Fußball Weltmeisterschaft 2022 Katar

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    • Wenn auch mit Verzögerung, so will ich auch noch ein paar Worte zu der WM verlieren, da ich als jahrelanger FuBafan mir mehrere Spiele nicht entgehen lassen wollte - vor allem die K.O.-Spiele und das Finale sowieso. Zunächst möchte ich aber loswerden, dass die Kroaten so ziemlich mies waren und ein geniales Halbfinale Argentinien-Brasilien verhindert haben^^. Was wäre denn bitte auf den Tribünen sowie zur Berichterstattung zwischen den beiden Ländern los...

      Aber gut, fangen wir doch mal von hinten an und bewerten hauptsächlich das Finale. Wie meine Vorredner muss ich zugeben, dass ich von dem Spiel total angetan war - insbesondere ab dem Zeitpunkt, als die Franzosen den Spieß umgedreht haben und sich erst in den letzten 15-10 Minuten gefangen haben. Eigentlich auch nur einer im besonderen Maße - Mbappe. Egal wie mir der Bengel unsymphatisch wirkt seitdem er bei PSG spielt muss man dennoch neidlos anerkennen, dass er sein Fach einfach drauf hat. In so einem jungen Alter acht Tore bei dieser WM geschossen zu haben sowie die Last seiner Nation bereits auf den Schultern zu tragen und einfach mal drei Elfmeter hintereinander zu verwandeln zeugt nicht nur von starken Nerven, sondern auch definitiv von Mut, Entschlossenheit und natürlich Talent. Im Spiel wirkte er auf mich wie jemand, der zwei Ligen über seine offensiven Kollegen anzusetzen ist, auch wenn er erst in der zweiten Hälfte gezündet hat.

      Geschuldet ist dies aber auch den Wechseln, die Deschamps zwingend nötig hatte. Ein Griezmann hat das Turnier nämlich über im Griff gehabt und schien auf mich wie der Griezmann aus seiner Zeit vor seiner Anstellung beim FC Barcelona gewesen zu sein. Von Giroud brauchen wir auch nicht zu sprechen, der Mann weiß einfach, wo das Tor steht. Ich denke mit den beiden hätte das Elfmeterschießen anders ausgesehen. Zudem hätte Giroud mit seiner Erfahrung eher das Tor getroffen als der unerfahrene Kolo Muani. Der Verteidigung sowie dem zentralen Mittelfeld mache ich auch keinen großen Vorwurf, denn wer die Argentinier seit längerem beobachtet, genauer gesagt seitdem Scaloni sein Team mit Erfolg führt, weiß, wie giftig, quirrlig und dennoch effizient sie sein können. Bis auf Mbappe haben die Franzosen die Effizienz im Finalspiel leider viel zu spät gezeigt, wo sie doch in den vorherigen Auseindandersetzungen mit weniger Offensivdrang für sich die Spiele entscheiden konnten. Hier mache ich Deschamps den Vorwurf, dass seine Mannschaft viel zu wenig auf das Pressing gesetzt und das schnelle Umschaltspiel vernachlässigt hat. Ich kann verstehen, dass er Ermüdung und Verletzungen im Laufe der K.O.-Runde nicht riskieren wollte, zumal bereits solche Brocken wie Benzema, Pogba, Kante und Nkunku nicht mitgefahren sind. Auch war er damals als Defensivmittelfeldspieler natürlich viel mehr auf die Defensive ausgerichtet, was wohl bis heute sein Motto bleibt. Nichtsdestotrotz hat er einen unfassbar breiten Pool an Spielern zu Verfügung - sei es in der Defensive und in der Offensive. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass er sich zu sehr auf individuelle Fähigkeiten seiner Spieler verlassen hat, was auch das ständige Einsetzen von Dembele erklärt, der seit längerem schon viel zu verspielt wirkt und wenig Impact auf das Zusammenspiel mit seinen französischen Kollegen hat. Kurz gefasst hat Frankreich wirklich eine geile Mannschaft und hat es sicherlich verdient im Finale zu spielen. Aber mMn hätte es ein noch besseres Finale werden können, wenn sie sich innerhalb der vorherigen Runden gesteigert und mehr Fokus auf das Tempo im Zusammenspiel gelegt hätten anstatt sich zuerst die Hoffnung zu machen, dass es Griezmann mit Mbappe und Giroud schon richten werden und im Anschluss ein Torverhältnis zugunsten Frankreich bis zum Ende zu verwalten.

      Richtigerweise haben sich nämlich die Argentinier innerhalb des Turniers gesteigert und das ist eindeutig Scaloni zu verdanken, der für mich das fehlende Puzzlestück zum Erfolg war. Es ist schon fast undankbar, wenn auch natürlich gerechtfertigt, dass Messi die ganze Lobhudelei in den Medien abbekommt, während Scaloni da etwas abtaucht. Nimmt man die unglückliche Niederlage gegen Saudi-Arabien raus hat der Mann hat mit seinem Team seit Juli 2019 (!) kein einziges Spiel verloren, und da waren bei allem Respekt für diese Mannschaften nicht nur solche Länder wie Estland dabei. Gewonnen wurde in der Zeit unter anderem die Copa America gegen den Erzrivalen Brasilien und die Finalissima gegen das starke Italien. Unter einem anderen Trainer, der zu allem Übel wieder einmal die balancierte Kaderzusammenstellung vernachlässigt hätte wie zu Zeiten als ein Emiliano Martinez, Rulli oder Lo Celso gar nicht nominiert wurden sondern ''Pechvögel'' wie Higuain, bin ich mir sicher, dass Argentinien wieder einmal durch das Raster gefallen wäre und sie wie bei den letzten zwei WMs nichts auf die Kette bekommen hätten. Und gerade die Spiele gegen Saudi-Arabien und vor allem gegen Mexiko haben womöglich die Wende sowie das nötige Einschwören der Mannschaft gebracht, sich für die Siege zu zerreisen. Gegen die Mexikaner sah es nämlich lange Zeit nicht gut aus, obwohl zugegeben die Nordamerikaner sich ausschließlich verbunkert haben. Mit Alvarez sah es dann auch viel besser aus als mit Lautaro Martínez, dem ich eindeutig mehr in dem Turnier zugetraut habe und der so ziemlich enttäuscht hat. Auch hier hat Scaloni ein goldenes Händchen bewiesen, aber u.a. auch mit der Einführung von Enzo Fernandes sowie dem Innenverteidiger-Paar Romero-Otamendi auf Kosten von Lisandro Martínez aus Manchester United. Nicht zu vergessen der Torhüter Martínez, der nach seinem unerwarteten Karrierehoch auf Clubebene mit seinen körperlichen Attributen zum festen Bestandteil wurde und ein doch solider Rulli das Nachsehen gegen ihn hatte.

      Wenn wir schon vom Erfolg der Argentinier sprechen, so kommen wir natürlich nicht über einen, wenn nicht den Akteur schlechtin, hinweg... auch hier hat Scaloni es geschafft, Messi endlich in die argentinische Mannschaft so zu integrieren, dass er der Schlüsselspieler ist, dem alle Freiheiten gewährt sind. Nicht nur das, ''La Comadreja'' hat sich mit seinen Kollegen sehr gut verstanden (was man auch abseits des Fussballfeldes sichtlich erkennen konnte) und er konnte ständig auf Zuspiele seiner Mitspieler zählen und vice versa - die Läufe der Argentinier nach seinen genialen Pässen waren hervorragend einstudiert. Dadurch hatten die Mannschaften, egal ob Frankreich, die Niederlande oder Kroatien, richtige Probleme gehabt die Spieler zu bewachen. Ganz egal ob es Fernandez, MacAllister, Di Maria oder Alvarez waren - Messi konnte sich mit ihnen allen perfekt ergänzen. Ich werde auch nicht das Gefühl los, dass Messi im Vorfeld seiner Unterschrift bei PSG (vielleicht noch länger?) hauptsächlich die WM-Trophäe als letzten wichtigen Pokal ins Visier genommen hat und bis auf einige CL-Spiele seine Kräfte in der französischen Liga schonen wollte (machen wir uns nichts vor: kein dortiger Club kann den Parisern leider das Wasser reichen). Nun hat er wirklich alles mögliche gewonnen - auch die Vergleiche mit Maradonna werden ihn da hoffentlich nicht mehr großartig stören. Jedenfalls meinte er in einem der letzten Interviews, dass er noch gerne einige Spiele für die argentinische Mannschaft absolvieren und vollkommen befreit aufspielen will. Ich denke mal, dass es ihm total gegönnt sei. Denn als jemand, der seine fussballerischen Qualitäten vergöttert bin ich dafür dankbar, ihn in meiner Zeit beinahe seit dem Anfang seiner Karriere beobachtet zu haben. Und natürlich blende ich auch nicht die außersportlichen Sachen bei ihm aus, was die Kollegen in diesem Thread mehrere Tage früher geschrieben haben hinsichtlich einiger seiner Eskapaden, egal ob Steuerhinterziehung oder die Wehwechen mit dem FC Barcelona. Ich denke, die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen - bei einigen Tatsachen wird Messi noch mehr schuldig sein, bei anderen Themen wiederum weniger. Daher setze ich mir keine Scheuklappen auf meine Augen. Sportlich bestehen da aber keine Zweifel: er ist eine Maschine.

      Noch was zu den argentinischen Fans: ich weiß nicht, wie die es hinbekommen haben in so großer Anzahl bei den Spielen dabei zu sein. Zumal die Tickets (insbesondere in den Finalrunden) samt den Unterkünften, Flügen etc. schweineteuer waren. Aber sie bekommen definitiv ein Applaus von mir für die wunderbare Stimmung, die sie während den Spielen getragen haben. Ich denke auch das gehörte zu den Stärken des argentinischen Teams: die eingeschworene Einheit nicht nur unter sich, sondern auch mit den Fans (im Übrigen etwas, was momentan zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den deutschen Fans sowas von abhanden kommt). Man sah überall argentinische Fahnen, Trikots, der Stolz der Argentinier war förmlich zu spüren. Das erinnert mich immer wieder an die ebenfalls hohe Anzahl polnischer Fussballfans während den Turnieren vor einigen Jahren, die so gut wie immer die Stadien gefüllt haben und ihre Mannschaft angefeuert haben (schade nur, dass meine Landsmänner nie die Qualität der Argentinier haben werden^^). Jedenfalls glaube ich auch deshalb hatten die argentinischen Fussballspieler hin und wieder leider unschöne Ausreißer aufgrund ihres Temperaments sowie eines hohen Adrenalinzuwachses und provozierten die Gegner unnötig. Ich spiele hier natürlich auf die Szenen mit den Niederlanden, wenn auch die Niederländer für einige unschöne Verhaltensweisen bekannt sind und definitiv nicht unschuldig waren (Van Gaal oder Tim Krul in der Vergangenheit lassen grüßen).

      Mein Beitrag hat sich jetzt doch zu sehr auf Argentinien und Frankreich konzentriert, daher komme ich am Ende auch noch auf die WM an sich. Es wurde ja immer wieder lamentiert, gerade von deutsches Seite, dass die WM an sich schlecht sein wird, die Spiele keine Qualität bieten wird, das Interesse an der WM sehr niedrig sein wird und und und. Und nun? Ich finde gar nichts davon ist eingetroffen. Richtig ist, dass solche Momente wie das Eröffnungsspiel, wo die bezahlten Katarfans das Spiel noch vor Ende verlassen haben, peinlich waren und einer WM sowieso nicht würdig waren. Damit gelangen wir zum nächsten Punkt, nämlich dass Katar diese WM ohnehin nicht verdient hat. Machen wir uns nichts vor: jeder, absolut jeder, auch ein Kleinkind, wusste über die FIFA und die schräge WM-Vergabe Bescheid. Am Ende aber wird es denke ich keinen Unterschied mehr ausmachen, wo das Turnier in der Zukunft ausgetragen wird, sobald der Euro/Rubel/Dollar oder was auch immer rollt: die FIFA ist zu einer unendlichen Geldmaschine verkommen. Ich lege meine Hand ins Feuer, dass es nie zu der Situation kommen wird, dass alle Fans/Menschen weltweit solche Turniere boykottieren werden, um die FIFA damit zu schwächen. Nicht nur hat die FIFA Geldreserven mit Hilfe von Merchandise-Produkten, TV-Rechten usw. sondern und vielleicht vor allem durch Staaten, die an einer WM-Vergabe am meisten Interesse daran haben, das eigene Image zu polieren. Dafür können auch die Fans nichts, die fernab ob uns Deutschen ihren Spaß an einer WM nicht verlieren wollen - sei es die asiatischen, europäischen, nordamerikanischen und insbesondere die südamerikanischen und afrikanischen Länder. Dafür kann man ihnen keinen Vorwurf machen, denn jeder hat seinen Grund dafür, ein Fussballfest zu feiern. Manch einer wie ich will sich von den Alltagsproblemen loslösen, andere wiederum nutzen dies, um mit den Kumpels Spaß zu haben. Und es gibt weitere Beispiele.

      Augenscheinlich will ich damit das Problem der deutschen Sichtweise auffassen, die sich mittlerweile über jeden möglichen Kanal erstreckt hat (auch hier im Pirateboard). Man hat mehrmals das Gefühl gehabt, dass es eine Schande wäre, sich die WM reinzuziehen und das man gleichzeitig die Dreistigkeiten hinter dem Katar-Regime ausblenden würde. Diese eigenartige Sichtweise, die den Moralaposteln auch bei politischen Diskussionen hierzulande ziemlich ähnelt, habe ich wirklich nur in Deutschland beobachtet. Nirgendswo anders hat man das Gefühl gehabt, man möchte die Lust auf die WM so vergiften und das obwohl man sich über die Umstände der WM dennoch bewusst war. Hervorragend konnte man das anhand der fehlgeschlagenen Debatte über die OneLove-Binde beobachten, als die deutsche Mannschaft samt Trainer, Manager und die Innenministerin (aus welchen Gründen sie auch immer dort war) sich zum weltweiten Gespött machten. Einige ahmten uns mit der Mundbewegung nach, andere wiederum wiesen darauf hin, dass die Deutschen viel zu sehr auf ein einziges Thema eingeschossen haben anstatt sich auf den Fussball zu konzentrieren. Das hat unter anderem Granit Xhaka verstanden: seine Schweizer Nationalmannschaft wollte ebenfalls an der Aktion teilnehmen. Er verdeutlichte aber, dass der sportliche Aspekt immer eine größere Rolle spielen würde und sie sich daher darauf konzentrieren müssen. Das hat auch Eden Hazard von Belgien gemeint. Hugo Lloris von Frankreich sagte, sie würden sogar die Prinzipien des Gastgebers respektieren. Daneben haben auch Dänemark, England und weitere Nationen verstanden, dass sie aufhören sollten, sich in die Politik einzumischen, weil die FIFA ihnen gedroht hat und es ihnen demnach nichts bringen würde. Alle haben es verstanden, nur ''Die Mannschaft'' nicht. Jetzt will ich nicht weiter den Zug ausrollen, aber amüsant ist es dennoch zu lesen, wie die Spieler, darunter vor allem die Bayern-Spieler, Katar kritisierten. Aber genau dieselben Bayern-Spieler und Co. fliegen dort ab und zu hin, wohnen in wunderbaren Hotels und genießen auch die dortige Kulinarik. Oder ist es vielleicht doch eher so, dass sie nach ihren dortigen Trainings während der Vorbereitungswochen vor dem Start der Bundesliga traurig sind und aus Wut weinen, ja fast schon die Reise dahin boykotierren, weil sie dort nicht trainieren wollen^^? Ganz zu schweigen von anderen Ländern mit ähnlichen Problemen, die sie (inklusive Trainer, Manager etc.) ebenfalls aufsuchen.

      Am Ende bleibt mir zu sagen: Trotz dessen, dass ich die WM natürlich woanders sehen wollte, u.a. weil eine WM im Winter nie besser sein wird als im Sommer, war ich mit der Qualität der Spielen zufrieden. Mal einige Gruppenspiele ausgeblendet sowie die defensive Spielweisen einiger Mannschaften war auch immer wieder Spannung in bestimmten Spielen dabei (England-Frankreich, Argentinien-Niederlande, Spanien-Deutschland etc.). Hoffen wir darauf, dass bis zur WM 2026 meine Polen endlich mal immerhin einen winzigen Schritt nach vorne machen, die Deutschen aufhören auf politische Statements zu beharren bzw. das in Grenzen halten, die Franzosen mehrere Mbappes bis dahin ausgebildet haben, Italien wieder am Start ist, Brasilien auch mal endlich etwas beweisen kann und dass die spanischsprechenden Nationalmannschaften so weit wie möglich kommen (aufgrund meiner Affinität zum Spanischen unterstütze ich Spanien und die südamerikanischen Länder besonders)^^.

      Ansonsten wünsche ich euch allen angenehme Weihnachtstage.

      PS: Schade wegen dem Free-TV... man zahlt immer höhere Beiträge hierzulande, obwohl man nicht einmal ein Fernseher oder gar Internet haben muss, während einige andere Länder (Großbritannien oder Frankreich, ich weiß nicht mehr genau wer von beiden) die Beiträge reduzieren. Das Spiel um den dritten Platz nicht sehen zu können ist schon schwach. In Ländern wie Polen konnte man dagegen jedes Spiel gucken. Aber gut, immerhin war Sandro Wagner als Co-Kommentator wie immer nicht zu toppen. Christoph Kramer als Gast im Studio nach den Spielen auch angenehmen zuzuhören. Auch George Ezras Dance all over me bei ZDF wird mich immer an die WM erinnern - das war eine gute Wahl für den WM-Song.
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