zweifelnden Blick, in ihren Uniformen jedoch nicht länger den ärgsten Feind, sondern einen Leidensbruder erkennend, und fielen sich in die Arme. Grölend küssten sie sich auf die Wange und wankten davon, trunken vom Glück, noch am Leben zu sein.
      Indes tanzte sich das Mädchen durch die feiernden Massen in eines ihrer Lieblingscafés am Rande des Spektakels. Auch hier genossen die Menschen den neuen Frieden, saßen und tranken und sahen sich an den ausladenden Festen satt.
      »Jo, Fräulein!« Ein stattlicher junger Soldat bot ihr einen Stuhl an seinem Tisch an - und damit die vermutlich letzte freie Sitzgelegenheit auf dem ganzen Marktplatz. Sie wollte bereits ablehnen, bemerkte dann aber das pummelige Mädchen an seiner Seite und ließ sich dankend niedersinken.
      »Wir gehen bald«, versicherte er ihr über den Dampf seines Kaffees hinweg, »Dann gehört der Tisch ganz dir.«
      »Oh, das ist wirklich lieb!« Lächelnd reichte sie ihm die Hand. Seine Finger ergriffen die ihren stark und sanft zugleich, als imitierten sie die sanften nachtblauen Augen in seinem harten Gesicht.
      »Ich bin Madison«, stellte sie sich vor.
      »Cathal.« Soldatengalant lüftete er seine grüne Armeekappe, die ihn als ruhmlosen Verlierer des sinnlosen Aufstandes gegen die fountische Krone brandmarkte. »Das ist Bloom.«
      Das pausbäckige Mädchen verzog die feiste Schnute zu einer hochnäsigen Fratze und verurteilte Madison stumm für ihr glänzendes winterblondes Haar, ihre schlanken Taille und die entzückenden Sommersprossen auf ihrem feingeschliffenen Näschen. Zu stolz, um der perfekten Madison die Hand zu schütteln und zu wohlerzogen, um es nicht zu tun, packte sie den zarten Unterarm der Blondine und rüttelte ihn wie einen reifen Apfelbaum.
      »Seid ihr Geschwister?«, fragte Madison mit einem gequälten Lächeln, das die Schmerzen in ihrem Handrücken nur maßig zu überspielen vermochte.
      »Besser«, lachte Cathal und tätschelte Blooms wuscheliges tiefbraunes Kraushaar, »Wir hassen uns bis aufs Blut.«
      »Willst du die Hand verlieren?«, knurrte Bloom, worauf Cathal seinen Arm aus dem Bärenkäfig rettete und auf den Tisch neben seinen halbgeleerten Kaffee stemmte.
      »Erzähl«, triezte er nun Madison in der Manier tratschwütiger Schulmädchen, während er auf die edelstählerne Halskette deutete, an der sie nervös nestelte. Ertappt ließ sich das junge Mädchen zu einem Grinsen hinreißen, dem Bloom am liebsten die schneeweißen Zähne ausgeschlagen hätte.
      »Wie heißt er?«, ließ Cathal nicht locker, »Oder…sie?«
      »Was?«
      »Hey, ich urteile nicht. Liebe ist verzwickt.«
      »Du musst es ja wissen«, stichelte Bloom - wofür ihr Schienbein einen verborgenen Tritt kassierte, der ihr den Magen umstülpte.
      Madison, die in ihren Gedanken längst mit ihrem Geliebten an den grünen Küsten der Insel salzige Seeluft atmete, überließ das ungewöhnliche Duo ihren Kindereien. Erst die herannahende Kellnerin sollte sie in das frohlockende Killenick zurückholen und Cathals verschmitzten Blicken erneut ausliefern. In seinem markanten, kernigen Gesicht verschmolz die Begeisterung eines naseweisen Jungen mit der verträumten Hoffnungsfreude kleiner Mädchen, die mit ihren Plüschtieren und Anziehpuppen Hochzeit spielen.
      »Du lässt nicht locker, hm?«, schmunzelte Madison, nachdem sie ihren georderten Kamillentee erhalten und großzügig gezuckert hatte. Sein Kopfnicken vorwegnehmend, begann sie:
      »Er ist Soldat, wie du. Aber er steht aufseiten der Regierung.«
      »Passiert den Besten«, pflaumte Bloom, ein Pflaumentörtchen mampfend. Madison ignorierte sie geflissentlich.
      »Er hat mich hierher bestellt. Wir hatten unser erstes…Rendezvous hier.«
      »Wie süß«, lächelte Cathal verschmitzt, doch Madison schüttelte die winterblonde Mähne und lachte kurz auf.
      »Ich habe ihm eine geklebt und bin gegangen. Er war ein sturer, grober, unflätiger Wüstling.«
      Mäßig mitfiebernd hoben sich Blooms buschige braune Brauen.
      »Und was hat sich geändert?«
      »Nun…nichts.« Ohne Zutun ihres Bewusstseins wanderten Madisons Finger erneut zu der edelstählernen Halskette und drehten den schwarzen Edelstein in ihrer Mitte wie eine verwunschene Münze. »Aber manchmal erkennt man beide Seiten. Und dann ergibt alles einen Sinn.«
      Bloom schien nicht überzeugt, Cathal hingegen nickte verständiger als ein Gläubiger in der Messe:
      »Es ist wahr, Bloom, und irgendwann wirst du es auch verstehen, sobald…naja, sich mal jemand für deine Seiten interessieren sollte.«
      »Halt dein Maul, du-!«
      Mit einer strengen Handbewegung schlug er Blooms zeternde Worte aus der Luft, um Madison allein lauschen zu können. Cathal spürte, dass sein romantisches Herz im Gleichklang mit der Brust der schönen Blonden schlug und ihre Geschichte die Geschichte einer großen Liebe war.
      »Er ist stark und furchtlos«, schwärmte Madison; die aufkeimenden Vertrauensbande zwischen ihr und dem feinfühligen Cathal spürend und spiegelnd, »Ich fühle mich sicher und geborgen in seiner Nähe, weil ich weiß, dass er mich beschützen wird. Immer.«
      Bloom schnaufte laut auf. »Große Klasse, Prinzessin. Sehr fortschrittlich.«
      »Verzeih, dass ich deinen emanzipatorischen Ansprüchen nicht gerecht werde, kleine Lin-Lin.«
      »Ich hoffe für dich, du meinst damit nicht mein-«
      »Jedenfalls…wie soll ich sagen. Ich kann mich auf ihn verlassen. Er ist klug und erwachsen und…egal, wie unüberwindbar die Hürde scheint, egal wie groß das Problem ist und wie gefährlich der Sturm braust…Ich kann mich immer darauf verlassen, dass er weiß, was zu tun ist.«


      Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte. Seit einer und zwei Ewigkeiten tigerte der junge Soldat wie ein launischer Hauskater durch das kleine Juweliergeschäft, drückte sich die Nase an dem Glas der Auslagen platt und haderte mit dem ungestümen Impuls, der seine Füße in das Herz dieses sündhaft funkelnden Fegefeuers getrieben hatte. Selbst die schöne Fremde, die sich seiner armseligen Gestalt erbarmt und vor dem profitgierigen Juwelier gerettet hatte, schien ihn nicht aus seiner endlosen Zerreißprobe erlösen zu können.
      »Ich bin ein Narr«, brummte er hilflos und haareraufend, bis dicke schwarze Büschel an seinen schweißnassen Händen klebten, »Das ist sinnlos.«
      »Mit dieser Einstellung gewiss«, bemutterte ihn seine unverhoffte Helferin altklug. Mit der Eleganz eines Schwans, der über kristallklare Seen gleitet, schwebte ihre weiße Hand über die Auslagen und Glasbehälter, in denen Diamanten und Perlen und Saphire verheißungsvoll schimmerten.
      »Vielleicht hilft es dir, wenn…?«
      In einer schwungvollen Bewegung warf sie plötzlich ihr honigblondes Haar in den Nacken, stürmte auf den bemitleidenswerten Soldaten zu und presste ihre makellosen Hände gegen seine angespannten Schläfen.
      »Was zum…?!« Sofort verkrampfte sein Gesicht zu Stein, doch die Wärme ihres Fleisches und der zuckrige Duft ihrer Haut zerbröselten seine Mauern unter ihren Fingerkuppen.
      »Schließ die Augen!«, befahl sie ihm psychedelisch, »Male ein Bild von ihr auf die schwarze Leinwand vor dir…und jetzt stelle es dir vor: Ihr Gesicht, wenn du ihr den Antrag machst. Du kniest vor ihr. Ihre Augen erhellen sich, als würde eine Sonne in ihrem Inneren aufgehen und allein für dich erstrahlen.«
      Während sie seinen Geist mit Bildern und Träumen benetzte, leuchteten ihre sturmgrauen Augen über den hohen Wangenknochen ebenso fantastisch wie die Visionen, die sie in ihm heraufbeschwor.
      »Dann öffnen sich ihre Lippen, erblühen für dich wie eine Blume und ihr Lächeln ist deine Antwort, noch bevor sie die Worte ausspricht, die du dir so sehr herbeisehnst…Siehst du ihn, siehst du diesen perfekten Augenblick?«
      Er nickte — und die Zornesfalte, die seine Stirn spaltete, verebbte langsam zu einem Ausdruck der entrückten Zufriedenheit.
      »Gut. Dann sag mir jetzt: Welchen Ring hälst du dabei in den Händen?«


      Der Fremde aus Licht und Lächeln legte das sonnenbeschienene Haupt schief, während das winzige Fläschchen grünschillernd durch seine gebräunten Finger flackerte.
      »Wie viel Zeit hätte ich?«, fragte er gelangweilt; die Antwort, so schien es Ulysses, wäre kaum mehr als vergeudeter Atem. Lange zögerte er, bevor er sein Schicksal in die Hände des Hinterkopfes auf der anderen Seite der Sitzbank legte.
      »Ein Blinzeln. Vermutlich weniger.«
      Augenblicklich ruckelte der Rücken an seinem Rücken unter dem Gewicht eines eigentümlichen Kicherns, das dem Kichern eines unbeschwerten Kindes vor seiner Geburtstagstorte glich. Ein Bein über das andere schlagend, lehnte sich der Fremde zurück und legte den Nacken über Ulysses’ Schulter, sodass sein wunderschönes Gesicht neben dem zerrüttetem Profil des Jungen wie ein Geist erschien. Reflexartig riss Ulysses den Kopf herum, um dem Boten seines Untergangs nicht begegnen zu müssen.
      »Erscheint mir nicht gerade intelligent«, flötete sein strahlender Richter direkt gegen sein Ohr, »eine Bombe ohne Zeitzünder zu konstruieren. Dieses kleine Problemchen hängt nicht zufällig mit einem gewissen Negerwissenschaftler zusammen, der kürzlich ohne Gesicht von seiner ›Studienreise‹ zurückgekehrt ist?«
      Mit aller Kraft zwang Ulysses das Haupt gegen seine bebende Brust, um jede Faser seiner erstarrten Miene unter den wilden blonden Locken zu begraben. Er wollte, konnte, durfte kein Wort aus seiner Kehle entweichen lassen und presste sich die zusammengeschmiedeten Lippen an den abnormen Zähnen blutig.
      »So, so…«, grinste die lichte Gestalt gehässig, »Keine Antwort ist auch eine Antwort. Das solltest du dir merken.«
      »Tun Sie’s?«, fragte der Junge plötzlich barsch. Er war es leid, mit dem Tod zu spielen und die letzten Momente seines Lebens mit falschem Hoffen zu vergeuden. Zu keiner Sekunde hatte er die Worte erwartet, die folgen sollten:
      »Aber natürlich, alter Knabe.«
      Fassungslos gingen die grünen Sonnen in Ulysses’ Augen über den dunklen Horizonten seiner Lider auf, zu überwältigt und verstört für einen einzigen klaren Gedanken. Der Bruchteil eines Herzschlags zog vorüber, in dem er, der verzweifelte Bittsteller, seinen goldenen Retter direkt anblickte und doch blind war für die silberklaren Augen, die auf ihm ruhten. Unfähig zu erkennen, ob der Fremde nur sein eigenes erleichtertes Lächeln spiegelte oder tatsächlich und wahrhaftig selbst Erleichterung empfand, fragte Ulysses:
      »Aber…wieso?«
      »Weil ein Augenaufschlag nicht weniger als eine Ewigkeit in meinem Leben ist, alter Knabe. Das habe ich mit Gott gemein, und deshalb hat mich unser gemeinsamer Freund auserkoren.«
      Beschwingt schnellte die fluoreszierende Gestalt auf ihre edelschwarzen Slipper, sich die goldenen Manschettenknöpfe richtend und den bedröppelt dreinblickenden Jungen über die Schulter hinweg inspizierend.
      »Eine Frage…«
      »Ja?«, keuchte Ulysses atemlos.
      »Hätte ich abgelehnt…wie gedachtest du, die Bombe zu zünden?«
      Abermals nahm der Fremde das Schweigen als Antwort, bevor er in einer Explosion aus Licht und Wärme verschwand, die er der Göttlichkeit selbst entliehen haben musste. Letzte Funken verwehten in der Brise, als Ulysses die geblendeten Augen wieder aufzuschlagen wagte und gegen die Sonne eines todgeweihten Killenicks anblinzelte.


      Zitternd, abwägend, schwitzend fummelte die Hand des jungen Soldaten an dem Ringetui wie an ihrem ersten Büstenhalter, hingerissen und angsterfüllt von der Aussicht auf Fleisch und Scham. Die Stimme des Mädchens im Juwelier echote durch seinen leergefegten Verstand und hatte Recht behalten: Das wunderschöne Gesicht seiner Geliebten erblühte wie eine vollendete Blume vor seinen Augen, strahlender als der Sommerhimmel über ihren Köpfen und die Blütenmeere, die den Marktplatz mit Regenbögen überfluteten. Er hätte die Ewigkeit damit verbringen können, die Sommersprossen auf ihrer Nase zu zählen und durch die seidigen Strähnen ihres winterblonden Haares zu streichen, das im Mittagslicht wie der weiße Schleier einer Braut wallte. Seiner Braut.
      »Madison…«, stotterte er zwischen dem Lachen und dem Tanzen der feiernden Massen, »Du und ich…wir…«
      »Was hast du vor, du alberner Kerl?«
      Ein letzter Atemzug trennte ihn vom Rest seines Lebens.
      »Willst du—«
      Kapitel 140 - Miasma

      Alles war Feuer und alles war Eis.
      Kalte weiße Sonnen blähten sich über ihrem gefesselten nackten Körper auf und speisten die piependen Apparaturen in ihrer polierten Folterkammer mit Hitze. Der Stahl lebte und beobachtete sie, pulsierte und fieberte wie ihre zusammengeflickten Wunden und das verstümmelte Fleisch, das sie gefangen hielt. In weiter Ferne schabten bereits die Kiefer der Mäuler, die die Zähne für ihre gottlose Mahlzeit schärften. Mercedes mutmaßte, was ihr dieses Mal genommen würde. Ihre Augen? Ihre Hände? Ihr zweites Bein? Bevor sie den lähmenden Stachel spürte und ihr Dasein erneut endete, hörte sie die Schreie ihres Bruders und das Surren der Glühwürmchen, die zwischen schwarzen Diamanten schwarze Pollen ernteten.
      Der Schlaf flutete über sie hinweg und ließ den unerträglichen Flammen kühle Tage voller Nichts folgen. Mercedes war Tau, der von einem Zweig auf ein Blatt tröpfelte, von einem Blatt auf einen Pilz, von einem Pilz auf…
      Schwer und verklebt waren ihre Lider, als ihr Geist zurück in die Feuer dämmerte. Das Fieber loderte schwelbrandig und hatte längst begonnen, die letzten Überreste ihres Körpers zu verseuchen. Kaum imstande zu atmen, ließ Mercedes den kahl geschorenen Kopf zur Seite kippen und zwang ihren verkrusteten Lippen ein triumphierendes Lächeln ab. Ich sehe euch.
      Sofort steckten die weißen Schatten an der Wand die mundlosen Köpfe zusammen und tuschelten.
      Ich sterbe. Sterbe euch unter den Händen weg und ihr könnt es nicht aufhalten.
      Sie versuchte zu lachen, doch der Stachel war schneller und vereitelte ihren Tod.

      Der Frosch auf dem Seziertablett versteht nichts von der Biologie; Mercedes hingegen verstand plötzlich und erwachte schreiend auf dem Operationstisch. Sie schrie, erschrak vor ihrer eigenen Stimme und schrie weiter — denn sie musste erkennen, dass sie überlebt hatte. Die vormals kollabierten Lungen sogen nährende Atemluft wie einen frischen Frühling in ihre Brust, die grässlichen Wundränder auf ihrer Haut pumpten nicht länger den todbringenden Eiter in ihre Blutbahn und das sengende Fieber, welches ihre Nerven bei lebendigem Leibe verbrannt hatte, war einer entsetzlichen geistesgegenwärtigen Klarheit gewichen. Nach den endlosen Tagen, die zu Nächten geworden waren und den Nächten voller Tageslicht, nach den Flammen und den Schatten und der Unbarmherzigkeit ihres Martyriums war Mercedes zu sich selbst zurückgekehrt. Pures Leben durchspülte ihren wiedergeborenen Körper und drang mit jedem Atemzug tiefer in ihre Poren ein. Wie die Schwingen eines Adlers blinzelten ihre Wimpern den Staub und den Schlaf aus den erglühenden Augen, bereit, abzuheben und das weiße Verlies hinter sich zu Schnee zerfallen zu lassen. Zentimeter um Zentimeter folgte Mercedes im Geiste ihren eigenen Muskelsträngen, bis sie ihre Finger und die Kraft fand, jene zu Fäusten zu ballen. Ich lebe. Ich lebe und ich werde—
      »Sterben«, echote plötzlich eine vertraute Stimme durch die metallenen Gebeine, die neben dem Operationstisch aus dem Beton einer alten Lagerhalle ragten, »Du wirst sterben.«
      Wie der Schatten eines lauernden Raubvogels zeichnete sich das Gesicht einer gealterten Clementine Coulomb vor knisternden Glühbirnen ab und schien auf die Antwort einer niemals gestellten Frage zu warten. Unfähig zu begreifen, wie viele Jahre seit ihrer Entführung über das Antlitz der Welt hinweggespült sein mussten, erstickte Mercedes an einem stummen Schrei.
      »Hör mir zu«, hallten die Worte ihrer Mentorin an den rostigen Wänden der Lagerhalle wieder, »Du wirst sterben. Was tust du?«
      Mercedes’ Kehle krächzte wie verschüttet, und doch war es ihre eigene Stimme, die in dieser Sekunde hart antwortete:
      »Überleben.«
      Keuchend schleppte sich eine reifere, schönere Mercedes auf ihrem Kanonenbein an Clementines Seite und stemmte sich atemlos gegen den Operationstisch. Winzige Schweißtröpfen glitzerten auf ihrer erblassenden Stirn und kullerten wie gläserne Perlen von den herabfallenden Strähnen auf die Wange der gefesselten Mercedes, die unaussprechlich verstört in ihre eigenen Augen starrte und nichts als Missbilligung fand.

      Wenige Minuten zuvor

      Selbst Gott musste ihm diesen Sieg über die Natur des Sterbens und Vergehens neiden, befand Stanislav Church auf seinem Rundgang durch die Eingeweide seiner blutigen Laboratorien. Regungs- und richtungslos quollen die verrenkten Leiber seiner Versuchsobjekte ineinander und erinnerten ihn an die Engel in den alten caligulanischen Gemälden, die Teddy in seinen leichtfertigeren Tagen missbraucht hatte, um dralle Naivchen mit ergötzlichem Halbwissen zu beeindrucken. Churchs alte Kehle gluckste auf. Ohne es zu beabsichtigen, hatte er seine Wissenschaft zur Kunstform erhoben. In den glotzenden Glasaugen seiner Pestmaske spiegelten sich totenstille Pinselstriche, die für ihn allein einen tosenden Ozean einfingen. Der Busen der Frauen und die wogenden Rundungen ihrer Hüften schenkten seinen Wassern die Wellen, auf denen sich Schaum aus verzerrten Kindermündern zu Gischt verflüchtigte, und ihre erstickenden Schreie hallten hinter den Rändern des Vogelschnabels wie das endlose Rauschen und Raunen der Fluten wider und wider und wider. Auf seiner Plattform über dem Meer der Leichen thronend, fühlte Church den Stolz des Kapitäns und die Macht eines gnadenreichen Schöpfers. Er hatte Schönheit im Alptraum kreiert; Musik komponiert, wo selbst das Schweigen verstummt, und er würde die See spalten, auf dass sich ihre tiefsten Tiefen wie der Schoß einer Hure ihm allein entblößten und Untertan machten.
      »Labt euch…«, flüsterte seine zerrüttete Stimme den giftigen Nebeln zu, die sich faulig und formlos an den verschlungenen Leibern vergingen, sich katzenhaft um seine Füße wanden und an den Spitzen seiner schwarzen Handschuhe leckten.
      »Bald schon…«, keuchte der Pestdoktor, »Bald schon werdet ihr—?!«
      Plötzlich jagte der stumme Alarm rote Blitze durch Churchs Refugium und brach sich kaleidoskopisch im spitzen Vogelschnabel der aufschauenden Maske. Die Schimmer des Mondes, die sich durch die winzigen Fensternischen des Daches in die verbarrikadierte Lagerhalle quälten, verquollen mit den flackernden Blinklichtern zu fluoreszierenden Schemen an den Wänden und ließen den Pestdoktor für eine Sekunde innehalten. War Gott gekommen, um ihn zu strafen? Nein. Denn er war der Tod geworden, und Gott brauchte ihn.

      Das große Hauptlager des Hallenkomplexes lag in der stummen, ehrfürchtigen Dunkelheit eines metallenen Himmels begraben. Groteske Apparaturen mit scharfen Kanten und bohrenden Spitzen hingen wie Galgenvögel an Eisenketten vom stählernen Gebälk, unter dem kohlenfressende Maschinen nach der nächsten Ladung darbten. Die Kinder der Liebe mittelalterlicher Folterinstrumente und neumoderner chirurgischer Präzisionswerkzeuge hingen aufgebahrt an den rostverkrusteten Wänden und glänzten zum Schnitt bereit im kalten Glanz eines dünnen, feigen Mondlichts.
      »Kinder! Ich bin zuhause!«, dachte Mercedes auf ihrer Pirsch durch diese schwarze Metallhölle zynisch. Mit gezückter Pistole und knirschenden Zähnen wühlte sie sich durch die rußende Finsternis und fühlte sich wie eine Jägerin ohne Beute.
      »Wir sind die Weltregierung. Überall sind Schatten«, äffte die Stimme in ihrem Kopf das pseudobedeutungsschwere Gebrabbel des Regierungsagenten nach, dessen Gesicht in ihrer Erinnerung weder Augen noch Ohren noch Lippen besaß. Nur eine Nase, die sich in aller Leute Angelegenheiten zwängte. Schnaubend hievte Mercedes ihr in dämpfende Tücher gewickeltes Kanonenbein weiter voran, vorbei an riesigen Stahlpressen und undefinierbaren Konstrukten, deren lange Schatten Insekten im Mondlicht imitierten. Ein Teil der Kopfgeldjägerin war sich sicher, die monströsen Kreaturen würden sich erheben und ihr folgen. Wie Tinte, die sich aus Papier erhebt. Urplötzlich überkam Mercedes die wahnwitzige Idee, ohne es zu ahnen in ihre eigene Seele gestolpert zu sein. Einmal zu oft falsch abgebogen, die falsche Gabelung an der falschen Kreuzung genommen — sofort verdammt, bis in alle Ewigkeit.
      »Wenn’s läuft, dann läuft’s…«

      Schlurfende Schritte schleppten Church an das gewaltige verriegelte Portal, hinter dem das Fleisch endete und der Stahl begann. Ein letztes Mal ragte der eiserne Vogelschnabel über die Schulterklappen seines schwarzen Mantels, bevor sich der Pestdoktor durch die massiven Tore schob und sein Meisterwerk hinter sich einschloss.
      Vor seinen leeren Glasaugen verneigten sich die Schatten der großen Maschinen zu Ehren ihres dunklen Führers. Drohend, unheilschwanger und gebieterisch schnitt seine hagere Silhouette durch die endlosen Gänge zwischen den aufragenden Apparaten, zuweilen die Hand auf eines der metallenen Monstren legend und in die Leere lauschend. Längst schloss Church einen Fehlalarm aus; wusste, dass er nicht allein war. Ein erbarmungswürdiges Geschöpf hatte es gewagt, die Tore seines Heiligtums aufzustemmen und sein Genie zu stören. Wie viele hatten schon den selben unentschuldbaren Fehler begangen? Waren auf der Suche nach kostbaren Altmetallen oder einem warmen Schlafplatz durch die Überreste der alten Maschinen gestromert und ihm direkt in die ausgestreckten Arme gelaufen…
      Frauen, deren Männer nach einem harten Abend in der Bar die Launen des Tages an ihnen auszulassen versucht hatten; Kinder, vom Leben verraten und mutterlos; betrunkene Schläger auf der Suche nach ihren Frauen. Dutzende hatten sich bereits zu seinen Füßen hingeworfen, um Gnade gewinselt und zu der wankelmütigen Gottheit gebetet, von der Stanislav Church einst selbst Erlösung erfleht hatte. Und so, wie er sich seinerzeit an den verschlossenen Toren des Himmel die Hände blutig gekratzt hatte, waren auch die Verlorenen und Unglücklichen vor seiner Tür an Gottes Starrsinn gescheitert. Er selbst hatte sie erlösen müssen, nicht der Pantokrator der Firmamente und Sterne über ihren hilflosen Schöpfen. Er selbst, Stanislav Church, hatte ihnen die gnadenreiche Ruhe geschenkt, die ihnen der Ach-so-Allesvergebende derart hartherzig verwehrt hatte. Auch der jämmerlichen kleinen Kreatur, die sich nun in seine Werkstätten verirrt hatte, würde Church Frieden schenken. Beständig lauschte er dem Tippeln ihrer Füßchen auf dem kalten Betonboden seiner Lagerhalle und erkannte, dass sie verletzt war. Sie zog ein Bein nach, diese geschundene und gebeutelte Kreatur. Church würde ihre Schmerzen vergessen machen, sobald er sie zu fassen kriegte. Sekündlich kreiste er sie weiter ein, heftete sich enger und enger an ihre hinkenden Fersen, bis er ihren Weg durch die verwunschenen Stahlwälder vorausahnte und sie hinter den Zahnrädern eines monolithischen Motorgetriebes erwartete. Bibbernd wie ein Kind wagte sich der Schatten dieser verirrten Seele durch das Mondlicht bis an die dunkle Ecke, in der sie ihr Retter empfangen und erlösen würde. Church war bereit, seine Gnade über ihr auszuschütten. Er war der Tod und er würde sie — erwischen.
      Blitzartig schoss seine schwarze Hand aus dem Finstern, doch Mercedes war schneller, duckte sich unter den gierigen Handschuhen weg und schleuderte ihr Kanonenbein mit wütendem Schwung gegen den lauernden Pestdoktor. Jener hastete geistesgegenwärtig mehrere Meter in die Luft, seinem vermeintlichen Opfer noch im Sprung die Pistole aus der Hand tretend. Instinktiv stützte er sich an den Eisenstreben in seinem Rücken ab und rettete sich wie eine schwarze Katze im Hechtsprung in eine sichere Nische, wo er mit Entsetzen mitansehen musste, wie der massive Stahl unter dem Einschlag des ungebetenen Gastes zerbarst, vornüberkippte und unter ohrenbetäubendem Lärmen in seine Richtung krachte. Nur im letzten Moment gelang dem Pestdoktor die Flucht, hinaus aus dem Dunkel und zu einem unscheinbaren Hebel an der Wand, der auf einen Handgriff hin knisternde Lichtkegel über der Lagerhalle ausgoss.
      Geblendet kniff sich Mercedes die gleißenden Funken aus den Augen und stolperte rücklings durch die zersplitterten Stahlträger, bis ein gellendes Knirschen ihre Prothese packte und am Boden festkrallte. Während sie sich noch die kräuselnden Schatten aus dem Blickfeld blinzelte, versuchte ihr menschlicher Fuß vergeblich, ihr falsches Bein mithilfe eines tatkräftigen Tritts aus den scharfkantigen Fängen eines zerborstenen Ladekrans zu befreien. Wieder und wieder wuchtete sie den Absatz ihres Stiefels gegen die massive Fessel, trieb die zerklüfteten Eisenzähne damit jedoch nur tiefer in die Verzahnungen ihrer Kanone. Zwischen den fruchtlosen Hammerschlägen ihres Hackens und dem fluchenden Schnauben ihrer Nüstern vernahm Mercedes’ siebter Sinn plötzlich den lautlosen Herzschlag des geduldigen Jägers. Ihr inneres Radar, das andere Menschen Haki nannten, schlug aus und ließ die Kopfgeldjägerin im entscheidenden Moment herumfahren, um das nahende Bein ihres Angreifers mit bloßen Händen abzufangen. Die Energie eines Orkans toste um ihre Arme und riss ihren perfekten Zopf entzwei, just bevor sich das vogeläugige Monstrum aus ihrem Griff befreite und auf der Luft selbst in sichere Entfernung sprintete.

      »Und wer…sind Sie?«, japste Church atemlos in das elektrische Dämmerlicht, in dem noch immer die rostigen Blutstropfen der niedergerungenen Maschine flockten. An Bug und Heck des Schiffswracks aus Geröll standen sich die Kopfgeldjägerin und der Pestdoktor gegenüber; gleichgültig und verständnislos beim Anblick des jeweils anderen.
      »Das ist eine wirklich abscheuliche Maske«, sagte Mercedes ruhig, »Wie muss da erst dein Gesicht aussehen?«
      »Oh…beten Sie, es nicht herausfinden zu müssen, Miss…« In dieser Sekunde wurde Church der ehernen Prothese gewahr, die die Braunhaarige möglichst unauffällig aus ihrem stählernen Gefängnis zu befreien versuchte. »Miss Mercedes Delacroix, aber natürlich. Verzeihen Sie, dass mir Ihre atemberaubende Schönheit nicht Hinweis genug war, aber lassen Sie es mich wiedergutmachen, in dem ich Ihnen versichere, dass Sie dem Ruf, der Ihnen vorauseilt, nicht nur gänzlich entsprechen — Nein! — Sie übertreffen ihn sogar noch.«
      »Danke«, erwiderte Mercedes trocken, »Das bedeutet mir viel, besonders aus deinem Munde. Was auch immer du bist.«
      Kehlige, gurrende Laute sickerten gegen das Innere der glotzenden Pestmaske, die sich wie der Schopf eines Friedhofsraben schieflegte, um Mercedes’ Maße für einen Sarg zu nehmen.
      »Wie wahr«, gluckste Church, »Sie sind mir gegenüber beachtlich im Nachtteil und bedauerlicherweise steht mir das Privileg, diesem höchst unglückseligen Missverhältnis Abhilfe zu schaffen, nicht zu. Äußerst bedauerlich…«
      Mit der Vorfreude eines Kindes, das süßen Sirup von seinen Fingerspitzen lutscht, zupfte sich der Pestdokter Kuppe um Kuppe seiner Handschuhe von den schwarzen Händen und verstaute sie in den Taschen seines Mantels.
      »Doch Sie können unbesorgt sein, Miss Delacroix. Diese Peinlichkeit wird bald vorbei sein. Bald schon—«
      Blitzartig verschwand Church, nur das Echo seiner klackenden Hacken und eine aufgescheuchte Mercedes auf dem Betonboden der Lagerhalle zurücklassend. Mit aller Kraft stemmte sie ihren Fuß gegen das massive Stück Metall, das ihre Prothese wie ein Schraubstock umklammerte, ohne sich rechtzeitig befreien zu können. Der spitze Schnabel des Pestdoktors punktierte ihre Wange mit unvorstellbarer Geschwindigkeit, bevor die schwarze Kreatur herumwirbelte und ihren ausgestreckten Zeigefinger in die zur Abwehr erhobene Hand der Kopfgeldjägerin rammte. Brüllend vor Wut schleuderte Mercedes einen wilden Schwinger ihrer freien Rechten zurück, verwirbelte jedoch nur die Eisenflocken im knisternden Zwielicht. Sofort reicherten sich Stille und Schatten in der Lagerhalle an, als wollten sie die Kopfgeldjägerin in einen trügerischen Frieden lullen. Doch das Loch in ihrer falschen Hand war real, die tiefen Kerben im stählernen Gewinde darunter waren real; nur die Pestmaske und ihr schwarzer Träger schienen aus der Existenz selbst gerissen. Mercedes kannte diese Taktik und die Kräfte, die soeben ihre linke Hand durchbohrt hatten — sie hatte viel gelernt in diesen letzten neun Jahren.
      »Regierung!«, rief sie den Schemen an der Wand und dem Funkenschlag der Glühbirnen hinterher, »Haltet euch für die Krone der Zivilisation, kämpft aber wie Buschvölker. Komm raus und—«
      Ihr Lächeln und ihr Radar zuckten im Gleichtakt, als ein ahnender Schauer über ihren Rücken rollte und ihre Fäuste elektrisierte. Mit zweifelhafter Eleganz, jedoch stoisch wie ein Bergmassiv blockten Mercedes’ Ellenbogen den hinterhältigen Tritt des Pestdoktors und wuchteten ihn in die zu Speerspitzen verbogenen Überreste der zertrümmerten Stahlmaschinerie. Erst im letzten Augenblick entging sein Körper dem Tod durch Metall, indem er sich den Pfählen durch absurdeste Verrenkungen wie gefaltetes Papier entzog. Sekundenlang hielt Mercedes dem gottlosen Blick der Glasaugen stand, hinter denen sie tatsächlichen Zorn zu lesen glaubte, bis sich Church aus den eisernen Streben schob und mit tausend wendigen Haken nahezu unsichtbar auf sie zusetzte.
      Sie erwartete ihn. Titanische Stärke durchflutete ihren halbmenschlichen Leib, als sie ihr feststeckendes Kanonenbein und mit ihm den massiven Klumpen Schrott, der es gefangen hielt, aus dem Betonboden riss. Grazil wie eine dampfbetriebene Ballerina vollführte die Kopfgeldjägerin eine formvollendete Pirouette, die das lästige Geröll endlich von ihrer Prothese vertrieb und zum wütenden Geschoss machte, das den herannahenden Church mit niederschmetternder Gewalt erfasste. Reaktionsschnell kraxelte er im echsenartigen Viergang über den fliegenden Stahlbrocken und rettete sich gerade rechtzeitig auf den sicheren Beton, um Mercedes’ Greifhaken Millimeter an seinem Gesicht vorbeischrammen zu spüren. Unter ohrenerschütterndem Bersten krachte der Metallklumpen gegen die erbebende Wand der Lagerhalle, just bevor sich die Enterkette in selbiger festbiss und Mercedes zu sich zog. Auf ihrem rasenden Flug schnappte sich die freie Hand der Kopfgeldjägerin den grausigen Vogelschnabel des Doktors - und den Rest gleich mit dazu. Splitter und Späne sprenkelten die Luft, als Churchs Maske zwischen Mercedes’ Fingern und dem Ende der Lagerhalle zerquetscht wurde und über seinem linken Auge knirschend zersprang.
      »Hab ich dich!«, spuckte die Kopfgeldjägerin in das eiterunterlaufende lidlose Auge, das ihr schmerzverzerrt und wundbrandig entgegenfunkelte. Der Mann unter der Maske musste in einer Welt der Qualen hausen. Pulsierende Adern unter verbrannter Haut pumpten schwarzes Blut in glasige, gelbgrüne Geschwüre und zerfressene Narbengewebe, die beim Kontakt mit der kühlen Luft wie sterbende Spinnen krampften.
      »Das muss wehtun«, mutmaßte Mercedes mit dem halbehrlichen Mitgefühl der Medizinerin, die beim Anblick dieser widerwärtigen Missbildungen und Entzündungen unwillkürlich ihren gedanklichen Reszeptblock zückte. Die Kriegerin in ihr war jedoch stärker, und kannte weder Mitleid noch Vergebung. Unter den Schmerzensschreien ihres Opfers presste Mercedes die zerbrochenen Ränder der Vogelmaske tiefer und tiefer in die eitrigen Überreste des Gesichtes, fauchend:
      »Wer. Bist. Du?!«
      »Ich bin der Tod!«, zischte Church, zückte ein Messer aus seinem Ärmel und rammte es in den Schnabel seiner Maske. Eine stechende Verpuffung vor Mercedes’ Nasenspitze war die Folge und rosenrote Gase umschwärmten ihr erschrockenes Haupt. Hustend stürzte sie zu Boden, nur im Affekt die enthemmten Messerstiche des Pestdoktors mit dem Stahl ihrer Prothese zurückschlagend. Geistesgegenwärtig tasteten ihre Hände blind nach dem Entriegelungsmechanismus, fanden ihn und entfesselten berstende Kanonensalben aus dem Lauf ihres Beines. Zu spät, zu wahllos. Church war verschwunden und Mercedes verlor sich im roten Nebel.

      Orientierungslos torkelte die Kopfgeldjägerin durch die drohenden Lagerschluchten und spürte die Tonnen der neben ihr aufragenden Stahlmonolithen ebenso ungnädig wie das Gewicht ihres falschen Beines, das sie unablässig näher an den Betonboden zog. Kalter Schweiß sprudelte aus ihrer Haut, flutete ihren zitternden Körper und plätscherte ihr Kinn hinab. Tropfen, Tropfen, Tropfen. Ihre ganze Existenz diente den Tropfen, die ihr entsprossen, über sie hinweg perlten und in den Beton sickerten. Vielleicht müsste sie nur lange genug warten, bis eine zweite Mercedes aus den feuchten Stellen erwüchse. Eine Kameradin im Kampf gegen den Dämon, der sie vergiftet hatte; eine Armee im Säuberungskrieg gegen die Pest.
      »Das ist ein bescheuerter Gedanke und ich komme mir dumm vor, dir das überhaupt sagen zu müssen. Steh auf.«
      Mercedes hinterfragte nicht, wieso ihr ihre Mentorin erschienen war, um sie zu retten. Dankbar ergriff sie die Hand, die jene ihr reichte und stemmte sich auf die wankenden Knochen. Clementines rundes, sonniges Gesicht war bewölkt und kalt und sprach:
      »Du bist vergiftet worden.«
      Mercedes lachte nur, halbtot. »Wirklich? Schätze, deshalb bist du die Lehrerin und ich nur—«
      »Mercedes!«, wurde die Blonde energischer und ernster und rüttelte die Kopfgeldjägerin fest an den Schultern. »Du bist vergiftet worden. Du wirst sterben. Was tust du?«
      »Ich…« Allmählich entstieg Mercedes dem Sumpf, in dem ihre Sinne zu ertrinken drohten. »Ich muss…Gegengift. Ich muss ein Gegengift finden. Sein Gegengift. Aber…«
      »Aber?«, trieb Clementine sie voran.
      »Ich kann nicht. Er hat das Gegengift, und ich kann mich ihm so nicht entgegenstellen.«
      Als müsse sie vor ihrer eigenen Drogenhalluzination Rechenschaft ablegen, deutete Mercedes an sich selbst hinab: Legte ihre zitternden Hände, die schweißgebadete Stirn und das wacklige Beingerüst als Beweise vor. Doch Clementine ließ nichts von alledem gelten. So dachte Mercedes weiter nach.
      »Das bedeutet…ich muss mich ihm stellen, ich muss einen Weg finden. Ich muss—?!«
      Der Pestdämon hatte sie gefunden, und er hatte Verstärkung mitgebracht. Schwarze Zwillinge stürmten auf sie zu, deren vier Arme und vier Beine ihren Tod wollten.
      »Nur einer ist real«, analysierte Clementine nüchtern, »Nimm den Rechten.«
      Mercedes wählte den Linken und fing die bohrende Fingerkuppe wenige Zentimeter vor ihrem getrübten blauen Auge ab.
      »Was…hast du mir gegeben?!«, lallte sie, doch die entstellte Fratze lachte nur. Church hatte seine Maske abgelegt, und mit ihr seine Höflichkeit und seine Manieren. Plötzlich wuchs der geschwärzte Nagel seines Fingers zur Klinge, schlitzte Mercedes’ Wange auf und zerstach das eiserne Geröll hinter ihr. Der Schmerz vereinnahmte sie in Wellen und trieb sie in einen verzweifelten Konter, der das Kanonenbein ungelenk in Churchs Magen versenkte und ihn quer durch die Lagerhalle in eine undefinierbare Masse an dem schwarzen Horizont schmetterte, der sich vor Mercedes’ fallenden Lidern ausbreitete. Sie erwartete den Tod und die Bilder ihrer Vergangenheit, die den Fußweg ins Grab pflasterten. Menschen, die sie geliebt, Orte, die sie angezogen hatten. Mercedes aber erkannte in der Düsternis nur sich selbst. Nackt, kahl geschoren und an den OP-Tisch gefesselt, der einst ihr Kerker gewesen war. Sie sah dieses hilflose Geschöpf und fühlte nichts als Ekel.
      »Bleib wach«, mahnte Clementine, »Bleib wach.«
      »Ich bin wach!«, schnaubte Mercedes auf ihrem Operationstisch zornig und rüttelte an ihren Fesseln, »Lasst mich gehen! LASST! MICH! FREI!«
      Unter dem Angstschrei der weißen Kittel zerbrach das vollendete Experiment seine Ketten, entstieg dem verhassten OP-Tisch — und klatschte wie ein Stein zu Boden. Die Macht, die ihren Körper zuvor hatte erbeben lassen, wich beim Anblick ihrer metallenen Prothese einem lähmenden Entsetzen. Doch der Moment ihres Zögerns währte nur kurz. Ein brennender Blitz durchfuhr ihr Rückgrat und entflammte ihren Zorn. Sie ertrug den Schmerz, entriss den weißen Kitteln ihren Elektroschocker, mit dem sie sie wie ein störrisches Zirkustier traktierten, und streckte drei ihrer Peiniger mit ihm nieder. Auge um Auge. Im Rausch der Rache schleuderte sie den elektrischen Speer mit der Macht eines Götterblitzes quer durch die Lagerhalle in die grauenhaften piependen Apparaturen, die sie in den letzten Monaten ihr Leben und Leiden erhalten hatten. Funken und zerberstende Kabel zuckten durch ihre desinfizierte weiße Folterkammer, in der die mundlosen Gestalten einen grausamen Tod starben. Die Grenzen zwischen der alten Lagerhalle und dem Alptraum ihrer Vergangenheit verschwammen und wechselten mit den gleißenden Lichtblitzen.
      »Denk nach«, murmelte die vergiftete Mercedes vor sich her, während der Geist ihres einstigen Selbst die weißen Kachelwände mit Blut tränkte, »Denk nach. Halluzinationen, Hitzewallungen. Ein rötliches Gas…Verpuffung beim Kontakt mit Sauerstoff…Halluzinationen…«
      »Du hast es gleich«, ermutigte Clementine Coulomb sie, »Ich habe dir alles beigebracht. Du hast, was es braucht, um zu überleben!«
      Überleben. Mercedes würde überleben, die Antwort kreiste wie Geier über ihrem fiebernden, schweißnassen Schopf. Getrieben versuchte sie, sich die triefenden Strähnen aus ihrer Stirn zu streichen, doch die Finger ihrer rechten Hand waren taub. Taub.
      »Das ist es!«
      Die Kopfgeldjägerin fühlte sich fokussierter als jemals zuvor, lächelte das Lächeln einer Siegerin und benutzte die funktionstüchtigen Maschinenfinger ihrer linken Hand, um die Medizinkammer in ihrem Oberschenkel zu öffnen. Geschwind breitete sie ihr kleines Labor wie ein Picknick um sich herum aus, füllte Regenbögen aus Fläschchen in ein Reagenzglas, schüttete die Gemische in einen hitzefesten Kolben und aktivierte unter einiger Mühe den Bunsenbrenner in ihrem rechten Zeigefinger. Nach wenigen Sekunden begann der gebraute Zaubertrank zu brodeln, doch Mercedes fühlte keine Erleichterung. Die siedenden Chemikalien kochten ihre giftumspülten Nerven; der Kampf gegen ihren eigenen Verstand war einem Kampf gegen die Zeit gewichen. In weiter Ferne vernahm der letzte Überrest ihrer Sinne das Scheppern und Knirschen des Gerölls, aus dem sich der entsetzliche Pestdoktor soeben befreit haben musste.
      »Ganz ruhig«, wies Clementine ihre Schülerin an, die mit zitternden, tauben Fingern eine Spritze aufzuziehen versuchte, »Du kannst das. Du hast schon einmal das Unmögliche vollbracht.«
      »Ich weiß«, raunte Mercedes hochkonzentriert, atmete tief ein und jagte sich die Spritze in den Hals. Die blutige Rache ihres einstigen Ichs spiegelte sich in Schattenspielen vor ihren aufklaffenden Pupillen. Wirbelsäulen wurden zwischen den mechanischen Fingern zu Zahnstochern und Schädel zu rohen Eiern, die an Wänden zerplatzten. Nur ihre Hände waren nötig, um die Leiber ausgewachsener Männer zu zerreißen; noch weniger, um sie zu zerquetschen.
      »WO IST ER!?«, prasselte die Stimme ihrer entfesselten Schöpfung auf die beiden Wissenschaftler ein, die Mercedes über dem Boden baumeln ließ, »Da Vinci! Wo ist er!? WO—«

      »—BIST DU!?«
      Ungläubig vernahm der schnappatmende Church das Echo ihrer tosenden Stimme. Doch wie? Der Tod hatte sie geholt. Nein! Er hatte sie geholt. Sein Genie höchstselbst hatte das Gift hervorgebracht, welches erst ihren Verstand und schließlich ihr Fleisch hätte zersetzen sollen. Die Minuten waren verstrichen, nach seiner letzten fruchtlosen Attacke hatte er zu zählen begonnen. Doch sie lebte, der gellende Lärm ihres gottlosen Beines kündigte sie an wie der Donner den Sturm. Wie konnte sie es wagen, seine Gnade auszuschlagen? Zornentbrannt legte Church den Kopf in den Nacken, bevor die eitrigen Beulen und brandigen Narben in seinem Gesicht zu pulsieren begannen. Seine Schultern weiteten sich, die Nägel an seinen verkrampfenden Fingern wuchsen zu Dolchen an und die Muskeln in seinen hageren Beinen schwollen gegen das schwarze Leder der Hose. Einen tiefen Atemzug später war Church verschwunden, um mit der Leidenschaft eines reinigenden Regens auf Mercedes niederzugehen. Seine langen Nägel wurden Lanzen, die die Kopfgeldjägerin mit einem schwungvollen Tritt ihrer Prothese umlenkte, bevor sich ihr Greifhaken in Churchs Hals zu verkeilen versuchte. Jener entzog sich ihr, schoss zu Boden und rasierte mit den abnormen Fingernägeln in einem gewaltigen Halbkreis Maschinen und Stahlträger gleichermaßen. Nur Mercedes hatte den Angriff mit hakischwarzen Armen überlebt, während das Metall um sie herum barst und zerfiel.
      »Ich wage kaum zu entscheiden, zu welcher Überraschung ich mich hingerissener fühle…«, keuchte Churchs entzündete Pestfratze heiter, »Die Überraschung, Sie in bester Gesundheit vorzufinden, Miss Delacroix, oder meine Überraschung beim Anblick der Ihren.« Sichtlich amüsiert zog er seine langen Nägel ein. »Die Kunst des Life-Feedbacks sollte Ihnen nicht fremd sein, schließlich habe ich mein Wissen an den guten Brian O’Mara weitergegeben. Wenngleich ich zugeben muss, seine praktische Anwendung dieses Wissens stets als…monströs empfunden zu haben.«
      Mercedes gab sich unbeeindruckt. Das Gift zerfraß ihren Körper bei lebendigem Leib und betäubte ihr Entsetzen. Die Wirkung ihres improvisierten Medikamentencocktails versiegte rapide.
      »Wer bist du?«, fragte sie erneut. Erneut antwortete Church:
      »Der Tod.«
      Achselzuckend richtete Mercedes ihre Rechte aus. Die Luke in ihrer Handfläche spuckte Öl und der Bunsenbrenner in ihrer Fingerkuppe steckte es in Brand. Die aufpeitschende Stichflamme verschluckte Church und seinen Mantel, den er sich geistesgegenwärtig vom Leib riss und gegen Mercedes warf. Nur für den Bruchteil eines Wimpernschlags verlor sie ihn aus den Augen — nur der Bruchteil einer Sekunde war es, der sie verdammte. Seine schwarzglänzenden Nägel bohrten sich von hinten in ihre Schulter, gefolgt von seinem Knie in ihrem Rücken. Mehrere Meter schlitterte ihr blutspuckender Körper über den harten Beton, bis Churchs nacheilende Hacken ihren Flug jäh beendeten. Sie schmeckte die dreckigen Sohlen seiner Stiefel auf den Zähnen und fühlte die heißen Tropfen, die aus seinen Beulen auf ihre Stirn eiterten. Die widerlichen Nägel schossen auf ihre Augen zu, in denen sich Churchs Abszesse und Narben an ihrem Ende labten. Verzerrt grinsend, bis der Greifhaken aus Mercedes’ angewinkelter Hand sprudelte und seine Fingerkuppen in Stücke riss. Jaulend vor Schmerz taumelte der Pestdoktor zurück. Nun war es Mercedes, die den Bruchteil eines Wimpernschlags nutzte. In einem letzten Aufbäumen ihrer vergifteten Muskeln packte sie ihre Prothese, ließ die Kammer einrasten, ergriff den manuellen Abzug - und blies Church mit einer Ladung Schrot das entstellte Gesicht aus dem Schädel.
      Kapitel 141 - CP-002-Z: Stanislav Church

      Wie ein eingeschlagener Baum knickte der tote Leib unter dem blutsprudelnden Stumpf in sich zusammen. Nach 20 langen Jahren unter der abscheulichen Vogelmaske war Stanislav Church gestorben, wie er gelebt hatte: Gesichtslos, verborgen vor den Augen einer gleichgültigen Welt. Im knisternden Licht der nackten Glühbirnen, das noch immer durch die Lagerhalle zuckte, verwässerte die kopflose Leiche zwischen den langen Schatten der dunklen Maschinenwesen zu einem See aus unergründlichem Schwarz — ein Tintenfleck im Roman des Lebens.
      Churchs Mörderin plünderte seinen Leichnam mit gierigen Fingern, die wie hungrige Ratten in jede Ritze des blutgetränkten Totengewandes krauchten und an seiner Habe nagten. Ihr gepresster Atem spukte bereits wie Wolfsheulen durch ihre Lungen, als Mercedes das gläserne Fläschchen aus der Innenseite des dunklen Mantels barg und mit getriebenen Blicken analysierte. Blutige Lippenabdrücke auf dem Hals des halbgeleerten Gefäßes bestärkten ihre Zuversicht, das rettende Tonikum in den Händen zu halten, und doch zögerte sie instinktiv. Abwägend, ob der gehässige Vogeldämon diese letzte feige Falle für sie vorbereitet haben mochte, um selbst im Sterben noch dem Tode dienen zu können, hielt sie das Glas gegen die schmutzigen Glühbirnen. Doch der lodernde Glanz verglühte vor ihren Augen zu Asche und die Wölfe heulten und Mercedes spürte die unerbittliche Angst vor diesem einsamen Tod wie Flutwellen, die sich vor ihr im stählernen Chaos auftürmten und zu branden drohten. Hoffnungsverloren schluckte sie die bittere Medizin, lehnte sich an die rostige Brust einer unaussprechlichen Maschinerie und wartete auf das unbestimmte Ende.

      Zwei Stunden zuvor

      »Wir sind nicht die Kavallerie«, redete der Graue Spion auf das Spiegelbild in seiner Kaffeetasse ein, »Wir befinden uns auf einer Aufklärungsmission. Das heißt, wir sondieren die Lage, sammeln Informationen und sobald wir handfeste Beweise haben…rufe ich Verstärkung.«
      Halbabwesend schwappten Mercedes’ müde Pupillen über das abgeschliffene Relief ihres Gegenübers hinweg auf die Rücken der vorüberziehenden Pendler, die aus den Gewölben des Bahnhofs in die kohlenschwarze Nacht entflohen.
      »Hier.« Mit einem entwaffnenden Lächeln, das Mercedes’ abtrünnige Gedankengänge zu enttarnen schien, klatschte der Agent einen detaillierten Stadtplan auf den öligen Stehtisch zwischen ihnen. Horte konzentrischer Kreise breiteten sich unheilverheißend über den Dächern eines skizzenhaften Copperfields aus und flossen über den hohlen Gerippen grauer Hallenkomplexe zu einer farblosen Seerose zusammen.
      »Deine Geometrie-Hausaufgaben?«, stichelte Mercedes kaffeeschlürfend.
      »Sehr witzig. Nein. Das hier—«
      Seine Finger bedeuteten einen vagen Bogen um die ringförmigen Wellen, die in unregelmäßigen Abständen aus der gesamten Stadt sprudelten. »Das hier sind…Jagdgründe.«
      »Jagdgründe?«
      Er nickte unmerklich, sich die graue Schiebermütze noch tiefer über die blauen Löckchen zerrend. In diesem Moment erinnerte er Mercedes an ein Kind, das sich aus Furcht vor dem Monster unter seinem Bett die Decke über das Gesicht zog, und weckte ihr Mitgefühl. Die flüchtige Idee, der junge Mann in der Kaffeetasse könnte ebenso unvermittelt und unwillig in den Krieg der Schattenwelten geraten sein wie sie selbst, löste in der Kopfgeldjägerin einen unwillkürlichen Mutterinstinkt aus. Die große Schwester in ihr, dieses weichherzige und zartfühlende Geschöpf, das sie einst gewesen war, wollte seine Ängste lindern und die dunklen Flecken vertreiben, die das kalte Licht der Bahnhofsleuchten in die Sorgenfalten auf seiner hohen Stirn goss.
      »Also schön«, seufzte sie nachgiebiger, »Was tun wir hier?«
      Der Blauhaarige antwortete, ohne vom Papier aufzusehen:
      »Menschen verschwinden. Seit 15 Jahren verschwinden in dieser Stadt Menschen.«
      Augenblicklich neigte sich Mercedes’ schönes Gesicht gen Fenstergalerie. Hinter den verklebten, rußigen Bahnhofshallen erbrach sich die Nacht dunkel und bleiern über öde Acker, auf denen nichts wuchs als Stahl und Feuer und Kälte. Menschen mit eingefallenen Gesichtern und entzündeten Körpern schleppten sich durch dieses harte, finstere Land voller Kräne und Schienen, Blickkontakt meidend und allein den einfahrenden Zügen Respekt erweisend. Zu verschwinden, schwante es Mercedes, hieße, sich zu vergessen und aufzulösen in den Kohlengruben und dem Qualm der dröhnenden Maschinen.
      »In diesen Gegenden«, erklärte der Graue Spion mit Blick auf die konzentrischen Kreise, die Mercedes an die Altersringe von Bäumen erinnerten, »sind sie verschwunden. Straßenkinder, Huren, Bettler; Menschen, die gewissen Risikogruppen angehören und nur selten als vermisst gemeldet werden. Unsere Aufzeichnungen bestätigen über 50 Fälle in den letzten 15 Jahren, aber die Dunkelziffer ist vermutlich ungleich höher…«
      Mercedes lauschte seinen Worten ernst und grüblerisch. Mit verhaltenem Unbehagen glitten ihre verschiedenfarbigen Augen über die tödlichen Ringe, die plötzlich zahllose ungehörte Schreie einzukesseln schienen. Der Agent musste sie ebenso deutlich hören wie sie, denn seine Stimme wurde lauter und getriebener:
      »Den ersten Opfern…mutmaßlichen Opfern ging das Verschwinden von Tieren voraus. Hunde, Katzen und sogar Hühner. Lokale Zeitungen berichteten über das plötzliche Ausreißen von loyalen Wachhunden und von besorgten Bürgern, deren Katzen nicht von ihren nächtlichen Streifzügen zurückkehrt waren. Hier, in diesem Bereich.«
      Seine kleine Hand deutete auf den äußerten Kreis des äußersten »Jagdgrundes« — und Mercedes ahnte mit Grauen, was folgen sollte.
      »Die ersten Opfer waren Kinder, nicht wahr?«
      Betroffen bestätigte der Graue Spion ihre Theorie, bevor er über sensationswütige Zeitungsartikel und demographische Untersuchungen, halbherzige Polizeiberichte und moderne urbane Legenden sprach. Mit jedem Wort und jedem weiteren vermissten Gesicht sprangen seine kindlichen Finger über einen der drohenden Ringe, sich beständig der verfluchten Seerose über den Lagerhallen nähernd — dem Schnittpunkt, an dem die Fäden des Bösen zusammenliefen.
      »All diese Informationen«, fragte Mercedes nach dem Ende seiner uferlosen Ausführungen, »Wie hast du die Zusammenhänge erkannt? Wie bist du auf diese Stadt gekommen und—«
      »Ich?« Sichtlich geschmeichelt, aber hölzern wie eine Puppe wehrte der Blauhaarige ab. »Das sind die Früchte der Arbeit meiner Vorgesetzten. Sie muss dafür hunderte Berichte und Statistiken zusammengetragen und verglichen haben; Todesanzeigen, Zeitungsartikel und Polizeiakten aus 15 Jahren Stadtleben.«
      »Erstaunlich«, befand Mercedes beeindruckt, noch immer die unheimlichen Jagdgründe studierend.
      »Ja, allerdings. Weiß der Himmel, wie sie das angestellt hat und wie sie überhaupt auf diese Stadt auf dieser Insel kam. Sie ist ziemlich brillant und die meisten Sprünge, die sie macht, kann ich mir nicht erklären«, redete sich der Blauhaarige ein Lächeln auf die Lippen. Der Stolz, für eine Frau zu arbeiten, deren Leistungen selbst der berüchtigten Mercedes Delacroix Respekt abzutrotzen vermochten, ließ seine Brust anschwellen und den Kaffee an seinen Lippen belebender und weniger metallisch schmecken als noch zuvor. Wohltuend rollte die schwarze Wärme durch seine Kehle und schenkte ihm neuen neuen Mut, als Mercedes die spitzen Blütenblätter der Seerose ins Auge fasste und nachdenklich murmelte:
      »Hier überlappen sich die Kreise…›Jagdgründe‹ nanntest du sie, nicht wahr?«
      »Cassiopeia nannte sie so. Ihr habt sie ja bereits kennengelernt.«
      Beim Gedanken an die blutrote Teufelin schwärmte ein brennender Schauer in die schwülstigen Narbenäste auf Mercedes’ Rücken aus, doch sie schwieg, um den so plötzlich so redefreudigen Spion nicht zu unterbrechen.
      »Cassiopeia sagte, dass sie das Muster an die Vorgehensweise von Serienmördern erinnere«, fuhr er fort, »Diese äußeren Bereiche — hier begann es. Und mit jedem Jahr, dem wir uns der Gegenwart nähern, nähern wir uns auch diesen Lagerhallen. Cassiopeia sagt, dass intelligente Serienmörder zu Beginn ihrer…Karriere sehr vorsichtig seien. Sie entfernen sich weit von ihrem Zuhause oder ihrem Zufluchtsort. Aber dann werden sie selbstsicherer und gieriger, ihr Verlangen und ihre Arroganz lassen sie fahrlässiger werden und sie jagen in immer kürzeren Abständen, immer näher an ihrem Refugium.« Er deutete auf die engsten Ringe der sich überschneidenden Bereiche, die die grauenhafte Seerose formten. »Zum Ende hin verschwanden viele Menschen in diesen kleinen Radien. Er brauchte sehr schnell sehr viele neue Opfer.«
      Mercedes würgte bittere Galle hinunter. »Er experimentiert.«
      »Das hat Cassiopeia auch gesagt.«
      »Natürlich hat sie das«, seufzte die Kopfgeldjägerin gehässig und legte den Kopf in den Nacken, um Luft und Licht durch ihre Lungen zu spülen, »Seine ersten Versuche unternahm er an Tieren, dann die nächsthöhere Stufe — Kinder. Die Schnittpunkte liegen auf Lagerhallen?«
      Wieder nickte der Spion. Allmählich erkannte er, wieso Lorelei ausgerechnet Mercedes Delacroix auserkoren hatte, ihm bei seiner Mission im Herzen des Horrors zur Seite zu stehen.
      »Wir werden uns diese Lagerkomplexe ansehen. Aber nicht vergessen: Keine Intervention. Wir teilen uns auf, treffen uns nach einer Stunde, wo wir uns getrennt haben und berichten über alles, was uns aufgefallen ist. Ohne böse Überraschungen und ohne Nebenwirkungen. Verstanden?«
      »Verstanden.«
      Zufrieden verstaute der Agent den Stadtplan wieder in seiner Manteltasche und leerte seinen Kaffee, bevor er vergeblich nach den verschiedenfarbigen Augen der schönen Kopfgeldjägerin suchte. Jene hatte sich bereits an ihm vorbei gestohlen und erwartete ihn mit entschlossener Miene unter den knochenhaften Bahnhofsportalen.

      Zurück in der Gegenwart

      Die gescheckten Tarnmuster aus Nacht und Eisen und Licht blätterten wie trockene Farbe von seiner Haut, seinem Mantel und seinem Haar, als sich der Graue Spion in die Überreste der urgewaltigen Maschinerien kniete und die Bruchstücke der zerborstenen Vogelmaske aus den Trümmern barg. Erneut wanderte sein sorgenvoller Blick über das Chaos in der alten Lagerhalle; die verwüsteten Apparaturen und niedergerungenen Maschinen, die aufgerissenen Betonplatten und demolierten Metallbeläge. Eine bitterböse Ahnung kauerte in den dunklen Ecken, die die elektrischen Leuchtkörper nicht zu erhellen vermochten, und lenkte seine Schritte bis an die geronnenen roten Lebenslinien auf dem Boden. Er folgte ihnen, ohne zu denken — und fand den kopflosen Leichnam, ohne zu begreifen. Instinktiv zückte er jedoch die Teleschnecke aus seiner Manteltasche, wartete auf das Klicken am anderen Ende der Leitung und murmelte:
      »Leichenfund. Identität: Stanislav Church. Agentennummer: CP-002-Z.«
      Ein erneutes Klicken beendete den Anruf und ließ den Grauen Spion wieder mit seinem toten Kollegen allein. Gedankenverloren legte er die Bruchstücke der unheimlichem Vogelmaske auf den gesichtslosen Stumpf, der von Churchs Schädel übrig geblieben war, und trat über den toten Körper hinweg auf das große massive Stahltor im hintersten Winkel der Lagerhalle zu. Das monolithische Konstrukt hing wie ein geknackter Tresor angelehnt in den Angeln und gähnte eine endlose schwarze Leere. Unter einem nervösen Seufzen schob sich der Blauhaarige in die Dunkelheit und musste seinen Mageninhalt zurückhalten, als sich das Unbekannte im Finstern lichtete. Hunderte tote Augen starrten ihn an, flehten aus aufgesperrten Mündern still und ungehört um Hilfe oder Gnade oder die letzte, erlösende Ruhe. Unfähig, das Meer der Leichen zu ertragen, taumelte der Spion rücklings und stieß sich den Schädel am zyklopischen Stahlportal blutig.
      »Gottverfluchtescheiße!«, stieß er aus.
      »Hier oben, Meisterspion!«, schallte es zurück.
      Direkt unter der hohen rostigen Deckenkuppel, an der gewaltige Ventilatoren giftgrüne Dämpfe verwirbelten, machte der grummelnde Spion einen gläsernen Käfig inmitten des Stahls aus und die hohe vergitterte Wendeltreppe, die ihm wie ein Efeustrunk entwuchs. Während er hinaufstieg, formierten sich die verrenkten Leiber der Verendeten in seinem Geiste zu fahlen Schwärmen, die sich an seiner Seite in die Lüfte schwangen und ihre kalten, glasigen Vogelaugen in seinen Rücken bohrten. Erst später sollte er erkennen, dass es die weißen Augen der abscheulichen Pestmaske waren, die ihn verfolgten.
      Beim Anblick der schönen Mercedes, die ihn inmitten des gläsernen Büros auf einem thronhohen Lehnsessel erwartete, rutschte ein verhaltenes Lächeln aus den Nasenflügeln des Agenten. Es erstarb jedoch, als er die glühende Verachtung im erschöpften Gesicht der Kopfgeldjägerin bemerkte. Ihr verschiedenfarbiger Blick wanderte mit unaussprechlicher Traurigkeit und endlosem Zorn über die ermordeten Frauen und Kinder, bevor er den Agenten erfasste und niederstreckte. Die glanzvollen Augen, grün und blau und unerschütterlich, zerschmetterten seine berufliche Integrität und seine Männlichkeit mit einem einzigen, markerschütternden Blinzeln. Wortlos warf sie ihm eines der ledergebundenen Büchlein zu, wie sie zu hunderten die Rückwand des Käfigs tapezierten und kleine Türmchen auf den schwarzen Tischen und Sekretären bildeten, und forderte unnachgiebiger als eine erzürnte Göttin:
      »Church. Stanislav Church. Wer ist er?«
      »Ähm…nun…«, räusperte er sich hart, ohne seine Stimmbänder lösen zu können. Schnaubend wandte sich Mercedes von ihm ab und versank wieder in den mit penibler Hand geschriebenen Seiten der zahllosen braunledernen Notizbücher. In diesem Moment spürte der Graue Spion, dass er sie verloren hatte. Welche Sympathien er der Kopfgeldjägerin in den letzten Stunden auch hatte abringen, welches Verständnis für die Dringlichkeit ihrer Zusammenarbeit er in ihr auch hatte wecken können — Stanislav Church musste ihr Vertrauen unwiederbringlich zerstört haben.
      So klappte der Agent das Büchlein in seiner Hand auf, da jedes gesprochene Wort zwecklos schien, blätterte, und las einen wahllosen Absatz auf einer wahllosen Seite.


      Tag 2381

      Objekt 0114 zeigt sichtbare Hautreizungen an Zunge, After und Genitalien. Die entnommenen Proben implizieren die Richtigkeit meiner bisherigen Forschungen und geben mir die Kraft, die erniedrigenden Arbeiten in diesem zivilisatorischen Rattenloch unbeirrt voranzutreiben. Objekt 0114 wird isoliert und den Einzelkomponenten ausgesetzt. Stündliche Überwachungen mit anschließender Kontrastmittelanalyse sollten mir einen Einblick in das Innerste der Mechanismen gewähren, die die Toten von den Lebenden trennen, und mich als allsehender Beobachter auf dem schmalen Grade wandern lassen, die die Todgeweihten so eifersüchtig für sich selbst hüten, obgleich ihre Augen stumpf und ungebildet durch nichts weiter tasten als Angst und Finsternis. Diese bedauernswerten Primaten, die sie nichts kennen als das Brot in ihrem Mund und die Exkremente in ihren Gedärmen..wie ich sie verachte. Dennoch werde ich sie erheben. Und sie werden dankbar sein.


      »Meine Güte«, entfloh es dem Blauhaarigen, »Geht…geht das so weiter?«
      Mercedes sagte nichts, sodass er wenig zuversichtlich zum Ende des Buches sprang.


      Tag 2912

      Gott spricht nicht, handelt nicht. Er hört, doch erhört sie nicht. Ich bin es, der ihre Schreie und ihre Gebete in der Stunde ihrer Verzweiflung vernimmt und niederkniet, um ihnen den ersehnten Trost zu spenden. Ich sehe mich in den Tränen in ihren Augen und dem Speichel auf ihren Lippen. Ein Psychopomp, der ihnen mit einem einzigen Akt der Gnade die Martyrien ihrer letzten Tage vergessen macht…
      Objekt 0179 lächelte, als ich es aus seiner der Zelle holte, ihm Wasser gab und befragte. Wie naiv. Die Hoffnung ist eine verkommene Lügnerin, doch das wissen sie nicht. Die Grenzen ihrer kleinen Gehirne können nur verarbeiten, was sie sehen, riechen und hören; die transzendenten Himmel hinter den Sinnen aber sind ihnen verschlossen. Doch sie werden sich ihnen öffnen. ICH werde sie ihnen öffnen wie der Schlüsselmeister das Tor in die Herrlichkeit. Schließlich war auch ich einst wie sie: Gnadensuchend. Hoffnungsvoll habe ich mich in die Hände eines gütigen Gottes begeben und nur Verderbtheit und Enttäuschung vorgefunden. Nächte des Fiebers und des Eiters nach Tagen voller Dunkelheit und Niedergang sind wie Zigeuner an mir vorübergezogen. Und Gott!? Was tat Gott, als ich ihn um Erlösung anflehte, um das Ende? Als meine Knie vor seinem Kreuze in den Dreck fielen und mein lippenloser Mund den Schmutz von seinen Altären küsste? Niemals zuvor hatte ich mich so einsam und verraten gefühlt. Schmerzen, nichts als Schmerzen und die süßperlenden Versprechungen der Hoffnung, die in mein Ohr flüsterte: »Er wird dich erhören, er wird dich erhören.«
      Aber sie ist eine Lügnerin! Gott erhört nicht. Er hört nur.


      Allein das surrende Rotieren der stählernen Ventilatoren und das wippende Insistieren von Mercedes’ Stiefelabsatz hallten wie das unablässige Treiben eines massiven Uhrwerks durch die gläserne Stille, welche Churchs grausiges Büro befallen hatte. Als Niesel beginnend, der auf die Nerven des Agenten tröpfelte, peitschte die Kakophonie in seinem Verstand zur Sturmfront auf und walzte sich mit jedem weiteren gelesenen Wort tiefer in die Abgründe seines Gewissens. Der Stiefel der Kopfgeldjägerin verurteilte ihn — Klack, Klack, Klack! — und die psychedelischen Rotorblätter lachten ihr gehässiges, libellenhaftes Lachen. Selbst die grässlichen wabernden Dämpfe schienen faulige grüne Grinsen unter der rostschwarzen Deckenkuppel zu schüren.
      »Stanislav Church ist…« Mit belegter Stimme korrigierte er sich, just als Mercedes’ verspannte Miene aufsah. »War. Er war ein Mitarbeiter der Wissenschaftsabteilung der Marine. Hatte wohl auch einige Zeit unter Vegapunk gearbeitet und mit einigen obskuren Operationen in allen möglichen Krisengebieten zu schaffen, bevor er als…ähm, als ›Berater‹ für…diverse Fragen der Humanmedizin in die Cipherpol 0 berufen wurde.«
      »Er hat an Menschen experimentiert und ihr habt das Skalpell bezahlt«, warf Mercedes bitter ein.
      »Kann schon sein, aber…das hier?« Kopfschüttelnd kehrte der Graue Spion Mercedes den Rücken zu, trat an den Rand des Glaswürfels und legte die kindliche Hand gegen die Scheibe. »Das hier kann unmöglich genehmigt worden sein.«
      Abscheu und Schuld flackerten geisterhaft in seinen lagunenblauen Augen, in denen die verdrehten Leiber der Toten wie der Strom der Verdammten trieben. Immerwährende Todesqualen, aus der Zeit gerissen und in die Unendlichkeit einer blutigen Momentaufnahme gebrannt. Lorelei war es gewesen, die seinen Geist für die Schönheit der gemalten Welt geöffnet und ihn empfänglich gemacht hatte für die Farben, die Formen und jeden Pinselstrich auf dem Weg zur wahren Kunst. Wäre er nur klüger, tapferer, ohne Zögern — wäre er wie sie, so würde er in die grauenvollen Fluten steigen, die Ärmel hochkrempeln und die Wahrheit aus den verelendeten Körpern herausziehen. Doch er war nicht Lorelei Greenaway und würde es niemals sein.
      Dem Blauhaarigen wurde übel, als er sein eigenes feiges Spiegelbild im Fensterglas bemerkte, das nebelhaft über dem Leichenmeer waberte. So wie er, musste auch Church seinerzeit am Glas gestanden und die grausigen Vogelaugen in den Reflexionen erspäht haben, die über die Körper wachten und den Tod der Sterbenden wie Aasgeier belauerten. Verstört trat der Blauhaarige einen Schritt zurück, den Kopf senkend und die graue Mütze über die Stirn ziehend.
      »Wie hast du diesen Ort überhaupt gefunden?«, fragte er, ohne sich umzuwenden, »Ich habe eine halbe Ewigkeit gebraucht, deine Bewegungen nachzuvollziehen…«
      »Vorsintflutliche Lagerhalle, hochmodernes Schloss«, antwortete Mercedes kühl; auf das ungläubige Schweigen des Agenten rasch hinzufügend:
      »Ich verdiene mein Geld damit, solche Details zu erkennen.«
      »Richtig…«, lächelte er schelmisch, »Callaghan hat dir wohl viel beigebracht.«
      »Sei still.«
      Ein weiteres kleines Notizbuch traf den Agenten — dieses Mal jedoch seinen ahnungslosen Hinterkopf.
      »Was ist das?«
      »Lies die eingeknickte Seite.«


      Tag 477

      Meine Laboratorien gleichen sich allmählich den Ansprüchen meiner Visionen an und der Prediger scheint bestrebter denn je, jene gänzlich zu realisieren. Wäre ich ein gutgläubigerer Mann, als ich es bin, würde ich diese Zuvorkommenheit mit Mitgefühl und Schuld erklären, jedoch sind es zweifelsohne kalte Ambitionen und Gier, die meine Hallen mit Geld durchspülen. Killenick war ein herber Rückschlag, der selbst ihn, den großen Allesfresser, hungrig und mager zurückließ. Er lechzt nach dem nächsten, schnellen Schritt wie ein verzweifelter Wolf. Angesichts dessen bin ich beinahe froh, abseits seines blutrünstigen Raubzuges in Ruhe arbeiten und mich an den abfallenden Fetzen seiner Beute laben zu können. Die nächste Lieferung sollte bereits im Laufe der Woche eintreffen und die erste Stufe meiner Untersuchungen ermöglichen, so denn sich meine neuen Nachbarn in diesem heruntergekommenen Teufelsloch nicht wieder an der Elektrik zu schaffen gemacht haben. Ich sollte noch mehr Gift auslegen lassen, um diese Mietschnorrer endlich aus meinem neuen Domizil zu entfernen. Die Aussicht auf Gesellschaft ist ohnehin eine menschliche Schwäche, der ich mich noch nie hinzugeben gezwungen gesehen habe. Wo Leben ist, ist Banalität und Banalität lässt selbst das hartnäckigste Genie verkümmern.

      Nachtrag I: Die Kabel sind beschädigt und meine Arbeiter das Geld nicht wert, das ich ihnen für Schnaps und Syphilis zur Verfügung stelle. Ich freue mich bereits auf den Tag, an dem ich mich ihrer endlich werde entledigen können.

      Nachtrag II: Vielleicht sollte ich den Prediger über das Ungezieferproblem informieren. Er hätte gewiss seine barbarische Freude daran, meine pelzigen Untermieter in seinem Fadenkreuz zerplatzen zu sehen.


      »Der Prediger?«, fragte der Graue Spion mit hochgerafften Brauen, ohne Mercedes mehr abtrotzen zu können als ein ahnungsloses Kopfschütteln.
      »Es ist der einzige Name, der fällt; und er fällt oft. Dieser ›Prediger‹ scheint der Architekt dieses Alptraums zu sein…und sein Patron.«
      »Hast du all diese Bücher gelesen?«
      Verneinend erhob sich Mercedes aus dem dunklen Lehnsessel, deutete wage auf die aufgestapelten Büchertürme auf dem Schreibtisch und sagte:
      »Die meisten Aufzeichnungen bestehen aus Formeln, Gleichungen und Diagrammen, in die selbst mein Medizinstudium keinen Sinn bringen kann. Du kannst es aber natürlich gern versuchen, wenn du dein biochemisches Fachwissen auf den Prüfstand stellen willst.«
      »Ich kann nicht einmal schriftlich dividieren«, gab sich der Spion gefallsüchtig, »Und in seinen Tagebüchern waren wirklich keine anderen Namen? Daten, Orte? Irgendwas?«
      »Nein.« Bestimmt schob sich Mercedes an ihm vorbei gen Tür. »Nur das Geschwätz eines abartigen, sadistischen Mannes, der sich nach 15 Jahren Mord und Einsamkeit allmählich für den Tod selbst hielt. An deiner Stelle wäre ich mir nicht einmal sicher, ob dieser Prediger real ist oder nur in Churchs krankem Kopf existierte.«
      »Verstehe…«
      Unübersehbar hilflos betrachteten die türkisblauen Augen des Agenten die Berge aus Papier und Tinte, welche sich im Käfig über den Leichen zu Grabsteinen stapelten. 15 lange Jahre der Gewalt bäumten sich zu seinen Füßen wie die verkrampfenden Leiber der Erbarmungswürdigen auf, die Stanislav Church unter den Augen der allsehenden, allwissenden Weltregierung einen qualvollen Tod hatte sterben lassen. Das Herz des Blauhaarigen brannte, als er einen Schritt auf die unheilvollen Manifeste zusetzte.
      Wofür arbeitete er, und wofür kämpfte er? Zum ersten Mal seit Jahren fühlte der Graue Spion nur Wut und Schmerz in sich hochkochen. Die behütenden, glänzenden Säulen der Weltregierung, die er stets als Leuchttürme im Dunkeln hatte sehen wollen, schienen plötzlich erloschen und sie alle einer finsteren, ungewissen Nacht auszuliefern. Er selbst war eines von tausenden glotzenden Augenpaaren, die über diese Welt wachen sollten — und sie alle hatten weggesehen, während der manische Stanislav Church Frauen und Kinder einkerkerte, verstümmelte und vergaste? Vielleicht, dämmerte es ihm plötzlich, war er kein Zahnrad in der großen Maschinerie des Lebens, dem Motor der modernen und zivilisierten Welt, sondern nur ein Rädchen des ewig hungernden, ewig malmenden Getriebes einer schreienden, dröhnenden Schlachtbank.
      »Meisterschnüffler?«, riss ihn Mercedes’ Stimme aus der Abgeschiedenheit seiner Gedanken. Unfähig, jene in Worte und diese Worte in Taten zu kleiden, wandte er sich räuspernd zu ihr um und speiste sie mit einem geheuchelten, musterschülerhaften Lächeln ab.
      »Das war…gute Arbeit«, folgte er dem indoktrinierten Protokoll zum Umgang mit Informanten und anderen regierungsexternen Personen, »Du hast uns einen großen Dienst erwiesen.«
      Während er sprach, perlte der Hauch von Menschlichkeit wie Regentropfen von seiner Haut und ließ nichts als die mittelständische Durchschnittsmaske zurück, die er bei ihrer ersten Begegnung getragen hatte.
      »Erspar es mir«, erwiderte Mercedes kalt, »Ich bin nicht dein Bluthund. Was ist der nächste Schritt? Das hier muss—«
      »In Ordnung gebracht werden, ich weiß. Wir kümmern uns darum«, redete er eher sich selbst ein als ihr zu, »Das ist es, was wir tun, was wir immer getan haben. Wir bringen diese Dinge in Ordnung.«
      »Wenn ihr sie nicht gerade selbst begeht, hm?«
      »Ich habe ein Zimmer für dich gemietet, im besten Hotel der Stadt…was auch immer das in dieser Gegend heißen mag«, sprach er nach einem Seufzen schal wie entkoffeinierter Kaffee, »Auf den Namen ›Smith‹, den gibt es hier wie Sand am Meer. Warte dort, ich werde dich kontaktieren.«
      Zähneknirschend trat Mercedes aus der Tür hinaus auf die tiefen Spiralen der steilen Wendeltreppe zu und stemmte ihre schwere Prothese unter den glasigen Augen des Agenten gegen das ächzende Metallgitter.
      »Du…bist nicht verletzt, oder?«, rief er ihr unsicher nach, doch Mercedes reagierte nicht — denn die Antwort, so wussten sie beide, war bedeutungslos.
      Kapitel 142 - Wie man einen Panther bändigt

      Im schmierigen Grinsen des Nachtportiers sammelten sich Speichelfäden wie Spinnweben und nähten die herpesblasigen Lippen an ihren Platz.
      »Einen gesegneten guten Morgen, verehrte Dame. Womit kann ich Ihnen im Schein dieses ruhespendenden Mondes dienlich sein?«
      »Penicillin«, erwiderte Mercedes mit einem Naserümpfen, das selbst die schwärzesten Schimmelflecken in den verkommensten Nischen des heruntergewirtschafteten Gasthauses mit Scham erfüllte, »Und einem Zimmer. Reserviert für ›Smith‹.«
      Nur kurz fiel das schleimige Grinsen des sehnigen Männchens in sich zusammen, bevor das zähflüssige Garn es zurück in ihre natürliche Form zurrte. Behände buddelten seine ungewaschenen Hände unter dem Empfang wie ein Goldgräber im Morast, förderten statt kostbarer Erze jedoch nur einen rostigen Füllfederhalter und ein altes Gästeverzeichnis voller fettiger Fingerabdrücke zutage.
      »Sehr wohl, dann bräuchte ich eine Unterschrift. Genau~ hier. Voller Name, bitte.«
      Mercedes tat wie geheißen, mit der ausgebeulten Feder beinahe das brüchige Papier aufreißend.
      »Vielen Dank, Miss…Brianna Smith. Es ist uns eine Freude, Sie—«
      »Mein Zimmer?«
      Seine sabbernden Lippen zuckten widerwillig auf. »Die Treppe hoch, dann die erste Tür links.«
      Flugs machte Brianna Smith auf dem Lauf ihrer Prothese kehrt, um den unerträglich dummen Augen des Portiers zu entkommen. Seine ölige Stimme aber klebte an ihr.
      »Brauchen Sie Hilfe beim Gepäck, Miss Smith?«
      »Welches Gepäck?«
      »Sollten Sie irgendetwas—«
      »Halten Sie sich von meinem Zimmer fern.«
      Das eingemeißelte Grinsen des Portiers gefror zu einer frostigen Sichel. Selbst die Speicheltropfen auf seinen Zähnen schienen Eiszapfen zu bilden.
      »Sehr wohl, Miss Smith…«

      Mercedes’ Zimmer musste vom Nachtportier eingerichtet worden sein und roch nach vielen einsamen Männerstunden. Sie ersparte sich eine genauere Begutachtung der Bettlaken, deren braungelbe Blumenmuster aus diversen getrockneten Körperflüssigkeiten gewebt worden zu sein schienen, und steuerte direkt auf das kleine Fenster am anderen Ende des Raumes zu. Mit einem beherzten Ruck entsperrte sie den klemmenden Riegel und setzte das modrige Kabuff dem ersten Kontakt mit Sauerstoff seit Jahrzehnten aus. Einatmend, ausatmend lehnte sich ihr Oberkörper über die Brüstung hinaus in ein alpträumendes Copperfield. In der Ferne brannten flüssige Feuer und die Nacht war kalt wie ein Grab.
      »Ich bring dich um, du Hure!«, polterte plötzlich das Brüllen eines Ogers durch die Wand zum Nebenzimmer.
      »Tu's schon, tu's! Dann hatte meine Mutter wenigstens Recht mit dir!«, kreischte die Hure zurück.
      Augenrollend löste sich Mercedes aus dem Fensterrahmen, hinkte durch die kleine Kammer zur Wand und wollte eben den Zorn der Verdammten über ihre streitlustigen Nachbarn niedergehen lassen, als sie über einen unnachgiebigen Fremdkörper am Bettpfosten stolperte. Zwei halbgemurmelte Flüche später hatte sie den Übeltäter — einen teuren haselnussbraunen Lederrucksack — bereits am Schlafittchen gepackt und hielt ihn argwöhnisch unter die nackte Glühbirne an der Zimmerdecke. Dem schneeweißen Brief an seinem Verschluss nach zu urteilen, hatte er nur auf Mercedes gewartet.

      »Hochverehrte Ms. Smith,

      bitte entschuldigen Sie diese unpersönliche Begrüßung. Sie ist allein Zeichen der angespannten Gesamtsituation, nicht meiner Wertschätzung Ihnen gegenüber. Seien Sie versichert, dass Ihre Mitarbeit und Hilfe in dieser Angelegenheit von größter Bedeutung sind. Obschon Sie höchstwahrscheinlich noch nicht davon überzeugt sind, so stehen Sie doch auf der richtigen Seite.

      Zum Ausdruck meines Dankes habe ich mir die Dreistigkeit erlaubt, Ihrem Bekannten B. D. einen Besuch abzustatten. Verzeihen Sie diese kleine Überraschung. Es wird Sie freuen zu hören, dass die Aufbauarbeiten in beachtlichem Tempo vorangehen und ein herausragender junger Offizier mit dem Posten seines unseligen Vorgängers beerbt wurde. Ebenso habe ich Meldung über die großen Fortschritte erhalten, die die Zusammenlegung von Polizei und Militär unter Aufsicht eines alten Freundes von Ihnen in Ihrer Heimat macht.

      Hoffentlich versüßen Ihnen diese guten Nachrichten aus fernen Landen das grässliche Motoröl, das im Königreich der Teetrinker als Kaffee gehandelt wird. Und genießen Sie Ihr Geschenk! Zweifelsohne werden Sie es als ausgesprochen nützlich erachten. Wie gefällt Ihnen der Rucksack? Ich habe ihn persönlich ausgewählt. Leider konnte mir B. D. zur Frage ihrer persönlichen Garderobe keine wertvollen Informationen liefern, sodass ich mich beim Kauf allein auf meine weibliche Intuition und das Bild in Ihrer Akte stützen musste. (Damit will ich Ihnen sagen, dass eine Akte über Sie existiert.)

      Mit herzlichsten Grüßen



      Mercedes las den sonderbaren Brief gespannt und aufmerksam —einmal, zweimal, dreimal — und konnte sich des Lächelns nicht erwehren, welches sich ungestüm auf ihre Lippen kämpfte.
      »Porto Galba ist eine Ruine, eure Intervention in Gavroche war ein Schlüsselmoment im Plan des Rattenfängers und ganze Nationen versinken im Chaos, seit ihr Harleys Party gesprengt und seine Gäste unter den Trümmern begraben habt«, spukten die Worte des Grauen Spions durch ihren Verstand und mit ihnen die Erinnerungen an die vergangenen Monate, in denen sie alle wie Kaidos monströse Desaster über Inseln gezogen waren und nichts hinterlassen hatten als verbrannte Erde. Doch Everard ging es gut, und Porto Galba heilte. So schwer und düster ihre Taten auch über ihren Häuptern hängen mochten, die Sonne erhob sich wieder über den Schöpfen ihrer Opfer und über der Verwüstung, in der sie jene zurückgelassen hatten. Die Infizierten gesundeten und Mercedes, für diesen einen Moment eitel und selbstsüchtig vor Erleichterung, verlor sich in der vagen Hoffnung auf Heilung; in der Hoffnung, dass sie und Callaghan, Krill und O'Mara, Luca, Flint und die kleine Ondine ebenso gesunden könnten. Dass von den Schrecken dieser Monate eines fernen Tages nichts zurückbliebe als verbrannte Erde und blasse Erinnerungen.

      Churchs Laboratorien

      Seine zusammengepressten Wangen nahmen die Farbe seiner blutunterlaufenen Augen an, während der Graue Spion unermüdlich müde über den gesammelten Manifesten seines toten Kollegen brütete. In der letzten Stunde hatte der junge Agent Mercedes' ambitioniertes Unterfangen fortgesetzt, sich durch die manischen Monologe in Papierform zu wühlen und abscheuliche Diagramme von schwindelerregenden Formeln zu trennen, das Oben vom Unten zu unterscheiden und sich in der bitteren Erkenntnis zu suhlen, mindestens 60 IQ-Punkte von der Lösung des großen Rätsels namens Stanislav Church entfernt zu sein.
      Die gebrochenen Augen der verendeten Experimente starrten ihn wie Ertrunkene an, flehend, verurteilend, ungesühnt — doch er vermochte ihnen nichts zu geben als ein hoffnungsverlassenes Schulterzucken, das weder Trost noch Erlösung verhieß. Mit besten Vorsätzen, aber ausgebrannt wie ein leerer Motor, streckte er die kleinen Finger gen Glasdecke, krempelte sich die weißen Ärmel in die Ellenbogen und schien willig, sich wortwörtlich die Hände schmutzig zu machen. Anders als die unfehlbare Lorelei, welche wie eine Nixe aus einem Meer voller Dreck und Filz steigen könnte, ohne sich die blütenweiße Bluse befleckt zu haben, würde er in das Blut und die Totensäfte eintauchen und besudelt wieder heraustreten. Hoffentlich mit der Wahrheit zwischen den Zähnen, höchstwahrscheinlich mit einer Infektion.
      Kurzentschlossen zog er seinem Hintern den Sessel weg, sprang auf die Füße und befahl seinen weniger überzeugten Beinen den Abstieg in die Abgründe der Totenwelt. Angst und Übelkeit vermengten sich mit der Wut in seinem Bauch und dem Pflichtgefühl seines Herzen zu einem brodelnden Zaubertrank, der ihm Kraft und Ruhe einflößte und Geister sehen ließ. Eine der Leichen hatte sich erhoben, stand schwarz und knochig inmitten des toten Feldes wie eine Witwe vor einem Grab. Sie winkte ihm zu, der er sie versteinert durch das Glas des Käfigs erblickt hatte, und lockte ihn mit spitzen grünlackierten Nägeln in ihr fahles Paradies.
      »Glaubst du an das Übersinnliche, Löckchen?«, fragte die gesichtslose Geisterfrau, als er an das Ufer des Leichenmeeres trat. Ihr weißblondes, in den Nacken pomadisiertes Haar glänzte im Schimmer der nackten Glühbirnen wie ein Heiligenschein aus lichtem Platin, der die Ränder ihres wallenden weißen Federschals zu Engelsschwingen streckte und ihr Antlitz vor den glanzlosen Augen der niederen Kreaturen verbarg.
      »Als Kind träumte ich einst von einem Ort wie diesem…«, gurrte sie divenhaft, »Mein Geliebter und ich wandelten über ein karges Feld, auf dem die Toten wie Kleeblätter sprossen.«
      Der Graue Spion antwortete nicht. Er wusste, dass Myzete Beelzebub ebenso wenig mit einer Antwort rechnete, wie er sie von einem Regenwurm erwarten würde. Der kastrierende Klang ihrer eigenen Stimme war der Agentin fesselndes Gespräch genug. Auf ihren hohen schwarzen Absätzen glich sie einem erfahrenen Marodeur, während sie über die verrenkten Leiber hinweg auf den Blauhaarigen zuschritt.
      »Du musst dich unwohl fühlen«, konstatierten ihre giftgrünen Lippen plötzlich, als hätte ein herabgesauster Engel ihr diesen Gedanken erst einflüstern müssen, »Diese Leichen, hörst du sie singen?«
      Sein verstörtes Angstschlucken genügte ihr, und sie begann mit maliziösester, kältester Stimme die unheilvollste Melodie der Welt zu summen.
      »Was willst du?«, rang sich der Graue Spion ab.
      »Balance«, erwiderte Myzete mit einer knappen Geste gen Lagerhalle, »Lorelei hat mir einen geschätzten Kollegen entrissen.«
      »Das war nicht Lorelei.«
      »Oh!« Oberlehrerhaft tanzte ihr spitzer Zeigefinger hin und her. »Natürlich nicht, dafür habt ihr schließlich eure neuen Praktikanten.«
      »Wusstest du hiervon?«
      Die barsche Frage ließ sie hochmütig aufseufzen. »Löckchen, Löckchen. Die Feinheiten unseres Geschäfts müssen dir noch immer wie fremde Sprachen erscheinen, hm?«
      »Was habt ihr hier getrieben?! Sag schon!«
      »Wie übermütig«, gluckste Myzete erheitert, die langen Fingernägel in tiefer Faszination gegen das spitze Kinn gelegt, »Woher nimmst du diese Zuversicht, ich würde dir mehr zugestehen als törichte letzte Worte?«
      »Ich habe keine Angst vor dir«, zischte er mit geballten Fäusten und hoffte, deren Zittern würde von der durchtriebenen Myzete Beelzebub als Zorn missdeutet werden, »Ich bin ein Agent der Cipherpol 0!«
      »So wie ich«, bemerkte Myzete unbeeindruckt, »…so wie der arme Stanislav, der eine Tür weiter seinen Kopf verlor.«
      »Ihr seid keine Agenten. Als du dich Rexroth und seinem korrupten Komplett verschrieben hast, wurdest du zur Söldnerin!«
      »Entzückend. Loreleis naiver Idealismus trieft aus deinem Mund, aber deine Zähne bibbern wie kleine Kinder in der Nacht. Du siehst nicht einmal die Hand vor Augen, Löckchen, und dein hohes Ross wird dich nicht nach Hause tragen.«
      Der Blauhaarige schaltete sofort. Blitzschnell raste er an Myzete vorbei, machte kehrt, holte zum Schlag aus — und verschwand in einer Explosion aus Farben, bevor seine Faust erneut vor ihrem glasweißen Gesicht auftauchte und gegen ihren messergeraden Nasenrücken krachte. Augenblicklich schepperte das widerwärtige Knorpeln und Knacken brechender Knochen durch die Luft, verfolgt von einem ohrenbetäubenden Schmerzensschrei des Grauen Spions.

      Fountischer Garten, Rosary Hill

      Zwischen den Fichten und den Sternen puderten leuchtende Motten das Dunkel der Nacht mit weißen Flocken, die emsig gegen die aufgespannten Netze der royalen Nachtgesellschaft schneiten. Schon als Kind hatte sich Königin Catherine an der Welt hinter dem Schleier zu erfreuen gewusst, der Welt der natürlichen Dinge und kleinen Wesen — solange jene unter sich blieben und sie selbst eingemurmelte zwischen ihren beleuchteten Zeltburgen und wärmenden Glühpilzen an einem kräftigen Pfefferminztee nippen konnte. Mit dem karamellblonden Haar zum rebellischen Knoten gebunden und umgeben von den schlängelnden Bächen und hohen Tannen, moosigen Felsen und exotischen Zierruinen des fountischen Gartens fühlte sich die Puppenkönigin als mutige Entdeckerin auf einer abenteuerlichen Safari. Jeder Käfer war ein Tiger und alle Motten lichthungrige Geier.
      »Die Nacht ist so erquickend«, hauchte ihr Rosenmund weiße Wolken wie Träume in die finstere Kälte, »Alles ist so verändert und aufregend. Selbst die Luft ist eine andere.«
      »Natürlich«, erwiderten die Rabenlippen der Frau in Schwarz bedeutungsschwanger, »Die Panther jagen bei Nacht.«
      »Haben Sie Erfahrung mit Panthern, Miss Dreadful?«, fragte die Königin, da sie nichts anderes zu sagen wusste, und klimperte die kristallblauen Augen vage in Richtung des aufgesprungenen Nasenrückens, der das umliegende Gesicht der Schwarzhaarigen wie ein vergifteter Brunnen mit dunklen Flecken verseucht hatte. Miss Dreadful lächelte mit gebührender devoter Vorsicht, bevor sie weniger umsichtig züngelte:
      »Nicht jede von uns genießt das Privileg, sich den Schrecken der Nacht im Schein goldverzierter Öllampen zu stellen, Eure Hoheit.«
      Verunsichert, soeben belehrt oder beleidigt worden zu sein, zog sich Catherine in den hintersten Geschützgraben ihrer Teetasse zurück und nahm einen ausgiebigen Schluck Bedenkzeit.
      Die neue Lehrmeisterin, die Sir Benedict der Königin im Eifer seiner jüngst ergründeten Pseudovaterschaft vermittelt hatte, verhielt sich zu ihrer alten Sittenwächterin Doubtdoodle wie Whiskey zu Wasser und erschien der Puppenmonarchin gleichsam anregend. Miss Penny Dreadful trug schwarz, Miss Penny Dreadful trug Leder und Miss Penny Dreadful trug Hosen; Miss Penny Dreadful kleidete sich in die heilige Dreifaltigkeit des unkeuschen Frauenbildes und sah umwerfend aus. Wie ein Schatten hatte sich diese verheißungsvolle dunkle Dame aus dem Finstern der Nacht geschält, blass wie ein Geist oder die Sichel des Mondes, um Königin Catherine II. ihre freundschaftliche Gesinnung zu versichern. Ohne Knicks und ohne Tadel, nur eine einzige dezente Verbeugung, wie sie Rosenkavaliere ihren Partnerinnen beim Gesellschaftstanz kredenzen, hatte Miss Dreadfuls Treue und Demut bekundet — vor der Königin, ihrer Krone und dem Königreich, das alldem zu Füßen lag.
      »Ich kenne auch einen Panther«, setzte Catherine nach einigem Nachdenken, was sie angesichts ihrer royalen Stirn als höchst vornehmen Zeitvertreib empfand, wieder an. Selbstbekümmert rührte ihr kleiner Finger in ihrer Teetasse wie eine Wahrsagerin in Rosenwassern und legte das zweifelnde Mädchenhaupt gen Mottenlicht. »Hat Sir Benedict Ihnen meinen Kummer vorgetragen und wieso ich ganz furchtbar zynisch habe werden müssen?«
      »Sir Benedict trug mir das mutige Anliegen einer ambitionierten jungen Herrscherin vor, die sich aus den Fesseln der Verknöcherten und Runzligen frei zu schlagen versucht.«
      »Wie reizend«, wisperte Catherine melancholisch, »Sehen Sie die Sterne?«
      Carla schaute nicht auf. »Ja, Eure Hoheit.«
      »Ist es nicht traurig, wie sie ihr Leben lang funkeln und glitzern und trotzdem immer von Dunkelheit umgeben sein werden? Sie kämpfen und kämpfen und nichts ändert sich…«
      Carlas schlangengrüne Augen rollten beinahe aus ihren Höhlen, während sich die melodramatischen Ergüsse der Puppenkönigin über ihr ausschütteten.
      »Mutter hat immer gesagt, man müsse die Welt zu ihrem Wohl zwingen«, seufzte Catherine wehmütig, an ihrem langen Karamellzopf zupfend, »Ob sie das umgebracht hat? Dass sich die Welt nicht gern zwingen lässt?«
      »Eure Mutter starb an Leukämie«, beschwichtigte Carla nüchtern, »Der Tod lag in ihrem Blut, nicht in ihrer Philosophie.«
      Geknickt nagte Catherine am Porzellan ihrer Tasse. »Ihre Panther, Miss Dreadful, haben Sie sie zähmen können?«
      »Zähmen?« Die Brauen der aufregenden neuen Hauslehrerin schlichen sich im Licht der aufgestellten Öllampen ebenhölzern gen Haaransatz, scheinbar halb sinnend und halb erstaunt über Catherines unschuldige Frage, bevor sich die schwarzlackierten Lippen wie das siebte Siegel öffneten.
      »Nein, Eure Hoheit. Panther sind wilde, unberechenbare Geschöpfe, die vielleicht gejagt, gefangen und eingesperrt, niemals aber gezähmt werden können. Manche Menschen könnten Euch zweifelsohne weismachen wollen, diese Bestien unterwerfen und dressieren zu können, aber ich versichere Euch, sie werden ihrer eigenen Hybris zum Opfer fallen. Wilde Tiere streben nach Fleisch und Freiheit - sie können nicht gegen das Jucken in ihren Zähnen ankämpfen. Das Aufbegehren liegt in ihrer Natur, Eure Hoheit, und wie Eure Sterne werden sie ihr Leben lang in der Dunkelheit lauern und nach Eurer Kehle trachten.«

      Ein Raunen fuhr durch die dunklen Schatten der hohen Tannen, als Carlas unheilvoller Monolog mit einer aufrauenden Böe in der Finsternis verklang.
      »Eure Hoheit, geht es Euch gut?«, fragte ihre neue Lehrmeisterin die verzagte Catherine behutsam, »Ich habe Euch nicht verstören wollen.«
      »Es…Oh! Nein, es ist nichts. Nur…ich bin ein wenig überreizt, denke ich. Die letzten Tage…Ach! Wochen! Wenn Sie in mich blicken könnten, Sie würden nur Schorf vorfinden!«, jammerte die Königin bange, ihren karamellblonden Zopf wüster denn je malträtierend. Plötzlich war ihr die traute Nacht keine schamlose Komplizin mehr, die das Unmögliche möglich und Catherine die Eintönigkeit ihrer Tage vergessen machte, sondern eine gefahrvolle Sirene, die die unbedarfte Monarchin mit Versprechungen von Unabhängigkeit und Befreiung in ein Rudel wilder Monster trieb.
      Die Panther jagen bei Nacht. Die Panther und eine kleine schwarze Spinne, wie die Puppenmonarchin entsetzt feststellen musste, als sie einem jähen Jucken ihres Handrückens auf den Grund ging. Ihr spitzer Schrei kreischte lauthals durch den nächtlichen fountischen Garten und zersplitterte wie die Kreuzgewölbe der königlichen Kathedrale zwischen dem Geäst. Sofort stürzte die geballte Manneskraft des glorreichen Empires zu allen Seiten hinter Bäumen, Felsen und Zierbauten hervor, bis an die Löwenzähne bewaffnet und bereit, an ihrer Königin statt zu sterben. Glücklicherweise konnte Carla die Tragödie in letzter Sekunde abwenden. Geschickt balancierte sie die verirrte Arachnide über die schwarzlackierten Nägel auf ihre Handfläche und ließ sie im Licht der Laternen über ihre Finger krabbeln.
      »Oh, abscheulich!«, stieß die Puppenmonarchin entrüstest hervor, »Wachen, kontrolliert die Netze! Sofort!«
      Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen stob die Militärparade auseinander, um die aufgespannten Netzschleier nach Rissen und Löchern abzusuchen. Nie wieder sollte es Mutter Natur und deren Brut gelingen, Ihrer Hoheit Zeltausflüge zu stören. Noch immer aufgelöst, aber sichtlich erleichterter versanken die schmächtigen Schultern der Königin indes wieder in den Daunenreigen ihres rosenweißen Ausgehkleides.
      »Eure Hoheit?«, wisperte Carla wie eine beste Freundin, »Was bedrückt Euch?«
      »Oh, Miss Dreadful«, seufzte Catherine hinreißend schwermütig, »Wenn mich bereits der Anblick eines so fragilen Geschöpfs in Angst und Schrecken versetzt, wie soll ich mich da gegen eine Bestie wie den Bastardkönig behaupten?«
      »Den Bastardkönig?«, tat Carla, als hätte sie diesen Namen nicht längst aus der Puppenkönigin herauskitzeln wollen, »Euren Cousin?«
      Catherine nickte flüchtig. »Ich weiß nicht, was für ein Cousin er genau ist, aber…ja. Er hat mich ganz fürchterlich aufgewühlt.«
      Ein verständiges Nicken abspulend, geleitete Carla die verwirrte Spinne zwischen den tänzelnden Fingern hin und her, um die Aufmerksamkeit der königlichen Kristallaugen gänzlich auf die achtbeinige Attentäterin zu lenken.
      »Es ist ein gar wunderliches Ding«, säuselte die Frau in Schwarz der aufgebrachten Catherine zu, »Wie uns etwas so Kleines und Unbedeutendes in derartige Furcht versetzen kann.«
      Mit einem beherzten Fingergriff klemmte sie den Rumpf des kleinen Tierchens zwischen die Nägel von Daumen und Mittelfinger. Die acht dünnen Beinchen strampelten; hilflos, verloren, verletzlich. Catherine fühlte mit dem winzigen Wesen, bewunderte den Mut und die Stärke der unnahbaren Penny Dreadful aber umso mehr. »Ich wünschte, ich wäre ebenso furchtlos…«
      »Das könntet Ihr sein, meine Königin. Lasst mich Euch dienen…und diese widerlichen kleinen Schädlinge werden Euch nie wieder in Unruhe stürzen.«
      »Meinen Sie, Miss Dreadful?«
      »Wie ich sagte…«, flüsterte Carla verschwörerisch, bevor sie die verzweifelte Spinne zwischen ihren Nägeln enthauptete, »Ich habe Erfahrung mit Panthern…«

      Wenige Wochen zuvor

      Das Wasser war warm und wild und voller junger Knaben. Wochenlang hatten die Straßenjungs Fetzen um Fetzen ihrer Unschuld an den Meistbietenden verhökert, um sich nun dem ersten kalten Herbsttag in den sprudelnden Bassins des Hallenbades »Rosette« entziehen zu können. Jauchzend hoppelten sie auf den Wellen wie Hasen in den Wiesen und galoppierten, jungen Fohlen gleich, am Beckenrand entlang einem wagemutigen Sprung ins Blaue entgegen. Das dampfende Chlor liebkoste ihre ausgelaugten Körper und reinigte ihre Poren von den Säften unaussprechlicher Dienste. Für diesen einen Tag waren sie freie, unbeschwerte Kinder und ihre ausgelassenen Kinderstimmen erfüllten die feuchte Luft — ebenso wie die Hoden der alten Männer, die sich auf den Liegen räkelnd an den haarlosen Knabenbrüsten satt sahen.
      Doch weder die Burschen noch ihre lüsternen Bewunderer würden später bezeugen können, wie ehrfürchtig sich die Tür zur »Rosette« in diesem Augenblick für einen weiteren Besucher spalten sollte. Carla Griswold allein würdigte sein Eintreffen und schickte sogleich einen Bediensteten, um den berüchtigten Bastardkönig von Saoirse Láire gebührend zu empfangen.
      Unübersehbar unzufrieden mit sich selbst und dem flauschigen weißen Bademantel, in dem er seine Schultern und seine Scham versteckte, schlurfte jener derweil in das klassizistische Rondell des Bades. Im Schein des matten Spätherbstes, der durch die titelgebende Fensterrosette der Deckenkuppel lugte, glänzten seine dunkelblonden Locken wie ein goldenes Vlies und das grelle Grün seiner mürrischen Augen bestrich die verschnörkelten Schmucksäulen und abgerundeten Alkoven mit einem tödlichen Gift. Er schien gekommen, um zu verachten; die »Rosette« und ihren ordinären Namen, die perversen Greise auf ihren eingesessenen Liegen und die tosenden Knaben, die ihre nackte Verwundbarkeit wie eine Trophäe ausstellten.
      »Verzeihen Sie?«
      Mit gesenktem Blick führte ihn Carlas Bote über lange gewölbte Treppenstufen in die oberen Ränge des elliptischen Hallenbades, auf denen sich interessierte Augen ganz privat am illustren Treiben des großen Hauptbecken ergötzen konnten. Hoch droben in den blubbernden Whirlpools versprach das feuchte Kolosseum den Badenden und Dampfenden intime Abgeschiedenheit und prickelnde Unterhaltung zu absoluter Diskretion — und Ulysses die Verheißung auf Carla Griswold, die Menschenfischerin.
      »Willkommen«, gurrte sie beinahe triumphierend, als ihr Diener den Besucher wie ausgespuckt vor ihrem Whirlpool ablieferte. Mit der Eleganz eines sagenumwobenen Wassergeistes stieß sie sich aus den sprudelnd heißen Wellen frei und reckte einem hochroten Ulysses McKenna die bloße Hand zum Kuss entgegen.
      Die Frau in Schwarz glänzte weißer als der erste Schnee des Winters, nichts am Leibe tragend als ein bemaltes Lächeln und den Nagellack auf den gespreizten Fingern.
      »Es freut mich, Sie endlich persönlich kennenzulernen. Danke, dass Sie meiner Einladung nachgekommen sind.«
      »Ich hoffe, Sie haben sich nicht extra für mich rasiert«, murmelte Ulysses nur, nachdem sich seine schwirrenden Augen vergeblich nach einem Fluchtweg von Carlas Alabasterhaut umgesehen hatten. Mit seinem offenkundigen Unbehagen vollkommen zufrieden, zog Carlas wartende Hand ihr Angebot wieder zurück und versank mit dem Rest des milchweißen Körpers in den brodelnden Fluten.
      »Bitte, kommen Sie rein, das Wasser ist herrlich heiß.«
      Ulysses zögerte merklich. Der Mann, der nur selten Blicke erwiderte und durch Menschen wie durch Glas starrte, schien angesichts der nackten Wahrheit plötzlich unbeholfen wie ein Lausebengel im Beichtstuhl. Der entblößende Schritt aus seinem Bademantel heraus in die warmen Wasser des Whirlpools musste einem freien Fall aus seiner Komfortzone in die tiefsten Abgründe der Peinlichkeit gleichkommen; genau wie Carla es vorausgeahnt hatte.
      »Oh, bitte. Genieren Sie sich meinetwegen nicht«, säuselte sie derart wohlmeinend, dass es Ulysses nur beschämen konnte, »Ich hatte Brüder.«
      Schwer seufzend und noch schwerer schnaubend knüpfte der Bastardkönig schließlich den Bademantel auf, um seine mächtigen Schultern und den Schädel eines augenlosen Widders zu entfesseln, der sich über das Brustbein bis zum Bauchnabel ausbreitete, schwarz wie Teer und gekrönt von gewaltigen Hörnern, die sich in endlosen Spiralen gen Brustwarzen wanden. Für einen Moment bewunderte Carla die beeindruckende Tätowierung, just bevor der flauschige Bademantel wie der letzte Vorhang des Abends vor Ulysses' Füße fiel und den gefürchteten Schafbock zum geschorenen Lamm degradierte. Für keinen Augenblick gab sie vor, die Blöße des Blonden ignorieren zu wollen, die er möglichst eiligst in den Whirlpool zu bugsieren versuchte. Die kräftigen Muskeln in seinem Nacken spannten sich, um wieder zu erschlaffen, als sein stämmiger Körper im Wasser versank und sich in die gegenüberliegende Ecke des Whirlpools kauerte. Zweifellos wäre Ulysses lieber bei lebendigem Leib in Flammen aufgegangen, als auch nur einen Millimeter an die nackte, unheilig schmunzelnde Carla heranzurücken.
      »Sie sind aber wirklich blond«, züngelte die Frau in Schwarz schadenfroh.
      »Ich bin nicht hier, um über mein Schamhaar zu sprechen.«
      »Verständlich, aber Sie müssen zugeben: Das Eis ist gebrochen.«
      Ulysses grunzte ungehalten. »Zwei kalte Bier hätten's auch getan.«
      Kapitel 143 - Alles ist Papier

      Nackter als die ersten Menschen im Paradies saßen sich die Frau in Schwarz und der Bastardkönig im sprudelnden Wasser des Whirlpools gegenüber. Sie — eine betörende Sirene, die die Arme wie faule Katzen über den Rand des Beckens entfaltete, auf dass sich ihre milchweißen Brüste einladend aus dem Wasser wölbten; er — ein getretener Hund, der sich mit eingezogenem Schwanz und verschränkten Armen in den entferntesten Winkel des Bassins zurückgezogen hatte, wo ihn Carlas Krallen nicht würden erhaschen, nicht würden stibitzen können. Verstimmt verzogen sich seine spröden Lippen gen Nasenflügel, während sie sich blähten und ihrer Anspannung schnaubend Ausdruck verliehen. Carla hingegen lächelte zufrieden, eine unheilvolle schwarzlackierte Rabenklaue in den weißen Grübchen heraufbeschwörend.
      »Sprechen Sie…«, befahl Ulysses schließlich, als ihm die Hitze des Wassers und die Dämpfe in der Luft und das Lärmen der herumtollenden Knabenhuren im großen Becken unter ihnen unerträglich wurden. Augenblicklich verneigte sie sich in dankbarer Verbundenheit, bevor sie mit der gespaltenen Zunge ihrer schlangengrünen Augen züngelte:
      »Mr. McKenna — oder sollte ich Sie besser ›Limerick‹ nennen?«
      »Nennen Sie mich Boa Hancock, wenn es Ihnen hilft, endlich auf den Punkt zu kommen.«
      »Nun gut«, schmunzelte sie gewieft, »Dann möchte ich Ihnen eine Frage stellen, Ulysses. Warum habe ich diesen Ort ausgewählt?«
      Mit mürrisch aufflackernden Augen sah sich der Bastardkönig um, durchleuchtete die Rondelle und Alkoven, die klassizistischen Schmucksäulen und faltigen Gehänge der alten Freier, die wie Krokodile nach den Strichjungen am Wasserloch gierten.
      »Ich habe diesen Ort ausgewählt«, fiel Carla in sein Schweigen, »Weil er uns alle entblößt und gleichzeitig verwahrt, was tief in uns schlummert.«
      Sekundenlang hielt sie seinem stoischen Blick stand, bevor sie ihm zwinkernd und flüsternd auf die Sprünge half: »Scham, Erregung, Ekel, Narben…den Teufel.«
      »Woher…?«
      »—Weiß ich von Ihren Teufelskräften? Jeder Ihrer Untergeben besitzt sie und wenn in den Geschichten über eine gewisse Bande junger lairischer Weltreisender auch nur ein Fünkchen Wahrheit steckt…«
      »Soll ich jetzt beeindruckt sein?«, gab sich Ulysses verstockt; schien jedoch gleichzeitig aufzutauen, sich unwirsch mit der kräftigen Hand durch die chaotischen blonden Lockenstrudel fahrend und Carla mit einer Neugier betrachtend, die an Mordlust grenzte. Der giftgrüne Sog seiner Präsenz ließ die Schwarzhaarige erschauern, sodass Sie sich feinfühliger fortzufahren bemühte:
      »Ich erwarte keinen Applaus, Ulysses, lediglich, dass Sie meine Fähigkeiten und meine Bewerbung um einen Platz in Ihrem…Unternehmen ernst nehmen.«
      »Ihre Bewerbung?«, wiederholte Ulysses ihre Worte wie ein komödiantisches Missverständnis, »Ich bin hier, weil Sie Bloom einen Handel aufgeschwatzt haben und ich kein Mann bin, der Versprechen leichtfertig bricht — selbst, wenn sie von Dritten in einer zerfallenden Ruine am Arsch der Welt voller Verzweiflung und Mitleid ausgeknobelt werden.«
      »Das mag sein, Ulysses, aber dennoch brauchen Sie mich.«
      Der Bastardkönig schien amüsierter denn überrascht. »Tatsächlich?«
      »Harley ist…fort«, argumentierte Carla.
      »Aber ich brauche keinen neuen Harley«, hielt Ulysses dagegen.
      »Ihre Drinks, Miss Grisham«, brach der altbekannte Diener in den Stellungskrieg.
      Auf eine beiläufige Geste der Schwarzhaarigen reichte er den Badenden Whiskey und Wasser — in dieser Reihenfolge — verneigte sich ehrfürchtig und entschwand auf leisen Sohlen, die die gluckernde Arie des Whirlpools nicht würden stören können.
      »Harley war nicht länger tragbar«, konstatierte Carla in bitterer Ehrlichkeit über den Rand des Wasserglases hinweg, während Ulysses zum Whiskey griff, »Er war verzogen und eitel und seine Geltungssucht wurde nur von seiner Arroganz übertroffen. Doch mit mir werden Sie diese Probleme nicht haben. Ich bin nicht wie er.«
      »Das weiß ich.« Wie ein Tier schnüffelte Ulysses an seinem Whiskey, bevor er einen verhaltenen Schluck nahm. »Aber ich kenne Menschen wie Sie, die mit verbundenen Augen durch einen Raum gehen könnten und auf wundersame Weise immer am fettesten Schwanz hängen blieben.«
      »Bei allem Respekt, Ulysses«, raunte Carla bitterböse, »Wenn dem so wäre, würde ich jetzt nicht mit Ihnen sprechen.«

      Ulysses lachte lauter auf, als Carla es ihm zugetraut hätte, und ließ die hässlichen gelben Zähne zwischen den eitrigen Löchern aufklaffen. »Zumindest haben Sie größere Eier als Harley.«
      »Natürlich. Ich wäre nicht hier, verträte ich nicht die felsenfeste und unerschütterliche Überzeugung, Ihnen und Ihren Geschäften von Nutzen zu sein. Ich bin stolz und kompetent…und verkaufe mich niemals über oder unter meinem Wert. Darauf können Sie vertrauen.«
      »Vertrauen?« Das schmale Schmunzeln auf seinen alkoholbenetzten Lippen verzerrte sich auf diese Worte zu dem breiten, unappetitlichen Grinsen des scheuen Hundes von Hoolahara, spaltete seine Wangen und ließ tropfenden Whiskey wie Speichel durch die tiefgefurchten Lefzen rinnen. Binnen Sekunden hatte sich Ulysses aus dem Kokon seiner eigenen Unbeholfenheit freigebrochen, die mächtigen Schultern zum Hechtsprung vorgestellt und stemmte die muskelbepackten Arme wie geladene Kanonen auf seinen Knien ab. Die gewundenen Hörner des monströsen Schafbocks auf seiner Brust erbebten zum treibenden Takt seiner grässlichen, nervenzersetzenden Stimme, während er wie der Verkünder einer düsteren, existentialistischen Wahrheit sprach:
      »Ihre Worte sind Gift, Carla, und nichts als Lügen. Jahrzehntelang haben Sie sich an Harleys Reichtum und seinen Werken gütlich getan, nur um ihn im Augenblick seiner größten Schwäche zu verraten und zu verkaufen und sich nun anzumaßen, auf seinem Rücken einen Thron erklimmen zu können, der Ihnen nicht zusteht. Ihre Versprechen bedeuten gar nichts und ich werde Ihnen niemals vertrauen.«
      Carla sagte nichts, doch ihre rabenschwarzen Lippen zuckten voller Verachtung auf. Eine urplötzliche, alles verzehrende Wut schien wie ein Kurzschluss durch ihren Körper zu wüten, wie ein Schrei, der Gläser zerspringen ließ und Hunde winselnd in die Flucht schlug.
      »Harleys Werke?«, fauchte sie gehässig, sich schlangenhaft durch die Wasser auf den nervös zurückweichenden Ulysses zuschiebend, »Harleys Werk war mein Werk! Ich habe die letzten Jahre über dafür gesorgt, dass dieser übermüdete Narr die Minen am Laufen hält, aus denen Sie Monat um Monat die Bluterze für Ihre kostbaren kleinen Waffen förderten! Ich habe die absurden Feste und Parties geplant, auf denen Harley, dieser verblödete Charmeur, neue Kunden für Ihre Geschäfte akquirieren konnte! Kunden, die ich zuvor ausgewählt, deren Leben ich bis auf die letzte Mätresse auseinandergenommen hatte, damit Harley nur noch seine goldgeschmückten Finger ausstrecken und zuschnappen musste! Das war ich! All das! Wäre ich nicht gewesen, hätte sich dieser verblendete Idiot schon vor Jahren in dem Trog voller Gold ertränkt, den Sie ihm so leichtfertig vor die Nase gestellt hatten!«
      So nah, dass sie den Whiskey in seinem Atem riechen konnte, fand sich Carla dem Bastardkönig gegenüber. Wie eine Welle, eine Woge aus Fleisch und Zorn und Weiblichkeit war sie über ihn gekommen und hatte seinen stämmigen Körper vereinnahmt, wie erfahrene Huren unerfahrene Burschen vereinnahmen. Ihre Brustwarzen strichen über die Stirn des rastlosen, schnaufenden Schafskopfs und sie spürte die Männlichkeit des Blonden gegen ihren Schenkel reiben, bevor sie sich lasziv über seinem verkrampfenden Körper ausgoss und sein zuckendes Ohr mit ihren schwarzen Lippen benetzte:
      »Ich habe ihm alles gegeben.«
      Die Adern und Sehnen im Hals des Bastardkönigs spannten sich wie Drahtseile, verkrampft und starr und knöchern die sinnlichen Berührungen der Schwarzen Witwe ertragend. Unbewusst verkeilten sich seine Finger bereits im Rand des Beckens, verbissen genug, um das glatte Gestein zu Staub zu zertrümmern.
      »Ich schwöre Ihnen die Treue, Ulysses«, hauchte Carla atemschwanger in seinen Nacken; auf ihm sitzend, sich räkelnd, nass. »Und ich werde Ihnen treu sein, bis zu der Sekunde, in der Sie sich meiner Treue nicht länger würdig erweisen.«
      Die tänzelnde Zunge krampfte plötzlich, als Carla Ulysses' Hand an ihrer weißen Kehle spürte. Ihr Leben rann durch seine Finger und seine Augen bohrten sich in die ihren. Sekundenlang brannte sich sein greller, gleichgültiger Blick in die aufplatzenden Äderchen am Rande ihrer Iris, bis ihre schwarzen Lippen plötzlich verführerischer denn je zu wispern schienen: »Tu's doch!«
      Unwirsch ließ er von ihr ab.
      »Sie sind wahnsinnig. Und beinahe so furchteinflößend, wie sie schön sind«, warf er der schnappatmenden Carla wie einen Knochen hin, griff sich sein Glas Whiskey vom Beckenrand und trank wie ein Verdurstender, »Vielleicht habe ich tatsächlich Verwendung für Sie.«
      »Sie werden…es nicht bereuen«, keuchte sie heiser, nachdem sie sich wie eine verschreckte Nymphe in den hintersten Winkel des Whirlpools geflüchtet hatte, aus dem sich der Bastardkönig und sein Schafbock nunmehr gesalbt und whiskeytrinkend erhoben.
      »Ich werde nach Ihnen schicken lassen.«
      »Ich erwarte Ihre Nachricht…«
      »Ach, und noch etwas…«, murmelte er schnodderig und mit dem breitesten, hässlichsten Grinsen der Welt.
      »Ja?«
      »Fassen Sie mich nie wieder an, sonst ficke ich Sie mit Ihrem eigenen Fuß in den Arsch.«

      »Würde Ihnen das gefallen?«, fragte der Junge mit einem einstudierten Augenaufschlag, dem nur ein Schwung Mascara zur Perfektion fehlte. Möglichst lasziv befreite er seine nasse rotbraune Mähne aus ihrem Zopf und schüttete sie leidenschaftlich über seinen schmalen Schultern und der unbehaarten Brust aus.
      »Der Abend ist noch jung…und ich bin es auch«, flüsterte er ruchlos, nachdem er sich auf die Bank der Umkleide hatte niedersinken lassen und Ulysses' just zugeschnallten Gürtel mit den braungrauen Augen wieder löste, »Wir könnten Spaß haben.«
      »Was würde mich dieser Spaß kosten?«, fragte der Bastardkönig ohne die Knabenhure anzusehen, während er den schwarzen Schafbock hinter das altmodische braune Karogitter seines Flanellhemdes sperrte.
      »Ich mache alles, was Sie wollen, wo Sie wollen, Sir…für 4000 Berry«, mauzte der Bursche wie ein Kätzchen, mit den Fingern verspielt über den beigen Hosenbund des Bastardkönigs fahrend, »Das ist mein Sonderpreis für starke, sexy Männer wie Sie…«
      »4000 Berry?« Ulysses' blonde Brauen rafften sich gen Lockenberge und zogen seine Nasenflügel in tiefster Missbilligung mit sich. »Du lieferst dich mir für 4000 Berry aus?«
      »Das ist mein Preis«, murmelte der Junge betreten. Sichtlich bemüht, die Überraschung seines potenziellen Freiers zu deuten, warf er das wallende rotbraune Haar erneut zur Seite und suchte nach dem Licht der Deckenlampen, um die Sommersprossen auf seiner Nase erglühen zu lassen — Freier liebten seine Sommersprossen, die rot und süß waren wie die Lippen junger Mädchen. »Was sagen Sie, Sir…? Ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen. Vertrauen Sie mir.«
      Plötzlich grinste der blonde Mann ein dreckiges Grinsen, das ein Chaos schiefer, gelber, löchriger Zähne entblößte und seine spröden Mundwinkel tief in seine Wangen trieb. Zur Verblüffung des Strichjungen griff er dennoch in seinen edlen Mantel, der den Burschen erst auf den Blonden aufmerksam gemacht hatte, und fischte ein schweres Portemonnaie aus dessen Innentasche. Wortlos schmökerte Ulysses durch die unzähligen Geldscheine wie durch einen langen Roman, zählte — 4000 Berry, 8000 Berry, 16000 Berry, 32000… — ab und drückte dem sprachlosen Knaben mehr als das Zwanzigfache seines üblichen Solds in die zittrige Hand.
      »Wie heißt du?«, fragte Ulysses gleichzeitig, worauf der Junge, glückstrunken von Gold Rogers Schatz in den Händen, lautlos hauchte:
      »Ennis
      »Kennst du dich in der Stadt aus?«
      Ennis nickte flüchtig, wie besessen sein neues Vermögen zählend. »Bin in den Straßen aufgewachsen.«
      »Gut. Ich möchte, dass du dieses Geld mit deinen Freunden teilst. Das sollte eure Unkosten für die nächsten Tage decken.«
      »Wochen«, dachte Ennis und sagte es auch.
      »Umso besser.« Kurzentschlossen warf sich Ulysses seinen Mantel über und fuhrwerkte in dessen Taschen umher, bis er Ennis eine kleine dunkelgrüne Teleschnecke mit schiefen Zähnen hinhielt, auf deren Panzer das Tattoo des Fremden in Weiß prangte. Der Junge fasste das Angebot blitzschnell ins braungraue Auge, wollte die Teleschnecke wie die große Chance seines Lebens ergreifen und spürte sie schon an seinen Fingerspitzen — da entzog Ulysses sie ihm wieder.
      »Sobald du auch nur einen meiner Anrufe annimmst…«, begann der Bastardkönig ernst. Seine goldgrünen Augen brannten greller als die Morgensonne und loderten wie brennendes Gift. »…sobald du das erste Mal abnimmst, stehst du auf meiner Gehaltsliste und jeder deiner Freunde, der dir hilft.«
      Ennis nickte überschwänglich, ergriff die Teleschnecke und verwahrte sie in seinen Händen vor der Brust, als wolle er sie mit Leib und Leben schützen. »Ich werde ganz sicher rangehen, Mr…?«
      »McKenna.«
      In diesen Sekunden konnte Ulysses in Realzeit mitverfolgen, wie sich im Kopf des Jungen eins und eins zusammensetzte und mit jeder gelösten Addition eine weitere Sommersprosse erblasste.
      »Sie…Sie sind…?!«
      »Ändert das etwas?«, fragte Ulysses mit einem zahnlosen Schmunzeln, das Ennis die richtige Antwort unzweifelhaft vorgab.
      »Nein, absolut nicht, Mr. Bastardkönig…äh, McKenna…Sir.«
      »Ulysses«, schlug Mr. Bastardkönig-äh-McKenna-Sir wohlmeinend vor, während seine klobigen braunen Stiefel langsam gen Tür schlurften. »Ich werde Sie nicht enttäuschen, Sir!«
      »Fantastisch«, murmelte Ulysses im Türrahmen, »und ich vergesse niemals jemanden auf meiner Gehaltsliste.«
      Ennis schluckte sein Unbehagen mit einem Nicken hinunter und der Bastardkönig verschwand.

      Zurück in der Gegenwart

      Der makellose 200-Berry-Schein saugte das wärmende elektrische Deckenlicht des ausrangierten Speisewaggons wie der Flügel einer Motte auf und entfaltete vor den misstrauisch zusammengekniffenen Augen des großen Don Alejandro seine ganze Magie:
      Majestätische Wildpferde stanzten sich unter einem papiergrünen Himmel in die alltestamentarischen Wasserzeichen der Weltregierung, unter dem ehrwürdigen Königssiegel des fountischen Commonwealth zum Galopp aufgebäumt; und über allem thronte das Konterfeil der Puppenmonarchin, deren kristallinen Mädchenaugen gläsern und machtbewusst in eine unbekannte Weite jenseits der lairischen Banknote starrten.
      Schnaubend inspizierte der Inhaber des »Dining Cars« seinen flegelhaften Kunden über die grünen Ränder des Berrys hinweg. Seit bereits 30 Jahren meisterte der corto-maltesische Koloss seinen machtvollen schwarzen Backenbart ebenso wie seinen Betrieb mit der unbeirrbaren und unerschütterlichen Hand des arbeitenden Mannes, der Müßiggang für den Beginn allen Endes hielt und die Aussicht auf gestohlenes Geld in seiner Kasse mit dem Einzug der warmduschenden Liberalen ins Worshipping House gleichsetzte. Einen Dieb zu bedienen und dessen Geld anzunehmen wäre Hochverrat an dem Land, das ihn einst mit den warmen Armen einer barbusigen Lairin empfangen und zum Vater der kleinen Estella gemacht hatte.
      »Wo hast du das her, du Rotzbengel?«
      »Was geht's dich an?«, protestierte Ennis, »Ich hab die ganze Nacht gearbeitet!«
      Der dogmatische Don Alejandro verschränkte die Arme zum heiligen Kreuz.
      »Verschwinde, sonst rufe ich die Polizei!«, lag es ihm auf der Zunge, doch die Banknote war echt und sein unfehlbares Bauchgefühl in den nur allzu blinden Augen des Gesetzes kein Indiz für die unzweifelhafte Schuld des Jungen. Don Alejandro musste sich geschlagen und dem Straßenjungen seine wohlbezahlte Mahlzeit geben.
      »Wehe, das ist geklaut!«
      »Und wenn er's aus der Kollekte eines Waisenhauses für verkrüppelte Heilande geklaubt hätte«, fiel plötzlich der zweite Gast des allzeit geöffneten Dining Cars lallend in das mentale Kräftemessen von Angebot und Nachfrage, »Die Sonne is noch nichmal aufgegangen und du verdienst schon was. Also nimm das Scheißgeld…«
      Ennis und Don Alejandro, zuvor noch erbitterte Todfeinde, setzten sich unweigerlich die gleiche verdutzte Miene auf und spielten sie einander wie Bälle zu. Der Anblick der mysteriösen Nachtschwärmerin, die ihren rostroten Schopf halb schlafend und halb blinzelnd auf ihre eigenen ausgestreckten Arme geworfen hatte, quer über den schmierigen Tisch gefläzt und nach einem Glas fingernd, das sie nicht fand, schmiedete die beiden in geteiltem Argwohn zusammen.
      »Soweit kommt's noch, dass ich mir in meinem eigenen Laden von einer betrunkenen Herumtreiberin die Leviten lesen lasse!«, polterte Don Alejandro erzürnt, »Wenn Sie meine Frau wären…«
      »…lägst du längst unter der Erde«, beendete die nuschelnde Cassiopeia seinen Satz, »Und jetzt sei'n Schatz und bring mir noch 'nen Brandy, meiner is-«
      Auf der abenteuerlichen Expedition auf den Spuren ihres verschollenen Glases pfefferte die Rothaarige das gesuchte Artefakt versehentlich mit Schmackes vom Tisch gen Waggonboden, wo es klirrend zersprang und die Entdeckerin aus dem Halbschlaf riss.
      »Psshht!«, zischte sie Don Alejandro und Ennis empört entgegen, just bevor ihr kreiselnder Nacken das Gewicht ihres Kopf nicht länger stemmen zu können schien und auf den nahegelegenen Fußboden umlagerte. So hing sie da, kopfüber zwischen Bank und Fußboden in der Schwebe — und stellte Don Alejandro vor die Wahl seines Lebens: Einen potenziellen Taschendieb bedienen oder eine Frau ohne Moral vom Boden auflesen?

      »Mit Gürkchen oder ohne?«
      Ennis' Antwort sollte vom Aufschreien einer Teleschnecke verhindert werden. Das kleine Tier in Cassiopeias Jackentasche blubberte und blubberte, bis die Schnarchende endlich aus ihrem Rausch erwachte, sich müde die Glassplitter aus dem Gesicht kratzte und den Anruf schlaftrunken annahm — noch immer halbschief vom Sitz hängend.
      Weder Ennis noch Don Alejandro verstanden, worüber gesprochen wurde; sie beobachteten dafür, wie Cassiopeia die Transformation einer erblühenden Blume vollzog: Sie knospte aus dem Boden, reckte sich, streckte sich, die Arme wie Blätter und das wallende Haar wie Blüten hochtreibend, bis sie rot und schwankend auf den Stängeln ihrer hohen Absatzschuhe balancierte.
      »Nein, es ist nicht entschuldbar«, waren die ersten Worte, die laut genug waren, um sie zu verstehen — denn Cassiopeia fauchte sie der angststarren Teleschnecke mit dem Zorn der Erinnyen ins stieläugige Gesicht, »Ihr inkompetenten Idioten hattet eine Aufgabe. Ich-«
      Dem Blick der Teleschnecke nach zu urteilen, so dachte sich Ennis, musste sich der Gesprächspartner soeben eingenässt haben. Don Alejandro hingegen hätte sein Lokal auf einen Herzinfarkt verwettet.
      »Wann habt ihr sie—?!«, raste Cassiopeia vor Wut, »Euer beschissenes Schiff geht mir am Arsch vorbei! Wann habt ihr Schwachköpfe sie verloren?!«
      Don Alejandro und Ennis zuckten wie in Geiselhaft zusammen, als die Rothaarige plötzlich aufbarst und furienhaft durch den umgebauten Bahnwaggon stakste. Auf und ab, auf und ab. Ein rachedürstendes Metronom.
      »Vor drei Tagen?« Gekonnt angelte sie ihre Zigaretten einhändig aus ihrer Lederjacke, setzte sich eine an die Lippen und wiederholte die Übung mit ihrem Feuerzeug. Don Alejandro wollte soeben auf das ausgehängte Rauchverbot in seinem Etablissement verweisen, als die Stimme am anderen Ende der Leitung die nächste Todsünde zu gestehen schien.
      »Nein«, spuckte Cassiopeia herablassend Rauch und Glut aus, »Wir können den nächsten Schritt nicht ›einfach vorziehen‹! Dafür brauchen wir ihn, aber da eure Kollegen noch nutzloser sind als…« Scheinbar überwältigt von der Inkompetenz ihres Gesprächspartners, schob sie ihre Migräne von einer Augenbraue in die andere und musste erkennen, dass alles Wüten sinnlos war.
      »Bringt euren Scheiß in Ordnung«, meißelten ihre blutroten Lippen schließlich in die Luft, während sich ihr Gegenüber noch in Rechtfertigungen und Gnadengesuchen erging, »Macht euren Job, sonst kastriere ich euch. Ende der Diskussion.«
      Fluchend verstaute Cassiopeia die Teleschnecke wieder im Inneren ihrer Lederjacke und als sie aufschaute, erblickte sie den eifrigsten Koch der Welt und dessen Gast, der von den Multidimensionalitäten des Brotschneidens plötzlich ebenso fasziniert zu schien wie der Chef de Cuisine selbst. Keiner von beiden wagte, sich den bernsteinglühenden Augen der schnaubenden Rothaarigen auch nur für einen Moment auszuliefern — schließlich genügen Piranhas schon Sekunden, um ausgewachsene Rinder zu skelettieren.
      »Was bin ich schuldig?«
      »Lassen Sie mal«, lies Alejandro über das Sandwich ausrichten, »Sie scheinen's sich verdient zu haben.«

      Copperfield

      Das harte Stöhnen sickerte wie die Erinnerungen an bessere Tage aus den schimmelbesiedelten Wänden des alten Zimmers und zerrte Mercedes an Armen, Beinen und Ohren aus dem unruhigen Schlafe, der sie zuvor auf dem Rücken fahler Pferde durch alptraumhafte Gefilde gejagt hatte. Benebelt wankte sie zwischen Bett und Realität, während das bipolare Paar im Nebenzimmer lautstark Versöhnung feierte. Nach dem Streit ist vor dem Streit.
      Selbst im Dunkel der Nacht trieb es die schlaftrunkene Mercedes an den schweren Lederrucksack zurück, den ihr das geheimnisvolle »L« als besänftigende Opfergabe dargeboten zu haben schien. Wie der dunkle Vogelgott in seinen Laboratorien hatte sie den Inhalt des mysteriösen Geschenks auf den morschen Dielen ausgebreitet und kniete nun inmitten unheilvoller Diagramme, angsteinflößender Zeichnungen und der wahnsinnigen Kopfgeburt eines Mannes, der sein Potenzial mit der Peitsche vor sich hertrieb. Deus ex machina — Mercedes Delacroix.
      Ihre Nachbarn ackerten sich von Wand zu Wand und Mercedes durch eine Chronik entgangener Qualen. Alles was sie war, war ein unvollendetes Projekt; ein gescheiterter Versuch, die nächste Stufe der menschlichen Evolution auf einer dampfschnaubenden Mähre aus Metall und Feuer zu erklimmen. Zu ihrer eigenen Überraschung empfand sie jedoch weder Ekel noch Zorn, sondern das bewusste Kribbeln der abscheulichen Narbengeschwüre auf ihrem Rücken…und Callaghans Fingerspitzen, die sacht über die tiefen Furchen wanderten und ihren zentnerschweren Maschinenkörper liebkosten.
      »Das bist du...und nichts ist falsch daran.«
      Die Liebe in seinen Worten.
      »Ich hasse dich!«
      Die Liebe in ihrer Stimme.
      »Damit lässt sich arbeiten.«
      Das seltenste aller Lächeln auf seinen Lippen.
      »JA~! GENAU DA!«
      Der Höhepunkt des Paares auf der anderen Seite der Wand.
      Er kulminierte in einem ekstatischen Erweckungserlebnis, das die gesamte Stadt aus dem Schlaf riss und den Boden erzittern ließ. Himmelsberstende Stichflammen aus den Tiefen der Hölle brachen vor dem schwarzen Horizont frei und entfesselten Myriaden fauchender Funken, die glühende Löcher in das Firmament zündelten. Schreie, Panik und Rauch ertränkten Copperfield, selbst die allherrschenden Züge beugten sich dem Überfall des Feuers. Affektiv stürmte Mercedes aus ihrem Zimmer, vorbei am halbnackten Liebespaar von Nebenan und dem schleimigen Nachtportier, der alle Gäste seines fragwürdigen Etablissements im Flur zu sammeln versuchte.
      »Miss Smith!«, stellte ihr seine schleimige Stimme nach — und klang selbst im Auge der Katastrophe noch nach einem breiten, falschen Grinsen. Sie ignorierte ihn geflissentlich, schnürte sich den dunkelbraunen Mantel enger um ihre Taille und trat furchtlos in den Sturm aus Flammen.

      Schneidende Herbstwinde schlugen Mercedes entgegen, auf denen die knisternden Feuerzungen wie berittene Barbaren in den Krieg gegen Copperfield auszogen. Erneut war ihr ihre scheppernde Prothese Bein und Anker zugleich, während sie sich durch den brennenden Horizont kämpfte. Verängstigte Hunde und Katzen zischten an ihr vorbei, gefolgt von bleichen Kreaturen mit weit aufgerissenen Augen, die nicht länger dachten, sondern nur noch handelten. Fort — immer schneller, immer weiter. Der Himmel über ihren Köpfen loderte und spuckte heiße Asche auf die brennende Erde. Geistesgegenwärtig lotste Mercedes die Flüchtenden in Richtung der kühlen Finsternis in Sicherheit, bevor sie selbst tiefer in die aufpeitschenden Stichflammen und glutspuckenden Gassen eintauchte. Ein beißende Gestank von Asbest und verkohltem Fleisch stach ihr in die Nase, als sie einen verzweifelten Schrei hinter dem Inferno ausmachte. Mit einem massiven Schlag zertrümmerte sie die Wand eines niederbrennenden Verschlags, in dem ein kleines Mädchen unter den noch glimmenden Überresten der Frau kauerte, die es einst geboren und selbst im Tode vor den Flammen beschützt hatte.
      Ohne zu zögern durchschritt Mercedes die Gestade der Hölle, hob das weinende Kind in ihre Arme und stürzte aus dem Häusergerippe, just bevor das lodernde Balkenwerk über ihnen zu Boden krachte.
      »Alles wird gut«, flüsterte sie dem kleinen blonden Mädchen zu, verzweifelt einen Ausweg aus dem alles verschlingenden Labyrinth suchend. Sie entschied im Affekt, bog in eine schmale rauchverhangene Häuserschlucht — und stolperte in eine Sackgasse, die binnen Augenblicken von den Flammen eingekesselt wurde.
      »Gottverdammt!«, fluchte sie, seufzte und setzte das kleine Mädchen mit einem beruhigenden Lächeln ab. Die Luft fieberte auf der Haut und der Qualm drang toxisch in ihre Lungen. Hustend stemmte Mercedes die Hände gegen die riesige massiv-stählerne Fabrikfassade, die ihren Fluchtweg versperrte, und ballte die zitternden Fäuste gegen das aufgeheizte Metall.
      »Wie heißt du?«, fragte sie das kleine, röchelnde Mädchen.
      Die Augen des Kindes leuchteten groß und golden aus seinem rußschwarzen Gesicht, in das die salzigen Tränen weiße Maserungen wuschen.
      »Emily«, keuchte es schließlich. Mercedes zuckte unwillkürlich zusammen. »Ich…wir kommen hier raus, Emily. Halte dir die Hände vor's Gesicht.«
      Verstört und verständnislos starrte Emily sie an, bis Mercedes ihre Hände nahm und an ihr Gesichtchen führte.
      »Schütze deine Augen«, bat Mercedes mit einem zuversichtlichen Lächeln, erhob sich entschlossen, atmete die rauchverpestete Luft, spürte die Hitze aus ihren Lungen in ihre Muskeln strömen und wuchtete die zusammengepressten Fäuste mit der Wucht eines Meteors in den chancenlosen Stahl. Berstend, dröhnend, splitterspeiend ergab sich der zyklopische Fabrikbau dem rasenden Zorn der Mademoiselle de Fer und krachte unter himmelsgewaltigem Lärmen in sich zusammen. Eine lange Schneise aus Dunkelheit und Geröll kniete sich vor Mercedes in die Asche und wies ihr demütig den Weg in Sicherheit.
      »Gut, Emily, komm. Wir mü—«
      Emily hörte sie nicht mehr. Niedergebrüllt vom donnernden Einschlag der Kopfgeldjägerin, hatte hinter deren Rücken ein Ziegeldach nachgegeben und dem kleinen Mädchen den goldblonden Schopf gespalten. Entsetzt barg Mercedes den winzigen Körper aus dem Schutt.
      »Hab keine Angst…«, flüsterte sie dem schockstarren Mädchen zu, aus deren großen goldenen Mädchenaugen schwarzes Blut eiterte, »Ich bin da…«
      Die zarte Brust zuckte auf, witterte wie das Näschen eines ängstlichen Kaninchens. Liebevoll hielt Mercedes ihre Hand.
      »Keine Angst, deine Mutter wartet schon auf dich«, wisperte sie in Emilys rauchgeschwärztes, blutüberströmtes Haar, »Lass einfach los…Lass—«
      Ein letzter Akt der Stärke, in dem das Leben und die Liebe die unaufhaltsamen Mächte des Todes für einen unbeschreiblichen Moments des Erlebens und Verstehens zurückzudrängen vermochten, zog vorüber und erleuchtete Emilys Antlitz, bevor ihr Licht für immer erlosch.
      »Gute Reise«, hauchte Mercedes mit atemloser Stimme und bemerkte erst, dass sie weinte, als ihre Tränen wie Säure auf ihrer Haut brannten.

      Die Seerose des Todes war erblüht und hatte Copperfield unter ihren giftigen Blättern begraben. Instinktiv hatte es Mercedes an den Hort des Vogeldämons zurückgeführt, aus dem die züngelnden Stichflammen und toxischen Rauchschwaden greller, heißer und infernalischer sprossen als in den zerstörten Straßen, in denen sie die tote Emily zurückgelassen hatte. Selbst jetzt, da sie vor dem Hypozentrum der Katastrophe stand, vermochte Mercedes die ursprünglichen Ausmaße der Explosion nicht abzuschätzen. Zu unwirklich, zu unbegreiflich schienen die Dimensionen des Schreckens und der Verwüstung — bis Mercedes endlich begriff. Der beißende Gestank nach Asbest und Feuer, die ohrenbetäubende Erschütterung und die unbeschreibliche Flächenwirkung der Detonation rissen sie zurück in die aufgesprengten Mauern des Palais Blanc, in dem Enjolras und Everard um die Zukunft ihrer Heimat gekämpft hatten.

      »Wo hast du diese Waffen her? Was hast du getan?«
      »Ich habe neue Geschäftszweige erschlossen. Der Schlüssel zu einer funktionierenden Wirtschaft.«
      »Diese Waffen sehen aus, als hättest du deine Seele verkauft, um sie zu bekommen…«

      Ulysses McKenna. Der Mann, der Enjolras den Schlüssel in seine eigene Grabkammer in die Finger gelegt hatte, der Harleys kranke Hochgesellschaften finanziert und Carlas blutigen Aufstieg mitgetragen hatte, der Völker vergiftete, Städte ausradierte und Despoten unterstützte, der O'Mara die Kindheit geraubt, Copperfield niedergebrannt und Emily getötet hatte. Ulysses McKenna, der Bastardkönig, erhob sich vor Mercedes' zweifarbigen Augen wie ein gesichtsloser Dämon aus den Giftdämpfen und den Flammen und dem feuerspuckenden Nachthimmel, unter dem die Leichen seiner Opfer zu Vergessenheit verbrannten. Ungezügelter, sengender Zorn peitschte in Mercedes gemeinsam mit den schreienden Feuerzungen in das verglühende Firmament hoch und ließ sie eins werden mit der Hitze und den Funken und dem schmelzenden Stahl — just bevor ihr Radar ausschlug und Leben im Auge des Infernos ausmachte. Blindlings hechtete sie durch die züngelnden Brandherde, riss mit bloßen Händen einen niedergekrachten Gerüstträger beiseite und legte den blutüberströmten, mittlerweile nicht mehr ganz so grauen Spion frei. Riesige Wunden klafften auf seinem zerfetzten Körper und die spastisch zuckende Kehle wurde durch kaum mehr als einen notdürftig umgeschlungen Stofffetzen zusammengehalten.
      »Großer Gott, was ist passiert?«, stieß Mercedes aus, »Hat dich ein Raptor angefallen?«
      Der Agent versuchte zu lächeln, doch seine blutleeren Mundwinkel gehorchten ihm nicht länger. Ohne weitere Worte zerrte ihn die Kopfgeldjägerin aus seinem Loch, fixierte die geöffnete Kehle behelfsmäßig mit ihrem Gürtel und trug ihn wie eine Löwin ihr Junges aus dem alles verzehrenden Feuersturm.


      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von -Bo- ()

    • Kapitel139 Grüne Augen Grüne Herzen

      -Bo- schrieb:

      »Madison…«, stotterte er zwischen dem Lachen und dem Tanzen der feiernden Massen, »Du und ich…wir…«
      »Was hast du vor, du alberner Kerl?«
      Ein letzter Atemzug trennte ihn vom Rest seines Lebens.
      »Willst du—«
      BUUUMMM
      um die wahrscheinlichste Auflösung diesen Cliffhangers zu benennen. Denn um das Schicksal dieser Stadt wissen wir schon seit langem und der Moment ist dramaturgisch einfach sehr passen. ^^

      Aber das ist das Ende des Kapitels, also was geschieht davor bzw. wessen Geschichte folgen wir. Zwar könnte man sagen, wir bekommen endlich etwas mehr Hintergrund zu Ulysses, aber das stimmt nicht so ganz, denn wir erfahren nicht wirklich mehr über ihn. Außer dass er anscheinend nicht immer alles bis zum Ende durchdenkt oder besser gesagt auch mal auf sein Glück vertraut. Viel eher erfahren wir, mit ihm leicht im Vordergrund, etwas zu Geschichte von SL.
      Den ersten Abschnitt würde ich zeitlich nach dem ersten FB zu O‘Mara und Ulysses einordnen, als sie von Moria besucht worden sind, denn die beiden kommen mir hier etwas älter vor. Weiterhin war Hoolahara da zwar schon runtergekommen, wurde aber noch nicht als zerstört beschrieben. Das einzige was dagegen sprechen würde, ist die Tatsache, dass O‘Mara und Ulysses hier als Laufburschen für Laura aufzutreten scheinen, während sie in diesem FB schon bekannte Namen hatten.

      Wie auch immer, derzeit oder besser zu dieser Zeit fand (wiedermal) ein Aufstand der Larierer gegen die FI statt, wie es auch bei den beiden Vorbildern in unserer Welt häufiger der Fall gewesen ist und wie bei uns ist der Aufstand nicht wirklich bzw dauerhaft erfolgreich verlaufen. Zu diesem Zeitpunkt hat anscheinend Laura, welche vielleicht sogar zu den Köpfen/Förderern des Aufstandes gehört, Kontakt mit einem Stanislav Church aufgenommen oder dieser mit ihr, was Grundsätzlich eigentlich egal ist.

      Bei der Erwähnung von Moskva habe ich zunächst an einen Untergebenen des Zaren gedacht, wobei ich nicht mehr weiß, ob dieser bei der Überhaupt als handelnde Person vorhanden ist. Aber dank der Suchfunktion und deines Charakter-Guide wurde ich daran erinnert, dass er Agent der CP-0 Ziz ist, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ob er schon damals für die CP-0 Arbeitete oder ernst nach einer unangenehmen Begegnung mit Laura oder Ulysses dieser Beigetreten ist wissen wir nicht. Fest steht jedenfalls, dass er die Bombe welche Killenick zerstörte entwickelt hat. Zwar scheint er am Anfang dort noch freiwillig und im Auftrag von irgendjemandem zu arbeiten, aber Harley wird nicht nicht zufällig von einem >gewissen Negerwissenschaftler der kürzlich ohne Gesicht von seiner ›Studienreise‹ zurückgekehrt ist<, gesprochen haben. Also hat Chruch sich entweder bei seinen Forschungen das Gesicht verletzt oder ist für seine Unterwanderung des Freiheitskampfes bestraft worden. Jedenfalls läuft er wegen dieses abhandengekommenen Gesichts nun mit einer Pestmaske herum und ich vermute wir haben ihn bereits am Ende des letzten Kapitels noch einmal gesehen.

      Wie auch immer nachdem der Kampf verloren war und die Laren zu einem Frieden gezwungen wurden, hat sich Ulysses dazu entschlossen die Hauptstadt (?) der Insel zusammen mit all ihren Besatzern und den geschlagenen Larischen Truppenteilen, welche Aufgegeben haben, in die Luft zu jagen. Dabei hilft ihm nicht nur die Bombe welche von Church entwickelt wurde, sonder wie wir bereits auch wissen, Harley, der anscheinend sehr von der Vorstellung begeistert ist eine ganze Stadt in einem hellen und leuchtenden Blitz untergehen zu lassen, während er sich dank seiner Teufelsfrucht in etwas ähnliches göttliches Verwandeln kann.

      Auch sehr schön wie du die anderen Mitgleiter der Truppe eingebaut hast und die beiden Verleibten Geschwister zufällig dem selben Liebespaar helfen den nächsten Schritt zu gehen. Allerdings scheint dem Paar wie ich bereits oben angedeutet habe die Bombe dazwischen zu kommen. Da die Frau mit Madison vorgestellt wurde ihr (beinahe) Ehemann aber nicht, ist dieser entweder bei der Explosion gestorben und Madison würde somit eine Person sein, die Gegen Ulysses steht oder er ist mittlerweile ein hochrangiger fountischen Militär oder Politiker, den wir vielleicht schon kennenlernen durften.

      Wieder ein sehr interessantes und schön geschriebenes Kapitel, dank dem wir nun etwas mehr über die Geschichte der beiden Länder wissen. Übrigens habe ich mich bis eben gefragt woher die grünen Herzen in der Überschrift kommen, aber diese könnten auf die grüne Insel bezogen sein bzw den Patriotismus ihrer Bewohner.
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Kapitel 139 - Grüne Augen Grüne Herzen

      Puh...jetzt weiß ich wie du dich nach meinem letzten Flashback-Kapitel zu Luzifer und so gefühlt haben musst. Ich bin noch immer etwas erschlagen und auch beim zweiten Lesen hat sich das nicht geändert. Nicht, weil es schlecht zu lesen war, es war einfach nur viel, dichte Info.

      Ganz allgemein bin ich froh, dass wir ein wenig mehr Hintergrundgeschichte über Ulysses, O'Mara und die ganzen Widerstandskämpfe gegen die fountische Besatzung erhalten haben. Ich hab dir ja schon oft genug gesagt, dass man beim Lesen merkt, dass dir die Szenen mit Ulysses Spaß bereiten. Sie lesen sich zumindest so.
      Dennoch bin ich, um ehrlich zu sein, etwas überrumpelt von dem Flashback, weil er so ohne Vorbereitung und ohne Vorwarnung kam. Natürlich haben wir dem Pestdoktor die Brücke aus dem letzten Kapitel zu schlagen, aber im ersten Moment hat es natürlich gedauert, bis ich diese Assoziation hergestellt habe. Auch das Ende war unvermittelt (wenn auch in seiner stilistischen Wirkung sehr gut), sodass ich fast glaube, dass es noch nicht ganz vorbei ist mit diesem kurzen Blick in die Vergangenheit?
      Ich muss aber auch zugeben, dass ich durch die intensiven letzten Wochen einfach bei deiner Geschichte bisschen rausgekommen bin. Vielleicht wäre der Eindruck dann nicht so stark gewesen, aber gehen wir noch ein wenig ins Detail.

      Wir sehen in Worten, was du ja schon mehrmals direkt und indirekt angedeutet hast: Der Widerstand gegen die fountische Besatzung ist mal erfolglreich, mal erfolglos und Ulysses sitzt als Idealist buchstäblich über den Dingen und ist mit der Gesamtsituation unzufrieden. Mir hat die Charakterisierung des jungen Ulysses durchaus gefallen, da es einen schönen Kontrast zur "gereifteren" Figur hergestellt hat, die wir in den aktuellen Kapiteln gesehen haben, ohne aber seinen eigentlichen Ursprung und Kern zu verlieren. Ebenso gut inszeniert war natürlich wieder die Beziehung zwischen O'Mara und Ulysses, die ein herrlich dynamisch-unharmonisches Duo spielen und dabei doch deutlich ein Herz und eine Seele sind. (Pluspunkt gab es natürlich für den kurzen Verweis auf Moskva).

      Wir springen ein wenig in die Zukunft und erleben einen "radikalisierteren" Ulysses, der wohl schon die...sagen wir mal...destruktiven Pläne endgültig in die Wege geleitet hat. Zumindest deute ich "Frieden durch Krieg" auf diese Art und Weise. Ansonsten fällt in diesem Zusammenhang der Name Aurora, den ich jetzt spontan nicht zuordnen kann. Da er an dieser Stelle aber fett markiert ist, gehe ich von einer Neueinführung aus? Ich weiß auch nicht, wie ich dieses "Magst du mich?" zu deuten habe. Zumindest schien mir Ulysses bisher nicht der Mensch zu sein, der großartig mit Schmonzetten und romantischen GEfühlen etwas anfangen könnte, wobei ich hier mal nicht direkt von einer Liebesbeziehung ausgehen möchte. Fakt scheint aber zu sein, dass Aurora ein Motivationsgrund für Ulysses Vorhaben ist, weswegen ich schon gespannt bin, mehr über sie zu erfahren.

      Dann kommen wir abschließend zu dem Teil, wo ich etwas verwirrt war. Also der Handlungsablauf war mir schon klar. Wir haben einerseits dieses Fest, wo Madison zentral ist, andererseits das Juweliergeschäft mit ihrem Liebhaber und zu guter Letzt den Part mit Ulysses und der Bombe.
      Wo sich meine Fragezeichen zu bilden begonnen haben, war die Frage, ob Cathal, Moira und Bloom zu diesem Zeitpunkt schon mit Ulysses zusammengerarbeitet haben, oder sich erst nach diesen tragischen Entwicklungen die Gruppe weiter so geformt hat? Sollten sie schon zusammengearbeitet haben, frage ich mich natürlich, was ihre Aufgabe war. Zumindest die Szene mit Moira und dem Liebhaber wirkte recht abiträr und zufällig. Warum sollte sie dem Mann helfen ein Schmuckstück auszusuchen? Vielleicht hat sie natürlich nach anderen Informationen gesucht. Immerhin war der Mann ja ein Mitglied der fountischen Armee. Vielleicht hat sie Informationen gesucht, die für die Platzierung der Bombe, etc. wichtig waren? Das ist zumindest meine Erklärung für den Handlungsstrang.
      Bei Madison bin ich mir hingegen unschlüssiger. Sie wirkt ja wie ein alte Bekannte von Cathal und Bloom. War sie vielleicht zuvor auch Anhänger der Anti-fountischen Bewegung?
      Ich glaube zumindest nicht, dass du hier einfach nur die Tragik der Explosion an Hand eines Liebespaares darstellen wolltest. Das hätte es in meinen Augen nicht nötig gehabt, weswegen ich hier noch von einem tieferen Sinn ausgehe. qoiis Idee, dass mit Madison hier eine Gegenspielerin zu Ulysses ins Spiel gebracht wurde, finde ich besonders interessant.

      Zu guter Letzt dürfen wir Harley noch einmal sehen. Finde ich sehr interessant, dass er sich hierzu bereiterklärt. Passt ja gar nicht so zu seinem sonst so aufgeblasenem Auftreten.

      Ja. Ich hoffe mein Kommentar ist nicht zu verwirrend, aber ich hab versucht meine Gedanken relativ strukturiert wiederzugeben.
      Kapitel hat mir sprachlich wie meistens sehr gut gefallen und ich bin gespannt, welche "Folgen" der Flashback jetzt noch für die Entwicklungen haben wird und mit welchem Ziel Church jetzt auch auf Fountleroy ist.

      - V.
    • Hallo liebe Leser,

      Kapitel 140 ist da und kann unter dem Titel "Miasma" an bekannter Stelle gelesen werden. Ich wünsche viel Vergnügen. :)

      qoii


      qoii schrieb:

      BUUUMMM
      um die wahrscheinlichste Auflösung diesen Cliffhangers zu benennen. Denn um das Schicksal dieser Stadt wissen wir schon seit langem und der Moment ist dramaturgisch einfach sehr passen. ^^
      Das kommt hin, ja.^^

      qoii schrieb:

      Aber das ist das Ende des Kapitels, also was geschieht davor bzw. wessen Geschichte folgen wir. Zwar könnte man sagen, wir bekommen endlich etwas mehr Hintergrund zu Ulysses, aber das stimmt nicht so ganz, denn wir erfahren nicht wirklich mehr über ihn. Außer dass er anscheinend nicht immer alles bis zum Ende durchdenkt oder besser gesagt auch mal auf sein Glück vertraut. Viel eher erfahren wir, mit ihm leicht im Vordergrund, etwas zu Geschichte von SL.
      Ich würde noch weiter gehen: Wir sehen hier einen Ulysses, der mit seinem Leben abgeschlossen hat und bereit war, für seine Ideale zu sterben. Ulysses hat niemals damit gerechnet, dass Harley die Bombe zünden würde. Für ihn stand fest, es selbst tun und dabei sterben zu müssen. Und er hätte es getan. Ein doch recht auffälliger Unterschied zum paranoiden Untergrundboss, der die meiste Zeit seine Verbündeten in seinem Namen agieren lässt und keinen Schritt tut, ohne sich über die Schulter zu schauen.

      qoii schrieb:

      Den ersten Abschnitt würde ich zeitlich nach dem ersten FB zu O‘Mara und Ulysses einordnen, als sie von Moria besucht worden sind, denn die beiden kommen mir hier etwas älter vor. Weiterhin war Hoolahara da zwar schon runtergekommen, wurde aber noch nicht als zerstört beschrieben. Das einzige was dagegen sprechen würde, ist die Tatsache, dass O‘Mara und Ulysses hier als Laufburschen für Laura aufzutreten scheinen, während sie in diesem FB schon bekannte Namen hatten.
      Schließen die bekannten Namen denn einen Dienst unter Laura aus? ;)

      qoii schrieb:

      Wie auch immer, derzeit oder besser zu dieser Zeit fand (wiedermal) ein Aufstand der Larierer gegen die FI statt, wie es auch bei den beiden Vorbildern in unserer Welt häufiger der Fall gewesen ist und wie bei uns ist der Aufstand nicht wirklich bzw dauerhaft erfolgreich verlaufen. Zu diesem Zeitpunkt hat anscheinend Laura, welche vielleicht sogar zu den Köpfen/Förderern des Aufstandes gehört, Kontakt mit einem Stanislav Church aufgenommen oder dieser mit ihr, was Grundsätzlich eigentlich egal ist.
      Dazu schweige ich noch, aber auf Laura freue ich mich persönlich schon sehr und ich bin gespannt, wie du ihre Rolle später bewerten wirst.^^

      qoii schrieb:

      Bei der Erwähnung von Moskva habe ich zunächst an einen Untergebenen des Zaren gedacht, wobei ich nicht mehr weiß, ob dieser bei der Überhaupt als handelnde Person vorhanden ist. Aber dank der Suchfunktion und deines Charakter-Guide wurde ich daran erinnert, dass er Agent der CP-0 Ziz ist, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ob er schon damals für die CP-0 Arbeitete oder ernst nach einer unangenehmen Begegnung mit Laura oder Ulysses dieser Beigetreten ist wissen wir nicht. Fest steht jedenfalls, dass er die Bombe welche Killenick zerstörte entwickelt hat. Zwar scheint er am Anfang dort noch freiwillig und im Auftrag von irgendjemandem zu arbeiten, aber Harley wird nicht nicht zufällig von einem >gewissen Negerwissenschaftler der kürzlich ohne Gesicht von seiner ›Studienreise‹ zurückgekehrt ist<, gesprochen haben. Also hat Chruch sich entweder bei seinen Forschungen das Gesicht verletzt oder ist für seine Unterwanderung des Freiheitskampfes bestraft worden. Jedenfalls läuft er wegen dieses abhandengekommenen Gesichts nun mit einer Pestmaske herum und ich vermute wir haben ihn bereits am Ende des letzten Kapitels noch einmal gesehen.
      Richtig, Church ist der Pestdoktor und damit auch die Brücke zwischen der Gegenwart und diesem Flashback. Bin bekanntlich kein Fan davon, Flashbacks komplett isoliert stehen zu lassen und habe daher Church als Schlüsselfigur benutzt. Deine Gedanken sind soweit korrekt. Wie Churchs Gesicht...abhanden kam und warum, werdet ihr in nicht allzu ferner Zukunft noch erfahren.

      qoii schrieb:

      Wie auch immer nachdem der Kampf verloren war und die Laren zu einem Frieden gezwungen wurden, hat sich Ulysses dazu entschlossen die Hauptstadt (?) der Insel zusammen mit all ihren Besatzern und den geschlagenen Larischen Truppenteilen, welche Aufgegeben haben, in die Luft zu jagen. Dabei hilft ihm nicht nur die Bombe welche von Church entwickelt wurde, sonder wie wir bereits auch wissen, Harley, der anscheinend sehr von der Vorstellung begeistert ist eine ganze Stadt in einem hellen und leuchtenden Blitz untergehen zu lassen, während er sich dank seiner Teufelsfrucht in etwas ähnliches göttliches Verwandeln kann.
      Harleys Rolle in diesem ganzen Zirkus ist gar nicht so glanzvoll, wie er es klingen ließ. Natürlich reizt ihn diese Vorstellung und auch die Bedeutung, die ihm diese Tat verleiht, aber insgesamt sind seine Beweggründe erstaunlich nüchtern. An dieser Stelle muss man immerhin bedenken, dass dieser Harley noch nicht Herr von Schloss Roßkosch ist und sich noch nicht in seinem Luxus und seinem schillernden Reichtum verloren hat.

      qoii schrieb:

      Auch sehr schön wie du die anderen Mitgleiter der Truppe eingebaut hast und die beiden Verleibten Geschwister zufällig dem selben Liebespaar helfen den nächsten Schritt zu gehen. Allerdings scheint dem Paar wie ich bereits oben angedeutet habe die Bombe dazwischen zu kommen. Da die Frau mit Madison vorgestellt wurde ihr (beinahe) Ehemann aber nicht, ist dieser entweder bei der Explosion gestorben und Madison würde somit eine Person sein, die Gegen Ulysses steht oder er ist mittlerweile ein hochrangiger fountischen Militär oder Politiker, den wir vielleicht schon kennenlernen durften.
      Hier enthalte ich mich besser vollkommen. Sonst verderbe ich nur mögliche Überraschungen. :D

      qoii schrieb:

      Wieder ein sehr interessantes und schön geschriebenes Kapitel, dank dem wir nun etwas mehr über die Geschichte der beiden Länder wissen. Übrigens habe ich mich bis eben gefragt woher die grünen Herzen in der Überschrift kommen, aber diese könnten auf die grüne Insel bezogen sein bzw den Patriotismus ihrer Bewohner.
      Ursprünglich sollte das Kapitel nur "Killenick" heißen und war bereits seit Beginn meiner Geschichte geplant. Allerdings hat sich der Fokus seither etwas verschoben und insbesondere durch die Ausweitung des Kapitels auf die Szenen in Hoolahara am Anfang habe ich mich dann für den aktuellen Titel entschieden. Die grünen Herzen sind natürlich selbsterklärend, beim Rest gebe ich dir Recht. Ich kann aber noch hinzufügen, dass Killenick selbst im Kapitel auch als "Grünes Herz" bezeichnet wird.^^
      Vexor


      Vexor schrieb:

      Puh...jetzt weiß ich wie du dich nach meinem letzten Flashback-Kapitel zu Luzifer und so gefühlt haben musst. Ich bin noch immer etwas erschlagen und auch beim zweiten Lesen hat sich das nicht geändert. Nicht, weil es schlecht zu lesen war, es war einfach nur viel, dichte Info.
      Und dabei kam es nicht einmal zu derart umwälzenden Entwicklungen wie in deinem Flashback damals. :D

      Vexor schrieb:

      Ganz allgemein bin ich froh, dass wir ein wenig mehr Hintergrundgeschichte über Ulysses, O'Mara und die ganzen Widerstandskämpfe gegen die fountische Besatzung erhalten haben. Ich hab dir ja schon oft genug gesagt, dass man beim Lesen merkt, dass dir die Szenen mit Ulysses Spaß bereiten. Sie lesen sich zumindest so.
      Kann man so sagen, wobei ich der Fairness halber zugeben muss, dieses Kapitel schon seit Beginn meiner FF geplant zu haben. Dieser eine monumentale, kapitelfüllende Flashback zu Killenik, in dem die ganze Stadt anhand verschiedener Figuren eingeführt und mit Leben gefüllt wird. Außerdem trifft die Geschichte um die Lairen natürlich meine hibernophile Ader ganz massiv und beflügelt mich zusätzlich.^^

      Vexor schrieb:

      Dennoch bin ich, um ehrlich zu sein, etwas überrumpelt von dem Flashback, weil er so ohne Vorbereitung und ohne Vorwarnung kam. Natürlich haben wir dem Pestdoktor die Brücke aus dem letzten Kapitel zu schlagen, aber im ersten Moment hat es natürlich gedauert, bis ich diese Assoziation hergestellt habe. Auch das Ende war unvermittelt (wenn auch in seiner stilistischen Wirkung sehr gut), sodass ich fast glaube, dass es noch nicht ganz vorbei ist mit diesem kurzen Blick in die Vergangenheit?
      Dieser "Überfall" war auch so beabsichtigt. Zwar kann ich nicht gänzlich aus meiner Haut und habe Churchs Auftritt als Brücke benutzt, aber diese stückweite Isolation und damit auch Eigenständigkeit dieser Rückblende war gewollt. Der Flashback sollte sich von bisherigen Reisen in die Vergangenheit abheben und eine in sich abgeschlossene Einheit bilden. Ich kann verstehen, dass es irritierend wirkte, aber das war definitiv mein Plan. Daraus lässt sich wohl auch schon ableiten, dass es im neuen Kapitel nicht in Killenick weitergehen wird -- was aber nicht heißt, dass wir nicht irgendwann dahin zurückkehren werden. ;)

      Vexor schrieb:

      Wir sehen in Worten, was du ja schon mehrmals direkt und indirekt angedeutet hast: Der Widerstand gegen die fountische Besatzung ist mal erfolglreich, mal erfolglos und Ulysses sitzt als Idealist buchstäblich über den Dingen und ist mit der Gesamtsituation unzufrieden. Mir hat die Charakterisierung des jungen Ulysses durchaus gefallen, da es einen schönen Kontrast zur "gereifteren" Figur hergestellt hat, die wir in den aktuellen Kapiteln gesehen haben, ohne aber seinen eigentlichen Ursprung und Kern zu verlieren. Ebenso gut inszeniert war natürlich wieder die Beziehung zwischen O'Mara und Ulysses, die ein herrlich dynamisch-unharmonisches Duo spielen und dabei doch deutlich ein Herz und eine Seele sind. (Pluspunkt gab es natürlich für den kurzen Verweis auf Moskva).
      Freut mich. Habe an diesem ersten Absatz wohl fast so lange gesessen wie am ganzen Rest des Kapitels, um sowohl den jungen Ulysses als auch dessen Zusammenspiel mit O'Mara richtig umsetzen zu können. Irgendwie fällt mir das bei Ulysses etwas schwer. Liegt vielleicht daran, dass er seinen ersten Auftritt als Jugendlicher in einem Flashback hatte und erst später in der Gegenwart eingeführt wurde. Keine Ahnung. xD

      Vexor schrieb:

      Wir springen ein wenig in die Zukunft und erleben einen "radikalisierteren" Ulysses, der wohl schon die...sagen wir mal...destruktiven Pläne endgültig in die Wege geleitet hat. Zumindest deute ich "Frieden durch Krieg" auf diese Art und Weise. Ansonsten fällt in diesem Zusammenhang der Name Aurora, den ich jetzt spontan nicht zuordnen kann. Da er an dieser Stelle aber fett markiert ist, gehe ich von einer Neueinführung aus? Ich weiß auch nicht, wie ich dieses "Magst du mich?" zu deuten habe. Zumindest schien mir Ulysses bisher nicht der Mensch zu sein, der großartig mit Schmonzetten und romantischen GEfühlen etwas anfangen könnte, wobei ich hier mal nicht direkt von einer Liebesbeziehung ausgehen möchte. Fakt scheint aber zu sein, dass Aurora ein Motivationsgrund für Ulysses Vorhaben ist, weswegen ich schon gespannt bin, mehr über sie zu erfahren.
      Keine Sorge, dein Gedächtnis lässt dich nicht im Stich. Aurora ist ein neuer Charakter, dessen Name in diesem Kapitel zum ersten Mal gefallen ist. Zu ihrer Rolle halte ich mich noch bedeckt, versichere dir aber, dass du gleichzeitig Recht und Unrecht hast, was Ulysses'...romantische Ambitionen betrifft. Wir haben ja bereits am Beispiel von Etain gesehen, dass er durchaus (sexuelle) Gefühle hegen kann...wenn auch eher verkappt.^^

      Vexor schrieb:

      Wo sich meine Fragezeichen zu bilden begonnen haben, war die Frage, ob Cathal, Moira und Bloom zu diesem Zeitpunkt schon mit Ulysses zusammengerarbeitet haben, oder sich erst nach diesen tragischen Entwicklungen die Gruppe weiter so geformt hat? Sollten sie schon zusammengearbeitet haben, frage ich mich natürlich, was ihre Aufgabe war. Zumindest die Szene mit Moira und dem Liebhaber wirkte recht abiträr und zufällig. Warum sollte sie dem Mann helfen ein Schmuckstück auszusuchen? Vielleicht hat sie natürlich nach anderen Informationen gesucht. Immerhin war der Mann ja ein Mitglied der fountischen Armee. Vielleicht hat sie Informationen gesucht, die für die Platzierung der Bombe, etc. wichtig waren? Das ist zumindest meine Erklärung für den Handlungsstrang.
      Keine Sorge, dass wird alles noch mehr oder weniger aufgelöst und ist nicht so komplex, wie es vielleicht wirken mag. Auch wenn es mir gefällt, dass du hinter jeder meiner Szenen einen tieferen Handlungssinn vermutest. Sehr schmeichelhaft. :D

      Vexor schrieb:

      Bei Madison bin ich mir hingegen unschlüssiger. Sie wirkt ja wie ein alte Bekannte von Cathal und Bloom. War sie vielleicht zuvor auch Anhänger der Anti-fountischen Bewegung?
      Nein, tatsächlich traf sie Bloom und Cathal zum ersten Mal. Dass das Gespräch recht schnell recht vertraut wurde, liegt an Cathals Charme und Madisons Offenherzigkeit. Wie im Kapitel auch gesagt, liegen beide einfach auf einer "Wellenlänge". Bloom fungierte indes eher als Kontrastfigur.

      Vexor schrieb:

      Ich glaube zumindest nicht, dass du hier einfach nur die Tragik der Explosion an Hand eines Liebespaares darstellen wolltest. Das hätte es in meinen Augen nicht nötig gehabt, weswegen ich hier noch von einem tieferen Sinn ausgehe. qoiis Idee, dass mit Madison hier eine Gegenspielerin zu Ulysses ins Spiel gebracht wurde, finde ich besonders interessant.
      Jain. Natürlich wollte ich der Geschichte ein Gesicht geben, aber an dieser Stelle wird Madisons Rolle nicht enden. Das wäre mir diese Tragödie im Kleinen dann doch nicht wert gewesen.^^

      Vexor schrieb:

      Zu guter Letzt dürfen wir Harley noch einmal sehen. Finde ich sehr interessant, dass er sich hierzu bereiterklärt. Passt ja gar nicht so zu seinem sonst so aufgeblasenem Auftreten.
      Siehe meine Ausführungen bei qoii. Wir erleben hier einen Pre-Roßkosch Harley. Ein arroganter Lackaffe, der jedoch noch längst nicht so verklärt und abgedriftet ist wie der schlaflose Psychopath, den Flint Jahre später jagen wird. Harleys Beweggründe sind -- vom romantisierten Heroismus vielleicht einmal abgesehen -- relativ pragmatisch.

      Vexor schrieb:

      Ja. Ich hoffe mein Kommentar ist nicht zu verwirrend, aber ich hab versucht meine Gedanken relativ strukturiert wiederzugeben.
      Nein, alles gut. Ich habe durchaus damit gerechnet, dass dieser Flashback nicht einfach abgenickt werden wird.^^

      Vexor schrieb:

      Kapitel hat mir sprachlich wie meistens sehr gut gefallen und ich bin gespannt, welche "Folgen" der Flashback jetzt noch für die Entwicklungen haben wird und mit welchem Ziel Church jetzt auch auf Fountleroy ist.
      Dazu kann ich mit Stolz auf das aktuelle Kapitel verweisen. :D


    • Kapitel 140 Miasma

      Hier bitte noch bessere Ausreden einfügen als bei Vexors-FF. :whistling:

      Diesmal gibt es ein ganzes Kapitel, welches sich nur um Mercedes dreht. Dabei stellt sich mir zunächst einmal die Frage, warum sie überhaupt in diese Lagerhalle eindringt. Das Letzte was wir von ihr erfahren haben, war die Ankunft mit dem Zug in Begleitung von Mr. Allerweltsgesicht. Da wir grundsätzlich wissen, das er Mercedes mitgenommen hat um irgendetwas in dieser Stadt erledigen zu lassen, müssten wir davon ausgehen, dass es seine Idee war sie dorthin zu schicken. Wenn man aber bedenkt, das Church ebenfalls zur Seite der Regierung gehören müsste fragt man sich warum er dies gemacht hat. Offiziell ist Chruch ein Agent einer anderen CP-0 Einheit, aber abtrünnige Regierungsbeamte gibt es in deinem FF zur genüge und die einzelnen Abteilungen sind sich auch nicht Grün.

      Church scheint jedenfalls passen zu seinem Refugium die eine oder andere Schraube locker zu haben und sich mittlerweile zu sehr mit seinem Aussehen zu identifizieren. Er hält sich für einen gnadenvollen künstlerisch begabten Tod, was ihn nicht gerade sehr Sympathisch macht und die Frage aufwirft, was ihm so alles passiert ist, immerhin ist er zumindest in dem FB Kapitel als ziemlich galant und hochnäsig aufgetreten. Weiterhin deutet alles an seiner Umgebungs und Verhaltensbeschreibung darauf hin, dass er sich schon länger an diesem Ort aufhält. Weswegen man durchaus davon ausgehen kann, dass er etwas mit Ulysses Plänen in dieser Stadt zu tun haben müsste, aber wie wir schon im FB erfahren haben, sind seine Fähigkeiten auch schon beim verschwinden einer anderen Stadt von nutzen gewesen.

      Weiterhin erfahren wird, dass er nicht nur ein gut trainierter Agent zu sein scheint, sondern sich auch wirklich mit Medizin bzw Chemie auskennt. Er kann nicht nur beeindruckende Bomben bauen, sondern auch ein Gift entwickeln, welches Mercedes vor ernste Probleme stellt. Nicht nur direkt körperlich, sondern auch bei der Erstellung eines dauerhaften Gegengiftes. Zusätzlich wird angedeutet, dass er auch etwas mit O‘Maras Kampffähigkeiten zu tun hat bzw seiner Fähigkeit den Schmerz abzustellen bzw diese Möglichkeit richtig im Kampf zu nutzen. Jedenfalls ist er ein sehr gefährlicher Gegner, auch wenn es so scheint als hätte Mercedes ihn am Ende wirklich erledigt. Allerdings erscheint mir für ein so schnelles Ende seine gesamte Auftrittszeit doch etwas zu kurz. Also hat er entweder doch irgendwie überlebt, immerhin war schon vorher nicht mehr viel von seinem Gesicht übrig oder er wird noch in FBs bzw durch seine Entwicklungen noch wichtig.

      Ansonsten bekommen wir noch einige kleinere Einblicke in die Erschaffung vom Mercedes, denn alles hat mich schon sehr an Dr. Frankenstein und seine geistigen/ ähnlich Handelnden Wissenschaftskollegen erinnert. Trotzdem bin ich mir gerade nicht mehr sicher, ob wir schon wissen warum Mercedes so umgebaut wurde, bzw was sie so verletzt hat und warum überhaupt so viel Aufwand ihn ihr weiterleben gesteckt wurde. Das letzte woran zumindest ich mich erinnere ist, dass ein WR auf PS gefallen an ihr gefunden hat und ihr Bruder eingreifen wollte und von diesem WR erschossen wurde.

      Ansonsten bekommen wir wieder einen sehr guten Kampf, welcher vor bildlichen Vergleichen und Wortspielen nur so strotzt, was ich wieder einfach nur wunderbar finde. Was der gesamte tiefere sind des Kapitels ist, außer dem genießen, erschließt sich mir zwar noch nicht, aber manchmal muss man einfach abwarten. Damit wäre ich auch schon wieder am Ende angekommen, wie lange Wartezeit hat diesmal nicht zu einem längeren Kommentar geführt.^^
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Kapitel 140 - Miasma

      Das Jahr ohne Kommentar beenden? Niemals!!

      Ein langer Kommentar wird es nicht, aber das hast du mir ja selbst angeboten, als nimmt mein Zeitmanagement dieses Angebot freudestrahlend an.
      Das Kapitel hingegen war lang und ich bin echt beeindruckt, wie du es geschafft hast, den kompletten Inhalt auf so ein langes Kapitel zu dehnen, ohne dass es sich anfüllt, dass du dich in Wiederholungen und unnötigen Passagen verlierst.
      Das Geschilderte war eindrucksvoll, packend und man hat dem Kampf wirklich gut folgen können. Natürlich gab es ein oder zwei Stellen, über die man beim Lesen gestolpert ist oder die sich nicht so galant in das komplexe Wortgefüge eingebettet haben, aber im großen und ganzen war das eine wirklich spannende Auseinandersetzung.

      Wie es zu dem unheiligen Treffen zwischen Church und Mercedes gekommen ist, wirst du uns sicherlich noch entsprechend nachlegen. Da habe ich mal keine Bedenken. Viel interessanter fand ich einfach ein paar Bruchstücke über Mercedes Vergangenheit und damalige Verwandlung zu erfahren. Du hast Mercedes in diesem Kapitel wirklich wieder toll dargestellt und umso öfter sie in Erscheinung tritt, desto schmerzlicher wird einem bewusst, was dem letzten Arc dann an dieser Stelle vielleicht gefehlt hat.
      Auch Church hat mir sehr zugesagt. Ich hatte bei seiner Kampfkunst schon kurz Bedenken, dass ich wieder mal eine Teufelsfrucht meinerseits streichen muss, aber das war ja dann zum Glück nicht der Fall.

      Unsicher bin ich mir, ob es jetzt tatsächlich mit ihm schon erledigt sein soll. Ich rechne irgendwie nicht damit, aber schauen wir mal!

      Hundert Fragen und Kleinigkeiten hab ich bestimmt ausgelassen, aber vieles davon hat qoii auch schon angesprochen und ich musste hier ins Kommentare schreiben auch erst wieder reinkommen!
      Insgesamt fulminantes Kapitel, welches mir durchweg gefallen hat!

      Im neuen Jahr mehr davon! :)
    • One Shot - Was darf es sein? 5
      1.  
        Der Pferdegott (2) 40%
      2.  
        Rhino (2) 40%
      3.  
        Liebste Mrs. Molineux (0) 0%
      4.  
        Tritt auf, umzingelt von Wölfen (1) 20%
      Das Jahr ist bald vorbei, aber ganz ohne Kapitel möchte ich mich doch nicht von 2018 verabschieden. Ich weiß, der Leerlauf war lang, aber als Ausgleich gibt es heute gleich zwei Kapitel. Sie sind an alter Stelle zu finden und ich wünsche viel Spaß beim Lesen. :)

      Außerdem möchte ich um eure Teilnahme bitten: Anlässlich des 150. Kapitels möchte ich ein OneShot veröffentlichen. Hierbei soll es um einen Charakter gehen, der in der Geschichte keine Rolle mehr spielen wird, aber dennoch eine Geschichte zu erzählen hat. Ihr dürft wählen. Um die ganze Sache aber etwas interessanter zu machen, wählt ihr zwischen den Titeln der OS, ohne den Charakter dahinter zu kennen. Fies? Vielleicht ein bisschen. :D
      Ich verspreche aber, dass keine Geschichte für sich allein steht, sondern immer in die Hauptstory eingebettet sein wird oder zusätzliche Infos, Lore und Relevanz bietet. Etwaige Gastauftritte anderer bekannter Figuren inklusive. Eine falsche Wahl gibt es also im Grunde nicht. Lasst euren Bauch entscheiden, welcher Titel euch am meisten zusagt und lasst euch überraschen.^^

      Und nun zu den Kommentaren, für die ich mich wieder herzlich bedanke:

      qoii

      qoii schrieb:

      Diesmal gibt es ein ganzes Kapitel, welches sich nur um Mercedes dreht. Dabei stellt sich mir zunächst einmal die Frage, warum sie überhaupt in diese Lagerhalle eindringt. Das Letzte was wir von ihr erfahren haben, war die Ankunft mit dem Zug in Begleitung von Mr. Allerweltsgesicht. Da wir grundsätzlich wissen, das er Mercedes mitgenommen hat um irgendetwas in dieser Stadt erledigen zu lassen, müssten wir davon ausgehen, dass es seine Idee war sie dorthin zu schicken. Wenn man aber bedenkt, das Church ebenfalls zur Seite der Regierung gehören müsste fragt man sich warum er dies gemacht hat. Offiziell ist Chruch ein Agent einer anderen CP-0 Einheit, aber abtrünnige Regierungsbeamte gibt es in deinem FF zur genüge und die einzelnen Abteilungen sind sich auch nicht Grün.
      Fragen, die mit den heutigen Kapiteln beantwortet werden. Du liegst aber natürlich goldrichtig: Die bereits angedeuteten Konflikte zwischen den Regierungsabteilungen spitzen sich zu und haben auch diese Situation zu verantworten. Mehr oder weniger.^^

      qoii schrieb:

      Church scheint jedenfalls passen zu seinem Refugium die eine oder andere Schraube locker zu haben und sich mittlerweile zu sehr mit seinem Aussehen zu identifizieren. Er hält sich für einen gnadenvollen künstlerisch begabten Tod, was ihn nicht gerade sehr Sympathisch macht und die Frage aufwirft, was ihm so alles passiert ist, immerhin ist er zumindest in dem FB Kapitel als ziemlich galant und hochnäsig aufgetreten. Weiterhin deutet alles an seiner Umgebungs und Verhaltensbeschreibung darauf hin, dass er sich schon länger an diesem Ort aufhält. Weswegen man durchaus davon ausgehen kann, dass er etwas mit Ulysses Plänen in dieser Stadt zu tun haben müsste, aber wie wir schon im FB erfahren haben, sind seine Fähigkeiten auch schon beim verschwinden einer anderen Stadt von nutzen gewesen.
      Ich verweise erneut auf eines der neuen Kapitel, welches sogar nach unserem geschätzten Pestdoktor benannt ist.^^

      qoii schrieb:

      Weiterhin erfahren wird, dass er nicht nur ein gut trainierter Agent zu sein scheint, sondern sich auch wirklich mit Medizin bzw Chemie auskennt. Er kann nicht nur beeindruckende Bomben bauen, sondern auch ein Gift entwickeln, welches Mercedes vor ernste Probleme stellt. Nicht nur direkt körperlich, sondern auch bei der Erstellung eines dauerhaften Gegengiftes. Zusätzlich wird angedeutet, dass er auch etwas mit O‘Maras Kampffähigkeiten zu tun hat bzw seiner Fähigkeit den Schmerz abzustellen bzw diese Möglichkeit richtig im Kampf zu nutzen. Jedenfalls ist er ein sehr gefährlicher Gegner, auch wenn es so scheint als hätte Mercedes ihn am Ende wirklich erledigt. Allerdings erscheint mir für ein so schnelles Ende seine gesamte Auftrittszeit doch etwas zu kurz. Also hat er entweder doch irgendwie überlebt, immerhin war schon vorher nicht mehr viel von seinem Gesicht übrig oder er wird noch in FBs bzw durch seine Entwicklungen noch wichtig.
      Kleine Klarstellung: Der Hinweis auf O'Mara war nur auf das Life-Feedback bezogen, nicht auf O'Maras Schmerztoleranz. Ansonsten stimme ich zu.

      qoii schrieb:

      Ansonsten bekommen wir noch einige kleinere Einblicke in die Erschaffung vom Mercedes, denn alles hat mich schon sehr an Dr. Frankenstein und seine geistigen/ ähnlich Handelnden Wissenschaftskollegen erinnert. Trotzdem bin ich mir gerade nicht mehr sicher, ob wir schon wissen warum Mercedes so umgebaut wurde, bzw was sie so verletzt hat und warum überhaupt so viel Aufwand ihn ihr weiterleben gesteckt wurde. Das letzte woran zumindest ich mich erinnere ist, dass ein WR auf PS gefallen an ihr gefunden hat und ihr Bruder eingreifen wollte und von diesem WR erschossen wurde.
      Richtig, mehr ist von Mercedes noch nicht bekannt. Dieses Kapitel lieferte lediglich einen kleinen Anblick in die Experimente an Mercedes und ihren Umbau, sowie natürlich ihre Befreiung. Das mag an Frankenstein gemahnen und passt damit natürlich hervorragend in diesen Arc.^^

      qoii schrieb:

      Ansonsten bekommen wir wieder einen sehr guten Kampf, welcher vor bildlichen Vergleichen und Wortspielen nur so strotzt, was ich wieder einfach nur wunderbar finde. Was der gesamte tiefere sind des Kapitels ist, außer dem genießen, erschließt sich mir zwar noch nicht, aber manchmal muss man einfach abwarten. Damit wäre ich auch schon wieder am Ende angekommen, wie lange Wartezeit hat diesmal nicht zu einem längeren Kommentar geführt.^^
      Der Sinn des Kapitels dürfte nach den ersten Zeilen des neuen Kapitels selbsterklärend sein. Viel Spaß. :D
      Vexor

      Vexor schrieb:

      Das Kapitel hingegen war lang und ich bin echt beeindruckt, wie du es geschafft hast, den kompletten Inhalt auf so ein langes Kapitel zu dehnen, ohne dass es sich anfüllt, dass du dich in Wiederholungen und unnötigen Passagen verlierst.
      Das Geschilderte war eindrucksvoll, packend und man hat dem Kampf wirklich gut folgen können. Natürlich gab es ein oder zwei Stellen, über die man beim Lesen gestolpert ist oder die sich nicht so galant in das komplexe Wortgefüge eingebettet haben, aber im großen und ganzen war das eine wirklich spannende Auseinandersetzung.
      Sehr gut, danke. Wie bereits privat geschrieben, habe ich in diesem Kapitel eine neue Methode für Flashbacks ausprobiert und bin mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden. Klar, es war nicht perfekt, aber das ist kein Kapitel und für den ersten Versuch...habe ich schlechtere Kritiken befürchtet. :D

      Vexor schrieb:

      Wie es zu dem unheiligen Treffen zwischen Church und Mercedes gekommen ist, wirst du uns sicherlich noch entsprechend nachlegen. Da habe ich mal keine Bedenken. Viel interessanter fand ich einfach ein paar Bruchstücke über Mercedes Vergangenheit und damalige Verwandlung zu erfahren. Du hast Mercedes in diesem Kapitel wirklich wieder toll dargestellt und umso öfter sie in Erscheinung tritt, desto schmerzlicher wird einem bewusst, was dem letzten Arc dann an dieser Stelle vielleicht gefehlt hat.
      Auch Church hat mir sehr zugesagt. Ich hatte bei seiner Kampfkunst schon kurz Bedenken, dass ich wieder mal eine Teufelsfrucht meinerseits streichen muss, aber das war ja dann zum Glück nicht der Fall.
      'Türlich lege ich das nach.^^
      Und du darfst dich freuen, Mercedes hat noch mehr vor in diesem Arc. Ich kompensiere hier rigoros ihre Abstinenz im letzten Arc. Wäre schließlich eine Schande, die wichtigste Frau der Geschichte im Arc der Frauen zu kurz kommen zu lassen.

      Vexor schrieb:

      Unsicher bin ich mir, ob es jetzt tatsächlich mit ihm schon erledigt sein soll. Ich rechne irgendwie nicht damit, aber schauen wir mal!
      Auflösung gibt's im neuen Kapitel. :D

      Vexor schrieb:

      Im neuen Jahr mehr davon!
      Wollen wir es hoffen -- und direkt zurück an dich. Arbeite an dieser roten Tür, bis dir die Tippfinger abfallen!


      Das war es auch wieder. Viel Spaß mit den Kapiteln und bis nächstes Jahr. Ich hoffe, das nächste Kapitel wird nicht so lange auf sich warten lassen.^^


    • Kapitel 141 und 142

      Zählt der Siebte eines Monats immer noch mit zum Ersten? Dann hätte ich nämlich meine Ankündigung aus dem letzten Jahr doch noch wahr gemacht und die zwei Kapitel rechtzeitig kommentiert. ^^

      Ganz am Anfang bekommen wir die Bestätigung das Church wirklich erledigt ist und werden danach eingeweiht wie Mercedes überhaupt in diese Situation gekommen ist. Zwar weiß ich nicht (mehr) wieso, aber Lorelei hat sich die Mühe gemacht die Vermisstenfälle in Killenick der letzten 15 Jahre zusammenzutragen und auszuwerten. Dies ist eine sehr beachtliche und beeindruckende Leistung, wobei ich mich Frage, warum sie sich genau für diese Stadt interessiert hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es einen Grund gab, der mir mittlerweile Entfallen ist, aber deswegen kommt es mir derzeit etwas willkürlich vor genau diese Stadt, genau auf diesen Punkt hin zu überprüfen und nach der Entdeckung zwei Leute zur genaueren Abklärung zu schicken. Wobei ihr eigentlich klar gewesen sein dürfte, dass Mercedes es sicher nicht nur bei einer Aufklärung belassen würde bzw. die Gefahr, dass es bei so einem Täter doch zum Kampf kommt, sehr groß ist.

      Etwas erstaunt hat es mich nochmal, dass Cassiopeia anscheinend wirklich eine Psychologin/Profilerin ist, irgendwie hat sich bei mir der Gedanke ziemlich festgesetzt, dass sie dies nur zur Tarnung bei Harley benutzt hat, aber was gibt es für eine bessere Tarnung, als die eigne Profession

      Der größte Teil des Kapitels beschäftigt sich danach mit der Abhandlung von Churchs Tätigkeiten vor Ort und der anscheinenden Unwissenheit des Grauen Spions darüber. Ihm glaube ich das entsetzten irgendwie, auch wenn ich es etwas verwunderlich finde, dass er Church sofort erkannt hat. Zwar war er dank seiner Maske sehr auffällig, aber direkt von einem Unikat würde ich in einer solchen Situation auch nicht ausgehen. Zwar wissen wir nicht wie gut sich die Mitglieder der einzelnen Abteilungen kennen, aber die Identifizierung ging mir dann doch etwas zu schnell für eine vollkommene Unwissenheit über Churchs Aufenthaltsort. Durch Churchs Tätigkeit und die drin sehr wahrscheinlich enthaltende Deckung dieser durch die WR hat Mercedes das bisschen Vertrauen in die CP, welches der Graue Spion aufbauen konnte, wieder verloren.

      Entweder spricht es für oder gegen dich, dass ich mich die beschriebenen Gegebenheiten zwar beeindruckt aber nicht gerade geschockt haben, bei dir gab es schon zu viele Leichenberge und Grausamkeiten, als dass man noch entsetzt davor sitzen kann.^^

      Was diesen Prediger angeht, glaube ich nicht, dass es sich um ein Hirngespinst handelt, sonst hättest du ihn nicht fett markiert. Als erster Verdächtiger kam mir Ulysses in den Sinn, aber durch große Ansprachen hat er sich bisher nicht hervorgetan, eher durch eine Verachtung für alles Lebende was nicht Familie, Familienfreund oder Laire ist, weswegen mich die Vernichtungsbeschreibungen an ihn denken ließen. Aber als Anführer eines Untergrundnetzwerkes, welches sich, sofern ich mich recht entsinne, immer noch der Befreiung ihrer Heimat verschrieben hat, wäre ein Untergebener, der die Massen begeistern kann, sicher sehr hilfreich.

      OK sagen wir es anders der Hotelportier hat mir mehr Schauer über den Rücken laufen lassen als die Lagerhalle, zumindest beim zweiten Lesen vor dem jetzigen Kommentar, ähnliches geht für das Hotelzimmer.^^
      Mit Brianna Smith hast du für die Wissenden etwas sehr schönes eingebaut, allerdings weiß ich nicht mehr, in wieweit dies zeitlich Übereinander passt, bzw eine wirkliche Referenz von Mercedes auf >die Brianna< ist. Wenn ich mich nicht vertue, müsste dein FF doch ungefähr zehn Jahre vor Vexors spielenden, also genau zu den Zeitpunkt als Brianna ihre Karriere begann.

      Schön zu hören, dass es mit den zerstörten Stätten wieder aufwärts geht und um die ganze Highsociety war es ohnehin nicht schade. Jetzt bleibt nur noch die Frage ob Mercedes über L neue SUUUPPPER Gimmicks bekommen hat, welche im weiteren verlauf noch interessant werden oder es sich hauptsächlich um gut zu gebrauchende Ersatz oder Austauschteile handelt.

      Während "Brianna" etwas zu Ruhe kommen kann, sofern sie nicht doch noch die Laken genauer inspiziert, beschäftigt sich der Graue Spion weiter mit Churchs Hinterlassenschaften. Nachdem er erkannt hat, dass er auf dem Gebiet der Aufzeichnungen nicht weiter kommt, will er sich nun anscheinend mit den Überresten der Forschung beschäftigen, trifft dabei aber auf Myzete Beelzebub. Diese wusste natürlich von Churchs Machenschaften und scheint sich dort Pudelwohl zu fühlen. So wie sie sich Ausdrückt ist sie der Meinung, dass bei den ganzen Leichen eine weitere nicht schaden kann, besonders wenn sie damit die Anzahl der Agenten in den einzelnen Abteilungen der CP-0 wieder angleichen kann. Zwar scheint sich der Graue Spion einen nicht zu schlechten Plan zurechtgelegt zu haben, aber die Festigkeit von Myzetes Nase ist höher als die seiner Fingerknochen, was dazu führen könnte, dass er bald kein grauer, sondern ein roter Spion gewesen sein wird.

      Während dieses Dramas spielen sich im Palast für Catherine ganz eigene Dramen ab. Es spricht wahrscheinlich wirklich für deine Schreibkunst, wenn ich ihr gerne mal ein paar leichte Schläge, wahrscheinlich am besten auf den Hinterkopf, verabreichen möchte, damit sie mal endlich aus ihrer sagen wir mal Illusion aufwacht oder wie immer man ihre Weltsicht beschreiben möchte. Allerdings darf ich dabei auch nicht vergessen, dass zu zum einen noch ziemlich jung ist und vor allem von ihrem Umfeld so erzogen wurde bzw. dieses eine solche Entwicklung zugelassen hat. Deswegen hat Catherine Carla auch so gut wie nichts entgegenzusetzen und sollte sie mal wirklich in der realen Welt landen wird sie gnadenlos untergehen. Da wird ihr das große Drama mit der kleinen Spinne wie das fröhlichste Ereignis in Erinnerung bleiben.

      Dies wird nochmal besonders in dem Kontrast deutlich, der sich in der beider Umgang mit Ulysses zeigt. Während Catherine in ihrem eigenen Palast, umgeben von ihren ganzen Wachen, gegen ihren Cousin sprichwörtlich kein Bein auf den Boden bekam, scheint Carla während ihrer Begegnung mit Ulysses die ganze Zeit die dominierende Person zu sein. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass sie derzeit eigentlich eine Untergebene von Ulysses ist bzw. von seinem wohl wollen abhängig, da sie Harley Posten und seinen schlechten Stand geerbte hat.

      Aber auch wenn Ulysses hier eher unsicher und unterlegen wirkt, bedeutet dies nicht, dass es wirklich so ist. Sofern ich mich recht entsinne, wirkte er auch bei den meisten anderen Situationen, welche die Interaktion mit anderen Menschen beinhalteten, nicht sehr viel souveräner, es sei den er war in einer mehr als klaren Machtsituation wie bei Catherine oder wusste, dass er bald auf Gewalt zurückgreifen kann wie bei diesem Politiker dessen Name mir komplett entfallen ist.

      Allgemein hat die gesamte Interaktion in »Rosette«sehr gut gefallen. Ulysses riesiges Tattoo hat, wenn ich mich recht erinnere, doch etwas mit Blooms Teufelskraft zu tun.

      Damit wäre ich auch wieder am Ende von meinem Kommentar der beiden sehr schönen und interessanten Kapitel. Wenn alles klappt wie wir es hoffen, wird es auch nicht all zulange bis zu meinem nächsten Kommentar, zu einem neuen Kapitel dauern. ;)
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett

    • Schönen Dienstag, liebe Leser und Kommentatoren. Es geht weiter, Kapitel 143 kann unter dem Titel "Alles ist Papier" an alter Stelle gelesen werden. Das nächste Kapitel wird es dann erst wieder Ende Februar bis Anfang März geben -- die Prüfungsphase beginnt für mich, weshalb die FF hintanstehen muss. Aber jetzt wünsche ich erst einmal viel Vergnügen mit dem aktuellen Kapitel. :D

      Und dich habe ich natürlich auch nicht vergessen,
      qoii.

      qoii schrieb:

      Ganz am Anfang bekommen wir die Bestätigung das Church wirklich erledigt ist und werden danach eingeweiht wie Mercedes überhaupt in diese Situation gekommen ist. Zwar weiß ich nicht (mehr) wieso, aber Lorelei hat sich die Mühe gemacht die Vermisstenfälle in Killenick der letzten 15 Jahre zusammenzutragen und auszuwerten. Dies ist eine sehr beachtliche und beeindruckende Leistung, wobei ich mich Frage, warum sie sich genau für diese Stadt interessiert hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es einen Grund gab, der mir mittlerweile Entfallen ist, aber deswegen kommt es mir derzeit etwas willkürlich vor genau diese Stadt, genau auf diesen Punkt hin zu überprüfen und nach der Entdeckung zwei Leute zur genaueren Abklärung zu schicken. Wobei ihr eigentlich klar gewesen sein dürfte, dass Mercedes es sicher nicht nur bei einer Aufklärung belassen würde bzw. die Gefahr, dass es bei so einem Täter doch zum Kampf kommt, sehr groß ist.
      Lorelei ist ein Mysterium und so ist auch die Frage, wieso sie ausgerechnet über Copperfield recherchiert hat, ein Mysterium. Aber zu gegebener Zeit wird sich das aufklären. Schließlich befindet sich schon ein Großteil ihrer Einheit an der Front. Allzu lange wird sich also auch der Leviathan höchstselbst nicht mehr zieren können.^^

      qoii schrieb:

      Etwas erstaunt hat es mich nochmal, dass Cassiopeia anscheinend wirklich eine Psychologin/Profilerin ist, irgendwie hat sich bei mir der Gedanke ziemlich festgesetzt, dass sie dies nur zur Tarnung bei Harley benutzt hat, aber was gibt es für eine bessere Tarnung, als die eigne Profession
      Ja, ihr Werdegang ist mehr oder minder identisch mit dem ihres Alter Ego. Chirurgin -- Psychiaterin -- Forensische Psychiaterin. Sie war im Schloss Roßkosch also voll in ihrem Element, bis Krill das Schloss und sie gleich mit zerstückelt hat. :D

      qoii schrieb:

      Der größte Teil des Kapitels beschäftigt sich danach mit der Abhandlung von Churchs Tätigkeiten vor Ort und der anscheinenden Unwissenheit des Grauen Spions darüber. Ihm glaube ich das entsetzten irgendwie, auch wenn ich es etwas verwunderlich finde, dass er Church sofort erkannt hat. Zwar war er dank seiner Maske sehr auffällig, aber direkt von einem Unikat würde ich in einer solchen Situation auch nicht ausgehen. Zwar wissen wir nicht wie gut sich die Mitglieder der einzelnen Abteilungen kennen, aber die Identifizierung ging mir dann doch etwas zu schnell für eine vollkommene Unwissenheit über Churchs Aufenthaltsort. Durch Churchs Tätigkeit und die drin sehr wahrscheinlich enthaltende Deckung dieser durch die WR hat Mercedes das bisschen Vertrauen in die CP, welches der Graue Spion aufbauen konnte, wieder verloren.
      Tja, Loreleis Einheit weiß eben mehr, als sie den Kopfgeldjägern weismachen wollen. Es ist ein gefährliches Spiel, welches der Graue Spion mit Mercedes spielt und wenngleich er Reue empfindet, überwiegt bisher sein Pflichtgefühl. Myzetes Auftritt sollte aber eindeutig zeigen, dass Lorelei und ihre Einheit viel bewusster gegen die Ziz-Einheit um Rexroth agieren, als bisher angenommen.

      qoii schrieb:

      Entweder spricht es für oder gegen dich, dass ich mich die beschriebenen Gegebenheiten zwar beeindruckt aber nicht gerade geschockt haben, bei dir gab es schon zu viele Leichenberge und Grausamkeiten, als dass man noch entsetzt davor sitzen kann.^^
      War auch nicht mein Ziel. Neue Dimensionen der Grausamkeiten zu erfinden, überlasse ich Perlen wie Mulligan und dem Grünen König.^^

      qoii schrieb:

      Was diesen Prediger angeht, glaube ich nicht, dass es sich um ein Hirngespinst handelt, sonst hättest du ihn nicht fett markiert. Als erster Verdächtiger kam mir Ulysses in den Sinn, aber durch große Ansprachen hat er sich bisher nicht hervorgetan, eher durch eine Verachtung für alles Lebende was nicht Familie, Familienfreund oder Laire ist, weswegen mich die Vernichtungsbeschreibungen an ihn denken ließen. Aber als Anführer eines Untergrundnetzwerkes, welches sich, sofern ich mich recht entsinne, immer noch der Befreiung ihrer Heimat verschrieben hat, wäre ein Untergebener, der die Massen begeistern kann, sicher sehr hilfreich.
      Fragen über Fragen. :D

      qoii schrieb:

      OK sagen wir es anders der Hotelportier hat mir mehr Schauer über den Rücken laufen lassen als die Lagerhalle, zumindest beim zweiten Lesen vor dem jetzigen Kommentar, ähnliches geht für das Hotelzimmer.^^
      Mit Brianna Smith hast du für die Wissenden etwas sehr schönes eingebaut, allerdings weiß ich nicht mehr, in wieweit dies zeitlich Übereinander passt, bzw eine wirkliche Referenz von Mercedes auf >die Brianna< ist. Wenn ich mich nicht vertue, müsste dein FF doch ungefähr zehn Jahre vor Vexors spielenden, also genau zu den Zeitpunkt als Brianna ihre Karriere begann.
      Öh, nicht ganz. Meine FF spielt ca. 1519 Anno Maris, also etwa 3 Jahre vor dem Beginn des Hauptwerks und ein Jahr nach dem Crossover, in dem die Kopfgeldjäger auf Brianna treffen sollten/werden. Mercedes kennt Brianna also schon.^^

      qoii schrieb:

      Schön zu hören, dass es mit den zerstörten Stätten wieder aufwärts geht und um die ganze Highsociety war es ohnehin nicht schade. Jetzt bleibt nur noch die Frage ob Mercedes über L neue SUUUPPPER Gimmicks bekommen hat, welche im weiteren verlauf noch interessant werden oder es sich hauptsächlich um gut zu gebrauchende Ersatz oder Austauschteile handelt.
      Das wird im neuen Kapitel offenbart.^^

      qoii schrieb:

      Während "Brianna" etwas zu Ruhe kommen kann, sofern sie nicht doch noch die Laken genauer inspiziert, beschäftigt sich der Graue Spion weiter mit Churchs Hinterlassenschaften. Nachdem er erkannt hat, dass er auf dem Gebiet der Aufzeichnungen nicht weiter kommt, will er sich nun anscheinend mit den Überresten der Forschung beschäftigen, trifft dabei aber auf Myzete Beelzebub. Diese wusste natürlich von Churchs Machenschaften und scheint sich dort Pudelwohl zu fühlen. So wie sie sich Ausdrückt ist sie der Meinung, dass bei den ganzen Leichen eine weitere nicht schaden kann, besonders wenn sie damit die Anzahl der Agenten in den einzelnen Abteilungen der CP-0 wieder angleichen kann. Zwar scheint sich der Graue Spion einen nicht zu schlechten Plan zurechtgelegt zu haben, aber die Festigkeit von Myzetes Nase ist höher als die seiner Fingerknochen, was dazu führen könnte, dass er bald kein grauer, sondern ein roter Spion gewesen sein wird.
      Armer Grauer Spion.^^

      qoii schrieb:

      Während dieses Dramas spielen sich im Palast für Catherine ganz eigene Dramen ab. Es spricht wahrscheinlich wirklich für deine Schreibkunst, wenn ich ihr gerne mal ein paar leichte Schläge, wahrscheinlich am besten auf den Hinterkopf, verabreichen möchte, damit sie mal endlich aus ihrer sagen wir mal Illusion aufwacht oder wie immer man ihre Weltsicht beschreiben möchte. Allerdings darf ich dabei auch nicht vergessen, dass zu zum einen noch ziemlich jung ist und vor allem von ihrem Umfeld so erzogen wurde bzw. dieses eine solche Entwicklung zugelassen hat. Deswegen hat Catherine Carla auch so gut wie nichts entgegenzusetzen und sollte sie mal wirklich in der realen Welt landen wird sie gnadenlos untergehen. Da wird ihr das große Drama mit der kleinen Spinne wie das fröhlichste Ereignis in Erinnerung bleiben.
      Catherine ist das Opfer ihres Umgangs. Mit dem Tod ihrer Mutter lag ihre ganze Welt in den Händen zweier Männer: Bentley, der sie wie eine kleine Puppe behandelte und nicht wollte, dass sein geheimes Objekt der Begierde erwachsen wird; und Sundermare, der die Königin zu seiner Marionette erziehen wollte, um deren Macht und Status für seine eigene politische Agenda zu missbrauchen. Kurzum, Catherine hatte nie eine echte Chance und sieht sich nun den Wölfen ausgeliefert. Sei es Ulysses, der seine Cousine wie ein Reh reißen würde oder Carla, die die Königin eher wie ein Parasit befallen und ausnehmen würde. Royale Leiden, halt. xD

      qoii schrieb:

      Dies wird nochmal besonders in dem Kontrast deutlich, der sich in der beider Umgang mit Ulysses zeigt. Während Catherine in ihrem eigenen Palast, umgeben von ihren ganzen Wachen, gegen ihren Cousin sprichwörtlich kein Bein auf den Boden bekam, scheint Carla während ihrer Begegnung mit Ulysses die ganze Zeit die dominierende Person zu sein. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass sie derzeit eigentlich eine Untergebene von Ulysses ist bzw. von seinem wohl wollen abhängig, da sie Harley Posten und seinen schlechten Stand geerbte hat.
      Carla hat Ulysses sehr geschickt aus seiner Komfortzone getrieben und den kleinen schüchternen Jungen herausgekitzelt, der immer noch im Bastardkönig haust. Clever und durchtrieben, wie die Schwarze Witwe nunmal ist.

      qoii schrieb:

      Aber auch wenn Ulysses hier eher unsicher und unterlegen wirkt, bedeutet dies nicht, dass es wirklich so ist. Sofern ich mich recht entsinne, wirkte er auch bei den meisten anderen Situationen, welche die Interaktion mit anderen Menschen beinhalteten, nicht sehr viel souveräner, es sei den er war in einer mehr als klaren Machtsituation wie bei Catherine oder wusste, dass er bald auf Gewalt zurückgreifen kann wie bei diesem Politiker dessen Name mir komplett entfallen ist.
      Richtig. Ulysses scheint unterlegen, obwohl er es nicht ist. Immerhin wissen die Leser, wozu der Bastardkönig fähig ist und wie...gnadenlos er sein kann, wenn seine Laune umschwenkt.^^

      qoii schrieb:

      Allgemein hat die gesamte Interaktion in »Rosette«sehr gut gefallen. Ulysses riesiges Tattoo hat, wenn ich mich recht erinnere, doch etwas mit Blooms Teufelskraft zu tun.
      Genau umgekehrt. :D
      Blooms TK ermöglicht es ihr, die "Stärke" anderer Menschen auszuborgen. Versinnbildlicht im Falle von Ulysses durch den Schafbock als Wappentier. Bei Moira wäre es z.B. der Schwan als ideologischer Totem, wenngleich man aus Moira wenig Stärke ziehen könnte. Bei Cathal sähe die Sache wieder gewinnbringender aus, dessen Wappentier ich aber nicht verrate.^^
      [/spoiler=qoii]


    • Kapitel 143 Alles ist Papier

      Das genannte Zeitfenster schließt sich bald, also wird es Zeit den Kommentar zu schreiben. Wobei ich diesmal wirklich glaube, dass er ziemlich kurz ausfallen wird, denn das Kapitel ist zwar wie immer sehr gut und interessant, scheint aber mit dem jetzigen Wissensstand wirklich mehr eine Art Übergangskapitel zu sein, bevor die Intrigen weitergehen.

      Im ersten Abschnitt geht es dort weiter wo wir beim letzten Mal aufgehört haben. Ulysses und Carla sitzen gemeinsam im Bad und Letztere versucht Ersten davon zu überzeugen, dass sie einen sehr guten Nutzen für ihn hat. Dabei wird auch nochmal deutlich gesagt, was sich schon die ganze Zeit im Schloss abgezeichnet hat. Carla macht die ganze Arbeit während Harley (nur noch) das Leben und seine Show genießt. Einen Moment lang habe ich mir nach dieser Bestätigung überlegt, warum Harley dann überhaupt Ulysses Geschäftspartner geworden ist bzw werden konnte, bis mir einfiel, dass die für ihn die erste Bombe inKillenick gezündet hat. Letztendlich scheint Carla Ulysses genug Argumente geliefert zu haben, dass er sie vorerst weiter gebrauchen kann.
      Die Interaktionen bzw eher das Spiel zwischen den beiden hat mir auch diesmal sehr gut gefallen, jeder konnte seine Art seinen Charakter wunderbar ausspielen bzw dieser wurde für uns Leser vertieft.

      Im Anschluss rekrutier sich Ulysses noch ein kleines Agentennetzwerk in der Hauptstadt, wahrscheinlich nicht nur um allgemein immer gut informiertt zu sein, sondern auch um weitere Augen und Ohren auf Carla zu haben. Schön fand ich hierbei besonders, dass der Straßenjunge/Stricher zwar am Ende erkennt, mit wem er sich da eingelassen hat, sich aber trotzdem dafür entscheidet für diese Person zu arbeiten. Dabei scheint dies von seiner Seite nicht nur darauf zu beruhen, das er Angst vor Ulysses hat, sondern wirklich das Geld für sein Überleben bzw besseres Leben haben möchte oder anders ausgedrückt, er hat keine sehr große Loyalität gegenüber seinem Heimatland, welches nichts für ihn zu tun scheint.

      MitEnnis springen wir dann wieder in die Gegenwart wo dieser in einer sehr wunderbar gestaltetet Szenerie unwissend auf Cassiopeia trifft. Diese hat gerade ziemlich dem Alkohol zugesprochen, bis sie eine sehr "ernüchternde" Nachricht erhält. Wie wir mitbekommen sind irgendwelche Leute weiteren Untergebenen von ihr entkommen, worüber sie überhaupt nicht begeistert ist. Zunächst dachte ich noch es ging bei der Nachricht um Krill oder einen der anderen KGJ in der Stadt, bis mir die Erwähnung des Bootes in die Augen sprang. Aus diesem Grund glaube ich, dass sie auch einige Leute auf Cals und Flints Fährte angesetzt hat und diese nun verloren wurde.

      Im letzten Abschnitt fliegt dann wie erwartet Copperfieldin die Luft. Mercedes stapft dabei durch die zerstörten Straßen und versucht ein kleines Mädchen zu retten, welches einen ähnlichen Namen wie ihr verstorbener Bruder hat. Leider kann sie in der ganzen Zerstörung die Augen nicht überall haben, weswegen das Mädchen leider nicht überlebt. Stattdessen findet Mercedes schließlich den schwerstverletzten Grauen Agenten, der schon wirklich ziemlich Rot zu sein scheint. Sofern ich es richtig verstanden habe, lag er so ziemlich im Zentrum der Explosion/Zerstörung, weswegen die Bombe wohl in Churchs Fabrikhalledetoniert ist. Dabei stellt sich die Frage, ob sie schon immer dort war oder von der anderen Agentin dorthin geschafft wurde. Was auch immer stimmt, einer der beiden, wenn nicht sogar diese ganze CP-0 Abteilung muss also irgendwie mit Ulysses zusammenarbeiten, was nach der ToLaHe schon die zweite CP Einheit sein wird.

      Letztendlich ist es dann doch wieder mehr geworden, als ich gedacht habe. Grob eine Wordseite scheint bei mir wohl immer Rauszufallen. ^^
      :thumbsup: Nicht nur in One Piece die reine Wahrheit: :thumbsup:
      Pirates are evil?!!... ...The Marines are Justice?!!
      These labels have been passed around Heaven knows how many times...!!!
      Kids who have never known peace... ...and kids who have never known war... ...Their values are too different!!!
      Whoever stands at the top can define right and wrong as they see fit!!!
      Right now, we stand in neutral territory!!!
      "Justice will prevail"?!... ...Well, sure it will!
      Whoever prevails... ...is Justice!!!! (Doflamingo)

      So kann man es aber auch sehen
      "THERE IS NO JUSTICE, THERE IS ONLY ME!"
      Death, Discworld, Terry Pratchett