Buchrezensionen

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    • "The Invention of Nature is my quest to rediscover Humboldt, and to restore him to his rightful place in the pantheon of nature and science. It's also a quest to understand why we think as we do today about the natural world."

      The Invention of Nature
      The Adventures of Alexander von Humboldt
      The Lost Hero of Science

      Andrea Wulf


      'The Invention of Nature' gehört zu einer der wohl am langweiligsten anmutenden Gattung von Büchern. Es ist eine Biographie. Doch dank ihrer bildlichen Schreibweise und Wortgewalt, gelingt es der Autorin, aus dieser Biographie eine Geschichte zu machen. Ein Abenteuer durch die Regenwälder Südamerikas, auf die Spitze der höchsten Berge der Anden, in das junge Nordamerika, durch die politischen Unruhen Europas und nach Russland. Sie erweckt die Reisen von Alexander von Humboldt zum Leben und beschreibt, wie diese Reisen und Humboldts Erkenntnisse daraus unser Denken bis heute beeinflussen.

      Das Buch beginnt mit Humboldts Kindheit, seinem Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Mutter und seiner unbändigen Reiselust, welche ihn schliesslich dazu verleitete, auf Reisen zu gehen. In diesen Reisen liegt die grösste Stärke des Buches. Sie sind lebhaft und mit schillernden Farben beschrieben, mit unzähligen kleinen Episoden über Zitteraale, Unfälle mit dem Gift der Einheimischen und tierische Überraschungsangriffe in der Nacht. Dabei schildert die Autorin mit vielen Zitaten und Beschreibungen den Gedankenprozess Humboldts, was sie schliesslich zum Höhepunkt seiner Südamerikareise führt, dem Naturgemälde.
      Doch es sind nicht nur die Reisen, die dieses Buch so grossartig machen. Andrea Wulf beschreibt auch, wie Humboldt mit seinem emotionalen und poetischen Schreibstil nicht nur andere Forscher - wie Charles Darwin - inspirierte, sondern auch der Öffentlichkeit die Wunder der neuen Welt näherbrachte. Sie zeigt auch, wie Humboldts gesamtheitliche Herangehensweise an seine Beobachtungen ihn dazu führte, sich nicht nur zu entdeckten Pflanzen und dem von ihm entdeckten Konzept der Klimazonen zu äussern. Er kritisierte in denselben Büchern die Sklaverei und den unbedachten Umgang mit der Natur durch die Menschen. Damit wurde er zum ersten Menschen, der öffentlich vor unumkehrbaren Mensch-gemachten klimatischen Veränderungen warnte, wobei er insbesondere Waldabholzung, Bodenbewässerung und die hohe Produktion von Dampf und Gas in den Industriezentren kritisierte. Mit seinen Schriften wurde Humboldt zum Urvater der Umweltschutzbewegung und der erste Bote der Schäden durch Menschen-gemachten Klimawandel.

      Humboldt hatte die Eigenschaft, Menschen zu inspirieren. Er inspirierte Wissenschaftler, Künstler und viele mehr. In diesem Buch widmet Andrea Wulf einigen dieser Menschen jeweils ein Kapitel. Darunter befinden sich Charles Darwin, die Revolutionäre Simón Bolívar und Thomas Jefferson, die Künstler Henry David Thoreau, Goerge Perkins Marsh und Ernst Haeckel und der Begründer der Nordamerikanischen Umweltschutzbewegung, John Muir.

      Humboldt beeinflusste nicht nur grosse Denker. Sein Werk beeinflusst bis heute, wie die Natur an der Schule gelehrt wird, wie die Natur in Sachbüchern für Kinder beschrieben wird und Zeitschriften wie Geo folgen Humboldts Ideal eines vernetzten Kosmos, in dem jedes Thema von Relevanz ist. Seine Einflüsse sind derart selbstverständlich in unserem Denken, dass sich nur die wenigsten noch an ihn erinnern. Aufgrund der Aktualität vieler seiner Themen, wie Klimawandel und Metadisziplinarität, und seiner inspirierenden Art zu schreiben, ist dies ein grosser Verlust. 'The Invention of Nature', oder auf Deutsch 'Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur', legt Humboldts Leben und seine Einflüsse auf inspirierende Art und Weise dar und zeigt, weshalb er bis heute von grosser Relevanz ist. Dank dem faszinierenden Thema und der wundervollen Schreibweise hat diese Buch es sofort zu meinen Lieblingsbüchern geschafft. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen. Ohne Vorbehalte.
      Hello, I'm Mathemagica, the man who will become pirate king.
    • The Rise and Fall of the Dinosaurs
      -
      A New History of a Lost World

      Steve Brusatte


      Für nicht-professionelle Dinofans ein Muss. Für alle anderen ist diese Rezension.

      Steve Brusatte ist ein prominenter Paläontologe einer neuen Generation, die mit neuen Ideen und Technologien unser Verständnis von Dinosauriern radikal überarbeiten. In diesem Buch erzählt er die Geschichte der Dinosaurier von ihren Anfängen im frühen Tria bis zu ihrem Aussterben beim abrupten Ende der Kreidezeit und sogar noch ein wenig darüber hinaus. Dabei beschränkt er sich nicht darauf, neue Erkenntnisse zu präsentieren, sondern schildert auf wundervolle Weise, wie die Welt der Dinosaurier demnach ausgesehen haben muss. Aber es bleibt nicht nur bei den Dinosauriern und ihrer Welt. Brusatte erzählt die Geschichten der Forscher und Forscherinnen, wie sie zu ihren Erkenntnissen gekommen waren und wie die Sichtweise der Paläontologie auf die Ära der Dinosaurier immer wieder revolutioniert wurde. Die Dinosaurier-Begeisterung und die neuen Gelegenheiten der Entdeckungen unserer Zeit (zur Zeit wird im Durchschnitt eine neue Dinosaurierspezies pro Woche entdeckt) heben dabei vom Papier ab und erwecken die Aufbruchsstimmung, die in der Paläontologie zur Zeit herrscht, zum Leben

      Das Buch ist chronologisch aufgebaut. Es beginnt mit dem Massensterben, welches das Tria einläutet und den Dinosauriern überhaupt die Gelegenheit bietet, eine dominante Rolle im Ökosystem einzunehmen. Die Geschichte führt uns über den Kontinent Pangäa und die frühen Entwicklungen der Dinosaurier, durch das Jura mit seinen Brachiosauriern und Allosaurusen zur Kreidezeit, wo die Kontinente getrennt waren und sich verschiedene Ökosysteme entwickelt hatten. Sich der Interessen seines Publikums wohl bewusst, stellt Brusatte den Tyrannosaurus Rex in den Mittelpunkt seiner Kapitel über die Kreidezeit. Von dort aus findet er jedoch einen direkten Weg zu seinem nächsten Thema, der Entwicklung von fliegenden Dinosauriern und schliesslich, den Vögeln (welche sich aus einer Familie der Theropoden - zu denen auch die Tyrannosaurier und Raptoren gehören - entwickelt haben).
      Danach nimmt die Geschichte eine brutale Wendung, wenn ein Asteroid (oder Komet) auf der Erde einschlägt und die Kreidezeit - und die Ära der Dinosaurier - beendet. Die Ursprünge der Asteroiden-Theorie und die Indizien, dass dieser Hauptverantwortlicher für das Aussterben der Dinosaurier ist, werden erläutert. Zuletzt blickt Brusatte auf die Zeit nach dem Einschlag des Asteroiden. Er wirft einen kurzen Blick auf den frühen Aufstieg der Säugetiere und der ersten Primaten, nur fünftausend Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier.

      Durch das ganze Buch hinweg spielen Umweltbedingungen, tektonische Plattenverschiebungen und Massensterben eine zentrale Rolle. Paläontologie hat in den letzten Jahrzehnten eine bedeutende Rolle in der Erforschung des Klimawandels eingenommen, da sie uns einen Einblick in frühere globale Umweltkatastrophen und Massensterben bietet. Auf diesem Weg schlägt Brusatte immer wieder, wenn auch nicht immer explizit, den Bogen in die Gegenwart und zu Themen, die uns alle betreffen.

      Den Schreibstil des Buches würde ich als ‚journalistisch/US-Amerikanisch‘ bezeichnen. Brusatte erzählt gerne Geschichten und vermittelt die paläontologischen Erkenntnisse auf diese Weise. Er schmückt diese Geschichten im Rückblick auf die Welt der Dinosaurier auch gerne künstlerisch aus; die eigentlichen Erkenntnisse bleiben jedoch sorgfältig beschrieben und begründet.

      Die grösste Schwäche des Buches ist wohl, dass es zu wenige Illustrationen hat. Es sind durchaus einige vorhanden, doch wenn Brusatte erzählt, wie er in seiner Dissertation einen phylogenetischen Baum für Dinosaurierarten gemacht hat, dann will ich diesen Baum sehen. Ähnliches gilt für einige andere Stellen, wo sich eine Illustration wunderbar angeboten hat, diese jedoch leider gefehlt hat.

      Ich habe es schon zu Beginn gesagt: Für Dinosaurierfans gibt es keinen Grund, das Buch nicht zu lesen. Wer sich für die Massensterben und Klimawandel interessiert, wird in dem Buch immer wieder interessante Informationen über frühere extreme Ereignisse finden, welche eine frische Perspektive auf aktuelle Themen ermöglichen.
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